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Freitag, 3. November 2006
Buahahahaha!
Ingesamt wird der Unternehmen jetzt bereits mit 130 Mio Euro bewertet. Sevenload, erst im April dieses Jahres gegründet, peilt nach Zahlen von Unternehmensinsidern 2008 rund 30 Mio. Euro Umsatz und einen Gewinn vor Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von rund 10 Mio. an. - meint die FTD (http://www.ftd.de/technik/128021.html?zid=90893), dass es kommen würde, habe ich schon früher gesagt.
Und dafür macht man jetzt tolle Auslandsexpanionen in andere Länder, wo es andere gibt, die sich auch entsprechend bewerten und Expansionen nach Deutschland planen, kauft vielleicht noch den ein oder andere Mitbewerber auf, den man 2008 nach Ebitda dann wertberichtigen und abschreiben muss - oder eben die arme Sau von vollbrunzverblödetem Medienunternehmer, der das Ding aus Panik vor dem kommenden Web gekauft hat. Mich würde mal interessieren, welche PR-Agentur der FTD solche "Insider" vor die Nase stellt - aber bei der FTD kann man sowas ja locker machen.
2008 wird ein geiles Jahr für Boocompany.
Und dafür macht man jetzt tolle Auslandsexpanionen in andere Länder, wo es andere gibt, die sich auch entsprechend bewerten und Expansionen nach Deutschland planen, kauft vielleicht noch den ein oder andere Mitbewerber auf, den man 2008 nach Ebitda dann wertberichtigen und abschreiben muss - oder eben die arme Sau von vollbrunzverblödetem Medienunternehmer, der das Ding aus Panik vor dem kommenden Web gekauft hat. Mich würde mal interessieren, welche PR-Agentur der FTD solche "Insider" vor die Nase stellt - aber bei der FTD kann man sowas ja locker machen.
2008 wird ein geiles Jahr für Boocompany.
donalphons, 21:21h
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Industriespionage2.0
Früher war es schwierig, in Konzernstrukturen einzudringen. Wenn ich keinen internen Kontakt hatte, blieb nur die Anruferei bei der PR und eine sehr komplexe Fragestellung, die möglichst viele Bereiche des Unternehmens umfasste. Eher selten mal gelang auch ein direkter Angriff über die Führungsebene, indem ich zufällig am gleichen Ort war und mit denen ins Gespräch kam. Es gehört eine Menge Dreistigkeit dazu, irgendwo aufzulaufen und eine Story zu erzählen, von der ein paar andere im Saal schon schmerzhaft erfahren mussten, dass sie nicht stimmt.
Kenntnis der Struktur hilft weiter, denn dadurch werden Schwachpunkte offensichtlich. Es gab immer einen, der auf dem Absprung war, beim Dienstporsche übergangen wurde und empfänglich für Gelegenheiten war, zu einer anderen Firma zu wechseln. Das sind so die Folgen, wenn man das Wort Betriebsgeheimnis durch einen Haufen NDAs ersetzt, an die sich alle so halten wie an die AGBs eines Microsoftprogramms. Das problem in diesem Bereich sind aber die formal flachen Hierarchien, in deren Folge das Wissen nirgendwo konzentriert ist oder sich je nach Abteilung in einen relativen Begriff wandelt. Startups sind wie der Pudding, den man an die Wand nageln will, eine unstrukturierte Masse, ein Urschleim, der es meistens nie schafft, sich davon wegzuentwickeln und laufend urbane Penner ausscheidet, die alles verraten würden und doch nichts wissen. Schon gar nicht, wann sich wer mit wem getroffen hat, wer wen kennt und wer letztlich das sagen hat. Klassisches Beispiel: Wenn VCs einem Unternehmen nicht mehr trauen, wechselt die Betreuung. Dann kommt ein neuer Mann mit, oder es laufen mehrere Berater mit auf. Um so etwas von aussen zu erkennen, müsste man auch den VC angraben - und das ist wirklich schwierig.
Heute ist das alles anders. Man findet immer einen bei Youtube. Und der hat Buddies. An deren Filme erkennt man schnell, dass die im gleichen Gebäude sind. Darunter steht das Datum des Films. Die gleichen Tags werden auch bei Flickr verwendet, und die Sets teilen mit, von welchem Ereignis sie stammen. Technorati ist für aktuelle Ereignisse der letzte Dreck, aber zum Abgleichen offizieller Informationen wirklich eine rundum dufte Sache. Die unbekannten Leute findet man über die OpenBC-Kontakte heraus, dann schaut man durch, wo die früher waren, wann sie eingestiegen sind, und bekommt so ein sehr präzises Bild von der Personalpolitik der Firma, ihren Bedürfnissen, den Wachstumsschritten, den Überfliegern und den Versagern, die nicht voran kommen. Die ruft man dann an.
Die Feindbeobachtung, die man früher mit einem Dreierteam in einer Woche mit komplexen Workflow Management vor Ort gemacht hat, schaffe ich heute allein in zwei Tagen, ohne dort sein zu müssen. Es wird gefilmt, kommuniziert und hochgeladen ohne Ende, jeder ist dabei, der Prakti wie der COO, man sieht Flipcharts im Hintergrund und Adressen unter den Kaffeepötten, man kennt die befreundeten Firmen und weiss, zu welcher Uhrzeit welcher Investor welche Mitarbeiter gesprochen hat, man kennt den Ort der Schlüssel und eigentlich könnte man dank Plazes auch noch festlegen, wann bei welchem Mitarbeiter daheim der Einbruch günstig wäre - den Weg zum Rechner, von dem man dank hochgeladener Screenshots und der Tabreiter weiss, dass er dort für die Firma arbeitet, kennt man ja auch dank Flickr.
So ist das, dank Web2.0. Was wird nur aus der angekoksten PR-Frau, die ihren Job der Libido des CMO verdankte und die unter Prosecco alles erzählte - aus Sicht der Industriespionage ist ihr Job überflüssig und kann von mir aus gestrichen werden.
P.S.: Ehssan, es fällt wirklich auf, wenn Dein halber Laden hier über Google einfällt.
Kenntnis der Struktur hilft weiter, denn dadurch werden Schwachpunkte offensichtlich. Es gab immer einen, der auf dem Absprung war, beim Dienstporsche übergangen wurde und empfänglich für Gelegenheiten war, zu einer anderen Firma zu wechseln. Das sind so die Folgen, wenn man das Wort Betriebsgeheimnis durch einen Haufen NDAs ersetzt, an die sich alle so halten wie an die AGBs eines Microsoftprogramms. Das problem in diesem Bereich sind aber die formal flachen Hierarchien, in deren Folge das Wissen nirgendwo konzentriert ist oder sich je nach Abteilung in einen relativen Begriff wandelt. Startups sind wie der Pudding, den man an die Wand nageln will, eine unstrukturierte Masse, ein Urschleim, der es meistens nie schafft, sich davon wegzuentwickeln und laufend urbane Penner ausscheidet, die alles verraten würden und doch nichts wissen. Schon gar nicht, wann sich wer mit wem getroffen hat, wer wen kennt und wer letztlich das sagen hat. Klassisches Beispiel: Wenn VCs einem Unternehmen nicht mehr trauen, wechselt die Betreuung. Dann kommt ein neuer Mann mit, oder es laufen mehrere Berater mit auf. Um so etwas von aussen zu erkennen, müsste man auch den VC angraben - und das ist wirklich schwierig.
Heute ist das alles anders. Man findet immer einen bei Youtube. Und der hat Buddies. An deren Filme erkennt man schnell, dass die im gleichen Gebäude sind. Darunter steht das Datum des Films. Die gleichen Tags werden auch bei Flickr verwendet, und die Sets teilen mit, von welchem Ereignis sie stammen. Technorati ist für aktuelle Ereignisse der letzte Dreck, aber zum Abgleichen offizieller Informationen wirklich eine rundum dufte Sache. Die unbekannten Leute findet man über die OpenBC-Kontakte heraus, dann schaut man durch, wo die früher waren, wann sie eingestiegen sind, und bekommt so ein sehr präzises Bild von der Personalpolitik der Firma, ihren Bedürfnissen, den Wachstumsschritten, den Überfliegern und den Versagern, die nicht voran kommen. Die ruft man dann an.
Die Feindbeobachtung, die man früher mit einem Dreierteam in einer Woche mit komplexen Workflow Management vor Ort gemacht hat, schaffe ich heute allein in zwei Tagen, ohne dort sein zu müssen. Es wird gefilmt, kommuniziert und hochgeladen ohne Ende, jeder ist dabei, der Prakti wie der COO, man sieht Flipcharts im Hintergrund und Adressen unter den Kaffeepötten, man kennt die befreundeten Firmen und weiss, zu welcher Uhrzeit welcher Investor welche Mitarbeiter gesprochen hat, man kennt den Ort der Schlüssel und eigentlich könnte man dank Plazes auch noch festlegen, wann bei welchem Mitarbeiter daheim der Einbruch günstig wäre - den Weg zum Rechner, von dem man dank hochgeladener Screenshots und der Tabreiter weiss, dass er dort für die Firma arbeitet, kennt man ja auch dank Flickr.
So ist das, dank Web2.0. Was wird nur aus der angekoksten PR-Frau, die ihren Job der Libido des CMO verdankte und die unter Prosecco alles erzählte - aus Sicht der Industriespionage ist ihr Job überflüssig und kann von mir aus gestrichen werden.
P.S.: Ehssan, es fällt wirklich auf, wenn Dein halber Laden hier über Google einfällt.
donalphons, 19:53h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 3. November 2006
Etwas über dieses Blog
Rebellen ohne Markt ist mir nicht mehr besonders wichtig. Das war früher anders, als täglich kaum mehr als 300, 400 Leute vorbei kamen, so gegen Ende 2003, 2004. Wer das Blog von damals kennt, weiss, dass es einen dramatischen Wandel durchgemacht hat, weg von der Welt der Venture Capitalists, Events und der sog. "Szene" der Munich Area. Ich bin nach Berlin gegangen, um auch einen Graben zwischen mich und dem Vergangenen zu legen, und ein Buchprojekt mit einer bekannten Person dieser Szene blieb unvollendet, weil ich Unstimmigkeiten mit dem Verleger in München zum Anlass nahm, es bleiben zu lassen. Es war purer Luxus, die Fahrerei und Fliegerei nach München für 2 Stunden Interview war teuer, ich habe keinen Cent bekommen und eingefordert, und es war gut so. Der Rechner mit den nicht unbrisanten Aufnahmen steht jetzt seit zweieinhalb Jahren im Nebenraum. Ich habe ihn nicht mehr angefasst.
Dieses Blog war damals eine Art Spazierstock auf dem Weg aus dieser Welt, über die ich langsam wieder höhnisch lachen konnte, und das ist das erste Zeichen der Besserung. Ich habe sorgfältig alte Kontakte einschlafen lassen, die Email geändert, auf Anrufe nicht reagiert und Leute versetzt, um langsam aus der Szene zu verschwinden, deren Teil ich war. Nicht immer war das nett und höflich, es waren auch viele Leute dabei, die ich schätzte, aber es hängen zu viele Erinnerungen dran. Als dann endlich mal nach einigen verfluchten Beerdigungen der falschen Leute der Richtige krepierte und ich auf das Begräbnis ging, um zu sehen, dass er wirklich tot war und nie wider kommen würde, war ich frei von allem. Zweimal bin ich in diese Welt zurückgekehrt, einmal wegen Pixelpark und ein ander mal wegen SCO, aber das waren kurze Gastspiele, und was ich sonst noch erfahre, höre ich eher zufällig. Man mag es vielleicht nicht glauben, aber im Vergleich zu früher war das hier tiefster Friede.
Gestern nun hat mich einer angesprochen aus der schlimmsten Zeit, mit dem ich etwas aufgebaut habe. Er weiss, wer ich bin und was ich damals getan habe. Heute stehen wir auf unterschiedlichen Seiten. Ich dachte eigentlich, ich hätte alles durch gehabt, es gibt nicht mehr viel, was mich nach meiner Zeit als Jäger im Abgrund noch berühren könnte in dieser anderen Welt, aber hey, doch, es gibt noch eine Kombination, es gibt noch Dreckschweine, die die richtigen Knöpfe finden, um den Mechanismus zu starten, der alles egal werden lässt, für den man wieder zum Hörer greift und sich zurückmeldet, um alles zu tun für ein paar Gurte Munition und ein paar Kanister Nitroglycerin für den Tank, denn darauf fliegen die Jungs, sie sind nicht schlecht und sie sind schnell, da muss man mithalten, und wir alle sind in der gleichen Finsternis, ich kenne das Spiel, ich war einer von denen, ich habe das schon oft getan, aus Spass, für Geld, aus Dummheit.
Ich sass mal mit einer Freundin im Cafe Puck, 2001. Sie war ziemlich durch den Wind und entwickelte diese verrückten Theorie, das Schlimmste an unserem Leben und der Zukunft ist, dass wir vielleicht glauben, dass es geradeaus geht oder nach oben, aber in Wirklichkeit wissen wir, dass unsere Bewegung nur eine Folge der zertrümmerten Zeit ist, in der wir leben, in der Aufstieg und Niedergang ineinander verschoben sind, und der Boden, auf dem wir aufschlagen und verbrennen in unseren Maschinen, irgendwann einfach zu schnell hochkommt, schneller jedenfalls als wir, und es gibt nichts, was wir dagegen tun können. Sie hatte recht. Und ich sorge dafür, dass sie recht bekommen wird. Hier in diesem Blog, und auch woanders. Dieses eine Mal ist es noch wichtig.
Danach - geht es weiter mit Apfelstrudel, alten Möbeln und netten Geschichten von Iris und ihrem Ex-Mann.
Dieses Blog war damals eine Art Spazierstock auf dem Weg aus dieser Welt, über die ich langsam wieder höhnisch lachen konnte, und das ist das erste Zeichen der Besserung. Ich habe sorgfältig alte Kontakte einschlafen lassen, die Email geändert, auf Anrufe nicht reagiert und Leute versetzt, um langsam aus der Szene zu verschwinden, deren Teil ich war. Nicht immer war das nett und höflich, es waren auch viele Leute dabei, die ich schätzte, aber es hängen zu viele Erinnerungen dran. Als dann endlich mal nach einigen verfluchten Beerdigungen der falschen Leute der Richtige krepierte und ich auf das Begräbnis ging, um zu sehen, dass er wirklich tot war und nie wider kommen würde, war ich frei von allem. Zweimal bin ich in diese Welt zurückgekehrt, einmal wegen Pixelpark und ein ander mal wegen SCO, aber das waren kurze Gastspiele, und was ich sonst noch erfahre, höre ich eher zufällig. Man mag es vielleicht nicht glauben, aber im Vergleich zu früher war das hier tiefster Friede.
Gestern nun hat mich einer angesprochen aus der schlimmsten Zeit, mit dem ich etwas aufgebaut habe. Er weiss, wer ich bin und was ich damals getan habe. Heute stehen wir auf unterschiedlichen Seiten. Ich dachte eigentlich, ich hätte alles durch gehabt, es gibt nicht mehr viel, was mich nach meiner Zeit als Jäger im Abgrund noch berühren könnte in dieser anderen Welt, aber hey, doch, es gibt noch eine Kombination, es gibt noch Dreckschweine, die die richtigen Knöpfe finden, um den Mechanismus zu starten, der alles egal werden lässt, für den man wieder zum Hörer greift und sich zurückmeldet, um alles zu tun für ein paar Gurte Munition und ein paar Kanister Nitroglycerin für den Tank, denn darauf fliegen die Jungs, sie sind nicht schlecht und sie sind schnell, da muss man mithalten, und wir alle sind in der gleichen Finsternis, ich kenne das Spiel, ich war einer von denen, ich habe das schon oft getan, aus Spass, für Geld, aus Dummheit.
Ich sass mal mit einer Freundin im Cafe Puck, 2001. Sie war ziemlich durch den Wind und entwickelte diese verrückten Theorie, das Schlimmste an unserem Leben und der Zukunft ist, dass wir vielleicht glauben, dass es geradeaus geht oder nach oben, aber in Wirklichkeit wissen wir, dass unsere Bewegung nur eine Folge der zertrümmerten Zeit ist, in der wir leben, in der Aufstieg und Niedergang ineinander verschoben sind, und der Boden, auf dem wir aufschlagen und verbrennen in unseren Maschinen, irgendwann einfach zu schnell hochkommt, schneller jedenfalls als wir, und es gibt nichts, was wir dagegen tun können. Sie hatte recht. Und ich sorge dafür, dass sie recht bekommen wird. Hier in diesem Blog, und auch woanders. Dieses eine Mal ist es noch wichtig.
Danach - geht es weiter mit Apfelstrudel, alten Möbeln und netten Geschichten von Iris und ihrem Ex-Mann.
donalphons, 00:49h
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Frage an die mitlesenden Spezialisten
Wie speichert man ein Youtube-Video auf dem heimischen Computer?
donalphons, 13:46h
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Germanblogs reloaded
Im Englischen sagt man: It´s like shooting fish in a barrel - es ist wie Fische abknallen im Fass. Ausgeweidete, leicht übel riechende Fischfilets vom Lieferanten Holtzbrinck&Boogie werden an der Blogbar serviert - allerdings unter Ausschluss des von Germanblogs bezahlten Dieter Petereit, der mal wieder zu spammen versucht.
donalphons, 03:40h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 2. November 2006
Home at the Lake
Diese Strasse entlang zu fahren, hiess in eine andere Welt kommen, wo die Probleme gering, die Sorgen selten und das Leben eher einfach war. Die Fragen des Daseins sind etwa, wie man die Bäume weg bekommt, die inzwischen, 20 Jahre nach der Pflanzung, die Sonne wegnehmen, wo man das Holz herbekommt und wer während der vier Wochen irgendwo in den Tropen die Katzen versorgt.

Es ist dies die finale Manifestation der Erwartungen der alten Bundesrepublik, so hat man sich das als Ideal vorgestellt, Grün, Wasser, grosse Gärten und Häuser so riesig, dass die Frauen auch ohne Beruf einiges zu tun hatten. Angetrieben von einer in festgesetzten Grenzen perfekt funktionierenden Wirtschaft mit klaren Verhältnissen, Du Deutsch, Du Grundig, Grundig Arbeit, Arbeit Wohlstand, die dort, wo Grundig war, längst nicht mehr läuft, aber hier geht es weiter, ganz ohne die neuen Oberschichten der Berater und Anwälte, die heute noch Grenzen durchbrechen mit Viertwägen und Hummer und morgen schon arbeitslos sind oder wegen Unterschlagung vor dem Richter landen.
Es sind die sicheren Häfen für die Regionalzeitung, über deren Feigheit und Käuflichkeit man sich amüsiert und manchmal einen Leserbrief schreibt, der dann pflichtschuldig abgedruckt wird. Es ist der Rückzugsraum für mündelsichere Papiere und, bestärkt durch manchen Fehler in der New Economy, die schützende Hecke für jahrzehntelang gehortete DAX-Aktien. Von der Globalisierung an den oberen Rand gedrückt, ist das kleine Viertel beim See vom real gelebten Traum des Bürgertums zu einem pastoralen Refugium geworden, eine moderne Analogie zu den idealisierten Dörfern in den Parks der absolutistischen Schlösser.
Und niemand dort macht sich glücklicherweise die Mühe, darüber nachzudenken, wozu auch, die nächsten 20, 30 Jahre wird sich hier nichts ändern. Globalisierung, das ist irgendwo anders, eine anonyme Geldmaschine fernab von hier wie die AKWs, aus denen der Strom kommt, dessen unerfreuliche Störung des Gewissens man natürlich mit einer Solaranlage beruhigt. Hier draussen, am See.

Es ist dies die finale Manifestation der Erwartungen der alten Bundesrepublik, so hat man sich das als Ideal vorgestellt, Grün, Wasser, grosse Gärten und Häuser so riesig, dass die Frauen auch ohne Beruf einiges zu tun hatten. Angetrieben von einer in festgesetzten Grenzen perfekt funktionierenden Wirtschaft mit klaren Verhältnissen, Du Deutsch, Du Grundig, Grundig Arbeit, Arbeit Wohlstand, die dort, wo Grundig war, längst nicht mehr läuft, aber hier geht es weiter, ganz ohne die neuen Oberschichten der Berater und Anwälte, die heute noch Grenzen durchbrechen mit Viertwägen und Hummer und morgen schon arbeitslos sind oder wegen Unterschlagung vor dem Richter landen.
Es sind die sicheren Häfen für die Regionalzeitung, über deren Feigheit und Käuflichkeit man sich amüsiert und manchmal einen Leserbrief schreibt, der dann pflichtschuldig abgedruckt wird. Es ist der Rückzugsraum für mündelsichere Papiere und, bestärkt durch manchen Fehler in der New Economy, die schützende Hecke für jahrzehntelang gehortete DAX-Aktien. Von der Globalisierung an den oberen Rand gedrückt, ist das kleine Viertel beim See vom real gelebten Traum des Bürgertums zu einem pastoralen Refugium geworden, eine moderne Analogie zu den idealisierten Dörfern in den Parks der absolutistischen Schlösser.
Und niemand dort macht sich glücklicherweise die Mühe, darüber nachzudenken, wozu auch, die nächsten 20, 30 Jahre wird sich hier nichts ändern. Globalisierung, das ist irgendwo anders, eine anonyme Geldmaschine fernab von hier wie die AKWs, aus denen der Strom kommt, dessen unerfreuliche Störung des Gewissens man natürlich mit einer Solaranlage beruhigt. Hier draussen, am See.
donalphons, 00:54h
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Speiseplan für die kommenden Tage
Gekonnt fasten mit der Apfelstrudeldiät!

1 Gang reicht. Und ausser Teig, Weinberl, Sahne, Butter, Zucker und Äpfel ist da nichts drinnen.

1 Gang reicht. Und ausser Teig, Weinberl, Sahne, Butter, Zucker und Äpfel ist da nichts drinnen.
donalphons, 18:18h
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Mein allerzweiter Podcast!
Naja, sagen wir besser, mein zweites MP3 im Internet. Hier ist er, der Halloweentext, von mir selbst vorgelesen und artikuliert, 1,13 MB zum allgemeinen Vergnügen.
donalphons, 13:42h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 31. Oktober 2006
Gewissensfrage am 31.10.
Ich habe eine Aversion gegen Supermärkte. Die langen Regale, die dummpraktische Einrichtung, das hässliche Neonlicht, das auch das schönste Gesicht teigig schimmern lässt, das Anstehen und schliesslich diese Menschen, all das ist für mich der Horror, besonders dann am Ende die unpersönliche Abfertigung an der Kasse. Soweit es sich vermeiden lässt, gehe ich nicht in Supermärkte. Und das meiste bekomme ich auf dem Markt, wo nette Menschen mein doch eher zurückhaltendes, konfliktscheues Temperament mit warmen Worten päppeln.
Nur Bratfett, das bekomme ich dort nicht. 5 Liter bräuchte ich, kein Olivenöl, nein, Bratfett muss es sein, billiges Bratfett, in schimmerndes Alupapier eingewickelt, geschmacksneutral oder höchstens ranzlig. Ich vertrödelte den Nachmittag, ich sass unentschlossen in der Ecke, ich floh mich in Ausweichbeschäftigungen wie dem Einrahmen von alten englischen Kupferstichen von gotischen Abteiruinen, ich tröstete meine Seele mit dem Betrachten schöner Bilder der späten Romanik, in meiner Verzweiflung überspielte ich dann auch die Photos von St. Zeno auf den Rechner, diesem Märtyrer mit den schlimmen Qualen aus Verona, und alles nur, um nicht in den Supermarkt zu müssen. Ich machte mich gar auf den Weg, aber auf halber Strecke kam mir eine Elitesse entgegen, aus ein paar wenigen gewechselten Worten entsprang ein längeres Gespräch über den Studienbeginn und tausend andere Themen, und ihr belangloses Reden rettete mich vor dem Gang in die Vorhölle des Supermarkts, in den hell erleuchtenden Schlund zur Marterung meiner nervös gereizten Sinne, der endgültigen Beleidigung meiner sensiblen Seele. Kein Bratfett also.
Und das ist nun der Grund, warum ich hier sitze, zusammengesunken über dem Rechner, kein Bratfett habe und es auch nicht erhitzen kann, um es dann kochend aus dem Fenster auf die GOTTVERFLUCHTEN DRECKSBLAGEN zu kippen, diese stinkenden kleinen Halloween-Monster, die der europäischen Kultur, der Wurzel meiner Feinsinnigkeit klingelnd und fordernd eine derartige Beleidigung antun, die ich angemessen nur mit dem Bratfett beantworten kann, das zu erwerben mir aber meine feinen Sinne und mein zartes Gemüt verweigerten.
Nur Bratfett, das bekomme ich dort nicht. 5 Liter bräuchte ich, kein Olivenöl, nein, Bratfett muss es sein, billiges Bratfett, in schimmerndes Alupapier eingewickelt, geschmacksneutral oder höchstens ranzlig. Ich vertrödelte den Nachmittag, ich sass unentschlossen in der Ecke, ich floh mich in Ausweichbeschäftigungen wie dem Einrahmen von alten englischen Kupferstichen von gotischen Abteiruinen, ich tröstete meine Seele mit dem Betrachten schöner Bilder der späten Romanik, in meiner Verzweiflung überspielte ich dann auch die Photos von St. Zeno auf den Rechner, diesem Märtyrer mit den schlimmen Qualen aus Verona, und alles nur, um nicht in den Supermarkt zu müssen. Ich machte mich gar auf den Weg, aber auf halber Strecke kam mir eine Elitesse entgegen, aus ein paar wenigen gewechselten Worten entsprang ein längeres Gespräch über den Studienbeginn und tausend andere Themen, und ihr belangloses Reden rettete mich vor dem Gang in die Vorhölle des Supermarkts, in den hell erleuchtenden Schlund zur Marterung meiner nervös gereizten Sinne, der endgültigen Beleidigung meiner sensiblen Seele. Kein Bratfett also.
Und das ist nun der Grund, warum ich hier sitze, zusammengesunken über dem Rechner, kein Bratfett habe und es auch nicht erhitzen kann, um es dann kochend aus dem Fenster auf die GOTTVERFLUCHTEN DRECKSBLAGEN zu kippen, diese stinkenden kleinen Halloween-Monster, die der europäischen Kultur, der Wurzel meiner Feinsinnigkeit klingelnd und fordernd eine derartige Beleidigung antun, die ich angemessen nur mit dem Bratfett beantworten kann, das zu erwerben mir aber meine feinen Sinne und mein zartes Gemüt verweigerten.
donalphons, 22:48h
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Hallo Südeutsche Zeitung!
Ja, das mit den Blogs war nicht so gut. Ich verstehe, dass Ihr frustriert seid. Aber deshalb die Onlineleute feuern die Redaktion optimieren und das Ganze in Tschechien hochziehen, na, ich weiss nicht. Schon hart, irgendwie, wenn ich an all die jungen Leute denke, die später mal Jobs wollen. Es stimmt natürlich, zum Pressemitteilungen Umschreiben kann man auch chinesische Akademiker einkaufen. Die sind noch billiger als Tschechen. Und garantiert linientreu.
Hm. Wenn schon die Süddeutsche sowas plant, wer zieht dann nach? Die Freuden der Globalisierung kommen auch zu uns Journalisten. (mehr bei Ben Schwan, und nachher schreibe ich auch mal was Nettes über Asien)
Hm. Wenn schon die Süddeutsche sowas plant, wer zieht dann nach? Die Freuden der Globalisierung kommen auch zu uns Journalisten. (mehr bei Ben Schwan, und nachher schreibe ich auch mal was Nettes über Asien)
donalphons, 13:38h
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Krisenszenarien für Profiteure
für Qype, StudiVZ und OpenBC sind an der Blogbar zu betrachten.
donalphons, 10:19h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Montag, 30. Oktober 2006
Zwecks Freund- und Feinderkennung
und wegen der Verschwendung des schwarz gelagerten SED-Parteivermögens durch voreilig gekaufte Sylvesterraketen sehen wir uns hier veranlasst, die zumeist linke Leserschaft davon in Kenntnis zu setzen, dass die Puppen des abgeschalteten Blogs "Statler & Waldorf" nicht über den Jordan Richtung syrische Tretmine (made in USA) gegangen sind, sondern nach einem erzkapitalistischen Serverende der freien Marktwirtschaft unter
http://ww w.s-and-w.de
weiterexistieren - in Kuba, möchte man ihnen zurufen, wäre das nicht passiert. Von Beileidsbekundungen an ungeschaufelten Gräbern bitten wir deshalb Abstand zu nehmen. Feuerwerk bitte einlagern bis zum Ende des Sumpfes der arbeitslosen Sportlehrer von PI und Kewil, der Schande des Schwabenlandes.
Mit sozialistischen Grüssen!
Das ZK des Blogkommandos Durruti
http://ww w.s-and-w.de
weiterexistieren - in Kuba, möchte man ihnen zurufen, wäre das nicht passiert. Von Beileidsbekundungen an ungeschaufelten Gräbern bitten wir deshalb Abstand zu nehmen. Feuerwerk bitte einlagern bis zum Ende des Sumpfes der arbeitslosen Sportlehrer von PI und Kewil, der Schande des Schwabenlandes.
Mit sozialistischen Grüssen!
Das ZK des Blogkommandos Durruti
donalphons, 16:22h
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Last sun standing
Die Donau ist die Grenze. Schon immer gewesen. Keltische Oppida nennenswerter Grösse kommen bis in diese Region vor, erreichen ihre maximale Ausdehnung und verkümemrn weiter nördlich, auch die Römer bleiben hier hängen, weiter nördlich wird es ungemütlich. Hier, über dem grünen Fluss und dem goldenen Urwald an seinen Ufern, stellt sich die Sonne jedes Jahr im Oktober und November einem Endkampf, den sie grandios verliert. Immer noch weitaus besser als der erbärmliche Rückzug vor der anrückenden Kälte aus dem nördlichen Raum von Hamburg, Gelsenkirchen und Berlin, den sie hier bereits hinter sich hat. Hier zeigt sie nochmal, was sie drauf hat, bevor sie sich entgültig auf die letzte Bastion hinter den Alpen zurückzieht.

Ich hatte die letzten Tage ziemlich viel mit Leuten in Berlin - keine Berliner, natürlich - gemailt und telefoniert. Heute morgen, beim Aufwachen in diesem Licht, war dieser kurze Gedanke da, wie es jetzt wäre, in Berlin, diesem unsäglichen Urbanmüll unter dem bleigrauen Himmel, der gerade wieder von einem seiner guten Geister verlassen wird - nie mehr wird man auf ihn bei der Lesung warten und sich fragen, in welchem Zustand er vortragen wird. Kalt ist es da sicher, der Wind ist kein laues Lüftchen, sondern der Stich eines ekelhaften Parasiten, der sich an der Körperwärme vollsaufen wird, bis er dann Ende November seine sibirische Herkunft offenbahrt.
Berlin, das ist der Beweis, dass die menschliche Dummheit der einzig relevante Standortfaktor ist, aber das Monster ist 520 Kilometer weit weg und hat seine eigenen Sorgen, die hier niemanden betreffen. Hier ist nochmal Sonne, für die happy few. Und ich mache jetzt das Bad fertig, denn die Wanne wird ein Wärmebunker, wenn die Sonne entgültig verloren hat.
blödes ende, aber hey, immer nur Qualität ist auch doof

Ich hatte die letzten Tage ziemlich viel mit Leuten in Berlin - keine Berliner, natürlich - gemailt und telefoniert. Heute morgen, beim Aufwachen in diesem Licht, war dieser kurze Gedanke da, wie es jetzt wäre, in Berlin, diesem unsäglichen Urbanmüll unter dem bleigrauen Himmel, der gerade wieder von einem seiner guten Geister verlassen wird - nie mehr wird man auf ihn bei der Lesung warten und sich fragen, in welchem Zustand er vortragen wird. Kalt ist es da sicher, der Wind ist kein laues Lüftchen, sondern der Stich eines ekelhaften Parasiten, der sich an der Körperwärme vollsaufen wird, bis er dann Ende November seine sibirische Herkunft offenbahrt.
Berlin, das ist der Beweis, dass die menschliche Dummheit der einzig relevante Standortfaktor ist, aber das Monster ist 520 Kilometer weit weg und hat seine eigenen Sorgen, die hier niemanden betreffen. Hier ist nochmal Sonne, für die happy few. Und ich mache jetzt das Bad fertig, denn die Wanne wird ein Wärmebunker, wenn die Sonne entgültig verloren hat.
blödes ende, aber hey, immer nur Qualität ist auch doof
donalphons, 12:34h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Montag, 30. Oktober 2006
Vorsätze und deren Brechung im Web2.0
Ich war gestern Abend bis inne Puppen etwas länger aus, mit Leuten, die ich teilweise kannte. Andere kannte ich noch nicht. Eine bunte Mischung von der sattsam bekannten Iris über deren Umfeld bishin zu ein paar Leuten der Elitehochschule, die am gleichen Tisch im überfüllten Lokal sassen und dann dabei blieben. Vielleicht, weil sie das Auto von Iris Mama draussen vor dem Lokal gesehen haben und dachten, das ist ihr späteres Chefklientel. Dass wir ein Haufen Arbeitsloser, Geschiedener, Gestrandeter und obskurer Tätigkeitsnachgeher, vor allem aber Söhne und Töchter sind, haben sie nicht erkannt. Es war ein lustiger Abend, und während die anderen den Elitessen die Hucke volllogen, blieb ich einigermassen bei der Wahrheit: Autor mit zwischenzeitlichem Irrweg in der Beraterszene der Munich Area in ihren besten Tagen 1999-2001.
Warum ich niht weiter gemacht habe, wollte man wissen, und nachdem ich keine Lust hatte, die Zeit und ihre Schöpfung "Don Alphonso" mit all den scharzen Geschichten zu erklären, beliess ich es bei den viertelwahren Standardausführungen - dass ich genug Irrsinn gesehen habe, dass ich Beratung für komplett sinnlos halte, weil man diese Naturprallis jede Hilfestellung geben kann und sie trotzdem beim ersten Schritt in die Mine treten: Oberflächliche und falsche Markteinschätzung, Produkte ohne Vertrieb, unzureichende Planung, gnadenlose Überforderung. Aber, kam der Einwand, das ist doch jetzt vorbei, mit Webtuu-oh sind jetzt neue Rahmenbedingungen da, die Leute haben dazu gelernt. Keine Ahnung, sagte ich, und wechselte das Thema. Schliesslich bin ich der höflichste Mensch von der Welt und versuche das auch zu bleiben, egal was meinen Weg quert.
Heute aber bin ich auf ein perfektes Web2.0-Startup gestossen. Kein Name, kein Link, ich erklär´s mal: Kleinstfirma für hochwertige, trendige und gesunde Nahrungsmittel, extrem kleine Nische mit recht hohen Preisen, das Thema ist von den Grossen noch nicht besetzt, das Ganze läuft aber in einem anderen Land bereits prima. Klassische Copycat-Situation, ähnliche Märkte, gleiches Geschäftsmodell, und dazu eine extrem offene Kommunikation über Blogs und Kommentare. Ausserdem ein Wettbewerb für das Logo und den Namen mit Geldpreis, Testangebote für Blogger, zackige Logos, und die Website dürfte auch mit Ruby on Rails programmiert sein. Die Produkte werden in Eigenregie produziert und inzwischen auch an die ersten Läden vertrieben. Und ich wollte unbedingt wegschauen, aber ich habe es nicht geschafft.
Nun denn. Aktuell lässt der Web2.0-Gründer, der mit jeder Faser seines Seins die als "digitale Boheme" hochgejazzten urbanen Penner ohne Festanstellung, aber mit massig Kreativität und Mut repräsentiert, das gesamte Internet wissen, dass er ein Problem hat: Der kostenintensive Versand seiner Waren. Echt fies, wo er doch der ganzen Welt sein Produkt erst mal fast umsonst im Netz anbieten kann. Der Versand aber ist so teuer, dass letztlich bei ihm kaum was hängen bleibt. Weshalb er die Leser seines Blogs nach Tipps für den deutschlandweiten Vertrieb fragt.
Jetzt. 6 Monate nach Start. Da tut sich einer wegen der Verpackung und dem Namen monatelang ab, aber erst jetzt kommt ihm die Idee, dass das Zeug irgendwie zum Kunden muss, und dass sowas nicht wirklich billig ist. Wie er aber in aller Unschuld mitteilt, muss da eine Lösung her, weil der stationäre Verkauf in einem halben Dutzend Szeneläden finanziell, oh grosses Wunder trotz Web2.0, nicht reicht.
Das ist so, als ob ein Soldat monatelang nur Kugeln rausgesucht hat und auf dem Schlachtfeld dann fragt, wie er jetzt eigentlich so ein komisches Gewehr bekommt, daran hat er nicht gedacht, aber es ist schon wichtig, oder? Das ist absolut bitter, weil es zeigt, dass da absolut nichts gelernt und begriffen wurde. Firmen sind nun mal kein verficktes Beta, wo man irgendwas rumfrickeln und mit den Nutzern faseln kann, bis es schon irgendwie läuft. Ein Produkt und einen Onlineshop zu haben und keinen Vertrieb und kein Preismodell für diesen Vertrieb ist der sicherste Weg in die Pleite, egal ob da einer was kauft oder nicht. Wenn keiner kauft, fressen ihn die Fixkosten, wenn einer kauft, fressen ihn die Versandkosten. Daran ändert auch web2.0 nichts.
Es ist so ein abartiges Elend, die Kommentare durchzulesen. Arschkriecher und mit dem Zeug gekaufte Lutscher ohne Ende, die das alles prima finden und nicht mal auf die Idee kommen, dass da was grundsätzlich schief läuft. Ist ja alles so schön bunt dort, super Idee, und so offen mit Blogs und so. Nirgendwo ein kritischer Partner, der die Sache mal abklopft. Kuscheln bis in die Grube. Social Software, Du und Deine Freunde. Die sicher auch noch einen netten Kommentar schreiben, wenn Du beim Amtsgericht aufläufst. Web New Economy 2.0 halt, früher hatte man 20 Millionen VC und drehte eine Gründersoap, heute hat man viel Zeit, ein paar tausend Euro gespart und schreibt ein Blog. Die digitale Boheme als low cost Ausgabe des Entrepreneurs, das abgewetzte Barcamp statt Anzug auf Schloss Elmau, Küchentisch statt Loft und allen anderen Kumpels geht es heute ähnlich, aber besser als Festanstellung ist es immer. Und Successtories gibt es ja auch.
Richtig. Das Unternehmen, dessen Idee hier kopiert wurde. Dem geht´s prima, schon lange. Da gab es noch nicht mal das Internet als Massenmedium, geschweige denn Blogs. Aber vermutlich einen, der sich lange Gedanken über profitable Geschäftsmodelle gemacht hat. Die richtige Planung hatte, und den Krempel nicht in 6 Monaten übers Knie brechen musste. Ganz ohne Web2.0 und dem Bohei. Dieser jemand hat auf seiner Website übrigens unten eine deutsche Flagge. Wenn man da drauf drückt, kommt ein Text, in dem eine baldige Expansion nach Deutschland angekündigt wird. Dafür suchen sie einen Country Manager, 7 Jahre Berufserfahrung und MBA und noch einige andere furchtbar stressige Dinge, die in keinem Buch über angewandtes urbanes Pennertum vorkommen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass damit einen Blogger mit einer geklauten Idee meinen. Sondern einen Verkäufer, der sich auf dem Markt auskennt. Und mitbekommt, wenn plötzlich ein Gigant auftaucht, um den Markt mit einem erprobten Geschäftsmodell zu übernehmen.
Solche Gestalten rennen da draussen rum, mit dem long Tail sind sie die Geilsten, das mit dem Cash Flow positiv packen sie schon, wenn sie ihre Serverkosten bezahlen können, machen heute doch alle so, und irgendwann wird schon einer kommen und das alles aufkaufen. Naturprallis. Kannste nichts machen. Die sind so. Die werden wieder auf die Schnauze fallen, und in 5 Jahren haben sie sich wieder neu erfunden.
Irgendwelche Fragen, warum ich nicht mehr berate? Ja? Bitteschön: Weil ich der höflichste Mensch von der Welt bleiben möchte.
Warum ich niht weiter gemacht habe, wollte man wissen, und nachdem ich keine Lust hatte, die Zeit und ihre Schöpfung "Don Alphonso" mit all den scharzen Geschichten zu erklären, beliess ich es bei den viertelwahren Standardausführungen - dass ich genug Irrsinn gesehen habe, dass ich Beratung für komplett sinnlos halte, weil man diese Naturprallis jede Hilfestellung geben kann und sie trotzdem beim ersten Schritt in die Mine treten: Oberflächliche und falsche Markteinschätzung, Produkte ohne Vertrieb, unzureichende Planung, gnadenlose Überforderung. Aber, kam der Einwand, das ist doch jetzt vorbei, mit Webtuu-oh sind jetzt neue Rahmenbedingungen da, die Leute haben dazu gelernt. Keine Ahnung, sagte ich, und wechselte das Thema. Schliesslich bin ich der höflichste Mensch von der Welt und versuche das auch zu bleiben, egal was meinen Weg quert.
Heute aber bin ich auf ein perfektes Web2.0-Startup gestossen. Kein Name, kein Link, ich erklär´s mal: Kleinstfirma für hochwertige, trendige und gesunde Nahrungsmittel, extrem kleine Nische mit recht hohen Preisen, das Thema ist von den Grossen noch nicht besetzt, das Ganze läuft aber in einem anderen Land bereits prima. Klassische Copycat-Situation, ähnliche Märkte, gleiches Geschäftsmodell, und dazu eine extrem offene Kommunikation über Blogs und Kommentare. Ausserdem ein Wettbewerb für das Logo und den Namen mit Geldpreis, Testangebote für Blogger, zackige Logos, und die Website dürfte auch mit Ruby on Rails programmiert sein. Die Produkte werden in Eigenregie produziert und inzwischen auch an die ersten Läden vertrieben. Und ich wollte unbedingt wegschauen, aber ich habe es nicht geschafft.
Nun denn. Aktuell lässt der Web2.0-Gründer, der mit jeder Faser seines Seins die als "digitale Boheme" hochgejazzten urbanen Penner ohne Festanstellung, aber mit massig Kreativität und Mut repräsentiert, das gesamte Internet wissen, dass er ein Problem hat: Der kostenintensive Versand seiner Waren. Echt fies, wo er doch der ganzen Welt sein Produkt erst mal fast umsonst im Netz anbieten kann. Der Versand aber ist so teuer, dass letztlich bei ihm kaum was hängen bleibt. Weshalb er die Leser seines Blogs nach Tipps für den deutschlandweiten Vertrieb fragt.
Jetzt. 6 Monate nach Start. Da tut sich einer wegen der Verpackung und dem Namen monatelang ab, aber erst jetzt kommt ihm die Idee, dass das Zeug irgendwie zum Kunden muss, und dass sowas nicht wirklich billig ist. Wie er aber in aller Unschuld mitteilt, muss da eine Lösung her, weil der stationäre Verkauf in einem halben Dutzend Szeneläden finanziell, oh grosses Wunder trotz Web2.0, nicht reicht.
Das ist so, als ob ein Soldat monatelang nur Kugeln rausgesucht hat und auf dem Schlachtfeld dann fragt, wie er jetzt eigentlich so ein komisches Gewehr bekommt, daran hat er nicht gedacht, aber es ist schon wichtig, oder? Das ist absolut bitter, weil es zeigt, dass da absolut nichts gelernt und begriffen wurde. Firmen sind nun mal kein verficktes Beta, wo man irgendwas rumfrickeln und mit den Nutzern faseln kann, bis es schon irgendwie läuft. Ein Produkt und einen Onlineshop zu haben und keinen Vertrieb und kein Preismodell für diesen Vertrieb ist der sicherste Weg in die Pleite, egal ob da einer was kauft oder nicht. Wenn keiner kauft, fressen ihn die Fixkosten, wenn einer kauft, fressen ihn die Versandkosten. Daran ändert auch web2.0 nichts.
Es ist so ein abartiges Elend, die Kommentare durchzulesen. Arschkriecher und mit dem Zeug gekaufte Lutscher ohne Ende, die das alles prima finden und nicht mal auf die Idee kommen, dass da was grundsätzlich schief läuft. Ist ja alles so schön bunt dort, super Idee, und so offen mit Blogs und so. Nirgendwo ein kritischer Partner, der die Sache mal abklopft. Kuscheln bis in die Grube. Social Software, Du und Deine Freunde. Die sicher auch noch einen netten Kommentar schreiben, wenn Du beim Amtsgericht aufläufst. Web New Economy 2.0 halt, früher hatte man 20 Millionen VC und drehte eine Gründersoap, heute hat man viel Zeit, ein paar tausend Euro gespart und schreibt ein Blog. Die digitale Boheme als low cost Ausgabe des Entrepreneurs, das abgewetzte Barcamp statt Anzug auf Schloss Elmau, Küchentisch statt Loft und allen anderen Kumpels geht es heute ähnlich, aber besser als Festanstellung ist es immer. Und Successtories gibt es ja auch.
Richtig. Das Unternehmen, dessen Idee hier kopiert wurde. Dem geht´s prima, schon lange. Da gab es noch nicht mal das Internet als Massenmedium, geschweige denn Blogs. Aber vermutlich einen, der sich lange Gedanken über profitable Geschäftsmodelle gemacht hat. Die richtige Planung hatte, und den Krempel nicht in 6 Monaten übers Knie brechen musste. Ganz ohne Web2.0 und dem Bohei. Dieser jemand hat auf seiner Website übrigens unten eine deutsche Flagge. Wenn man da drauf drückt, kommt ein Text, in dem eine baldige Expansion nach Deutschland angekündigt wird. Dafür suchen sie einen Country Manager, 7 Jahre Berufserfahrung und MBA und noch einige andere furchtbar stressige Dinge, die in keinem Buch über angewandtes urbanes Pennertum vorkommen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass damit einen Blogger mit einer geklauten Idee meinen. Sondern einen Verkäufer, der sich auf dem Markt auskennt. Und mitbekommt, wenn plötzlich ein Gigant auftaucht, um den Markt mit einem erprobten Geschäftsmodell zu übernehmen.
Solche Gestalten rennen da draussen rum, mit dem long Tail sind sie die Geilsten, das mit dem Cash Flow positiv packen sie schon, wenn sie ihre Serverkosten bezahlen können, machen heute doch alle so, und irgendwann wird schon einer kommen und das alles aufkaufen. Naturprallis. Kannste nichts machen. Die sind so. Die werden wieder auf die Schnauze fallen, und in 5 Jahren haben sie sich wieder neu erfunden.
Irgendwelche Fragen, warum ich nicht mehr berate? Ja? Bitteschön: Weil ich der höflichste Mensch von der Welt bleiben möchte.
donalphons, 00:45h
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E-Paper in der Offlineversion.
Ich möchte hier nur kurz zum Ausdruck bringen, dass gewisse Ideen der Verzahnung von Online und Print meines Erachtens niemals funktionieren werden. Aber nehmen wir einfach mal an, dass die folgende Information über das geplante Online-Portal der WAZ-Gruppe kein Übermittlungsfehler oder Missverständnis ist, sondern zutrifft:
Während die regionalen und überregionalen Nachrichten-Seiten vom Online Team [...] gefüttert werden, sollen die Print-Lokalredaktionen aus ihren Bereichen die digitalen News beisteuern.
Ja macht sich dann der gedruckte Lokalteil so nicht auf lange Sicht überflüssig? [...] Nein, im Gegenteil, versuchte Online-Chefin Borchert einem besorgten Lokal-Redakteur den Wind aus den Segeln zu nehmen. Es sei geplant, nicht mehr wie bisher, die Print-Artikel 1 zu 1 ins Netz zu stellen, sondern lediglich kurze Anreißer mit Hinweis auf die Druckausgabe zu veröffentlichen.
Ah ja. Mhm. Also, immer vorausgesetzt, das stimmt so, wie es beim angeblichen Whistleblower Wazsolls dargestellt wird. Die Vorstellung, dass mir einer sagt, er habe hier und jetzt diese und jene Information, die mich interessiert, und jetzt (oder nach dem Druck) solle ich bitte loslaufen, zum Kiosk latschen und mir die Zeitung mit allen anderen, völlig uninteressanten Themen kaufen und somit an die Information kommen - die Vorstellung empfinde ich als feindlichen Akt. Mit sowas bin ich ruckzuck weg und komme nie wieder. Ich mein, dass es die Zeitung am Kiosk gibt, ist mir durchaus klar.

bei so einem kiosk würde ich kaufen, aber hey, die waz ist im ha esslichen essen
Aber wer ernsthaft glaubt, ich wäre zu doof, mir danach GoogleNews anzuschmeissen und mir die Nachricht woanders zu holen, hat das Spiel hier draussen nicht kapiert. Die Idee einer begrenzten Information als Kaufanreiz funktioniert vielleicht bei hochwertigen Zeitschriften mit exklusiven Bildern - aber da auch nur für den meines Erachtens zu hohen Preis, dass sie keinerlei Internetmarken werden.
Information wants to be free, das ist das Grundgesetz der Internetkommunikation. Die WAZ ignoriert völlig, dass sie die Nachrichten am Tag nach dem Abdruck mangels Zeitung sowieso nicht mehr verkaufen kann. Die einzige Verwertungsmöglichkeit ist zu zeigen, dass man Kompetenz besitzt, und dazu muss der Beitrag online stehen. Nur so kann man Leser binden, alles andere bringt einem null Kunden und treibt alle weg zu demjenigen, der die Information anbietet. Was die WAZ da plant, ist faktisch E-Paper in der Offlineversion. Und das bringt weder den Online- noch den Offlineredakteuren irgendwas.
Man wird irgendwann nicht mehr umhinkönnen, den Leuten ein paar grausame Wahrheiten zu sagen. Jenseits von Special Interest, besonders bei Tageszeitungen gehen die Lichter aus. Nicht weil der Kunde so böse ist, sondern weil sich die Gesellschaft ändert. Zeitungen und allen voran Neoconwürmer wie an mancher WAZ-Stelle haben für die Wirtschaft und ihre Arschkriecher der Politik seit 15 Jahren das Hohelied der Mobilität, Flexibilität und der sozialen Ungerechtigkeit gesungen - jetzt, mit dem Niedergang des klassischen Kleinbürgertums, bekommen sie die Rechnung serviert. Es ist verdammt hart zuzugeben, dass die Redakteure im Internet keine vollwertige Alternative finden weden. Es kostet massenhaft Stellen. Aber es bringt einen um, sich gegen die Entwicklung zu stellen und die Leser in vorgegebene Bahnen zu zwängen. Das geht hier draussen nicht mehr. So verscheucht man die Leute. Wer ficken will, muss nett sein. Wer Leser will, muss erzählen.
Alles andere ist vorbei, Freunde der Blasmusik. 2 cent Beratungsgebühr.
So, und jetzt ganz ruhig, bitte: Keine persönlichen Geschichten in den Kommentaren. Es geht hier um die Strategie der WAZ und nicht um Blogger.
Während die regionalen und überregionalen Nachrichten-Seiten vom Online Team [...] gefüttert werden, sollen die Print-Lokalredaktionen aus ihren Bereichen die digitalen News beisteuern.
Ja macht sich dann der gedruckte Lokalteil so nicht auf lange Sicht überflüssig? [...] Nein, im Gegenteil, versuchte Online-Chefin Borchert einem besorgten Lokal-Redakteur den Wind aus den Segeln zu nehmen. Es sei geplant, nicht mehr wie bisher, die Print-Artikel 1 zu 1 ins Netz zu stellen, sondern lediglich kurze Anreißer mit Hinweis auf die Druckausgabe zu veröffentlichen.
Ah ja. Mhm. Also, immer vorausgesetzt, das stimmt so, wie es beim angeblichen Whistleblower Wazsolls dargestellt wird. Die Vorstellung, dass mir einer sagt, er habe hier und jetzt diese und jene Information, die mich interessiert, und jetzt (oder nach dem Druck) solle ich bitte loslaufen, zum Kiosk latschen und mir die Zeitung mit allen anderen, völlig uninteressanten Themen kaufen und somit an die Information kommen - die Vorstellung empfinde ich als feindlichen Akt. Mit sowas bin ich ruckzuck weg und komme nie wieder. Ich mein, dass es die Zeitung am Kiosk gibt, ist mir durchaus klar.

bei so einem kiosk würde ich kaufen, aber hey, die waz ist im ha esslichen essen
Aber wer ernsthaft glaubt, ich wäre zu doof, mir danach GoogleNews anzuschmeissen und mir die Nachricht woanders zu holen, hat das Spiel hier draussen nicht kapiert. Die Idee einer begrenzten Information als Kaufanreiz funktioniert vielleicht bei hochwertigen Zeitschriften mit exklusiven Bildern - aber da auch nur für den meines Erachtens zu hohen Preis, dass sie keinerlei Internetmarken werden.
Information wants to be free, das ist das Grundgesetz der Internetkommunikation. Die WAZ ignoriert völlig, dass sie die Nachrichten am Tag nach dem Abdruck mangels Zeitung sowieso nicht mehr verkaufen kann. Die einzige Verwertungsmöglichkeit ist zu zeigen, dass man Kompetenz besitzt, und dazu muss der Beitrag online stehen. Nur so kann man Leser binden, alles andere bringt einem null Kunden und treibt alle weg zu demjenigen, der die Information anbietet. Was die WAZ da plant, ist faktisch E-Paper in der Offlineversion. Und das bringt weder den Online- noch den Offlineredakteuren irgendwas.
Man wird irgendwann nicht mehr umhinkönnen, den Leuten ein paar grausame Wahrheiten zu sagen. Jenseits von Special Interest, besonders bei Tageszeitungen gehen die Lichter aus. Nicht weil der Kunde so böse ist, sondern weil sich die Gesellschaft ändert. Zeitungen und allen voran Neoconwürmer wie an mancher WAZ-Stelle haben für die Wirtschaft und ihre Arschkriecher der Politik seit 15 Jahren das Hohelied der Mobilität, Flexibilität und der sozialen Ungerechtigkeit gesungen - jetzt, mit dem Niedergang des klassischen Kleinbürgertums, bekommen sie die Rechnung serviert. Es ist verdammt hart zuzugeben, dass die Redakteure im Internet keine vollwertige Alternative finden weden. Es kostet massenhaft Stellen. Aber es bringt einen um, sich gegen die Entwicklung zu stellen und die Leser in vorgegebene Bahnen zu zwängen. Das geht hier draussen nicht mehr. So verscheucht man die Leute. Wer ficken will, muss nett sein. Wer Leser will, muss erzählen.
Alles andere ist vorbei, Freunde der Blasmusik. 2 cent Beratungsgebühr.
So, und jetzt ganz ruhig, bitte: Keine persönlichen Geschichten in den Kommentaren. Es geht hier um die Strategie der WAZ und nicht um Blogger.
donalphons, 16:32h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 28. Oktober 2006
Trackback bei Fritz
Hört das gerade einer? Wie läuft´s?
donalphons, 20:18h
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Kulturschock
Es dauert keine 24 Stunden, dann bin ich wieder voll drin in der Grossstadt. Da, wo ich die letzten anderthalb Dekaden praktisch immer war. Da gibt es meine Themen, mein Umfeld, einen gewissen Erfahrungs- und Erlebnishorizont, den alle so einigermassen teilen. Das ist nur eine Illusion, klar, draussen im Hasenbergl und in Neuperlach gibt es dieses Leben kaum, aber so, wie in Berlin alles in Mitte, Prenzelberg und Savignyplatz ist, ist München eben nur Schwabing, Maxvorstadt, Klenzeviertel und ein paar weitere Ableger in Nymphenburg, Neuhausen und Haidhausen, ein Bestiarium der Eitelkeiten und der Vergessens der Welt da draussen, denn München wird immer schöner, reicher und andersartiger dumm als der Rest sein. Heller sowieso, München leuchtet auf Teufel komm raus.

Das alles verschwindet hinter der Autobahnauffahrt München Schwabing unter einer Lichterkuppel, die nach 30 Kilometer langsam ihre Strahlkraft verliert und einen in die Nacht entlässt, bevor sich dann die Tiefebene am grossen Fluss auftut und die nächste Stadt erscheint, Grossstadt dem Wollen der Oberen nach und Kaff auf immer für die, die es besser wissen, denn wie in München die Maximilianstrasse den Stil und die Schellingstrasse den Ton vorgibt, sind es hier halt auch nur zwei Gassen, die das gleiche in Miniaturausgabe bieten, und statt dem englischen Garten gibt es den alten Befestigungsgürtel, in dem man angesichts der Dienstwohnung vielleicht gern Parkwächter wäre, wüsste man nicht um die Abgründe der Stadt.

Abgründe, an die man mitunter selbst ungern glauben mag, so sehr hat sich hier einiges zum Besseren gewandelt. Der Rassismus hat nachgelassen, die Altnazis sind tot oder vegetieren im Altersheim dahin, und so sehr das Geld und der Reichtum diese Stadt auch abschotten gegen das da draussen, so ist die Latte hier nicht anders als anderswo und wird von der gleichen kosmopolitisch egalitären Oberklasse getrunken, man hält sich schliesslich ein georgisches Kollegium, eine internationaler Businessschool, und die Bleibequote asiatischer Jungmanagerinnen des lokalen Weltkonzerns ist heiratsbedingt enorm hoch; kein Wunder also, dass sie alle hier kleben bleiben, vor dem Espresso in der engerlgeschmückten Bar mit nicht zu dürrem bayerischen Genmatrerial und ein paar fremden Einsprengseln vielleicht den stämmigen Nachwuchs erficken und gar nicht daran denken, dass es noch was anderes geben könnte als das schöne, runde Leben im Herzen des Landes.

Es ist eine komplett andere Welt, ferner könnte sie kaum sein, keiner würde meine Anliegen und Ansichten hier wirklich verstehen, die Erkenntnis, dass es das nicht gewesen sein kann, die Unzufriedenheit mit einer Welt, die beim besten Willen keinen Anlass dazu bietet und genau deshalb so hassenswert ist, gerade wenn man ein Teil davon ist, ein Ekzem oder Tumor vielleicht, eine Abweichung von der Norm ganz sicher, aber genau von hier stammt und das alles kennt und versteht, wie man es nur verstehen kann, wenn man hier geboren und gross geworden ist.

Alles stimmt. Alles ist echt und vollkommen falsch, und es wird Tage dauern, bis mein Empfinden dagegen wieder abgestumpft ist.
mein ausserkonkurrenter Beitrag zum Gran Premio d´Argento del Don Alphonso - macht hinne, leute!

Das alles verschwindet hinter der Autobahnauffahrt München Schwabing unter einer Lichterkuppel, die nach 30 Kilometer langsam ihre Strahlkraft verliert und einen in die Nacht entlässt, bevor sich dann die Tiefebene am grossen Fluss auftut und die nächste Stadt erscheint, Grossstadt dem Wollen der Oberen nach und Kaff auf immer für die, die es besser wissen, denn wie in München die Maximilianstrasse den Stil und die Schellingstrasse den Ton vorgibt, sind es hier halt auch nur zwei Gassen, die das gleiche in Miniaturausgabe bieten, und statt dem englischen Garten gibt es den alten Befestigungsgürtel, in dem man angesichts der Dienstwohnung vielleicht gern Parkwächter wäre, wüsste man nicht um die Abgründe der Stadt.

Abgründe, an die man mitunter selbst ungern glauben mag, so sehr hat sich hier einiges zum Besseren gewandelt. Der Rassismus hat nachgelassen, die Altnazis sind tot oder vegetieren im Altersheim dahin, und so sehr das Geld und der Reichtum diese Stadt auch abschotten gegen das da draussen, so ist die Latte hier nicht anders als anderswo und wird von der gleichen kosmopolitisch egalitären Oberklasse getrunken, man hält sich schliesslich ein georgisches Kollegium, eine internationaler Businessschool, und die Bleibequote asiatischer Jungmanagerinnen des lokalen Weltkonzerns ist heiratsbedingt enorm hoch; kein Wunder also, dass sie alle hier kleben bleiben, vor dem Espresso in der engerlgeschmückten Bar mit nicht zu dürrem bayerischen Genmatrerial und ein paar fremden Einsprengseln vielleicht den stämmigen Nachwuchs erficken und gar nicht daran denken, dass es noch was anderes geben könnte als das schöne, runde Leben im Herzen des Landes.

Es ist eine komplett andere Welt, ferner könnte sie kaum sein, keiner würde meine Anliegen und Ansichten hier wirklich verstehen, die Erkenntnis, dass es das nicht gewesen sein kann, die Unzufriedenheit mit einer Welt, die beim besten Willen keinen Anlass dazu bietet und genau deshalb so hassenswert ist, gerade wenn man ein Teil davon ist, ein Ekzem oder Tumor vielleicht, eine Abweichung von der Norm ganz sicher, aber genau von hier stammt und das alles kennt und versteht, wie man es nur verstehen kann, wenn man hier geboren und gross geworden ist.

Alles stimmt. Alles ist echt und vollkommen falsch, und es wird Tage dauern, bis mein Empfinden dagegen wieder abgestumpft ist.
mein ausserkonkurrenter Beitrag zum Gran Premio d´Argento del Don Alphonso - macht hinne, leute!
donalphons, 19:34h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 28. Oktober 2006
Real Life 26.10.06 - draussen sitzen
Es ist fast Frühling in München, die Strassen Schwabings sind voll mit Erstsemestern und denen, die ihnen nachstellen, und drinnen wird man noch lang genug sitzen müssen, in den kommenden Monaten. Noch einmal kann man im Cabrio offen durch die Nacht jagen und vergessen, dass hier eben nicht der Südrand der Alpen ist, sondern lediglich das wenig bevorzugte Tor in den Süden. Kurz, es ist die Nacht, in der man sexuellen Notständen und dem Singletum schnell abhelfen kann, im Schein der Kerzen vor den angesagten Bars der Maxvorstadt, wo mancher dich auch nach den Jahren faktischer Anwesenheit noch kennt. Deine Begleitung aber hat sich geändert, keine besseren Töchter mit schlechteren Biographien und Berufsaussichten auf dem Medienstrich mehr, sondern ein Schwarm ortsunkundige Haifische, die du dorthin bringst, wo sie etwas Spass haben können.

Denn nun ist es draussen, die Gesellschafter kennen die ganze Wahrheit und das Worstcase Szenario. Du bist leidenschaftlicher Historiker und Althausbewohner, du hast im Laufe der Jahre viele Bruchbuden gesehen und Schimmel gerochen, aber es ist doch erstaunlich, was so ein paar Konstruktionsfehler im Flachdach und ein paar nachträgliche Änderungen aus einem gerade mal 6 Jahre alten Prestigeprojekt eines dereinst hochgelobten Fonds machen können. Nicht nur also, dass die versprochenen 20Euro/m²-Mieten nicht zu halten sind und das Ding 40% Leerstand hat, nein, der Boden des Geldtopfes ist nach Abzug von 16.995.275 Euro bei verbleibenden 4.725 Euro deutlich sichtbar und braucht Nachfüllung. Und das nicht zu knapp, denn erste Notmassnahmen kosten auf die Schnelle 300.000. Oder 400.000, so als Anfang, über die Verpflichtungen reden wir besser erst mal gar nicht.
Schräg neben dir sass eine Frau Dr. mit einem gefühlten Zentner Gold an den Fingern und Armen, die es damit locker mit einer grösseren Rap-Kombo aus Downtown L.A. hätte aufnehmen können. Stark gebräunt Richtung Mex ohnehin, nur die Knöchel ihrer Finger waren nach einer halben Stunde Vortrag gelbweiss vom Drücken. Du überlegst, ob du nicht vielleicht doch einen Roman über diese Szene schreiben sollst, so dramatisch und pittoresk war es dort, die Hälfte der Leute hatten ihre Anwälte gleich mitgebracht, die sich für das verschwendete Geld aufplustern und haltloses Zeug in den Raum brüllten. Bloss gut, dass du mit den Verursachern, die gerade auf Marbella unabkömmlich sind, ausser ein paar Recherchen gegen sie nichts zu tun hast. Du bist einer von den Guten. Soweit es in der Branche eben Gute gibt, die einem Besserverdienden dann mitteilen, dass er besser mal weiter besser verdienen soll, wenn er noch was rausholen will. Du hast viel Elend gesehen in dieser Welt, aber selbst der ärmste jüdische Kontingentflüchtling in einer maroden Berliner Gemeindewohnung, ohne Aussicht, als Physikprofessor jemals wieder einen Job jenseits der Berliner Stadtreinigung zu bekommen, war ausgewogener als die Leute da unten.
Es ist schön, danach irgendwo zu sitzen, mit den Haifischen und nicht genau hinzuhören, sondern lieber den Anbahnungsgesprächen der Studenten zu lauschen. Nur aus den Augenwinkeln siehst du den Herrn Prof. Dr. B., ein zierliches Männchen mit Stickweste unter dem massgeschneiderten Anzug, dem man weder seine Millionen noch sein gellendes Affengekreisch zutrauen würde, und unter dessen Messer du dir morgen lieber kein jugendliches Grinsen antackern lassen würdest, so wie der vorher drauf war. Er ist allein, es dauert etwas, bis seine Anwältin kommt, oder das, was davon übrig ist, denn schon im Saal hat er wenig freundlich auf sie eingegiftet, und als alles vorbei war, war der Streit offenkundig.
Sie stakst auf ihren hohen Absätzen vorbei, das gelbe Hermestuch als ein Stigma ihrer Zunft um den Hals tragend, und keiner hält sie auf, sie würde sich auch nicht aufhalten lassen, denn gleich steigt sie in ihren zum Kostüm perfekt passenden, dunkelgrünen Z3, klappt das Verdeck nicht runter, und allen am Tisch ist klar, dass sie auf dem Weg heim heulen wird, denn man hat ihr mit dem wackligen Mandanten einen Schleudersitz unter den Hintern gepackt, und jetzt wurde der rote Knopf betätigt. Du überlegst, sie vielleicht nachher kurz anzurufen, aber dann fällt dir das Neocongequatsche ein, das sie sonst von sich gibt, das Erfolgsgewäsch wie aus den OpenBC-Foren und ihre Herablassung, mit der sie im Triumpf die behandelt, die ihr in Krisen halfen, und so schaust du nur zu, wie der Wagen erheblich zu lange am Strassenrand steht, dann anspringt und langsam in der Nacht über der einzigartigen Munich Area verschwindet, die für sie diesmal sehr, sehr lang dauern wird.
tschuldigung für den zynismus aber anders packe ich das alles momentan nicht. scheiss area. es ist nie vorbei. nie.

Denn nun ist es draussen, die Gesellschafter kennen die ganze Wahrheit und das Worstcase Szenario. Du bist leidenschaftlicher Historiker und Althausbewohner, du hast im Laufe der Jahre viele Bruchbuden gesehen und Schimmel gerochen, aber es ist doch erstaunlich, was so ein paar Konstruktionsfehler im Flachdach und ein paar nachträgliche Änderungen aus einem gerade mal 6 Jahre alten Prestigeprojekt eines dereinst hochgelobten Fonds machen können. Nicht nur also, dass die versprochenen 20Euro/m²-Mieten nicht zu halten sind und das Ding 40% Leerstand hat, nein, der Boden des Geldtopfes ist nach Abzug von 16.995.275 Euro bei verbleibenden 4.725 Euro deutlich sichtbar und braucht Nachfüllung. Und das nicht zu knapp, denn erste Notmassnahmen kosten auf die Schnelle 300.000. Oder 400.000, so als Anfang, über die Verpflichtungen reden wir besser erst mal gar nicht.
Schräg neben dir sass eine Frau Dr. mit einem gefühlten Zentner Gold an den Fingern und Armen, die es damit locker mit einer grösseren Rap-Kombo aus Downtown L.A. hätte aufnehmen können. Stark gebräunt Richtung Mex ohnehin, nur die Knöchel ihrer Finger waren nach einer halben Stunde Vortrag gelbweiss vom Drücken. Du überlegst, ob du nicht vielleicht doch einen Roman über diese Szene schreiben sollst, so dramatisch und pittoresk war es dort, die Hälfte der Leute hatten ihre Anwälte gleich mitgebracht, die sich für das verschwendete Geld aufplustern und haltloses Zeug in den Raum brüllten. Bloss gut, dass du mit den Verursachern, die gerade auf Marbella unabkömmlich sind, ausser ein paar Recherchen gegen sie nichts zu tun hast. Du bist einer von den Guten. Soweit es in der Branche eben Gute gibt, die einem Besserverdienden dann mitteilen, dass er besser mal weiter besser verdienen soll, wenn er noch was rausholen will. Du hast viel Elend gesehen in dieser Welt, aber selbst der ärmste jüdische Kontingentflüchtling in einer maroden Berliner Gemeindewohnung, ohne Aussicht, als Physikprofessor jemals wieder einen Job jenseits der Berliner Stadtreinigung zu bekommen, war ausgewogener als die Leute da unten.
Es ist schön, danach irgendwo zu sitzen, mit den Haifischen und nicht genau hinzuhören, sondern lieber den Anbahnungsgesprächen der Studenten zu lauschen. Nur aus den Augenwinkeln siehst du den Herrn Prof. Dr. B., ein zierliches Männchen mit Stickweste unter dem massgeschneiderten Anzug, dem man weder seine Millionen noch sein gellendes Affengekreisch zutrauen würde, und unter dessen Messer du dir morgen lieber kein jugendliches Grinsen antackern lassen würdest, so wie der vorher drauf war. Er ist allein, es dauert etwas, bis seine Anwältin kommt, oder das, was davon übrig ist, denn schon im Saal hat er wenig freundlich auf sie eingegiftet, und als alles vorbei war, war der Streit offenkundig.
Sie stakst auf ihren hohen Absätzen vorbei, das gelbe Hermestuch als ein Stigma ihrer Zunft um den Hals tragend, und keiner hält sie auf, sie würde sich auch nicht aufhalten lassen, denn gleich steigt sie in ihren zum Kostüm perfekt passenden, dunkelgrünen Z3, klappt das Verdeck nicht runter, und allen am Tisch ist klar, dass sie auf dem Weg heim heulen wird, denn man hat ihr mit dem wackligen Mandanten einen Schleudersitz unter den Hintern gepackt, und jetzt wurde der rote Knopf betätigt. Du überlegst, sie vielleicht nachher kurz anzurufen, aber dann fällt dir das Neocongequatsche ein, das sie sonst von sich gibt, das Erfolgsgewäsch wie aus den OpenBC-Foren und ihre Herablassung, mit der sie im Triumpf die behandelt, die ihr in Krisen halfen, und so schaust du nur zu, wie der Wagen erheblich zu lange am Strassenrand steht, dann anspringt und langsam in der Nacht über der einzigartigen Munich Area verschwindet, die für sie diesmal sehr, sehr lang dauern wird.
tschuldigung für den zynismus aber anders packe ich das alles momentan nicht. scheiss area. es ist nie vorbei. nie.
donalphons, 01:15h
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Biblioman durch die Umstände
Vielleicht wird man in einigen Jahrzehnten eine Dokumentation über mich drehen, als einer der letzten grossen Buchsammler. Dann werden Bücher vielleicht nur noch antiquarisch zu haben sein, nachdem sich Verleger, Autoren und Leser darauf geeinigt haben, dass sie nur den Content wollen und nicht das Papier, das zu viel Platz wegnimmt in den kleinen, teuren Wohnungen. Wer anders dachte, sollte sich beim Antiquariat bedienen, das mit den Restbeständen einer veralteten Kultur noch ein paar Jahrzehnte zu tun haben sollte, bis auch der Letzte eingesehen hatte, dass so eine Körperschnittstelle zum Einlesen von "Büchern" schneller und effizienter ist als diese mühselige Augenarbeit.
Verwundert wird dann die automatierte Reportereinheit vor mir stehen, das Ganze mühsam in die vorhandenen Beitraglayouts und Schnittfolgen einpassen und die Fragenroutine abspulen. Und ich werde dem Ding ein paar faustdicke Lügen erzählen, dass ihm die Schaltkreise kochen. Welch ausgeklügeltem System des Einkaufs ich diese Sammlung verdanke, welche Pläne zur Komplettierung ich beharrlich verfolgte und welche Probleme bei der Jagd auf mich warteten. Weil ich weiss, dass man diesen Dreck, der mit Terchnik von Technorati funktioniert und auf Fragenroutinen der PR-Agentur Edelman basiert, immer und jederzeit austricksen kann.
Die Wahrheit werde ich natürlich verschweigen, und die sieht so aus, dass ich in der Provinz mal wieder so rumtrödle, dass ich das Vorbereitungsmeeting fast verpasse, gerade noch rechtzeitig in die Karre hüpfe, es dann aber, weil das Wetter so schön ist, bei einer geruhsamen Fahrt im offenen Wagen belasse.

Was dazu führt, dass ich natürlich im Stadtverkehr steckenbleibe, zu spät dran bin und, um die anderen nicht mehr zu stören, lieber in der Nähe der Gesellschafterversammlung ein Antiquariat ausplündere von dem, was sie gerade da haben: Eine Biographie über Robert Capa (ist wohl nicht so doll gelaufen, liegt vielleicht an der schlechten Übersetzung, wie ich dann entdecke, als ich während der Einführungsrede bei der Versammlung darin lese), Descartes Abhandlung über die Methode, Vernunft richtig zu gebrauchen (habe ich schon auf Französisch, was ich allerdings nicht kann) und, um der Vernunft finalen Hohn zu sprechen, ein Buch über Barock in Süddeutschland.
Und dann, wenn sich die Einheit umdreht, kippe ich ihr einen Whiskey hinter das Objektiv. Einfach so, nur zur Gaudi. Die dumme, arme Sau.
Verwundert wird dann die automatierte Reportereinheit vor mir stehen, das Ganze mühsam in die vorhandenen Beitraglayouts und Schnittfolgen einpassen und die Fragenroutine abspulen. Und ich werde dem Ding ein paar faustdicke Lügen erzählen, dass ihm die Schaltkreise kochen. Welch ausgeklügeltem System des Einkaufs ich diese Sammlung verdanke, welche Pläne zur Komplettierung ich beharrlich verfolgte und welche Probleme bei der Jagd auf mich warteten. Weil ich weiss, dass man diesen Dreck, der mit Terchnik von Technorati funktioniert und auf Fragenroutinen der PR-Agentur Edelman basiert, immer und jederzeit austricksen kann.
Die Wahrheit werde ich natürlich verschweigen, und die sieht so aus, dass ich in der Provinz mal wieder so rumtrödle, dass ich das Vorbereitungsmeeting fast verpasse, gerade noch rechtzeitig in die Karre hüpfe, es dann aber, weil das Wetter so schön ist, bei einer geruhsamen Fahrt im offenen Wagen belasse.

Was dazu führt, dass ich natürlich im Stadtverkehr steckenbleibe, zu spät dran bin und, um die anderen nicht mehr zu stören, lieber in der Nähe der Gesellschafterversammlung ein Antiquariat ausplündere von dem, was sie gerade da haben: Eine Biographie über Robert Capa (ist wohl nicht so doll gelaufen, liegt vielleicht an der schlechten Übersetzung, wie ich dann entdecke, als ich während der Einführungsrede bei der Versammlung darin lese), Descartes Abhandlung über die Methode, Vernunft richtig zu gebrauchen (habe ich schon auf Französisch, was ich allerdings nicht kann) und, um der Vernunft finalen Hohn zu sprechen, ein Buch über Barock in Süddeutschland.
Und dann, wenn sich die Einheit umdreht, kippe ich ihr einen Whiskey hinter das Objektiv. Einfach so, nur zur Gaudi. Die dumme, arme Sau.
donalphons, 16:05h
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