: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Dienstag, 22. Januar 2019

Heimarbeitsplatz

Das ist so toll.

Das ist so grandios.

Schon die Fahrten nach Frankfurt waren eine schwere Belastung, Berlin ist um ein Vielfaches schlimmer. Nicht dass ich es nicht ertragen - und die Vorteile entsprechend mitnehmen - würde.Ich habe das ja schon mal gemacht. Aber der Umstand, einfach mal arbeiten zu können und dann auch wieder nicht, die Freiheit, die Leistung zu erbringen, wenn es passr und nicht, wenn das Büro aufgesperrt ist - das ist schon toll. Das bisserl Disziplin, das ich dazu brauche, habe ich sowieso. Dieser Arbeitsplatz, das ist ein ganz grosses Privileg, selbst wenn ich ihn selbst finanziere, was mir allerdings nicht schwer fällt. 4 Meter zur Küche mit feinem Porzellan, Silberkannen und genau dem Tee, den ich brauche.



Kein Bus. Keine U-Bahn. Kein Scheibenkratzen am Morgen und statt des Bürostuhls verschiedene Sofas. Ruhe, wenn ich will, und Musik auf Knopfdruck. Experimentiermöglichkeiten. Ich habe nur den allerersten Beitrag für die FAZ tatsächlich in einem Büro geschrieben, und ich habe gemerkt, dass das nichts für mich ist. Einfach nicht meine Welt und zu viele Menschen. Man kann sich dort nicht gehen lassen. Alles gehört anderen Leuten. Man ist da nur Leistungserbringer in einer Maschine. Das passt nicht zu mir. Ich mache es daheim. Es macht mich glücklich. Wie können andere nur arbeiten, wenn nebenan kein halbfertiges Rad steht und an der Wand kein Gemälde hängt?

Irgendwie können sie es schon. Ich will aber nicht. Ich will diese meine Höhle und sonst nichts. Keine Karriere, keinen Titel, nur den grünen Samtsessel und den Blick auf Rokoko und lachsfarbene Wände.

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Freitag, 18. Januar 2019

Liegen bleiben in Berlin

In der Nationalgalerie.



Neben dem Kanzleramt.



In der Kastanienallee am Weinbergpark.



In der Friedrichstrasse unter der S-Bahn.



An der U8 am Moritzplatz, bis zum Tod vor einer Woche, als auch andere hier vorbei hasteten.



Ich kann das nicht wegfiltern, ich kann nicht aufhören, diese Konfrontation zu sehen, auch wenn sie sich nicht gerade vor meine Füsse erbricht, wie am Freitag Morgen in der Kochstrasse. Es ist zu viel. Es ist ein Dauerzustand, und wie viele letztlich nur irgendwo bei Freunden unterkommen, weil aus den Träumen nichts wurde. - da gibt es keine Statistik.

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Donnerstag, 17. Januar 2019

Markenwerbung

Zweimal die gleiche Marke, im Abstand von 50 Metern. Einmal in der emotionalen Werbung vor schäbigen Kacheln, die früher vielleicht einmal als frisch und bunt galten.



Und einmal an den Füssen einer Person, die sich zum Schlafen hinter einen Aufzug zurück gezogen hat. Dazwischen enorm viele Berliner, die alle auf ihre Mobilendgeräte starren.



Man kann darüber reden, ob es Sinn macht, das zu zeigen, wenn man nach 2 Tagen wieder in den Zug steigt und dorthin fährt, wo weder Armut noch solche Marken relevante Rollen spielen. Es fällt mir halt auf. Wie all die Flaschensammler hier. Ich kann das nicht ignorieren, es ist zu dominierend. Vielleicht ist es einfach die Übung am realen Elend, die die Berliner zu so famosen Filterblasern im Netz macht. Wenn man das Mobilgerät braucht, um so vieles nicht zu sehen, will man auch im Netz nichts ertragen, das einem nicht behagt.

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Samstag, 12. Januar 2019

Eigene Wege ohne Dramen

Man darf das Bürgerradio nicht pauschal schlecht reden. Mir wurde da zwar nichts beigebracht - man wurde als Autodidakt behandelt und schaute sich dort ganz sicher nichts ab, sondern orientierte sich an Besseren - aber gelernt hat man trotzdem.

Vor allem: Sich nie auf andere verlassen. Wenn man das tut, kommt bei Strukturen ohne echte Pflichten meistens ganz schnell der Moment, da man ausgenutzt, für dumm verkauft und letztendlich hintergangen wird. Es passiert, weil es für die Ausnutzenden keine ernsthaften Folgen hat, solange sie ideologisch nicht aus der Reihe tanzen, ähnlich momentan wie bei Boris Palmer und den Grünen: Solche Strukturen brauchen immer Leute, es bilden sich Seilschaften, die Fleissigen arbeiten und die Faulen kommen um 5 Minuten vor 6 noch auf die Idee, ein altes Telefoninterview mit Linkskameraden zu bringen. Qualität spielt keine Rolle, man versteht schnell, warum die DDR nicht funktionieren konnte. Und weil immer Geld fehlt, werden die, die welches haben, als Melkkühe gesehen. Und mit schlechtestem Material ausgestattet, weil es ein natürliches Privileg der Armen ist, das Beste zu behalten. Es ist letztlich billiger, sich selbst etwas zu beschaffen, als sich mit anderen um die begrenzten Ressourcen zu streiten. Boris Palmer hat da einfach das Glück, mit Tübingen seine eigenen Ressourcen zu haben. Ich musste sie kaufen.



Natürlich wird so etwas dann auch nicht gern gesehen, denn der Besitzer eigener Materialien ist weniger erpressbar und abhängig. Wer eigene Technik hat, kann nicht über Studiozeiten kontrolliert werden. Man kann nicht, wenn man etwas nicht will, seine Freunde vom autonomen Projekt einen Tag lang die Mischpulte blockieren lassen. Der Sozialismus hat bei der Frage der Produktionsmittel absolut recht: Wer die hat, entscheidet. Und nirgendwo war es mehr wahr als in den Zeiten, da der eine die Sendelizenz hatte, und der andere nicht. Die günstiger werdende Technik war da ein Ausgleich, aber wirklich machtlos wurden die Besitztumswahrer der linken Szene erst mit den Sendemöglichkeiten des Internets. Und weil der Kanal heute Youtube heisst, und nicht mehr UKW, und weil das Nichtlineare im Kommen ist und die Technik heute für 400 Euro zu haben ist, wenn man halbwegs geschickt einkauft, werden die Bürgerfunker auch nie wieder bestimmen können, was alternativ sein darf, und was nicht. 1998 wäre es undenkbar gewesen, mal gebrauchte 10 Studiomikrofone zu bestellen und auszuprobieren. Heute gibt es gebrauchte Röhrenmikrofone für unter 100 Euro.



Was sich dagegen verstärkt hat, ist das Thema "verbrannte Frauen". Beim Bürgerfunk waren einige Anfang 50, die in anderen Sendern und Verlagen gearbeitet hatten, und in jeder Hinsicht ein Vielfaches an Erfahrung der abgedrehten Linksspasten mitbrachten, die hier die Mikrofone ohne Schutz bespuckten. Die Frauen waren hier, weil sie sich im Beruf aufgearbeitet hatten, und nicht mehr mit dem Druck klargekommen sind. Alkohol und Drogen spielten da, wie so oft im Journalismus, auch eine Rolle, aber so generell wurden sie in diesem Metier und dem Zwang, etwas Gutes zu liefern, einfach nicht fertig. Da hatten wir also blutige Amateure, teils desinteressieert und teilweise ehrgeizig, die erst einmal anfangen mussten, und Cracks, die in Wirklichkeit die Organisation und die Abläufe bestimmten - aber von den eigentlichen Machthabern wie Dreck behandelt wurden. Ich wurde, wie sich das gehört, von Frauen erzogen, was Patriarchat ist, lernte ich erst im Bürgerfunk kennen. Ich kenne solche Missbrauchs-Beziehungen - aus genau diesem Kontext, und ich bin daher auch nicht erstaunt, dass die schlimmsten Geschichten über Männer im Internet im Kontext mit Progressiven auftauchen. Feminismus hin oder her, bei der Linken sammelt sich einfach ein Publikum an, das unter Verweis auf das Grosse und Wichtige im Kleinen und Privaten jede Sauerei zu tun bereit ist. Und was eignet sich da besser als eine Frau, die mit den alten Strukturen nicht mehr auskommt und die neuen Strukturen nicht schon wieder verlieren will?



Sie hassen mich, aber ihre Psychosen bekommen - und bekamen sie damals - von den linientreuen "Guten". Ich war dort nur ein Jahr, mit schnell nachlassender Begeisterung, und mit dem Anwachsen der Technik schwand das Interesse, sich hier weiter unterzuordnen. Ich arbeite lieber allein, ich weiss, was ich kann, und ich brauche keine Stützen. Ich bedaure Leute wie Sanczny, die mich blockieren und melden und trotzdem offensichtlich zwanghaft lesen und mit Nonmentions bedenken, und all die anderen, die ihre Verzweiflung dort als Möchtegerndiskriminierte zur Schau stellen, und um Kauf bei ihren Wishlists bitten. Sie tun es, so wie es die Damen bei uns damals vermutlich auch getan hätten, einfach weil sie es brauchen - Geld ist immer der limitierende Faktor. Sie tun es, weil das Leben sich ansonsten einfach nicht wie geplant entwickelt, und eine Rückkehr in alte Strukturen auch nicht möglich ist. Vor 20 Jahren waren das eher noch Ausnahmen in Folge der Bildungsliberalisierung von 1968. Heute sind das ziemlich viele, denen ein Abitur und ein Master in Philosophie nicht weiter hilft, und wie das einmal ausgeht, will ich lieber gar nicht wissen. Reisst Euch zusammen, hätte ich damals gern geschrien, ihr könnt was und müsst hier nicht die Depression in ein anderes Licht tauchen. Heute frage ich mich, ob die Nachfolgerinnen wirklich etwas können und wenn ja, ob das Tun irgendetwas an ihrer Lage ändern würde. Vermutlich nicht. Eigene Technik erlaubt nicht nur autonomes Arbeiten, sondern auch ein Leben ohne Dramen anderer Leute. Bei manchen lohnt es sich wirklich, Hilfe anzubieten. Aber bei anderen... geht man besser eigene Wege.

Edit: Passend dazu eine Ze.tt-Autorin: https://twitter.com/immerwiederEva/status/1084752080362004481

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Montag, 31. Dezember 2018

2018

Prinzipiell ist es natürlich schön, wenn Medien im Gespräch sind, und mit ihrer Tätigkeit die Menschen bewegen. Das ist der FAZ 2018 gelungen, so viel Aufsehen wie am 6. März und in den Tagen danach hatte sie sicher nicht noch mal, obwohl es auch danach und davor vom „Hessenhitler“ bis zum Gauland-Gastbeitrag ein paar Momente gab, in denen das Social Media Team so einiges zu tun hatte. Wie auch immer, mit der Entscheidung, die letzten 3 externen Schirrmacherblogs – Stützen der Gesellschaft, Deus ex Machina und Gumbrechts Digital-Pausen – zu beenden, lieferte sie einen echten Aufmerksamkeitserfolg und befeuerte Emotionen.



Die Sache ist halt, es geht in diesem Metier sicher auch darum, Menschen zu erreichen, was absolut gelungen ist. Im zweiten Schritt soll das diese Menschen zu Lesern machen. Im dritten Schritt sollen sie interagieren, und im vierten Schritt Kunden werden. Ich habe in den letzten Tagen mal das gelesen, was so an Kommentaren bei den verbliebenen Blogs und Podcasts der FAZ so aufgelaufen ist, und ich kann sagen: Das sind 1. wenige und 2. nicht meine Leser. Man kann durchaus sagen, dass die FAZ also nicht nur zwei Blogs, sondern auch zwei Debattenplattformen und deren Konsumenten weniger hat, während bei allen Paybeiträgen in drei, vier Tagen so viele Kommentare zusammen wie bei einem Beitrag meiner Blogs bei der Welt sind. Die Leser sind natürlich nicht weg, es hat sie nur ein anderer. Und es ist natürlich erfreulich, wenn ich an den Aufruf- und Kommentarzahlen sehe, dass sich daran auch hinter der Paywall nur wenig geändert hat. Die Paywall bei der Welt, nun – der letzte Beitrag beschäftigt sich mit Kolonialismus, da bin ich ganz froh, dass die Kunden der Berliner Drogenmafia das nicht frei lesen können. Ich weiss, manche sind da nicht so glücklich, aber man glaube mir: Ich habe weitaus weniger false flag Kommentare, und die Debatten sind angenehmer.



Nach allem, was ich erfahren habe, ging man bei der FAZ davon aus, dass es danach für mich nicht leicht werden würde, und was ich so von Ex-Kollegen lesen musste, deutet doch sehr darauf hin, dass das auch keine unerwünschte Folge war. Zwischendrin versuchte dann nochmal Frau Sargnagel, sich mit dem Vorgang zu profilieren. Ich habe die FAZ darum gebeten, da bei ihrer Autorin zu intervenieren, und Herr Knop, der den ganzen Vorgang durchgezogen hat, fand das nicht nötig: Das sagt natürlich auch etwas über die nicht vorhandene Bereitschaft, solche Abläufe gütlich und im gegenseitigen Einverständnis zu regeln. Bedeutet auch: Bei allem Respekt und Dankbarkeit für sehr gute bis exzellente 9 Jahre, ist das, was aus der FAZ wurde, nun halt ein Konkurrent, dessen Autoren explizit den Konflikt suchen. Man findet es ok, wenn jemand mit Alkoholfaible nach so einem Vorgang noch provoziert – bitte, man trifft sich im Leben immer zweimal. Schade ist das schon, aber es ist halt auch ein Zeichen dafür, dass die FAZ 2018 nicht mehr viel mit der FAZ 2009 zu tun hat, die ich dankenswerterweise kennenlernen durfte.



Es war im März eine wilde Zeit, in der ich viele Menschen hautnah in allen Schattierungen erleben durfte. Leute, die ihre Urlaube bei mir verbrachten, fanden das Ende gut, Leute, denen ich immer kritisch gegenüber war, boten Hilfe an. Es gab viele, die sagten: Er hat nicht meine Meinung, aber es ist schon wichtig, dass es ihn gibt. Es gab vor allem, und zwar exakt 5 Minuten, nachdem ich überhaupt per Mail erfahren habe, was da los war, das Angebot von Ulf Poschardt, zur Welt zu wechseln – die einen sahen da jemand, der brennend abstürzt, aber in Wirklichkeit habe ich Schwung geholt und die Triebwerke neu gestartet. Ich habe meine Zahlen, und sie sind wirklich erfreulich. Es war teilweise turbulent und halsbrecherisch wie in einem Film. Aber bei aller Dramatik war es um mich doch immer ruhig, denn ich hatte zu dieser Zeit privat ganz andere Dinge zu tun.



Die ich hier nicht niedergeschrieben habe, und vor 10 Tagen wurde ich nochmal daran erinnert, warum man besser vorsichtig sein soll. Da schrieb eine – nach späteren Angaben in einem Podcast zu diesem Zeitpunkt betrunkene – Person im Relotiuskontext sehr Unschönes über einen „FAZ-Blogger“, der sie unter seine Fittiche nehmen wollte, was eine nette Umschreibung dafür ist, dass ich die Person, als ihr FAZ-Blog eingestellt wurde, durch persönliche Verwendung mit einem neuen Blog und Einnahmen versorgen konnte, obwohl ihr Freund inzwischen mit dem öffentlichen Krakelen begonnen hatte. Das eine mir unterstellte Zitat fand sich blöderweise eher in den Fahnen ihres eigenen Buches, aber nicht bei mir, das andere war eine aus dem Kontext gerissene, drastische Verkürzung, die eine völlig falschen Eindruck erweckte. Ich habe ihr dann die Fakten zukommen lassen, und sie hat den Tweet, den ich nur zufällig gesehen habe, gelöscht. Denken Sie daran, wenn die nächste Frau jemanden bei der nächsten Empörungswelle denunziert: Es könnte jemand sein, dem früher mal in einem Buch Dank gesagt wurde, der aber jetzt einfach wegen seiner Bekanntheit ein gutes Mittel zur politischen Profilierung ist. Ich weiss, warum ich bei Metoo und Co. erst mal gar nichts mehr glaube, da reicht ein besoffener Tweet, und man ist fällig, wenn man keine Gegenbeweise hat. Man sollte also wirklich aufpassen, was man ab einer gewissen Bekanntheit da draussen sagt. Lieber weniger sagen und alle Mails aufheben.



Abgesehen davon hat dieses 2018 die Blogs ironischerweise gerettet. Ich habe schon 2017 angekündigt, dass ich nach 10 Jahren eine Pause einlegen würde, ohne Garantie, dass es weiter geht: Ich habe mich bei der FAZ mehr verpflichtet, als ich eigentlich beabsichtigt habe, und so eine gewisse Phase der Distanz tut Beziehungen auch gut. Vielleicht 3 Monate mal ohne Netz, ein halbes Jahr, vielleicht auch mal etwas ganz anderes? Das war alles in der Diskussion, deren Fortführung dann durch den 6.März überflüssig wurde. Ich gab vor, nach Salzburg zu fahren, reiste nach Berlin, lernte gute Leute kennen und sagte mir: Jetzt will ich es nochmal wissen. So viele wollen meine Blogs tot und mich am Boden sehen, sie wollen auf mir rumtrampeln, wenn ich jetzt oder 2018 aufhöre, bestätigt sie das nur – ihr nicht, heute nicht, euch pack ich noch. Ich kann sie mir nicht wohlgesonnen machen, aber ich kann ihnen einfach dadurch das Leben erschweren, indem ich weiter mache. Und so viele andere wollen das. Also sagte ich grimmig zu, fuhr nach Italien und unterschrieb im Sonnenlicht der Toskana meinen neuen Vertrag.



Unbegrenzt. Damit muss ich liefern, Schlag auf Schlag, und ich werde denen, die mir geholfen haben, treu dienen, wie ich auch schon der FAZ gedient habe. Ich bin ein Söldner. Narben sind meine Zier, und am Ende geht es in diesem Feld nur darum, zu überleben. Ich habe fest vor, dazu zu gehören. Was immer dazu nötig ist, ich werde es tun. Nicht weil ich muss. Sondern weil ich will und kann, und das Schlimmste habe ich mit Schirrmachers Tod schon lange hinter mir. Damals hat jeder Text körperlich weh getan, alles fühlte sich nach Verrat an: Heute ist es nicht mehr wichtig, diese Welt ist schon lange untergegangen. Es war ein turbulentes, aber auch gutes Jahr, meine Triebwerke brennen besser denn je, ich habe Ziele und Aufgaben, und eine Lösung, die meinem früheren Schöpfer und Förderer bei der FAZ wirklich gefallen könnte, gibt es nicht. Es ist lediglich die beste aller möglichen Welten, und es gibt zwei Arten von Menschen auf dieser Welt: Die einen marschieren weiter, und die anderen bleiben zurück. Mein Weg sieht gut und viel besser aus, als irgendwer im März hätte erwarten können. 2018 endet mit Glück und Zufriedenheit, und gesund bin ich auch. Was kann man mehr wollen?

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Donnerstag, 1. November 2018

Föhn

Ab 15 Grad ist offen zu fahren, und heute hatte es sogar 18 Grad hinten am Sylvensteinspeicher.










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Mittwoch, 31. Oktober 2018

Ambras

Das sollte man jedes Jahr einmal besuchen. Durch den goldenen Herbst fahren, am besten natürlich kurz bevor es schliesst, denn im späten Oktober ist es selten voll. Der Park ist dann nicht überlaufen. Es ist noch ein wenig Glanz vor dem toten Monat November, in dem so vieles pausiert, weil die Tage zu kurz sind, und das Wetter wenig Freuden verspricht. Mich erinnert Ambras daran, dass ich demnächst kräftig umhängen muss, so wie sie es jetzt dort auch mal wieder getan haben. Ich habe zu viele Bilder, aber zumindest eine kleine Lösung für 4 Gemälde.








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Montag, 29. Oktober 2018

fluctuat

Das Altern bringt neben der finanziellen Sicherheit auch eine gewisse Enttäuschungsresistenz mit sich. Die erste elektronische Kamera ist teuer, und es ist ein Schock, wenn sie den Geist aufgibt, sei es durch eigenes Verschulden oder Gehteinfachnichtmehr. Irgendwann hat man das mehrfach erlebt, sich geärgert und kauft

a) Trümmer mit Marmorblockqualität. In meinem Fall sind das Pen E-P1, E-P2, E-P3 und Panasonic G1, G3 und G5.

b) gebraucht. So ein Body kostet zwischen 50 und 130 Euro, und das schmerzt selbst bei Totalschaden nicht so sehr wie die erste, schwere Delle in meiner ersten, zum Originalpreis gekauften Pen.



Für mich ist das Arbeitsmaterial, ich brauche beruflich 80 Bilder im Monat, und wenn 3000 Bilder gut werden, und eine G5 am Ende wirklich gar nicht mehr geht, ist das auch vertretbar. Ärgerlich war dagegen die brandneue, dunkelrote G3, die auf dem Rückweg vom Achensee beim dritten Einsatz 45 Kilometer Bergunwetter auf dem Rad abbekommen hat. Die machte daheim dann keinen Pieps mehr, nur noch die Tröpfchen gurgelten im Inneren.

Ich habe also einen neuen G3-Body gekauft, für schlanke 80 Euro. Statt dessen kam ein Lumix 12-60mm Zoom hier an, das der Verkäufer irrtümlich geschickt hatte. Wir redeten etwas und kamen überein, dass ich das Objektiv auch behalte und zahle, und er die Kamera schnell schickt. Am Tegernsee wollte ich dann das alte Objektiv der kaputten G3 an der neuen ausprobieren. Aber siehe da: Die alte G3 ging wieder. Anstandslos. Als wäre nie etwas passiert.



Das Gute daran: Man ärgert sich natürlich trotzdem. Und rückblickend ist man froh, dass man sich nicht über den Scheintod einer teureren Kamera länger und mehr geärgert hat. Trotzdem nehme ich das nächste Mal eine Plastiktüte mit. Immerhin habe ich jetzt das Objektiv, das bei 12mm Brennweite beginnt, und es mag im Vergleich zu 14mm nach wenig Unterschied klingen. Aber der Weitwinkel ist schon enorm und gereicht zur Ausgleichsfreude.

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Samstag, 27. Oktober 2018

Arte povera

Es gibt da die Annahme, dass Reichtum in den besseren Kreisen durch erzwungene Sparsamkeit entsteht: Wer sich als junger Mensch nichts geleistet hat, fängt später, wenn es ginge, nur sehr langsam mit dem Verschwenden an. Leute, die dagegen schon früh mit dem Ratenkauf beginnen, und Dinge kaufen, die sie sich eigentlich nicht leisten können, haben auch später hohe Ansprüche und kein Vermögen. Wir haben da beispielsweise einen Mieter, dessen Auslandsreisen wirklich eindrucksvoll sind, und der bei der Audi gut verdient. Aber er könnte sich das Haus, in dem er wohnt, niemals leisten.



Corratec Räder konnte man in meiner Jugend bei einem Radversand tatsächlich günstig mit Ratenkauf erwerben. Das hier stammt aus einer Zeit, als ich meine Räder aus Gebrauchtteilen selbst zusammengebaut habe. Weil es Spass machte, weil es bildete, weil ich im Geschäft für das gleiche Geld halt nur so ein Corratec/Scott/Giant/Marin der unteren Mittelklasse bekommen hätte, und keine schimmernden Komponenten und Chrom.



Der Vorbesitzer hat es 1990 gekauft, und dann 1996 erneuern lassen: Die Bremsschaltgriffe der Exage 400LX waren wirklich nicht gut, sie wurden wie die Kassette und die Bremsen gegen die deutlich höherwertige STX ausgetauscht. Dem Dreck und dessen betonharter Eintrocknung nach zu gehen, wurde es dann noch bis vor rund 10 Jahren sporadisch gefahren. Die Felgen - sehr gute Galli World Cup, die auch auf jedes Rennrad passen würden - sind noch nicht abgebremst.



Jedenfalls hat jemand den Sattel noch gebraucht und weggebaut, und den Rest dem Schrott überlassen. Ich habe es genommen, weil die Corratec-Rahmen dieser Zeit relativ hochwertig waren, noch in Italien vermutlich bei Romani (Enik, Dancelli, Kotter etc.) gebaut wurden, und es heute schwer geworden ist, solche Rahmen noch in Stahl und ohne Federgabel zu finden. Das meiste ist heute aus Alu und wiegt mit Federgabel 4 Kilo. Der hier wiegt gerade einmal 3,2 und hat die harmonische Flexibilität von dünnem Stahl.



Es war harte Arbeit, aber letztlich hat das gute Stück 26 Euro gekostet, in der Art, wie ich das auch als Student gemacht habe. Ich verdiene heute so viel, dass ich jeden Monat in einen Radladen gehen und mir so etwas neu kaufen könnte, aber ich will es genau so. Ich kann nicht anders. Ich werde das im Frühjahr dann vermutlich an irgendwen abgeben, der es brauchen kann und gut pflegt. Und dann hoffentlich wieder 20 Jahre fährt, bis man das Design mit den Sprenkeln wieder toll findet.



Die Lust an der Sparsamkeit äussert sich bei mir anders als bei meinen Eltern und meinen Grossmüttern, aber ich glaube, ich verstehe heute besser, warum sie so waren. Und warum ihnen nichts fehlte, obwohl sie viel, viel bescheidener lebten, als sie eigentlich gekonnt hätten. Ich lebe relativ dazu verschwenderisch, aber im Vergleich zu der Generation Wegwerf immer noch äusserst ressourcenschonend.

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Freitag, 26. Oktober 2018

Nein. Das Leben ist natürlich nicht gerecht.

Am 23. März bin ich den ersten Tag in der Toskana gewesen, und am 23. März kam auch der frisch ausgearbeitete, mit heisser Nadel gestrickte Vertrag aus Berlin. Ich sass in meinem Apartment mit Blick über die Crete Sienese, las ihn gar nicht weiter durch, und mailte ihn an die Rezeption weiter. Die druckten ihn aus, ich unterschrieb, setzte mich aufs Rad und fuhr nach Murlo zum Postamt.

Das ist für sich eine Sehenswürdigkeit, das Postamt ist bis in die Details noch so, wie es in den 60er Jahren gebaut wurde, und vor mir war ein Mann, der eine Ewigkeit brauchte, um etwas zu erklären und das Gewünschte zu bekommen. Ich hatte da also eine halbe Stunde, um nachzudenken, was ich so tue. Draussen schien die Sonne, neben mir war ein Papierkorb, und ich hätte den Brief dort auch hinein werfen und dann ein paar Monate in absoluter Freiheit leben können. Es wäre nicht nett gegenüber dem Verlag gewesen. Aber die Möglichkeit war da, und das war, glaube ich, der einzige Moment, als ich mir wirklich überlegt habe, was ich will. Ich habe den Brief dann abgeschickt, weil mein Gefühl sagte, es passt.

Jetzt, nach 7 Monaten, passt es noch immer.



Ich habe heute ein Rad fertig restauriert, weil ich etwas Entspannung vor dem nächsten Beitrag brauchte, und bin dann gefahren. Weiter, als ich dachte, weil das Wetter schön wurde. eine ganze Menge Leute haben 2018 wirklich viel Zeit und Ehrgeiz investiert, das ruhige, zufriedene Dahingleiten zu verhindern, und man kann wirklich nicht sagen, dass sie sich keine Mühe gegeben hätten. Allein, das Netz, das mich umgibt, ist stärker, viel stärker, und das erfährt man eben nur, wenn man es einmal wirklich braucht. Es ist grandios. Es hält wirklich, es ist egal, selbst wenn Leute, denen man geholfen hat, es gern zerrissen sehen möchten, weil sie auch unter denen sind, die einen Sturz sehen wollen. Man kann mir nicht die Vergangenheit nehmen, und wie es aussieht, auch nicht die Zukunft. Es war jedenfalls ein phantastischer Sommer. Es ging mir richtig gut, die Trauben wuchsen mir in den Mund, fast habe ich das Gefühl, ich müsste mich ein wenig dafür schämen. 7 volle, fette Monate, eigentich nur Sommer, unheimlich viel Italien, und dann noch an der Grenze zu November so ein Tag, an dem die Jaguare vorbei schnurren, alte, weisse Männer am Steuer, die zu sagen scheinen: Das ist es, das Leben.

Das ist natürlich nicht ganz gerecht, zumal ich auch gar nicht versuche, den Anschein zu erwecken, ich sei irgendwie gut oder was andere sonst so tun. Wir sind alle nur dunkelgrau, und jetzt gerade erwischt es den Böhmermann, der sich auch zu meiner Person reingehängt hat. So ist das eben. Was für eine Elendsfigur. Man könnte jetzt eine schöne Geschichte schreiben, Böhmermann 2035, auf einem Kreuzfahrtschiff oder bei einer Busreise... aber ich gleite dahin. Es war ein phantastischer Sommer. Ich habe gelebt. Ich war draussen. Es geht mir gut. Ich habe dazugelernt, es war angenehm, seit jenem 23 März. Das Leben ist vielleicht nicht gerecht, aber es kann schön sein.

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