Real Life 30.06.06 - Abgeschrieben

Diese Stadt ist immer wieder voller Überraschungen. Vor 6 Jahren brausten Dutzende von Smarts mit seltsamen Webadressen durch das südliche Schwabing, in den Namen kamen viele xx und zz vor, was heute, von ein paar spanischen Brause-PR-Bratzen abgesehen, glücklicherweise eher ausgestorben ist. Aber während anderswo mickrige Blogs monströse Zukunftsvisionen und auch gleich passende Sticker und event driven Microsites entwickeln und von Firmenwägen träumen, ist die gute, alte Munich Area real auf dem Boden der Tatsachen angekommen:



Allein, die bittere Erkenntnis wird auch hier übertüncht von einer Massenhysterie wie zuletzt beim Molliwerfen in Rostock-Lichtenhagen, und München ist da ein wenig wie Wien, es kann sich seine Bewohner und vor allem das Umland nicht raussuchen. Wer sich unter einer Fahne versammeln will, soll das tun, du jedenfalls willst deine Ruhe und ein normales Cafe ohne Deppenfetzen, was in der Nähe der Theatinerkirche auch zu finden ist. Und wie es der Zufall haben will, sitzt dort, hinter Torten verschanzt und bis an die 3. Zähne mit Kuchengabeln bewaffnet, im Kreise ihrer anderen alten Hexen Frau S., die, wie sie erzählt, vom schlechten Wetter am Tegernsee nach München vertrieben wurde. Nachher geht es aber wieder zurück.

Und nach Berlin zum Antique Shopping ist sie noch immer nicht gekommen, aber die Adressen, die hat sie noch. Und, fragt sie und rollt listig die kleinen Augen, hast du wieder was Neues gefunden? Du erstattest Bericht, schwärmst von Entdeckungen, bei denen sich die Hexen wissend zunicken und sicher finden, dass solche begabten jüngeren Männer nicht leicht zu finden sind, in dieser traurigen Zeit von Ikea und fussballfeldbezogenen Wegwerfsofas. Du zeigst dich guten Mutes, was Sessel angeht, wenngleich du vor Jahresfrist welche hast durchgehen lassen, die heute ein trauriges Desiderat sind, und wieder hat man Verständnis. Du berichtest von Altem der Familie, das neu verwendet wird, so etwa der Kleiderschrank, der Anno 1910 einen Volksauflauf nach sich zog, schliesslich kam der nicht aus der Provinz, sondern war das teuerste Teil einer Ausstellung im fernen Nürnberg, und die Hexen sind´s sichtbar zufrieden, der Stallgeruch nach Geld, Pest und Schwefel stimmt.

Und du erwähnst auch, dass die Sache mit den Sofas nicht so leicht von der Hand gehen wird. Denn du willst derer gleich zwei, und nur eines in der gewünschten Qualität ist schwer zu finden, zwei hingegen scheinen unmöglich, aber irgend etwas muss schliesslich vor die Heizkörper, die man im Stadtpalast nicht in die Wände zurückversetzen kann.

Herr Porcamadonna, sagt eine der Hexen, eine ziemlich runde mit Apfelgesicht, die wahrscheinlich schon von einer anderen Hexe in Chanel mit dem arttypischen Bock gezeugt wurde, solche Frauen tragen nämlich von der Wiege bis zur Bahre oder Scheiterhaufen Chanel, am besten in Tortenfarben natürlich, und diese grossen Brillen, an denen gerade die Enkelinnen wieder eine Freude haben, ich hätt da eine Idee - gehn´S, nemmas doch bittschön Platz.

Es ist nämlich so, erzählt sie: Ihre Nichte hat die Strasse runter dieses Bekleidungsgeschäft. Alle vier Jahre reicht es ihr mit der Inneneinrichtung oder dem Standort, dann wird dichtgemacht, umgebaut, bestellt, eingerichtet und wieder zurückgegeben, weil es un-mög-lich ausschaut, und dahinter ist - in allerbester Lage natürlich - dann das Lager, in dem sich die alte Einrichtung türmt. Letztes Jahr war wieder Umbau, und da hat ihre Nichte zwei wirk-lich pfen-ning-guade Sofas, die sie selbst vor fünf Jahren herausgesucht und bestellt hat, einfach weggetan und durch so komiches Plastikzeug ersetzt, a Schand, ausserdem mag sich da keiner hinsetzen, schlimm ist das, weil der Mann der Frau, der wo ja der eigentliche Kunde ist, am besten irgendwo rumsitzt und die anderen Frauen nicht stört, und mit den roten Plastikmöbeln rennen die Herrschaften immer rum... ach so, die Sofas, sagt dir Werther Classic etwas? Ja? Na, also, jedenfalls stehen die jetzt hinten, fast neu, ihre Nichte wird die nie wieder brauchen, weil mit dem neu geplanten Countryhouse-Gschäft in Starnberg wird das eh nixn, Platz hat sich auch nicht, also, wenn du magst - du magst doch, oder? könnt ihr gleich mal hin und sie anschauen. Ja? Prima, gemma.

Manchmal würdest du gerne ungeniert die Kamera zücken und photographieren. In dem Lager hängt auch noch ein 2,5 Meter hoher Venezianer, Kommoden ächzen unter der Last von Kleiderbergen, es sieht aus wie in der Requisitenkammer, mit dem kleinen Unterschied, dass die damit gegebenen Theaterstücke der Eitelkeit auf öffentlichen Strassen, Plätzen und in Theatern gespielt werden. Wie es nun mal so ist, erzählt die Nichte der Hexe, man braucht diese Decostücke für die Schaufenster, bis die Sensation weg ist, nach drei, vier Jahren kann man sie neu kombiniert wieder verwenden. Aber nicht die Sofas, die sind viel zu gross und zu wuchtig für das Schaufenster, also, wenn du willst - und sie nennt einen Preis, bei dem du ja sagst, ohne ausgemessen oder die Farben im Neonschein genau erkannt zu haben. Es sind Monster, keine Frage, die hier, steuerlich abgeschrieben, in Folie verpackt und vergessen vor sich hindämmern - ausser von der alten Hexe, und die vergisst sowas wahrscheinlich nie. Du wirst sehen, was dich der Deal ausser dem lachhaften Betrag sonst noch kostet; mindestens aber den Besuch eines Gartenfestes in Grünwald, wo sie wahrscheinlich noch rosa Hollywoodschaukeln am Pool haben, und die Hauhälterinnen Feuerzangenbowle auftragen. Blocksberg war gestern.

Samstag, 1. Juli 2006, 19:16, von donalphons | |comment

 
Werther ist klasse. Sowas kriegen die sonst heutzutage nur noch in Polen so hin. Für die Hälfte des Preises.

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Es handelt sich übrigens um dieses Stück hier. Glücklicherweise mit sehr viel schlichteren Beinen und einem recht dezenten Bezug, der jetzt nicht sooo meines ist, aber der Raum wird ohnehin recht krachert, da stört etwas Ruhigeres nicht weiter. Wobei ich nicht glaube, dass die Polen es für die Hälfte machen - eher ein Viertel oder weniger.

Man hört, dass diese Stücke locker Jahrzehnte aushalten - vielleicht sollte ich mir doch mal gedanken um Nachwuchs machen

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Ein Zwei- und ein Dreisitzer? Schon am Zweisitzer werden Sie sich totschleppen. Da muß Diener Johann oder die Muckimänner ran. Über den Hocker könnte man auch noch was sagen, aber vermutlich ist keiner dabei, oder?

Gruß an's Hannerl. Die ist beim Gartenfestes in Grünwald mit Hollywoodschaukeln und Feuerzangenbowle doch dabei, oder?

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2 Zweisitzer. Wo aber wohl auch 4 Leute draufpassen, mit etwas weniger Umfang als die alte Hexe. Und ohne Hocker, aber mit zusätzlich 10 (!) Kissen.

Ich habe auch den Dreisitzer der Bielefelder Werkstätten und die Biedermeier-Recamiere zu meiner Schwester unters Dach geschleppt, ich werde auch an zwei Zweisitzern nicht verenden. Am Montag um 11 sind sie fällig.

Hannerl ist momentan nicht da, keine Ahnung, ob die kommt, ich weiss noch nicht mal, ob ich da wirklich hingehe. Warten wir mal die schriftliche Einladung ab.

und wenn ich da hingehe, sollte ich vielleicht nicht drüber bloggen

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das gibts ja wirklich!
"Aber während anderswo mickrige Blogs monströse Zukunftsvisionen und auch gleich passende Sticker und event driven Microsites entwickeln und von Firmenwägen träumen, ist die gute, alte Munich Area real auf dem Boden der Tatsachen angekommen"

und wie die dort angekommen sind: http://www. gelegenheitsjobs.de/

und was da angeboten wird, z. b.

Schrader; deutschlandweit; Kategorien:
- Jobs für Studenten / - Jobs für die Ferien / - Jobs am Wochenende / - Jobs von zu Hause / - Jobs ab 45 / - Qualifizierte Jobs / - Minijobs /- Vollzeit/Teilzeit
Anstellungsart: selbstständig, neben- oder hauptberuflich

mal so in die runde: kennt den wer:
Herr Dirk Schrader, Burgkmairstr. 21, 80686 München

scheint letzlich auch nur so ein strukki zu sein, der auf kosten derer lebt, die ganz unten angekommen sind. böse, sowas zu sagen, aber es deutet alles darauf hin:
http://www. mlm-foerderung.de/cgi-bin/show.cgi?c=s1&ref=1261


I met him in a cell in New Orleans, I was
so down and out.
He looked at me to be the eyes of age,
as he spoke right out.
He talked of life, he talked of life. He laughed, clicked heels instead.
Mister Bojangles

aber der isses ganz bestimmt nicht.

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Multi Level Marketing, Empfehlungs-Marketing, Network Marketing

Hey, da werden aber unsere Social Software Freunde Schlange stehen, das ist genau der ihr Bissness. Und die Konditionen sind ja fast noch besser als im Cokecontainer!

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Sein Skype-Name weist ihn auch als "social software global network" Fan aus:

"kosmopolit2006"

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Und er hat noch kein Blog?Jetzt aber schnell, ihr Blogdingsberater, da ist ein fetter Markt! Da ist einer, der macht jeden Sozialkontakt sofort zu Kies, der braucht das!

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