: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Mittwoch, 12. Juli 2006

Anstiftung zur Todsünde

Man kennt das. Diese Neider, die es an Äusserlichkeiten festmachen. Vielleicht ist es einfach nur das Wissen, dass der andere zwischen acht und zehn tatsächlich irgendwo da oben sitzt, Tee in einer Silberkanne neben sich stehen hat, ein gutes Buch von Ricardo Piglia in der Hand, und ab und zu aufschaut, beeindruckt ist von der Schönheit, zur Kamera greift, um ein paar Bilder zu machen, das manche so verbittert sein lässt. Wäre es anders, wäre ich arm dran und hätte Probleme, wären sie vielleicht höhnisch.







Aber so sind sie verbittert. Nehme ich an. Aber eigentlich ist es mir egal, solange ich tatsächlich hier oben sitze. Und sie nicht.

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Keine kommerzielle Werbung hier. Ausser für mich.

Ein kleiner Hinweis: Das hier ist ein Spassblog. Angesichts der Strategie von Agenturen, vermehrt Blogger einzuspannen - aktuell etwa eine Suchmaschine, die für werbende Artikel bei manchen üblichen Verdächtigen bezahlt - möchte ich darauf hinweisen, dass die Beiträge hier nicht käuflich sind. Weder vorher aus Kalkül, noch nachträglich aus Dankbarkeit, was es auch schon ein paar mal gegeben hat. Was ich enorm nett finde, weil ich Firmen, über die ich schreibe, oft mag. Aber das heisst eben auch, dass ich gerne für ihre Produkte zahle, weil sie es wert sind. Ich habe Geschenke, Zuschüsse und Entschädigung nicht nötig; wenn ich Geld will, arbeite ich. Ja, das gibt es auch noch. Arbeiten, statt sich kaufen lassen. Sprich: Abgesehen von der Werbung für meine Bücher und Lesungen, wobei zweitere meistens kostenlos sind, ist dieses Blog werbefrei, und wird es auch bleiben.

Die zugehörigen 3 Akkorde spielt René bei Nerdcore. Und irgendwie habe ich den Eindruck, dass obige Verdächtige von der sie bezahlenden Firma ziemlich allein gelassen werden mit den Protesten, wenn das ein Firmenblog gewesen sein sollte.

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Wer schreibt, der bleibt, auch wenn er fault.

Die Zukunft des Journalismus, dargestellt so gegen 1700, aber heute wieder topaktuell:



Wir haben hier übrigens eine Lokalzeitung mit tollen, riesigen Bildergalerien von jedem Fest von 100 Jahre Feuerwehr Hinterreiherhausendorf bis zum "Wir bauen die geilsten Mordwaffen"-Event mit 80.000 Besuchern. Juckt keinen. Wir haben auch ein mit viel Werbeaufwand in die Stadt eingeführtes Lokalblog, das der drögen Zeitungskonkurrenz das Wasser im Netz abgraben soll. Juckt keinen. In einer Boomregion mit 250.000 Einwohnern, wo der Netzausbau besser ist als in mancher Metropole. Wo Geld in rauen Mengen da ist.

Und dann gibt es noch eine Community, wo gerade 500 Leute eingeloggt sind, die über zehntausend Mitglieder hat und das ausschliesslich über Parties wie das "Houkl-Boukl-Fest" berichtet. Kennt ausserhalb der Region kein Mensch, ist aber auch egal. Soweit ich erkennen kann, geht es vor allem darum, Ficks optisch und per Chat vorzusortieren - geht man mit der Maus über einen Namen, kommt sofort das Bild des Users. Ist höllisch erfolgreich bei der Altersgruppe 14 - 29. Dagegen sehen Blogs und Journalismus ganz alt aus. Da gibt es auch keine Brücke über den Abgrund, der sich da auftut. Und auf beiden Seiten nichts, wo man so eine Brücke auflegen könnte. Man kann Steine in den Abgrund werfen und hoffen, dass er irgendwann voll ist. Am besten, bevor einem das Fleisch von den Rippen fault.

Das sollte uns zu denken geben. Ja doch.

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Dienstag, 11. Juli 2006

Es geht voran

Drei Bohrer, eine Säge, zwei Gipsformen, zwei Dutzend Schrauben und Nägel haben den heutigen Tag nicht überstanden. Spätere Generationen werden sich über die abgebrochenen Bohrer in der Wand hinter dem Stuck wundern, vielleicht auch über die Verzweifllung, die aus dem Mix von Schrauben und Konstrukionskleber spricht. Eine pfundschwere Lisene hat sich von der Decke gelöst, als ich gerade darunter vorbeigegangen war. Auf einem mysteriösen Kabel war doch Strom, obwohl alle Sicherungen draussen waren. Was ich buchstäblich begriffen habe, als ich die Kabel durch eine Rosette ziehen wollte. Lustig, wenn man bei solchen Entdeckungen drei Meter oben auf der Staflei balanciert und die andere Hand, mit der man sich gern die zittrigen Finger halten würde, das schwere Gipsstück heben muss. So eine Rosette ist zu teuer, als dass man sie einfach für ein bischen Tätscheln fallen lassen würde. Wie man halt seinen Sommer so zubringt.



Aber die Aussenwerkstatt mit den makellosen Farben, die ist unvergleichlich. Morgen leiden wenigstens meine Handwerker wieder mit mir.

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Transparency International: Old Scandals never die

Man erinnert sich vielleicht noch an diesen Fall, das sogenannte Monigate: Eine kleine Welle der Empörung über die NGO Transparency International German Chapter, die versucht haben Moni zu diskreditieren und ihr mit Drohungen einen Bericht über den Umgang von TI mit seinen Mitarbeitern zu untersagen. Wir haben damals ja ein wenig mitgespielt und bei der Gelegenheit auch noch andernorts ein wenig Erde verbrannt, nach alter Väter Herkommen, sprich, es war eine gute Zeit, wir haben viel gelacht, und irgendwo ist es ganz gut, dass man heute Konflikte mit den Blogs austrägt und nicht mehr mit blankem Stahl. Die ganze Geschichte findet sich hier.

Im Zentrum stand neben Moni auch der Justiziar und die Geschäftsführerin von TI. Damals wurde hier schon gemutmasst, führendes Personal könnte demnächst in Weissrussland arbeiten. Ich weiss nicht, wo die damalige Geschäftsführerin, in deren unglücklicher Hand damals die Geschichte lag, heute ist - Fakt ist aber, man sucht jetzt für sie einen Nachfolger. Jaja. Vielleicht ändert sich ja auch was im Umgang mit den Mitarbeitern bei denen. Wann gehen eigentlich die Chefs von Johannsen und Kretschmer?

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Herzenswünsche

Die hier wollte das sehen: 120 jahre altes Fischgrätparkett aus Eiche. Hey Girl, das Leben kann auch schön sein, wenn das Wasser 1 Meter hoch in der Wohnung steht! Dann hat man gleich einen Liegeplatz für die Riva.



Fischgräten müssen also nicht immer so negativ sein wie die Innereien des Hechts. Trotzdem ist es bisweilen nett, anderen beim Entgräten mit der linken Hand in rechten Eingeweiden zuzuschauen.

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Kultur, Wert, Verwertung

Ein paar grundsätzliche Bemerkungen an der Blogbar - wollte ich schon länger mal loswerden, aber angesichts der gerade aufkommenden Schwarmdummheit der Web2.0er ist die Gelegenheit günstig.

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Irgendwann kriegen wie sie

Die Journalisten. Mit Blogs. Was schön ist, wenn sie es gern tun und nicht als gezwungene Popaschmierer. Und auch noch das selten, viel zu selten gewordene Wort Kolophon kennen. Dieser Herr blogt schon länger mit Metamac, er weiss folglich, was er tut. Beachtet also bitte Ben Schwans Berichte aus dem Mediendschungel mit all seinen giftigen Schlangen, den Affen und einer sehr hübschen Gestaltung.

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Montag, 10. Juli 2006

Stattglotze





Natur, Drama, Spektakel, Erlösung, Untergang.

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Kanonen der Aufklärung

Eines der Fächer, das in diesem meinem Haus gelehrt wurde, war die Astrologie. Gerade zu seiner Bauzeit um 1600 nahm diese Wissenschaft einen Aufschwung und setzte, zuerst als Bastard, die Astronomie in die Welt, die nach ein paar hundert Jahren und einigen Ketzerverbrennungen die Astrologie als Wissenschaft ablöste, genauso wie die Chemie das Goldmachen verdrängte - Scharlatane wanderten deshalb in andere Bereiche ab und finden sich heute beim Online Business Development der letzten Bastion der Unaufgeklärtheit, den Medien.

Schräg gegenüber jedenfalls wurden die Sonnenflecken entdeckt, die Strasse runter schliffen Optiker mit die ersten Fernrohre, die dem geozentrischen Weltbild den Garaus machen würden, und genauso, wie ich ein gewisses Faible für alte Bücher der mir verhassten Gesellschaft Jesu habe, wollte ich schon immer mal ein altes Fernrohr besitzen, aus goldglänzender, alter Bronze und ohne Mechanik für die Brennweite, das man zusammenschieben muss, um die Schärfe einzustellen, mit einem Deckel vorne und eine kleinen Klappe hinten, denn die Fernrohre brechen Horizonte auf, es sind die alten Kanonen der Aufklärung. Dummerweise hat der Gang der Geschichte vielen alten Stücken den Garaus bereitet, und was noch da ist, ist unsagbar teuer, denn meinen Wunsch teilen noch andere - vermutlich so ziemlich jeder Augenarzt, zum Beispiel. Keine Ahnung, wo dieser Berufsstand heute morgen war, er war jedenfalls nicht auf dem Antikmarkt nahe der trägen, müden Donau.



Es ist genauso, wie ich es immer haben wollte, die Linsen sind sauber, das Metall vom vielen Benutzen wunderbar patiniert, und über all die modernen, in Managerkreisen als Gimmick gehandelten Fernstecher mit eingebauter Digicam kann ich nur mokant lächeln. Und würde man mir ohnehin nicht alle üblen kleinen Geschichten dieser Provinz zutragen, so könnte ich Nachts durch die Gassen ziehen und schauen, was unter Dächern passiert, die bis jetzt vieles meinem Blick, aber wenig meiner Kenntnis entziehen konnten. In Essen, Berlin, Düsseldorf und München, wo man das Glas der hohen Häuser verspiegelt, wäre es sinnlos - aber ich muss nicht hineinschauen, um zu wissen, welche Idioten dort am Werk sind. Für Sonnenflecken braucht man ein Fernrohr, für das Auskundschaften der Idioten genügt heute das Lesen ihrer geschwätzigen Blogs. Man wird vielleicht genauso gehasst wie früher unter den Jesuiten, wenn man nicht an das alleinseeligmachende Web2.0 glaubt, aber nicht mehr verbrannt. Das ist fraglos ein Fortschritt.

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Sonntag, 9. Juli 2006

Grünes Gras

ist schön, im Stadtpark. Su unschuldig. Ein wunderbarer Rasen bis zu den Bäumen im Stadtpark da hinten, dazu der Sonnenschein des Sommerabends. Grünes Gras hat was.



Es wächst, zum Beispiel. Über unschöne Geschichten. Die man lieber ganz leise abhandeln würde. Wie das Ende des Opinio-Magazins, beispielsweise. Pssssst. Wer wird denn gleich an der Blogbar laut werden, wo doch der Macher von Opinio jetzt als Federführer von Westeins bei der WAZ allgemein bejubelt wird, in Klein-Bloggersdorf....

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Hochzeit, Wurst und Fahne

Ich lebe momentan in der Provinz, und werde noch eine Weile - ein Jahr vielleicht oder zwei, mindestens aber bis Herbst - bleiben. Sommer ist hier viel zu schön, als dass ich in einer grossen Stadt sein wollte, wegen Ozon, Staub, Hitze, Lärm, das ist kein Sommer. Gerade jetzt sind die Amseln und das Sirren der Schwalben lauter als der Verkehr. Vorhin hat in der Kirche jemand geheiratet, und der Wind hat ein wenig den Chorgesang herübergetragen. Ich habe geratscht, man hat mich nach den Fortschritten meiner Wohnung gefragt, und eine Bekannte hat von einem Freund erzählt, der hierher versetzt wird und 120 m² braucht, ob ich da nicht was hätte. Am See ist man von hier aus in 15 Minuten mit dem Fahrrad. Es ist eine reiche, satte Provinz. Wenn ich weg will, setze ich mich an den Rechner und gehe ins Netz, da ist dann Münchenberlintokioalles. Mit dem Auto bin ich schneller in München, als andere in München mit der MVV unterweg sind. In München sind die Haifische, die Antworten für ihre Fragen kaufen, aber selbst das mache ich am liebsten über das Internet von der Dachterasse aus. Man kann es hier schon aushalten, wenn man weiss, dass man weg kann. Und dass man eigentlich nicht dazu gehört.

Denn die, die hier dazu gehören, hängen die deutsche Flagge in ihren Stand auf dem Wochenmarkt, der von totem Tier nur so überquillt. Silber glänzen die Kassler Ripperl, wie geronnenes Blut mit Eiter liegt der Speck in der Vitrine, hier und da sind Knochen, und darüber die selbst gemachten Würste, obszön saftig und verknorpelt. Und obendrauf sind die Bilder der Hochzeit, damit es auch jeder weiss, dass die rotwangige, unfassbar blonde Verkörperung der perfekten Rusticoschönheit, mit ihren riesigen blauen, vergifteten Belladonna-Augen und der weissen Haut, als hätte man sie gerade zur Ader gelassen, bevor sie die das Fleisch armer Schweine zum Markte trägt, damit also jeder begreift, dass dieses Geschöpf ab jetzt vergeben ist.



Sie hat einen Hof, sie hat einen Mann und ein Kind und Viecher und ein Bolzenschussgerät und wenn die Tiere tot sind, knetet sie mit ihren kräftigen Armen den Teig und backt ein phantastisches Olivenbrot im eigenen Holzbackofen, weshalb ich hier anstehe. Ich bin nett und höflich und gratuliere ihr, aber in mir brüllt alles: HAU AB DAS HIER IST DIE HÖLLE UND DER TEUFEL LEGT DAS HOLZ IN DEN OFEN.

Diesen Sommer bin ich noch da. Den nächsten auch noch. Sie wissen nicht, wer und was ich bin, ich könnte es ihnen auch gar nicht erklären, was für eine Welt der Haifische das eigentlich in München ist, denn hier wäre das Haifischfressen lediglich ein traditioneller Freundschaftsdienst und keine Wirtshaftskriminalität. Sie mit dem Fleisch, dem Bild und dem Plan, das Leben mit einem einigen Geschlechtspartner zuzubringen, und ich, wir haben einen Modus Vivendi gefunden, wir einigen uns auf gewisse Themen und verdrängen manchmal die Kluft zwischen uns. Ich bin hier nur körperlich, ich will das alles hier gar nicht so mitbekommen, ich mag die Fassaden sehen und die Farben und das Licht, aber ich will nichts mit dem zu tun haben, was hier ist, was hier lebt und sich vermehrt mit dieser abartigen Nettigkeit und dem freudestrahlenden Lachen, das sicher keine Sekunde aufhört, wenn im Stall daneben die Sau abgeknallt wird oder der Nachbar die Katzen ersäuft. Geschockt sind sie hier erst, wenn mal wieder einer mit 180 auf der Landstrasse mit drei anderen in einen Laster knallt, oder sich einer so umbringt, dass man es schlecht als Unfall hinstellen kann. So ist das, bei den Wüsten nach der Hochzeit unter der Fahne. Die sind Bayern, Provinz und Deutschland. Für einen Moment wird mir der international operierende Starnberger Kieferbrecher fast wieder sympathisch, der in seinem Marmorpalast dem im Spackenfond 13 versenkten Gegenwert von 3 weiteren Bentleys hinterherheult, und seine mufflige Tochter, die jetzt kein neues Auto für das nächste Semester an der Privatuni kriegt, an dessen Stossstange sie den Aufkleber vom Zouz Zuoz-Club pappen könnte.

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Haifischluxus

Kleines Selbstgeschenk für einen ausgestiegenen Berater, der schon alles (Roadster Silber Antiquitäten Stadtpalast) hat: Andere ausnahmweise einfach mal so dumm wie sie geboren sind verrecken lassen und dabei zuschauen. Bringt zwar kein Geld, macht aber Spass. Sie wollen wissen, wie Blogs ticken? Fragen Sie einen Arschkriecher. Gibt´s im Dutzend billiger, kostet nur Spesen.

Edit: Für hierher verlinkte Leser eines gewissen substanzlosen Laberers geht es hier weiter.

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Freitag, 7. Juli 2006

Blogbu

ZZZZzzzzzzz.......

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Die grossen Sofas des kleinen Todes

Eigentlich sollte meine zweite Wohnung ja so etwas werden, wie die noble Version der oben bereits nicht ganz erfolglosen Frauenfalle - ein klaren Raumkonzept, das gewissermassen zwangsweise über Gang, Esszimmer und Wohnzimmer in den Alkoven (ohne Fluchtweg, gegen die Wand) führt. Das ist, wer wird denn gleich, Madame, bitteschön, allerbeste abendländisch-christliche Tradition, ja wirklich, der Papstpalast in Avignon etwa hatte eine derartige Raumfolge, und die wurde später in ganz Europa kopiert, sicher nicht zum Schaden derer, die sie bewohnten. Die Raumflucht geht von Angenehm über Grandios bis Diskret, die Sitzgelegenheiten werden immer horizontaler, man rutscht gewissermassen ineinander hinein, und während Stühle noch schnell verlassen werden können, ist das, halb ausgestreckt auf den Sofas und mit Essen und Pralinen beschwert, weitaus weniger grazil zu bewerkstelligen; allenfalls in Richtung Bett zu kriechen sollte noch möglich sein. So die Theorie einer Innenarchitektur, die nicht nur Möbel in Räume klatscht, sondern den Bedürfnissen des Bewohners dient.

Das wird wohl nichts werden. Das Testsitzen auf den Sofas gestern und vorgestern Abend zeigte überdeutlich, dass man, kaum ist man dort angelangt, in den Kissen versinkt und einschläft. Kein Gewitter, kein Lüsterglanz kann einen davon abhalten. Tatsächlich haben die Monster eine Federung, die jedes mir bekannte Bett - ausser vielleicht einer echten englischen Matratze - in den Schatten stellt. Ich muss gleich noch zum Auto, ist der letzte Gedanke, und danach erwacht man und schafft es gerade noch, den Roadster ausserhalb des Wirkungskreises der vermaledeiten Obrigkeit in Sicherheit zu bringen. Dazwischen liegen 8 Stunden in der Existenzform eines Steins. Willenlos, lustlos, unbeweglich und wahrscheinlich noch nicht mal ein eleganter Anblick. So wird das nichts mit dem geplanten Rundgang d´Amour. Vielleicht sollte ich doch noch irgendwo ein kleines, unbequemes Biedermeiersofa postieren. Oder ich mache doch den kleinen Exklusivclub für höhere Töchter der Stadt auf, dann würde es wieder passen mit den Sofas.

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Donnerstag, 6. Juli 2006

Sehr zu empfehlen - Spiegel Symmetrie

Manchmal ist es ein Fluch mit alten Häusern: Nachträglich wurden Mauern neu gesetzt und Kamine an anderer Stelle gemauert. Und 123 hastenichtgesehen ist ein spätbarocker Türstock nicht mehr in der Mitte, sondern irgendwie verkehrt in der Wand, nicht an der Seite, aber auch nicht, wie es eigentlich gedacht war, im Zentrum. Und natürlich stimmt es dann auch mit dem Stuck und der Kronleuchterachse und dem mittig eingebauten Fenster nicht mehr, denn das alles orientiert sich natürlich an der neuen Aufteilung Anno 1820, oder so. Und dann hat man, ebenfalls so um den Dreh, auch noch ein Durchreichefenster in die Tür gemacht, das den Raumeindruck nochmal etwas seltsam macht, weil die Wand auch bei geschlossener Tür quasi ein Loch hat. Dabei ist die Lösung relativ einfach:



Man nimmt einfach einen Louis-Philippe-Spiegel mit Rocaille oben drauf, dessen Glasfläche bereits etwas trübe ist, und hängt in an der Wand symmetrisch zur Tür. Und plötzlich stimmen die optischen Achsen wieder, der Stuck, der Kronleuchter, selbst die Wand sieht passabel aus - und der Spiegel macht den Raum durch eine optische Täuschung etwas grösser. Später kann man darunter noch eine kleine Kommode platzieren, und in den Zwischenräumen jeweils einen Stuhl an die Wand stellen. da gehören Stühle übrigens auch hin. Stühle bei Nichtgebrauch in den Raum zu stellen, ist eine Unsitte des späten 19. Jahrhunderts.

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Semiitalien

Es gibt genug Gründe, Bayern zu verabscheuen. Ja, es stimmt, es gibt hier eine Partei, die nicht gerade zum grösseren Ruhme Deutschlands beiträgt. Ja, Korruption ist etwas, das hier unter Brauchtumspflege gefördert wird. Ja, unsere Politiker brauchen dringend Deutschunterricht. Und selbst die Roten schaitern nicht an der CSU, sondern erst mal an sich selbst. Aber:



Dieses Bayern ist manchmal das Nächstbeste, was an Italien rankommt. Denn heute haben wir ihn, den originalen italienischen Himmel in seinem prächtigen, fast schon surrealen Blau, als wäre da einem der Farbtopf runtergefallen, das verwaschene Rot der Dächer, wir haben die italienische Architektur, hier lebten früher die Italiener, und hier oben kommen mir die besten Ideen für italienische Stukkaturen in den dunklen Räumen, wo ich nachher Siesta halten werde. Denn die Temperaturen, die sind auch italienisch. Aber jetzt erst mal zum Mercato.

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Donnerstag, 6. Juli 2006

Irgendwo

in Berlin geht gerade eine Koalition in die letzten Aufzüge, das Libretto für das Finale entsteht in einer Baracke, eine schöne Katzenmusik wird das im nächsten Sommer. Und der Koch wird das Merkel beerben, und alle sind froh, ausser den Wählern vielleicht. Woanders machen sich ein paar ehemalige oder halbwegs Bekannte gewisse Hoffnungen, eine Welt wiederzuerwecken, die es aus gutem Grund nicht mehr gibt. Da zerren sie an Grabplatten, ohne zu wissen, was sie darunter erwartet. Sollen sie mal machen. Wenn 2.0 erledigt ist, finden sich nochmal andere für 3.0. Man hört übrigens auch, dass ein Blog einer Gewinnerin irgendeines österreichischen Preises gern von einem Medium gekauft werden will. Man hört, dass andere fürn Arsch und Popa bloggen und eigentlich schon keine Lust mehr haben, aber was macht man nicht alles für die Firma. Man hört so viel in diesen Tagen, man wird eingeladen zu Treffen mit Leuten, deren Vorgänger man schon rund gemacht hat, aber es bringt nichts, es ist alles so weit weg.



Und dabei ist alles, was sich ändert, der untere Bildrand dieser Tage, mal ein paar Wolken, mal keine, ab uns zu ein paar Kondensstreifen, die nicht lange halten, heute ist sogar ein Storch vorbeigeflogen, und es ist leise, sehr leise, kein Geschrei mehr. Seltsam muss es sein an den Orten, wo sie an einer Zukunft arbeiten, die keiner will und keiner braucht, ausser sie selbst vielleicht. Seltsam und sehr weit weg. Da ist es fast schon ein Zeichen von Normalität, wenn jemand anruft und fragt, ob man vielleicht noch alte, dunkel patinierte Polsternägel mit 10 Millimeter Durchmesser hat. Mindestens 5, besser wären 10.

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Deutsche Kickpatrioten und deutsche Kulturgüter

Ich wohne in der Provinz in einer vergleichsweise ruhigen Gegend. Wegen der Kopfsteinpflaster gibt es hier keinen Autocorso, die nächsten Kneipen und Alkoholzapfstellen sind mindestens einen Block entfernt, und Parkplätze, zu denen man kriechen könnte, um nachher seine Innereien an einem Baum zu verteilen, gibt es hier auch kaum. Trotzdem ist das Verkehrsaufkommen hier bei Grossveranstaltungen erheblich, weil die Stadtoberen partout alle Festlichkeiten in der historischen Innenstadt haben wollen.

Die Folgen sind gravierend; nachdem diese Ecke eher ruhig und schlecht beleuchtet ist, werden viele hier das ein oder andere los, was für Eigentümer unschön ist, von Müll über Körperausscheidungen aller Art bishin zum Vandalismus. Es gibt aber ein Gegenmittel: Volle Lüster-Beleuchtung in allen möglichen Zimmern, von denen ich ein paar habe, und offene Fenster bis früh am Morgen. Das vertreibt die Bande, sie suchen sich andere, für ihr Tun besser geeignete Ecken. Gestern Abend wurden sogar die Blumen verschont, dafür randalierten sie in einer Baustelle, und die Strecke entlang einem Studentenwohnheim sieht nicht so aus, als ob man da langlaufen wollte. Es sieht aus wie DOITSCHLAND.



Andere hatten weniger Glück. Dieses Portal wurde erst vor ein paar Jahren mit viel Liebe restauriert und stabilisiert. Es ist ein aussergewöhnlich gut erhaltenes Beispiel für den sogenannten Parlerstil, oder auch internationale Gotik. Es ist ein Zeignis einer hochentwickelten, verfeinerten Epoche, die zwischen der Pest und den aufbrechenden Religionskriegen mit einigem Recht als der goldene Herbst des Mittelalters bezeichnet wird. Weil es so gut erhalten ist, hat man es mit einem Gitter gesichert. Aber ein paar Leute, über deren Patriotismus man sich in der politischen Kaste freut, lassen sich von so etwas nicht abhalten und haben gestern Nacht, nach dem verlorenen Fussballspiel, eine volle Weinflasche gegen den empfindlichen, weissen Kalkstein geschleudert. Für einen Treffer im Figurenfries weiter oben reichte vielleicht die Kraft oder die Koordinationsfähigkeit nicht mehr aus.

Das Glas verletzt die Oberflächen des Steins, fast ein Wunder, dass die nur wenige Zentimer dicken Stäbe nicht gebrochen sind, der rote Wein kann ungehindert in das poröse Material eindringen. Es wird vielleicht Jahre oder Jahrzehnte dauern, bis die Verfärbung wieder verschwunden ist. Der Ort ist nicht gerade menschenleer, aber soweit ich weiss, hat man die Verursacher nicht erwischt. Es ist der Umgang mit dem eigenen Land, der eigenen Umgebung, mit dem, in dem man lebt, warum ich nicht glaube, dass diese Menschen, dieser Müll, Dreck und Zerstörung verbreitende fahnendeutschaufstehende Abschaum, irgendetwas mit einem positiven Gefühl wie "Liebe" oder "Stolz" auf Deutschland zu tun hat. Es sind Nationalisten im schlechtesten Wortsinn, die Nation ist ihnen gleichgültig, sie brauchen nur was, um sich dran aufzugeilen, und wenn es nicht klappt mit dem Endsieg, macht man halt verbrannte Erde.

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Ich hätte da mal eine Frage.

Einfach, weil es mich interessiert und ich es, so eine jüngst gelesene Hypothese stimmen sollte, wissen will: Wie ist das mit den Blogs, die Ihr lest und/oder verlinkt - spielt da Eure Herkunftsregion eine Rolle, die Euch Blogs aus der gleichen Region bevorzugen lässt? Und gäbe es etwas, das Euch dazu bringen würde, vermehrt auf Blogs aus Eurer Region zu linken?

Ich pesönlich glaube ja eher an eine Art virtuelle Nachbarschaft, in der es um Leute geht und nicht ihren Wohnort, aber vielleicht liege ich da auch falsch.

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Mittwoch, 5. Juli 2006

AZZUUURRRROOOOO!



Va', pensiero, sull'ali dorate.
Va', ti posa sui clivi, sui coll,
ove olezzano tepide e molli
l'aure dolci del suolo natal!

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Brüder im Geiste

Dieser bloggende Herr bekommt einen neuen Stuhl und ein neues Dach über dem Kopf, unter dem er in Zukunft seiner Arbeit nachgehen wird. Director Online Conversations. Sehr schön.

Gratuliere. Aber mein neuer Stuhl



und mein neues Dach,



wo ich meiner Arbeit nachgehe, sind auch nicht zu verachten. Zumal die Anja-Tanja-Quote hier niedriger ist.

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Sehr zu empfehlen - A Tribute to Laura

In den endlosen Sommertagen der frühen 90er Jahre zogen sich feine Distinktionslinien durch die bessere Gesellschaft der kleinen Provinzstadt, die sich in der Kleidung als äusseres Merkmal für Lebensentwürfe niederschlugen. Da gab es die, die bei Robot und Annas in München einkauften und eigentlich schon weg waren. Es gab welche, die weiterhin den drei, vier Geschäften in der Stadt treu blieben, die nicht billiger, aber weniger ausgefallen waren. Und es gab die, die in die Sendlinger Strasse nach München gefahren sind, die Herren zu Konen, und die Frauen zu - Laura Ashley.

Das waren die, bei denen man wusste, dass sie Kinder wollten und einen wenig störenden Ehemann und davor noch etwas Spass, aber bitte nichts Ernstes, wenn überhaupt. Es gab welche, die vor den Bällen von Mama zwangsweise hingeschleift wurden, auch wenn sie lieber zu Theresa gegangen wären. Die Mehrheit aber kleidete sich freiwillig in spätviktorianischen Zitaten mit vielen Rüschen, Schleifen und Puffärmelchen. Das waren die, um die man besser einen Bogen machte, auch wenn sie damit ins Parkcafe kamen - an der Tür wussten sie, wer das Geld mitbrachte. Laura Ashley war Ausdruck einer geistigen Seuche, die sich in den Villen und Zweifamilienhäusern zwischen dem Oberland und dem Donautal breit machte; Landhausstil, nicht genutzte Mitgliedschaft im Golfclub und Strohkränze an den Türen waren weitere Sympthome, und bald kam die Ehe, die, als wäre es noch nicht genug, auch gehalten hat. Meistens. Ich glaube, wer Laura Ashley getragen hat, lässt sich auch nicht scheiden. Das ist einfach so. Passt nicht in derer festgefügter Lebensplanung, die mit einem Freund in der 10 Klasse beginnt und dabei bleibt.

Kurz, wer wirklich Spass haben wollte, hielt sich an anything but Laura Ashley. Hätte man mir gesagt, dass ich mal freiwillig und allein diesen Laden betrete - mit anderen habe ich es natürlich getan, so weit war der obige Typ vertereten, man konnte nicht anders - hätte ich schief gegrinst. Letzte Woche aber war es so weit, und überzeugt hat mich meine kleine Schwester, die damals Laura Ashley noch mehr verachtet hat als ich. Denn von dort hat sie etwas angeschleppt, was ausserordentlich sinnvoll ist: Englische Wandfarben in kleinen Probierdosen.



Da gab es mal ein kleines Problem, wir erinnern uns vielleicht: Eine mühsam verputzte Wand, eine angerührte Farbe, die im Topf grandios aussah und an der Wand, nach langem Streichen und Trocknen, leider erbärmliches Mint wurde. Die Farbe kostete 30 Euro, das Streichen einen Tag, die Enttäuschung - unbezahlbar, nochmal streichen - zum Kotzen. Man muss sowas immer an der Wand ausprobieren, bevor man streicht. Aber wenn dann erst mal das Pigment in der Farbe ist, kann man nichts mehr ändern. Kurz, Farben sind eine Art Russisch Roulette des Dekorierens. Und bevor ich mir die nächste Kugel gebe, gehe ich lieber zu Laura Ashley und besorge mir die Farben, die passen könnten.

Es ist ja nicht nur die Wand. Es sind auch die Möbel, und das Licht. Es ist leichter, die Farbe anzupassen, als den Bezug der Möbel. Die Hölzer von Stühlen und Parkett sind unveränderbar wie auch die verschiedenen Beleuchtungen von Sonne, Kronleuchter, Stehlampen und Kerzen. Das muss man alles erst mal auspobieren. Man spart sich für ein paar Euro enorm viel Arbeit und Nerven, selbst wenn die Töpfchen unverschämt teuer sind. Dann eben doch da rein und nicht an die Vergangenheit denken und warum Patricia ihren Körper ausgerechnet in - egal, vorbei, lange vorbei. Hauptsache, es ist nachher die richtige Farbe.



Es wird das zarte Grün oben ganz links, "Silver Birch", und dazu ein wenig Dekorarion im "faded Gold" daneben. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das nehme, schon im Geschäft habe ich gezögert, und ausprobiert habe ich es erst, als der etwas schwache Ton "Eau de Nil" nicht ganz den Erwartungen entsprochen hat. Es kommen eben sehr viele Faktoren zusammen, in diesen alten Räumen, man weiss nie, wie es ausgeht. Das Blau rechts unten kommt in die Bibliothek, aber nicht allein, weil es zu kalt ist. Aber um so etwas zu wissen, muss man es erst mal ausprobieren. Es ist ja nur Farbe. Und nicht die Ehe mit einer fremden Frau in Laura Ashley.

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