: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Mittwoch, 14. Juni 2006

Es gibt noch Wolken

Ein paar. Ganz leichte, schleierartig wie ein feines Nachthemd, durch das man viel erkennt.



Und plötzlich diese Farben, die irgendwie an sattes Fleisch in einem blauweissen Pyjama erinnern. Was es allerdings auf der Dachterasse nicht gibt. Bedauerlich.

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Sehr zu empfehlen - Internet ausschalten

Internet kann beim Stuckatieren wirklich stören - kaum ist man runter von der Leiter, kommt man an der Kiste vorbei und muss schauen, ob was Neues da ist.



Dabei gibt es noch so viel zu tun. Die Kamera könnte man bei der Gelegenheit auch ausmachen. Zum Beispiel.

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Real Life 11.06.06 - 30 Hektar

Am Ende des perfekten Tages meint Iris, dass sie jetzt eigentlich nicht in ein stickiges Gasthaus will. Vielleicht, sagt sie, schafft ihr es ja noch hinauf auf eine Hügelkuppe, um den Sonnenuntergang anzuschauen. Kommt ihr mit, fragt sie die D.-Schwestern, die eine in Ascot-Apricot und die andere ganz in Schwarz, weil sie im Chor gesungen hat, und sie glüht gerade noch vom Auftritt und will eigentlich dringend was Süsses, das braucht sie jetzt. Etwas Süsses, sagst du, hast du im Wagen, beim Gartenfest deiner Mutter ist heute viel übrig geblieben, man könnte also beides haben, Torte und Sonnenuntergang. Gero und Sylvia sagen spontan zu, weil es einfach zu schön ist, um jetzt irgendwo rein zu gehen. Ihr geht zu den Autos, trefft euch unten am Dorfplatz, die Strecke zieht sich kurvenreich durch das schon dunkle Tal und zwei verschlafene Dörfer, bis sie in zwei scharfen Serpentinen auf die Jurahöhe führt.

Hinter der Kuppe fährst du auf einen Feldweg, die anderen halten hinter dir. Du steigst aus, öffnest den Kofferraum, holst die Decke und den Kuchen, der eigentlich für 12 reichen könnte. Die D.-Schwestern, Gero und Sylvia stehen etwas unschlüssig vor der Auswahl, und um die Befangenheit zu nehmen, erzählst Du von dieser grossartigen nacht in Berlin, 3 Uhr war es und schneidend kalt, als ihr zu viert am Heck dieses Wagens gestanden seid und die Kuchenreste verteilt habt, und weil es zu viel war, um das alles aufgetürmt zu schleppen - drei Stücke übereinander gehen noch, vier sind zu viel - habt ihr sie gleich dort gegessen, die Strasse lag wie ausgestorben da, und erst langsam stellte sich bei den Marzipanrollen heraus, wer mit wem diese Nacht wo verbringen würde. So war das, in kalten, finsteren Berlin, also greift zu, Freunde, es geht auch ohne Teller und Gabeln.



Sylvia hat auch noch eine Decke im Auto, und Viola, die jüngere der D.-Schwestern, erweist sich als echte Chorsängerin, als sie aus den Untiefen des Wagens eine Flasche Sekt zaubert. Da sitzt ihr dann, am Rande des Feldwegs und der gesellschaftlichen Verpflichtungen, eine Hand hält den Kuchen und die andere ist drunter, damit es keine allzu grosse Sauerei gibt, Champagnercreme ist da übrigens besser, da kompakter als gedeckte Apfeltorte. Hanna, die ältere der D.-Schwestern, überlegt sich, ob sie nicht vielleicht eine Bar aufmachen soll, in der Altstadt, und eigentlich fehlt da wirklich was, ein Ort, der nicht so pseudomodernistisch gemütlich ist, sondern einfach einen gewissen Anspruch hat.

Dann knirschen Reifen auf dem Feldweg, ein schwerer Geländewagen hält an, es ist der Onkels der D.´s, der ihren Wagen erkannt hat. Er steigt aus, ist ein wenig unschlüssig, ob er sich zu uns setzen soll, so steif, grau und mit roter Krawatte, wie er ist, aber als du ihn bittest, nimmt er auch ein Stück Torte, setzt sich, und beginnt zu erzählen.

Von dem Wald da unten, der ihm gehört. Vier Quadratkilometer. Das war übrigens damals die Jagd von deinem Grosswater, erzählt er, da hinten, Richtung Stadt, da haben sie in seiner Jugend oft zusammen geschossen im Morgengrauen, das war ein feiner Mann und ein guter Schütze. Die D.-Schwestern, leicht anämische Blondinen und durch das Blut hineingeheirateter Franken verseucht, essen kein Fleisch und schauen etwas betreten, als ihr Onkel die Abstinenz der heutigen Jugend von solchen Vergnügungen bedauert, es sei so schön im Hochstand, wenn der Dunst noch auf den Wiesen liegt, allein mit ein paar Freunden und den Hunden, er versteht nicht, wieso wir das heute nicht mehr machen, und gerade du, der du so deinem Opa nachkommst, ein echter Porcamadonna, das wäre doch was für dich, dein Opa liebte die Waffen und das Wildfleisch.

Du sagst wenig, und er redet wieder über den Wald, und dass viele gar nicht wissen, was das bedeutet. Die Rendite ist niedrig, die Arbeit ist hart, man braucht starke Traktoren mit guten Bügeln da drinnen, aber da stehen buchstäblich Millionen, es ist der Kern der Sicherheit, dieser dunkelgrüne Teppich, der im Gegenlicht tiefschwarz wird, bis auf die golden schimmernden Spitzen. Und wenn Viola und Hanna mal heiraten, wird er jeder 30 Hektar mitgeben, so gehört sich das, man darf nicht vergessen, wo man herkommt, man braucht etwas, das einen an das Land erinnert, und natürlich eine Sicherheit, denn nach dem Krieg war das Land die einzige Sicherheit, und wer Verwandte hatte, der musste damals nicht leiden. 1945, 46, da waren die Wälder voller Wild, das kann man sich heute nicht mehr vorstellen, aber das war einer der Gründe, warum es bei ihnen und auch bei uns immer etwas Fleischigs auf den Tisch gab, in der schlechten Zeit.

30 hektar Wald, ist das gut? fragt er, die D.-Schwestern lächeln ein wenig einfältig, aber die Frage hat er an dich gerichtet, und du sagst, ja, es ist gut, das ist etwas, das einem keiner nehmen kann und das immer bleiben wird, und du glaubst auch daran, denn wer sollte es nicht glauben, wenn der Wald auf der Hügelkuppe im letzten Licht funkelt wie eine dünne Brilliantkette. Du gefällst ihm, sagt er, du bist wie dein Grossvater, du wirst einmal ein feiner Mann. Und er schaut seine Nichten auf eine Art an, die dir nicht wirklich gefällt, und einen Moment wünscht du dich zurück nach Berlin, in die kalte Winternacht und den Moment, als jemand drei Nougatrollen aufeinander stapelt und dieses fragile Gleichgewicht mit grosser Könnerschaft nach Hause trägt, um dieselben dann im Bett zu essen, denn alles Gold dieser warmen, unfassbar schönen Welt, in der alles stimmt und jeder seine Geschichte und seinen Platz hat und auch noch in Jahrzehnten haben wird, wenn dann die alt gewordenen Enkel erzählen werden, wie man hier Ehen einfädelt und Dynastien verknüpft, all der Reichtum und die Offenheit der Menschen ist erkauft durch Unabänderliches, und der kleine, zaudernde Moment, bevor Viola sich überwand, den Kuchen zu undamenhaft mit der Hand zu nehmen, ist das Spiegelbild deines eigenen Zögerns, dich auf diese Welt einzulassen - so hübsch ihre spitze, arrogante Nase ist und so golden ihre Stimme klingt, wenn sie Rossini singt, so ist doch eine undurchdringliche Glasplatte zwischen euch, und dem Wald wird es egal sein, denn er denkt nicht in den kurzen Zeiten unseres Lebens, er kennt keine Begierden und Einsamkeit und auch keinen Besitzer, er ist einfach da und wird noch da sein, wenn wir und unsere Wägen und selbst unsere Häuser längst zerfallen sind.

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Dienstag, 13. Juni 2006

Sommer 360°

Der Arbeitsplatz



Die Aussicht



Da, wo die Kamera ist, ist auch das Notebook. Ich hoffe, es wird nicht langweilig.

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Grüne Fensterläden

am besten in einem dunklen Moosgrün, vielleicht aber auch in zartem Nilgrün der 20er Jahre, verschlossen und in sich gekehrt wegen der Hitze des Tages



sind das passende Exterieur für diese wirklich famose Geschichte von Madame Modeste.

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Sommer in der kleinen Stadt

Wer kommt dran?
Bitte, der Herr war zuerst da.
Die Frau hinter der Theke sucht geduldig nach einem passenden Rohling für sein Schloss, fragt dann, ob ich vielleicht noch ein paar Minuten Zeit habe, dann würde sie es schnell machen, und verschwindet nach hinten. Wir reden ein wenig über das Wetter, was für ein schöner, braver Hund das ist, der da so regunglos rumliegt und fast schläft, nur manchmal geht ein Auge auf und linst uns an.



Wir reden über all das und über die Neigung, pfenniggute Dinge wegzuwerfen, statt sie vom Handwerker richten zu lassen, und neues Glump zu kaufen. Wenn ihre 5,99-Euro-Schlösser dann brechen, kommt auch kein chinesischer Schleifer, den den Schlüssel aus billigem Blech gemacht hat, für 13 Dollar Monatslohn, und bohrt ihnen die Tür auf, dann erst rufen sie den Spezialisten. Der auch lieber einmal ein ordentliches Schloss verkaufen würde, als in der Nacht einen Noteinsatz zu machen.

Sie kommt wieder, probiert es, na, ein wenig hakt es noch, Moment, er erzählt, dass er was vom Stahl versteht, er war Meister bei der grossen Firma, seine Hände sind gross und kräftig, und einen Moment frage ich mich, was er damit wohl tun würde, wenn ihm jemand mit der globalisieten Web2.0-Gesellschaft käme. Er bekommt seinen Schlüssel, reicht mir die Hand, und zwar richtig, und geht dann hinaus in die gleissende Sonne. Die Frau sucht meinen Schlüssel heraus, auf den sie drei Millimeter aufgeschweisst haben, und meint, sie hätte leider vergessen, mich anzurufen. Egal, sage ich, sie hätte mich nicht erreicht, mein Handy ist seit einer Woche ohne Strom, ich finde das Ladegerät nicht, und ich wohne gleich um die Ecke. Wenn der Schlüssel nicht passt, soll ich nochmal kommen, sie schleift ihn dann nach.

Natürlich passt der Schlüssel. Und gestern habe ich einen Moment darüber nachgedacht, mein DSL zu kündigen. Ich werde alt.

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Haifischsorgen

Hi.
Hi.
Was machst Du grade?
Ich sitze draussen und schaue der Sonne beim Untergehen zu.



Untergehen ist ein prima Stichwort. Kannst Du mir eine Rechnung schicken?
Was?
Eine Rechnung für Deine Leistungen.
Meinst Du das Ernst?
Ja, für 04 und 05, alles zusammen.
Puh, das war, was war das nochmal, das, jenes, da muss ich mal nachschauen, da kommt aber was zusammen.
Jaja, mach einfach und die Recherche wegen dem D. kommt auch noch dazu, und bitte ganz.
Was ist los? Habt Ihr Marzahn an die Saudis verkauft? Oder Eure Buchprüfer einbetoniert, dass ihr jetzt zahlen wollt?
Ich will nicht zahlen, ich will nur die Rechnung, und zwar morgen, unbedingt. Die Steuerschätzung ist da, und wenn ich die akzeptiere, gehen sie gleich nochmal nach oben, also mache ich die Steuer lieber gleich, auch wegen der Verzugszinsen.
Aha. Und wann soll ich Dir die Mahnung schicken?
Wenn nachher noch was übrig ist. Frühestens. Ich muss gleich mal eintreiben, was geht. Ach so, kannst Du mir vielleicht auch noch 100 Euro mitschicken? Ich muss unbedingt tanken.
Wie wäre es mit radeln?
Mit dem Rad kann ich nicht zum Eintreiben.
60 Tanken, 40 Essen, 0 Fluppen, verstanden.
Jaja, schon gut. Tschüss.

Die Sonne ist weg. Und manchmal wüsste ich gern, ob es auch andere Kollegen gibt.

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Montag, 12. Juni 2006

Sehr zu empfehlen - ein Barockschloss

Wenn bei einem normalen Haus das Türschluss fehlt, geht man in den Baumarkt und kauft ein Neues. Oder ruft den Schlosser an, damit der das einbaut. In der Regel ist das nicht weiter schwer, die Schlösser, Blenden und Griffe sind normiert und sollten eigentlich passen.

Bei einem alten Haus mit alten Türen sieht die Sache anders aus. Der Modernisierungswut nach 1890 sind in unserem Haus gerade mal 15 Türen zum Opfer gefallen, die anderen sind noch original, und auch manche "neue" Tür steht heute schon wieder unter Denkmalschutz. Da ist zum Beispiel eine Durchreichtür von 1890, deren oberes Teil ein aufklappbares Fenster ist. Sehr praktisch, wenn die - meist verschwitzte, stundenlang arbeitende - Köchin aus ihrem dampfenden, mit Feuer beheizten Reich etwas an die Hausdiener zum Servieren übergab. Heute ist das natürlich funktionslos, aber "damals", in der sog. guten alten Zeit, die man sich in ihren schauderhaften Details noch nicht mal als Nachfahre der Begünstigten vorstellen mag, waren solche Veränderungen die Regel.

Wenn diese Tür also noch als Zeugnis einer wenig ruhmvollen Geschichte durchgehen kann, gibt es mitunter echte Verbrechen. Eines dieser Verbrechen geschah gegen 1966, als ein Mieter eine alte Tür als zu schäbig befand und sie auf eigene Kosten gegen eine moderne, glatte Tür ersetzen liess. Und das, ohne überhaupt zu fragen. Mit der Folge, dass dieses Türblatt einfach auf einen Türstock der Zeit von 1846/7 aufgeschraubt wurde. Die handgeschmiedeten Angeln wurden damals rausgerissen, wie auch der Gegenhalter für das Türschloss, und weil der ausführende Schlosser grade dabei war, montierte er auch das Schloss und die Griffe ab. Die alte Tür landete dann im Hof, wodurch meine Grossmutter auf das Verbrechen aufmerksam wurde. Meine Grossmutter war eine sehr sanfte, sehr kinderliebe Frau mit einem grossen Herzen, und diesem grossen Herzen versetzte der Umgang mit der Tür einen Stich. Die Folgen waren so gravierend, dass jeder Mieterschutzanwalt Grund zu einem Dutzend Klagen hätte. Wenn er so dumm gewesen wäre, sich mit einem Clan anzulegen, deren Oberhäupter vor dem Krieg und bis in die 60er Jahre beim Sonntagsausflug im schönen Altmühltal leidenschaftlich gerne Viecher abknallten und in deren Wohnung die Schiessprügel und Geweihe rumhingen wie andernorts heute Ikeakunstdrucke. Ja, es dauerte eine Weile, bis das Recht des Hirschfängers in Bayern abgelöst wurde.

Wie auch immer, der Schaden war da, die Metallteile waren verschwunden, und so blieb meiner Grossmutter nur, den Mieter mit der 12er Schrotflinte zur Strecke zu die Tür in den Speicher zu tragen und auf den Tag zu warten, an dem man so eine Tür wieder braucht. 40 Jahre später ist die "neue" Tür immer noch hässlich und unpassend. Und kaputt. Das heisst, kaputt ging sie erst, als meine Frau Mama sie für nicht hässlich genug fand, um sie auszutauschen. Sowas passiert manchmal. Jedenfalls geht jetzt die alte Tür aus dem Speicher, frisch geschliffen und bald auch bemalt, wieder hinunter. Und das neue Glump, das nicht mal fünf Hammerschläge auf die Angeln aushält, fliegt raus.

Letzte Woche kam dann der Kostenvoranschlag für das benötigte Material: ein handgeschmiedeter Gegenhalter kosten - bitte festhalten - 120 Euro, und ein nachgebautes Schloss nach eher schlichtem Originalvorbild - bitte hinsetzen - 600 Euro. Und wir reden hier nicht von einem massiven Bronzegehäuse mit verziertem Innenleben, sondern nur über ein nach alter Art hergestelltes Eisenschloss mit Riegel. Ohne Handriegel, der würde noch mal 110 Euro kosten. Das sind dann doch Kosten, bei denen man versucht ist, sich wieder an die neue Tür zu gewöhnen - wer weiss denn, ob Mieter sowas nicht ohnehin schöner finden. Es ist normal, dass das Restaurieren einer Tür des 18. Jahrhunderts mehr kostet als ein Tür aus dem Baumarkt, das lohnt sich aber, weil eine gute Tür ohne jeden Nagel, nur aus Holz locker 600, 700 Jahre halten kann und sich nach den ersten 40 Jahren kaum mehr verzieht, aber 830 Euro für ein einziges Schloss - das sind so die Momente, wo man nachdenkt, ob der damalige Verbrecher noch einer irdischen Lynchgerechtigkeit zuzuführen ist. Ist er aber nicht mehr. Gestern nun zeigte sich, dass das Graben in alten Trödlerkisten mitunter sinnvoller sein kann als das Graben im Westfriedhof, um wenigstens nochmal die Knochen zu schänden:





Baujahr geschätzt zwischen 1700 und 1800, damals hatte man diese schrägen Flanken an den Schlössern. Der Korpus ist ein Stück gegossene, massive Bronze, geschliffen und poliert, die Schauben (bitte keine Hakenkreuzvergleiche) sind kleine Meisterwerke, und jedes Gelenk, jede Feder und jeder Riegel läuft, als ob es frisch aus der Schlosserei käme. Billig ist so ein Schloss auch auf dem Trödelmarkt nicht, aber es lohnt sich. Und es passt an die Tür. Denn schon damals (tm) einigte man sich unter Handwerker auf bestimmte Masse.

Man könnte es natürlich jetzt noch putzen und polieren. Aber wozu, ich mag diese Patina der Jahrhunderte, die man so nie künstlich erschaffen kann. Es wird sowieso zu viel perfekt gemacht, überlackiert und auf neu getrimmt. Man erfindet sich einen blitzenden Originalzustand, den es mutmasslich nie gegeben hat. Das einzige Problem: Es ist irgendwie schade, dieses Innenleben einfach so an eine Tür zu schrauben. Wo es hoffentlich noch lange verborgen bleibt und kein Idiot die nächsten paar hundert Jahre auf die Idee kommt, an die Stelle etwas Neues zu setzen.

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Technische Probleme

Liebe Leser, mein wirklich vorzüglicher Blogprovider blogger.de hat momentan ein paar kleine technische Probleme, weshalb es zu Aussetzern oder Fehlermeldungen kommen kann. Passiert ab und zu mal, aber es wird sicher bald wieder. Danke für die Nachsicht.

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Sonntag, 11. Juni 2006

Ein perfekter Tag im Juni

oder warum ich heute diesen Anblick nicht haben werde - feiwillig:



Bis 11.50 Uhr: Frühstücken und Lesen, Eugen Sue, die Geheimnisse von Paris. Ein leider völlig unterschätztes Buch, dessen Entstehung damals so revolutionär war wie bloggen. Gut, es wartet mit schlecht versteckten Klischees auf und bedient mitunter niedrige Instinkte, aber das stört doch keinen.

11.50 Uhr: Transfer in die Asamkirche Maria de Victoria. Ich weiss nicht, ob es wirklich die schönste aller Asamkirchen ist, aber sollte ich jemals Besitzer des dekadentesten Freudenhauses der Welt werden, dann würde ich dafür diese Kirche Stein um Stein nachbauen lassen. Das einzig fiese in dieser Kirche sind die originalen Bänke zum Foltern von Jesuiten: Die mussten jede frühe Nacht hierher zum Beten, und damit sie nicht einschlafen, gibt es am Rücken eine harte, vorstehende Kante. Erfahrene Matinesbesucherinnen nehmen sich deshalb ein kleines, prall gefülltes Kissen für den Rücken mit und sehen aus wie eine abgetakelten Version japanischer Hofdamen. Die sich die Asams als wunderbar üppige Prinzessinnen mit verzücktem Gesicht vorstellten:



Aber diesmal bleibt zum Bewundern der Decke nicht viel Zeit, denn das Programm ist - absolut vollendet. Ich weiss, manche werden die Nase rümpfen, aber hier stehe ich und sage: Wer die meisterschaft nicht anerkennen will von Telemann und Vivaldi, wer mir statt dessen kommen will mit Bachfron und Lullyausgezehr, der gehe mir weg, oder wähle die Waffen. Zur Aufführung bringt das Asamcollegium heute Vivaldis Concerto G-Dur für Violine, Streicher und Basso continuo RV 310 und das Concerto a-Moll für Violoncello, Streicher und Basso continuo RV 422, sowie das bei Kennern und Nichtentsagern beliebte Konzert G-Dur für Viola, Streicher und Basso continuo Tmv 51/G9. Basso, das erinnert schon an den Abend, aber diese Stunde, nun, die allein öffnet die Seelen.

13.oo Uhr und die Mägen. Auf geht´s zur Kuchen- und Tortenschlacht! Hinunter im Pulk der hiesigen Spiesser, neues erfahren über die kleinen Skandale der Stadt, zur schmutzigen Donau, an deren Rand der Konditor Erhardt mit dem Tortenschleppen nicht mehr nachkommt. Havannatorte vielleicht, eine Sacher oder die Champagnercreme, hier nur genannt "die Bombe"? Man wird sehen. Update: Traubencremetorte. Mit gepunktetem Marzipanrand. Traubendiät einmal anders:



13.30 Uhr: Heimkehr, Kuchen und Tee auf der Dachterasse.

16.00 Uhr: Umziehen und Duschen. Schwarz wie die Nacht, denn es geht zum Gratulieren.

16.30 Uhr: Roadster anlassen, Verdeck runterklappen, über die traumhaften Hügel des Altmühltales nach Sandersdorf.



Dort residiert das Geschlecht de Bassus, und dessen weibliches Oberhaupt Margarete Baronin de Bassus, begeht ihren Geburtstag auf eine sehr bayerisch-barocke Art: Mit einem Open-Air-Konzert auf Schloss Sandersdorf bei freiem Eintritt für alle. Gespielt werden, ach, die Haffnersymphonie und die Linzer Symphonie, sowie Ausschnitte aus Opern von Simon Mayr, der hier in Sandersdorf zu Beginn seiner Karriere wirkte.



19.00 Uhr: Der Taktstock hebt sich, und gleich wird das erste Motiv der Haffnersymphonie KV 385 die warme Abendluft des bayerischen Abendhimmels erfüllen...

Übrigens, die Baronin de Bassus hat, wie es sich gehört, natürlich auch ein Schlossrestaurant und eine Schlossbrauerei. Ich denke, es wird lange dauern, bis ich dann unter dem Sternenhimmel durch finstere Wälder zurückgleite ins Donautal.



Es soll angeblich Leute geben, die heute in Berlin und Anderswo Fussball schauen - oh je.

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Samstag, 10. Juni 2006

Succer

Nur falls hier irgendein Leser - oder Leserin - glauben sollte, dass sich der Mensch zum Besseren entwickelt, Startup-Unternehmer vielleicht nicht gierig dem erstbesten menschenrechtsverletzenden Sponsor auf den Leim gehen und ihre Nutzer mit rechtswidrigen AGBs verraten wie vor sechs Jahren noch ihre Mitarbeiter, oder die kommende Managerelite, die Ethik verpflichtend belegen muss, ein besseres, nicht mehr ganz so klassisches Arschlochmenschenbild hat, von wegen, ich will fressen und Glotzen und wenn die Alte schon da ist, dann soll sie mal das Essen ranschaffen und in der Firma läuft das genauso --- falls einer meiner geschätzten Leser das also glauben sollte, möchte ich ihn bitten, sich dieses wahrlich nicht hübsche, aber mit eben jener Elite gefüllte, unscharfe, da eigentlich auf das Netz abzielende Bild anzuschauen, das seine Hässlichkeit nicht nur optisch in meinem Hinterhof, sondern leider auch über den Gerüch im ganzen Haus mitteilt.



Man beachte neben der Frauenrolle auch die Körper-, Bein- und Armhaltung, die eine Tieferlegung des unpraktischen oberen Fressloches zum Stopfen mit nur wenig geschnittenem Fleisch über dem Kartonteller erlaubt. Gigantisches Potential für spätere Benimmkurse. Mitunter scheint es mir, solche Unis werden nur noch mit Kindern von Neureichen bestückt. Richtig, freiwillig uniformiert sind die auch noch. Mit URL hintendrauf. Und nachdem ich manche von denen vorher aus einem Billigsupermarkt habe kommen sehen, hoffe ich inständig, dass die bayerischen Lebensmittelkontrollen diesmal genauso schlecht gearbeitet haben, wie zu Zeiten von BSE und es in 40 jahren keine allzu langen Rentenansprüche gibt. Wenn überhaupt. Dann noch guten Apetit und bitte das Fleisch schön lang auf dem Grill lassen. Das können sie, das riecht man, und ausserdem schmeckt man dann die Chemie nicht so raus, die das Zeug rosig macht wie den Traum, dass sich nachher noch wer fürs Horizontale findet.

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Samstag, 10. Juni 2006

Kollaps

Die Sonne hat die Schnauze voll, sie hat genug gesehen von den blöden Kläffern, vielleicht, denkt sie sich, kommt aus den Wolken genug Regen, um das Pack fortzuwaschen, sie jedenfalls mag nicht mehr und geht ganz schnell unter.



Und für alle, die von Arbeit gezwungen ohne Rast in die traumlose Nacht treiben, zwischen Fragmenten, Sehnsüchten und Verzweiflung, hier als Abwechslung und schwarze Inspiration Worte eines Mannes, den als Staatslenker man sich in dieser drögen Republik wünschen würde. Auch wenn seine Botschaft Unsägliches zum Essen serviert.

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And this is the Autobahn!

sagte mein Bekannter aus Kalifornien damals, als er 1992 zum ersten Mal in Deutschland war, auf dem Weg vom Flughafen zu uns. Dabei waren wir noch nicht mal auf der A9, der berüchtigten Rennstrecke, sondern auf dem Autobahnring, der einem den Weg durch München erspart. Kalifornien hatte damals zumindest noch die zivilisiertesten Autofahrer der Welt, als ich Ende der 80er über die SF Bay Bridge fuhr, war ich fassungslos, wie alle stoisch, ohne Drängeln und mit Sicherheitsabstand korrekt im Konvio fuhren.

Für ihn war es Krieg, ein funny war, was auf der Strasse lief, und er hatte sich fest vorgenommen, hier zumindest einmal mitzukämpfen. Er übte ein paar mal mit meinem Auto, bis er die Gangschaltung beherrschte, und nach drei Wochen mietete ich für ihn ein mässig schnelles Auto, eine lahme 280er S-Klasse und log ihn an, dass die eine irrsinnig schnelle, hochgezüchtete Karre sei. Wir warteten bis spät in die Nacht, damit auch alles schön frei war, und dann ging es nach München, zurück bis nach Nürnberg, und dann wieder nach Süden. Bei 170 wurde ihm schon ein wenig mumlig, immerhin war es doppelt so schnell, als er jemals gefahren war. Trotzdem hatte er seinen Spass, ein einmaliges Erlebnis, fast Vollgas mit einem grossen German Nazi-Merzedes über die vollkommen leere Autobahn zu brausen. Vermutlich glänzen seine Augen heute noch, wenn er davon erzählt, wie das war, damals.

Bei meinen Eltern draussen brummt es heute ab und zu auf der Strasse. Immobilienmakler, Chefärzte, Mittelständler und Manager öffnen die Dreifachgaragen und holen die Dinger raus, die meistens nur rumstehen: GT3, RS6, AMG, vorhin kam auch der Murcielago vom Bauunternehmer vorbei. Endlich ist sie frei, die A9, endlich können sie mal, jetzt sind die lahmen BMWs der Kickerdödel nicht mehr im Weg. Echter Sport mit echtem Einsatz. Und ihre Augen werden glänzen. Jedem das seine.

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Glaubwürdigkeit für Anfänger

1. Lüge nicht.

2. Lüge nicht, wenn der andere es wissen könnte.

3. Lüge nicht, wenn der andere gemeinhin gut informiert ist.

4. Lüge nicht, wenn der andere auch noch ein Blog betreibt, Technorati kennt und vergleichen kann.

5. Lüge besonders nicht für eine Firma wie Coca Cola.

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Sehr zu empfehlen - Keine Deckenfluter

Es gibt Räume - besonders moderne, kantige und verschachtelte Räume - die Deckenfluter vertragen. In Berlin hatte ich einen, der gar nicht schlecht war und aus einer insolventen Galerie in Mitte kam. Also kein Möbelmarktteil, sondern einen sehr eleganten Fluter mit schwerem Fuss aus Cararamarmor einer Firma, die keine Billiglinien hat. Es war eine Katastrophe, das Licht hat einfach nicht gepasst: Zu hoch oben, zu hart, zu wenig akzentuiert. Ein Lichtbrei, der an der Decke klebt und nach unten wabert. Das mag im Büro passen, wo man auf den Monitor starrt und keine Reflexe haben will, aber das ist am Abend, zumindest bei mir, eher selten.

Der Deckenfluter also hat jetzt ein anderes, besseres Zuhause gefunden, und hier geht es zurück zu den Zeiten, bevor der Deckenfluter die Wagenradlampe an der Decke ersetzte. Das ist übrigens auch noch so ein Phänomen: Offensichtlich kommt der Deckenfluter nicht nur einem bestimmten, durch einen Monitor oder eine Glotze definierten Lichtbedarf entgegen, sondern auch der Unlust vieler, sich eine normale Deckenlampe zu beschaffen. Hier jedenfalls ist das anders.



Ein paar Lampen fehlen mir noch, aber ich denke, am Ende wird es in der gesamten Wohnung eine mittelhohe, gedämpfte Lichtebene geben: Für den Übergang von Tag zu Nacht und den Übergang von der Nacht zum Bett oder Morgengrauen, was in meinem Fall ohnehin meist das gleiche ist.

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Donnerstag, 8. Juni 2006

here we go.

Vielleicht verliere ich gerade wieder ein, zwei, drei, viele Bekannte. Wenn, dann bin ich verdammt froh, so viel Leben jenseits des Netzes zu haben, wo keiner weiss, wer und was ich im Netz bin. Eine Welt, die sich, mehr als manche Blogs, in den letzten Jahrzehnten ganz gut dem Vermarktungswahn entzogen hat. Aber das heisst nicht, dass ich einfach zuschaue.

Bisher war alles nur Geplänkel. Hier kommt die erste Offensive des Generalangriffs auf Coca Cola.

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Aufrechtes Bloggen für Geld.

Es ist nicht viel Geld, aber immerhin, und es erscheint mir als fairer Deal. Die Details gibt es an der Blogbar.

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Flirting with Desaster

1. If you want to travel a new road to success, don´t leave any evedience of previous failure behind you. You must not forget any piece of code.

To be continued.

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Donnerstag, 8. Juni 2006

Ausbrennen

Da ist diese Hitze, aber ich habe das Asbest eingeworfen. Es passt nicht hinein, da ist zu wenig Platz um mein Hirn und es bleiben Fehlstellen, die ich mit weissen Kringeln zuklebe, Thommy nenne ich sie, die Tommies haben schon immer geholfen, sie haben uns 45 gerettet und jetzt helfen sie wieder, oder auch nicht, vielleicht waren es schon zu viele. Man sieht es mir an, meine Augen sind stumpf grau, ich erkenne die goldenen Flecken nicht mehr, aber ich trage sie ja in mir drinnen, sie lassen sich etwas abhalten, bis irgendwann das Asbest durchglüht, dann schütte ich Neues nach und versiegle es mit der heissen, roten Flüssigkeit, die auch etwas löscht. Wie fauliges Öl steht der Rest in der Tasse, es ist nichts mehr da, ich brauche mehr, aber wenn ich mich bewege, verrutscht das Asbest im Kopf, und es brennt wieder. Während das Wasser sprudelt, gehe ich hinaus und schaue mir den atomar verseuchten Himmel an, die Sonne brennt ein Loch in die Kirche der immer für unbesiegbar gehaltenen Frau,



aber bitte, es geht doch, säg dich hinein in die Eingeweide, durch Stuck und Tünche, bohr die Gemäuer in den Grund und lass mich drunterliegen, damit ich ausglühen kann im Schutt, denn nichts ist ewig, nur das Feuer, das mich verzehrt auf meinem Weg in die dunkle, einsame Nacht meines Fieberbettes, wo ich, verraten und verkauft vor mich hindämmere, glühend, bis der Schlaf das Brennen zur Agonie werden lässt und ich mich ein paar Stunden ohne Luft unter all dem Gold und Silber wälzen werde, bis der fahlblaue Morgen den zweiten Tag der Schmerzen verheisst.

Ich habe Sommergrippe. Und das ohne Sommer.

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Neoliberal vs. Altnazi in Aktion

Was in Deutschland allenfalls gerade in Blogkreisen hämisches Lachen nach sich zieht, wird in Österreich auf anderer Stufe ausgetragen: Da versucht die braune FPÖ, der neoliberal agierenden Ex-Vorsitzenden die 600.000 Euro teuren Cobrazähne zu ziehen. Ein hübsches Beispiel für das Gebahren angeblich freimarktlicher Vordenker.

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Sehr zu empfehlen: Trübe Funzeln

Was ist der Unterschied zwischen einem schwach glimmenden Hirn eines Neoconnards und einer Lampe, die die nicht richtig leuchtet?



Die Lampe kann man aufmachen und neu verdrahten. Und es lohnt sich. Spass beiseite, als ich sie gekauft hatte, sah sie ganz ordentlich aus. Bei Messinglüstern liegen die Drähte geschützt im Inneren, was eigentlich für eine längere Haltbarkeit sorgt. Und eigentlich ging sie zuerst auch. Bis ich dann nach auf die Leiter kletterte und nach dem ersten wenig erfreulichen Test beim Abschrauben ein Stück Idolierung wegbröselte. Egal, das Kabel war ohnehin zu lang, also ein Stück abgeschnitten - und wieder das gleiche Spiel. Gelbe, braune und schwarze Isolierung zerfielen schon bei der ersten Berührung in Krümel. Irgendwann war das Kabel dann zu kurz, und es bleibt nur eines: Aufmachen und eine neue Leitung ziehen. Dachte ich. Im Inneren zeigte sich dann, dass auch alle Kabel zu den Kerzen weggebröselt waren, die Drähte nur noch von der Stoffummantelung gehalten wurden, und das blanke Metall auf dem Messing auflag. Die neue Verkabelung sollte die nächsten 70, 100 Jahre halten. Vermutlich länger als aktuelle Neoconnards. Die ohnehin schon mitunter nach schimmligem Hecht riechen.

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