: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Sonntag, 25. März 2007

Öl-für-Kneitinger Mission beendet,

und zwar erfolgreich. Natürlich war es kein Zuckerschlecken, wie der erste Teil. Ich weiss nicht, welcher Mafia es zu verdanken ist, aber: Der Osten war mal rot, heute ist der dafür voller Opel Astra. Der Osten war mal korrupt und runtergekommen, er ist es immer noch. Aber das schreckt keinen Bayern nicht, und so wurden alle korrupten Beamten aus dem Weg geräumt, wie der Postbote von Dingharting auf seinem Mofa. In Bagderlin dann quetschte ich meinen Roadster in eine Lücke vor einem halb einstürzenden Haus, kontaktierte meinen Mann per Funk und brachte das Zeug schnell über die Strasse, bevor die Büttel des Regimes kamen und es konfiszierten mit der Behauptung, es seien Mollis. Oder ihre Gegner mit der Behauptung, man brauche die Flaschen, um Mollis daraus zu machen. Deppen in meinen Augen: Nehmt Holsten- und Becksdreck, damit kann man sich und die Ordnungsmacht vergiften.



Es ist vollbracht. Unrasiert, abgekämpft und eine Dusche wäre auch mal wieder nicht schlecht. Aber es hat sich gelohnt. Der Bock ist da, wo er hin soll. Unten auf der Strasse wurden dann noch an ein paar Mädchen Pralinen verteilt. So und nur so gewinnt man die Herzen in unterentwickelten Regionen. Ja. Es ist schlimm, dass man sonst nichts tun kann. Man kann sie nicht mitnehmen, die müssen das da drüben selbst schaffen.

Aber solange Bayern noch in der Lage ist, vernünftige Lebensmittel zu produzieren, und solange es mutige Bayern gibt, die ihre Leut nicht hängen lassen, werden weiter Missionen dafür sorgen, dass das Licht der Hoffnung auch in den finstersten Bagderliner Prenzl Slums nicht verlischt.

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Domaingrabber sind auch nicht mehr das,

was sie mal waren: keultknut.de, die URL mit dem grössten Zukunftspotenzial der Republik, ist immer noch zu haben.

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Die Kellerkinder von Charlottenburg

gibt es im GTBlog zu sehen.

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Dirt Picture Content - Richtung Nirgendwo

Manchmal erkennt man sofort, was da die Strassen der Stadt verdreckt. Beim ersten Blick, Riechen, oder schlimmer, drauftreten, wird klar, welcher Mitbürger hier wie kein Verhältnis zu denen aufgebaut hat, die ihn als solchen bezeichnen. Und in der Art der Verantwortungslosigkeit gibt es durchaus Unterschiede. Manche versuchen beispielsweise, den Dreck so zu stellen, dass er den Weg nicht allzu sehr verstellt. Andere versuchen sogar, Sofas als Stadtmöblierung zu verkaufen. Der hier aber wollte vielleicht ein Rätsel aufgeben.



Es ist nur ein halber Pfeil, ausgesägt aus dem Pressspan irgendeines lang vergangenen Möbelstücks, und er weist in der Lychenerstrasse nach Süden. Vielleicht ein halbherziger Versuch, einen Weg raus aus der Müllkippe zu finden? Ein Hinweis auf eine Party in irgendeinem Keller, weiter vorne?

Vielleicht findet sich eine Lösung während der kommenden Monate, da dieser halbe Pfeil weniger die Richtung als das Versagen der Stadt vor dem Müll zeigen wird.

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Freitag, 23. März 2007

Ich will hier nicht alt werden

Vorhin, auf der Schönhauser Allee, überholte mich langsam ein schwarzer 5er-BMW auf dem ölig glänzendem Kopfsteinpflaster. Und weiter vorn, bei der Gleimstrasse überquerten zwei alte Frauen den Strasse, eine von ihnen bucklig und am Stock gehend. Was gehen eben so heisst. Meine Spur hatten sie schon verlassen, aber auf der anderen brauchten sie noch ihre Zeit, um sich bis zum Geländer unter der Hochbahn zu schleppen. Ich ging vom Gas und zog den Wagen ganz nach rechts, damit der 5er Platz zum Ausweichen hatte.

Die Frauen hinkten weiter über die Strasse, die Bücklige wackelte dabei langsam hin und her, wie ein Baum im Srturm, und der 5er fuhr konstant weiter. Kein Bremsen, kein lenken, nichts. Sie schafften es genau bis zum Geländer an einer Stelle, wo es keine Lücke gab. Der 5er war schon an mir vorbei, als er wenige Zentimeter von den beiden Alten über das Kopfsteinpfalster rauschte.

Ich würde hier nicht alt werden wollen.

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Hingabe in Bayreuth

März, wenn keiner dort ist, bei 0 Grad in der Eremitage, die so heisst, weil da kein Eremit mehr ist.



Weitere Bilder im GTBlog.

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Transfer

Bayreuth



Hermsdorf



Leipzig, Volkshaus



Leipzig Nord



Danke an alle Anwesenden - es war ein grosses Vegnügen. Mal abgesehen davon, dass es wirklich kalt war und ich mich nicht getraut habe, in der originial DDR-Gewerkschafts-Location die Lesung mit den Worten "Liebe Genossinnen und Genossen" zu beginnen. Und die Fahrerei war natürlich auch kein Spass. Noch nicht mal mit Winterreifen (Rausschieben lohnt sich manchmal).

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Donnerstag, 22. März 2007

Und schon wieder zu spät

ich bin immer noch da. jetzt aber geht es los nach Leipzig.

Sonntags bin ich wieder hier - und dann in Pfaffenhofen auf dem Flohmarkt. Wer Interesse hat, kommentieren oder mailen!

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Danke für die Nachfragen

Liebe per Mail Nachfragende, es ist so: Dass mich SinnerSchrader zu ihrem Auflauf der Gschaftlhuber eingeladen haben und dabei auf den Eintrittspreis verzichtet haben, ist im Gegensatz zu Eurer Annahme kein guter Deal. Es ist Deppenfängerei und wäre es auch, wenn SinnerSchrader keine Firma wäre, die ein paar der übelsten Kapitel des Neuen Marktes geschrieben hätte.

Wir alle wissen hoffentlich, dass es im Kapitalismus kein "umsonst" gibt. Ausser von Deppen, die an "umsonst" glauben, die dann abgezogen werden. Da steht dann "umsonst registrieren", aber in Wirklichkeit heisst es "Gib uns all Deine Daten". Und genau diesen Trick wendet SinnerSchrader auch bei Bloggern an. Sie machen einen Kongress mit Leuten, die zum grossen Teil kein Mensch braucht: Lukasz von Spreadshirt, der mit seinen Grosskotzbemerkungen über StudiVZ hier eine auf den Rüssel bekommen hat. Den Bolz, den ich ohne Alk nur ertragen hätte, wenn ich die Berliner Politschranzen nicht anderthalb Jahre live erlebt hätte. Mit diesen D-Promis wissen sie genau, dass sie den Laden nicht voll kriegen. Kaum jemand zahlt deren Mondpreise aus eigener Tasche, da werden Budgets verbrannt und Wichtigtuer verschickt.

Der Rest der unverkäuflichen Tickets geht an Blogger. Und zwar nicht dafür, dass sie das Buffet leer fressen und die Erfahrung machen, dass das Ficken von PR-AnjaTanjas kein Spass ist, sondern, damit sie sich bevorzugt fühlen als dolle Blogger in doller Bizznezz-Welt wie der Eingeborene bei der missionierenden Armenspeisung und dafür dem Laden a) Credibility verschaffen und b) ihren Lesern erzählen, was für ne coole Firma diese piefige Klitsche doch ist. Und genau das ist SinnerSchrader: Eine weitere New Media Scheisselaber Agentur, deren Torah Whora mit "Mavens" philosemiteln und ansonsten auf der Suche nach nützlichen Idioten sind, die der Welt erzählen, dass sie irgendwie modern Web2.0 und bloggisch sind. Was man halt so tut, wenn man dumm genug ist zu glauben, dass die einem ernsthaft einen geldwerten Vorteil für umsonst rüberreichen. Sie wollen, dass man die PR für ihren Laden übernimmt. Kein Blog, kein Eintritt. Blogger sollen den Laden schön schreiben. Und es kostet sie keinen verdammten Cent.

Es ist Kapitalismus. Es gibt dort wie bei allen anderen "Wir laden Blogger ein"-Kongressen kein Umsonst, ausser von den Nützlichen Idioten. Es sei denn, man geht hin, frisst das Buffet leer, säuft sich die PR-Gänse schön, kotzt neben die Schüssel, brunzt denen noch irgendwie die Rechnung für Hotel, Fahrt und vergeudete Lebenszeit drauf und schickt den aufgenommenen Podcast, in dem sich gewisse zugekokste Leute über ihre Abrechnungssauereien bei ihrem Kunden unterhalten, an denselbigen weiter, und blogt das dann. Mehr Informationen über diese Klitsche hier und besonders hier.

Und natürlich kann man mit denen so umgehen. Das ist eine soziopathische Branche, die in ihrem Innersten die Prügel soger zitternd erhofft. Also, immer eine in die Schnauze. Der nächste einladende Depp kommt bestimmt.

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Motto des noch jungen Lesetages in Leipzig:

Don´t mention the banana.

Abgesehen davon ist Leipzig ohnehin Südberlin. Mit Ausnahme des Deutschen Literatur Instituts natürlich, das ist literarisch Lichtenhagen. Ich werde bei der Fahrt Carl Philipp Emanuel Bach hören. Das ist der Sohn, der Berlin hasste und es am Ende wenigstens nach Hamburg geschafft hat.

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Mittwoch, 21. März 2007

Die humoristschen Seiten von StudiVZ

Bei meiner Arbeit an der mangelhaften PR von StudiVZ könnte ich manchmal fast heulen, aber mitunter gibt es auch Spassiges zu vermelden. So gerade in einer Mail:

"der wirkt, als wäre er als Prakti in den Kokstopf gefallen"

Alles andere - Geschäftsideen und Exitüberlegungen - an der Blogbar.

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Nein.

Lieber Herr Hmhmhm,

vielen Dank für die - sicher als Privileg gemeinte - Einladung zu Ihrer Konferenz in Hamburg.

Nachdem ich die Genese Ihrer Firma und besonders die in die Hände ihrer Gründer geleitete "Rückzahlung" des Börsengewinns als Freund einer betroffenen Person erlebt habe, komme ich gerne einmal vorbei, wenn es bei SinnerSchrader dereinst zur Insolvenzversteigerung kommt. Ich werde dann die Schreibtische Ihrer namensgebenden Gründer kaufen, zertrümmern und das per Video ins Internet stellen. Oder sonst irgendetwas tun, um sie so öffentlich zu demütigen, wie sie es meines erachtens verdienen.

Allerdings hoffe ich bis zu diesem wunderschönen Tag auf Ihr Verständnis, wenn ich mich nicht durch eine angenommene Einladung einer derartigen Firma demütigen lasse. Ganz abgesehen davon, dass ich mir eine bessere Gesellschaft vorstellen kann, als ein paar vortragende Gschaftlhuber und Blogger, die sich für die Ersparnis von ein paar lumpigen Euro Eintritt im Video für Ihresgleichen zum Primaten machen.

Mit freundlichen Grüssen

Don Alphonso Porcamadonna

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E la nave va

Soave sia il vento,
Tranquilla sia l'onda,
Ed ogni elemento
Benigno risponda
Ai vostri desir.


Fahre ich direkt auf die Buchmesse? Oder wandle ich durch den dann hoffentlich leicht eingeschneiten Park von Bayreuth? Oder besuche ich den Merseburger Dom?



Transfertage mit Verpflichtungen sind meist unfassbar kurz, und ob sich lohnt, für 3 Stunden durch die Buchmesse zu rennen... Überhaupt, Buchmessen. Ich kenne keinen Autor, der Buchmessen liebt. Man trifft da so viele Leute, von denen man die meisten eigentlich nicht sehen will. Und man sieht so viele schlechte Bücher. Man glaubt gar nicht, was alles gedruckt wird, bis man davor steht. Und wer einen sehen will, kann auf die Lesung kommen.

Also wird mein Schifflein morgen vorerst seine Segel doch eher gen das markgräfliche Bayreuth setzen. Ich war da noch nie im Winter. Eine Schande. Und Schande über die, die ihre Ansprüche hier für Viktualientransporte nicht bald anmelden - morgen ist es zu spät.

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Dienstag, 20. März 2007

Care-for-Berliner-Paket

Dinger wie das da rechts oben nennt man in Bayern übrigens Nonnenbrüste. Der Katholizismus ist nicht nur schlecht.



Und ansonsten hat der Hoflieferant sich wieder viele neue Dinge einfallen lassen. Man weiss gar nicht, was man nehmen soll.

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Fast doch nicht Lesen in Leipzig

Es gibt eine Kanne in diesem Haushalt, eine unter - einem Dutzend? Ich habe sie nie gezählt - allen anderen eine gewisse Bedeutung hat. Sie stammt aus England und ist eigentlich nicht wirklich das, was ist suche. Eine Kanne, die sehr grossmütterlich daher kommt und sofort an eine Art melissenduftgeschwängerte Gemütlichkeit erinnert, mit der ich wenig anfangen kann. Ausser natürlich, wenn ich unleidlich bin und keinen Menschen sehen will. Weil ich nicht gesund bin. So wie die letzten Tage. Und für solche Momente und den dann nötigen Pfefferminztee kommt sie zum Einsatz.



Nachdem ich am Samstag während des Interviews mit Fritz zwischenzeitlich mal kurz auflegen musste und gestern noch so schlecht drauf war, dass die Unterhaltung von Youtube, Tom & Jerry gestellt werden musste, hat sich die bayerische Natur inzwischen wieder erfolgreich ihre Bahn gebrochen. Wäre ich nicht Vegetarier, ich könnte ab sofort wieder Schweinshaxn vertilgen. Und deshalb kann ich sagen: Ja.

Ich werde am 22. März, also kommenden Donnerstag, um 21 Uhr im Volkshaus Leipzig sein und mit Lyssa, Modeste, Don Dahlmann, Felix und Thomas Knüwer als handelsgeblätteter Gastgeber Texte aus den jeweiligen Blogs zum Besten geben.

Vielleicht schreibe ich noch einen netten Text über korrupte Funktionäre und Heuschrecken, das würde zur Umgebung nicht ganz schlecht passen - das Volkshaus Leipzig wurde nämlich mitsamt seiner einzigartigen Geschichte letztes Jahr von den Genossen ausgerechnet an Cerberus verkauft.

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Geldkläffer oder die Psychologie der Pudel

Seit ein paar Wochen frage ich mich: Muss ich mich mit denen auseinandersetzen? Mit diesen Leuten, die mir nicht mal vorgestellt wurden, und die meinen, dass man den Erfolg von Blogs vor allem daran messen kann, ob man davon leben kann?

Ich verstehe, dass es sie gibt. Die allermeisten dieser Jammerlappen sind Blogversager, die in anderen Bereichen mal gross waren und hier draussen nach Belieben unter die Räder genommen werden: Mehrfachpleitiers, Ex-PR halbbetrügerischer Pleiten-IPOs, Agenturen, für die sich trotz Einkauf von "Top-Bloggern" keine alte Sau interessiert, wenn sie selbst was ins Internet schreiben, und windige Startups, die sich an die Linknutten und Tonnenraussteller dieser und der Schweizer Republik wenden, sowie ein paar Adabeis, die es optisch nicht zu Big Brother geschafft haben und jetzt geil darauf sind, in andere beworbene Container zu ziehen. Kurz:

Hier kläffen Pudel die Wölfe an, weil die niemanden brauchen, der ihnen das Chappi in die Fressnäpfe tut.

Es ist völliger Schwachsinn zu behaupten, die Blogosphäre wäre antikommerziell oder antikapitalistisch. Es ist lediglich so, dass viele Blogger - durchaus auch Leute mit Namen - keine Lust haben, sich in ihrem Hobby nochmal kommerziellen Erwägungen unterzuordnen. zum Beispiel, weil sie anderweitig Geld verdienen - was in gewissen bloggenden Prekariatskreisen nicht vorstellbar ist, aber doch, es gibt Leute, die auch so an ihr Geld kommen. Antikommerziell sind eher die Pudel, die eine Folge daraus nicht begreifen: Wer Geld nimmt, muss auch Gegenleistungen bringen. Und zwar echte Leistungen, und nicht nur devotes PR-Bekriechen seiner Auftraggeber. Dass man sich mit solchen Verhaltensweisen bei den Wölfen keine Freunde macht, ist selbstverständlich. Denn genau dieses Verhalten hat die kommerzielle Blogosphäre inzwischen dahin gebracht, wo sie elendiglich vor sich hinstinkt: Zu Billig-PR, Social Media Optimierungsspam, Aufkleberabzocker, Sektenbejubler, in White-Trash-Container mit Mietbarsystem und zu den Powerpointschubsern der Agenthuren.

Und dann wundert sich dieser Abschaum auch noch, wenn manche Medien inzwischen den Eindruck bekommen, dass in der Blogosphäre was faul ist - was ihnen das Geschäft erschwert, weil sie die Galubwürdigkeit verwerten wollen, die andere aufgebaut haben. Das ändert aber überhaupt nichts daran, dass der grösste Teil der Blogger irgendwo ohne jeden Hintergedanken ihr Ding aufschreiben. Für sich, für ihre Freunde, manche auch für ein ordentlich grosses Publikum und das alles nur, weil sie schreiben wollen. Das allein für sich hat einen absoluten Wert für Schreiber und Leser. Wer meint, dass man darauf ein effizientes Geschäftsmodell aufsetzen kann, hat jetzt nicht wirklich Ahnung vom real existierenden Werbemarkt.

Diese Leute nennen solche Auffassungen "fundamentalistisch" oder "orthodox". Mich erinnern sie an H., den Kollegstufensäufer, der mir damals jeden zweiten Tag blau wie eine Strandhaubitze über den Weg lief. Einer, der eine Anlagen in Alkohol ertränkte und mich irgendwann, stinkend, übermüdet und fast schon besinnungslos anlallte: Sagma wisso dringsn du eignlich kein algohol. Ich mag halt nicht. Ich kaufe auch keine grünen Elefanten, ich brauche keinen Rausch und auch kein Geld für das Bloggen. Mein Leben läuft wunderbar ohne Kotze im Bad, Elefantenscheisse im Hof und Deppen, die scharf sind auf 86% Googlebesucher, weil die doof auf Werbung klicken. Interessiert mich alles nicht. Interessiert mich nur dann, wenn es darum geht, "to keep the bastards out of my backyard".

Es ist ja nicht so, dass man, wenn man auf so etwas angesprochen wird, sich nicht seine Gedanken macht. Aber das Problem, das ich sehe und für das es keine Lösung geben wird, ist die Beziehung zwischen Blogger und Leser. Es ist nicht so, dass ich hier jeden Leser toll finde, aber ich respektiere sie erst mal als Menschen, die sich für das interessieren, was ich schreibe. Das ist angesichts meiner und der Leser Freiheiten weitaus besser, als das, was Journalismus bringt. Im Journalismus jedoch, wie ich ihn betreibe, gibt es eine klare Trennung zwischen Anzeigenabteilung und Redaktion. Und genau das würde wegfallen, wenn ich dieses Blog vermarkten würde. Wollte ich mehr Geld verdienen, müsste ich nach deren Regeln spielen. In der Textform, in den Überschriften, in der Googleoptimierung, ich müsste zu bestimmten Zeiten bloggen, wenn viele Leser kommen, kurz -ich müsste mich anpassen. Ich würde zu deren Pudel werden, ohne dass ich inhaltlich etwas verändern würde. Ich könnte mich vielleicht noch als Wolf fühlen, aber de facto wäre ich auchauf dem Weg zu so einer stinkenden Sofatöle wie MCNilobonvanoligasimoneckuber - um hier keinen persönlich anzusprechen.

Ich bin nicht antikapitalistisch. Ich nehme Aufträge an, wenn sie gut bezahlt sind und ich meinen Spass habe. Und wie bei allen anderen Hobbies ist Spass das treibende Element hier draussen. Die Blogosphäre ist ein riesiger, lustiger, amüsanter Vergnügungspark, ein Bacchanal der Textsinne, und es wird mir hier nie langweilig. Es ist das Schlaraffenland, wo einem die gebratenen Textgänse, Forellen und mitunter auch Enten in den Mund fliegen - man muss nur danach schnappen. Ich glaube, die einzigen, die hier nie Spass haben werden, sind die kläffenden Pudel, die hier wegen den verschimmelten Schlachtabfällen der Medienindustrie auflaufen, nach denen sie süchtig sind. Verhungern oder langsam an diesem Frass krepieren - das sind ihre Alternativen.

Ich sagte ja: Es ist ein Heidenspass hier draussen. Für Wölfe.

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Montag, 19. März 2007

Ich find den Michi gut

Drüben bei Thomas und an anderen Stellen amüsiert man sich in nicht wirklich netter Weise über Wirtschaftsminister Michael Glos und seine Bemerkung, dass er Leute habe, die für ihn das Internet machen. Obwohl ich alles andere als ein Fan der CSU im Allgemeinen und Michael Glos im Besonderen bin - I beg to differ.

Ich habe bekanntlich ein paar Jahre in der Munich Area mitgamacht, wo ähnliche Ignoranten nicht nur behaupteten, das Internet zu können, sondern sich auch einreden liessen, wie toll das sei. Internetdeppen gab es auch in Nordrhein-Westfalen bei den Sozis, die sich allen Ernstes von einer Handelsblatt-Tochter ein PR-Projekt namens GH100 aufschwatzen liessen, und in Bremen mit einem E-Commerce-Professor, dessen Uni von einem Telefonunternehmer gesponsort werden sollte, der dann pleite ging, und was da an Irrsinn mehr war. München, und ich bitte mir da zu glauben, München jedoch war der Platz, wo die grösste politische Unvernunft auf die grössten Finanzmittel und zugleich die ruchlosesten Gründer traf. Nichts, noch nicht mal Sophia Antipolis oder die Tel Aviv Area, war mit dem Morast vergleichbar, den die Privatisierungserlöse des Freistaates in Zusammenarbeit mit einer komplett versagenden Ministerialbürokratie und ihres Umfeldes verursachten; angefangen bei zwei konkurrierenden Ansiedlungsagenturen bis zum Niedergang von EMTV, Kirch, und aberhundert Firmen.

So ein Typ wie der Glos, der den Sparifankerln ohne Nachsicht ins Mikro sagt, dass ihn der Schmarrn nicht interessiert und damit verdeutlicht, dass sie nie so nah an ihn rangeschleimt kommen werden wie ein normaler Mittelständler aus dem bayerischen Wald, einer, bei dem klar ist, dass sich daran nie wieder was ändern wird und er das Geschmeiss da draussen im Netz zutiefst verachten würde, wenn er es wahrnehmen täte - so ein Mann ist der Richtige am richtigen Ort just zu der Zeit, als es sich zeigt, dass man den 2000er Abschaum doch besser auf die Galeeren geschickt hätte - und falls jetzt jemand sagt, dass Galeeren heute erheblich unter dem Wasserspiegel liegen: Egal! Auch nicht tiefer als die Aktienkurse ihrer bombensicheren Investments.

So ein Michi wird nie so dumm sein, dieses Land nochmal in eine Aktienhysterie zu treiben. Er wird keine Pleitiers zu Internetbeiräten machen, er wird keine Staatsmillionen zur Förderung von Onlinedreck rausrücken, an denen sich der Agenthurendreck bereichert, er wird sie mit ein paar Brocken abspeisen, damit sie ihm den Kot von den fränkischen Reitstiefeln lecken, kurz: In all seiner Beschränktheit sorgt er dafür, dass sie bekommen, was sie verdienen.

Und unser Internet noch lange frei bleibt von expansionsirren Ministerialdirigenten und anderen bedrängnissen, die wir schon mal hatten. Es geht prima ohne sie. Wer etwas anderen meint, mag sich den Glos-Podcast vorstellen, beraten von den Haffa-Brüdern, getextet von Bernd Kolb und produziert von SinnerSchrader, und Ihr alle müsst ihm dann unter dem Lobpreis von Mark Pohlmann bei der Next07 den Staub vom Rocksaum lutschen.

Will jetzt noch jemand einen interneterfahrenen Wirtschaftsminister?

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Das gibt es nicht nur in Gelsenkirchen

Letztlich ist es ein Problem des Brandings. Denn - seien wir ehrlich: Niemand wird sich heute finden, der irgendein Möbel des Barock, einen Reinaissancepalast oder eine gotische kathedrale heute als Kitsch oder Geschmacksverirrung abtun würde. Das Problem ist einzig und allein mit dem Wandel der Zeit die Bauqualität. Sobald wir über Biedermeier oder ältere Epochen reden, verschwindet der Kitsch und wird allenfalls vom Ramsch ersetzt. Obwohl, und das ist uns allen bewusst, es früher durchaus andere Urteile über Kunst und Stil gab. Genauso, wie das Empire den Rokokoschnörkel verdammte, hasste die neue Sachlichkeit den Jugendstilbogen, und dennoch finden wir das heute alles irgendwie grossartig, toll und begehrenswert in den Auktionskatalogen wieder.

Es gibt allerdings noch Ausnahmen: Deutscher Historismus und - Gelsenkirchner Barock, gewissermassen die Antibewegung zum Bauhaus und der dominierende Stil der 20er bis 50er Jahre des letzten Jahrhunderts, der dann von Eiche Rustikal abgelöst wurde. Beim Historismus findet im Moment das gleiche Umdenken statt, das in England die victorianische Epoche zu neuer Blüte verholfen hat, schliesslich war es die letzte Epoche vor dem massenhaften Aufkommen der billigen Fabrikmöbel. Ungeliebt, verachtet und zu billigsten Preisen bei den Wohnungsauflösern schmachtet dagegen das als Nazistil verhasste Gelsenkirchner Barock, kongenial zum Ausdruck kommend in den dickbäuchigen, geschwungenen Küchenschränken dieser Epoche, die von den Träumen der Krisen und Kriege sowie ihrer Erfüllung im Wirtschaftswunder erzählen.



Kritiker werden zudem einwerfen, dass diese Dekoration ausgerechnet der Küche ein Symbol der Unterjochung der Frau an Heim und Herd ist. Und natürlich ist so ein Stück mit seiner Glasvitrine und der Spiegelfurnierfront das Gegenteil der Frankfurter Kücher unserer verehrten Margarete Schütte-Lihotzky. Es ist ein Stück für das lange Arbeiten der Hausfrau, und nicht für die schnelle Küche der Angestellten, an die man in den 20er Jahren in fortschrittlichen Kreisen dachte. Und mutmasslich ist es auch ein Nazimöbel, gefertigt nach 1933.

Wie seine französischen Cousins, die unter dem Begriff Art Deco laufen. Oder die Vettern aus Amerika, die man gern als Streamline Design verkauft. Oder schlicht und einfach 30ies, das Branding, mit dem diese Dinge hierzulande gekauft und dann in Italien und England weiter verkauft werden. Zu horrenden Preisen, was niemanden überrascht, der einmal eine Tür öffnet: Das ist Vollholz, hier gibt es kein Pressspan wie nach 1945, Vorkrieg, und Edelholz in der Küche könnte sich heute kein Mensch mehr leisten.

Also, was tun? Verbleiben in der alten Ideologie, die alles schlecht macht, was der Zeit entsprungen ist? Akzeptiert man die Urteile der Gegenwart, statt die Chancen der Zukunft zu nutzen? Heute noch ist es kontrovers, die Hälfte der Besucher werden schaudern - aber in 20 Jahren wird die andere Hälfte wissen wollen, woher man so etwas bekommt.

Letztlich geht es nur um die Frage, wie man Gelsenkirchen los wird.

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Sonntag, 18. März 2007

Mobiles

Wer momentan versucht, mich per Handy zu erreichen, wird eine Ansage zu hören bekommen, dass die Nummer nicht vergeben ist. Ursache ist ein Fehler meiner SIM-Karte, die man aus welchen Gründen auch immer nicht mehr aufladen kann. Ja, ich habe Prepaid, nein, mehr brauche ich nicht.

Und ich bin am Überlegen, ob och das überhaupt noch brauche. Ich vermisse nichts, und mitgenommen habe ich das Mobiltelefon die letzten Monate auch nicht mehr. Ich will nicht ausschliessen, dass ich mich demnächst doch mal aufraffe und mich bei Vodafone beschwere. Es kann auch sein, dass ich mir eine andere Karte beschaffe. Vielleicht lasse ich es auch ganz bleiben.

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Samstag, 17. März 2007

euerulaubdotde

Betrachtet das folgende Bild. Genau hinschauen, bitte. Was seht Ihr? Was könnt Ihr erkennen?



Kenner dieses Blogs werden sagen: Das ist ein Ausschnitt vom Blick der Dachterasse beim Don, hoch über den Gassen der kleinen Stadt. Andere werden sagen: Eine Kirchturmspitze und ein Kondensstreifen. Stimmt. Aber metaphorisch betrachtet ist es etwas ganz anderes. Denn es bildet ab, was die Zukunft des Urlaubs ist, und was seine Vergangenheit sein wird. Der Kondensstreifen gehört ohne jede Frage in die zweite Gruppe.

Letzten Sommer kam ein netter Herr aus Berlin für einen Tag zu Besuch. Wir sassen oben bei Torte und Tee, unterhielten uns, und er erzählte von einem Interview, das er gemacht hatte. Darin erklärte ein Wissenschaftler, warum es in 20 Jahren ähnliche Spritztouren, die einen mal eben 500 Kilometer bis zur Torte brachten, nicht mehr geben würde. In 20 Jahren werde man die Folgekosten der Umweltzerstörung voll auf die Verursacher umlegen, und dann könnte es sich eben kaum mehr jemand leisten. Noch härter würde es Flugreisen treffen. Das Reisen, an das wir uns während der letzten 10, 15 Jahre gewöhnt haben, steht damit vor dem Ende. (Damit steht er im Gegensatz zu den neoconnardschen Herren, die hier einen Einlauf bekommen)

Wir sassen oben, nahmen noch eine Tasse Tee, und eigentlich war es keine Neuigkeit und auch keine Überraschung. Nach einem Jahrhundert der rasanten Entwicklung der Geschwindigkeit, die Entfernung praktisch zu einem Nullfaktor hat werden lassen, werden wir im kommenden Jahrhundert zu spüren bekommen, dass die Möglichkeit der Geschwindigkeit nichts mit deren tatsächlicher Machbarkeit zu tun hat. Entfernung wird wieder ein Thema, und im Gegenzug stellt sich die Frage, was man in der näheren Umgebung tun kann. Und nachdem auch die nähere Umgebung nur zu horrenden Preisen erreicht werden kann -

stellt sich auch die Frage, wo man unterkommt. Ich persönlich gehe ohnehin davon aus, dass die Aufteilung der Gesellschaft in Arm und Reich groteske Züge annehmen wird, und selbst die Gebildeten und Qualifizierten unter den Lesern mehrheitlich nicht das bessere Ende dieser Entwicklung erwischen werden. Zusammen mit der Entwicklung des Urlaubs durch Klimaprobleme werden fraglos grosse Luxushotels für die Besserverdienenden überleben, aber nicht zwingend die kleinen Hotels und Herbergen.

Und damit kommen wir zur obigen Aussicht. Diese Aussicht kann mir keiner nehmen, sie wird Bestand haben, und wenn es mal soweit ist mit Spritpreisen und sozialer Ungerechtigkeit, mit Klimawandel und dem Zwang, Alternativen zum bisher bekannten Urlaub zu finden - dann ist dieser Ausblick die Zukunft Eures Urlaubs. Wie schon in den 20er bis 60er Jahren des letzten Jahrhunderts wird man sich wieder der Freunde und Bekannten in hübschen Regionen entsinnen. Glücklicherweise wird es nicht so spiessig sein, wir sind ja alle augeschlossene, lässige Leute, vielleicht auch ein wenig unaufgeräumter, und ganz sicher sehr viel spassiger als in anonymen Hotels.

Und wer weiss - vielleicht wachsen bis dahin bei uns dann auch schon Palmen. In der letzten grosse Warmzeit vor 5000 Jahren etwa gab es hier bei uns in den Bächen Schildkröten. Und wenn wir bis in 20 Jahren so weiter machen, mit Hilfe unserer chinesischen Massenmörder und amerikanischer Volldeppen und Spanier, die keinen Sinn für das Stromsparen haben, kriegen wir das auch hin. Ausserdem hat es hier auch Fahrrädet, mit denen man zumindest das Altmühltal, die Holledau, Kloster Weltenburg und Neuburg erreichen kann. Natürlich kann man auch einfach auf der Dachterasse liegen bleiben, und die Aussicht geniessen, die dann nicht mehr die Zukunft, sondern die Gegenwart des Urlaubs ist.

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