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Samstag, 2. Februar 2019

Fallout

Bienen Lorenz schloss kurz nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl, weil damals Angst vor Wild und Honig mit heimischer Herkunft herrschte. Bei Wild - namentlich Wildschweinen - vermutlich sogar zurecht. Das ist jetzt eine ganze Weile her, und es ist halt, wie es ist; Der Laden und das Haus gehört der Familie, sie ist nicht ganz arm, und sie lässt es leer stehen. Mit dem Ergebnis, dass es hier immer noch so wie 1970 aussieht. Ich kenne das nicht anders, nur waren früher die Gardinen tagsüber offen.



In Italien hätte sich vermutlich längst jemand gefunden, der die gute Erhaltung erkennt, und daraus etwas macht - hier bei uns werden die Fensterscheiben eher klein gemauert, um am innerstädtischen Wohnungsboom mitzuverdienen. Dabei ist das hier nur 30 Meter vom Rathausplatz entfernt. Es ist ein ziemlicher Jammer, sobald sich die Familie einmal aufraffen sollte, um das zu tun. Aber noch ist Zeit, noch wartet der Laden auf jemand, der etwas Besonderes anbieten will, und vielleicht hat er ja Glück. Ich habe aktuell selbst zwei solche Objekte, die auf Restaurierung warten, bei mir hängen dauernd Kaufgesuche an den Fensterscheiben. Es muss vielleicht einfach der Richtige kommen. So einen kleinen Feinkostkäseladen könnten wir hier schon brauchen. Gern mit genau diesem Schaufenster.

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Sonntag, 27. Januar 2019

Matsch

Die erste L'Eroica ist schon Ende April. Und obwohl ich gern radle, waren November und Dezember zum Vergessen, um es höflich zu formulieren. Aber jetzt ist es nicht mehr grau, sondern nur noch matschig. Und Matsch ist - siehe L'Eroica - keine Ausrede.





Also los. Das Ziel: 1500 Trainingskilometer bis April. Minimal.

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Mittwoch, 23. Januar 2019

Warum ich Buzzfeed.de schliessen würde

Ich habe kurz vor Weihnachten den gesammelten Frust deutscher Trashportale abbekommen, weil ich mich skeptisch zu ihren Erfolgsaussichten geäussert habe, nachdem andere schon mal vorgegangen sind, darunter übrigens auch die Gendermüllschleuder Jezebel. Ein paar Leute wollten mit einem Shitstorm zündeln, weil ich sexuelle Sonderwünsche nicht pc tituliert habe, und so generell hiess es, ich hätte keine Ahnung. Keine zwei Monate später wird jetzt bekannt, dass Buzzfeed 15% seiner Mitarbeiter vor die Tür setzt. So ist das nun mal. Man lege sich als Startupper nicht dem dem DCT-Champion an.



Entsprechend gehen bei Buzzfeed.de Ergebenheitsadressen von ähnlich gepolten Trashproduzenten ein. Ich nehme an, das hat auch damit zu tun, dass es bento, watson, zett und Vice nicht wirklich gut geht - das mit Springerbeteiligung aufgebaute Projekt Mic ist eh am Ende, und ein anderer Pöbler, der im Umfeld von Buzzfeed News abhängt, hat momentan auch schlechte Laune. Ich möchte trotzdem mal erklären, warum ich, hätte ich dort etwas zu melden, den deutschen Zweig einstellen würde. Nichts Persönliches, nur Erfahrung aus der schlechten, alten Zeit:

1. die enorme Konkurrenz. Eben von allen grossen deutschen Medienmarken, die sich frühzeitig gegen den kommenden Superstar, der nun keiner ist, wappnen wollten. Speziell Bento kann sehr viel leichter Traffic auf sich ziehen, als das bei Buzzfeed.de je möglich wäre.

2. Die Bildung der Deutschen. Die Leute, die sich für die Inhalte interessieren, können auch zum US-Original gehen, es ist ja nicht wirklich anspruchsvoll, auch im journalistischen Teil, wo der SJW-Morast Abermillionen von reaktionärem Kapital verbrennt. Wer das will, braucht den deutschen Ableger nicht.

3. Der deutsche Ableger ist nicht gross, aber der deutsche Werbemarkt ist komplex und wird von alten Medien dominiert, so dass da sicher noch eine längere Zeit wenig Profite erwirtschaftet werden. Native Advertising ist hierzulande auch nicht so einfach. Buzzfeed braucht aber unbedingt den Erfolg - nicht nur ein Break Even, sondern Gewinne. Wenn es mal laufen würde, könnte man in Deutschland schnell wieder Strukturen aufbauen, aber im Moment ist der einfachste Weg, alles zu killen, was Geld kostet und nicht wirklich zukunftsträchtig ist. Und die Deutschen sind nicht die Innovativsten.



4. Verschlanken ist nie einfach, weil man überall jemandem etwas wegnehmen muss. Es gibt viele lose Enden, Mehrfachbelastungen, Kompetenzen gehen verloren. Mit dem Absägen der deutschen Operation - und eventuell einer übersetzten .de-Seite von London aus - wird man wirklich einige Leute auf einen Schlag los, statt in allen Bereichen zu feuern. Dass Buzzfeed das gern macht, hat man bei der französischen Seite und den Podcastern schon gesehen. Im Kern würde das auch jetzt Sinn machen. Es ist halt nicht schön für die Betroffenen.

Zumal es um die Befriedigung reicher Investoren geht, die normalerweise ihr Kapital nicht auf einen Schlag, sondern in Tranchen auszahlen - zumindest war das früher bei Venture Capital meistens so. Bei solchen Gesprächen um weiteres, eigentlich schon bewilligtes Geld lohnt es sich, Schnitte zu präsentieren, die einfach, radikal und schmerzhaft sind, statt sich im Klein-Klein zu verstricken: Ein Blick auf die Entwicklungscharts, ein kurzes Nachdenken, wie lang es noch dauern würde, bis sich die Sparte trägt, dann das schlechteste Zehntel streichen - so würde ich da vorgehen, wenn ich in der üblen Lage wäre, das tun zu müssen. Montag wissen wir vielleicht mehr. Dagegen steht natürlich, dass Deutschland ein wichtiger Markt ist.

Oh, und ich glaube nicht, dass es deshalb für die anderen leichter wird, mit Podcasts, die teuer produziert werden und dann nur ein paar 100 Klicks bekommen, zu überleben. Die grosse Frage 2019, 2020, 2021 wird sein, wie man sich für Inhalte bezahlen lässt. Denn da draussen droht eine Rezession, und mittellose Millenials haben dann ganz andere Probleme als den Kauf eines Staubsaugers, der wie eine Laserkanone aussieht. Von den Trashportalen gibt es auch ohne Buzzfeed immer noch zu viele.

Edit: Sie haben sich diesmal anders entschieden, man darf gespannt sein, wo dann gekürzt wird:

https://twitter.com/danieldrepper/status/1088796136696107008

Edit 2: Sie haben Buzzfeed Espagna gekillt, also komplett, wie vermutet:

https://twitter.com/BuzzFeedEspana/status/1088790985038053379

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Dienstag, 22. Januar 2019

Heimarbeitsplatz

Das ist so toll.

Das ist so grandios.

Schon die Fahrten nach Frankfurt waren eine schwere Belastung, Berlin ist um ein Vielfaches schlimmer. Nicht dass ich es nicht ertragen - und die Vorteile entsprechend mitnehmen - würde.Ich habe das ja schon mal gemacht. Aber der Umstand, einfach mal arbeiten zu können und dann auch wieder nicht, die Freiheit, die Leistung zu erbringen, wenn es passr und nicht, wenn das Büro aufgesperrt ist - das ist schon toll. Das bisserl Disziplin, das ich dazu brauche, habe ich sowieso. Dieser Arbeitsplatz, das ist ein ganz grosses Privileg, selbst wenn ich ihn selbst finanziere, was mir allerdings nicht schwer fällt. 4 Meter zur Küche mit feinem Porzellan, Silberkannen und genau dem Tee, den ich brauche.



Kein Bus. Keine U-Bahn. Kein Scheibenkratzen am Morgen und statt des Bürostuhls verschiedene Sofas. Ruhe, wenn ich will, und Musik auf Knopfdruck. Experimentiermöglichkeiten. Ich habe nur den allerersten Beitrag für die FAZ tatsächlich in einem Büro geschrieben, und ich habe gemerkt, dass das nichts für mich ist. Einfach nicht meine Welt und zu viele Menschen. Man kann sich dort nicht gehen lassen. Alles gehört anderen Leuten. Man ist da nur Leistungserbringer in einer Maschine. Das passt nicht zu mir. Ich mache es daheim. Es macht mich glücklich. Wie können andere nur arbeiten, wenn nebenan kein halbfertiges Rad steht und an der Wand kein Gemälde hängt?

Irgendwie können sie es schon. Ich will aber nicht. Ich will diese meine Höhle und sonst nichts. Keine Karriere, keinen Titel, nur den grünen Samtsessel und den Blick auf Rokoko und lachsfarbene Wände.

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Sonntag, 20. Januar 2019

Zurück

Ich fahre nicht nach Berlin, um meine Vorurteile bestätigen zu lassen. Ich fahre hin und nehme es, wie es kommt. Die Bierflaschen in der Alkoholverbotszone, der Obdachlose, der sich in der Kochstrasse genau auf dem Treppenaufgang der U-Bahn übergab, die verbogenen Räder, all diese Menschen mit Plastiktüten, die Müdigkeit in den den Gesichtern, die Fixierung auf die Handies, die Notrufsysteme auf den Bahnsteigen. Ich beobachte, ich bemerke, ich spule mein dichtes Programm ab, ich gehe wieder.



Einfach gesagt, habe ich einen ganz guten Vergleich zum Berlin von 2004. Es hat sich etwas geändert, es gibt mehr Protzbauten, das Regierungsviertel kommt voran, vielfältiges Travertin mit bodentiefen Fenstern, etwas höhere Preise, kaum mehr Trödler, aber so insgesamt - es zerfällt so schnell, wie es aufgebaut wird. Wenn das der Fortschritt von 15 Jahren war, 15 Jahren des Aufschwungs im Rest des Landes, dann wird es jetzt in der Stagnation nicht gemütlich. Möglicherweise muss ich jetzt einige Zeit auf ein paar Termine im Jahr da hoch, aber ich kann immer wieder in den Zug steigen und nach Hause fahren. Es geht mir gut, sehr gut, und da sitze ich dann in grünen Chippendalesesseln und lese, wie andere dort beraubt werden, sich die Wohnungen nicht leisten können, und sich an Martenstein abreagieren, weil er das anspricht, was sie nicht vertragen. Die Profite machen die Zuhälter der richtigen Haltung, die fettkranken Medienkritiker mit Bewegungsproblemen, die Sasialtlasten als Meinungsbekämpfer, die Antifa, die von der Linken mit Staatsknete bezahlt wird, aber auch nicht wirklich gut. Im Alter wird das bei denen hässlich. Man liest gerade wieder viel von Depressionen. Ich nehme noch einen Tee.

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Samstag, 19. Januar 2019

10 Jahre Stützen der Gesellschaft

Es war mir ein enormes Vergnügen. Und was das Blog alles so überstanden hat, intrigante Redakteure, Kampagnen, niederträchtuge Briefe, gezielte Mordversuche, einen kompletten Wechsel zu einer anderen Zeitung, während in der ersten noch gedacht wurde, das wäre jetzt vorbei, mehrere Relaunches durch meist wenig bedarftes Personal, ein Hackingvortrag vor versammelter Mannschaft, ein Override des Layouts gegen die Aufforderung, das nicht zu tun, ein Ausweichblog, ein wirklich tragischer Tod, ach, man könnte stundenlang erzählen und vor allem Danke sagen, bei Lebenden und, leider, auch Toten.



Ich hoffe, das wird noch lang so weiter gehen, zum Vergnügen der Leser und zum Ärger derjenigen, die viel dafür tun würden, dass es verschwindet. Ich möchte darin zwar keine Nachrufe schreiben, aber das ein oder andere "Ach" wird mir darin schon noch entfahren. Man triffft sich immer zweimal. Und die Stützen der Gesellschaft sind oft ganz schön stabil.

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Freitag, 18. Januar 2019

Liegen bleiben in Berlin

In der Nationalgalerie.



Neben dem Kanzleramt.



In der Kastanienallee am Weinbergpark.



In der Friedrichstrasse unter der S-Bahn.



An der U8 am Moritzplatz, bis zum Tod vor einer Woche, als auch andere hier vorbei hasteten.



Ich kann das nicht wegfiltern, ich kann nicht aufhören, diese Konfrontation zu sehen, auch wenn sie sich nicht gerade vor meine Füsse erbricht, wie am Freitag Morgen in der Kochstrasse. Es ist zu viel. Es ist ein Dauerzustand, und wie viele letztlich nur irgendwo bei Freunden unterkommen, weil aus den Träumen nichts wurde. - da gibt es keine Statistik.

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Donnerstag, 17. Januar 2019

Markenwerbung

Zweimal die gleiche Marke, im Abstand von 50 Metern. Einmal in der emotionalen Werbung vor schäbigen Kacheln, die früher vielleicht einmal als frisch und bunt galten.



Und einmal an den Füssen einer Person, die sich zum Schlafen hinter einen Aufzug zurück gezogen hat. Dazwischen enorm viele Berliner, die alle auf ihre Mobilendgeräte starren.



Man kann darüber reden, ob es Sinn macht, das zu zeigen, wenn man nach 2 Tagen wieder in den Zug steigt und dorthin fährt, wo weder Armut noch solche Marken relevante Rollen spielen. Es fällt mir halt auf. Wie all die Flaschensammler hier. Ich kann das nicht ignorieren, es ist zu dominierend. Vielleicht ist es einfach die Übung am realen Elend, die die Berliner zu so famosen Filterblasern im Netz macht. Wenn man das Mobilgerät braucht, um so vieles nicht zu sehen, will man auch im Netz nichts ertragen, das einem nicht behagt.

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