Kristina Schröder feat. Der kleine deutsche Michi

Der kleine deutsche Michi, Grossneffe des grossdeutschen Totalmichls, ist zwar auch total, aber mehr so total fragwürdig als echt totalitär. Wie der Grossonkel hält er Berlin für die Hauptstadt der Welt und schreibt dort über seinen Kampf in Germania gegen Privatheit und für mehr Kontrollmöglichkeiten und warum das echt super ist, mit besten Grüssen rüber zum Gebäude von Schwert und Schild der Partei. Abend geht er wie der Grossonkel auch gerne einen trinken - Doitsches Bier! - und um ihn herum sind dann die Reckinnen, denen er erklärt, wie er für sie an der Heimatfront kämpft. Er sagt:

MASKU SCHTONK!

Und seine Freundinnen jaulen alle und schreien

SCHTÖRBEN! ANZÖNDEN! KÖLL HÖM WÜTH FAIAAA!

Ja und dann geht der kleine deutsche Michi ins Netz, in seinen beliebten Hauptkriegsschauplatz, weil die anderen ihn nicht mehr in ihre Sandkästen lassen, weil die kleine deutsche Michi nämlich bekannt ist, in Ermangelung von Schreibtalent Förmchen und Bildchen zu klauen, und schreit Leute an, die er nicht mag:

MASKU SCHTONK!

Und erwartet, dass die von ihm Geschmähten nicht mehr Bilder ihres erfreulichen Lebens zeigen, in dem die Wohnungen mehr als 20 m² und die Leute ein geregeltes Auskommen haben, und Bekannte, die mehr als nur Follower bei Twitter sind. Das sieht, Symbolbild, in etwa so aus:



Nein, der kleine deutsche Michi erwartet, dass sie nicht nur über die lange Dauer klagen, die so ein Pastell für den Weg zwischen Parma und Bayern braucht, sondern wirklich leiden und

SCHTÖRBEN und ANGEZÖNDET WÖRDEN

und was sich seine Filterblase sonst noch so vorstellt. Das hat doch beim Berliher Plärrkonzert auch geklappt, sie haben es alle gsagt und gehört. Und dann sitzen sie mit zunehmender Verzweiflung vor den erkennbaren Aktivitäten des anderen und müssen erleben, dass seine Beiträge immer noch gelesen und kommentiert werden und da keine hässlichen Berliner sind, nur neue Bilder -

und eben niemand schtörbt oder Leser sich vom kleinen deutschen Michi beeinflussen lassen, die ihn nicht schon vorher für den Internet-Gott von Marzahn Südwest gehalten haben. Was sie so lange tun werden, bis dann mal einer aus Transparenzgründen erklären wird, warum er etwas Unerfreuliches tun musste.

Jedenfalls, es schtörbt kein Masku und auch sonst niemand und ich habe auch Zweifel, ob hier auf dem flachen Land überhaupt jemand weiss, wer oder was so ein Maskulinist denn sein und tun soll. Was keiner kennt, gibt es auch nicht. Bei uns haben sie obendrein einfach den dazu gehörigen Weltgenesungs-Ton mit Auslöschungsuntertönen nicht drauf. Nette Leute hier.

Sie wissen auch selten, dass es sowas wie einen Frauenkampftag gibt, das ist schliesslich Westen und hier wurde Kristina Schröder trotz all der Kritik an ihrer Tätigkeit im Ministerium für u.a. Frauen wiedergewählt. Und mit dem Betreuungsgeld, ich sage es wirklich nicht gern, hatte sie nicht unrecht, das wird hier gern genommen. Ich kenen viele, die das wirklich begrüssen.

Deshalb - ich war nicht immer ganz nett, ich gebe es zu - und angesichts des allgemeinen Schreikonzerts, das von Kelle über die Mädchenmannschaft und Schwarzer bis zum Sarrazin führt, gegen das Frau Schröder nett wirkt, möchte ich vielleicht die Erinnerung an die ehemalige Ministerin doch ein wenig anders ausgeleuchtet sehen, und sage Entschuldigung, wenn jemand Entschuldigung gebührt - in der FAZ und im Kommentarblog.

Samstag, 8. März 2014, 13:55, von donalphons | |comment

 
ansprechende hängung.

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Ja, inzwischen ist diese eine Wand wirklich gelungen, bei den anderen ringe ich noch.

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Kurz zur Info: Kristina Schröder hatte 2009 und 2013 das Direktmandat gewonnen - und ich bin mir ziemlich sicher, dass es auch 2013 nicht am Betreuungsgeld lag. 2002 und 2008 zog sie über die hessische Landesliste in den Bundestag ein, da unterlag sie im Kampf um das Direktmandat stets der "roten Heidi" Wieczorek-Zeul.

Und im Übrigen war Kristina Schröder selbst gar kein Fan des Betreuungsgeld, die Idee war auch nicht auf ihrem Mist gewachsen, sie startete lieber gemeinsame Initiativen mit der Wirtschaft für familienfreundlichere Arbeitszeiten und setzte sich für neue Teilzeitarbeitszeitmodelle für Eltern ein. Kurzum: Kristina Schröder war nur diejenige, die das Betreuungsgeld aus Kabinettsdisziplin umsetzen musste, und soweit ich weiß, hat sie sich darum bemüht, dass es auch arbeitende Mütter ausgezahlt bekommen. Im Westen fehlen übrigens nach wie vor Kita-Plätze, ich tippe darauf, dass das Betreuungsgeld auch dazu dienen sollte, Klagen abzubiegen.

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Ja, auch, aber ich weiss aus einigen Regionen, dass Kitas gar nicht so gut angenommen werden - bei uns am See zum Beispiel. Es gibt einfacf Familien, die das nicht wollen. Ich würde fast vermuten, auch in Wiesbaden könnte es so sein.

Jedenfalls gab es für sie keine Klatsche, was es fraglos gegeben hätte, wenn alle Frauen gegen sie gestimmt hätten. Und das wiederum gibt schon zu denken.

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Nee, das Elterngeld war nicht der Grund, warum Kristina Schröder das Direktmandat gewann. Es gibt genug ältere Wähler da, und bei vielen von denen kommt sie gut an. Außerdem war der SPD-Gegenkandidat neu und noch nicht so bekannt wie sie (er hat zumindest aber wieder mehr Stimmen geholt als Wiezcorek-Zeul zuletzt 2009).

In Wiesbaden fehlt es noch an Kita- und Krippenplätzen. Es gab im Sommer 2013 die erste Klage von Eltern.

Disclaimer: Ich war als Kind nur das letzte halbe Jahr vor Schulbeginn im Kindergarten - und nur aus Solidarität mit der Freundin. Meine ältere Schwester war sogar nur wenige Tage im Kindergarten. Meine Mutter hat trotzdem gearbeitet - sowohl Voll- als auch Teilzeit, es gab damals noch keine Elternzeit, sie hat acht Wochen nach der Geburt meiner älteren Schwester wieder in der Turnhalle gestanden und unterrichtet. Erst als wir wieder nach Hessen zogen und sie dort zwar eine Vollzeit, aber keine Teilzeitstelle hätte bekommen können, setzte sie für längere Zeit ganz aus. Vollzeitjob war in ihrem Fall mit drei Kindern nicht zu schaffen.

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Meine Wahrnehmung von Frau Kristina Schröder war, dass sie ihrem Ministerium und den Aufgaben nicht gewachsen war - weder fachlich, noch sonstwie. Jedoch: Gäbe es mich als Frau (nur mal kurzes Gedankenspiel), ich wäre mindestens genauso überfordert gewesen. Finde, das ist eine notwendige Ergänzung an dieser Stelle.

An anderer Stelle wurde schon zu ihr bemerkt: "vordergründig nach Bürgertum riechend". Ich denke, das trifft es ganz gut. Inwieweit das nur vordergründig ist, wäre vielleicht eine Diskussion wert. Ich fand allerdings, dass sie während ihrer (deutlich verfrühten) Zeit als Ministerin gereift ist, und sei es, das sie ihren vormals nassforschen und auf Ressentimente setzende politischen Stil im Sinne einer hier durchaus erfreulichen Vorsichtigkeit transformierte.

Grundsätzlich bin ich der Meinung, erstens, dass ich vom betreffenden Politikfeld (grob gesagt: Familienpolitik und Gleichstellung) nicht sehr viel verstehe, zweitens, dass der Staat hier möglichst nicht in die privaten Verhältnisse der Bürger hinein regieren sollte. Ob das Betreuungsgeld dieser Zielrichtung gerecht wird, oder nicht, vermag ich nicht so richtig zu entscheiden. Bin da einfach inkompetent, Gründe finde ich für beide Positionen - und ich vermag es nicht, diese sauber abzuwägen.

Aber ganz egal, welche noch-so-progressive Vision man selbst im Privaten für wünschenswert hält, eine Zurückhaltung beim Regeln privater Lebensverhältnisse ist - staatlicherseits - eine Tugend. Dass genau diese Zurückhaltung dann von Kristina Schröder in ihrem Amt zunehmend praktiziert wurde, gegen konservative bzw. gar offen reaktionäre Versuchungen hin, damit hat sie meinen Respekt erworben.

Ich weiß nur nicht, ob diese Zurückhaltung - sehr grob formuliert - in sie hinein geprügelt wurde (über den Umweg von Politikberatung, über Abteilungsleiter/innen, die kompetenter als sie sind, über Parteifreunde etc), oder ob diese Entwicklung eigenständig geleistet wurde.

Mein Eindruck war da oft, dass sie an dieser Stelle (ähem: und auch anderswo) wie eine Marionette gelenkt wurde. Insofern lag es auch sehr nahe, dass sie schon recht früh von teils sogar sehr heftigen Attacken von Amtsmüdigkeit geprägt war. So wirkte das jedenfalls auf mich. Auffällig war dann weiterhin für mich, vieleicht zeigte sich genau an dieser Stelle eine gewisse Renitenz von ihrer Seite, dass sie im Laufe ihrer Ministeriumszeit immer stärker in der Lage war, auf politische Gegner zuzugehen, teils sogar in der offen formulierten Absicht, mit diesen gemeinsam Richtlinien ihrer Politik auszuformulieren.

Das war nun so rein garnicht das, was ich von dieser Frau erwartet hatte. Dafür: hat sie auf alle Fälle meinen Respekt. An anderen Stellen, z.B. ihren islamophoben Attacken, oder wenn sie als Minsterin die Aussagen von Wissenschaftlern ins Gegenteil verdrehte, ist mein Respekt für sie noch sehr ausbaufähig. Sehr typisch für sie war ja auch, dass sie die Mittel für Projekte gegen Rechtsextremismus massiv kürzte. Um dann nach Bekanntwerden der NSU-Verbrechen - allerdings frei von tatsächlicher Einsicht - diese Kürzungen wieder zurück zu nehmen.

Wer linken Extremismus (durchaus: bäh!) mit dem mörderischen Treiben von Rechtsextremisten gleich setzt, dem fehlt ein belastbares Urteilsmaß. Rechtsextreme versuchen nicht nur, den Hass auf Minderheiten in die Gesellschaft zu implementieren (machen Linksextremisten das?), sondern greifen direkt Personen gewaltsam an und betreiben regelrechten Mord, gegen Migranten und Andersdenkende (machen Linksextremisten das?).

Nunja, ihre Bilanz ist schon sehr gemischt. Der Umstand, dass sie halt keine linksautoritäre Krakeelerin vom Typus "Mae-Ma" ist, ist dann auch kein großer Trost. Ihrer Diagnose in ihrem Buch (zusammen mit Caroline Waldeck) stimme ich allerdings zu:
"Wenn Emanzipation gepredigt, aber Bevormundung ausgeübt wird, verstrickt sich der Feminismus in Selbstwidersprüchlichkeiten."
Vielleicht war es auch genau dieses Credo ihrer Amtszeit, warum sie bei den Wählerinnen eben doch auf Zuspruch stieß. Trotz allem.

P.S.
Eine Kritik eines konservativen Österreichers zu Buch und Werk von Kristine Schröder, die möchte ich hier, weitgehend zustimmend verlinken.

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Schönes Jackett!
Das ist vintage, oder nicht?
Oder italienisch?

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Das ist etwas komplexer; der Stoff ist von Loro Piana, der Schnitt von Kaiser und das Alter liegt bei 5 Jahren, wenn ich mich richtig erinnere.

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@ donalphonso, allein aus Interesse, meine E-Mail hat Sie erreicht?

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Ja, danke, ist angekommen!

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Die Frau ist in Wiesbaden gewählt worden, weil die Wiesbadener mehrheitlich auf solche Leute stehen: vordergründig gut aussehend, vordergründig gebildet, vordergründig nach Bürgertum riechend, vordergründig engagiert. Das ist hier eine sehr vordergründige Stadt hinter den klassizistischen Fassaden und den Mauern und Hecken der vielen Westviertel. Man achtet hier sehr auf den Hersteller des Jackets und auf die Position des kleinen Fingers beim Halten des Champagnerglases auf dem Wilhelmstraßenfest.

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Und die Strategie funktioniert so gut, dass hier in Wiesbaden noch ein zweites Kristina-Schröder-Modell unterwegs ist, eine Etage tiefer im Landtag. Die Nichte eines ehemaligen Jokers dieser Partei.

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Da hat der Meister des Wortwitzes...
denn "kleinen Michi" ob seiner Ungezogenheiten, statt mit der verdienten Tracht Prügel, mit einer kleinen Watschen davonkommen lassen. Das ist wahre Größe.

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Ach wer weiss, vielleicht war das auch nur ein Vorgeschmack.

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Ach, für Wortprügel müsste er ja erst einmal irgendwie ein irgend lohnendes Ziel sein, quasi satisfaktionsfähig. Ich will ihn nicht schlechter machen, als er ist, aber - pardon - so richtig ernst nehmen kann ich ihn und seine Thesen im Moment nicht. Wenn jemand das dringende Bedürfnis hat, wie eben er, dass ihn seine Follower "stetig überwachen" sollen, dann ist das so tragisch wie es eben auch Aggressionswünsche dämpft. Man schlägt ja auch keine Kinder, Obdachlosen oder Welpen. Geistige Obdachlose sollten auch geschont werden, finde ich.

Insofern könnte ich gut verstehen, dass Don da auch eine gewisse Unlust verspürt.

Zudem gibt es schönere Aufgaben. Beispiel: Ich habe zum Beispiel gerade ein ca. 80 Jahre altes, sehr kleines und hübsches Eichen-Schränkchen (aus dem Müll gefischt - Nachbarn waren offenkundig uninteressiert und bevorzugen trendige IKEA-Möblierung) zusammengeflickt und anschließend mit meiner Wohnung verschraubt.

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Und ich habe heute einen Pfeffercamenbert entdeckt, also wirklich.

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Hier in der Augustinergasse gibt es ausgezeichneten Scamorza zu kaufen.

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Ich bringe gleich Foodporn...

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"gleich"
Knapp 5 Stunden später: na? wo? Die Augen hungern.

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Foodporn...? Hat der „königliche Hoflieferant“ heute mal wieder leckere „Nonnenbrüstchen-Confiserie“ gebacken (finde hier leider den Link nicht mehr)?

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Hier, sterngucker, guckstu.

Aber schöner finde ich die Variante aus den Abruzzen, die Sise delle monache.

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In dem Fall, aber nur in dem,
ausnahmsweise auch 3

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Pah

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