Und es ist wieder Oktober

10. Oktober. Über vier Monate haben die Märkte gebraucht, bis sie begriffen haben: Nichts ist vorbei. Nichts ist besser. Nichts hat sich wieder eingerenkt.

Es gibt eine Geschichte von Raymond Chandler, in dem sein Detektiv einen Kriminellen auf Droge erschiessen muss. Er schiesst, was der Revolver hergibt, aber es hält den Verbrecher nicht auf, der ihn partout umbringen will. Genauso ist das mit diesem Markt: Voll auf Droge. Kann fast alles verkraften. Ignoriert alles, obwohl eigentlich klar ist: Die amerikanischen Banken sind pleite. Die irischen Banken sind pleite. Die britischen Banken sind pleite. Genauso pleite wie die Staaten, die sich die Banken entgültig nicht mehr leisten können, und sie verstaatlichen werden. Alles wartet nur noch auf die Amerikaner, damit sie ohne Aufstand nachziehen können. In der kommenden Woche, oder in zwei Wochen, bald jedenfalls. Nicht, weil sie pleite sind, sondern weil es kein Vertrauen mehr gibt. Am Montag wird - wenn er nicht schon längst elektronisch läuft - der Bank Run auf die Citi Bank und die Bank of America einsetzen.

Es lohnt sich, ein Auge auf die amerikanische Bankenaufsicht zu haben. Die wird wieder ein paar Banken schliessen müssen. Wenn es mehr als "nur" vier oder fünf sind, kann man davon ausgehen, dass schnell eine politische Reaktion kommt. Vielleicht ist es das beste, was passieren kann. Vielleicht auch eher unschön für alle, die gespart haben. In Deutschland vermutlich eher nicht, denn hier hätte ein Währungsschnitt einen Aufstand zur Folge. Allerdings ist man sich vermutlich längst einig, dass man auf Teufel komm raus die Iren und die Österreicher und Italiener retten wird, obwohl die kaum besser sind als die Anglo Irish Bank, Citi oder BoA. Länder kann man halt nicht so leicht ausknipsen, wie Aktionäre.

Vermutlich werden wir über das Wochenende massenhaft Beschwichtigung erleben, wie auch schon am 11. und 12. Oktober. Und sehr stille Medien. Insofern kann es auch nicht blöd sein, Blogs wie Calculated Risk, naked capitalism oder Clusterstock zu lesen. Falls ich was höre, sage ich Bescheid. Haltet Euch gut fest.

Antidote (leicht missgelaunt, aber was will man in diesen Zeiten) du jour:



Lucky, der Bruder von Sabinchen. Hat sich als Besessenen einen Immobilienmakler herausgesucht.

Freitag, 20. Februar 2009, 20:43, von donalphons | |comment

 
Genial die Mieze,
so muss Raymond Chandler seinen Widerpart fixiert haben.
Ich versuche gerade mein Geld in einer selbst genutzten Wohnung zu investieren. Schwierige Zeiten.

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Ja, wirklich ein Prachtexemplar von Felis domicialis, der Junge! Genauso schön wie der Herr unseres Gartens....

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Investieren in solchen Zeiten ist eine schwierige Sache. Habe noch 20K übrig, die ich in eine neue Fertigungsmaschine anlegen möchte. Wäre erstmal eine Investition, würde aber vielleicht (bei nicht völligem Absaufen der Konjunktur) ein zweites Standbein ermöglichen. Auf jeden Fall sinnvoller als die Kohle der Inflation oder Schlimmerem auszusetzen. Andererseits ist die Auftragslage momentan, um es vorsichtig zu formulieren- kritisch. Bringt es also noch etwas, oder schmeißt man das Geld einfach zum Fenster raus, weil man in einem halben Jahr ohnehin zusperren kann? Seufz! Manchmal wäre ich gerne Beamter. - Nicht wirklich.;)

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Hm ...
... ehrlich gesagt denke ich: Nichts in Deutschland hätte einen Aufstand zur Folge.

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(nicht mal deine kaputte Katze.)

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(Du hast den Köter nicht gesehen, der die Strassenseite nicht wechseln wollte)

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hm? hm!
Bundesregierung rät zum Hamstern

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Erst mal nur eine kleine Bank in Oregon gescheitert.

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Und in den schlechten Nachrichten de Woche unergegangen: Am Mittwoch waren die Kurse runtergegangen, weil irgendjemand auf die Idee gekommen ist, dass in Osteurope inkl. Österreich enorme Risiken schlummern.... Eine bahnbrechende Erkenntnis. Aber es schreibt in Deutschland immer noch niemand darüber.

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Gut, man muss sagen, dass der Beitrag von Ambrose Evans-Pritchard, dem die Panik zugrunde liegt, auf einer sehr fragwürdigen Analyse des Wechselkursverhältnisses von Zloty zu Schweizer Franken zugrunde liegt, indem er einfach den absoluten Höchststand des Zloty als Normalität hingestellt hat und daraus einen Crash konstruierte. Ausserdem hat er übersehen, dass die ungarischen Carry Trades schon im November letzten Jahres auf solide Füsse gestellt wurden. Es gab dazu ein paar ganz gute Analysen, aber was interessiert das so einen Euro-Hasser?

Probleme gibt es überall, und Osteuropa tut weh, aber: Das ist beherrrschbar. Die Inseln sind eher ein Problem.

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Die gestern von mir beschriebene amerikanische Börsensituation gibt mit ihrer Unterschreitung des Tiefs vom 23. Juli 2002, das die Dot.Com Blase und die Hypothekenblase voneinander trennt, einen Hinweis darauf, daß nun die vom Aufstechen der Blase freigelegten konjunkturellen und strukturellen Probleme der Weltwirtschaft in den Vordergrund treten.

Denn das muß ganz klar gesagt werden, es war die Kreditblase, die, wie keinen anderen zuvor, den letzten Konjunkturzyklus getragen hat. Diese Kredite stehen in den Büchern der Unternehmen und müssen, trotz Wirtschaftsabschwung, bedient werden. Zudem fallen diejenigen Unternehmensgewinne weg, die aus blaseninduzierten finanziellen Risiken stammen, die die Finanzabteilungen der Unternehmen erwirtschaftet haben. Jedes Unternehmen war ein kleiner Porsche, und man schätzt, daß durchschnittlich 40% der Unternehmensergebnisse aus nichtbetriebsbezogenen Transaktionen stammten.

Selbst wenn man das Bankensystem mit einem Federstrich konsolidieren könnte, wäre der um vieles verkleinerte und zudem stärker regulierte Bankensektor nie und nimmer in der Lage, ähnliche Kreditmassen bereit zu stellen, wie sie für den letzten Konjunkturzyklus benötigt wurden. Allein aus diesem Argument muß man ableiten, daß es auf lange Sicht nur Scheinerholungen und sehr bescheidene Aufschwünge geben kann.

Mit Recht ist die kreditfinanzierte chinesischproduzierte amerikanische Konsumathletik als Antriebssatz der Weltwirtschaft bezeichnet worden. Ich erinnere mich gut an die Durchhalteparolen von 2002/03, daß auf den amerikanischen Konsumenten Verlaß sein wird. Unglücklicherweise kann der amerikanische Konsument keinen weiteren weltwirtschaftlichen Aufschwung mehr tragen.

Unter einer Vielzahl von Argumenten ragt das demographische heraus. Die Baby Boomer gehen in eine Rente, die ihnen die Finanzkrise weitgehend geraubt hat. Sie werden länger als geplant arbeiten müssen, und ihr erstes existenzielles Interesse ist, soviel Schulden als möglich loszuwerden, und ihr zweites, soviel als möglich zu sparen. Diese Leute werden niemals wieder exzessiv konsumieren.

Für einen Aufschwung fehlen demnach nicht nur die Finanzmassen. Es fehlen auch die realwirtschaftlichen Antriebselemente.

Weltweit versucht man, sich mit Konjunkturpaketen zu behelfen. Diese werden die Strukturprobleme der Weltwirtschaft nicht lösen. Sie entziehen dem privatwirtschaftlichen Wirtschaftskreislauf Billionen, die dann um den Preis einer gigantischen Staatsverschuldung in einen simulativen bürokratisch gesteuerten Wirtschaftskreislauf zurückgeführt werden. Das macht bei Konjunkturproblemen Sinn, kaum aber in der Situation, in der wir uns befinden.

Klüger wäre wahrscheinlich, die Staaten würden sämtliche Mittel zum einen gemeinsam dafür einsetzen, zu einem, wie auch immer abgespeckten, funktionierenden Weltfinanzsystem zu kommen, und zum andern, keinen wegen der Krise verhungern zu lassen.

So sehr ich mir einen globalen Green Deal wünschen würde, so skeptisch bin ich, ob sich so etwas von oben in nachhaltiger Weise in Gang setzen läßt.

Wenn nicht, läßt man die Weltwirtschaft lieber in Ruhe und vertraut, schau an schau an, auf der Marktkräfte freies Spiel.

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Katz ist gut in schlimmen Zeiten
Wenn der Rest komplett in die Hose geht, kann der Mann sich noch am Katz festhalten -- das kann den Unterschied ausmachen zwischen Durchdrehen, und es persönlich irgendwie Stemmen.

Ich würde sagen, jeder, dem jetzt das Muffesausen geht, sollte vielleicht in eine Katze investieren. Wenn alles andere kaputt ist, dann gibt es wenigstens noch Katzenbilder.


Ich glaube, um dazu beizutragen, muß ich den Nazgul bitten, am Dienstag die Nikon mitzubringen, um meinen Mephisto zu knipsen, wie er ganz oben auf dem Biedermeierschrank die UFOs anbetet. Der ist so schwarz, den erwischt meine kompakte Casio nicht korrekt, den kann man nur mit SLR fotografieren -- eine ganz neue Sorte Luxuskatze!

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"Insofern kann es auch nicht blöd sein, Blogs wie Calculated Risk, naked capitalism oder Clusterstock zu lesen. "

Zu den ersten beiden Blogs kann ich nichts sagen, aber Joe Weisenthal von Clusterstock ist nicht gerade jemand, der die Weisheit mit Löffeln gefressen hätte. Um es freundlich auszudrücken.

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Citi: Auf Anfang nächster Woche bin ich auch sehr gespannt.

Und wo die Zeit schon mal etwas drängt: Mit Interesse habe ich hier das Thema Val Müstair verfolgt und - da ich in 14 Tagen zufällig diese Gegend streifen werde, mir einige Gedanken partout nicht aus dem Kopf wollen und ich definitiv kein Fachmann diesbezüglich bin, erlaube ich mir , um eine/mehrere kurze Meinungen zu bitten:
Wie sind denn im derzeitigen Kontext Inflation linked ETFs einzuschätzen, wenn man nicht vom Währungsschnitt ausgeht. (den ich niemandem Wünsche). Vielen Dank für nützliche Gedanken.

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Collapsitarians. US-Bankenindex. Versicherer! RBS. UBS. Norinchukin. Good Bank. Nationalization. Lehman-Staaten. China-Optionen. China kauft ein. Japaner kaufen nicht. Dust Bowl Economics. Salat wartet auf Wärme.

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Systemisch ?
Die Relevanz des links zur Salattemperatur erschliesst sich mir im Gegensatz zu den davor stehenden nicht ganz.

"And the question of the week: Is there Any Such Thing as Systemic Risk?
And if there is, where does she live?"

www.ritzholz.com

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