Samstag, 11. November 2006
Und ein weiteres StudiVZ-Kapitel
Hier jedenfalls beginnt das eigentliche Unwetter. Die WAMS legt vor.
Jetzt was Peinliches. Ehssan Dariani ist einer der Shootingstars des sogenannten Web2.0. Er hat das Onlinestudentenverzeichnis StudiVZ gegründet, an dem mittlerweile die renommierte Verlagsgruppe Holtzbrinck (unter anderem "Die Zeit", "Tagesspiegel") eine Beteiligung hält. Derzeit fällt der junge Mann (26 Jahre) aber abseits des Unternehmerischen auf. Im Internet kursieren selbst gedrehte Filmchen, die ihn beim penetranten Anquatschen von Frauen zeigen. Außerdem erregt Dariani Aufsehen, weil er sich die Internetadresse www.voelkischer-beobachter.de zugelegt hat. Angeblich hat er eine Party-Einladung für StudiVZ einer Titelseite des "Völkischen Beobachters" nachempfunden und dafür die Adresse gebraucht. Über Geschmack lässt sich in dem Fall nicht streiten.
Dumdidum. Ich habe es allen gesagt. Frühzeitig. Jeder wusste, was kommen wird. Ich habe gewarnt, direkt, indirekt, Verantwortliche, Investoren, Betroffene, verschiedene Ebenen auf diversen Kanälen, als Blogger, als Ex-Söldner der Hölle, als einer, der noch was gut hat, die wussten, wer ich bin und was ich war, ich hätte es gern begrenzt auf die eigentlichen Probleme, ich habe Angebote gemacht, rumgemailt, ich habe gewartet, ich habe nur wenig von dem gebracht, was ich hätte bringen können, man hätte jeden Tag den Stecker ziehen können. Dumdidum. Ja. So ist das. Viel Spass mit den Medien, Freunde. Die gehen voll auf den Völkischen Beobachter. Die letzte Woche war nur der Schonwaschgang. Jetzt bekommen sie es alle miteinander Schwarz auf Weiss.
So mag er fallen.
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Hallo Charismedia!
Beherzte Bloggerin (IP: 85.176.178.25 , e176178025.adsl.alicedsl.de)
E-mail : sally_marni@yahoo.de
war, die ein Jobblog offenkundig mit ein paar lauen Sätzen ins Gespräch bringen wollte. Nun ist es so, dass angeblich eine "Charismedia Gmbh & Co KG" (da fehlt übrigens ein Punkt, ts ts ts) aus Hamburg und Berlin hinter diesem Blog und im Impressum steht. Gut, ich habe einfach gelöscht, wie man das mit Spam so macht, es war ein Fehler.
Eigentlich hätte ich nämlich gleich eine Rechnung schreiben sollen, wegen der Werbung, die durch dieses gewerbliche Spamposting bei uns getätigt wurde. Das habe ich früher schon mal gemacht, der Typ damals wollte das auch nicht glauben, bis dann meiner kleinen Schwester ihre Angestellte - mit sehr imposanten Kanzleibriefkopf - durchgegriffen hat. Sowas wird nämlich echt teuer, wenn man nachweisen kann, dass der andere dieses Posting abgesetzt hat. Mit so einer doofen Alice-DSL-IP ist das natürlich ungleich schwerer.
Wie ich jetzt aber bei den ebenfalls betroffenen Nico Lumma und Thomas Gigold lese, macht Ihr Mails und Anrufe, mit denen Ihr praktischerweise zugebt, dass es Euer Blog und Eure Mitarbeiter sind. Könntet Ihr mir das bitte auch bestätigen? Die anderweits geäusserte Drohung mit Abmahnung könnt Ihr Euch bei mir allerdings sparen, ich will ja lediglich die Kosten für die Werbung eintreiben und nicht tatsächlich ein Verfahren gegen Euch. Ich mein, Ihr könnt das natürlich auch probieren, aber ich sage es gleich dazu: Billig wird das nicht, die Angestellte meiner kleinen Schwester ist Spezialistin für solche Geschichten. Die wird sich dann auch bei so einem Impressum erst mal mit anderen Fragen als Eurem Begehr beschäftigen.
Übrigens, ich finde nix zu Euch in den Handelsregistern Berlin und Hamburg. Das ist selbst für einen Laien mit lediglich grosskanzleiisch tätigem Clan wie mich komisch, gell. Na, vielleicht sind die Einträge ja vor 2000, wer weiss. Aber egal, immer nur her mit dem Eingeständnis des Spamkommentars und der Adresse für meine Rechnung, ich bin ja nicht so.
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Wort zum Shabbes
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Samstag, 11. November 2006
Drama und Gefühllosigkeit

rollen sie nach Hause, die Augen stur auf den Vordermann gerichtet, in die in Toskanametastasen explodierten Käffer, unempfindlich gegen das, was sich am Firmament ereignet. Später kleben im Sternenglanz zwei Kids ein Plakat an einen Verteilerkasten, Wild Youth. Mit Tesa natürlich, damit es nichts beschädigt. So ist das hier.
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Neues vom dummen Jungen Goebbels
„Klar geht es um die Nutzerdaten. Sonst macht das Ganze doch keinen Sinn, das ist doch klar.“
Der meint Eure Daten. So, jetzt könnt Ihr Euch auch den Rest geben, über die Website des StudiVZ-Gründers mit der lustigen URL "voelkischerbeobachter.de".
RMVP steht gewöhnlich für "Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda", das Ministerium von Goebbels. Angesichts des Kontextes - der Ausschnitt ist Teil der ehemaligen Inhalte der Website voelkischerbeobachter.de des Gründers von StudiVZ Ehssan Dariani - darf man wohl davon ausgehen, dass es auch so gemeint ist.

Kleiner Hinweis: Es muss heissen "im Manager-Magazin". Lustig, dass sowas ausgerechnet einem schrumpfgermanischen Ministerium passiert. Und jetzt singen wir - natürlich als dumme Jungen und nur als Witz, HAHAHA! - alle bei diesem witzigen Liedchen aus einer krassen Zeit mit:
When Der Fuehrer says, "We ist der master race"
We HEIL! HEIL! Right in Der Fuehrer's face
Not to love Der Fuehrer is a great disgrace
So we HEIL! HEIL! Right in Der Fuehrer's face
When Herr Gobbels says, "We own der world und space"
We HEIL! HEIL! Right in Herr Goebbels´ face
When Herr Goring says they'll never bomb this place
We HEIL! HEIL! Right in Herr Goring's face
Klar bombt da keiner... So ein erfolgreiches Startup ist bombensicher... und wenn ein gewisser Peter Turi so jemanden als "netten, jungen Mann" bezeichnet, wird es schon passen... Schleimiges Verständnis mit erfolgreichen Leuten hatten sogar Medienunternehmner, die nicht pleite waren, wie ein gewisser Hugenberg... Übrigens, wenn ich das Gerücht richtig deute, wird es wohl nichts mit der angedachten Ansprache von Dariani in der Hauptstadt der Bewegung äh München beim Digital Lifestyle Day 07.
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Dumme Aktien für dumme Jungen
6 Millionen Umsatz im letzten Geschäftsjahr bin 6.2006. Über den Gewinn, den manche Scharlatane und Pleitiers als "tiefsachwarze Zahlen" verschreien (da wundert es nicht, dass sie pleite sind), schweigt man sich bei OpenBC aus. Gut, sind wir nett, gestehen wir ihnen im kommenden Jahr 12 Millionen Umsatz (um den Börsengang bereinigt) zu.
80% des Umsatzes erwirtschaften sie in Deutschland. Dafür, dass sie seit anderthalb Jahren eine intensive Internationalisierung vorantreiben, auf 15 Sprachen kommunizieren und dafür Venture Capital aufgenommen haben, ist das ziemlich mau. Und zeigt, dass sie anderswo auf starke Konkurrenz stossen, in China und den USA (Linkedin) ohnehin, aber auch sonst wird es eher schwierig.
Für die anderen Ideen - Reisebüro, Hotelservice, Bankgeschäfte und Rabatte - gibt es durchaus Konkurrenten, die Erfahrung haben, die OpenBC erst mal einkaufen muss. Ob es klappt? Keine Ahnung. Kann. Muss aber nicht. Das sind sehr umkämpfte Märkte, und was OpenBC mitbringt, ist eine Zielgruppe aus mehrheitlich inaktiven Karteileichen. Bliebe das Einkaufen von ganzen Firmen, was allerdings meistens eine riskante Sache ist.
Mich erinnert dieser IPO schon sehr an die New Economy: Nichts ist fertig, es wird unter Verweis auf immer steigende Nutzerzahlen ein Popanz der Zukunftsgeschäftsmodelle aufgebaut, von denen man noch keine Ahnung hat, aber das Geld will man schon mal haben. Ich frage mich, ob der Börsengang nicht auch was mit dem Auftauchen des grossen Gegners Linkedin zu tun hat.
Was der Laden nun wert ist? Unerträgliche Schwätzer meinen: 200 Millionen Euro. Sprich, 15 bis 20 mal so viel wie der Umsatz des Unternehmens. Im Vergleich: Bei Mercedes Benz ist der Wert im langjährigen Mittel ungefähr 3,2 mal so hoch wie der Jahresumsatz. Trotz Smart und Chrysler, die ihr riskantes Äquivalent in anderen Geschäftsfeldern und dem amerikanischen Markt für OpenBC haben dürften. Jenseits von krassen Spekulationen dürfte mittelfristig auch bei einem Börsenwert von 100 Millionen wenig zu holen sein. Sage bitte keiner, das gute alte KUV würde keine Rolle mehr spielen. An der Frage, wie man potentielles Wachstum bewertet, sind schon Kohorten von Dummschwätzern gescheitert.
Angesichts der Risiken würde ich sagen: Kein Kauf. Jedenfalls ist der Wert nicht grösser als 20 Millionen, aber selbst das ist zu viel, wenn OpenBC das Geld für neuen Krempel verschwendet, als wäre es 1999. Aber natürlich werden Premiummitglieder und Forenmoderatoren schon dafür sorgen, dass das Geld reinkommt. Was men bei Openbc-Hanseln durchaus erwarten kann. Am Ende kriegt ohnehin Lanu alles. Wie immer.
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Donnerstag, 9. November 2006
2.0
Damit liesse sich alles erklären, und aus Ehssan Darianis Völkischem Beobachter und StudiVZ würde nicht ein Skandal, sondern ein Inbegriff für das, was Web2.0 im Kern ist: Internettotalitarismus und Gleichschaltung.
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Die Rattenlinie nach Barcelona
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Aus der braunen Erde

Jemand hat vor Kurzem Bilder gelöscht, weil er Angst hat. Das ist seh nett, weil er damit zugibt, dass er weiss, was ihm und anderen Gefahren bringen. Er weiss, dass die Bilder mit einer Seite zusammenhängen, die jeder auf den Bildern gekannt hat. Sie wissen nicht, ob ich die Seite gesehen habe, und sie wissen nicht, ob die Bilder nicht irgendwo noch sind. Keiner weiss das. Und deshalb weiss ich, dass sie nicht gut schlafen werden, heute Nacht. Was diese Leute nicht wissen und kennen, ist Bewusstsein für Zeit und Geschehenes, das nie zu Ende sein wird, denn es gibt die Mitzwa zu erinnern, nichts ist je verloren, alles baut aufeinander auf und entsteht auseinander, so wie der Nebel aus dem braunen Erdreich, das früher Sumpf war.
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Mittwoch, 8. November 2006
Antiquariat Hans Hammerstein, Türkenstrase 37
Nun, solange es mich gibt, gibt es dafür eine Antwort: Ich! Eine Bibliothek lebt vom Nebeneinander von sorgsam gepflegten Antiken, heissgeliebten und vergilbten Brechtausgaben und neuester Fachliteratur sowie den eigenen Werken, und der stete Zustrom an neuesten Druckerzeugnissen muss dirch Nachschub ausgefallener Altbücher kompensiert werden. Bücher, von denen man nicht mal ahnte, dass es sie gibt, bevor man sie in Händen hielt. Dazu braucht es die verbliebenen und neu gegründeten Antiquariate in Schwabing. Und das Antiquariat Hans Hammerstein in der Türkenstrasse 37 ist einer der ersten Läden, die ich quasi als Verlängerung meiner eigenen Bibliothek definierte, und den beim Umweg zum Bäcker aufzusuchen mir stets eine Freude und Verpflichtung war.

Allein schon die Bananekisten vor der Tür. Ich liebe diese Bananenkisten. Mit denen hat es seine eigene Bewandtnis. Um die Ecke ist das grosse Fachbuch-Antiquariat Kitzinger, und die kaufen ganze Bibliotheken. Natürlich ist da auch Belletristik und anderes dabei, und manchmal schiebt ein Mitarbeiter vom Kitzinger mit einer Sackkarre ein paar dieser Bananenkisten hinüber zu Hammerstein. Sehr häufig gefüllt mit alten Ausgaben des Simplizissimus, der Jugend und anderer Reste des einst solz verlotterten Künstlerbezirks Schwabing, auf die man sich hinter der grön gestrichenen Fassade spezialisiert hat. Drinnen stehen dann die Bücher hoch bis zur Decke dicht an dicht und liegen in der Mitte auf einem Tisch. Hier vorne aber, bei den Bananenkisten, lauert die Verderbnis für die standhaften Herzen, die sich jeden Tag vornehmen, nicht wieder zu fallen und dann doch wieder laut schlagen, wenn Frisches zu finden ist. Die Abhängigen, die hier verkehren, kennen das aktuelle Angebot schon von Weitem, und harren der Nachfüllung; besondere Gierschlünder wissen schon, wan die Stühle mit den Kisten rausgestellt werden und liegen auf der Lauer.
Ich gestehe! Ich war einer von jenen! Und das alte Gefühl war immer noch da, gestern, als ich dort zwei alte Gallimard-Ausgaben von Andre Gide aus den 50r Jahren fand, darunter auch die heissgeliebten Verliesse des Vatikans, in hellbraunem Karton und dem alten Preis 525 Franc auf dem Rücken, und dazu noch Kants Kritik der reinen Vernunft. Ich mag Kant bekanntlich nicht besonders und setzte deshalb seinem Vernunftbegriff die unvernünftige Handlung entgegen, mir jetzt das vierte Exemplar, in weinrotem Leder mit Goldschnitt in der von Thomas Mann besorgten Jahrhundertausgabe von Th. Knaur - das war ein Verlag in den 20er Jahren! alle Achtung! - zu beschaffen. Drinnen ist alles wie immer, es gibt auch Nachwuchs, der weiter machen wird, und so sei es hier nachwachsenden Studenten empfohlen, Hammerstein in die Liste der Hoflieferanten aufzunehmen.
Lest mehr Bücher! Und löscht die elenden Datenfallen der persönlichen Profile bei StudiVZ!
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Ehssan Dariani ist kein Journalist
Und ja, ich bin sauer. Weil ich schon wieder mehr weiss.
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Mittwoch, 8. November 2006
Real Life 06.11.06 - Badespass mit Iris
Du beugst dich also auch vor, schenkst Iris ein feuchtes Lächeln, dessen Schlüpfrigkeit die auch noch die Windschutzscheibe vor ihm beschlagen muss, und machst Plüschaugen. Zum Aufwischen. Draussen setzt sich der Wagen wieder in Bewegung und rollt um die Ecke. Iris lässt sich aus dem Bannkreis deines Charmes zurückfallen, gibt ein kindisches Brrrr von sich, und du versuchst dir vorzustellen, wie das zwischen den beiden im Bett gewesen sein muss. Brrrr, fürwahr.
Dann ruft sie die Bedienung, ein richtiger Witwentröster, gibt ihm auffällig viel Trinkgeld und muss sich dann doch von Dir in den Mantel helfen lassen, denn dazu reicht es bei dem Seckl bei aller Zuwendung dann doch nicht. Du wirfst ein paar sinnlose Komplimente in den Abgrund ihrer schlechten Laune, hörst in sie hinein, wie man in einen Burgbrunnen hineinhört, um das Aufklatschen eines Steins zu erlauschen, aber nur eisige Stille klirrt tonlos in ihrem Inneren.
Du plauderst irgendetwas Belangloses, als ihr in die Fussgängerzone kommt, sie schweigt mehrheitlich, interessiert sich kaum für die vollgestopften Auslagen und schon gar nicht für den sie umgebenden Menschenbrei, sie kann das stunden- und tagelang, wenn es sein muss, und wenn du ehrlich bist, freut es dich ein etwas, dass er solche Zeiten am Ende über Monate hinweg erdulden musste. Der gewonnene Scheidungskrieg, der ihm das viel zu grosse Haus gelassen hat, inclusive auf immer leer bleibender Kinderzimmer, ist da nur ein schwacher Trost. Da, sagt Iris und deutet auf ein Geschäft mit Geschenkwaren billiger Natur. Da gehen wir jetzt rein und kaufen etwas furchtbar Geschmackloses für meine Ex-Schwägerin, kleben irgendeinen Sticker aus München dran, die merkt das gar nicht.
Drinnen ist es so, wie es nun mal in Läden ist, die Badeschaum in Konfettiform verkaufen, Lipgloss mit Glitter und Kerzenhalter mit goldenen Plastikengerln. Solche Geschäfte ziehen Frauen magisch an und verwandeln Männer in verlegenere Trottel, als es ein reizwäschegeschäft je vermögen würde. Dort können sie wenigstens Haut sehen, hier jedoch sehen sie die lediglich die Staubfänger eines Lebens im Konsumabfall, und zumindest ahnen sie, dass hier etwas fundamental falsch läuft in ihrem Leben.
So ein Kristallherzerl am Kropfbanderl, wie wäre es damit? fragt Iris und hebt ein billigen Samtband mit Klunker hoch. Prima, meinst du, ich habe daheim noch irgendwo eine Schachtel von Swarowski. Oder so eine lackierte Kiste aus China, die ist sicher wahnsinnig gesundheitsschädlich, vielleicht mit Blei oder Cyanid, oder? Wie das schon riecht, bäh. Als Brotkorb, der fehlt ihr noch, denkt Iris laut nach. Oder so ein Set billiger japanisch anmutender Messer mit Holzimitatgriff. Einzeln verpackt und mit der Legende versehen, dass du die koreanischen Geschäftspartner deiner Haifische gebeten hast, dir diese edlen Schneidwerkzeuge mitzubringen. Oder eine von diesen Konsolen da hinten. Und dazu eine Hummelfigur, damit die Schnalle das Ding mitten an ihre sepiafarbende Toskanawand dübeln muss, pflichtest du bei, und dann löst sich der Groschen von der Kante Deines Grosshirns, kullert die Abänge Deiner Seele hinunter und kommt auf dem habgierigen Stammhirn zu liegen. Konsolen? Stuckkonsolen? Darf ich mal, drängelst du reichlich unfein Iris beiseite.
Ein ganzer Berg Konsolen. Korinthisch, ionisch und dorisch, mit Akanthusblättern, Voluten und Kaneluren, ungewöhnlich gross und wie von Robert Adams Reissbrett. Konsolen also, wie sie sonst schnell 40 Euro und mehr kosten, hier für läppische 2, 3 Euro das Stück, und während du auf Anhieb weisst, wo du mindestens sechs Stück verbraten kannst, wird Iris etwas unruhig. So war das nicht geplant, wahrscheinlich beginnt sie sich gerade vor den Lipglossmädchen zu schämen, ob ihres Begleiters.
Don, das ist nicht dein Ernst, oder? will sie wissen, und du versuchst ihr nahe zu bringen, wie wunderbar das ist, diese Konsolen lösen gleich mehrere Probleme om Badm nämlich den Ort und die Höhe für Kerzenhalter; wenn sich denn mal eine Frau darin verirren sollte, dann gibt es die richtige Beleuchtung, ach das wird eine Freude. Iris steht fassungslos mir dir an der Kasse, so war das nicht gedacht, und über den Kaufrausch vergisst sie dann auch noch das Kropfband mit dem Kristallherz.
Du aber schleppst schwer gefüllte Tüten in krachigem Gelb nach Hause, und während Iris, immer noch von leichtem Abscheu ergriffen, Tee trinkt und in Rousseaus Lettres de la Montagne (Amsterdam 1764) blättert, knallst du die Konsolen an die Badwand neben den grossen Spiegel - Iris?

Hm, äusser sie sich nicht ohne Misstrauen. Also... Ja? Also, ich könnte mir sowas wirklich nicht kaufen, ohne mich zu schämen... allein schon der Gedanke, etwas aus diesem Laden zu holen... Mhm. Also, kannst du mir welche mitbringen, und das mit dem Hinmachen? Wie geht das? Ah, mit Nägeln, nein, das kann ich nicht, das musst sowieso du dann auch machen. Hält das denn wirklich mit Nägeln? Bist du dir sicher?
Und du erzählst ihr die lange Geschichte, als du einmal, ebenfalls mit Nägel, deiner kleinen Schwester eine Konsole mitsamt schwerer Bronzetänzerin an die Wand gemacht hat, und sie dann einen ganzen Abend davor sass und Angst hatte, es würde nicht halten. Natürlich hat es gehalten, die Angst war vollkommen umsonst - so umsonst wie übrigens auch deine vage, leise Hoffnung, Iris würde sich die Geschichte vielleicht in der gefüllten Wanne anhören wollen, von dir aus auch mit Schaumdecke. Wenn es denn sein müsste. Aber
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Party like it´s 1999
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Montag, 6. November 2006
Schlechte Zeiten für Libertinage
Denkt man. Und setzt eine Sexualmoral dagegen, die irgendwo zwischen dem hinkenden Leufel von Le Sage und de Sades Philosophie im Bodoir changiert, eigentlich sehr vernünftig das alles, vermischt mit einer grossen Offenherzigkeit gegenüber Alter, Figur, Abstammung, Religion und Rasse. So lebt und schläft man sich durch die Salons und Bodoirs der kleinen und grossen Städte, ohne Probleme, Feindschaften und unangenehme Spätfolgen, die Regeln sind klar und der Abstand zu irgendwelchem "no sex till marriage"-Spiesserpack bleibt gewahrt.
Denkt man. Nur um dann erfahren zu müssen, dass Durchknallis der Republikaner Kinder belästigen, Drogen nehmen und sich Callboys holen, andere ballern ihren Freunden Schrot in die Fresse, und irgendwie glaube ich, die sind noch einen Schritt weiter und längst bei de Sade Justine angekommen. Aber hallo. Mit solchen Kirchenführern und konservativ-faschistoiden Machthabern tue ich mir wirklich schwer, noch grosse Unterschiede zu de Sades bösesten Visionen zu finden.
Und wahrscheinlich finden sie den Osama nicht, weil sich der seit Jahren durch die Bordellszene von Karatchi über Tokyo nach Las Vegas gefickt hat. Wo man ihn natürlich nicht sucht. Und ich stehe da und fühle mich mit meiner Registerarien-Philosophie -
V'han fra queste contadine,
Cameriere, cittadine,
V'han contesse, baronesse,
Marchesine, principesse
wie ein Waisenknabe.
Ihr Schweine!
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Issue Management
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Montag, 6. November 2006
Der Weg des Bibers

Hier bei den Altwasserseen verbrachte ich einen nicht ganz unwesentlichen Teil meiner Jugend - es gab Tage, da wollte man mit den Töchtern der Bankdirektoren nicht öffentlich gesehen werden, wegen der Fragen und ausserdem wäre es mit dem öffentlichen Anknabbern möglicherweise
Bilder nach dem Click.
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Haifischbecken

Zu dumm, dass ich Badewannen hasse und deshalb am Morgen in die andere Wohnung zum Duschen gehe. Wie ich sowieso fast immer oben bin. Ausserdem ist es Irrsinn, diese riesige Wohnung für einen allein zu heizen, wenn der noch nicht mal da ist. Hm. Braucht jemand zufällig fast fertig renovoierte 80m² in der Altstadt einer florierenden bayerischen Möchtegern-Metropole mit hohen Einkommen, netten, zufriedenen Spiessern, Ausgehviertel um die Ecke, Konzertsaal gegenüber, reiches Kulturleben und niedrige Bloggerquote, mit 3 Zimmer, Küche, grosses Bad, Diele, Abstellraum, Stuck, antike Teppiche, Kronleuchter, leicht gebrauchte Sofas aus der Munich Area vom Preis eines Kleinwagens, Parkett und Aus- und Einblicke in ein nagelneues Elitessenwohnheim mit
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Samstag, 4. November 2006
Metamorphosen auf verlorenem Posten
Der erfolgreiche Papismus weiss schon, warum er Orgeln hat und nur im Sommer Prozessionen macht.
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Eine wichtige Sache.
Hat sich erledigt. Mensch, CSU, passt besser auf Eure Domains auf, ist ja nicht zum aushalten. Kann es eigentlich sein, dass Mario Dolzer ein entfernter Cousin eines gewissen Frank "Dr." Huber ist? Stilistisch sehe ich da Parallelen.
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