... newer stories
Montag, 27. Februar 2006
Überhaupt
ist Podcasten die Renaissance der Totgeburt Bürgerradio.
aus der serie kalauer die ich loswerden musste
aus der serie kalauer die ich loswerden musste
donalphons, 23:08h
... link (7 Kommentare) ... comment
Kurz notiert, für die Nachwelt
Vodafone schreibt 41 Milliarden ab, vor allem wegen deutscher Investitionen. Jaja, der Zukunftsmarkt Mobilfunk. Weniger Wettbewerber als im Internet, dafür um so grössere Abschreibungen. Mehr als die Neuverschuldung des Bundes. Aber hallo. So viel Geld mit so kleinen Geräten. New Economy at it´s best.
donalphons, 17:33h
... link (8 Kommentare) ... comment
Lesungen und ihre Verweigerer
Vermutlich sass an den Lagerfeuern des Paläolithikums schon einer, der prima Geschichten erzählen konnte. Und abseits davon sass einer, dessen Faustkeile zwar ziemlich gut waren, aber nach einem Tag Feuersteinbearbeitung nichts zu sagen hatte, ausser über Feuersteine. Der hat vermutlich damals auch schon gemeckert, wenn er am Abend beim gebratenen Mastodon keine Aufmerksamkeit gekam. Historiker wissen, dass sich die Geschichte bei allem technischen Fortschritt nicht weiterentwickelt - und deshalb wird diese alte Frage, wer denn nun besser kommt, der Geschichtenerzähler oder der Tekkie, an der Blogbar erneut aufgetischt.
donalphons, 10:41h
... link (28 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 26. Februar 2006
Die Wespe und die Globalisierung des Niedergangs
Unter irgendeinem schlecht gehüteten Dach hat sich die Wespe im Nest verkrochen und wartet schlafend darauf, dass die letzte Kältewelle vorübergeht. Im grauen Papier verborgen, schläft sie und träumt vom Frühling, von der warmen Luft, durch die sie gelbschwarz sausen wird, durch die engen Gassen der Altstadt, hinauf zu den Dächern und dann zur Dachterasse, wo der Mensch seine Köstlichkeiten abgestellt hat, die nur auf den Tiefflugangriff der Wespe warten. Sie wird elegant dem gewedelten Halblederband ausweichen, und sich hineinstürzen in den Käse, das Brot, die Tomaten oder den Salat. Träumt sie.
So bekommt sie natürlich nichts mit von der Globalisierung und ihren Folgen und Zufällen. Um es kurz zu machen: Die Wespe muss sich ein anderes Fressen beschaffen, auf meiner Dachterasse wird nichts zu holen sein. Warum? Weil die amerikanischen Immobilienpreise an der Ostküste bei New York auf Rekordniveau sind. Die Immobilienpreise befeuern die Wirtschaft - einerseits. Andererseits bedeutet das für alle Nichtbesitzer, dass sie mit steigenden Mieten rechnen müssen. Oder umgekehrt: Wenn sie nicht mehr für Mieten oder den Kauf ausgeben können, müssen sie eben kleinere Wohnungen nehmen.
Kleinere Wohnungen bedeuten einen klaren Bruch in der Tradition der Mittelklasse in Neuengland. Bislang wuchs der Wohnraum stetig an, jetzt ist plötzlich Schluss damit. Der Raum muss ökonomisch genutzt werden, obwohl mit immer grösseren Fernsehern und vielen technischen Geräten der Platz weniger wird. Und dann erben sie auch noch das alte Zeug ihrer Verwandten. Darunter ist die verschwenderische Fülle der silver plated Hollowware, des versilberten Tischzierats, der nach dem zweiten Weltkrieg bis in die 70er Jahre eines der wichtigsten Mittel zur Repräsentation des Familienvermögens war. Angepasst an englische Vorbilder, aber viel grösser und üppiger, stapelten sich glänzende Terrinen, Warmhalter und Tabletts in Küchen, die man heute in Zeiten der Mikrowelle kaum mehr nutzt.
Und so kommt es, dass in Amerika die Mittel zur Repräsentation nicht mehr geschätzt werden, und im Überfluss vorhanden sind. Bei den Auktionen in Swedesboro/New Jersey gehen die Stücke, die Erben eingeliefert haben, nicht mal mehr zum Limit weg, und so wird der Stolz des Mittelstandes in Neuengland billigst in Kisten verpackt und nach Europa geschickt, wo man es noch unter die Leute bringen kann, und landet dort im Spätwinter auf einem Flohmarkt in Pfaffenhofen.

Schalen, Anrichten, Kerzenhalter, Saucieren, Preise für Golfturniere, Tabletts, Warmhalter, Brotkörbe und Butterdosen, grosse Namen wie Towle, Oneida, F. M. Rogers, Sheridan, Lunt Silversmiths, WM Rogers und E. & J. Bass, übereinandergeworfen, teils noch in Kisten, auseinandergerissen und durchwühlt und doch liegen gelassen. Hier, im letzten Schneegestöber des Jahres, endet die Odyssee des globalisierten Niedergangs der Bürgerlichkeit. Denn an dieser Stelle betrete ich die Bühne, und obwohl ich auch keinen Platz mehr habe, fällt mir beim Betrachten der diversen Sevierschalen mit ihren Deckeln ein, dass es trotz allem Sommer werden wird, und beim Essen auf der Dachterasse diese Stücke ganz vorzügliche Dienste erweisen könnten - gegen Auskühlen der Speisen, und gegen Insekten. Aussuchen, verhandeln und den lachhaft niedrigen Preis bezahlen sind eins, das Putzen hingegen nimmt den halben Nachmittag in Anspruch.

Und so endet, was mit der Immobilienblase in den USA beginnt, mit einem bösen Erwachen der Wespe. Und vielleicht auch derer, die bald vor wertlosen Immobilien sitzen, in einem Haufen veralteter Gadgets, und ohne irgendeinen Gegenstand, der seinen Wert durch die Jahrhunderte hält.
So bekommt sie natürlich nichts mit von der Globalisierung und ihren Folgen und Zufällen. Um es kurz zu machen: Die Wespe muss sich ein anderes Fressen beschaffen, auf meiner Dachterasse wird nichts zu holen sein. Warum? Weil die amerikanischen Immobilienpreise an der Ostküste bei New York auf Rekordniveau sind. Die Immobilienpreise befeuern die Wirtschaft - einerseits. Andererseits bedeutet das für alle Nichtbesitzer, dass sie mit steigenden Mieten rechnen müssen. Oder umgekehrt: Wenn sie nicht mehr für Mieten oder den Kauf ausgeben können, müssen sie eben kleinere Wohnungen nehmen.
Kleinere Wohnungen bedeuten einen klaren Bruch in der Tradition der Mittelklasse in Neuengland. Bislang wuchs der Wohnraum stetig an, jetzt ist plötzlich Schluss damit. Der Raum muss ökonomisch genutzt werden, obwohl mit immer grösseren Fernsehern und vielen technischen Geräten der Platz weniger wird. Und dann erben sie auch noch das alte Zeug ihrer Verwandten. Darunter ist die verschwenderische Fülle der silver plated Hollowware, des versilberten Tischzierats, der nach dem zweiten Weltkrieg bis in die 70er Jahre eines der wichtigsten Mittel zur Repräsentation des Familienvermögens war. Angepasst an englische Vorbilder, aber viel grösser und üppiger, stapelten sich glänzende Terrinen, Warmhalter und Tabletts in Küchen, die man heute in Zeiten der Mikrowelle kaum mehr nutzt.
Und so kommt es, dass in Amerika die Mittel zur Repräsentation nicht mehr geschätzt werden, und im Überfluss vorhanden sind. Bei den Auktionen in Swedesboro/New Jersey gehen die Stücke, die Erben eingeliefert haben, nicht mal mehr zum Limit weg, und so wird der Stolz des Mittelstandes in Neuengland billigst in Kisten verpackt und nach Europa geschickt, wo man es noch unter die Leute bringen kann, und landet dort im Spätwinter auf einem Flohmarkt in Pfaffenhofen.

Schalen, Anrichten, Kerzenhalter, Saucieren, Preise für Golfturniere, Tabletts, Warmhalter, Brotkörbe und Butterdosen, grosse Namen wie Towle, Oneida, F. M. Rogers, Sheridan, Lunt Silversmiths, WM Rogers und E. & J. Bass, übereinandergeworfen, teils noch in Kisten, auseinandergerissen und durchwühlt und doch liegen gelassen. Hier, im letzten Schneegestöber des Jahres, endet die Odyssee des globalisierten Niedergangs der Bürgerlichkeit. Denn an dieser Stelle betrete ich die Bühne, und obwohl ich auch keinen Platz mehr habe, fällt mir beim Betrachten der diversen Sevierschalen mit ihren Deckeln ein, dass es trotz allem Sommer werden wird, und beim Essen auf der Dachterasse diese Stücke ganz vorzügliche Dienste erweisen könnten - gegen Auskühlen der Speisen, und gegen Insekten. Aussuchen, verhandeln und den lachhaft niedrigen Preis bezahlen sind eins, das Putzen hingegen nimmt den halben Nachmittag in Anspruch.

Und so endet, was mit der Immobilienblase in den USA beginnt, mit einem bösen Erwachen der Wespe. Und vielleicht auch derer, die bald vor wertlosen Immobilien sitzen, in einem Haufen veralteter Gadgets, und ohne irgendeinen Gegenstand, der seinen Wert durch die Jahrhunderte hält.
donalphons, 23:16h
... link (3 Kommentare) ... comment
Dirt Picture Contest Bavarese - Chorknaben
Anderswo geht es Sprayern ums Angeben, um krasse Sprüche, um das Posen, um einen linken politischen Inhalt, oder einfach nur ums Ficken. Aber hier ist allertiefstes Bayern. Und die Spraydosen werden hier von Ministranten geführt.

Morgen vielleicht "Zölibat rules!". Oder "Sex geht gar nicht". Oder "St. Wallburg hat das beste Wasser, da ist Vodka ein Dreck dagegen".

Morgen vielleicht "Zölibat rules!". Oder "Sex geht gar nicht". Oder "St. Wallburg hat das beste Wasser, da ist Vodka ein Dreck dagegen".
donalphons, 20:31h
... link (8 Kommentare) ... comment
Launiges, Laune verderbendes.
Wer denkt, er sei ein armer Hund, wenn er bei Google in Tokio ein Hotel sucht, sollte erst mal eine aus Thailand stammende antike Bronze eines Engels kaufen und dann zur weiteren Information bei Google Bildmaterial zu "Thai Angel" suchen.
donalphons, 20:14h
... link (1 Kommentar) ... comment
Hölle Flickr
Es sagt ziemlich viel über unsere Zeit aus, dass es Leute ohne alle Bedenken wagen, einen abzulichten und das Bild zu veröffentlichen, aber nicht den Mut und den Anstand haben, zumindest mal Hallo zu sagen - wenn man sich schon mal begegnet. Das und anderes, populäre Irrtümer und Antworten an der Blogbar.
donalphons, 03:13h
... link (10 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 25. Februar 2006
Screams in the Attic
Langsam, nur alle paar Tage durch erkennbare Fortschritte, nehmen die Räume im Piano Nobile, im ehemaligen Conventsaal der Gesellschaft, ihre endgültige Form an. Und es wird noch mindestens einen Monat dauern, bis alles fertig ist, und auf historischem Boden ganz banal gekocht, gegessen und eventuell auf dem Küchentisch

Derweilen nimmt die Freude mit dem Mietern ein Stockwerk unter mir gar kein Ende. Eigentlich gedachten sie von sich aus zu gehen. Eine schriftliche Kündigung liegt bisher nicht vor, dafür aber ein Versuch, Ende des Monats ohne Fristen einfach so zu gehen. Der Grund: Sie haben eine neue Bleibe gefunden, aber bis das sicher war, natürlich noch nicht schriftlich gekündigt. Jetzt soll es plötzlich sofort sein. Falls das nicht geht, haben sie schon mal Mietminderung angekündigt. Denn im Bad, das sie mit ihrer Waschmaschine neben der darunter gelegenen Küche unter Wasser gesetzt haben, schimmelt es jetzt - kein Wunder, wenn das Wasser ein paar Stunden Zeit hatte, in den Boden zu ziehen.
Natürlich wollte ich mir das mal anschauen. Woraufhin mir mitgeteilt wurde, dass ich erst mal eine schriftliche Ankündigung meines Kommens schicken sollte. Das ist korrekt, so ist die Gesetzeslage, und es ist auch nicht verboten, den Gruss nicht zu erwiedern, wenn man sich auf dem Gang trifft. Wenn ich aber läute mit der Bitte, dass sie nach vier Tagen vielleicht bitte ihr Regal wieder reinstellen, das vor ihrer Tür und damit in meinem Aufgang steht, öffnet keiner. Es wäre legal, das Ding in den Sperrmüll zu tun, aber ich bin nicht so. Nur in Gedanken.
So sind sie, die Mieter. Zum Glück ist bald alles vorbei, Mitte/Ende März dürfen sie gehen. Hauptsache sie sind weg. Und dann? Ich bin formal nicht der Besitzer des Hauses, das sind meine Eltern. Und deshalb werde ich die riesige Wohnung mieten. Ein Zimmer brauche ich ohnehin als Gästezimmer, und den Rest werde ich untervermieten. Damit ich auch in Zukunft in meinem Stammhaus hingegehen kann, wohin ich hin will. Damit ich weiss, wer drin wohnt. Damit wieder gegrüsst wird. So war das schon immer bei uns.
Wer jetzt vielleicht Mitleid mit den Mietern hat: Kein Grund, kein Anlass. Im Laufe diverser Telefonate kam nämlich heraus, dass manche Mieter die Wohnung als viel zu teuer empfinden. Obwohl bei uns seit 12 Jahren die Miete nicht mehr erhöht wurde und die Mietpreise hier im gleichen Zeitraum im Durchschnitt um 20% bis 40% in den Toplagen gestiegen sind - es gibt hier bei WG-Zimmern Preise bis zu 18 Euro/m², und die auf den Universitätsrang geile Stadt flennt Leuten wie uns die Ohren voll, wir sollten bitte auch noch das letzte Kämmerlein an Elitessen vermieten. Auch vor 12 Jahren war die Wohnung schon günstig, und heute ist es unmöglich, eine Wohnung für diesen Preis zu finden. Wie sich jetzt herausgestellt hat, beruht der hohe Preis auf einem Trick: Die Hauptmieterin, die vor ein paar Jahren den Mietvertrag übernommen hat, hat sich der alten Bewohner entledigt und Bekannte reingeholt. Und für die untervermieteten Zimmer Preise verlangt, die so hoch sind, dass sie selbst nicht nur nichts zahlt, sondern auch noch einen Überschuss erzielt. Da war das Erstaunen auf beiden Seiten gross.
Die Mauern und Fussböden sind selbst hier oben "in the Attic" immer noch hübsch dick, wie es nun mal bei 9 Meter hohen Dächern so ist. Ich würde es nicht mal hören, wenn sie da unten die Hauptmieterin nach Jahren der Wucherei häuten und dann in kleinen Stücken auf dem Herd braten würden. Sollten sie es tun - jo mei. Solche harten, aber effektiven Vorgehensweisen wurden von den Bauherren dieses Hauses nicht abgelehnt, im Zweifelsfall kann man sich auf Brauchtumspflege rausreden.

Derweilen nimmt die Freude mit dem Mietern ein Stockwerk unter mir gar kein Ende. Eigentlich gedachten sie von sich aus zu gehen. Eine schriftliche Kündigung liegt bisher nicht vor, dafür aber ein Versuch, Ende des Monats ohne Fristen einfach so zu gehen. Der Grund: Sie haben eine neue Bleibe gefunden, aber bis das sicher war, natürlich noch nicht schriftlich gekündigt. Jetzt soll es plötzlich sofort sein. Falls das nicht geht, haben sie schon mal Mietminderung angekündigt. Denn im Bad, das sie mit ihrer Waschmaschine neben der darunter gelegenen Küche unter Wasser gesetzt haben, schimmelt es jetzt - kein Wunder, wenn das Wasser ein paar Stunden Zeit hatte, in den Boden zu ziehen.
Natürlich wollte ich mir das mal anschauen. Woraufhin mir mitgeteilt wurde, dass ich erst mal eine schriftliche Ankündigung meines Kommens schicken sollte. Das ist korrekt, so ist die Gesetzeslage, und es ist auch nicht verboten, den Gruss nicht zu erwiedern, wenn man sich auf dem Gang trifft. Wenn ich aber läute mit der Bitte, dass sie nach vier Tagen vielleicht bitte ihr Regal wieder reinstellen, das vor ihrer Tür und damit in meinem Aufgang steht, öffnet keiner. Es wäre legal, das Ding in den Sperrmüll zu tun, aber ich bin nicht so. Nur in Gedanken.
So sind sie, die Mieter. Zum Glück ist bald alles vorbei, Mitte/Ende März dürfen sie gehen. Hauptsache sie sind weg. Und dann? Ich bin formal nicht der Besitzer des Hauses, das sind meine Eltern. Und deshalb werde ich die riesige Wohnung mieten. Ein Zimmer brauche ich ohnehin als Gästezimmer, und den Rest werde ich untervermieten. Damit ich auch in Zukunft in meinem Stammhaus hingegehen kann, wohin ich hin will. Damit ich weiss, wer drin wohnt. Damit wieder gegrüsst wird. So war das schon immer bei uns.
Wer jetzt vielleicht Mitleid mit den Mietern hat: Kein Grund, kein Anlass. Im Laufe diverser Telefonate kam nämlich heraus, dass manche Mieter die Wohnung als viel zu teuer empfinden. Obwohl bei uns seit 12 Jahren die Miete nicht mehr erhöht wurde und die Mietpreise hier im gleichen Zeitraum im Durchschnitt um 20% bis 40% in den Toplagen gestiegen sind - es gibt hier bei WG-Zimmern Preise bis zu 18 Euro/m², und die auf den Universitätsrang geile Stadt flennt Leuten wie uns die Ohren voll, wir sollten bitte auch noch das letzte Kämmerlein an Elitessen vermieten. Auch vor 12 Jahren war die Wohnung schon günstig, und heute ist es unmöglich, eine Wohnung für diesen Preis zu finden. Wie sich jetzt herausgestellt hat, beruht der hohe Preis auf einem Trick: Die Hauptmieterin, die vor ein paar Jahren den Mietvertrag übernommen hat, hat sich der alten Bewohner entledigt und Bekannte reingeholt. Und für die untervermieteten Zimmer Preise verlangt, die so hoch sind, dass sie selbst nicht nur nichts zahlt, sondern auch noch einen Überschuss erzielt. Da war das Erstaunen auf beiden Seiten gross.
Die Mauern und Fussböden sind selbst hier oben "in the Attic" immer noch hübsch dick, wie es nun mal bei 9 Meter hohen Dächern so ist. Ich würde es nicht mal hören, wenn sie da unten die Hauptmieterin nach Jahren der Wucherei häuten und dann in kleinen Stücken auf dem Herd braten würden. Sollten sie es tun - jo mei. Solche harten, aber effektiven Vorgehensweisen wurden von den Bauherren dieses Hauses nicht abgelehnt, im Zweifelsfall kann man sich auf Brauchtumspflege rausreden.
donalphons, 17:27h
... link (5 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 24. Februar 2006
Wie heisst es nicht bei Brian am Kreuz? Leif´s a lot of...
oder so - jedenfalls gibt es jetzt Neuigkeiten vom Journalisten und Bloggerbeleidiger Thomas Leif ("Blogger sind selbstverliebte Egozentriker"), nebebei auch dem Chef des Netzwerks Recherche. Er ist mutmasslich kein selbstverliebter Egozentriker, sondern eher, na, denkt man zumindest, aufrechter Krieger gegen PR, Bestechung und journalistischer Schludrigkeit. Dazu hat die Konkret ein paar hübsche Informationen ausgegraben - so wird etwa der Leuchtturmpreis des Netzwerks Recherche, den auch das Bildblog bekam, durch eine Eon-nahe Stiftung finanziert. Gut, kann man sagen, besser sie sponsorn ein paar Journalisten als einen weiteren Atomlobbyisten in Berlin.
Aber es würde einen natürlich schon interessieren, ob Leif das Geld, das er vielleicht trotz seines sicher nicht schlecht bezahlten Jobs bei unseren öffentlich-rechtlichen Medien nebenbei durch Moderationstätigkeiten für die Sparkassen Service Gesellschaft Rheinland-Pfalz verdient hat, einem ähnlich guten Zweck spendet. Und falls er es bekommt und nicht spendet (weiss man´s?), ob er sich immer noch für einen unvoreingenommenen, unbestechlichen Journalisten hält. Besonders, wenn der Chef der Firma den gleichen Nachnamen hat wie er selbst. via Finblog mit hübschen Nachweisen aus dem Google-Cache, da sollte man vielleicht mal einen Screenshot machen.
Aber es würde einen natürlich schon interessieren, ob Leif das Geld, das er vielleicht trotz seines sicher nicht schlecht bezahlten Jobs bei unseren öffentlich-rechtlichen Medien nebenbei durch Moderationstätigkeiten für die Sparkassen Service Gesellschaft Rheinland-Pfalz verdient hat, einem ähnlich guten Zweck spendet. Und falls er es bekommt und nicht spendet (weiss man´s?), ob er sich immer noch für einen unvoreingenommenen, unbestechlichen Journalisten hält. Besonders, wenn der Chef der Firma den gleichen Nachnamen hat wie er selbst. via Finblog mit hübschen Nachweisen aus dem Google-Cache, da sollte man vielleicht mal einen Screenshot machen.
donalphons, 17:40h
... link (6 Kommentare) ... comment
Momente, in denen man es sich überlegt,
ob es das wert ist. Ich sitze, abgetrennt von einem Haufen Leuten, bei einer kleinen Gruppe. Wir trinken, unterhalten uns, die Stimmung ist trotz der bevorstehenden, wunderbaren und grandiosen Lesung ziemlich ruhig und vergnügt. Alles ist in Ordnung - nur noch einen Moment in Richtung Sanitäreinrichtungen verschwinden.
Und dann, beim Weg durch die Zuschauer, kommt ein paar Mal sowas wie "Schau mal, da ist Don Alphonso", oder "Hey, da hinten, da läuft der Don". Und dann gibt es so Leute, die sofort nach ihrer Digicam greifen und einen ablichten. Auf dem Weg in die Sanitäranlagen. Selbiges, die Bild- und Tuschellust ist nicht gestillt, auf dem Rückweg. Sie wissen, dass ich wieder kommen muss. Die Kameras sind bereit.
Im ersten Moment fand ich das etwas komisch, weil dergleichen bei normalen Lesungen eher nicht passiert. Zumindest, solange es sich nicht um Leute wie Mankell oder Bohlen handelt. Nicht, dass es in Düsseldorf ein Blitzlichtgewitter gewesen wäre, aber eben doch zu undezent für das, was man sich bei so einem Gang erwartet.

Auf dem Heimflug stellte sich dann tatsächlich ein gewisses Unbehagen ein. Man kann natürlich sagen, dass man mit solchen Reaktionen als "Blogjetsetter" rechnen muss, wenn man alle zwei, drei Wochen auf irgendwelchen Podien und Lesungen ist. So, wie es gerade läuft, mit all dem "Buzz" in der Thematik, wird das sicher nicht weniger. Möglicherweise bildet sich tatschlich eine Gruppe von Bloggern heraus, die, ähnlich wie in gewissen Disziplinen der Wissenschaften oder Kunstevents, immer irgendwie eingeladen werden und dabei sind, verstärkt durch die Unfähigkeit oder dem mangelnden Interesse der allermeisten Blogger, selbst Veranstaltungen zu organisieren, obwohl das Potential in jeder Stadt über 250.000 Einwohner da wäre.
Für die professionellen Veranstalter ist es nur logisch, dass sie nach denen fragen, die bekannt sind und schon nachweislich woanders eine gute Performance geliefert haben. Im Gegensatz zu Literaten oder Pressesprechern kann man einen Blogger nicht nach der Auflage eines Buches oder nach dem Umsatz beurteilen; deshalb wird angefragt, wer bekanntermassen die Leute zieht, ein grosses Blog füllt, gut rüberkommt und pointierte Texte und Meinungen hat. Die Veranstalter wollen "the best bang for the buck", da sollte man sich keinen Illusionen hingeben. Keiner macht die "5 rheinisch faselnde Antvilledeppen (RFAD) die keine alte Sau kennt Lesung", wenn klar ist, dass dann allenfalls weitere verheiratete, verschwägerte oder sonstwie verblödete 20 RFADs kommen. Und selbst bekommen es die RFADs bislang nicht gebacken, Klappe zu, Affe tot.
Ich will mich nicht über das Ergebnis beschweren, dass es dann eben "die üblichen Verdächtigen" gibt, die zwischen Hamburg und München, zwischen Buchmesse und Kommunikationskongress die Sache "unter sich ausmachen". Denn genau so läuft es nicht, es gibt keine "Famous Weblogger AG", allenfalls hier und da ein gewisses Mass an Mobbing, das man dann irgendwann 2, 3 Wochen nach der Einladung erfährt, oder 1, 2 Tage nach der Veranstaltung. Wer den Literaturbetrieb kennt, macht sich über sowas keine Gedanken mehr. Aber dennoch wäre es schön, wenn man auch weiterhin ungestört und ohne Blitzlicht die Toilette aufsuchen könnte. Denn das Schöne am Bloggen ist ja, dass es auf gleicher Augenhöhe geschieht. Und ich habe keine Lust, alle 2 Meter irgendjemand zurückzuknipsen. Zumal es im Saal immer noch genug Gelegenheiten für Kamera und Getuschel gibt.
Und dann, beim Weg durch die Zuschauer, kommt ein paar Mal sowas wie "Schau mal, da ist Don Alphonso", oder "Hey, da hinten, da läuft der Don". Und dann gibt es so Leute, die sofort nach ihrer Digicam greifen und einen ablichten. Auf dem Weg in die Sanitäranlagen. Selbiges, die Bild- und Tuschellust ist nicht gestillt, auf dem Rückweg. Sie wissen, dass ich wieder kommen muss. Die Kameras sind bereit.
Im ersten Moment fand ich das etwas komisch, weil dergleichen bei normalen Lesungen eher nicht passiert. Zumindest, solange es sich nicht um Leute wie Mankell oder Bohlen handelt. Nicht, dass es in Düsseldorf ein Blitzlichtgewitter gewesen wäre, aber eben doch zu undezent für das, was man sich bei so einem Gang erwartet.

Auf dem Heimflug stellte sich dann tatsächlich ein gewisses Unbehagen ein. Man kann natürlich sagen, dass man mit solchen Reaktionen als "Blogjetsetter" rechnen muss, wenn man alle zwei, drei Wochen auf irgendwelchen Podien und Lesungen ist. So, wie es gerade läuft, mit all dem "Buzz" in der Thematik, wird das sicher nicht weniger. Möglicherweise bildet sich tatschlich eine Gruppe von Bloggern heraus, die, ähnlich wie in gewissen Disziplinen der Wissenschaften oder Kunstevents, immer irgendwie eingeladen werden und dabei sind, verstärkt durch die Unfähigkeit oder dem mangelnden Interesse der allermeisten Blogger, selbst Veranstaltungen zu organisieren, obwohl das Potential in jeder Stadt über 250.000 Einwohner da wäre.
Für die professionellen Veranstalter ist es nur logisch, dass sie nach denen fragen, die bekannt sind und schon nachweislich woanders eine gute Performance geliefert haben. Im Gegensatz zu Literaten oder Pressesprechern kann man einen Blogger nicht nach der Auflage eines Buches oder nach dem Umsatz beurteilen; deshalb wird angefragt, wer bekanntermassen die Leute zieht, ein grosses Blog füllt, gut rüberkommt und pointierte Texte und Meinungen hat. Die Veranstalter wollen "the best bang for the buck", da sollte man sich keinen Illusionen hingeben. Keiner macht die "5 rheinisch faselnde Antvilledeppen (RFAD) die keine alte Sau kennt Lesung", wenn klar ist, dass dann allenfalls weitere verheiratete, verschwägerte oder sonstwie verblödete 20 RFADs kommen. Und selbst bekommen es die RFADs bislang nicht gebacken, Klappe zu, Affe tot.
Ich will mich nicht über das Ergebnis beschweren, dass es dann eben "die üblichen Verdächtigen" gibt, die zwischen Hamburg und München, zwischen Buchmesse und Kommunikationskongress die Sache "unter sich ausmachen". Denn genau so läuft es nicht, es gibt keine "Famous Weblogger AG", allenfalls hier und da ein gewisses Mass an Mobbing, das man dann irgendwann 2, 3 Wochen nach der Einladung erfährt, oder 1, 2 Tage nach der Veranstaltung. Wer den Literaturbetrieb kennt, macht sich über sowas keine Gedanken mehr. Aber dennoch wäre es schön, wenn man auch weiterhin ungestört und ohne Blitzlicht die Toilette aufsuchen könnte. Denn das Schöne am Bloggen ist ja, dass es auf gleicher Augenhöhe geschieht. Und ich habe keine Lust, alle 2 Meter irgendjemand zurückzuknipsen. Zumal es im Saal immer noch genug Gelegenheiten für Kamera und Getuschel gibt.
donalphons, 13:18h
... link (72 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 23. Februar 2006
Contentdiebe rund machen.
Immer wieder schön. So richtig hart rannehmen, das Gesocks. Heute in gerundeter Form: Mario Aldrovandi von so einer Schweizer Spam&Blogtextklaufirma.
Ich kann nur JEDEM raten, mal zu schauen, ob der nicht das eigene Blog schon bei sich verwertet und ihm dann eine knallige Mail vor den Lat zu knallen. Oder vielleicht kennt einer ja auch einen darbenden Juristen, der seine ersten Schritte als Abmahnschwein unternehmen will...
Ich kann nur JEDEM raten, mal zu schauen, ob der nicht das eigene Blog schon bei sich verwertet und ihm dann eine knallige Mail vor den Lat zu knallen. Oder vielleicht kennt einer ja auch einen darbenden Juristen, der seine ersten Schritte als Abmahnschwein unternehmen will...
donalphons, 22:07h
... link (7 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Mittwoch, 22. Februar 2006
Und übrigens finde ich,
dass man Journaille schon mal ein wenig anfassen darf, besonders die Weicheier aus dem Fäuletons und da vor allem die Schnappsnasen der lokalen Kultur, die bei jeder Entscheidung des Kulturreferates mitreden wollen und dabei einen Nepotismus praktizieren, gegen den der Papsthof der Medici eine straff geführte Behörde war. Noch im 19. und frühen 20. Jahrhundert erzog und züchtigte so mancher Literat und Theaterimpressario dieses nicht satisfaktionsfähige Gschwerrl mit der Kutscherpeitsche, da sollen sie sich jetzt mal bei einer Kleinigkeit wie in Frankfurt nicht so haben.
auch gleich als kleiner hinweis gemeint, wenn ich heute abend in düsseldorf lese - ich bin bayer und habe das goasslschnalzen schon als kind gelernt.
auch gleich als kleiner hinweis gemeint, wenn ich heute abend in düsseldorf lese - ich bin bayer und habe das goasslschnalzen schon als kind gelernt.
donalphons, 09:50h
... link (9 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 21. Februar 2006
Ich darf eine kleine Sensation verkünden.
Der Special Guest bei der Bloglesung in München ist niemand geringeres als die famose
Lyssa.
So, jetzt macht hinne. Am besten meldet Ihr Euch, wenn Ihr kommt,bei mir per Email telefonisch bei der Reizbar, denn es scheint, dass es rappelvoll wird, und der Laden ist nicht wirklich gross.
Lyssa.
So, jetzt macht hinne. Am besten meldet Ihr Euch, wenn Ihr kommt,
donalphons, 19:23h
... link (0 Kommentare) ... comment
Die Sache mit dem Brokat
Schuld ist der Absolutismus. Während im XVI. Jahrhundert für Männer und viele sittsame Frauen die schwarze spanischer Hoftracht dominierte, kam mit dem gesteigerten Repräsentationsbedürfnis am Hofe Ludwig XIV und seiner Nachahmer in ganz Europa die "Mode" in einer Form auf, wie wir sie heute kennen. Vorbei die Zeiten, da man in den besseren Kreisen ein Kleid 10 Jahre lang tragen konnte. Vorbei die Schlichtheit, die allein des Tuches bedurfte, das zum Verhüllen des Körpers nötig war. Bis hinunter zum Knopfloch blieb kein Detail, das nicht irgendwie ausgeschmückt und verziert wurde. Wer etwas gelten wollte, musste sich beteiligen. Und so kam es, dass die flüchtigen Werke aus Brokat und Seide alle früheren Kosten des Haushaltes selbst in der prunkliebenden Zeit des Rokoko die Haushalte aufs Schlimmste belastete. Doch wer sich nicht beteiligte, am Schaulaufen der Eitelkeiten, war schnell als nicht gesellschaftsfähig erkannt und ausgeladen.
Kurz, Brokat, Samt, Seide und Damast und waren damals unverzichtbar, und selbst die Bürger, Handwerker und Dienstmädchen setzten alles daran, bei diesem Wettlauf der Schönheit über kotige Strassen und schlammige Plätze teilzunehmen. In Europa gab es innerhalb kürzester Zeit einen enormen Markt für ungewöhnliche Stoffe. Es konnte gar nicht bunt und verspielt genug sein. Allein, die Herstellung solcher feiner Gebilde war nicht einfach, beginnend bei den Farben bishin zur Kunstfertigkeit der Weber.
Historisch durch die Verbindungen und den Seidenhandel mit Constantinopel bedingt, war in Oberitalien schon im Mittelalter eine gut funktionierende Stoffindustrie entstanden, die von nun an das Geld des Nordens für überbordende Muster und feine Goldfäden kassierte. Ein Zustand, der in den Ökonomien des Merkantilismus nicht unbedingt gern gesehen wurde, als man vermehrt auf nationalstaatliche Autonomie drängte.
Und somit kam ein Menschenschlag ins Spiel, der damals "Projektemacher" hiess. Heute würde man sagen: Entrepreneur. Tatsächlich hatten die Projektemacher einen für diese Zeit globalisierte Weltbegriff; ihre Ideen und Vorschläge gingen an alle europäischen Höfe zwischen Paris und Petersburg. Tatsächlich zweifelte damals niemand daran, dass diese jungen, aufstrebenden Experten, die aus dem richtigen, oberitalienischen Umfeld stammten, genau wussten, wie das mit dem wichtigen Handelsgut der Textilien geht. Im Prinzip genügte es, ein Schreiben an eine Person zu richten, mit der ein Gönner gut vernetzt war, einen Plan auszuarbeiten, das nötige Geld zu erhalten und dann diese Idee umzusetzen.
Die Geschichte der europäischen Textilproduktion im XVII Jahrhundert ist reich an solchen Beispielen. Um 1760 etwa gibt der österreichische Minister Carl Coblenz 200.000 Gulden für eine Fabrikation von Färbemitteln, einem der teuersten und schwersten Bereiche der Textilproduktion aus. Auch er denkt weit über die engen Grenzen des Landes hinaus, das Geld wird in Belgien investiert. Häufig kommen begeisterte Berichte über den guten Fortgang des Projekts, und Coblenz kann sich gewiss sein, dass die Investition schon bald den Reichtum Österreichs vergrössern wird. Nach einer Weile trifft auch die Farbe aus der neuen Produktion ein, und Coblenz wähnt sich am Ziel seiner Träume.

Leider gibt sich sein Vorgesetzter, der strenge Staatskanzler Kaunitz, mit ein paar bunten Flaschen nicht zufrieden, und lässt sie von Experten prüfen. Das Ergebnis ist verheerend, die Farben sind allesamt untauglich, Coblenz ist einem gigantischen Betrug aufgesessen. Es dürfte ihn wenig beruhigt haben, dass die 200.000 Gulden der Krone dennoch nicht verloren waren. Soweit bekannt, begleiteten sie einen intelligenten Herren auf seiner weiteren Reise Richtung Italien, nach Livorno, einem Freihafen und natürlich ausserhalb des Herrschaftsbereichs der Österreicher.
Der Name des Herrn, des angeblich kundigen Stoffwirkers mit seinen vorzüglichen Plänen aus Oberitalen war Graf Bellamare, heutigentags vielleicht besser bekannt als Graf von Saint-Germain, dessen Ruhm als Mysterienerfinder und Goldmacher vollkommen ungerechtfertigt bis heute sein ungleich lukrativeres Dasein als Entrpreneur überstrahlt. Wenn nun also heute zu uns jemand tritt und behauptet, dass der Mensch, der Investor, oder auch der Staat klüger geworden sei mit dem Umgang seiner Mittel, wenn ein Markt zu florieren scheint, wenn geredet wird von Experten mit Verständnis für globale Märkte und den Skills für das Business für morgen, für eine wieder auflebende Gründerkultur, so erzählt ihm, falls er das Beispiel der Tulpnemanie in den Niederlanden schon kennt, einfach diese Geschichte. Die menschliche Geschichte ist nichts anderes als die unendliche Wiederholung der immer gleichen Fehler, und am Ende gibt es immer einen, unter dessen Droschke oder in dessen Ferrari das Geld über eine Grenze gebracht wird, von wo es nie zu dem zurückkommen wird, der es verloren hat. Saint Germain und Coblenz sind tot, Livorno ist ein runtergekommener Hafen, und Stoff kommt heute aus Sweat Shops in China. Dafür haben wir heute die Falks und Mobilcom-Schmids und die Haffas, die Schweiz ist um die Ecke, und die Staatssekratäre in Bayern, Hamburg und Schleswig-Holstein werden das nächste Mal wieder von den Chancen reden, die im Wettlauf der Standorte ergriffen werden müssen. Und natürlich fragt man sich am Ende, wie man so blöd sein konnte. Immer. Jedes Mal. Aufs Neue.
Nur muss keiner von denen heute mehr befürchten, wie Saint-Germains Nacheiferer zu enden, sei es wie Cagliostro in lebenslanger Haft in Rimini oder wie der vom Schlaganfall dahingeraffte Afflisio, nachdem man ihn acht Jahre auf einer Galeere festgekettet hatte.
Kurz, Brokat, Samt, Seide und Damast und waren damals unverzichtbar, und selbst die Bürger, Handwerker und Dienstmädchen setzten alles daran, bei diesem Wettlauf der Schönheit über kotige Strassen und schlammige Plätze teilzunehmen. In Europa gab es innerhalb kürzester Zeit einen enormen Markt für ungewöhnliche Stoffe. Es konnte gar nicht bunt und verspielt genug sein. Allein, die Herstellung solcher feiner Gebilde war nicht einfach, beginnend bei den Farben bishin zur Kunstfertigkeit der Weber.
Historisch durch die Verbindungen und den Seidenhandel mit Constantinopel bedingt, war in Oberitalien schon im Mittelalter eine gut funktionierende Stoffindustrie entstanden, die von nun an das Geld des Nordens für überbordende Muster und feine Goldfäden kassierte. Ein Zustand, der in den Ökonomien des Merkantilismus nicht unbedingt gern gesehen wurde, als man vermehrt auf nationalstaatliche Autonomie drängte.
Und somit kam ein Menschenschlag ins Spiel, der damals "Projektemacher" hiess. Heute würde man sagen: Entrepreneur. Tatsächlich hatten die Projektemacher einen für diese Zeit globalisierte Weltbegriff; ihre Ideen und Vorschläge gingen an alle europäischen Höfe zwischen Paris und Petersburg. Tatsächlich zweifelte damals niemand daran, dass diese jungen, aufstrebenden Experten, die aus dem richtigen, oberitalienischen Umfeld stammten, genau wussten, wie das mit dem wichtigen Handelsgut der Textilien geht. Im Prinzip genügte es, ein Schreiben an eine Person zu richten, mit der ein Gönner gut vernetzt war, einen Plan auszuarbeiten, das nötige Geld zu erhalten und dann diese Idee umzusetzen.
Die Geschichte der europäischen Textilproduktion im XVII Jahrhundert ist reich an solchen Beispielen. Um 1760 etwa gibt der österreichische Minister Carl Coblenz 200.000 Gulden für eine Fabrikation von Färbemitteln, einem der teuersten und schwersten Bereiche der Textilproduktion aus. Auch er denkt weit über die engen Grenzen des Landes hinaus, das Geld wird in Belgien investiert. Häufig kommen begeisterte Berichte über den guten Fortgang des Projekts, und Coblenz kann sich gewiss sein, dass die Investition schon bald den Reichtum Österreichs vergrössern wird. Nach einer Weile trifft auch die Farbe aus der neuen Produktion ein, und Coblenz wähnt sich am Ziel seiner Träume.

Leider gibt sich sein Vorgesetzter, der strenge Staatskanzler Kaunitz, mit ein paar bunten Flaschen nicht zufrieden, und lässt sie von Experten prüfen. Das Ergebnis ist verheerend, die Farben sind allesamt untauglich, Coblenz ist einem gigantischen Betrug aufgesessen. Es dürfte ihn wenig beruhigt haben, dass die 200.000 Gulden der Krone dennoch nicht verloren waren. Soweit bekannt, begleiteten sie einen intelligenten Herren auf seiner weiteren Reise Richtung Italien, nach Livorno, einem Freihafen und natürlich ausserhalb des Herrschaftsbereichs der Österreicher.
Der Name des Herrn, des angeblich kundigen Stoffwirkers mit seinen vorzüglichen Plänen aus Oberitalen war Graf Bellamare, heutigentags vielleicht besser bekannt als Graf von Saint-Germain, dessen Ruhm als Mysterienerfinder und Goldmacher vollkommen ungerechtfertigt bis heute sein ungleich lukrativeres Dasein als Entrpreneur überstrahlt. Wenn nun also heute zu uns jemand tritt und behauptet, dass der Mensch, der Investor, oder auch der Staat klüger geworden sei mit dem Umgang seiner Mittel, wenn ein Markt zu florieren scheint, wenn geredet wird von Experten mit Verständnis für globale Märkte und den Skills für das Business für morgen, für eine wieder auflebende Gründerkultur, so erzählt ihm, falls er das Beispiel der Tulpnemanie in den Niederlanden schon kennt, einfach diese Geschichte. Die menschliche Geschichte ist nichts anderes als die unendliche Wiederholung der immer gleichen Fehler, und am Ende gibt es immer einen, unter dessen Droschke oder in dessen Ferrari das Geld über eine Grenze gebracht wird, von wo es nie zu dem zurückkommen wird, der es verloren hat. Saint Germain und Coblenz sind tot, Livorno ist ein runtergekommener Hafen, und Stoff kommt heute aus Sweat Shops in China. Dafür haben wir heute die Falks und Mobilcom-Schmids und die Haffas, die Schweiz ist um die Ecke, und die Staatssekratäre in Bayern, Hamburg und Schleswig-Holstein werden das nächste Mal wieder von den Chancen reden, die im Wettlauf der Standorte ergriffen werden müssen. Und natürlich fragt man sich am Ende, wie man so blöd sein konnte. Immer. Jedes Mal. Aufs Neue.
Nur muss keiner von denen heute mehr befürchten, wie Saint-Germains Nacheiferer zu enden, sei es wie Cagliostro in lebenslanger Haft in Rimini oder wie der vom Schlaganfall dahingeraffte Afflisio, nachdem man ihn acht Jahre auf einer Galeere festgekettet hatte.
donalphons, 12:40h
... link (5 Kommentare) ... comment
Morgen ist die Lesung.
Und ich habe mir noch nicht allzu viele Gedanken gemacht, was ich in Düsseldorf vorlesen soll. Eine Geschichte über Kommerz vielleicht, vielleicht eine über Iris. Ach je. Haben die werten Leser des Blogs vielleicht einen Vorschlag?
donalphons, 10:26h
... link (16 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 21. Februar 2006
97 Zentimeter
ist die Mauer an der dicksten Stelle im ersten Stock. Über 2,5 mal so dick wie bei modernen Gebäuden. Da stecken drei Lagen Vollziegel nebeneinander drin. Die mittelalterliche Stadtmauer ist dünner.

Inzwischen sind die Wände weitgehend verputzt, und in den Zimmern ist etwas Ordung. Schön langsam bekommt man wieder ein Gefühl für den Raum. In einem Monat ist das meiste hier fertig, und damit neigt sich auch mein Aufenthalt hier dem Ende zu. Dachte ich. Aber so wie es sich darstellt, geht es ab März dann im 3. Stock weiter. Sieht nach einem Sommer auf der dachterasse in der Provinz aus, wenn das hier mit dem Restaurieren so weiter geht.
Und im Hinterhaus warten nochmal 200irgendwas Quadratmeter.

Inzwischen sind die Wände weitgehend verputzt, und in den Zimmern ist etwas Ordung. Schön langsam bekommt man wieder ein Gefühl für den Raum. In einem Monat ist das meiste hier fertig, und damit neigt sich auch mein Aufenthalt hier dem Ende zu. Dachte ich. Aber so wie es sich darstellt, geht es ab März dann im 3. Stock weiter. Sieht nach einem Sommer auf der dachterasse in der Provinz aus, wenn das hier mit dem Restaurieren so weiter geht.
Und im Hinterhaus warten nochmal 200irgendwas Quadratmeter.
donalphons, 00:24h
... link (22 Kommentare) ... comment
Opera Buffa nel secolo XXI
Da sass ich also gestern im Kino, bei Casanova. Mit mir eine Reihe von männlichen Teenagern, die offenkundig von ihren weiblichen Begleiterinnen dazu genötigt wurden, sich einen Film anzuschauen, der formal unfassbar weit weg von ihrer Lebensrealtiät ist. Und der, wenn man ihnwirklich verstehen will, ganz schön hohe Ansprüche an den Betrachter stellt. Der Film ist voller Anspielungen, nicht nur auf de Geschichte des Mantel-und-Degen-Films, sondern auch auf die Zeit, in der er spielt. Kurz, jemand hat sich ziemlich viel Gedanken um das gemacht, was da auf der Leinwand stattfindet.
Kino, sollt ich vielleicht erwähnen, ist ohnehin nicht "Mein" Medium. Ich mag Kino nicht besonders, ich hasse Fernsehen, und meine Lieblingsfilme sind nicht zufällig oft Schwarzweiss und jenseits von Hollywood entstanden. Es ist sehr selten, dass ich mal wirklich von einer aktuellen Produktion hingerissen bin. Diesmal - und da werden die zuerst genervt dreinschauenden Teenager wahrscheinlich zustimmen - war es anders. Wenn man die Tradition der italeinischen Opera Buffa im Film fortschreiben will, dann so. Und das Bezaubernde ist: Es funktioniert. Hätte man den Kids vorher erklärt, dass sie sich mit ihrem Lachen in eine alte europäische, kulturgeschichtliche Tradition stellen, hätten sie das Kino nicht aufgesucht. Der Film bringt die Figuren der italienischen Commedia dell´ Arte so behutsam und dennoch so konsequent auf die Leinwand, dass es für den Kenner der gleiche Genuss sein dürfte, wie für das Popcornpublikum.
Beispiele? Die Nebenrolle der Victoria, besetzt mit der ziemlich unbekannten Schauspielerin Natalie Dormer. Wann immer sie im Bild ist, verwandelt sich der Film in ein Watteau-Gemälde, so perfekt passt dieses Gesicht, diese delikate Mimik zum Thema. Oder die Schweine. Oder Omid Djalili als Diener, so und nicht anders würde man den Leporello gern in jedem Don Giovanni sehen. Oder, natürlich, Jeremy Irons als Inquisitor, als wäre er aus einem der Bilder gesprungen, die hier in der Kirche vom Ruhm der Gesellschaft Jesu künden. Überhaupt ist dieser Film irgendwie gar nicht Hollywood. Er ist, wie jede Opera Buffa, ausgesprochen kurzweilig, sehr charmant, mitunter natürlich auch derb und böse, eben genau so, wie es sein soll.
Man wünschte sich, die Opernregisseure unserer Zeit würden sich den Film anschauen und davon etwas lernen, dann wäre es ein Leichtes, den falschen Eindruck einer kulturellen Elite, der die künstleische Auseinandersetzung mit dem Ottocento umgibt, leicht durchbrechen. Denn bei allem Trennenden dürfte uns der Libertin der Aufklärung näher sein als die viktorianische Betschwester und wilhelminische Pickelhaubenträger.
Kino, sollt ich vielleicht erwähnen, ist ohnehin nicht "Mein" Medium. Ich mag Kino nicht besonders, ich hasse Fernsehen, und meine Lieblingsfilme sind nicht zufällig oft Schwarzweiss und jenseits von Hollywood entstanden. Es ist sehr selten, dass ich mal wirklich von einer aktuellen Produktion hingerissen bin. Diesmal - und da werden die zuerst genervt dreinschauenden Teenager wahrscheinlich zustimmen - war es anders. Wenn man die Tradition der italeinischen Opera Buffa im Film fortschreiben will, dann so. Und das Bezaubernde ist: Es funktioniert. Hätte man den Kids vorher erklärt, dass sie sich mit ihrem Lachen in eine alte europäische, kulturgeschichtliche Tradition stellen, hätten sie das Kino nicht aufgesucht. Der Film bringt die Figuren der italienischen Commedia dell´ Arte so behutsam und dennoch so konsequent auf die Leinwand, dass es für den Kenner der gleiche Genuss sein dürfte, wie für das Popcornpublikum.
Beispiele? Die Nebenrolle der Victoria, besetzt mit der ziemlich unbekannten Schauspielerin Natalie Dormer. Wann immer sie im Bild ist, verwandelt sich der Film in ein Watteau-Gemälde, so perfekt passt dieses Gesicht, diese delikate Mimik zum Thema. Oder die Schweine. Oder Omid Djalili als Diener, so und nicht anders würde man den Leporello gern in jedem Don Giovanni sehen. Oder, natürlich, Jeremy Irons als Inquisitor, als wäre er aus einem der Bilder gesprungen, die hier in der Kirche vom Ruhm der Gesellschaft Jesu künden. Überhaupt ist dieser Film irgendwie gar nicht Hollywood. Er ist, wie jede Opera Buffa, ausgesprochen kurzweilig, sehr charmant, mitunter natürlich auch derb und böse, eben genau so, wie es sein soll.
Man wünschte sich, die Opernregisseure unserer Zeit würden sich den Film anschauen und davon etwas lernen, dann wäre es ein Leichtes, den falschen Eindruck einer kulturellen Elite, der die künstleische Auseinandersetzung mit dem Ottocento umgibt, leicht durchbrechen. Denn bei allem Trennenden dürfte uns der Libertin der Aufklärung näher sein als die viktorianische Betschwester und wilhelminische Pickelhaubenträger.
donalphons, 16:22h
... link (13 Kommentare) ... comment
... older stories



