Medienkompetenz für Blogger

Ein Blogger erzählt Dir, er habe spontan ein Videointerview mit dem Staatsoberhaupt erhalten: The Chancellor [...] decided she wanted to do a spontanious interview right there in her office. Du sagst Dir:

a) Prima! Blogger sind endlich wer!
b) Prima! Und es ist ein cooles Interview, so menschlich, überhaupt nicht so politisch und kritisch!
c) Prima! Die Frau hat das Internet begriffen!
d) Was soll dieses dumme Gelaber angesichts der momentanen Scheisspolitik, den Unternehmen 5 Milliarden in den Rachen zu schmeissen und für uns die Steuern zu erhöhen.
e) Da hat jemand gecheckt, wie man die Blogger um den kleinen Finger wickelt.
f) Ich war mal Hauptstadtreporter und weiss durch Interviews mit Ministern und einem gewissen Gerd, dass es da keine sponaten Interviews vom Staatssekretär aufwärts gibt, da wird jede Frage vorher abgeglichen und beim Interview abgehakt und danach, wenn möglich, nochmal vom Pressedienst kontrolliert und abgesegnet - kurz: Verarscht Eure Oma, aber nicht mich.

Mehrfachantworten sind möglich. So. Wer nun mit a), b) oder c) geantwortet hat, sollte sich mal diesen Link in die URL-Zeile kopieren. Da findet sich ein Bericht über die Interviewvorbereitung einiger Cokecontainer-Insassen von einer weiteren Cokecontainer-Insassin, die Zeugin des Vorganges war. So von wegen spontan und so:

beissholz.de/pivot/artikel-1342.html

Da ich zum gleichen Zeitpunkt in Berlin weilte konnte ich hautnah miterleben, wie die sorgsam vorbereiteten, journalistisch wertvollen Fragen von Lyssa über Bord geworfen werden mußte (mußten müsste es heissen, Anm. Don), weil die Kanzlerin das Interview eigentlich aussetzen wollte. Über die ganzen Stolpersteine die dann auf einmal aufkamen.

So, Freunde der spontanen Blasmusik, nachdem ihr jetzt wisst, wie das läuft - d), e) und besonders f) wären die richtigen Antworten auf ein auf Harmlosigkeit getrimmtes PR-Gespräch gewesen, gegen das Dieckmann bei G.W. Bush ein Gipfel kritischer Berichterstattung war - beantwortet bitte die Frage, was dieses Zitat eigentlich ist:

a) Der Beweis, dass man sich bei bloggenden Freunden eigentlich ein ganzes Herr offline-Feinde sparen kann.
b) Der Beweis, dass das mit dem "spontanious" eine Lüge ist.
c) Der Beweis, dass das Merkel überhaupt kein Interesse an irgendwelchen Nicht-Supersoft-Homestories mit Bloggern hat.
d) Der Beweis, dass die geschwätzigen Ichwarauchdabeis aka Experten die übelsten PR-Pannen selbst produzieren.
e) Der Beweis, dass sich das Drecksspiel der Journalistenknesterei der Pressestäbe in Berlin sich auch für Blogger mit besten Kontakten nicht ändern wird - noch dazu, wenn sie keine Erfahrung haben, wie man das trotz Überwachung hinbiegt
Oh, ich hab den Zettel mit den Fragen vergessen... den haben Sie, Herr Pressereferent, doch sicher noch in ihrem Zimmer? Könnten Sie den...? Ja bis gleich. Also, Herr Minister, die Zeit drängt, sie müssen zum Staatspräsidenten, vielleicht können wir schon mal über das eine Thema reden... sinngemäss war die Frage wohl.... so geht das, ihr VLuschen.
f) Der indirekte Beweis, dass Blogger, sobald ihnen der Bauch gepinselt wird, so leichtgläubig sind wie ein bildlesender Mallorcaballermann mit 2,8 Promille.

Auch hier sind Mehrfachantworten möglich. Und noch mehr ist dann hier und besonders informativ hier.

Samstag, 15. Juli 2006, 21:10, von donalphons | |comment

 
Au contraire mon Don... capitain!
Ich war mal Hauptstadtreporter und weiss durch Interviews mit Ministern und einem gewissen Gerd, dass es da keine sponaten Interviews vom Staatssekretär aufwärts gibt, da wird jede Frage vorher abgeglichen und beim Interview abgehakt und danach, wenn möglich, nochmal vom Pressedienst kontrolliert und abgesegnet - kurz: Verarscht Eure Oma, aber nicht mich.

Nee!

Ich weiß zwar, daß gerade die persönlichen Referenten, die Pressesprecher und dergleichen gerne so etwas abstimmen wollen, aber das muß nicht immer so sein.

Ich kann mich an diverse Diskussionen/Interviews/Chats mit Politikern bis hin zu Bundesministern (hmm... Bundesministerinnnen wäre imho korrekter) erinnern, bei denen ich auf die eine oder andere Art und Weise involviert war, und dort war es eben nicht so.

Klar, man hatte teilweise im Vorfeld versucht das zu erreichen, aber das klappte nicht.

Lustig war die Reaktion, als eine inzwischen in Berlin etwas bekanntere Person fragte, ob die Fragen vorher bekannt seien. Da sagte ich: Nein. Die Reaktion war sinngemäß: Na endlich mal was spannendes!

Insofern will ich das beim besten Willen nicht ausschließen, daß es so ablief wie Lyssa es geschildert hat - denn das eigentlich geplante Interview lief ja nicht so ab wie geschildert wurde. Wenn ich jetzt an die Angie-Antworten in Sachen iPod mich erinnere, kann ich mir beim besten Willen vorstellen, daß das vorab abgesprochen war.

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Es geht um das Rauskegeln von politischen Fragen. Dass man entsprechend Druck macht, bis ein Haufen Nettigkeit übrig bleibt, ist auch nicht wirklich selten. Authorisierung von Interviews ist inzwischen völlig normal, und das geht teilweise so weit, dass Dich ein Minister beiom nächsten Treffen anspricht, warum Du den Witz rausgeschmissen hast - der seiner Pressetante zum Opfer gefallen ist. Wie auch immer, am Ende steht eine nette Homestory zwischen Geländergewackel, IPod und Globusspiel, das ein gewisser Herr Hynkel besser konnte. Mission completed. Haben sie fein hingekriegt. Das Merkel hat einen IPod, wow, die News schlechthin. Würde ich so einen Gefälligkeitsschrott anschleppen, wäre es der letzte Beitrag meines Lebens in meiner Zeitung gewesen.

Das heisst nicht, dass es nicht Lücken gibt, die Überwachung ist nicht total, ein abgesagtes Interview mit dem Gysi habe ich mal in der Limusine zum Flughafen doch noch bekommen, ansonsten kannst Du versuchen, einen auf dem Gartenfest der Landesvertretung BaWü anzufaseln - geht auch. Vielleicht. Ist halt schlecht planbar. Aber die die Fragenkegelei bei den richtigen Terminen ist die Pest in Berlin. Die Stäbe tun, was sie können. Das ist ihr Job. Da werden Journalisten rundgemacht, da wird geschaut, wie weit einer für die Exclusivgeschichte geht. Alles weitere - siehe Video.

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Nachtrag: Ausdrücklich in Schutz nehmen muss man da Johannes Rau, Ehre seinem Gedenken. Der war anders. Und Joschka Fischer. Der hatte das nicht nötig. Aber beim Rest kann es Dir passieren, dass sie Dir Statements vom papier ins Mikro lesen.

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Kommt sicherlich auch aufs Medium an...
... denn im Internet werden Fragen wie (sinngemäß) "Warum haben Sie in der Opposition die Hasch-Freigabe gefordert und bisher in der Regierung das nicht umgesetzt?" gestellt und dann (sinngemäß) wie folgt beantwortet:
"Hatten keinen Bock auf Ärger mit der BILD-Zeitung!"

Sowas habe ich weder im TV, Radio noch der Presse erlebt - im Internet aber schon. Insofern ist hier vielleicht doch noch etwas mehr möglich als man denkt.

Zu Lyssas Interview:
Bis auf die Tatsache, daß Merkel anscheinend den selben Globus hat wie mein Vater (und beide nix mit Hynkel zu tun haben), fand ich das Interview von den "harten Fakten" her nicht berauschend. Aber das hat doch niemand erwartet, oder?

Aber es soll ja ein weiteres Interview geben und dann bin ich gespannt. Wenn ich da wäre, wüßte ich schon die eine oder andere Sache die ich fragen würde.

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Ich war Referent und kann Don nur beipflichten. Spontanes wird zuhause im Kämmerlein erledigt. Alles andere ist Job.

Was mir nicht ganz schlüssig ist: Wie konnte so ein homevideo überhaupt freigegeben werden. Wenn die Kanzlerin noch nicht mal ein anständiges Mikrophon bekommt und die Interviewerin dasteht wie eine strenge Lehrerin, die gleich den Rohrstock auspackt.

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Gut, nochwas zu Mailinterviews: Ganz üble Pest, wird aber auch gemacht. Chats sind nochmal was anderes, stimmt. Es gibt Lücken, man muss sie nur finden, manches hängt auch von der Tagesform ab, da reden sie sich um Kopf und Kragen, aber gemeinhin geht der Trend zur politischen Inhaltslosigkeit. So wie das Video. Es wirkt ja auch bei den diversen Bewunderern, endlich durfte eine von uns in diese heilgen Hallen, wir sind wer.

Weiteres Interview immer gerne. Wer sich auf solche PR-Stunts einlässt, ist sicher gern willkommen. Vermutlich stellt der Stab gerade die Pressemappe zusammen. Ist ja wirklich super, nix sagen, aber massenhaft Blogger stehen bis zum Hals ins Sabber und Sperma.

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Dann mal anders gefragt...
... was hättest Du denn von einem "Blogger trifft Angela"-Videocast erwartet? Knallharte zak'sche Fragen/Hintergründe die bei Angela Tränen hervorrufen?

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Warum nicht? Ist Kuscheln Pflicht?

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Superinformativ: Merkel hält die Bürger für blöd
Jetzt spricht die Kanzlerin:
...ja, ich esse nicht so gerne Obst...hier ist die wunderbare Aussicht auf den Reichstag, da hat man immer das Parlament im Blick, denn, ähm, der Reichstag ist ja der Ort, wo dann unsere Gesetze verabschiedet werden...ich habn eigenen Wahlkreis...Adenauer...Oskar Kokoschka...ich hab dieses Bild sehr gerne hinter meinem Schreibtisch...(Lyssa: "really spontanous, low level, spontanous")...wenn man dann, ähm, zum Beispiel mit, ähm, Politikern aus anderen Ländern spricht, dann liegen hier die Kopfhörer, damit man dann genau auch, ähm, mithören kann, also der Dolmetscher...dann ist noch bemerkenswert, dass ich mir als Erstes als Bundeskanzlerin einen Globus habe besorgt, weil sich doch herausstellt, dass man doch mit vielen Ländern etwas hat, mit denen...Kongo...(Lyssa: "Wow, obviously")...da mach ich meine Akten hier...wochenlang auf Reisen...also sehr unterschiedlich...[zu Vlogging] Es kam eines Tages jemand, der hat gesagt, dass das eben eine Form ist, ähm, wo viele Menschen auch, äh, hingucken und sich das auch immer wieder ansehen und mich hat das interesssiert. Ich finde sowieso, diese Revo, Revolution über das Internet ist eine der spannendsten Dinge, die stattfindet, und wir als Politiker sind da manchmal ziemlich hinterher. Und deshalb hab ich damit angefangen, und, ähm, ist mir dann irgendwie auch aufgefallen, dass für die, die da gucken, vielleicht nochn bisschen steif ist, wenn ich da immer, äh, vom Teleprompter ablese, und, ähm, neulich habe ich da schon einmal frei gesprochen...damit man sich verständlich macht. ..(Lyssa: "Das finde ich großartig.")...Ich habe einfach drauf los gelegt, und ich glaube, ähm...Sowohl die Bildqualität, als auch die Tonqualität sind sensationell. (Lyssa: "She is really relaxed about it...This is incredibly exciting. I am so excited. She is pretty cool...She is so spontanious.")
Dr. Dean meint: "low level" trifft es ziemlich gut.

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ZAK gibt es leider nicht mehr...
... und mit der heulenden Hasselfeldt hatte ich sogar fast Mitleid. Aber auch nur fast.

Wenn man sich die derzeitigen politischen Sendungen wie Sabine Kuschel... eh Christiansen anschaut, dann wundert mich der "Kuscheltrend" nicht.

Ich denke nicht, daß gerade durch Blogs hier der etwas investigativere und kritische Journalismus wieder Oberwasser erhält. Schön wäre es natürlich.

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Die Bürger sind blöd. Wenn das als nett und bürgernah rüberkommt, dann ist es kein Problem von Merkel, sondern ein Problem der Gesellschaft und natürlich auch der Medien, die Politik als soap-opera verkaufen.

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Das ist etwas für die Content-Leute, die Text für so etwas wie Erdnüsse oder Salzstangen halten.

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Es geht mir, wie im Beitrag hoffentlich ersichtlich, weniger um das, was Lyssa oder das BKA macht, als vielmehr um die Reaktion der Leute, die so fucking leichtgläubig sind.

Das alles hatte ich schon mal. 1999. Munich Area. Da wollte so ein Freunderl die erste Internet-Talkshow hochziehen, draussen am Flughafen. Das Ding war grottenschlecht, als hätte man einem Privatradio eine Kamera ins Studio gestellt, daneben, lahm, gekünstelt. ABER: Man hat die Sozialministerin Barabara Stamm (CSU) dazu gebracht, davor auch noch die allererste Internetansprache an das Webvolk einer führenden bayerischen Politikerin zu halten. Daamals überschlugen sich auch alle vor Begeisterung- wow, die Staatsregierung hat begriffen, wo die Zukunft ist, die nehmen uns jetzt ernst, wir sind auch für Politik der NEUE MARKT. Auch die Stamm kam in etwa so belanglos rüber wie das aktuelle Beispiel.

Und wenn ich jetzt sehe, wie gerade die Buzz- und Marketingblogsparte wieder jubelt, weil Babs Stamm 2.0 das Wort an die Blogosphäre richtet, dann denke ich mit wohligem Grinsen zurück an den Kerl, der das damals initiiert hat und nach seinen grosskotzigen Tönen bald verschwunden war. Wie auch die, die mir damals das Video geschickt haben - in einer Zeit, als Mailboxen selten mehr als 2 MB hatten. Was hab ich das gehasst. Egal, die Leute bleiben wie sie sind - man wird das ja nochmal festhalten dürfen, wenn ein spontanes Beispiel gleich wieder so demontiert wird, von Freundeshand.

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Die fucking Leichtgläubigen wissen vielleicht nicht, daß Papa Borchert CDU-Mitglied und MdB ist, und haushaltspolitischer Sprecher und Landwirtschaftsminister des Helmut Kohl war.

Da fällt es etwas leichter eine "spontane" Einladung in das Zentrum der Macht zu bekommen, als wenn man nur eine regionale Bloggerin ist.

Oh, und Mutter Ingrid macht im Bochumer Stadtrat CDU-Politik. Papi und Mami zusammen geben den richtigen Stallgeruch auf Bundes- und Regionalebene. Da geht was.

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An die familiäre Kiste mag ich nicht glauben, weder bei der WAZ noch beim BKA, da ist sie nicht der Typ für - und dass diese Sache die Runde macht, liegt wohl auch am grossen Maul eines indiskreten Bloggers, der notorisch mit dabei sein will.

Um es mal zu erklären, wie man sowas verdrehen kann: Journalistisch formal könnte man mich nämlich auch locker in den gleichen Kontext einsortieren. Mein Dad hatte eine gewisse Rolle in einem gewissen, wichtigen Industriezweig. Und da war es ganz normal, dass ab und zu gewisse Leute vorbeikamen, die dann unter Strauss ziemlich aufgestiegen sind. Man kennt sich halt. Und als ich dann in München im Landtag angefangen habe und mich vorgestellt habe, Porcamadonna, haben sie mich angeschaut und gesagt, ach, Sie schauen aus wie der alte Porcamadonna aus dem Wirtschaftssektor, den hab ich soch erst letzte Woche am Terminal, sind sie vielleicht der junge Porcamadonna? So war das. Was bei einem der allerersten Einsätze als Reporter dazu führte, dass micht der berüchtigte Peter Gauweiler gegen meinen Willen auf das Podium eines prall gefüllten Bierzeltes bei München mitschleifte, als Ehrengast.

Aber hey, ich kam vom ultralinken Bürgerradio, ich hatte wackersdorf und die Sicherheitskonferenz hinter mir, es kann mir keiner nachsagen, dass ich zu diesen Leuten irgendwie besonders nett wäre. Tatsächlich aber gab es mal eine Situation, da hat mir das den Arsch gerettet, 2000 in Österreich, als ein paar Leute von der ÖVP Panik bekamen und nachgeforscht haben, wer ich bin, und dann in Bayern angerufen haben, wo man sie sehr unzutreffend und einiges vergessend informierte, dass ich ein ganz netter sei und mein Dad dafür schon bürgen würde.

Insofern halte ich Lyssas genervte Einlassung, dass es ohne Familie lief, durchaus für glaubwürdig.

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Eine bis vor kurzem unbekannte Bloggerin und ein Fraggel reißen spontan ein Interview bei der Kanzlerin auf. Einfach so. Ja-ne, is-klar.

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[...] fand ich das Interview von den "harten Fakten" her nicht berauschend. Aber das hat doch niemand erwartet, oder?

Erst heiß es, Lyssa würde als Beraterin nach Berlin fahren und der Merkel mal was von Pod/Vidcasts erzählen. Lyssa der Erklärbär.
Dann hieß es plötzlich, ach was, Interview. Thema und Fragen offen. Lyssa die unentschlossene.
Als das Video online war, hieß es "totally spontanious" (rechtschreibfehler wurde vom Original übernommen) mal eben geschnackt. Lyssa die coole und Merkel die totally offenherzige und supi spontanious Chancellorin.
Dann kamen die ersten Kritiken wegen dem miesen Video auf. Ui, plötzlich hieß es, dass die eigentlichen Fragen (die totally kritische journalistische Fragenliste, you know!?) an dem Tag der totally offenen und spontanious Merkel nicht in den Kram passten. Also wird die totally kritische journalistische Fragenliste zu einen späteren Zeitpunkt abgearbeitet.

Die Borchert wird als Beraterin zum Thema Podcast nach Berlin eingeladen, reist aber mit einer totally kritischen journalistischen Fragenliste an, wird von der Merkel und ihren Beratern abgebügelt. Damit Die Borchert nicht als Trümmerlottchen vor dem Haufen Asche, der einst ihre totally kritische Fragenliste war, steht, knallt man dann diesen journalistischen Notausgang ins Internet? Und dies auch noch in der totally spontanious ins englische übersetzte Version, weil die deutsche Version (also ohne Untertitel!) noch nicht fertig ist????

Würde Die Borchert stellvertretende Chefredakteurin, Unterabteilung Blogs, bei der Freundin werden, wäre die ganze Homestory noch ansatzweise glaubwürdig gewesen. Ein bisschen Kuschel, ein wenig Muschel, ein Globus hier und totally far away Kongo da. Gemüse statt Obst, wegen den freien Radikalen in Obst, you know!? Und noch ein bisschen "Hier sitze ich und schau mir das Chaos von oben an" Geplausche. Ja, das passt in ein Freundin-Blog mit bonbonfarbenem Bildchen drum herum.

Hallo???? Wir reden hier über die zukünftige stellvertrenden Chefredakteurin der WAZ. Hätte der Reitz sich vor seiner Ernennung zum Chefredakteur so einen Patzer erlaubt, der würde heute Bumsanzeigen für Happy-Weekend schreiben.
Wo wir grade beim Thema Zukunftsplanung sind: Wann soll denn der mysteriöse zweite Termin sein? Dann wenn Die Borchert grade versucht die Rhein-Ruhr-Region journalistisch unter ein Dach zu bekommen und stellvertretende Chefredakteuse ist?

Anscheinend befindet sich Deutschland noch im WM-Rausch: Berlin! Berlin! Die Borchert fährt nach Berlin! .... Och doch nicht. Na ja, also nicht so richtig. Aber dritter Platz ist ja auch schon was.
Also begnügtt sich die WAZ in Zukunft mit drittklassigen Klatsch-Reporteusen in führenden Positionen.
Die goldene Waz. Oder Frau im WAZ-Spiegel. Bunte WAZ. Bild der WAZ. Nur mal so ein paar Vorschläge für einen passenden neuen Titel.

Nochmal @Jens (du hast aber auch merkwürdige Ansichten ;-):
Dann mal anders gefragt...
... was hättest Du denn von einem "Blogger trifft Angela"-Videocast erwartet? Knallharte zak'sche Fragen/Hintergründe die bei Angela Tränen hervorrufen?


Beim Hobby-Blogger stehen 4.99 Euro für den Webspace und etwas unbezahlte Zeit auf dem Spiel.

Auf der anderen Seite steht ein Job als stellvertretende Chefredakteuse mit einem fast 6-stelligen Jahresgehalt (???), ein jahrelang mühsam konstruierter aufgebauter Ruf als Bloggerin, ein paar Webprojekte, etliche Angebote als freie Schreiberin, sehr viele mühsam aufgebaute Kontakte, eine ganze Stange an Einladungen zu Event-XY, eine berufliche Karriere, der Wunsch als Journalistin akzeptiert zu werden, usw. usf. auf dem Spiel.

Dem Hobby-Blogger kann es egal sein wenn er aufgrund seiner Fragen für die nächsten 100 Jahre Hausverbot im Bundeskanzleramt bekommt.
Ob die Fragen ebenso kritisch ausfallen, wenn davon eine Karriere abhängt, darf hoffentlich noch laut bezweifelt werden.

Je weniger auf dem Spiel steht, desto aggressiver sind die Fragen.

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Das ist alles ein ziemliches Kommunikationsdebakel. Nicht gerade eine Referenz für den neuen Job.

Da lob' ich mir einige Blogberater, die zwar oft auch nur heisse Luft produzieren, aber in ihren blogs eine klare Kommunikation pflegen. Projekte ankündigen, Termine und Orte nennen, an denen sie aufschlagen, Stellung zu Diskussionen nehmen usw. In der blogosphere bleiben viele Dinge nicht im Verborgenen. Wer da als KOL mitmischen will, sollte so weit wie möglich offen kommunizieren.

Bei der Online-Chefin in spe stattdessen verstreute Kommentare in blogs, gerade mal 2 eigene Beiträge in ihrem blog zu der neuen Popularität, der Hinweis, dass das Merkel-Interview online ist erscheint in anderen blogs und erst Stunden später im eigenen, Ankündigungen, zum Termin der deutschen Version des Videos, zu einem nächsten Merkel-Interview oder zu nächsten strategischen Dialogen, bleiben vage, und sich widersprechende Informationen.

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Gelernt ist gelernt...
Als Tochter des ehemaligen Bundesministers für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Jochen Borchert weiß Töchterchen doch was sie darf und nicht. ;-) Papa war zur selben Zeit Minister, wie Angela - na wenn Kathi da nicht mal früher auf dem Schoß der Kanzlerin gesessen hat, denn die beiden Minister aus dem Kabinett des Bimbeskanzlers haben bestimmt eng zusammengearbeitet.

Will sagen: Alte Seilschaften - ausser Spesen nichts gewesen. Und wer denkt, in der Politik geschieht auch nur der kleinste Furz ohne vorherige Planung, der sollte sich mal beim Arzt seines Vertrauens durchchecken lassen.

Ich kannte - bis der WAZ-Coup durch die Blogs ging - Lyssas Lounge gar nicht. Hab dann 2-3 Sachen gelesen, Seite zugeklappt, ich hab mich selten auf einem Blog so gelangweilt, was für ein belanloses Zeuch... Langweiliger gehts nun wirklich nicht.

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Bimbes. Und das mit den Blättern heißt Bambus. ;-)

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Steht doch da - nein, konnte noch korrigieren, danke für den Hinweis. :)

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Hatte den Artikel von Tom erst hinterher gelesen. Wenn ich sehe, wer dann noch ihr zukünftiger Chef ist - sorry, aber Angela wird sich wohl kaum auf Kathis verlaufen haben, oh, die ist toll, wir machen da mal was - selbstverständlich hat Frau Borchert da nicht aus eigenem Antrieb den Termin bekommen. Papa hat bestimmt nicht geschadet, in Verbindung mit Holthoff-Pförtner hätten wir den Job auch bekommen - und ich behaupte mal besser gemacht. Letztenendes war es eine peinliche Vitamin-B-Geschichte. Wenn sie wenigstens ein wenig Kritik hätte einfliessen lassen, und sei es nur, um das Gesicht zu wahren, aber gut, morgen ist das ganze wieder vergessen.

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Lyssa lysst äh lässt sich hier zum Thema ein:

http://www.basicthinking.de/blog/2006/07/15/videobloggerin-no-1-angie-lyssa/#comment-63776

"das Zustandekommen des Termins hatte recht wenig mit meinem Vater zu tun und sehr viel mit meinem eigenen Journalisten-Neue-Medien-Netzwerk."

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Hm, hab ich da was falsch verstanden?
Wollten sich die zwei nicht über Vlogging unterhalten oder war das nur das Auftaktseminar? Angela Merkel überlegt, wie sie ihr Vlog authentischer gestalten könnte, just, kommt eine Interview-Anfrage einer Bloggerin und dann unterhalten sich beide über Gemüse und Obst...

Auf dem ersten Blick könnte man glauben, dass ein Vlog in der derzeitigen Situation des Sanierungsfalles "Deutschland" nicht die Hauptbaustelle einer Bundeskanzlerin sein sollte. Jedoch, (Wieviel Blogger sind wir?) hat damit die Kanzlerin den Finger genau auf einer nicht unwichtigen Wählerschaft, Blogger und Blog-Leser. Das ist Politik, schlau eingefädelt, aber noch zu durchsichtig, um wirklich Dumme zu fangen.

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In f) widerspreche ich. Ich glaube, da unterschätzt du die Leute (was nicht heißt, dass es Ausnahmen geben könnte, die aber dann doch die Regel bestätigen). Die Mehrheit der Leute sind nicht so blöd und können auch durchaus differenzieren, und z.B. eine spezielle Sache gut finden, sogar eine Person überraschend sympathisch finden, ohne aber plötzlich jegliche Kritik gegenüber anderen Dingen, die diese Person vertritt und wofür diese steht, automatisch zu vergessen.

Ich finde das Ding gut gemacht und witzig. Und ja, mir ist bewusst, wie sowas entsteht. Und ich gehe davon aus, dass es den meißten anderen "da draußen" ebenso bewusst ist.

Und nein, deshalb werde ich dennoch nicht völlig gehirngewaschen CDU oder Merkel wählen.

Und ein bisschen fühle ich mich für blöder gehalten als ich bin, und das finde ich unnötig und schade.

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f) ist wie alles andere eine Frage, die sich jeder individuell beantworten muss. Ich traue manchen durchaus das Abstraktionsvermögen zu, Leute nicht nach Homestories zu beurteilen. Es geht hier aber um die, die sich jetzt von der Politik namentlich Merkel verstanden sehen wollen. Und aufgrund unzureichender Informationen glauben, man würde sich auf sie einlassen. Inzwischen wissen wir ja, dass das Merkel das Interview eine Stunde vorher abgesagt hat und nur beraten werden wollte. Das ist meines Erachtens das genaue Gegenteil von Wertschäztzung, aber dann hat men es doch durchgezogen, so wie es gelaufen ist. Und deshalb stelle ich Frage f). Weil die Leute sich haben im Punkt "spontan" reinlegen lassen. Es ist ja nicht so, dass die ganze Geschichte hier sofort präsentiert wurde. Das kam mal wieder in Scheiben. Und lässt manche sponate Jubler blöd aussehen.

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Najaa, wie gesagt: ich glaube nicht, dass jemand, (vor allem wenn sie/er der Merkel und ihrer Politik kritisch gegenüber steht,) ernsthaft (über einen Moment eines spontanen ;-) "ui, nette Geschichte als solche" hinausgehend) sowas denkt.

Und ob man sich nun an dem "spontan" aufhängen muss, das sooo spontan freilich nicht sein kann (auch hier: wer glaubt denn sowas!), aber immerhin "spontaner" ist als Merkels eigene dröge Videoshow, die nach einem Jahr harter Arbeit aussieht (da muss viel Zeit drinstecken, so dröge bekommt man das nicht in ein paar Tagen), das ist wohl auch irgendwo eine Frage der Relationen in diesem "Geschäft"... ;-)

Ich sage ja auch garnicht, dass das Teil nicht auch kritikwürdig ist, und deine Analyse halte ich da, das ein oder andere Polemische, das Geschmacksache bleibt (wobei ich's ja meist mag *g*) mal bei Seite, für durchaus realistisch in der Sache - bis eben auf diesen für mich eben sehr pauschal urteilenden Punkt f). Da fühle ich mich einfach mit eingeschlossen - mag sein, dass da auch eine gewisse Empfindlichkeit meinerseits mitschwingt, was Pauschalierungen und Urteile (oder gar Verurteilungen) betrifft, denn eigentlich weiß ich ja, dass alle Journalisten immer alles pauschalieren. Wie Frauen halt. Oder Blogger. Immer. Alle. *seufz*

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"Head of state / Staatsoberhaupt"? War Lyssa etwa beim Bundeshorst?

Von jemandem, der Kanzlerinnen interviewt und demnächst die WAZ ins gelobte Land2.0 führen wird, erwarte ich mir schon etwas genauere Kenntnisse in Bezug auf die verfassungsmäßige Hierarchie im Lande. Aber ich vergaß: Fachwissen ist ja sooo 1.0.

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Ich denke Sven K. bringt es auf den Punkt:

http://ivy.antville.org/stories/1433701/

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Schade, dass das bei Herrn York verlinkte Gespräch zwischen einem Kinderreporter und der Kanzlerin nicht mehr online ist, wäre ja mal ein netter Vergleich gewesen.

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"Svens Bleistift" ist nur ein anderer Begriff für "Geissel Gottes".

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Hossa :) Aber nur denn Du Sophia Loren spielst und ich Anthony Quinn.

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Ich schau mal, ob ich die Taille irgendwie weiter nach oben kriege ;-)

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Bei meiner Körbchengröße stelle ich auch gern auf Frau Loren um. Aber nur wen Glam nicht darüber berichtet.

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Mit Bild: Ivenusy in Furs.

Das Bild mit der Kanzlerette ist übrigens fast von groszmütigen Geist erfüllt.

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Don, Du wirfst anderen gerne vor, sie würden nicht richtig hingucken/zuhören/mitlesen. In diesem Fall muss ich das leider Dir vorwerfen. Schade.

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Thomas, kann es sein, dass Du auch nicht so genau liest? Es geht hier nicht um Lyssa, sondern um die Reaktion mancher Blogger, die sich etwas vorschnell - meines Erachtens - vor einen karren spannen lassen, den sie radikal abgelehnt hätten, wenn es jemand anderes gemacht hätte. Springer zum Beispiel. Es ist legitim, wenn eine PR-Beraterin einen Film über eine Politikerin macht und in der Sendung mit Komplimenten überhäuft. Das ist der Job. Wenn es eine designierte Chefredakturin macht, gut, so what, wir haben hier in Bayern den Staatsfunk, die sind auch nicht anders. Aber die "Wir sind was"-Reaktionen für so eine Nummer überraschen dann doch.

Oder was meinst Du sonst?

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infotainment
...was ist so aufregend an lyssas vlog über die bundeskanzlerin? : - dass sie zuerst da war? - dass sie smalltalk präsentiert ('politik zum anfassen')? - dass sie auf zwei hochzeiten tanzt (journalismus und/oder pr - wie's gerade gefällt)? - dass sie als anerkannte bloggerin zu einer großen zeitung geht und die (netzwerk-) regeln der journalistenkollegen nicht ernst nimmt? villeicht ist lyssa ja einfach ein multitalent und die kritiker können ihren erfolg nicht ertragen....alles lyssa? ich denke, dass etwas anderes hinzukommt: wenn viele internetuser die neuen kommunikations-techniken der bundeskanzlerin und ihrer berater "cool2" finden sollten (umfrage?), dann wäre doch zu fragen: was machen die anderen im sinne guter, politisch aufklärender information (klassischer journalismus etc.) falsch?

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Über den Erfolg reden wir, wenn er da ist. Und der Rest ist wie das Gemotze vor der Glotze, nur öffentlich.

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Lasst die Lyssa einfach mal ne Weile ihren Job machen und wartet ab.

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?
Aber hallo. Das Video ist der Job. Ab wievielen Kindergartensendungen darf ich denn maulen? Oder gibt es da Fristen, die einzuhalten sind? Und wieso kümmert sich eigentlich kein Coke-PR unterstützender Klein-Olaf um solche Fragen, wenn er mich als Themenlieferanten für sein Winzblog benutzt?

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Was soll das denn?
frage ich mich als einer der wenigen nicht journalistisch
irgendwie vorbelasteten, hier schreibenden Leser.
Eine Produktion für die Sendung mit der Maus?
Oder den Tigentenclub?
Kann nicht sein. Viel zu grottenschlecht gemacht.
Für Frau Merkels Blog/Vlog ? Iihh, bewahre.
Da hilft auch nicht das Gequieke am Waschmaschinenzaun.
Web2.0 - Versuch im Kanzleramt?
Im heutigen Spiegel erst las ich, was das 2.0 denn so richtig
sagen will.
ICH als Konsument soll angesprochen und begeistert werden.
ICH bin die Zielgruppe allen Bemühens.
SO allerdings können sich die Lyssen der Welt abstrampeln
und werden sich nicht auch nur ein Eselsohr der Begeisterung
verdienen.
Was sagt mein Kaffeesatz ?...
Günther Jauch kann die Nachfolge von SC nicht antreten weil
sein Köter sonst nicht mehr über den Quelle Katalog sabbern darf ? ...
Wo Frau (Quote!) hernehmen und nicht abwerben? ...
Genau.
Aber erst aufbauen das Vollweib. (Naja, das Voll mit Vorbehalt)
Baut auf, baut auf, freie deutsche Blogger baut auf.

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Warum nicht. Else Buschheuer hat es auch bis zur Talk-Show-Gastgeberin geschafft.

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Was für mich unerträglich ist an diesem ganzen web2.0, podcast, blog gehype sind so Sätze wie von der Lyssa Freundin Kaltmamsell: Attribute wie amateurhaft, ohne Form, beta auf denen sich permanent berufen wird sind einfach lächerlich. Traditionelle Formen sind doch durch etwas entstanden und haben durchaus ihren Sinn. In dem amorphen web2.0, blogging, podcasting wird dies auch nicht durch Formlosigkeit ersetzt. Es gibt vielmehr neue Formen.
Indem gewisse Leute für sich permanentes beta, sowie angebliche Formlosigkeit und Amateurhaftigkeit beanspruchen, immunisierten sie sich gegen (legitime) Kritik. Leute kritisieren dieses Interview inhaltlich und die Propheten des Web2.0, blogging, podcasting antworten damit, dass man ihre Ideen bzgl. des Mediums nicht verstanden hat. Diese ganzen beta, Formlosigkeit und Amateurhaftigkeit sind aber - bei genauerer Prüfung - Schall und Rauch.

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