: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Montag, 26. Dezember 2005

KranKrassKristentum

Gerade jetzt, wenn im grossen Dom gegenüber die Fenster fahl erleuchtet sind und der immer gleiche Singsang ertönt, aus Kehlen in Septen disharminisch der Glaube quillt und das alles so leicht, so unbewiesen, so überzeugt, wie nur Psychopathen überzeugt sein können, daherkommt - in dieser Stunde fragt man sich als höflicher Aussenseiter, der mutmasslich mehr über ihren Glauben und seine Strukturen weiss als sie selbst, warum sie das, wenn sie es schon nicht wissen, überhaupt glauben. Von wegen der Hoffmung, dass am Ende Chancengleichheit herrscht. Das ist namlich nur die Version fürs dumme Volk, gewissermassen die BILD-Version des Glaubens. Das Management geht dagegen davon aus, dass sich die finale Buchprüfung erheblich beeinflussen lässt, sei es vom Betmarketing oder auch von tollen Präsis in repräsentativem Ambiente und einzigartiger Architektur.



Mortuarium heisst so eine Einrichtung, wo nicht jedermann begraben werden kann. Das bleibt denen vorbehalten, die die entsprechende Macht hatten. Wer im Mortuarium seine Marmortafel hatte, konnte damit rechnen, dass auch 1000 Jahre später noch Pilger an ihn dachten. Wer in Stein schreibt, der bleibt. Hübsch in der Nähe des Chores, wo die Aura des sog. Allerheiligsten ohnehin tschernobylmässig reinzieht. So läuft´s Business auf der Entscheiderebene, nix von wegen gleiche Behandlung für alle. Abgesegnet bis heute durch den Codex Iuris Canonici, den jeder eigentlich mal lesen sollte, bevor er sich für so einen Geschäftspartner entscheidet - der CIC ist das Kleingedruckte. Das Mortuarium ist dagegen die "Manager der Dekade"-Galerie im Vorstandszimmer des Unternehmens und gleichzeitig so eine Art "Über uns"-Seite der Vorständler, die alle treuherzig und überzeugend dreinschauen für die Idioten, die in diesem Neppladen ausgenommen werden.

Wie eine Weihnachtsgans, um es mal so zu sagen.

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Freitag, 23. Dezember 2005

Rebellen ohne Markt in den nächsten Wochen

Nun beginnt sie also wieder, die Zeit, wo die meisten heim fahren und ziemlich vil um die Ohren haben. So viel, dass zwischen den fünf Gängen und dem Punsch und der Knallerei und dem Wegräumen des Mülls und dem Skiurlaub (zumindest ist das bei uns in der Region so) für das Internet wenig Zeit bleibt. Weshalb die Userzahlen auch auf diesem Blog mal wieder historische Tiefststände erreichen werden. Ich werde also ziemlich allein beim kargen Frühstück sitzen und recht einsam in den Monitor schauen



(wenn ich grad nicht an Weihnachten eine alte Bekannte frustvögle oder noch noch schnell in Urlaub sportewagenfahre oder Skilaufen gehe oder viele Bücher lese oder für meine kleine Schwester was erledigen muss oder...)

Wie auch immer: nachdem ich nicht dem ethnisch-religiösen Kulturkreis angehöre, der Weihnachten feiert, sondern nur 8 Tage Kerzen anzünden und täglich viel Essen, wird es hier natürlich wie gewohnt weiter gehen. Reinschauen lohnt sich, zumal es am Ende des Jahres ein paar Ankündigungen geben wird - Mitte Januar bin ich nämlich auf kleiner Tournee, und es wird öffentliche Auftritte geben - "Don live und in voller Breite".

Bis dahin denen, die was besseres zu tun haben, weil es ja nur Internet ist, eine schöne Zeit, guten Rutsch und so weiter. Man liest sich.

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Donnerstag, 22. Dezember 2005

In nova fert animus mutatas dicere formas corpora

Wer bis vorgestern die Erhardstrasse in München am Deutschen Museum vorbei nach Süden fuhr, hat in den letzten Monaten am Strassenrand vielleicht einen stählernen Müllhaufen gesehen, der durchaus was für den Dirt Picture Contest gewesen wäre. Im Schnee steckte, bis zum Dach mit schwarzbraunen Matsch des vorbeidonnernden Verkehrs eingesaut, ein Auto, das früher mal silber gewesen sein muss. Es war unförmig, zerkratzt und verbeult, was nicht am Design lag - das hatte vor 10 Jahren wahre Wunder geschaffen - sondern am rüden Umgang der Münchner beim Einparken mit dem roAuto ihres Nächsten. In die Tür war mal einer geknallt, der bei einem illegalen Rennen ins Schleudern kam - und der bei dieser Gelegenheit bewies, dass Mazdas noch mieser gebaut sind als ein Fiat Sportwagen. Jenun, aber auch Fiat hat geschludert in den ersten Serien der Barchetta, und so hatte der im Besitz von Don Alphonsos kleiner Schwester befindliche Müllhaufen in meinem Clan den Ehrennamen "die schnelle dreckige Beulenpest".



Seit gestern gehört es mir. Wage es keiner, meinen süssen kleinen Renner jemals als Beulenpest oder dergleichen zu bezeichnen. Das Auto ist ein Stück rollende Automobil und Familiengeschichte, es fuhr schon über die Maximilianstrasse, als offizielle Händler noch nicht mehr davon hatten als die Prospekte - irgendwie schaffte es mein Clan damals, über gewisse Quellen ein Exemplar zu bekommen, bevor es hier erhältlich war. Das etwas seltsame Gefühl, als Äusserlichkeiten nicht besonders zugetaner Mensch die alten Automobile der kleinen Schwester aufzutragen, verflüchtigt sich, wenn 130 PS gerade mal 1060 Kilo beschleunigen.

1943 stellte die US-Navy ein Flugzeug namens Vought F4U Corsair in Dienst. Das hatte in den Flügelstutzen zwei Kühler sitzen, und der charakteristische Lärm, den diese Löcher verursachten, sorgte für den Spitznamen "Whisteling Death". Nun, das Auto hat so seine Löcher im Grenzbereich zwischen Windschutzscheibe, Verdeck und Seitenfenster, und das klingt ab 140 Sachen auch so. Nennen wir es also "Don Alphonso´s Whisteling Death". Was jetzt neben einem kundigen Spengler noch fehlt, ist der passende Schriftzug und das Pinup-Girl.

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Dienstag, 20. Dezember 2005

Die Preisträger werden gebeten

ihre kompletten Anschriften an mich, donalphonso | ät | gmail dot com zu schicken - sonst kann ich die Preise nicht losschicken.

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Sonntag, 18. Dezember 2005

Der DABE AWARD 2005,

der Don Alphonso Belletristic Excellence Award, den wir noch auf die Schnelle reingeschoben haben, war auch so eine Sache. Schliesslich ist es vielleicht ein wenig unfair, grandiose Schreiber zu benachteiligen, nur weil sie die verlangten Aspekte nicht so ganz erwischt haben. Es wurde mal wieder knapp. Sehr knapp. Ich musste dreimal nachrechnen, aber dann stand die Siegerin fest, die wirklich herzwärmende Geschichte von

MIAGOLARE-LU, Mars und Juli

was mindestens so schön wie Jules und Jim ist, nur von der anderen Seite aus und noch wunderbarer. Wenn die Fellchen jetzt mal wieder die Krallen ausfahren, kann Lu mit den Gabeln gleichziehen - und in Zukunft das Katzenfutter unsagbar elegant, luxuriös und dekadent mit den Silbermessern, eins für jedes Fellchen zuschneiden.

Platz 2: Andrea nochmal
Platz 3: Kaltmamsells Italienerbesuch

So, das war´s für dieses Jahr. Ich möchte mich im Namen der Jury bei allen Autoren, Kommentatoren und Lesern für all die schönen Geschichten bedanken. Das Niveau war sehr hoch, viele schöne Geschichten blieben leider unerwähnt, weshalb ich sie noch eine Weile hier stehen lasse, als Zeichen der Dankbarkeit. Es macht mich glücklich zu sehen, was die Blogosphäre an Texten drauf hat, und das Silber geb ich gern, wenn ich auch weiterhin so einfallsreiche, eigentümliche, ungewöhnliche und immer überraschende Geschichten zum Lesen habe. Die Preise gehen raus, sobald ich Eure Adressen habe, und die Bestechungsgelder für die Jury bringt der CDU-Bote im neutralen Umschlag.

Vielen Dank an alle - nächstes Jahr machen wir das wieder.

verneigt sich, dreht sich um, rutscht auf seiner schleimspur aus und schlittert hilflos mit den armen rudernd in die linke ecke der bühne, wo hinter den gemieteten kulissen einer abgesetzten barbiere-inszenierung der regie-assi die garderobenhilfe durchknallt.

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Der DADA AWARD 2005

der Don Alphonso Decadency Achievment Award für das Vorantreiben dekadenter Verhaltensweisen angesichts von Spiessigkeit, Normalität und Langeweile im Toskanastil-Haus, war eine glasklare Angelegenheit. Alle Jurymitglieder setzten die gleichen Geschichten auf Platz 1 und 2, es ging zu wie im Zentralkommittee, und gewonnen hat

ANDREAs Frau Muscatella

Andrea wird also in Zukunft mit Silberlöffeln das Strychnin auch realiter in den Tee rühren können, statt wie früher nur mit Worten in ihre Texte. Das nenne ich mal eine echte Web/Real Life Schnittstelle.

Platz 2 ging ebenso eindeutig an LTZ in Armani

Danach wurde es nochmal hauchdünn, deshalb hier gleich die drei direkten Verfolger:

Rainers Muscheln
Fettglanz bei Mymspro
Narus Löffeleien

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Der DALI AWARD 2005,

der Don Alphonso Luxury Inauguration Award für besonderen Luxus in diesem tristen Dasein - man schaue nur hinaus auf dieses Wetter oder diese Stadt, sofern es Berlin, Wien, Neustadt/Orla, Grosny oder Ähnliches ist, geht in einer extrem knappen Entscheidung - gerade noch ein hochgestellter Tortenheber passte zwischen die ersten Drei - an

LTZ in seinem Armani-Anzug

Und wenn sie von ihrem Kerl mal wieder genug hast, kannst Du ihr mit dem Tortenheber die Champagnercremetorte rüberschieben. Und in die rosa Schnittchen langsam die Gabelspitzen bohren - aber ich denke, Du weisst sowieso, wie das geht. Schöne Grüsse von mir, wenn sie sich scheiden lässt! Dankesrede ist hier.

Platz 2: Andreas Muscatella
Platz 3: Fireballs Teetischgerolle

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Der DARA Award 2005

der Don Alphonso Rebellious Arrogance Award, der schnell noch für all unsere Ausschreibungsphobiker ausgelobt wurde, geht nach Meinung der Jury an

REMINGTON

Herzlichen Glückwunsch, ich hoffe, die kleine Asiatin kann, wenn sie Dich für den Schmerz an Deinem Bett tröstet, mit Messer und Gabel besser umgehen als mit Deinen Schulterknochen - und sie soll aufpassen, so eine Gabel kann schnell ins Auge gehen.

Platz 2: Kaltmamsell
Platz 3: Hokey

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Awards kurz vor dem Abschluss

Die Jury hat einzeln entschieden, jetzt wird zusammengerechnet, und dann werden die Sieger im DADA und DALI-Award bekannt gegeben, einer für Dekadenz, einer für Luxus. Klingt einfach, ist es aber nicht.

Weil es da ein paar Komplikationen gab. Was an den Geschichten liegt. Da gab es viele Abweichler, Quertreiber und Insblaueschreiber, ZEFIX lest gefälligst die Ausschreibung, wenn ich mir schon die Mühe mache und das alles ausformuliere! Ich mein, wollt Ihr kein Silber oder was? Wollt Ihr unbedingt chancenlos am Thema vorbeischreiben?

Da das hier aber nun mal nicht die Seite der angepassten Spiesser ist, sind wir, die Jury, auf einen anderen Plan verfallen, als diese rücksichtslosen Egomanen hier brutal zu outen und ihnen ein paar bissige Bemerkungen mit auf den Weg zu geben. Wir machen, auch wenn es einen weiteren schmerzhaften Griff in meinen Silberschrank bedeutet, aus so manchem Versagen eine Tugend und schmeissen

ZWEI WEITERE AWARDS

in die unvorbereitete Runde. Das eine ist, auf dem Bild links in Preisform zu sehen, der Don Alphonso Rebellious Arrogance Award DARA für die beste, grösstmögliche Themaverfehlung.



Der Preisträger bekommt deshalb ein unzusammenpassendes Set aus zwei Vorlegegabeln und Butter- und Käsemesser, und fuck ich schwöre, wenn er sich bei der Benutzung damit bis auf die Knochen blamiert, dann ist das nur gerecht.

Und daneben ist dann noch der Preis für den Don Alphonso Belletristic Excellence Award für die beste Geschichte bar jeder Kategorisierung und jenseits aller Vorgaben, ein Satz silberner Frühstücksmesser und Vorlegegabeln, prima geeignet für den Morgen danach.

Und jetzt wird ausgerechnet, in einer Stunde, um 21 Uhr, gibt es das Ergebnis.

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Donnerstag, 15. Dezember 2005

Demarkationslinie

An dieser Stelle, wo sich die Pulverrückstände der Labels und der Webagenturen und das "Gekotze der Maria am Ufer" schon im Wasser befinden, hat der Fluss auf seinem Weg durch den Slum noch das Schlimmste vor sich: Berlin Mitte. Er kann es nicht ändern, zu gering ist sein Wassrstand, als dass er substanzielle Teile des Übels wegschwemmen könnte.



Man muss schon lange hier feststecken, um diesen Blick als schön zu bezeichnen. Man darf keine Brücke in Rom, Lonon, Florenz oder München kennen, und selbst Frankfurt kommt da weitaus besser. Relativ, angesichts des Ortes, ist es ok, mehr aber auch nicht. Es ist scheisskalt an dieser Stelle, der Wind pfeift ungehindert durch, und so richtig blaugefroren vergehen schnell die Gedanken an all die Gescheiterten, die eigentlich was anderes verdient hätten als das hier, wenn sie überhaupt so weit kommen im Moloch, und nicht nur die ganzen Tage in triste Hinterhöfe schauen, wie ein Gutteil der hiesigen Millionen, und unachtsam sind wie die Leute, die zum Bedröhnen ins Maria eilen und nicht mal dafür einen Blick haben.

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