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Ich fahre nicht nach Berlin, um meine Vorurteile bestätigen zu lassen. Ich fahre hin und nehme es, wie es kommt. Die Bierflaschen in der Alkoholverbotszone, der Obdachlose, der sich in der Kochstrasse genau auf dem Treppenaufgang der U-Bahn übergab, die verbogenen Räder, all diese Menschen mit Plastiktüten, die Müdigkeit in den den Gesichtern, die Fixierung auf die Handies, die Notrufsysteme auf den Bahnsteigen. Ich beobachte, ich bemerke, ich spule mein dichtes Programm ab, ich gehe wieder.



Einfach gesagt, habe ich einen ganz guten Vergleich zum Berlin von 2004. Es hat sich etwas geändert, es gibt mehr Protzbauten, das Regierungsviertel kommt voran, vielfältiges Travertin mit bodentiefen Fenstern, etwas höhere Preise, kaum mehr Trödler, aber so insgesamt - es zerfällt so schnell, wie es aufgebaut wird. Wenn das der Fortschritt von 15 Jahren war, 15 Jahren des Aufschwungs im Rest des Landes, dann wird es jetzt in der Stagnation nicht gemütlich. Möglicherweise muss ich jetzt einige Zeit auf ein paar Termine im Jahr da hoch, aber ich kann immer wieder in den Zug steigen und nach Hause fahren. Es geht mir gut, sehr gut, und da sitze ich dann in grünen Chippendalesesseln und lese, wie andere dort beraubt werden, sich die Wohnungen nicht leisten können, und sich an Martenstein abreagieren, weil er das anspricht, was sie nicht vertragen. Die Profite machen die Zuhälter der richtigen Haltung, die fettkranken Medienkritiker mit Bewegungsproblemen, die Sasialtlasten als Meinungsbekämpfer, die Antifa, die von der Linken mit Staatsknete bezahlt wird, aber auch nicht wirklich gut. Im Alter wird das bei denen hässlich. Man liest gerade wieder viel von Depressionen. Ich nehme noch einen Tee.

Sonntag, 20. Januar 2019, 12:55, von donalphons | |comment

 
Mäh
Ich habe den Hype um Berlin nie verstanden. Vor 20 Jahren war ich das letzte Mal dort, und spüre keinerlei Verlangen, je nochmal hinzufahren, jetzt schon gleich gar nicht mehr.

Worin soll der Reiz bestehen? Es gibt ja Städte, die einen morbiden Charme haben, schöne Städte, alte Städte, aber in Berlin habe ich Abgeranztheit gesehen, kaputte Typen und Schnorrertum.
Zugegebenermaßen gibt es nette Berliner, ich kenne ein paar, aber diese losen Bekanntschaften erachte ich nicht wert, mir diese Stadt nochmal anzutun.

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1993 war das schon ein deutlicher Unterschied zum Süden der Republik.
Allein schon Ladenschlusszeiten... ausserdem Leute von überall her, und die meisten auch auf der Suche nach... irgendwas, Hauptsache neu und nicht wie zu Hause.

Hängen geblieben bin ich dort trotzdem nicht - nicht wenn man mit bayrischen Akzent immer gleich in die rechte CSU-Wählerschublade gesteckt wurde und derlei tribalistische Nettigkeiten mehr.

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Das Schaufenster der spätrömischen Dekadenz. Wer vor 20 Jahren die Länder des ehemaligen Ostblocks bereist hatte wird hier im Verfall parallelen sehen. Nur daß im Unterschied dazu es im ehemaligen Ostblock wieder aufwärts geht. Bukarest ist richtig hypsch geworden!

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aber ich kann immer wieder in den Zug steigen und nach Hause fahren
da wär ich mir nicht so sicher. Vielleicht haben auch mal wieder Metalldiebe die Verbindung unterbrochen.

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Museumsinsel: Islamische Kunst
....dann noch schnell zu Chanel und nix wie weg.

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Noch einen Tee
Anders als der Hausherr bevorzuge ich im eigenen Hause ja eine Tasse des her-vor-ra-gen-den First Flush Darjeelings aus der (Achtung: berliner) Teekampagne.

Ich verbinde mit Berlin ambivalente Gefühle. Ich mag es, dass mich in Berlin der Atem der Geschichte umweht. Ich mag auch meine Freunde dort freundliche IT-Unternehmer (soweit weg von den Samwers, wie es irgend geht) und im Medienprekariat gelandete Mitschüler.
Aber der Verfall und die allgemein sichtbare Korruption sind nur extrem schwer zu ertragen.

Mich lässt die Vorstellung erschaudern, dass Berlin als Versuchslabor für die NeueDeutscheGesellschaft™️ fungiert.

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NeueDeutscheGesellschaft™️

Neu? wenn die Tendenz bei den Einheimischen Richtung Biedermeier geht und bei den Zuwanderern Richtung Mittelalter?
Deutsch?
gesellig? wenn keiner mehr rausgeht, weil dort entweder Regel ausgehängt wurden oder der totale Polizeistaat herrscht?

eher doch:

Schaft™ oder SchlandSchaft™

Bin gespannt wann der Reichshauptslum nur noch Lin™ heisst, weil die ehemals ersten drei Buchstaben an ein Desaster erinnern.

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Genau das meine ich: Berlin als Versuchslabor für ein total ruiniertes Land.

Mir wird kalt.

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"Berlin als Versuchslabor für ein total ruiniertes Land."
Dieses total ruinierte Land zieht mehr Menschen aus aller Welt an als jemals irgendeine Gegend in der gesamten Menschheitsgeschichte.
Die Zahl der Millionäre nimmt täglich zu. Handwerksmeister rechnen bei genauem Hinsehen mittlerweile fast 200 Mark für die Gesellenstunde ab und geben davon einen Großteil an ihre heißbegehrten Arbeitnehmer ab und jeder autochthone Deutsche kann mittlerweile völlig frei entscheiden, ob er sich mittels einer 35-Stunden-Woche einen noch nie dagewesenen Wohlstand ermöglichen möchte oder durch pures Nichtstun so leben möchte wie seine Urgroßeltern mit einer 60-Stunden-Woche als Knecht beim lokalen Ausbeuterdrecksbauern.

Natürlich setzen irre gewordene wie Merkel, Scheißnazis wie Wagenknecht, Vollidioten wie Chulz und Cholz und die ganz billligen wie Habeck und Roth alles daran, das zu ändern.
Aber einige Zeit werden wir noch von der Vernunft vorangeganener Generationen zehren.

Und danach können wir nochmal darüber reden, wie schön es war, als nur ein paar Penner ihre Bierflaschen nicht den Forderungen der DUH gemäß entsorgt haben.

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Dieses total ruinierte Land zieht mehr Menschen aus aller Welt an

Jo, das galt für die New Yorker Bronx wohl auch mal, als das in den achtzigern die Verbrechenshauptstadt der westlichen Welt war. Trotzdem dürfte es selbst den Ureinwohnern mit den heutigen und weit niedrigeren Raten besser gehen ...

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Nun zu etwas völlig anderem.

Heute steht in Springers heißem Blatt ein Artikel über "die Geburtsstunde der arabischen Bandenkriminalität". Bählin und so.

„Hier gibt‘s Geld für nix“, sagte der Onkel in Berlin – und ganze Familien zogen nach. Der Artikel heißt "Wie die Clans nach Deutschland kamen."

Mein Soundtrack ist das ironisch schwulenfeindliche Lied von den Dire Straits.

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"Mein Soundtrack ist das ironisch schwulenfeindliche Lied von den Dire Straits."
https://www.youtube.com/watch?v=SdbLqOXmJ04

Womit ich latürnich ausschließlich zur Lektüre von Camus anregen möchte (nicht, daß das hier am Ende noch jemand falsch verstehen möchte)

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Das mit Berlin geht so tief rein
https://www.youtube.com/watch?v=2AwvLcJW-gs&index=1&list=RD2AwvLcJW-gs

Der Don und Berlin:
"Die Bierflaschen in der Alkoholverbotszone, der Obdachlose, der sich in der Kochstrasse genau auf dem Treppenaufgang der U-Bahn übergab, die verbogenen Räder, all diese Menschen mit Plastiktüten"

Das ist Großstadtlyrik für kommende Deutsch-LK´s von geradezu brecht´schen Dimensionen.
Friedrich Torberg hat diese "Großstadtlyrik" mal so persifliert:

"Eitrig der Mond vom Himmel trotzt.
Ein Autor schreibt,
ein Leser kotzt"

"Ich fahre nicht nach Berlin, um meine Vorurteile bestätigen zu lassen."
Und ich liebe euch doch alle, ja, ich liebe doch alle Menschen!

Ballin, Ballin, wia fahn nach Ballin!

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das schöne an berlin ist ja, berlin ist wie ein magnet für alles subjektive und objektive, mit dem man im eigenen alltag nichts zu tun haben möchte. daher ist die sogwirkung eine art staubsauger für die alte weisse republik. meiner meinung nach können wir dort auch gern auf die europäische energieverordnung verzichten und die leistung in kritische höhen treiben.

wenn ich die tage so durch meine stadt spaziere, fallen mir hier und da doch noch dinge auf, die gern noch nach berlin ziehen können. da ist die sogwirkung offensichtlich noch nicht gross genug.

berlin als mülltrennungsdeponie hat also noch deutlich potential. das sollten wir nutzen. getreu nach dem motto,
die schönheit für die republik, den dreck für berlin!

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Mainz ist bekanntlich ein dreckiges Loch.
Brandenburg hat eins.

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Werter Don,

mit dem Alkoholverbot in der BVG verhält es sich wie mit dem Kruzifixverbot in Bayern.
Niemand will es, natürlich wird es dann eines Tages doch durchgeboxt und eines schönen Tages kommt tatsächlich ein ... Unbeteiligter daher und regt sich auf, dass das Verbot ja gar nicht eingehalten wird.
Und kommen Sie mir bitte nicht mit dem moralischen Unterschied zwischen Bier und Kreuz.

Wo der Schwabe durch alle Instanzen klagt oder der Bayer vielleicht versucht seinen Landeshauptmann besoffen zu machen oder über eine gemeinsame Bekanntschaft auf Kurs zu bringen - da ignoriert der Berliner einfach was ihm nicht passt. Das bringt die Größe und Anonymität der Großstadt mit sich. Das heisst aber nicht, dass er blind wäre. Die Bettler existieren auch nur, weil sie auch immer wieder etwas bekommen. Man steigt 100 Mal über den Obdachlosen und beim 101. Mal gibt man ihm ein belegtes Brötchen.

Leider ist Berlin seit 20 Jahren dem Raubtierkapitalismus vorgeworfen - der mit dem Regierungsumzug Morgenluft witterte. Geld sich dagegen zu wehren hatte der Berliner schon seit den letzten 100 Jahren nicht. Da gibt es auch keine Eltern die einem aushelfen könnten (es sei denn man ist Zugezogener). Da war ja der Osten mit seinen Gärtenbesitzern besser gestellt.

Aber erst jetzt, wo es wirklich nicht anders geht (Jahrzehnte nach Diepgen und Landowsky) wählt Berlin R2G. Wenn man den Berlinern einen Vorwurf machen kann, dann den, es 20 Jahre zu spät zu tun - und SPD/Grüne immer noch mitzuschleppen. Aber da geht's den Berlinern ja auch nicht anders als dem Rest der Republik.

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Berlin mit Raubtierkapitalismus? Also ich weiß ja nicht...
Es ist wohl eher das Problem, große Staatsbetriebe (z.B. Wohnbaugesellschaften) an Private verhökern zu wollen, alles in einem Stück, und dabei dann halt Staatsklienteltum gegen Renditeverlangen einzutauschen. Der Hang zur Tonnenideologie läßt die Dunkelroten doch immer nach Konzernen greifen, und damit eben auch der "Raubtier"variante. Einen "gemütlicheren" Kapitalismus bekommt man bei starker Beteiligung der Mittelklasse, aber die wird ja als Feind betrachtet, und der sollen kapitalistische Denkweisen ja aberzogen werden. Also bleibt nur Staatsgewurschtel mit Funktionären, die hilflos die Hände ringen, wie man es beim BER ja nun lang genug sieht. Von solchem Blödsinn wie "Mietpreisbremse" nicht zu reden - man kann nicht teuer Häuser bauen und billig vermieten. Billig bauen und teuer vermieten geht, mittel bauen und mittel vermieten geht auch noch. Aber teuer bauen und billig vermieten geht einfach NICHT, weil da ist dann gar nicht bauen und Geld auf der Bank liegen lassen einfach zukunftsträchtiger.

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Definition Raubtierkapitalismus:

Wann immer Leute mit irgendetwas Gewinn erzielen wollen und damit Erfolg haben.

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Ich stimme zu, Colorcraze.
(Ihr ausdruck "gemütlicher Kapitalimus" lässt mich an Suizza denken. Ein Haufen kleiner und mittlerer Wohnungsunternehmer, ein paar Genossenschaften, ein paar "basisdemokratische Anarchoinitiaven (- seufz - schweizerische Anachos, die dann ein grünes, nach den lleraktuellsten baubiologischen Grundsätzen geplantes grauweißes Hochhaus an der Bahn bauen, nach topp-topp Öko-Standadrs, wo's aber auch nicht das kleinste Graffitile gibt,jedenfalls nicht länger als einen Tag, und wo kein fitzelchen müll je gesehen ward...).
Wohnungsnot? Nö? Obdachlosigkeit: Sehr gering. ...
(Muss man aber wollen - und können, das alles...Dann funktioniert*** es jedenfalls.)

*** außer man fragt - gerne Deutsche - SoziologieprofessorInnen...oder so einen superkritischen Mann von außen wie Teju Cole, der - per schweizerischem Stipendium selbstverständlich - ein paar Monate in der Schweiz lebte, und dann aber sowas von gegen die Schweiz ablederte, dass sich hiesige "kapitalismuskritische" Blogger absolut den Honig daraus saugen konnten. Es ist schon witzig, wenn man derlei auseinandernimmt... auweh, dann klingt die Schweiz-Kritik super harsch. -

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@dieter kief: ich kenne die Schweizer (Zürcher) Struktur nicht so recht. MW gibt es dort auch Wohnbaugenossenschaften, wie es mit Wohnbaugesellschaften aussieht, weiß ich nicht. In Berlin ist es so, daß es Wohnbaugenossenschaften (arg seitlich, da muß man sich einkaufen, Anteile werden vererbt, und die muß man erst mal finden) und Wohnbaugesellschaften (von der Stadt als "sozialer Wohnungsbau" aufgebrachte Siedlungen) gibt. Die Wohnbaugesellschaften wurden in den letzten 20 Jahren versucht zu veräußern, vornehmlich an ausländische Pensionsfonds, die dann aber "langfristiges Halten" als 5-6 Jahre ansahen. Natürlich wollten die etwas mehr Freiheit bzgl. Investititionen, Mieterhöhungen etc., so daß es dann praktisch kein "sozialer Wohnungsbau" (lies: Armenpflege) mehr war. So daß der Stadt ihr Handhalten über einen recht großen Bestand (in der Nachkriegszeit war das meiste "sozialer Wohnungsbau", also nach Staatskriterien die Größe, Miethöhe, Mietdauer etc.) entglitt. Und da sindse nun, die allermeisten Wohnungen sind privat, ob von großen Gesellschaften (Pensionsfonds) oder auch ein paar private Zinshäuser, aber jedenfalls gehören die Wohnungen nicht mehr meistenteils der Stadt, und so kann sie nicht mehr einfach darüber bestimmen, wer da reinkommt. Eine Wohnung mieten wollen ist kleinteilig und erfordert eine enorme Anstrengung, sich einfach auf eine städtische Liste setzen lassen ist nicht mehr.

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Raubtierkapitalismus
ist natürlich ein Schlachtruf.
Ich verstehe darunter ein Vorgehen in Staat und Gesellschaft, was einzig den Profit des Investors im Blick hat und alles andere sich dem unterzuordnen hat.
Den Neoliberalen reicht das aus, die sagen das regelt sich alles. Ich denke: für eine Gesellschaft ist das Gift, denn da regelt sich alles auf Sklaverei für die meisten und Reichtum für die wenigen anderen.

Man kann sich den Potsdamer Platz ansehen, die Bebauung des Spree-Ufers, die Gentrifizierung ganzer Viertel - da stand nie das Stadtinteresse im Vordergrund, sondern immer nur die Filettierung und der Profit der Investoren. Dem Kapitaldruck hat Berlin auch nichts entgegenzusetzen. Wenn dann mal Protest wie gegen Google kommt, dann kommt direkt danach wieder die Häme, dass Berlin ja gefälligst jeden Knochen genau so zu schlucken hat, wie er ihm hingeworfen wird.


Das ist die Wurzel:
https://de.wikipedia.org/wiki/Berliner_Bankenskandal
seitdem wird rot gewählt. So viel Mist kann rot gar nicht bauen, um da ansatzweise mitzukommen.
Der Gürtel muss seitdem dermaßen eng geschnallt werden, dass keine Optionen mehr vorhanden sind.

Der Berliner sieht sich den Mist an und trotzt dann erst Recht: Das Kind ist eh im Brunnen, dann hilft auch die Bebauung des Tempelhofer Feldes nichts mehr. Basta.
Nicht toll, aber nachvollziehbar und unter der Annahme dass die Politik maximal versagt sogar der richtige Weg.
Auch das Bemühen des Senats ziemlich hirnrissig, der will die Titanic mit DUCT-Tape flicken. Die Mietpreisbremse ist (wie heutzutage in der Politik üblich) noch schlechter gemacht als gedacht.

Das einzige was hilft wäre - Nachfragesenkung oder Angebotserhöhung. Letzteres passiert ständig, es wird gebaut was die Maurer hergeben - nur leider halt zu Hauptstadt-Preisen nicht zu Ex-Hauptstadtpreisen.
Nachfragesenkung wäre nicht politisch korrekt.

Im übrigen möchte ich anmerken, dass Berlin-Bashing oft genug auch gegen die Bundespolitik geht, das ist nochmal ein anderes Thema. Man setzt ja München auch nicht mit Bayern gleich.

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Vielen Dank - sehr, sehr gut formuliert, auch in der Welt!
Sehr geehrter Don,

das haben Sie wieder vortrefflich hinbekommen. Und gerade auch als gebürtiger Berliner, der seine Stadt liebt und sie vor allem auch anders kennt (was meinen Sie, wie oft wir Berliner darüber reden: Wie mal die Grünanlagen gepfligt waren. Wo es alles Bibliotheken gab, bis z. B. uns von PDS-Politikern (Stadtrat Bildung, Kinder, Jugend Prenzlauer Berg - 98 noch separat. Wo ich auch erleben durfte, wie ein gegen junger Lederer für diesen Stadtrat gegen Abbau von Kita-Standards protestierende Eltern zur Sau machte. Im zuständigen Jugend-Hilfe-Ausschuss, unter Vorsitz des Grünen, der heute stellvertretener Bürgermeister von Pankow ist. Und der sich bekanntlich mehrfach für das Bebauen von Grünflächen stark machte - auch in der Presse, wie der Berliner Zeitung. Siehe auch Stichtwort Thälmannpark, der seit seiner Gründung eine spannende Geschichte hat, bis heute. Wo dann mit einem Male zeitgleich mit den Baumafia-freundlichen Aussagen des Grünen auch die Jungliberalen eine alberene Aktion durchführen mussten... Und wohin heute noch täglich viele, viele Touristen pilgern, weil ja Lenindenkmal und Checkpoint Charly sofort weggerissen werden musste. Was meinen Sie, wie oft ich von Touristen nach dem Checkpoint C gefragt wurde und es ist nach wie vor völlig absurd, dass der nicht eingemottet wurde. Wie es zum Glück dieser tollen Pan-Am-Lounge passierte, in der schon Williy Brandt abhing, und viele Stars und Sternchen: https://panam-lounge.de/ . Was für ein Glücksfall... Da müsste man unbedingt mal etwas nettes organisieren...)- jedenfalls wurde uns Eltern (war stellvertr. Kitaeltern-Ausschuss-Sprecher) 1998 mehrfach erklärt, dass es Gutachten gäbe, dass bald es keine Kinder mehr gäbe in Prenzlauer Berg. Und da es sich damit so gut sparen ließ, hat man dann massenhaft - wirklich massenhaft - Schulen, Kitas und Kinder-und-Jugendeinrichtungen geschlossen. Übrigens erzählte uns im vergangenen die Schuldirektorin unserer Töchter, dass es Guthaben geben soll, wonach ein notwendiger Schulneubau nicht gebaut werden könne, weil keine Kinder mehr nachkämen.
1998 war das noch vor dem dann einsetzenden Babyboom, der im Prenzlauer Berg, aber auch in Pankow und anderswo anhält. Und noch vor der Finanzkrise der Stadt (da wo auch Gysi seine Vorteilspapiere einräumte usw.), weil Großmannssucht die Berliner Politiker dazu getrieben hatte, eine große Investment-Bank aufzuziehen. Das ließ dann die Koaltion aus Schwarz-Rot krachen und Wowereit, der an den Vorgängen zuvor immer beteiligt war, war der Held (der rechtzeitig vor den 2015er Vorgängen das Handtuch warf. Ein übrigens Politiker, der als Landesvater bela figura machte. War schon als Sozialstadtrad sehr gut vernetzt mit Trägern, die er noch klein kannte, die aber inzwischen riesige Einrichtungen verwalten. Kann frei und eloquent Jubiläumsreden halten. Aber als Chef war er wohl eher so ein Choleriker wie Genscher, von dem das viel nur nicht wissen, weil im Chor darüber nur unter vorgehaltener Hand geredet wird.).
Was viele nicht wissen ist, dass zu den Sparmaßnahmen, die die Landeskasse wieder stabilisieren sollten, und die wieder vor allem auch gerade die Schwächsten hart traf - alles unter SPD-Regie wohlgemekrt, auch regelmässig die Absenkung der Wassertemperatur in den öffentlichen Bädern gehörte. Hatte damals ja schon 2 junge Kinder und die waren immer recht blau gefroren. Ein Mist, verdammter.
Das einzige Bad, wo die Kinder länger Spaß haben konnten, war das berühmte Blub in Neukölln. Das ist ist mittlerweile eine Ruine von Rang. Von diesem einst wunderschönen Bad mit schöner Außenanlage und einer witzigen Wassering-Rutsche stehen nur noch vollgeschmierte Mauern. Und diese Fotos sind bei Insta-Leuten der Hit. Und es soll auch manches Techno-Veranstaltung darin gewesen sein.
Warum es eine Stadt wie Berlin nicht schafft ein warmen Hallenbad zu stellen, wird mir immer ein Rätsel bleiben (wie, warum die SPD immer noch mit Verbesserungen an den Schulen plakatieren geht, zu Wahlen. Denn sie sind doch die ganze Zeit an den Hebeln!
Als der Lederer damals und Eltern mit üblen Tagesordnungs- und Abstimmungstricks zur Sau macht, geschah das unter anhaltendem Gejohle der anwesenden CDUler und SPDler. Die hatten mächtig Spass daran zu sehen, wie prima der Grüne und der Leder von der PDS die Sparmaßnahmen durchsetzen, die ihre Parteien aus Stadtstaatsebene beschlossen hatten. War haben die gelacht. Auf die Schenkle schlugen sie sich. Und abstossend. Sehr enttäuschend.

Also noch einmal vielen Dank. Dieser Kampf gegen schöne Einrichtungen ist in X.Berg allerdings so eine Sozial-Romance. Es widert mich an das Stichwort Kübelaktionen verwenden zu müssen, aber es ist Tatsache, dass solche Angriffe wie diese schwachsinnigen auf das Hotel, zur guten alten west-linken Story gehören. Das haben sie schon in den 80ern gemacht. Oder sogar schon früher (unter dem Pflaster, da liegt der Stand...). Darüber gibt es Lieder vom berühmten Quetschenpaule und es kann gut sein, dass die Angreifer Eltern haben, deren Eltern schon Restaurants übel belästigten.

Aber meist sind es Zugezogene, die von den alten Legenden beeindruckt Teil der großen Erzählung sein wollen (wo tazler in einem Gebäude sitzen, an der Genossens Kai Diekmanns Gemächt übermächtig Richtung Springergebäude winkt, und über sexuell belästigende Werbung schimpfen. Merkwürdig, wo doch gerade dort so viele Verschleierte leben, die Kai Diekmanns Gemächt sicher noch lieber verhüllt sehen würden, als anders. Welche Metropole hat vergleichbares? Einen riesigen Penis an der Wand, von einem Chefredakteuer einer sich als einer im Kern konservativ gebenden Zeitung.

Da wäre mir ein Berlin von dereinst, ohne so viel Dreck, Bettelei und Flaschensammlern lieber. Die Zeit, wo vor der Euro-Einführung noch die Happy-Houres viele Leute anzogen und es nett herging in den vielen schönen Bars. Danach begann dann nahtlos die Zeit, wo man den Eindruck erhalten musste, ohne Geh-Bier könne man sich nicht mehr sehen lassen. Was dann die Amis und jungen Briten ganz furchtbar aufregend fanden. Oder die Schweizer. Nur noch schnell von diesen: Ein paar nette Schweizer erstellten einmal die Wochenendbeilage einer großen Berliner Zeitung. Und erklärten u. a. dabei: Als sie als Schweizer in Berlin zu Besuch gewesen sind, wäre alles so billig gewesen. Als sie versuchten sich in Berlin ihr Leben selbst zu finanzieren, wurde ihnen Berlin schnell zu teuer. Das war die Zeit, wo die Preise der Fotografen und Kameraleute verfielen und jeder dachte, er müsse in Berlin sein Glück versuchen (am Besten hat das die klasse Band Keimzeit, in den 90ern nicht umsonst so beliebt, in ihrem Lied zu Berlin beschrieben). Mit einem Male hatten Häuser wie das Gorkitheater (einst eine sehr gute Bühne mit einen großen festen Ensemble, ist das seit 2 Jahrzehnten schon nur noch eine Hülle. Darin schaffen sich viele, die das Geld von den begüterten Eltern erhalten, um sich einen Namen zu machen. Da ich selbst in diesem Bereicht beschäfftigt war - u. a. Produktionsleitung in der Ruine des Palastes, für den ich immerhin einen Mietvertrag unterschreiben durfte... aber ich schweife wieder ab: Weiß jedenfalls sehr genau, dass dieses Lohndumping überall stattfand. Naja, wenn man überlegt, was mit so tollen Häusern, wie dem Schillertheater und nun der Volksbühne passiert... Alles übrigens immer unter SPD-Senaten. Die in der Kulturpolitik noch nie ein gutes Händchen bewiesen und dafür auch berühmt sind. Auch Bürgermeister Wowi, der man ruhig ganz stille sein sollte, war ein ganz mieser Kultursenator, der nicht in der Lage war die Kulturszene zu fördern, die diesen Stadt so berühmt gemacht hat in der Welt... Letztlich ist es hier provinziell bis ins Mark. Vielleicht fühlen sich deswegen so viele hier wohl (wobei, auch in den 20er gab es massenhaften Zuzug, in den Zeiten des von der SPD schäbig vergessen gemachten, damals berühmten so Ministerpräsidenten Otto Braun: https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Braun - der immerhin Hitler noch die Stirn bot. Aber weil seine Frau schwer krank war, ist er nach Warnungen lieber in den Schweiz abgehauen. Wo er ohen alle Bezüge und Guthaben völlig veramt lebte und starb. Schande, über die SPD, wie sie mit diesem Mann und seinem Andenken umgegangen ist!

Und zu Ende noch einen schönen Tipp: Dieses Buch ist von einem Manne, der in den 20ern einer der großen Feuilletonschefs war. Konnte sehr gut schreiben, hatte einiges Glück und war dann bei allen großen Dingen dabei. Ob Trinken mit Hans Albers oder mit Prinzessinnen in Italien - er hat es alles erleben dürfen und wunderschön beschrieben. Verpassen Sie es bitte bloss nicht. Es ist tatsächlich sehr amüsant und lehreich. Und man kann es kaum aus der Hand legen - ist aber auch nicht sehr lang: https://www.deutschlandfunkkultur.de/fred-hildenbrandt-ich-soll-dich-gruessen-von-berlin-kesses.1270.de.html?dram:article_id=364681

Alles Gute weiter hin!

Hochachtungsvoll

azur

PS: nur unter uns: die einzig richtige Lösung für die VB wäre Mensching gewesen. Der nicht nur in Rudolstadt Intendant ist, sondern auch ein begnadeter Dichter und Schauspieler. Der hätte aus der VB wieder machen können, was sie 2 Mal war. In den Piskatorzeiten und dann später unter Benno Besson (auf dessen Knien immerhin als Kind mal sitzen durfte). Damals war das Haus ein Ort von Debatten und Demokratiediskussion. Und so hatt es auch der letzten große Intendant gehalten (diese vielen, wie soll man es sonst nennen:blöden Blut-Spritz-Aufführungen waren zwar überflüssig wie ein Kropf, aber es war immer noch ein Ort, an dem so viel Großes geschah. Allerdings alles ohne Leute wie Wowi. Wobei, wenn man überlegt, wie diese Theaterbesetzung vorletztes Jahr dann verlief: Diese grenzenlose Ideenlosigkeit hat natürlich leider seine Vorgeschichte. Die meisten Radikalen wissen kaum noch, was man mit einem Staat noch für die Bürger machen kann, als die Grenzen aufzureißen... Und so schließt sich doch tatsächlich der Kreis zu dem Irrsinn mit dem schönen Hotel in Kreuzberg.

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zu lang.

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Nicht zu lang
sondern informativ und lesenswert. Hier ist nicht Twitter.

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Klar, danke azur, sehr informativ! - Jeeves - huch?!
Das Buch habbich grad' als hardcover in schönem grüen Leinen bei booklooker für 3 Euro gekauft. Bin gespannt. Danke für den Tipp!

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Also ich finde auch, daß das ein sehr informativer Einblick in die Denke eines "gebürtigen Berliners" ist.
So einer ist kein "gebürtiger Doitscher", nein, er ist noch etwas geiler. Er ist ein "gebürtiger Berliner".
Ein Zustand, den der schlimmste Parlamentspräsident seit Herman Göring auch so gern für sich in Anspruch genommen hat (auch wenn er aus Halle stammt).

Und so ist er, der "gebürtige Berliner": Er lamentiert über Zugezogene ("Schwaben sagen Brötchen statt Schrippe", Rassist Thierse) und grundsätzlich und sogar noch im Schlaf über Kitas, "Kultur" (Castorf und ähnliche Kotzbrocken, um bei der Alliteration zu bleiben), Kreuzberg und ähnliche Kacke - kurz gesagt: Kohle.

Und das Fördermittelabgreifen ist beileibe kein Nachkriegsphänomen. Es kennzeichnet den Berliner vielmehr seit Preußen. Diese Stadt ist auf Sand gebaut und lebt nur von den Zuwendungen aus Restdeutschland.
Das prägt auf Dauer.
Bedingungsloses Grundeinkommen? Ein alter Hut unter diesen Nassauern. Die beziehen noch heute trotz Fernwärme-Fußbodenheizung noch Kohle(sic!)geld, Steuerermäßigung und Notopfer Berlin.

Ich findes es leider nicht online: Als die "Titanic" noch lesenswert war, hatte sie mal anläßlich der ersten Bestrebungen, irgendein häßliches Stadtschloß wieder aufzubauen, einen längeren und sehr fundierten Beitrag im Heft. Der Titel lautete:
"Drecksäcke bekennen - ich bin ein Berliner"

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Ach Gottchen, die Sylter Fischköppe mit ihrer Heringssoße.
In Großstädten hat man halt immer eine arg ausgeweitete Armenpflege. Ich bin durchaus d'accord, was durchgeknalltes Sozialistentum angeht (BGE halte ich für einen elementaren Falschanreiz), aber gegen die Massen an Obdachlosen und Glücklosen und sonstwie Armen kann man in einer Stadt nichts machen, sonst ist es keine Stadt mehr.
Es ist schon ein Unterschied von Dorf zu Kleinstadt, und noch mehr zwischen Kleinstadt und Großstadt. In der Großstadt ist das migrantische Geschwappe erst "richtig" ausgeprägt.

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"aber gegen die Massen an Obdachlosen und Glücklosen und sonstwie Armen kann man in einer Stadt nichts machen, sonst ist es keine Stadt mehr."

Noch weniger läßt sich wohl gegen solch kryptisches Geblubber machen.

Latürnich läßt sich gegen Glücklose und Arme wie Thierse nichts machen - aber wäre es ohne solche wie ihn wirklich keine Stadt mehr?

Unser Dorf soll schöner werden!

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Hexenwerk
Das muß es wohl sein, betrachtet man das vollumfängliche Versagen der Politik auf allen Ebenen.

Es scheint nicht mehr möglich zu sein:

- Eine Stadt sauber zu halten.
- Die Sicherheit der Bürger zu gewährleisten.
- Die Grundversorgung der Bürger sicher zu stellen.
- ...

Stattdessen:

- werden die Grundrechte eingeschränkt.
- werden Millionen für Genderirrsinn ausgegeben.
- werden die Defizite der Politik durch Manipulation verschleiert.
- ...

Phrasen statt Taten, das ist Politik heute. Und die SPD liegt immer noch über 10 % in Wahlprognosen, die CDU/CSU gar über 30%. Und warum entschädigungslos enteignete Bürger die Grünen nun schon mit 20% bedenken, das verstehe, wer will.

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Man kann, aber man will nicht. Auch weil es den eigenen Wählern egal ist. Stattdessen kümmert man sich um Probleme n-ter Ordnung. Gendergerechte Sprache anyone?

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Na, ich weiß nicht, pudelfriseur. Man könnte sicherlich, aber ob man wirklich nicht will oder es einfach nicht kann, im Sinne von Können, das ist die Frage.

Probleme n-ter Ordnung, soweit es sich tatsächlich um Probleme und nicht um Scheinprobleme handelt, ergeben sich aus meiner Sicht vornehmlich dadurch, daß die Regelungswut sich bis in kleinste Details erstreckt, Kollisionen und Widersprüche verursacht und damit die Lösung grundlegender Fragen und Probleme unmöglich wird.

Gendergerechte Sprache stört mich nicht, solange sie nicht verbindlich wird. Und selbst dann werde ich die ebenso ignorieren wie größtenteils die Rechtschreibreform. Ich bin zu alt für so'n Scheiß. Allerdings finde ich es geradezu kriminell, wieviel Geld dafür verschwendet werden könnte, solange Menschen in diesem Land durch Armut sterben.

Der Don hat ja schon oft auf die staatliche Finanzierung der Meinungsmacher hingewiesen. Es wäre mal an der Zeit, das näher zu hinterfragen und auf Zulässigkeit prüfen zu lassen. Denn ich denke nicht, daß den Wählern das alles so egal ist. Vielmehr sehe ich das so, daß viele der andauernden Gehirnwäsche einfach nicht gewachsen sind und andere Sorgen und zu wenig Zeit haben, sich mit der Vielzahl an Themen noch auseinandersetzen zu können und zu wollen.

Und leider, Petitionen etc. scheitern zu leicht und zu oft an politischer Ignoranz und die Demos auf Straßen, Plätzen und in Wäldern an der Gewalt von allen Seiten.

Vielleicht haben alle mittlerweile resigniert, aus verschiedenen Gründen. Aus Resignation aber folgt Gewalt. Besserung ist nicht in Sicht.

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