: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Donnerstag, 25. November 2004

You knew it first

Wie bereits hier geschildert, treibt das Business Modell CUPDPV (Contentklau und preisdumpende Printverwertung) möglicherweise seinem Media Final (Madzia weiss ja, was das ist) entgegen. Das vermutet jetzt auch die NZZ, deren Worte bei IT&W wiedergegeben werden: "begrenzt Anklang ... Qualitätsmängel ... sprachlichen Fehler". In den Kommentaren giftet ein angesehenes Mitglied der Eipott-Tscheneraischon dann was von angeblich positiven Reaktionen auf CUPDVP, mutmasslich aus alten Weinfässern. Ungeklärt ist noch, ob das Problem auch noch irgendwo gebusinessblogt wird.

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Manuela´s Frischnudelservice

Tiefkühlpizza, Dosenravioli, Mineralwasser, Coke Light, Red Bull, Zigaretten, Tiefkühlgemüsepfanne, Instant-Suppen. Die Elitesse, die vor dir an der Kasse steht und beim Warten über Handy vom waaahnsinnig arbeitsreichen Semesterbeginn erzählt, hat ausgeprägt schlichte Ernährungsgewohnheiten. Schnell, billig, am besten schon in der Verpackung essbar, um die ganze verhasste Nahrungsaufnahme so effektiv = ressurcensparend wie möglich abzuhandeln. Genossen werden wohl nur die Zigaretten, die die Atemluft effektiv mit den notwendigen Aromastoffen anreichern. Was jetzt noch fehlt, sind die ausgleichenden Vitaminpräparate.

Du stehst dahinter, mit einem einzigen Becher Schmand in der Hand. Schmand ist das einzige, was du zu deiner Seeligkeit noch brauchst, denn alles andere ist schon daheim und wartet auf dich: Die rote Speisezwiebel, der Feldsalat, der zu raspelnde Pecorino, die Pinienkerne, der Salbei und der Rosmarin, und die Steinpilz-Panzerotti von Manuela´s Frischnudelservice.

Einen Moment spielst du mit dem Gedanken, der Elitesse auf die knochige Schulter zu tippen, und ihr zu sagen, dass die Dosenravioli die Inhaltsstoffe der Chemiebetriebe haben, für die sie in den PR-Seminaren Notfallpläne entwickeln. Dass es vielleicht legal ist, das Zeug zu vertreiben, aber legal heisst noch lange nicht gesund. Dass bei dir zu Hause dagegen im Kühlschrank, wenn sie dich besuchen wollte, ganz andere...

mehr zu Elitessen und Panzerotti bei restaur.antville.org

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Bar Centrale

Ende der 80er ereignete sich in der Gastronomie der Provinzstadt ein entscheidender Wandel. Ein italienischer Gastronom hatte verstanden, dass noch eine Pizzeria etwas viel für den in andere kulinarische Ecken abschweifenden Geschmack der Provinzler war, und dass die Jugend, zumal die mit besserverdienenden Eltern, kein auch nur halbwegs akzeptables Cafe hatte. Er mietete einen langen, schlanken Raum, packte eine Theke und einen gut aussehenden, italienischen Barmann hinein, hängte Bilder des Radidols Fausto Coppi an die Wand, und schon kam die Kundschaft von Schulaus bis Ganzspätnachts.

Es war sehr angenehm, so gegen 17 Uhr in der Bar Centrale einzulaufen, während Francesco nochmal die Bar polierte, und dann zu warten, bis sich der Laden füllte; gegen 22 Uhr war dann absolut kein Platz mehr frei, und der Geräuschpegel war erheblich. Die Bar Centrale war ein Aussenposten von München. Es war die Schule der - damals hiess das noch so - Popper und Yuppies, man blieb unter sich, und wer schon studierte und nur am Wochenende kam, um seine Wäsche machen zu lassen, wusste, dass er hier die alten Freunde treffen konnte, und die neuen Geschichten aus Frankfurt, Hamburg und Köln hören würde - nein, Berlin war damals nicht dabei, das galt als unvorstellbar.



Inzwischen ist die Bar umgezogen, und das Publikum ist auch dabei. Jetzt ist es Mitte/Ende 30, und trägt in der Freizeit Jeans und Lederjacken, was Ende der 90er kaum unvorstellbar gewesen wäre, als es in der Provinz sogar noch Jean Paul Gaultiers Sublabel Bogy´s pour Gibo gab. Man könnte fragen, ob es vielleicht schon was mit der Midlife Crisis zu tun hat, aber ich kann mir das bei den Hiergebliebenen schlecht vorstellen, so selbstsicher und unreflektiert die schon immer waren. Es gibt nur eine wirkliche Veränderung: In und vor der Bar Centrale sind sehr oft Kinderwägen mit wenig dezentem Inhalt. Vermutlich redet man dort heute mehr über Windeln denn über Lebensabschnittspartner, und auch die meisten ausserehelichen Fickkombinationen der Provinzstadt dürfte man inzwischen durch haben.

Egal. Man kann sich trotzdem noch draussen hinstellen, mit dem Espresso, wenn im November die Sonne runterknallt und diese windgeschützte Südecke der Provinzstadt aufheizt, die Sonnenbrille ins Haar stecken, bevor es dann wieder in den Job geht, und am Abend dann mit den Blagen vor die Glotze. Vermute ich mal, denn ich selbst vermeide die Bar Centrale aus Unlust, dort die ein oder andere frühere Bekannte mit ihrem Ehedingsda zu sehen.

In Italien sitzen in der Bar Centrale meistens die alten Säcke, schauen im Sommer den Touristinnen hinterher und im Winter auf ihr belangloses Leben zurück. Die Bar Centrale in der Provinzstadt hat treue Kunden mit einem belanglosen Leben, und wenn das noch 30 Jahre so weiter geht, wird es auch hier das echt italienische Flair einer Ansammlung alter, desillusionierter und gelangweilter Greise geben, die auf die Jugend schimpfen, auf die Fussballübertragungen am Wochenende warten und den Elitessen der lokalen Uni hinterher schauen, die sicher glauben, dass ihr Leben mal ganz anders, spannend und aufregend wird.

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Mittwoch, 24. November 2004

Cut für Kuttner

liest man bei der FAZ. Eine schlechte Woche für Berliner Moderatorenvolk, nach dem schon Polylux Richtung Gullylux geht.

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Monolog

Mal wieder einen Studi getroffen, der gerade fertig wurde: Sag mal, wie das passieren konnte. Erklär mir, warum wir Kreativen, wir Jungen, wir gut Ausgebildeten, die bei Dir gelernt haben, keinen Job finden, kein Geld haben, keine Chancen, auch nicht nach 100 Bewerbungen, und wenn doch, dann nur irgendwas, von dem wir kaum leben können. Wann ist das bei Euch schief gelaufen.

1987. Im Sommer 1987. Im heissen, traumhaft schönen Sommer des Jahres 1987, am See, und zwar an dem Teil, den man den vielleicht 20, 30 jungen Windsurfern aus dem besseren Teil der Gesellschaft vorbehalten hatte, die alle in der Nähe wohnten und deren Eltern sie jeden Tag hier her brachten. Im Sand, da fing es an, und da ist es auch schon gescheitert. Normalerweise ist überall Kies, aber an der Stelle des ehemaligen Förderturms, dessen Fundamente noch stehen, ist Sand. Das war unser Platz. Der beste Platz, wir waren ja auch immer die ersten, weil wir daneben wohnten. Da hat alles angefangen.



Es gab nicht viel Wind in diesem Sommer, also sassen wir am Strand, und lasen. Nicht irgendwas. Wir lasen Tempo und Wiener. Wir sassen auf den Tüchern, Rücken an Rücken gelehnt mit Margot, Apothekerstochter, oder Evelyn, Tochter des Dresdner-Bank-Leiters, und lasen das, was die Redakteure uns von der grossen Welt da draussen erzählten.

Bis zu diesem Sommer wussten wir nichts. Wir ahnten, dass es nicht gut gehen würde mit uns. Wir sahen das Leben unserer Eltern zwischen Butzenglas-Doppeltüren, Kachelofen und dekorativer Graphik, und sie hatten uns schon früh gesagt, wo unser Platz war: Ihr Nachfolger, oder noch besser: Arzt. Gut, dann werde ich halt Sportarzt, ich bin ja im Tennisclub, dachten sich die meisten. Bestenfalls könnten sie noch Sportarzt in einer grösseren Stadt werden, aber dafür gab es auch keine echten Gründe, denn mehr Kunden für Sportärzte als hier würde es kaum irgendwo anders geben, bei den vielen Skifahrern, Tennisspielern und Reitern in dieser Stadt. Bis 1987 wusste keiner, was man sonst hätte machen sollen. Mein Gymnasium rühmte sich damit, die besten Techniker für die lokale Weltfirma hervorgebracht zu haben, und wir hatten 4 Leistungskurse Mathe und 2 WiSo, aber keinen für Deutsch.

Wir sassen im Sand, schauten nach Süden, Richtung München, 70 Kilometer von hier, und lasen, was dort möglich war. Dass es dort ganz andere Chancen gab. Werbung zum Beispiel. Damals waren in Tempo und Wiener diese Bilder für das Parfum Opium, eine Frau mit kurzen Haaren, die einen Mann energisch an sich ranzieht, schwupps, drei Wochen später sahen da alle so aus, die Eltern waren entsetzt, und wenn Margot dann den Kopf zurücklegte, kitzelten ihre Haare an meiner Schulter. Es war ein verdammt guter Plan, dieses Anything goes. Wir sahen es an uns: Alles war möglich. Ficken ja, heiraten nie, Evelyns Vater wäre durchgedreht, wenn er gewusst hätte, was wir auf dem Surfbrett gemacht haben. Wir kauften plötzlich Musik, die nicht im Radio lief. Wir bestellten Bücher, von denen die Buchhandlungen nichts gehört hatten.

Wir lasen sie hier auf diesem Sandvorsprung, und zwischen uns und München lag nicht mehr diese verdammte, tote, festgelegte Stadt der Zombies, sondern nur ein paar Kilomter, die wir mit Führerschein ganz lässig überbrückten. Wir fuhren hin, kauften bei Robot, Annas und Holy´s Klamotten, die übrigens noch nicht mal teurer als das hässliche Zeug bei uns zuhause in den sogenanten "Boutiquen" waren. Wir waren ganz anders als diese Stadt. Es war klar, dass wir sie verlassen und das tun würden, was uns von Tempo und Wiener geraten wurde. Multimedial, bunt, kreativ, flexibel, unabhängig, und am Abend dann ins Parkcafe. Klang gut. War gut. Die Provinzstadt verschwand bald irgendwo im Norden; nur noch eine vertraute Autobahnausfahrt auf dem Weg nach Frankfurt, wenn wir mal Viola besuchten, die Brokerin wurde.

Designer, Broker, Creative, Computer-Freak, das war hier alles schon angelegt. 10 Jahre später wären wir zusammen sicher ein grandioses Startup geworden. Irgendwann würden wir in diese Stadt zurückkommen, und es den Zurückgebliebenen zeigen. Das war der Anfang, und der Fehler. Die Grundprämisse war falsch. Man hätte die Zurückgebliebenen als Markt gebraucht, als Käufer, als diejenigen, die das alles bezahlten, unser Leben und die Ideale, die man festlegt, wenn ein paar Leute ohne Realitätsbezug zusammenkommen und sich für das Mass aller Dinge halten. Der Fehler war nicht, die Rebellion zu versuchen. Der Fehler war, die Realität in den Städten zu ignorieren, aus denen wir geflohen waren. Man hätte es schon früh merken können, als die lustig-bunten munich-area-style Projekte einiger Heimkehrer in dieser Stadt nach wenigen Monaten pleite waren. Ich hatte das Glück, alle 2 Wochen in dieser Stadt zu sein, und mich von meinem Vater mit 40 Jahren Erfahrung richtig erden zu lassen, ich hatte das verdammt nötig. Solange mein Dad als Referenzkunde nicht im Netz shopte, solang nur die Hungerleider und Praktis den E-Commerce tanzten, war klar, dass es nicht gut gehen würde.

Aber alle Politiker glaubten daran, alle Uni-Leitungen, und deshalb haben sie Euch gut ausgebildet, für einen Markt, den es nicht gibt. Bei AGs beteiligt man sich nur als Ich, man braucht keine Werber, man braucht Altenpfleger, man braucht keine Broker, aber Kassierer werden immer gesucht, man braucht kein mittleres Management im Business Development, man braucht Sachbearbeiter, und den RedakteurInnenposten erfickt man/eherfrau sich bundesweit, oder lässt es eben bleiben. Das hätten wir uns damals am See auch nicht vorstellen können, klar.

Ich bin heute nur noch selten an diesem See. Ich bin auch nicht allzu lang in dieser Stadt, höchstens mal 2 Wochen am Stück. An diese Stelle gehe ich eigentlich nie, obwohl sich hier, glaube ich, mein Leben entschieden hat. Zum Guten. Zum Besten, was angesichts der Realität möglich war. Ich habe einen gut bezahlten, kreativen Medien-Job, den ich liebe, ich bin nebenbei Schriftsteller, ich führe eigentlich ein sehr angenehmes Leben, und ich bin vielleicht sogar so eine Art Idealprodukt dessen, was Tempo und Wiener 1987 vorgegeben haben. Immer noch Zeitgeist, immer noch Anything goes. Es gibt nicht viele, die sich im Moment keine Sorgen machen müssen. Ich bin nicht hier hängengeblieben, ich bin kein Teil dieser kranken Nomenklatura dieser Stadt geworden, ich durfte fliegen, als alle anderen schon längst wieder in die sicheren Käfige gekrochen sind. Das ist viel, verdammt viel, wenn ich mir die jungen Leute anschaue, die jetzt von der Uni kommen. Ich habe die Rebellion mitgemacht, und am Ende meinen kleinen Markt gefunden, ein bisschen wie Voltaires Candide kann ich jetzt sagen, dass ich meinen Garten bestellen will.

Aber nicht hier. Hier habe ich Angst, schlichtweg Angst, hier all diese Leute von damals wiederzutreffen. Ich will nicht diese dummen, immer gleichen Geschichten hören, von den Erwartungen, von dem Glauben, den Visionen, die dann doch keinen Markt hatten, in deren Folge sie dann zurück gingen und das gemacht haben, was ihre Eltern richtig fanden. Sportarzt, Ingenieur, gute, angesehene Leute in Doppelhaushälften und Kindern, die in die Grundschule gehen und für die sie jetzt schon das Hochschulranking lesen. Meine Eltern und ihre Eltern reden ja noch und tauschen diese Geschichten aus, ich höre es indirekt, aber so Angesicht zu Angesicht? Sie würden mir sagen, wie gut es ihnen geht, wie alles geregelt ist in ihrem Leben, und ich müsste ihnen die Geschichten von Rebecca und Kristina erzählen, die tot sind, von Gerold, der mit seiner Galerie auch privat bankrott ging, von Viola, die seit drei Jahren in einer Kreditabteilung sitzt, von Yvonne, Oli und Gregor, die alles versucht haben, in der New Economy endlich alle Ziele erreicht haben, nur um sich heute mit Gelegenheitsjobs über Wasser zu halten. Ich bin mir sicher, dass Margot mit ihren beiden Kindern, die sie von Jürgen hat, mich überhaupt nicht verstehen würde, denn diesen Sommer 1987 hat sie sicher schon längst vergessen und abgehakt, das war nur eine Marotte, die bis zum zweiten Studienabbruch gehalten hat, nicht mehr als eine Anekdote, denn so, wie man sich manchmal im ersten Freund irrt, irrt man sich eben auch in der Rebellion, und heute ist alles, alles gut für sie.

Aber nicht für mich. Ich will es nicht sehen. Von unserem 1987er Standpunkt aus ging es für fast alle schief, es gab keinen Markt für uns, denn die reaktionäre Scheisse, dieser gigantische Markt der Dummheit, dem wir entgehen wollten, hat die meisten eingeholt und sich wieder einverleibt. Da drinnen, in diesem arrivierten Moloch ist es ein warmes Plätzchen für Renegaten, und die machen die besten Kinder für die Unsterblichkeit der Dummheit. Es ist alles gut für sie, wenn auch nicht so schön wie der Sommer 1987 am See, als ich Rücken an Rücken mit Margot Tempo und Wiener gelesen habe, und es nur logisch schien, dass anything gehen wird, und dann lehnte sie ihren Kopf zurück, und ihre kinnlangen Haare, wie in der Werbung für Opium, streiften meine Schultern.

So fing das damals mit der New Economy an.

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Mittwoch, 24. November 2004

Doch die Barchetta

Weil, wo sollte sie sonst hin? Meine Mama mag nicht, mein Papa mag Maserati, wenn dann, und ich habe gerade kein Auto, und meine kleine Schwester hat ein neues Spielzeug. Tja. So wird man Sportwagenbesitzer.

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Real Life 22-11.04 - Beste Unterhaltung

Was könnte es Schöneres für die Spiesser der Provinz geben, als sich einen Abend in die hochmodern ausgerüstete Volkshochschule zu setzen, und mit dem lokalen Bischof zu diskutieren, ob und wie der Hedonismus jetzt endlich, glücklicherweise GOTTSEIDANK tot ist.



Schluss mit lustig heisst auch: Alte Werte, alte Tugenden, Achtung vor den Autoritäten. Weg mit dem ganzen Dreck, der in den letzten Jahrzehnten durch TV/die Amis/die Linken, auch bekannt als Vaterlandsverräter aufkam. Zurück zu all das, was die älteren Spiesser noch gelernt haben. Wo? Ach so, bei der HJ oder beim BDM, oder vielleicht bem Werwolf, aber da wird ja auch viel übertrieben, jedenfalls hätte es damals den ganzen Schmutz und die Kriminellen nicht gegeben.

Lustig ist schlecht. Lustig kommt von Lust = Sünde, und wenn das erst mal weg ist, kommt die Union an die Macht, und dann lacht erst mal keiner mehr, und die Bischöfe bekommen einen gerechten finanziellen Ausgleich für die Schäfchen, die ausgetreten sind. Wie sie auch jetzt schon Geld für ihre Form der "Schwangerenberatung" wollen.

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Klattens rote Latten

sind wie immer lang und dick: Ex-Börsenstar EM.TV schreibt auch im letzten Quartal wieder Millionenverluste. Zinslasten und Steuern sollen ein 2,5 Millionen tiefes Loch gerissen haben. Dann wissen die Financiers der letzten Wandelanleihe ja, wo ihr Geld hingeht - an halbstaatliche Banken und öffentliche Kassen. So viel Engagement für das Gemeinwohl sieht man doch gerne, fast so gerne wie das eigentlich konsequente Ende von EM.TV - es ist einfach ein Graus, seit Jahren immer das gleiche Spiel, grosse Ankündigungen von Gewinn und am Ende doch wieder nur rote Zahlen.

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Montag, 22. November 2004

Grob gesagt

ist es so: Die Bevölkerung der Provinzstadt ist bis heute durch den Wohnort sozial determiniert. Früher, im 19. Jahrhundert, war es wichtig, ein möglichst grosses Haus in den besseren Vierteln der Stadt zu haben. Diese simple Regel teilte die Bevölkerung in 10% Besitzende, die mehr hatten, als man zum Leben braucht, 30% Habende, die ihren Wohnraum besassen, und 60%, die in den grossen Häusern der Besitzenden die oberen, schlechteren Stockwerke mieten musste. Es gab unter ein und dem selben Dach Kinder, die mit Goldmünzen Schusser spielten, und andere, die in Besenkammern schliefen. Der Besitz von grossen Häusern in der Stadt ist heute, in Zeiten der Mieterrechte und des Anspruchsdenken kein wirkliches Kriterium mehr. Das Kriterium ist heute, ob man zu Fuss zum Naherholungsgebiet im Auwald gehen kann, oder ob man mit dem Auto fahren muss.



Dieses Areal entstand aus dem Kiesabbau im Eichenwald, der bis heute die Ufer des grossen Flusses ziert. Es wurde Anfangs der 70er Jahre zu einer grossen, nur manchmal von den örtlichen Tennisclubs durchbrochenen Seenlandschaft aufbereitet, und damit zu einem Anziehungspunkt für die gesamte Stadt. Ein schmaler Streifen Land entlang des Überflutungsgebietes wurde zur Bebauung freigegeben, und die Grundstückspreise sowie gewisse, historisch bedingte Beziehungen der Verkäufer garantierten, dass man hier unter sich blieb. Und so gab es Kinder, die nach der Schule mal schnell schwimmen oder Tennis spielen gingen, und andere, die dort nur schlecht hinkamen, weil es natürlich nur Schulbusse für die Anwohner gab, und es mit dem Fahrrad schon ziemlich weit war.

Aus den Kindern wurden Erwachsene, aus den Fahrrädern wurden Autos, aus den schlechteren Vierteln wurden Viertel mit Doppelhaushälften, was nach Ansicht mancher weniger als die Summe der einzelnen Teile ist. Diese Leute wohnen immer noch am See, auf 200 Quadratmeter aufwärts, und machen von der Haustür aus Nordic Walking auf dem Uferweg. Es sind ja nur fünf Minuten, und über diejenigen von ausserhalb, die in sich in ihren Blechhaufen über die enge Strasse zu einem viel zu kleinen Parkplatz quälen, könnte man eigentlich nur lächeln, wenn man die zur Kenntnis nehmen würde. Tut man aber nicht, denn man kennt nur wenige Leute, die nicht in diesem Viertel wohnen. Der See gehört allen, aber manche haben ihn immer, und andere nur, wenn sie sich den ganzen Stress mit der Parkplatzsuche antun, die auch Ende November noch eine Qual ist.



Natürlich lässt sich diese Regel nicht immer und auf jeden anwenden. Natürlich sind diejenigen, die aus ihren Doppelhaushälften oder Mietwohnungen mit dem TT an den See kommen, keine Grattler - würde hier auch niemand behaupten. Aber es ist eben doch etwas anderes, da ist man sich hier ziemlich sicher. Keine endgültigen Vorurteile, ach was, denn die beiden Viertel beim See sind viel zu klein, um wirklich alle aufzunehmen, die wohlhabend oder vermögend sind. Am Krankenhaus und dem daneben liegenden Golfclub, in einem Dorf weiter westlich, das ebenfalls so einen See hat, gibt es ähnliche Leute und vergleichbare Häuser. Aber wer zu Fuss zum See gehen kann, ist der sicheren Seite, und bei den nicht laut bezifferten 10%, denen man angehören sollte, wenn man hier etwas gelten will.

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Sonntag, 21. November 2004

Kunst für Aufsteiger

Dass sich dieses Kunstwerk nicht in Berlin, Köln, Hamburg, München oder Düsseldorf findet, wo die Prediger des schnellen Geschäfts, der hohen Zuwachsraten und der Spitzenposition geifern; und auch nicht in Frankfurt, wo es mit den Highflyern zu den Stars des Börsenhimmels geht; dass das hier also in einer Altstadtgalerie der Provinzstadt steht, hat einen gewissen, seltsamen Beigeschmack.



Denn hier ist es eine Tugend, auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben. Wer durch die Decke geht, riskiert seinen Ruf als ernstzunehmender Geschäftsmann. Konsequenterweise zieht es die selbsternannten Raketenmänner der Provinz nach München, oder genauer: Die einzigartige Munich Area. Die Haffas von EM.TV stammen aus einem Kaff, nur 25 Kilometer südlich von hier. Auch die Elite-Studenten fliegen nach dem Studium aus, und weil sie sich inzwischen an die bayerische Lebensart, die Schönheit der Landschaft und die wirtschaftliche Prosperität gewöhnt haben, ist auch für sie die Munich Area das erste Ziel. In einer Zeit, als Institute noch meinten, mit ihrer exorbitant hohen Gründerquote protzen zu müssen, wurden hier die Boden-Boden-Raketen für die Area entwickelt: In Rekordzeit zum mattschimmernden, dunklen Anzugträger, und dann abgefeuert in den New Economy Kriegsschauplatz, um es mit den CRM- und CMS-Sprengköpfen den alten Schweinen des produzierenden Gewerbes zu zeigen, und sie mit dem Data Mining auch noch in ihren Bunkern zum zerschmelzen zu bringen.

Das klingt heute alles etwas seltsam, strange, aber es gab 1999 tatsächlich ein paar Philantropen, die angesichts der globalisierten, virtuellen Räume sorgenvoll nachdachten, was man denn mit dem nicht E-kommerziellen Wirtschaftszweigen machen sollte. Nicht alle würde man zum Webdesigner oder Content Manager umschulen können. Zum Beispiel: Was wird aus den Bäckermeistern, wenn wir alle unser Brot aus grossen Fabriken im Netz bestellen? Auch Zukunftsberufe gerieten in Gefahr - was wird aus den Radiomoderatoren, wenn wir alle nur noch Streams mit Audio on Demand und Personal Profiling hören? Vielleicht Berater des CEOs, wie man mit fester Stimme die Powerpoint macht?

Den Aufsteigern, den living Baseheads, den tradenuclear Weapons war das egal. Man hatte die Börse im Sturm genommen, der Rest war ein Spaziergang, es ging nur noch ans Plündern, bei einem Nemax von 6000 war die Party gelaufen, und die meisten jubelten ihnen zu, wenn sie die aus dem Intranet Abteilungen bei Daimler-Chrysler und Siemens mit ihren E-Strategien und .Com-Trainings rockten. Wer nicht wollte, konnte sich verpissen. It´s looooooooting time, brüllte mal jemand am Buffet, eigentlich nur zum Spass, und alle verstanden es und kamen angerannt - und der, der da gerufen hatte; das war ich.

Diese Jungs von damals hätten sich diese leicht verständliche, auf sich anwendbare Kunst sicher gern gemocht. Sie ist heroisch und gleichzeitig verspielt, raumgreifend, eingangshallenkompatibel, und für die Putzfrau sehr viel pflegeleichter als so verhungerte Typen von dem Tschackametti oder wie der heisst. Sie sagt alles über ihre Ansprüche, vielleicht hätte jeder Gründer noch ein Namensschild auf einer Rakete bekommen, und jede Niederlassung in London, NY, SF, Shanghai, Kuala Lumpur und Johannesburg hätte einem Sternbild entsprochen.

Jetzt treiben die Helden von früher treiben als ausgebrannte Trümmer durch das eisige Nachfrage-Nichts des OpenBC-Spaces, und dieses Objekt steht in einer Galerie in der Provinz. Nicht mehr lang, vermutlich. Denn etwas südlich von hier, in einem Wald in der Ebene, ist ein flaches, unauffälliges Werk, in dem an Raketen, Satteliten und milliardenschweren Rüstungsprojekten gebaut wird. Sehr bodenständig, mit geringen Wachstumsraten, aber enormen Gewinnen. Die haben auch einen Etat für Kulturankäufe; die nehmen das ganz sicher.

Und bei denen passt es auch.

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Kleine Veränderungen

Liebe Leser, leider wurde das von mir sehr geschätzte Blog von Mue aus persönlichen Gründen eingestellt, und nein, es kommt nicht wieder. Sehr schade. Deshalb gibt es eine leichte Veränderung in der Blogroll; statt das Mue wird die schreckliche Luzie hoffentlich helfen, die entstandene Leere zu füllen. Wer das Blog liest, wird gewisse Ähnlichkeiten zu diesem Blog feststellen: Irgendwo zwischen Provinz und Metropole, irgendwie auch ein wenig New Economy, insofern sehr passend. Und gut. Bloggade läuft inzwischen auch störungsfrei. Dort ist auch ein Interview mit Sickgirl

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Samstag, 20. November 2004

Viva muerte

Der notorische Stefan Niggemeier trifft auf die nicht minder notorische Charlotte Roche. Das Ergebnis sollte jeder lesen, der sich überlegt, in den Medien etwas jenseits der Quoten zu machen, was nicht der einfach niemals totzukriegende Aufbau ist.

"Fast jede Redaktion ist panisch und hat Zukunftsangst. Und wenn die Leute im Büro anrufen, um mit ihren Chefs Termine zu kriegen, bekommen sie zu hören, wartet mal, ich weiß selber nicht, ob ich noch einen Job habe."

Das gibt noch viel Futter für DCT. Von Viva wird nicht mehr bleiben als die Marke.

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Man darf nie vergessen.

Die Stadt gehört fraglos zu den angenehmsten Vorhöfen, die die Spiesserhölle zu bieten hat. Die Menschen hier sind nicht dumm, aber dumpf, und sie können immer in den Spiegel schauen, denn sie reflektieren nie. Das Geld, das hier in Mengen vorhanden ist, entbindet sie von allen Zweifeln, denn es ist der Beweis, das sie alles, alles richtig gemacht haben. Und nachdem das schon seit langem so ist, wird sich das auch nicht mehr ändern. Die Republik ist voller Almosenempfänger - hier sind die Almosengeber. Und wie zum Hohn, wenn der Rest der Republik im Schneechaos versinkt und der arme Ossi in die Leitplanken knallt, weil er sich keine Winterreifen leisten kann, bricht hier am Samstag Mittag die Sonne durch und enthüllt das Wintermärchen, das ein weiterer Beweis für die Gottgefälligkeit der Spiesserhölle ist.



Der Wochenmarkt ist auf den Platz vor dem Neuen Schloss verlegt; eine Investitionsruine des 15. Jahrhunderts, gebaut von einem Top-Consultant der damaligen Zeit, dessen Ratschläge für das Königreich Frankreich wenig nützlich, für ihn aber sehr gewinnbringend waren. Am Rande: Wer glaubt, dass die Berater bei der Arbeitsagentur, Toll Collect und Hartz IV geschlampt haben, sollte sich erst mal den Track Record von Ludwig dem Gebarteten und seiner kleinen Schwester Isabell anschauen. Das sind wirklich mal Pleiten, die ein Land in den Abgrund führten.

An den Ständen sind Schlangen, als wäre hier eine Ausgabestelle für Farbfernseher in der DDR. Die bessere Gesellschaft der Stadt überlässt den Aldi den Russen, den Zugereisten und den Grattlern, und trifft sich hier auf einen kleinen Ratsch. Vor mir beim Käsestand ist die alte Frau D******, und aus ihrer Fendi-Tasche schaut sorglos ein dicker Geldbeutel heraus; protzig und vergleichbar den offen getragenen Geldkatzen des Mittelalters. Die D****** sind seit Jahrhunderten echte "Stadterer" und haben noch ihr Stammhaus im Zentrum, sind aber auch längst in die Vorstadt gezogen. Die Matrone kauft für 40 Euro Käse, dann nochmal für fünf Euro Parmesan, weil sie den vergessen hat. Als ich sie demonstrativ freundlich gegrüsst haben, erzählt sie mir gezwungen, dass ihre Tochter heute zu Besuch kommt. Ich frage mich, wie Julia heute wohl aussieht, bestelle ihr schöne Grüsse und schreibe ihr meine Handynummer auf, wohl wissend, dass Frau D******, deren Familie alte Nazis waren, es wahrscheinlich nicht ausrichten wird. Es gibt da so alte Geschichten... Geschichten, die Julia bewogen haben, zu gehen.

Es ist ja nicht so, dass diese Stadt braune Leichen im Keller hat. Die braunen Typen wie der alte D******, die die Leichen gemacht haben, kamen sofort wieder aus dem Keller und stellten bald nach dem Krieg wieder die Spitze der Gesellschaft. Nach dem begann Krieg auch der Boom; viele Leute zogen hier her, machten Geld und Karriere, da konnten die braunen Reste leicht untertauchen; selbst ein katholischer Religionslehrer, der seinen Schülern von seinen lustigen Abenteuern bei der Partisanenbekämpfung an der Ostfront erzählte, machte "das Kraut nicht fett", wie man hier sagt.

Ich vermute, dass Frau D****** das Gemälde des seines Kameraden schleppenden Landsers, das früher im Flur ihres Hauses hing, längst durch eine Graphik von Rosina Wachtmeister ersetzt hat. Dort, wo früher die Orden und die schwarzweissrote Fahne waren, ist jetzt vielleicht ein brauner Herbstkranz. Ich war nur ein paar Mal mit Julia dort, als ihre Eltern in Urlaub waren. Julia war alles andere als stolz auf diesen Krempel und die Geschichte, sie war auch ganz anders als die grobschlächtigen, dickhalsigen, semmelblonden Spitzbäuche ihrer Familie: Klein, zierlich, dunkel, und vor allem war sie weit weg, sobald sie ihr Abitur hatte.

Vielleicht hat die Frau auch nur gelogen, wie so viele andere. Gelogen wird hier viel, wenn es um die Kinder geht. Ich höre es immer wieder, dass die Kinder angeblich zu Besuch kommen werden; eigentlich müsste diese Stadt übervoll mit den erfolgreichen Kindern der besseren Gesellschaft sein. Ist sie aber nicht. Vielleicht sagen sie am Telefon nur vage, dass sie vielleicht kommen, falls sie nicht doch arbeiten müssten, also bitte nichts für sie einkaufen, aber die alten Frauen hören nicht darauf, setzen sich auf die grauen Ledersitze der S-Klasse und fahren auf den Markt, um teure Feinkost und Käse zu kaufen, der dann im Kühlschrank verschimmelt. Das für sie ungewohnte Ciabatta werden sie mit einem gewissen Ekel selbst essen, und der Wein hält eine Weile, zumindest bis Weihnachten, wenn die Julias der Stadt dann wirklich kommen, um sich nach 2 Stunden Familiensimulation in ihr Zimmer zu verkriechen, wo das Landsergemälde in seiner öligen Schaurigkeit inzwischen einen Ehrenplatz hat. So ist das in dieser Stadt, in diesem Vorhof. Ich gebe Frau D****** die Hand - ihre Finger sind kalt, knorpelig, schwach und glitschig - und besorge das, was ich zum Leben brauche. Man darf es, man darf die D****** nie, nie, niemals vergessen.



Sonst kocht man am Abend unter Stuck und Kristalllüster die handgemachten Trüffel-Kürbis-Ravioli, nur ganz dezent mit einer Sauce aus Olivenöl, roten Zwiebeln, Schmand, Pecorino und frischen Gewürzen versehen, trinkt dazu gegen die Kälte da draussen eine heisse, unbehandelte Zitrone, deren gelbe Schale im Schein der Bienenwachskerzen auf dem Familiensilber funkelt, und fängt beim Panorama über die Stadt beim ersten Mondeslicht an, sich an das alles hier zu gewöhnen, an die Schönheit, an den Überfluss, an das geregelte Leben, an die Sauberkeit, und dann übersieht man schnell die Mutter aller Sauberkeiten: Die korrupten Politiker, die schwarzbraunen Säue, die fetten Vertriebenenapparatschiks, die klerikalen Halsabschneider, dieses ganze Pack, das nach 45 gelernt hat, dass ihr lukrativer Privatfaschismus auch in der Demokratie ganz ohne Völkermord und Lebensraum im Osten geht, der Moloch, hier sein Zentrum hat, und der so alt und erfolgreich wie die Dummheit ist.

Das darf man nie vergessen.

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DaimlerChysler Venture GmbH (DCV) geht Richtung DCT

Girl finalisiert den grossen Brocken. Mann, hatten die damals eine grosse Klappe - Krümel-VCs werden vergehen, Old-Eco-Vcs werden bestehen, Corporate VCs waren sowieso das Top Thema Ende 2001.

Ich muss irgendwann auch noch mal eine Geschichte dazu schreiben, von einer Nacht im Keller mit DCV, November 2001. Tolle Zeiten. Sollte man erlebt haben, bevor man Bloggen zum Business, auch bekannt als Business Bullshit Bingo, erhebt, ihr Armen.

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Kleiner Hinweis an alle nach fast einem Jahr

2 Dinge: Einerseits gibt es hier inzwischen so viele Kommentare, dass ich sie teilweise nicht mehr finde, wenn ich mal 24 Stunden nicht online bin. Wie eine Party, bei der man den Überblick über die lieben Gäste verliert. Insofern bitte ich als Gastgeber um Nachsicht, wenn ich in der Hektik mal auf Fragen oder Beiträge nicht antworten sollte. Ich freue mich wirklich über die Vielzahl an Beiträgen, und wenn ich mal im Altersheim bin, werde ich das alles in Ruhe statt der Apothekenumschau lesen, versprochen. ;-)

Andererseits ist das hier eine Party auf einer rein private Website, in meinem virtuellen Wohnzimmer, kein Forum, Dotcomtod2.0 oder ähnliches. Wer als Besucher auf den Teppich kotzt, fliegt raus. Beim ersten Mal editiere ich nur, wenn das nichts bringt, wird alles als Spam behandelt und gelöscht - auch, damit die anderen hier in Ruhe weiterhin am Buffet stehen und Smalltalk betreiben können.

Aber das betrifft nur die allerwenigsten. Und jetzt weiterhin viel Spass.

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Freitag, 19. November 2004

Real Life 19.11.04 - 16V

Manche haben es ziemlich weit zur Elite-Uni; eine Folge des bundesweiten Rufs und der Auswahlkriterien, die auf Regionalbezug keinen gesteigerten Wert legen. Tatsächlich gibt man sich polyglott und international. Diejenigen, die aus dieser Provinzstadt kommen, haben nach dem Abitur in aller Regel erst mal von den engen Gassen die Schnauze voll und Lust auf die grosse, weite Welt. Ausserdem, wer mit ein wenig Eigensinn in der totalitären Atmosphäre dieser christsozialen Stadt gross geworden ist und sich nicht umgebracht hat, wird den Teufel tun und sich an einer Uni einschreiben, die sich gleich noch mal katholisch nennt. Man fühlt sich 18 verdammte Jahre begraben, erstickt, zu Tode gehegt wie so ein verfickter Bonsai-Baum, also will man erst mal raus, ohne zu ahnen, dass die Metropolen voll mit dem gleichen Provinzgemüse sind, und obendrein ziemlich tödlich für alle, die deren Codes, Riten und Verlockungen nicht einschätzen können.

Andere sehen das Studium aber nicht als Flucht, sondern nur als notwendigen, möglichst schnell zu absolvierenden Schritt auf der Karriereleiter. Die setzen andere Prämissen - möglichst intensive Betreuung, gutes Ranking, effektives Netzwerk, und was sonst noch in den weiträumigen, hohlen Hirnen der auf Karriere spezialisierten Journalisten als Idee ohne Realitätsbezug herumspukt. Für die ist das kostenlose Studium an diesem abgelegenen, auf Wirtschaft spezialisierten Institut ideal. Fast Witten-Herdecke-Qualität zum staatlichen 0-Euro-Preis, wenn man der Selbstdarstellung glauben will. Kaum Ablenkung der Metropolen, viele Gleichgesinnte und mit dem Studium auch immer gleich ein Thema, mit dem sich die Abende im Sausalitos, im Eiskeller oder der Havanna Bar trefflich gestalten lassen, bis zum Wochenende. Aber dann müssen sie erst mal zurück zur Familie, und dafür haben die Marketingleute der Automobilfirmen auch gleich das passende Asset entwickelt.



So stehen sie hier an den Parks beim Institut rum, die übermotorisierten Kleinwägen mit dem fetten Rohr hinten raus, sauber gepflegt und gewaschen, um die Elitessen schnell wieder zurück in ihre kleinen Städte zu bringen, die auch nicht anders sind als diese Stadt. Etwas Repräsentantion gehört beim Auto dazu, zumal man bei den Festen auch die entsprechende Garderobe braucht; da lassen sich viele Eltern auch beim Automobil nicht lumpen. Der Lupo 16V ist da im Moment die Weapon of Choice, nachdem Golf Cabrios inzwischen doch einen gewissen Hautgout haben. Solide deutsche Volkswägen sind in dieser Schicht, die das ganz grosse Geld erst später auf dem Vorstandsposten noch erarbeiten muss, weitaus beliebter als, sagen wir mal, die Barchettas und Alfas der wenig zielstrebigen Hedonisten mit drei Studienabbrüchen, die qua Abstammung schon nicht mehr unter ein gewisses Level fallen können.

Aber diese Freunde des abgeklärten Müssiggangs sind heute natürlich eine aussterbende Gattung. In diesen Krisenzeiten kann man es sich schon fast nicht mehr leisten, nicht zwischen jedem Semester ein Praktikum einzuschieben, wenn man später mal Sachbearbeiter werden muss, weil es mit dem Vorstandposten doch etwas schwieriger wurde, als es die Karrierepostillen behaupten. Da ist so ein Lupo in seiner Bescheidenheit schon angemessen, und das 16V symbolisiert später trotzdem enorme Leistungsbereitschaft, spitze Ellenbogen und Dränglertum, auch im dicksten Stau auf der Karriereleiter. Da haben sich die Jungs bei VW wirklich was Kluges, Marktgerechtes einfallen lassen.

(sorry cloclo, could not resist)

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PR-Gau

eines PR-Bloggers: Immer erst die Aussagen innerhalb der Gruppe abgleichen, intern kommunizieren, bevor einer mit grossen Ankündigungen ans Mikro tritt, sonst passiert sowas. Eigentlich das kleine ABC der PR, aber weder PR noch Berater sind bekanntlich geschützte Bezeichnungen. Auch lustig: Jemandem die Gier nach Traffic unterstellen, und ihn dann verlinken. Ach ja, was da nicht alles aus dem NE-Sumpf wieder hervorkommt, es ist herrlich...

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Schau ins Land

Die Wolken schaffen es bei Föhn manchmal über die Donau. Von der Vorstadt aus kann man wegen der hohen, alten Bäume des Auwaldes nicht sehen, wie das Wetter weiter südlich ist. Also rufen sie mich an, denn ich wohne 15 Meter über der Altstadt, und genau Richtung Süden, an der hohen Schule vorbei, kann ich praktisch parallel zum Horizont sehen.



Wenn dort, so wie gestern, ein schmales, hellrosa Band hinter den Wolken kommt, heisst das, dass etwa 30 Kilometer südlich die Wolken aufreissen. Meine Eltern rufen mich manchmal an, freuen sich über das gute Nachricht, und sie und/oder einer ihrer Nachbarn setzen sich dann in die Limousine, in den Sportwagen, oder aktuell ihr Nachbar zur Rechten in seinen gerade gekauften Cayenne, und fahren Richtung Alpen, Rottach-Egern, Tegernsee, Wasserburg, oder noch etwas weiter, Bad Tölz oder Salzburg.

Gerade Salzburg ist an solchen Tagen voll mit Autos aus Bayern, und durch die Strassen ziehen ältere Herrschaften und kaufen teure Schokolade für ihren Nachwuchs. Oder die echten Reber-Mozartkugeln, die dann, wenn die Nachbarn zu Besuch kommen, von kleinen Silberschälchen mit einer Konfektzange gehoben werden. Das sind dann auch die Abende, an denen man auf bequemen Kirschholzsesseln feststellt, wie wichtig das Waldvolksbegehren hier in Bayern ist. Am Tag darauf werden sie mit eben jenen Karossen die drei Kilometer in die Stadt fahren, länger einen Parkplatz suchen, und dann mit ihrer Stimme etwas für die Umwelt tun, die sie erhalten wollen, die sie so lieben, wenn sie mit 380 PS Richtung Oberland rasen.

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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Donnerstag, 18. November 2004

Casa Rustica

Sie findet den Gedanken voll-kom-men absurd, nach Ingolstadt zu fahren, wenn du doch auch nach München kommen könntest. Aber erstens bist du im Moment eher faul und zweitens muss sie sowieso beruflich nach Norden, und wenn sie rechtzeitig zurück kommt, wird sie dich anrufen, und dann darfst du sie zum Essen einladen.

Unpünktlich um 9 Uhr, als du dich schon auf einen einsamen Abend eingestellt hast, klingelt das Telefon. Du beschreibst ihr nochmal den Weg, und tatächlich, bald darauf, als du unten wartend noch nicht allzu durchgefroren bist, erscheint die schlanke Silhouette ihres Wagens in den silbrigen Fäden des Donaunebels. Ingolstadts Bewohner pflegen den Nebel hier als romantisch zu betrachten, und tatsächlich hat es was Anheimelndes, wenn man durch die alten Gassen an den verlassenen Lügenpalästen der Jesuiten und Kapuziner vorbei geht, über einem der Mond, und in der Luft das Wabern der kondensierten Feuchtigkeit. Mary Shelley hat einen Volltreffer gelandet, als sie die Erschaffung von Frankensteins Monster in dieser Stadt angesiedelt hat.

Du könntest ihr viel erzählen; die Stadt ist voll von grausigen Geschichten. Hier herrschten tragische Gestalten, die am Ende im Kerker verreckten, hier stritten sich Mönche über die brutalstmögliche Hinrichtung von Hexen, hier herrschte immer der dumpfe Geist der Reaktion, aber du ersparst es ihr, denn sie steigt aus und sagt, dass es hier spooky ist, und du willst ihr die Essenslust nicht verderben. Du führst sie durch die Gassen in Richtung Rathausplatz, und als ihr am unvermeidlichen Sausalitos vorbeikommt, ist sie schon wieder etwas beruhigt. Eine Stadt, in der es bei Sausalitos eine Happy Hour gibt, kann eigentlich keine verfluchte Stadt sein. Dann weiter durch eine dunkle Gasse über altes Kopfsteinpflaster hinunter, und dort, im mittelalterlichen Häusermeer, hell erleuchtet, das Ziel, die Casa Rustica im Cafe Kürzinger.

Mehr bei Restaur.antville.org

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Final! Gngngngnhaha, GNTOT

Che vermeldet ein grausig Schicksal für den DCT-Oldie GNT Global Network Telephone. Das Multimillionen-Dingens ist den Weg aller CyDomes gegangen. Ein Gründer ist in Afrika. Kein weiterer Kommentar.

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Elitessen-Alarm

Aus den Referrern: Katholische Universitaet Eichstaett, Eichstätt, Deutschland - da sitzt gerade jemand in der Bibliothek in Ingolstadt, in der hohen Halle, und liest hier mit, statt sich auf die Karriere vorzubereiten ;-)

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