: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Donnerstag, 20. Juli 2006

Hitzebeitrag.



Das gescholzene Herz des Landes.

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Das mögliche Ende aller Konflikte,

der Blogweltfrieden und das Goldene Zeitalter des Probloggens, das alles findet sich - vielleicht - in diesem Vorschlag zur Vergütung.

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Mittwoch, 19. Juli 2006

Unberechenbar oder Essen mit Haifischen

Haifisch 1: (reisst die letzte Bruschetta an sich) Wo bleibt der nur...
Haifisch 2: 30 Minuten. So ein Arschloch. Der glaubt, warten macht Spass.
Haifisch 3: Wahrscheinlich redet er sich raus und behauptet, wir hätten die falsche Zeit notiert, und lässt uns dann auf den Honoraren sitzen.
Haifisch 1: Und aufn Schpeschn. Isch hasche schollche Gondschoft.
Haifisch 3: Ich ruf den jetzt an, verdammt. Ja? hallo, hier Haifisch & Kiemenbrecher, wir sind schon da und... aha ... hm.. ok.
Haifisch 2: Und, was ist.
Haifisch 3: Nett! Wirklich. Er hängt noch beim Empfang in der Kanzlei fest und will es morgen machen, wir sollen ihm einfach die Rechnung schicken und die Quittung vom Essen.
Haifisch 2: (rufend) Wir hätten gern mal die Weinkarte!
Haifisch 1: Ham die hier auch was mit Trüffel?

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Gerechtigkeit

Lisa macht die Lyssa oder umgekehrt. Mit Stoiberautogramm-Verlosung! Wird sie Chefredaktesse des Münchner-Merkur-Projekts Schwarz50+x? Es geht immer noch ein wenig schlimmer. Langsam verstehe ich, warum es so wenig Interviews in den Blogs gab. Das war gar nicht so schlecht, damals.

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Ihr schon wieder

Manchmal braucht man unbedingt ein paar Daten, die auf einem anderen Notebook sind. Das woanders ist. Zum Glück gibt es irgendwo unter den 12,492 CDs eine, wo sie auch drauf sind. Die Hülle hat man schnell, blöderweise fehlt die CD, und beim Stöbern fällt einem dann eine Visitenkarte entgegen:

Prof. Dr. Georg Irgendwas
Big Mobile Company Director Research & Development

Der Anlass, zu dem ich diese Karte bekam, war eher durchwachsen: Ausloten der Möglichkeiten, mit dieser Firma was zwischen WLAN und GPRS zu machen. Gerade waren die ersten Geräte aufgekommen, die sowas mit wahnsinnig teuren Zusatzelementen konnten. Immerhin, es war Munich Area, es gab eine Idee und schon ein paar erste nette Geschichten in den Medien, warum sollte man das Ding nicht reiten. Wir bekamen schnell einen Termin, und fuhren dann an einem bitterkalten Abend durch die noch nicht ganz zerstörte Area in einen Forschungskomplex, der in etwa so war, wie man sich das 2000 vorgestellt hat: Flexible Arbeitsplätze, keine Privatsphären, offen für alle und jeder nur einen Container, und überall frisches Obst.

Da sassen wir dann auf Eames Chairs und erklärten dem Mann, wie die Idee aussah. Grob gesagt, ging es um verbesserte Nutzung des Rückkanals durch spielerisch-kulturelle Anreize. Nichts, was einen IPO erzwungen hätte, aber eine nette Geschichte, was anderes als der übliche MailChatlocationbased Schwachsinn, der damals gehyped wurde. Eine eher kleine Aktion, mit der man einem speziellen Publikum hätte zeigen können, was so geht. Offen, keine Verpflichtung, einen Provider gab es schon und auch die Inhalte.

Er hörte uns an, war durchaus freundlich und das war´s. Nie mehr was gehört. Man fragt sich dann nicht gross, warum und wieso, man macht es eben anders, und das war auch nicht schlecht. Ganz im Gegenteil, und das kurze Ende der langen Geschichte ist, dass aufgrund dieser gescheiterten New Economy Idee eine wuderbare Frau in München jetzt Pralinen aus der Provinz isst. Kurz, ich bin gut gefahren.

Den Director gibt es heute so nicht mehr. Die Big Mobile Company denkt global und tötet lokal, das Gebäude vor der Stadt ist zu vermieten und die dort Arbeitenden werden wohl kaum mehr das Geld haben, sich solch schönes Obst auf dem Viktualienmarkt zu kaufen. Wir kamen in einen Komplex, der tot war, ohne es zu wissen. Aber zwei Jahre später habe ich den Director, dann in anderer Funktion nochmal getroffen. Und gefragt, warum das nicht ging, damals.

Die Antwort war sehr ehrlich. Mobile Companies interessieren sich nicht für echte Interaktion. Was Mobile Companies interessiert, ist Leistung in die eine und Geld in die andere Richtung. Was dazu beiträgt, ist gut, was nicht, ist schlecht. Diese Firmen glauben, dass der Mensch always on sein muss und dieses always on ihr Schlüssel zu Macht, Reichtum und Einfluss ist. Computer sind denen scheissegal, Computernutzer sind eine irrelevante Minderheit. Die will man gar nicht haben. Desto schlechtere Schriftinterfaces, desto besser, viel Bildschirm bitte und wenig Texteingabe, Konsumieren statt interagieren, und am liebsten hätten sie den einen Lokalisierungsfinanzierungs-Button, die ihnen zu jeder Sekunde Zugriff auf alle Daten des Kunden liefert. Sie verzichten lieber auf ein Geschäft, das ohne sie nicht laufen kann, als auf ihre internen Monopole. Sie möchten keinen mobilen Lifestyle, sondern einen an der unsichtbaren Datenstrippe. Alles soll viel Bandbreite brauchen, so viel wie man es den Kunden irgendwie zumuten kann. Und sie blockieren sich gegenseitig, weil es zwei unterschiedliche Arten der Monopole gibt: Die der Handyhersteller und die der Telcos. Da wird alles verteidigt, was geht. Bei so jemandem mit einem PDA von Compaq ankommen und einen reinen Internetprovider mitbringen, wie wir es gemacht haben - geht gar nicht.

Der Mann war etwas frustriert, denn mit seinem Laden hatte man diejenigen plattgemacht, die die Probleme der Monostrukturen erkannt hatten. Juckt aber bis heute keinen. Weil es dann wieder Firmen wie Yahoo oder Google gibt, die bereitwillig dieses System unterstützen. Sie kommen zwar aus dem freien Internet, wären aber auch gern so ein Telco-Brontosaurier, eine abgekapselte Welt in der ohne sie gar nichts geht. Und deshalb sagen sie langsam Tschüss zu uns, die wir am Kabel hängen, und mit Web2.0, sozialer Relevanz, lokalen Communities und Flickr aufgesextes Hallo zu den vorsintflutlichen Cretins, die an die grenzenlose Mobilität glauben, und daran, dass Leute das wollen, deren Heimat die 240 mal 360 Bildpunkte auf dem Display sind, und deren Kommunikation über ein gN8 nicht hinauskommt.

Ihr schon wieder. Neue Namen, neue Visitenkarten. Eigentlich könnte ich die alte Visitenkarte jetzt wegwerfen, denn ich habe die Geschichte erzählt, das ist alles, was ich tun kann. Und die neue Geschichte - die werden andere am eigenen Leib erleben. Nachdem da auch alles user generated content basiert ist - ich sag nur Qype - wird es aber diesmal noch weniger Leute geben, die sich das Verschicken von Pralinen später leisten können.

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Offlinen

In München vergesse ich immer, dass ich hier ja kein DSL habe, und lasse das Modem laufen. Und laufen. Und lau....

jetzt nicht mehr.

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Durchpusten

Auch wenn die nacht kühl ist, klebt die Hitze des Tages immer noch an den Mauern, schwappt träge auf dem Asphalt und steht in den verschachtelten Räumen. München ist im Hochsommer eigentlich unerträglich, nur dem Ozon geht´s prima, und weil es alles eh schon egal ist, fährt der Münchner - idealtypisch mit dem Cabrio - eine halbe Stunde durch die Nacht, um sich durchzupusten und etwas auszukühlen.



Viel geht am Tag nicht. Termine werden nicht eingehalten, Verspätungen sind normal, die Läden locken vergebens mit Nachlässen. So fliesst das Leben wie ein zäher Brei dahin im Schatten der Alpen, deren Grün und Steingrau Erlösung verheisst, aber, seien wir ehrlich, junge Münchner kommen nur selten so weit, oder gar nach Salzburg. Wir haben es alles vor der Haustür, aber statt dessen schwitzen wir uns durch den Tag Richtung Biergarten, wo das mit der Transpiration nicht mehr so auffällt, und hören am trockenen Husten der anderen, dass Klimaanlagen an solchen Tagen auch nicht das Gelbe vom Ei sind.

Eine Trouvaille aus den Alpen ist heute übrigens zwischen zwei Büchern aufgetaucht: Die Speisekarte des Founders Forum 2001 in Elmau. Ein Skalp von meinen Feinden.

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Dienstag, 18. Juli 2006

Die manchmal wirklich schönste Stadt zum Leben



Rechts davon ist die Alte Pinakothek und davor die Wiese, auf der eigentlich viel zu wenige Leute liegen. Abends wird es dann manchmal etwas mehr, wenn es nicht mehr so heiss ist.

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Familienmemorandum

Ich habe ein Bitte an alle, die hier lesen und schreiben. Die nächsten Monate werden erheblich ruppig werden, und viele der bekannteren Blogs werden in einem Jahr kaum wiederzuerkennen sein. Es ist ein Prozess bei der Genese einer kommerziellen Blogosphäre, der logisch und natürlich, wenngleich nicht immer schön ist, und natürlich werden wir darüber reden.

Aber um eine Sache würde ich bitten: Bleibt bei den Bloggern und zieht nicht auf die Familien rüber. Und bitte kein Outing. Ich finde es schon schlimm genug, wenn die andere Seite in dieser Hinsicht Fehler macht oder eine Personalityschiene fährt: Deren Problem, ich würde es nicht machen.

Weil ich selbst weiss, wie es ist, nach der Familie und Herkunft beurteilt zu werden. Ein grosser Teil meines Privatlebens läuft unter Leuten ab, deren Clans nicht ganz unbekannt sind, sei es in der Provinz oder in München. Natürlich ist die Familie ein bestimmender Teil der Biographie, aber das heisst nicht, dass man zwingend so wird wie Dad und Mom. Im Gegenteil, die meisten würden wohl kotzen ohne Ende, wenn sie en Detail wüssten, was dann über sie erzählt wird oder in den Blogs steht. Die allermeisten Kinder von Politikern und Funktionären, die ich nicht mag, waren positive Überraschungen. Rückschlüsse sind da so gut wie unmöglich - würde man mich nach der früheren Position meines Dads beurteilen, müsste dieses Blog hier wirtschaftspolitisch auf der Linie von braunen Dreckspuppen und ihrem Bamberger Handlanger liegen, die Antisemitismusunterstellung als Deckmäntelchen für ihre eigene totalitäre Denke missbrauchen. Trotzdem ist das Blog, wie es ist, und mein Dad befürwortet höhere und vor allem zielgerichtete Unternehmenssteuern - und wählt grün. Umgekehrt garantiert auch das Fehlen familiärer Reichtümer keinen guten Charakter.

Ich halte Euch für aufgeklärte Menschen, die solche Sippengeschichten nicht nötig haben. Überlasst das Outing, das persönliche Ausschnüffeln und Ergebnisse privater Indiskretion bitte denen, die es nötig zu haben meinen. Von denen gibt es sowieso zu viele.

Das Kleingedruckte: Gültig beim Thema probloggen. Zurückschlagen gegen Neonazis und Faschisten ist eine andere Sache, und PRler haben in Berufsuniform oder als verdeckte Handlanger auch nicht wirklich Schonung zu erwarten.

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Schwabing for the masses

Wir kennen das Eck ja noch von ganz ganz früher. Da gab es noch ein Parkcafe, in das man gehen konnte. Und auf der anderen seite noch einen Metzger in der Türkenstrasse. Schwabing und besonders die Maxvorstadt hatte in den späten 80ern, so lang ist das schon her, eine gewisse Spannbreite. Es war sehr anders, das Refugium für schräge Vögel, Rentner, Nachtschwärmer und Studenten, die 18 Semester als völlig normal ansahen. Das war nicht immer friedlich, wenn wir mal etwas lauter waren, um 12, und dann Dialoge an der Wohnungstür geschahen wie: "Sie geben mir so-fort die Telefonnummer Ihres Vermieters! Können Sie haben! 089 2xxxxxxx! Nacht! Türenrummsss, Kicher, Telefonklingel, Jaha? Oh, Frau Wolf, so spät, was kann ich für Sie tun? ... Wieso ich Ihnen meine Nummer...? Nun, ich vermiete an mich selbst, es ist meine Wohnung, Sie wissen ja, wir jungen Drogenhändler müssen unser Geld irgendwie, und so, und jetzt möchte ich mit den drei jungen Frauen nicht mehr gestört werden..."

Nun, Frau Wolf, die nur gemietet hatte, fiel eines (wettertechnisch) schönen Tages tot um und erlebte so nicht mehr, wie sich das alles verändert hat. Denn die Rentner hat man hier erfolgreich rausgekegelt, von ein paar Honoratioren abgesehen, die ihre sagenhaften Penthouse-Wohnungen gekauft haben, oder das Flat nur für Opernbesuche nutzen. Ansonsten sind hier nur junge und mittelalte Leute, wie überhaupt in diesem kleinen Bezirk. Es ist alles sehr gleichförmig, die glatte, homogene Mischung schlägt sich auch in den Läden nieder, von der alten Vielfalt ist nur noch wenig da. Statt dem Metzger gibt es einen weiteren Murr, die Bäcker sind Ketten, Antiquariate verschwinden und Modernes Antiquariat kommt, Antiquitätenhändler werden durch Antique Shops ersetzt, und unsere Glühbirnen für die Provinz kaufen wir im Leuchtmittelladen in der Türkenstrasse, damit zumindest dieser eine Laden noch etwas überlebt. Manchen kuriosen Ladenbesitzern gehört das ganze Haus, und das Geschäft ist nur noch Nostalgie der alten Herrschaften, die eigentlichen Einnahmen kommen aus Vermietung an die angrenzende Boutique, die meistens keine 2 Jahre überlebt.

An einer dieser grossen, leeren, international üblichen Boutiquen für das gestandene Schwabinger Luxusgeschöpf nun ist dieses Plakat, das zeigt, wo wir angekommen sind.



Hüpfburg, Oldies, eine Hip Hop dance Group, und das alles bei einem Wirtefest. Sehr einzigartig, sehr anders, das alles. Als ob dieses Strasse noch sowas wie Wirte hätte. Weiter unten heisst ein Cafe "Soda". Kann es Wirte geben, die ein Lokal "Soda" nennen? Warum nicht gleich "Anja Anorexia"? Wir haben keine Wirte mehr, die sind Investoren, die etwas ausprobieren, und was weggeholzt ist, kommt nie wieder, dafür tritt das nächste mittige Business an. Es werden Schneisen geschlagen in den Mikrokosmos, man setzt die Pumpe an und füllt die Lücken mit international bullshit für die Touristen, die schnell noch irgendwo einen Cafe trinken und denken, das ist Schwabing. Könnte aber auch Hamburg sein, Brest, Manchester, oder Moskau. Die Buggyschubserquote ist hoch, die Abwechlung selten, und auf einmal fällt uns auf, dass die meisten Häuser hier nicht wirklich besonders tolle 60er-Jahre-Bauten sind. Es kommt darauf an, was man drin macht.

Wer hier am Sonntag schnell was zum Essen kaufen will, wird Probleme haben. Das türkische Restaurant, in dem eine Seite von "Liquide" spielt und die ein Fladenbrot zum hinknien hatten, existiert nicht mehr. Irgendwann werden sie das alles überdachen und die luxuriöse Maxvorstadt Mall draus machen. Und ein Freund vom Vetter eines hohen Tieres, der mit der Staatsregierung und der Stadt kann, verdient sich an den Parkplätzen dumm und dämlich.

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Unbehagen

Ich war eine Weile Teil der, nennen wir es mal "Berliner Bloggeria", diesem informell-privaten Netzwerk von relativ bekannten Bloggern. Man darf sich das nicht vorstellen wie die Mafia, dafür gibt es in diesem Kreis und seinen Aussenstellen und Vertretungen in Hamburg, Köln/Bonn/Düsseldorf und München a priori zu viele Unterschiede, Kleinkriege, wechselnde Koalitionen und Konflikte, die oft gar nichts mit dem Bloggen zu tun haben, sondern menschlicher, viel zu menschlicher Natur sind. Manches wird nicht erwähnt, anderes in Andeutungen, und manchmal bricht sich das dann nach einer gewissen Vorlaufzeit Bahn. Nichtige Anlässe wie die Entscheidung, jemanden nicht auf das Podium einer Lesung zu bitten, konnten mitunter heftige Folgen haben.

Aber das ist nichts im Vergleich zu dem, was sich momentan hinter den Kulissen zusammenbraut. Zum einem gibt es in diesem Netzwerk ehrliches Unverständnis wegen gewisser Reaktionen auf kommerzielles Bloggen. Was als Idee im Gespräch in Berliner Kneipen ganz wunderbar ist und einem bestätigt wird, überlebt draussen in den Blogs die Realität nicht. Jenseits aller Vermutungen über "übliche Verdächtige" und "Sautreiben" gibt es jedesmal einen Aufschrei, Kommerz sagen die einen und Tribunal schallt es zurück. Wenn man die Leute kennt, fühlt man die Bruchstellen, die sich langsam um das Netzwerk bilden. Keine Risse, noch nicht, aber man ist sich drinnen halbwegs einig, dass man sich jetzt das Tonne rausstellen nicht vermiesen lassen wird, zumal man - das ist unbestritten - einen grösseren Teil der bekannteren Blogger known as A-List um sich weiss. Und einen Haufen Freunde aus dem Netzwerk, gewissen Firmen und Einrichtungen, die diesen Weg ebnefalls propagieren. Hier trifft also eine kleine Gruppe verwertbarerer Blogs mit gleichgelagerten Interessen auf grossen Zuspruch einer PR/Marketing/Mediengruppe/Kongresskamarilla.

Es gibt keinen Grund, sie diesen Weg nicht gehen zu lassen, ganz im Gegenteil, es ist vollkommen legitim, sich in Container zu setzen und dort PR zu schreiben, Dinge zu testen und Geld für Leistungen zu nehmen - genauso legitim wie es nicht zu tun, oder dergleichen abzulehnen. Dass die bloggende Schnittstelle bei solchen Deals immer ein schlechteres Geschäft als die dahinter stehenden Firmen macht, ist schon immer Teil des Systems. Die daraus resultierenden Konflikte sind privat vermutlich durchzustehen, denn dort, wo sich die Trennungslinien auftun, gibt es auf beiden Seiten des geborstenen Netzwerks genug persönliches Wissen über die anderen, dass es auf dieser Ebene in relativ engem Rahmen bleiben wird. Ich glaube, da gibt es so eine Art "Gleichgewicht der Informationen" und ausserdem noch den einen oder anderen roten Draht, oft auch indirekt.

Es gibt in diesem Fall kein klares Hüben und Drüben, keine durchgehenden Grenzen und klaren Frontstellungen, Seitenwechsel je nach Bedarf sind normal, und über die moralische Disposition der diversen Helferlein allerorten macht man sich oft auch besser keine Illusionen.

Wie auch immer: Momentan zerlegt es das Gebilde, das es vor ein, zwei Jahren noch gegeben hat und das ohne Frage massgeblich für das öffentlich wahrgenommene Bloggen war - dass der Punk eigentlich bei Lifejournal und Myblog abgeht, und bei der veränderten Mediennutzung, ist nochmal ein anderes Thema. Die Netzwerke, die etwa das Monigate ermöglicht haben, existieren so nicht mehr. Die Zeiten des gemeinschaftlichen Sautreibens dürften fürder weitgehend vorbei sein, ohne dass es ein Grund zum Trauern wäre. In den nächsten Monaten, wenn pünktlich zum Herbst die jetzt geplanten Aktionen starten, wird sich diese Gruppe unter verschiedenen Bannern, aber durchaus vernetzt, weitaus deutlicher zeigen als heute. Es wird aussehen wie Blogs, es wird sich lesen wie Blogs und das Thema Lesungen/Events wird natürlich auch eine wichtige Rolle spielen, sie adaptieren Blogstrategien und verkaufen es als Blogs. Aber schon die Strahlkraft des lockeren Berliner Netzwerks war eher begrenzt, und ich glaube nicht, dass es sich unter der Leitung von WAZ, Springer, Burda und Holtzbrinck besser wird. Auch das gehört zu einem umfassenden Sozialsystem wie den Blogs. Es wird sich, nehme ich an, ein neues System bilden, das vielleicht weniger auf Freundeskreisen, Heuchelei und versuchten Denkverboten basiert, als vielmehr auf gewonnenen Erfahrungen durch Experimente, und einen gewissen Shakeout durch Versagen. Das wird teilweise eher ein Drama als eine Kommödie, insofern Unbehagen - aber wir werden sehen. Mehr Unbehagen beim feinen Wondergirl.

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Mein Block

Meine Stadt, mein Bezirk, mein Viertel, meine Gegend, meine Straße, mein Zuhause bis in die Spätphase der New Economy.



Hier gibt es keine kaputten Leute, im Gegenteil, es ist zu perfekt. Da war diese hellblonde Frau mit weissgoldenem Top, gelbgoldener Tasche unter dem Arm, rotgoldenem Rock und braungoldenen Schuhen. Das ist Schwabing, ganz furchtbar, aber das ist es. Und morgen machen sie einen Congress über User generated Content. Mobile und Always on. Wie immer, hat sich nichts geändert seit 2003. So ist das hier. Es wird sich nie ändern.

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Montag, 17. Juli 2006

Fürchte den Haifisch, wenn Du auch Geschenke bringst

An Tagen wie heute würden Haifische gern schwimmen gehen, zuerst rausröhren nach Starnberg mit 300+ PS und dann ab ins Wasser. Was Haifische überhaupt nicht schätzen, ist das Schwimmen zwischen den Glaswänden des Grossraumbüros.. Aber wie es nun mal so ist, findet sich das Fressen in den Akten, und von den schleimigen Algen des Sees wird so ein Hai nicht satt und ein Tank nicht voll. Man kann natürlich ein wenig die Stimmung mit Geschenken aufhellen, soweit man etwas hat, was sie mit ihren - hoffentlich gedeckten - Karten nicht einfach kaufen können. Japanische Netsuke der Meji-Periode zum Beispiel. Einen Daikoku, den Glücksgott des Reichtums aus Elfenbein. Also finden, kaufen, anrufen - was in der Vorstellung so geht:

Hallo Lieblingshai, wie geht´s? Schlecht, mhm. Ich komm nachher mal vorbei, passt das? Und dann, wenn man da ist, packt man die kleine Figur aus und erklärt, warum man sie gekauft hat: Der Sack ist voller Reichtümer, die der Gott bringt, und der Hammer ist wundertätig, das wäre doch was für dich, so ein Hammer für die Gegner, Watz! und die Reichtümer ab in den Sack... Der Haifisch, der sich gemeinerweise als sehr nettes Mädchen tarnt, wäre sehr angetan und glücklich und würde fröhlichen Flossenschlags im Aquarium hoh über der Stadt Knochen zernagen. In der Theorie.

Die Praxis ist dann so: Hallo Lie... Ja, ich denke mir, dass es Dir schlecht geht, bei dem Wetter, baden und so. Aber ich habe was für Di... Was? Wegen der Sache? Hör mal, das haben wir genauso besprochen. Doch. Das stand so in der Mail, die hab ich hier vor mir... Was heisst falsch interpretiert? Zahlen kann man nicht falsch interpretieren, Punkt 14 ist nun mal... Klar hätte ich anrufen können, aber wozu, steht doch alles drin... Oh Mann, dann pass gefälligst auf... ja, schon gut, ich mach das noch. Bis wann? BIS WANN? Hör mal, Du verfi äh egal, ich hab auch noch was anderes... Freitag passt mir gar nicht, die Woche ist dicht... Hey, wieso frägst Du nicht, wenn Du Sitzungen anberaumst? He? OK, aber dann muss A. die Powerpoint... A. ist in Urlaub? Ach Du mich auch, ja FreitagzefixKNALLDUBLÖDENU...



Ja. Und so kommt der Daikoku in meine Küche. Und wenn ich so einen Hammer hätte, dann gäbe es Hammerhai heute Abend.

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Gewöhnungsprobleme

Gleich am Eck, beim schnell erstrittenen Parkplatz, sitzen sie im knallvollen Strassencafe, obwohl es drinnen auch schön ist und die Strasse hier eigentlich nur für Cabriospotter geeignet ist. Eigentlich soll sie schon bald in eine Flaniermeile verwandelt werden, aber dann wäre der Gehsteig noch viel breiter und weitere Massen dieses Typs würden hier praktisch vor meiner Wohnung sitzen.

Drei Prachtexemplare tragen bayerische Lederhosen und haben Bier vor sich. Einer schreit - definitiv nicht bayerisch - in sein Mobiltelefon, dass sie gerade mit dem dritten fertig sind und dann noch eines nehmen und dann fahren sie zu ihm, sie haben nämlich das Cabrio, und dann schauen sie mal, wohin es dann geht, also Pfü-a-ti. Er lehnt sich zurück und setzt, obwohl im Schatten, die Sonnenbrille wieder auf, um seinen Kumpanen mitzuteilen, dass sie jetzt noch eines bestellen und Charlie später abholen. So laut, dass ich es höre, obwohl ich schon weiter bin. Wäre ich Mieter und nicht Besitzer meiner Wohnung, würde ich vielleicht nachdenken, ob sowas ein Grund zur Mietminderung ist. Hier, in der traumhaft schönen Maxvorstadt, wo asiatische Touristen auf dem Weg in die Museen in der Hitze so sehr leiden, dass sie aufhören, sich vor der Pinakothek zu photographieren.

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Sonntag, 16. Juli 2006

. [Edit: Die Preussen sind schuld]

Eigenlich sollte ich längst in der Munich Area sein. Volles Programm bis Freitag kommender Woche. Dort auch wieder übernachten, und auf eine 56k-Verbindung zurückschalten. Termine, Lieferungen, Deadlines, alles wie früher, und noch ein wenig mehr. Heute wollte ich los. Oder so.



War nichts. Als ich auf die Autobahn bin, war die Hölle los. Halb Norddeutschland auf Durchreise. Dann eben morgen. So früh wie möglich. Nach, ehrlich gesagt, Pfaffenhofen, auf den Antikmarkt. Und dann weiter nach München. Wenn es nicht zu heiss ist. Und dann wieder zurück, wenn möglich. Unstete Tage werden das.

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Medienkompetenz für Blogger

Ein Blogger erzählt Dir, er habe spontan ein Videointerview mit dem Staatsoberhaupt erhalten: The Chancellor [...] decided she wanted to do a spontanious interview right there in her office. Du sagst Dir:

a) Prima! Blogger sind endlich wer!
b) Prima! Und es ist ein cooles Interview, so menschlich, überhaupt nicht so politisch und kritisch!
c) Prima! Die Frau hat das Internet begriffen!
d) Was soll dieses dumme Gelaber angesichts der momentanen Scheisspolitik, den Unternehmen 5 Milliarden in den Rachen zu schmeissen und für uns die Steuern zu erhöhen.
e) Da hat jemand gecheckt, wie man die Blogger um den kleinen Finger wickelt.
f) Ich war mal Hauptstadtreporter und weiss durch Interviews mit Ministern und einem gewissen Gerd, dass es da keine sponaten Interviews vom Staatssekretär aufwärts gibt, da wird jede Frage vorher abgeglichen und beim Interview abgehakt und danach, wenn möglich, nochmal vom Pressedienst kontrolliert und abgesegnet - kurz: Verarscht Eure Oma, aber nicht mich.

Mehrfachantworten sind möglich. So. Wer nun mit a), b) oder c) geantwortet hat, sollte sich mal diesen Link in die URL-Zeile kopieren. Da findet sich ein Bericht über die Interviewvorbereitung einiger Cokecontainer-Insassen von einer weiteren Cokecontainer-Insassin, die Zeugin des Vorganges war. So von wegen spontan und so:

beissholz.de/pivot/artikel-1342.html

Da ich zum gleichen Zeitpunkt in Berlin weilte konnte ich hautnah miterleben, wie die sorgsam vorbereiteten, journalistisch wertvollen Fragen von Lyssa über Bord geworfen werden mußte (mußten müsste es heissen, Anm. Don), weil die Kanzlerin das Interview eigentlich aussetzen wollte. Über die ganzen Stolpersteine die dann auf einmal aufkamen.

So, Freunde der spontanen Blasmusik, nachdem ihr jetzt wisst, wie das läuft - d), e) und besonders f) wären die richtigen Antworten auf ein auf Harmlosigkeit getrimmtes PR-Gespräch gewesen, gegen das Dieckmann bei G.W. Bush ein Gipfel kritischer Berichterstattung war - beantwortet bitte die Frage, was dieses Zitat eigentlich ist:

a) Der Beweis, dass man sich bei bloggenden Freunden eigentlich ein ganzes Herr offline-Feinde sparen kann.
b) Der Beweis, dass das mit dem "spontanious" eine Lüge ist.
c) Der Beweis, dass das Merkel überhaupt kein Interesse an irgendwelchen Nicht-Supersoft-Homestories mit Bloggern hat.
d) Der Beweis, dass die geschwätzigen Ichwarauchdabeis aka Experten die übelsten PR-Pannen selbst produzieren.
e) Der Beweis, dass sich das Drecksspiel der Journalistenknesterei der Pressestäbe in Berlin sich auch für Blogger mit besten Kontakten nicht ändern wird - noch dazu, wenn sie keine Erfahrung haben, wie man das trotz Überwachung hinbiegt
Oh, ich hab den Zettel mit den Fragen vergessen... den haben Sie, Herr Pressereferent, doch sicher noch in ihrem Zimmer? Könnten Sie den...? Ja bis gleich. Also, Herr Minister, die Zeit drängt, sie müssen zum Staatspräsidenten, vielleicht können wir schon mal über das eine Thema reden... sinngemäss war die Frage wohl.... so geht das, ihr VLuschen.
f) Der indirekte Beweis, dass Blogger, sobald ihnen der Bauch gepinselt wird, so leichtgläubig sind wie ein bildlesender Mallorcaballermann mit 2,8 Promille.

Auch hier sind Mehrfachantworten möglich. Und noch mehr ist dann hier und besonders informativ hier.

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Samstag, 15. Juli 2006

Die letzten Strahlen

und die letzte Sägerei im Abendlicht, draussen, während unten im Hof die nächste Party steigt, mit totem Vieh und anderem Zeug aus dem Supermarkt.



Einmal die Woche gehe ich da auch hin, für alles, was ich nicht woanders bekomme. Ich verabscheue Supermärkte, aber ein paar Mal muss es sein. Wenn ein paar von den Elitejings vor mir sind, frage ich mich jedesmal, ob die jede Nacht irgendwelche Frauen abschleppen, oder wo das Zeug sonst hingeht. Billigstes Zeug, das Erwachen kann bei diesem Wetter gar kein Spass sein. Vermutlich ist das alkzerstörte Aussehen dann ein Anlass, um am nächsten Nachmittag den Überarbeiteten zu geben. Nur, wenn die jetzt schon so saufen, was machen die erst, wenn sie mal eine Unternehmenskrise bewältigen sollen. Die Betriebsapotheke plündern, vielleicht. Veronal ist optimal, sagte man damals in der späten Munich Area.

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Real Life 13.07.06 - Die Naturgewalt

Er braucht nur eine Gummidichtung. Er trägt sie lässig, das Holzfällerhemd ist hochgekremüelt und gibt den Blick auf dicht behaarte Oberarme frei. Ein paar Tatoos hat er auch, und seit seiner besten Zeit, Ende der 50er, hat er seine Frisur nicht mehr gewechselt. Der Hals ist dick und kurz, der Körper gedrungen und kompakt, aber nicht fett. Ein Akkordler aus der grossen Fabrik wahrscheinlich, der vor ein paar Jahren ausgestiegen ist. Solche Leute steigen mit bis zu 200.000 Abfindung in den Vorruhestand aus. Den Rest ihrer Tage, solang es die Beine mitmachen, rennen sie herum, zeigen bei jeder gelegenheit ihre am Stahl gehärteten Muskeln, stehen sie nicht still und schieben die Hände nicht in die Taschen. Wer sich in der Firma nicht bewegt und die Hände in der Tasche hat, der hat nichts zu tun und wird von der Seite angesprochen. Man muss immer etwas in der Hand haben, man muss sich immer bewegen, immer bereit sein und immer etwas tun, hinlangen, zupacken, ein Mann sein, a guada Mo mit allen Folgen für das Machotum und Zuschlagen und den Bordellbesuch oder den Abstecher nach Tschechien. Deshalb steht er nicht einfach an der Kasse, sondern wackelt rum, schüttelt die Arme, begutachtet die Dichtung, schaut sich um, und dann, als er an der anderen Kasse sieht, dass dort weniger los ist, wendet er sich an seine ähnlich kompakte Frau im braunen Blümchenkleid und sagt:

Kumm, do is stenga weniga o, gemma niba.

Sie schaut ihren Brocken Mann regungslos an, er schaut zurück, hört auf, ungeduldig herumzuwackeln und schaut wieder den Dichtungsring an. Kurz danach sind sie an der Reihe. Sie nimmt ihm den Dichtungsring aus der Hand, legt ihn auf die Theke, zieht einen Geldbeutel heraus, ein mächtiges schwarzes Ding, wie es hier die Kellnerinnen tragen, mit vielen Fächern, in denen sich Karten und Bilder türmen, zieht dann einen grossen Schein heraus.

Woat, sagt er, zückt einen kleinen Geldbeutel, ein scharzes Lederheft, wie es Kinder bei der Sparkasse geschenkt bekommt, flach und abgegriffen, und stellt dann fest, dass er so viel nicht dabei hat, was sie sowieso schon wusste, weshalb sie die Kassiererin mit einem Kopfschütteln instruiert, auf den grossen Schein herauszugeben. Sie nimmt das Geld, drückt ihm wortlos den Ring in die Hand und einen Zehner, und dann gehen sie, sie vorran und er wackelnd hinterher, und du schwörst dir, nie mit anderen Frauen als zickigen, verwöhnten Grossstadtgewächsen zu schlafen, die sind in Wirklichkeit viel anspruchsloser und handzahmer und überhaupt nicht so tödlich wie die Frauen, die diese Provinz hervorbringt. Gleich nachher gehst du Pralinen kaufen und dann auf die Post.

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Stackenblochen

oder: Orte, an denen der Deutsche seinen Spass hatte.



Und wenn der Deutsche den Platz verwüstet hat, kommt der Nichtdeutsche, räumt auf und stellt es alles wieder so hin, dass der Deutsche wieder seinen Spass haben kann.

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Freitag, 14. Juli 2006

34° C

Bei aller Liebe, aber heute Nachmittag war die Dachterasse ein kleines, rotglühendes Tschernobyl: 34 Grad bei Windstille.



Die Aktivitäten werden noch mal zwei Stunden nach hinten gelegt, solche Tage kann man eigentlich nur verschlafen. Die Gartenparties des Wochenendes wurden heute auf den Abend verlegt, was gerade am Sonntag keine so gute Idee, ist, da ist nämlich die grosse Nacht der Chöre in den schönsten Kirchen der Provinzstadt. Man wird sich also entscheiden müssen, wenngleich die Karten längst gekauft sind und man schlecht nicht kommen kann, weil man gesehen werden muss, wenn schon mal so ein Marathon stattfindet. Alle extreme stellen diese kleine Welt vor schwerste Prüfungen, man muss neue Wege suchen und eventuell auch mal nein sagen, das können die Leute hier nicht, und so schleppen sie sich noch zwei Wochen durch die hitzegefluteten Strassen, bis dann der Urlaub kommt und man dem Delitium für ein paar Wochen entgeht. Immer noch ungewohnt, wenn man viel mit Medienleuten zu tun hat: Die Provinzler hier fahren bis zu 5 Wochen am Stück in den Urlaub.

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Nichtmediterran

Im Viertel der besseren Leute wird jetzt umgestrichen. Keine 10 Jahre nach dem Bau gefällt das Weiss nicht mehr, es war ohnehin schon etwas schmutzig, jetzt muss es Ocker sein und grau abgesetzte Kanten, man will ja nicht modisch hinter den Hundehütten an den Strassen zu Käffern sein, die man höchstens mal auf dem Weg zum Ausflug befährt. Es stimmt schon, irgendwas südliches wäre nett, und mancher lässt sogar das Dach neu machen, weil das alte dunkelbraun nicht mehr passen will. In uns Italien, der verlängerte Rückenmarksfortsatz der Toskana , nur die Tür in weiss, grau und Magenta, die lässt man, weil das dann doch zu schade wäre, und man hat sich ja bald an den dreieckigen Farbklecks gewöhnt, den man schon Mitte de90er toll fand. Miamistil nannte man das damals.



Pech bei diesen Anpassungsarbeiten an die aktuelle Ultramoderne haben nur die, die es damals übertrieben haben. Runde Fenster, wie hat man die damals beneidet, gehen heute gar nicht mehr. Runde Wände und diese Decosäulchen sind jetzt auch eher, uh, gewöhnungsbedürftig. Die sollten das wenigstens begrünen, wenn sie schon keine putzige Toskanagemütlichkeit hinbekommen, diese Leute da. Vielleicht kann man zumindest innendrin was machen, Fliessenboden und ein paar Olivenholzbalken, und auf alle Fälle diese mintfarbenen Kleckse da wegmachen, bitte. Noch schlimmer als der Pinkklecks an der eigenen, stilechten Landhauskopie. Da kann man wenigstens einen Kranz davorhängen, nicht wahr.

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Burda und der kostenlose Internetinhalt.

Web 2.0? Ich nenne es Raubrittertum 2.0. An der Blogbar.

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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Donnerstag, 13. Juli 2006

5 Jahre

5 Jahre wären schon, das ist eine runde Zahl, das freut die Auftraggeber der Haifische. Auch wenn es dann letztlich mit der U-Haft keine zwei Jahre mehr sind. Wenn man zwei von drei Dingern durchbekommt, sind die fünf nicht unrealistisch. Fünf Jahre ist ungefähr die Schallmauer zwischen High Potential mit viel Pech und echtem Verbrecher. Mit fünf Jahren kann man sich eigentlich nur noch umbringen. Oder Blogberater werden, denke ich halblaut. Was? Fragt ein anderer. Anlageberater werden. Alle lachen. Ausser den Anlageberatern im Raum, aber die sind sowieso ganz still. Wenn es nicht klappt, sind sie die nächsten in der Verantwortungskette. Ich bin jedesmal wieder überrascht, wenn die vollzählig auflaufen, ein paar von denen wussten in der Spätphase, an ihrer Stelle hätte ich längst den Flug nach Rio gebucht. Zum Glück sind sie an kognitiver Dissonanz erkrankt, wie viele andere, und erkennen ihre Fehler nicht. Es sind immer die anderen gewesen. Wenn es fair zuginge, würde man mit ihnen die Teufelsbraten auf dem Grill würzen. Aber wenn es fair zuginge, dann möchte ich nicht wissen, wer hier eigentlich korrekt gearbeitet hat. Sowas kündigt sich immer früh an, da hätte man schon bei der Konstruktion aufpassen müssen, das Projekt war doomed from the start, die Absicherung der Abkassierer war das einzige, was gut gemacht wurde, aber auch nicht gut genug, wenn man es schafft, die Ebene drunter hochzunehmen. Aber so ist das, wenn manche sich für zu schlau halten und so viel auf einmal nehmen, dass es auffällt. Singt einer, pfeifen die anderen aus dem letzten Loch. Und das lockt die Haifische magisch an.

Ich verstehe es nicht, ich verstehe nicht, wie man sein Vermögen in etwas stecken kann, was man anschauen könnte, aber ausser den Computerbildern vor der Planung nie gesehen hat, bis alles zu spät ist und dann die Zwangsversteigerungsprospekte kommen. Ich verstehe diese Leute nicht, denn sie haben viel Geld verdient, sie wissen, wie das geht. Ich verstehe die Leichtgläugigkeit nicht und den Umstand, dass sie jahrelang mitgespielt haben, bis es an die Existenz ging. Dass sie lieber weitergezahlt haben, statt die Haifische zu holen. Sie waren ja schon lange da. Ein Telefonat hätte genügt. Diese verdammte Eitelkeit, nicht als Abgezockter dastehen zu wollen. Vielleicht ist es das. Da erträgt man lieber die unangenehmen Termine mit den Kundenbetreuern in der Bank, die überhaupt nicht mehr so nett sind wie vor 10 Jahren.



Es kann immer was schief gehen. Wieder daheim, gegenüber, haben sie sich auch verplant. Ein Gebäude hat sich beim Aushub gesenkt und ist jetzt baufällig, die geplante Kuppel wurde wieder zugemauert, weil die Kosten explodiert sind und für Sperenzchen kein Geld mehr da ist. Lachhafte Summen im Vergleich zu den Kugeln, die mit dem Geld der Greater Munich Area weltweit gedreht werden, Seoul, Berlin, Mailand, Malaysia. In der Lokalzeitung steht dann ein Artikel über einen "heimtückischen Giftanschlag" in einem Kaff, der die Falschen erwischt hat - jemand fühlte sich vom Froschgequake wohl so gestört, dass er toxische Stoffe in einen Dorfweiher geschüttet hat. Blöderweise gingen nur die fetten Karpfen zugrunde, die nicht weglaufen konnten, die Frösche hüpften an Land und quaken schon wieder. Ein Scheissspiel. Ich kenne Haifische, die eine Weile Angst hatten, irgendwas zu essen, was sie nicht gerade aus einem Supermarkt geholt hatten. Und ich lese was von Altersvorsorge durch Fonds.

Verdammt, lasst Euch nicht reinlegen, nehmt ein Sparbuch bei der Sparkasse. Besser 3% Zins, als 20% an die Haifische für alles, was sie zurückholen, falls noch was da ist. Meidet Asien, das geht hoch, das kann nicht gut gehen, niemals, da baut sich gerade die nächste globale Wirtschaftskatastrophe auf, zwischen China und Südkorea. Und die fünf Jahre für die anderen machen auch keinen Spass, wenn man überschuldet ist.

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Erlösung

Diese Nacht wurde es nicht kalt, die Hitze verflüchtigte sicn nicht aus den Zimmern, und am Morgen war die Luft schon fast flüssiges Gas, bisweilen krachte es in der Ferne wie von explodierenden Tankzügen, bis es endlich begann.



Zwischendrin haben die verdammten Haifische angerufen. Heute noch muss es sein, in der Munich Area. Die Mandantschaft muss aktiv werden, sonst werden ihre Kunden aktiv, und dann hat man weitere Haifische im Spiel. So viele Räuber bei so wenigen Opfern, das ist unlukrativ. Man muss über die Gegner kommen wie ein Hagelsturm und nicht wie ein Nieselregen. Man darf ihnen keine Chance geben. Eigentlich Selbstverständlichkeiten. Denn auch dieser Fall klebt schon, es muss endlich krachen. Meinen sie. Und auch in München, so hört es sich über das Telefon an, kracht es. Vielleicht hat jemand aber auch nur was an die Wand geworfen. Sowas passiert. Ein Haifisch hat mal bei einer erregten Besprechung eine Bronzeskulptur, einen eigentlich Ruhe und Kraft darstellenden, schlafenden Löwen, durch eine Glaswand gepfeffert. Überraschenderweise war die Mandantschaft dann zügig bereit, den Vorschlägen zu folgen.

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Jetzt reicht´s.

ich habe mir in meinem Dasein im Netz viel Blödsinn angehört. Ich habe mich in Pitches belabern und bei Due Diligences belügen lassen. Ich habe oft den Mund gehalten, weil ich mir dachte, was soll´s, lass sie reden, das wird schon irgendwann. Und wäre es die FTD gewesen, hätte ich nur schief gegrinst. Aber ich bin Handelsblattleser. Ich lese gern Berichte von mittelständischen Schraubenherstellern, und nicht von irgendwelchen Spinnern mit Visionen. Und es nervt mich kolossal, wenn MEIN Handelsblatt bei einem MEINER Themen kapitale Böcke schiesst. Mit einer Handycam und Sonntagsjäger Sixtus am Auslöser. Früher hätte ich einen Leserbrief geschrieben. Das war gestern. Heute ist Abrechnung 2.0 an der Blogbar.

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