Montag, 16. Mai 2005
Vorschau
In den nächsten Wochen nun werden die Regeln geändert - Ihr sollt mich kennenlernen. Die, die mich schon kennen, werden Euch sicher gern bestätigen, dass ich entsetzlich dünkelhaft sein und gleichzeitig zynisch überzogene Manieren haben kann, ein Ergebnis von guter Erziehung und schlechter Moral, und das wird dann sicher für einige Zeit enorm auf die Texte durchschlagen. Denn etwas, das ich jetzt schon seit 8 Jahren vor mir herschiebe, wird jetzt in Angriff genommen:

Das hier ist mein zweites Zimmer in unserem alten Haus, das derer
Man stelle sich einzelne Passagen des obigen Textes auf Englisch vor, schon herrenmenschelt und dünkelt es aus allen Ecken und Enden. Ich werde mich gezwungenermassen in den Problemen von Brokatstoffen als Wandbespannung ergehen und über die Vorteilhaftigkeit von Holz schreiben, das 20 Jahre lang gelagert wurde, und das alles im Umfeld einer enorm eingebildeten Provinzstadt, deren ästhetische Bildung leider nicht im Einklang mit dem plötzlich über sie gekommenen Reichtum verlief. Kurz, dieses Blog wird über Wochen den bitteren Geschmack eines ungeniessbaren Cocktails aus unerträglicher Arroganz, Making of the Munsters Castle und Kaufberatung für Schnösel annehmen.
Nur damit sich nachher keiner beklagt, aus dem weiteren Leben im Kiez, irgendwo, wo das Wort "Leben" nach "vegetieren" klingt.

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Übrigens:
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Grosse Töne
von hier.
Ich bekomme die Cicero kostenlos - niemals würde ich 7 Euro für solchen reaktionären Schund ausgeben. Jedesmal nehme ich mir vor, diese CDU-Parteiorgan-Metastase, dieses dank der vielfältigen Verwendung von Autoren mit politischen oder finanziellen Interessen von Bekannten als "Lobbyhuren-Anzeigenblättchen" titulierte Produkt nicht zu lesen - und tue es doch. Die neueste Ausgabe ist besonders übel; ein fettes, hündisches Interview mit einem der grossen Werbekunden ist wohl der finanziellen Interessen geschuldet. Die ganze Malaise wird offenbar, wenn die Cicero-Redakteure erfolgreich versuchen, Florian Illies qualititiv zu unterbieten.
Man fragt sich, ob Fritz Raddatz überhaupt die Bilder aus 10 Downing Street gesehen hat, zu denen er einen Artikel schreibt. Oder was das für ein Europa sein soll, dessen unkritisch gedruckte "Eliten"-Bilder von Tina Berney mit ihren Tapisserien und überladenen Antiquitäten angeblich für das neue, alte Europa stehen - meines Erachtens ein Europa, das dringend demnächst mal wieder eine Revolution braucht, ein paar Pflastersteine oder zumindest ein paar harte Steuerfahnder an ihren dubiosen Konten in der Schweiz.
Cicero ist politische Unkultur, journalistische Barbarei ersten Grades und jenseits der in abgehobenen Tonfalls schleimender Zeilenschinder am Fusspilz der potentiellen neuen CDU-Bundesregierung so intellektuell wie Franz Josef Wagner von der Bild. Der Chefredakteur sieht aus wie der frühe Florian Haffa. Das Blatt hätte noch vor Jahresfrist auch in der Ukraine erscheinen können; jetzt bleibt nur noch die geistige Brache Berlin, wo es sich nahtlos in das Gesamtbild einfügt.
Kurz, es ist zu hoffen, dass Abstand mit Cicero ähnlich verfährt wie Antonius im jahr 43 v. u. Z..
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 15. Mai 2005
Real Life 15.05.2005 - Berliner Republikende
Das erzählst du auch der Gastgeberin, die dafür, wie eigentlich alle Gäste dieser Abschiedsparty, viel Verständnis hat. Eigentlich ist hier jeder nicht aus Neigung, sondern nur durch äussere Zwänge gelandet; die Stadt hat man mehr oder weniger bewusst in Kauf genommen. Für manche, 5000 Meilen entfernt, hatte Berlin auch einen magischen Klang. Der amerikanische Stipendiat zum Beispiel hat eine Grossmutter, die fast bis Ende der 30er Jahre hier lebte und als junge Frau viel politisches Ungemach einfach nicht verstanden hat. Er erwartete nach ihren Erzählungen eine mondäne Grossstadt mit aufregenden Impulsen. Mit einem verkommenen Slum, kriminellen Vermietern und der stupiden Ausbeutung bei einer amerikanischen Stiftung mit Sparzwang wegen des gepanzerten Benz für die Leiterin hatte er nicht gerechnet. Das angebliche Problem mit der Abrechnungssoftware der Stiftung, nach 4 Monaten Texte übersetzen und online stellen, mussten seine nicht wirklich begeisterten Eltern begleichen, die gedacht hatten, dass das Thema Zwangsarbeit in Germanien vorbei ist.
Auch erwartete der Stipendiat nicht, dass die Chefin der anderen Organisation, wo er sich danach bewarb, die Sache sofort seiner alten Chefin berichtete. Die Stadt ist in diesen Zirkeln sehr klein und gesprächig, und so, wie sich die Spitzen draussen auf dem Balkon der Akademie über dem Wannsee langweilen und die Anwesenheit des Cicero-Chefredakteurs ertragen müssen, sitzen die schlecht bezahlten Underdogs der internationalen Verständigung zusammen in einer halbausgeräumten Wohnung und zählen mit schlechter Laune die vielen Tage, bis sie zurück können.
Die Gastgeberin hat es hinter sich. Die Wohnung muss nur noch mal geputzt werden, dann geht es nach Hause. Die Getränke werden in Pappbechern gereicht, das Essen haben Lieferdienste gebracht, der Rest ihrer Sachen passt in ihr Auto, wenn es Ende nächster Woche losgeht. Sie hat darum gebeten, ihr nichts zu schenken, weil sie keinen Platz hat, aber niemand hat sich daran gehalten. Wenigstens habt ihr auf den riesigen Porzellanelephanten verzichtet, der bei den Überlegungen zur Verabschiedung auch mal kurzfristig eine Rolle spielte, in Erinnerung an ihr resolutes Auftreten bei einigen Stellen deutscher Ämter, deren stalinistisches Personal mit ihrer gallischen Unnachgiebigkeit und der konsequenten Freundlichkeit absolut nicht konnte. Hätte sie sie angeschnauzt, wäre es den Vorschriften gemäss gewesen. Leider hat sie dann die Todsünde begangen, Hierarchieebenen zu überspringen und bei einem Staatssekretär auf einer Party direkt während der Häppchen anzufragen. Von diesem Moment an half im Ämtersumpf nur noch hin und wieder ein externer Anrufer, der wissen wollte, warum das Amt die Arbeit der Franzosen behinderte... zu späterer Stunde habt ihr die Idee, dass man ein Buch machen sollte, Berliner Republik für Ausländer, ein Leitfaden für junge Verschollene. Manchmal überkommt dich auch die Lust, ein Schreiben an gewisse Ministerien oder Ländervertretungen meit "Heil H*tler" oder "Rotfront, Genosse!" zu unterzeichnen und zu schauen, ob da noch was anderes als die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Band zurückkommt.
Jetzt, da alles vorbei ist, kannst und darfst du das sagen. Da, wo die in diesen Räumen versammelten Menschen in 2, 3, 6 oder 12 Monaten sein werden, ist es vielleicht besser. Draussen geht schon seit Stunden der Regen nieder, der Hinterhof vor dem Fenster ist ein schwarzes, feuchtes Nichts, und die Nachtluft riecht nach Fäulnis. Kein Stern ist zu sehen, nur das schmutzigfahle Gelb der Lichter, die in die Wolken strahlen, ein maroder Helligkeitsbrei, ehe dann, sehr spät, draussen das erste Licht des Tages in dunklen Wolkenmassen versickert. Irgendjemand legt eine CD ein, aktuelles Zeug, und dann kommt ein Lied mit dem Refrain
"Oh my God I can´t believe it,
I´ve never been this far away from home."
Ihr sitzt auf dem Boden, ein Dutzend Nationen, Lebenswelten, Erfahrungen und Träume, ihr zu Ehren gut bekleidet, schön, jung, betrunken und ernüchtert, und ihr singt alle mit.
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 14. Mai 2005
Real Life Ende 98 - Bayerische Vertretung
Wir hatten ein Hotel im Westen der Stadt, Nähe Ernst-Reuter-Platz, das ich erst fünf Jahre später, in einem ganz anderen Leben, einer anderen politischen Mission wiedersehen sollte. Das Besuchsprogramm war angesichts des miesen Wetters wenig ausgeprägt. Meistens sassen wir in der Lobby auf den goldenen Metallstühlen und probierten aus, wie sich bayerischer Alkoholismus mit den hiesigen Getränken vertrug. Es machte nicht wirklich einen guten Eindruck, als ein Tontechniker eines grossen öffentlich-rechtlichen Senders aus dem Süden um zwei Uhr Nachmittags vom Stuhl kippte, während sein Kollege erzählte, wie sie noch unter Strauss vom Airbus-Konsortium gespudert wurden, dagegen sei das hier in Berlin der reinste Klosterkreuzgang an Anstand.
Am Abend dann fanden wir uns im Keller der Bayerischen Vertretung wieder. Man ist in Bayern durch die Staatskanzlei gewissermassen zirbeholzlstubenabgehärtet, wenn man keine Kreuze erträgt, geht man in den Amtsstuben schnell ein, und die einzigen CSUler, die man damals schon straffrei treten durfte, gehörten dem Kreisverband München an. In der Provinz wird der Reporter aus München auf seine Mannsbildhaftigkeit geprüft, indem man ihn quasi als Privatbesitz vorn auf die Empore setzt, wenn ein rechtsradikaler Lokalpolitiker Dinge sagt, die vor 45 niemanden besonders aufgeregt hätten. Kurz, man ist als Bayerischer Hofreporter einerseits hart im Nehmen und weich, wenn es um Kritik geht. Niemand aus den Lokal- und Landesredaktionen würde es wagen ... aber dann verfrachtete man uns eben in den Keller.
"Jo pfui Deife is des greislich", entfuhr es einem Mann des quasi perteieigenen Bayerischen Haus- und Hofberichterstattungssenders, was so viel heisst wie: "Pfui Teufel, das Ambiente ist der Gemütlichkeit nicht zuträglich." Im Bierkeller, der in Bayern sonst ein Hort gepflegter Rustikalität ist, hatte man etwas Modernes versucht. Man hatte Neonröhren an die Decke gesetzt, und davor Plastikplatten, die mit dem Bild einer Kastanienbaumkrone von unten bedruckt waren. Wer immer dafür verantwortlich war, wollte wohl den Eindruck eines Bayerischen Biergartens erwecken. Für uns drunter schien es wie eine Gemütlichkeitsdesinfektionsdusche von oben. Das sagten wir auch den Hausherren, die dann zu Stottern anfingen, als wären sie Freifrau v. Kreuchhausen, der man sagte, dass das sündhaft teure, halbantike Designerstück von Jaques 70ies-Antiques aus der Perusa-Passage ein abgewetztes Billy-Regal ist.
Ich vermute, dass dieses unfassbar triste Ambiente dafür verantwortlich ist, wenn sich unsere Bayerischen Beherrscher wie der sonst recht gmütliche Faltlhauser zu Sprüchen für den Landesvater wie "Dann verschwinden die Arbeitslosen, sprudeln die Steuern, dann wird das Bier billiger, und die Frauen werden williger" hinreissen lässt. Da muss ein Bayer doch verkümmern, da unten, zefix in Preussen im Bayerischen Anführerbunker mit seinen Plastikkastanienimitaten an der Decke. Nicht, dass man sowas in Bayern nicht auch hätte denken wollen dürfen, aber sagen haben sie sich das dann doch nicht getraut. Aber hier unten, als entwurzelte bayerisches Urgewächs wie der Faltlhauser - der Mann heisst wirklich so, in Bayern ist das ein respektabler Name, gesprochen Foidlhausa - da muss er doch Sehnsucht empfinden, da hat er natürlich ""ein Anrecht auf die Fähigkeit freiheitsliebender Ukrainerinnen".
"Und drinnen in der grossen Stadt, stehn die Junkies..." - der Schlager hat dann wohl letzte Woche noch gefehlt in der Bayerischen Vertretung.
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Freitag, 13. Mai 2005
Pladoyer für einen verachteten Stadtteil.

F*ckt Euch, Ihr Mittprenzelhain-Gesocks.
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A-List-Blogger
Und da wird es dann schon etwas schwieriger. Die Problematik und die Attitüde dieser Anwürfe erinnnert stark an die 68er-Frage, wer ein Kapitalist ist. Auch der Kapitalist ist in Amerika eine allseits respektierte Umschreibung; Kapitalisten in Deutschland scheuen den Begriff wie der Teufel das Weihwasser. Dabei ist eigentlich jeder, der ein Konto besitzt, Kapitalist und nimmt am Kapitalismus als Geschäftstreibender auf die ein der andere Weise teil, selbst wenn er Kapitalisten hasst. Dadurch entstehen flexible Grenzen für den Einsatz des Begriffs: Für den Autonomen beginnt der Kapitalist bei denen, die nicht klauen, für den Gewerkschaftsboss erst bei den Banken, und das auch nur am 1. Mai. weiter an der Blogbar
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Freitag, 13. Mai 2005
Heute Nacht ist es soweit -
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Real Life 12.05.05 - Stupsnase
Gleich zu Beginn kommt das, was an so einem Tag wohl unvermeidlich ist: Der Leiter spricht das deutsche City Ranking an, das Berlin auf Platz 48 von 50 sieht, und gibt der Hoffnung Ausdruck, man werde die angeblich so schwache Dynamik an diesem Morgen zu heben wissen. Zwei Stunden später ist man sich einig, dass Reformbedarf besteht, um das Land wieder auf den gebührenden internationalen Spitzenplatz zu bringen, dass deshalb jetzt etwas getan werden muss und die Umsetzung der eigenen Konzepte das bringt, was die der anderen bei allem in diesen noblen Räumen gebotenen Respekt nicht vollbringen werden, wie das der im Dienste der eigenen Seite stehende, unabhängige Experte so klar dargelegt hat. Zwischendrin hat man dir die Peinlichkeit nicht erspart, dich als Quasivertreter dreier ausländischer Gruppen zu dem Thema zu äussern. Du hast die Bundesregierung gelobt, was dir die Höchstrafe eingebracht hat; die Bemerkung, dein Ansatz wäre "unkonventionell".
Aber da sind die wichtigeren Leute schon lange wieder gegangen, es bleiben ihre mediokren Stellvertreter und die Experten, die noch ein wenig debattieren, bevor es an einem Tisch voller unlesbarer Fachpublikationen und gekauften Studien vorbei zum Buffet geht. Du machst deine Runde, schüttelst Hände und erklärst, dass dies dein vorerst letzter Besuch war, und dankst für die anregenden Debatten. Sie nehmen es bedauernd zur Kenntnis, denn du warst in deinen vielen Rollen sehr praktisch für sie; jetzt müssen sie vielleicht drei oder vier andere einladen, um nochmal diese Anhäufung von relevanten Gruppen aus In- und Ausland zu bekommen. Die Pressechefin nimmt die Neuigkeit mit gebührenden Worten auf, und dann ist da nur noch die Volontärin, die dich die ganze Zeit über betreut hat.
Sie hat es bald hinter sich. Sie war hier ein Jahr in Sicherheit, hatte einen Job und seit sechs Monaten, seitdem die Bundesregierung nicht ohne Rachsucht die Fördermittel zusammengestrichen hat, auch die Sicherheit, dass sie nicht übernommen wird. Das hat sie sich so nicht vorgestellt, als sie hier aus dem Westen hergezogen ist, mit ihrem Diplom nach dem Highspeed-Studium und ihren Fellowships. Überhaupt hat sie nicht das bekommen, was sie erwartet hat. Ihr Berlin war nur ein paar Quadratkilometer gross, in etwa so klein wie die letzte deutsch besetzte Zone vor dem entgültigen Zusammenbruch. Ein länglicher Schlauch, beginnend beim Radisson vor dem Alexanderplatz bis zum Regierungsviertel, und dahinter begann die verbotene Zone. Das Berlin, das laut Planung der Stiftung seit gut 5 Jahren überwunden sein sollte, und das mit seinen Baustellen, Investitionsruinen, Leerständen und dreckigen, Strassen aufreissenden Bauarbeitern nicht vorzeigbar ist. Aber zumindest hier drinnen müssen sie vorzeigbar sein, und so geht ein grösserer Teil ihres nicht üppigen Gehalts für Garderobe, Friseur und Maniküre drauf. Sie grenzt sich instinktiv von den Trümmern und der Armut ab, ohne mehr zu sein als eine kleine, austauschbare Funktionseinheit in einer nicht wirklich gut laufenden Institution.
Sie ist, wie sie dir am Telefon mal erzählt hat, Sternzeichen Löwe, und sie trägt auch einen kleinen golden Löwen an einer Kette, mal um den Hals, oder, wenn die Perlenkette angemessen erscheint, um den Arm gewickelt. So wie heute. Botschafter aufwärts ist Perlenkettenzwang, der Löwe baumelt sacht an ihrem viel zu dünnen Handgelenk, als du sie begrüsst.

Als du vor ein paar Tagen einkaufen warst, hast du ein Netsuke gefunden; eine muskulöse, kräftige Berglöwin, die aufmerksam, angespannt lauert und auch eine hübsche, zarte Stupsnase wie sie hat. Und leicht, dezent lächelt, wie das hier in diesen Räumen üblich ist. Du hast es gekauft, und wartest auf den richtigen Zeitpunkt. Die Masse der Leute ist längst am Buffet und versucht, die Schnittchen halbwegs ohne Kleckern an zu kleinen, aber immerhin eleganten Marmortischen zu essen. Am Rand des Raums fällt es nicht auf, dass sie dir von ihren Bewerbungen erzählt, die wenig Resonanz erzeugen, von ihrer Bereitschaft, alles und überall zu tun, und von der bedauerlichen Tatsache, dass auch ihre hier entwickelten Netzwerke nichts gebracht haben. Alle, sagt sie, ziehen aus Berlin die Ressourcen ab, nach Brüssel, Köln, Frankfurt, London, München und Paris - aber wem erzählt sie das. Mit jedem, der geht, rückt die kaputte, verseuchte Stadt einen Menschen näher an diese reinliche, gepflegte Welt heran und beschneidet ihre Spielräume. In den nächsten Tagen macht eine Freundin in der französischen Botschaft ihre Abschiedsparty, da werdet ihr beide sein, und danach vorbeilaufen an den sauberen, früh verlassenen Cafes unter den Linden, geschaffen für Erfolgsmenschen, die es hier nicht gibt.
Es ist wie damals, denkst du in dir, wie es dir der amerikanische Bomber-Veteran erzählt hat: They lost, because they simply ran out of Nazis. Diese Hauptstadt verliert, weil die potentiellen Träger ihrer Ideologie und Wünsche verschwinden. Die Realität hinter den Durchhalteparolen, die Cicero und Monopol verbreiten, ist eine Groteske, ein durch Haushaltssperren bedingter Totentanz, der sich seine Bühnen durch Kooperationen mühsam sichert, nur damit dann im Publikum die üblichen wichtigen Personen dieser entwurzelten Bad Godesberger Republik eine Weltstadt vortäuschen. Bald wird auch diese Institution anfangen, ihre Reihen hinter den Kulissen mit kostenlosen Praktikanten aus Mitte zu füllen, und dann steht hier eben kein dunkelblondes, lupenreines Mädchen aus besserem Hause mehr, das ohnehin nichts zu tun hat, ausser einem anderen ihr Leid zu klagen.
Langsam ist das Buffet weggefressen, die Experten verschwinden in Richtung der wartenden Taxis, und es wird auch für dich Zeit zu gehen: schliesslich ist dein und ihr Verhalten, wenn es auffallen sollte, höchst unkonventionell. Sie sagt, sie weiss nich nicht sicher, ob sie zu Adeles Abschiedsparty kommt, da ist auch noch ein Termin in der American Academy, wo sie hin müsste, insofern... ist das vielleicht schon der Abschied. Du sagst überdeutlich, um Floskeln auszuschliessen, dass sie jederzeit in München oder der Provinz willkommen ist, ausserdem, in München geht es ja wieder aufwärts, Platz 1 des Städterankings, sie soll sich das mal überlegen, und gibst ihr das Netsuke. Am Zucken ihrer kleinen Stupsnase erkennst du, dass sie sich wirklich freut.
Draussen, unter den zugigen Linden, ist es bitterkalt.
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One Night in Hong Kong

Nie war die New Economy schöner als hier, als alles schon in Trümmern lag und die Zeit vorüber war.
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Mittwoch, 11. Mai 2005
In the VIP

Es erinnert mich stark an all die kleinen als "Corporate Blogger" firmierenden Halbarbeitslosen und Poser hierzulande, die kleinen Webkreaturen, die angebliche "A-Lister" dissen, damit mal ein Schwung Leute ihre kruden Touri-Suffkopp-Marketing-Literaturprojekte entdeckt, all die 1-Personen-Läden, die das "wir" in der Firmenbeschreibung pflegen, die Open-BC-Sickos mit ihren Wellness-Beratungs-Coaches, die eigentlich versteckte Prostitution betreiben, und an all die Business-Metastasen, die an der realen Wirtschaft wuchern wollen. Es ist soviel leichter, im Virtuellen den Schein aufrecht zu erhalten, aber ich kenne Euch, Ihr kleinen Pinscher: Genau so erbärmlich seht ihr aus, das seid Ihr, wenn man Euch in die Realität zerren würde.
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Eine Frage, die allen auf der Zunge liegt:
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Medien - Gegenöffentlichkeit - Öffentlichkeit
Ich habe meine ersten journalistischen Schritte bei einem Medium gemacht, das einigen Alt-68ern gehörte, die genau diese Gegenöffentlichkeit im Sinn hatten. Die Folge war eine totalitär anmutende Ausrichtung auf den politischen Kampf, der so weit ging, dass Post von "Verräterparteien" wie der SPD schon mal von einem der Leiter dieser alten Truppe weggeworfen wurde. Das Briefgeheimnis galt nichts, und Rezensionsexemplare, die nicht in sein Schema passten, landeten in den Antiquariaten zur Finanzierung der guten Sache - die Redakteure mussten sich dann selbst mit den zu Recht verärgerten Verlagen rumschlagen. Wer politisch nicht auf der Linie lag, wurde früher oder später rausgeekelt, oder unterwarf sich einer Gesellschafterversammlung, für die die Ideale des Sozialismus in dieser Phase des Kampfes innerhalb der eigenen Reihen zurückstehen mussten. mehr an der Blogbar
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Dienstag, 10. Mai 2005
Erbärmliches Erbreuern
Nachdem ich mich noch an die Zeiten erinnern kann, als die Deutsche Bank das Privatkundengeschäft zurückgefahren hat, mal eben Deutsche Bank 24 wurde, mal eben das Internetbanking vorantrieb und dann gleich wieder einstellte, als sie unbedingt Renditen des internationalen Marktes erziehlen musste und laufend fusionieren wollte, oder ganze Abteilungen abstossen, und das alles immer sofort und schnell - habe ich diesmal schon den Euindruck, dass der Richtige einmal die Folgen seiner eigenen Strategie erlebt hat.
Jetzt noch der Mannesmann-Prozess, und dann ist dieses Kapitel der Deutschland AG zu Ende. Es wundert mich nur, warum breuer als Repräsentant dieses Systems gilt. Er ist der Totengräber, er ist derjenige, der diese AG moralisch ruiniert hat. Kein Hege Fond kann übler sein.
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Infowars
Nach dem Scheitern der New Economy sollte man denken, dass die Lust auf die Schützengräben und Stacheldrahtverhaue derer, die bei ihrem eigenen Giftgasangriff auf Brick & Mortar sowie totes Holz umgekommen sind, nachgelassen hat. Zumal das eine prima neben dem anderen existieren kann, die Welt gross genug für alle ist. Aber dann gibt es wieder so Propagandaschreiber, die neue Eliten ausrufen, und es geht wieder von vorne los. Diesmal sogar innerhalb der eigenen digitalen Reihen, wie ich heute morgen zufällig via hier entdeckt habe.
Wer will, den soll man ziehen lassen - an der cutting edge der technologischen Entwicklung, zwischen dem Bullshit der Medienlatrinen und den Granaten, die die VCs in die eigenen Leute feuern, in den hastig entwickelten Tieffliegern mit neuen Piloten und beim ungeübten Umgang mit Napalm wird die Süssigkeit des Kriegs schnell bitter, ganz gleich, welcher Autor da vorne neuen Lebensraum im Digitalen verspricht.
Wie auch immer: Hier meine Vorstellung der Sturmtuppen auf der einen und einiger Unbestürmbarer (es gibt sicher viele weitere in vielen Variationen) auf der anderen Seite.
| Das Digifrontschwein | Die ruhige Etappe |
|---|---|
| Hat Firefox | Internet Explorer geht auch |
| Kennt Doc Searls, und alles, was man sonst kennen muss | Kennt, was ihm Spass macht |
| Benutzt RSS Reader | Geht auf Webseiten, braucht kein Informationstrommelfeuer |
| Hat ein Blog | Überlegt sich die Anschaffung, ist aber von der Propaganda angekotzt |
| Informiert sich bei BoingBoing (oder Slashdot) | Liest oft ein gutes Buch, weil er in der Lage ist, längere Texte zu erfassen |
| Gelangweilt von Flickr | Macht auch Papierabzüge, die er nicht wegschmeisst, mag die Intimität von Photos, und wen gehen seine Bilder überhaupt was an? |
| Bekommt die Nachrichten von Google - unter anderem auch von der Nationalzeitung | Entscheidet sich jeden Tag neu, denkt ideologiekritisch und weiss, dass die wirklich wichtigen Informationen nicht im Minutentakt durchrauschen |
So in etwa. Man lasse sie ziehen. In den Massengräbern der New economy sind noch viele Plätze frei, und da spielt es keine Rolle, welche hübsche neue Uniform sie für den Sturmlauf ins Nichts bekommen haben.
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Schön war´s.
Und dabei ging im Fritz-Forum die Post ab. Und hier gibt es die schriftliche Zusammenfassung.
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Montag, 9. Mai 2005
Gleich geht´s los!
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Heute Nacht
Und den Nörglern (Kein Podcasting! Keine Zukunft des Bloggens! Kein RSS! Keine Medienrevolution! Und mich Neidhammel haben sie nicht eingeladen, und dabei bin ich doch so viel besser als Don, wie ich auch beweisen könnte, wenn nur endlich mal jemand mein Manuskript abdrucken würde) sei diesmal vorsorglich gesagt:
Hm.
Na egal.
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Real Life 08.05.05 - Leiden eines Contract Shoppers

Ach so, und ja, dieses silberne Teeservice aus Hong Kong. Also, das habe ich mir nochmal überlegt. Natürlich brauche ich das nicht, mir fehlt ja auch die Zeit das zu benutzen, und ich trinke ja eher Kaffee und wenn Tee, dann nur Beutel, weil für Teezeremonien nie Zeit ist, aber das kennen Sie ja auch, nicht wahr Herr Porcamadonna, egal, jedenfalls wegen der Form könnte man das so schön aufstellen, so prunkig wie das ist, da passt es auch unter den Spiegel auf die Konsole, und ich will das schon haben, also ganz im Gegensatz zu den englischen Sachen so um 1900 weil die finde ich eher spiessig. Sie nicht? Nein? Ja, klar, wenn Sie sich gerade eine Kanne mit Füsschen gekauft haben, die können auch nett sein... Also, das könnten sie mir mitbringen, weil der Karl, mein Mann, nicht wahr, der braucht noch was zum Muttertag für mich nachträglich..."
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Google News zum 8. Mai
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