: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Freitag, 16. März 2007

Das erste Mal 2007

Fünfeinhalb Monate ist es her, dass die Schatten kamen. Viereinhalb Monate ist es her, dass ich das letzte Mal zum Vergnügen auf der Dachterasse war. Dieses Photo jedoch



ist gerade mal 10 Minuten alt. Die Sonne schafft es wieder über das Dach, der Stadtpalast hält den Wind ab, wir haben angenehme 18 Grad - kurz, hiermit erkläre ich die Dachgartensaison 2007 eröffnet!

und das heisst pflanzenschleppen, aufräumen, dachrinne säubern, müll beseitigen, strom anschliessen - und dann erst tee trinken und Llosa lesen

Übrigens auch auf dem Catwalk der darunter wohnenden Elitessen (also zumindest derjenigen, die im letzten Semester nicht geschmissen haben, um was Anständiges zu lernen)

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Freitag, 16. März 2007

Gr*ss G*tt

So richtig leicht geht mir das nicht über die Lippen. Staatsfunk, Politiker und andere unschöne Erscheinungen gebrauchen diese Anrede plakativ, um zu zeigen: Fuck you, Grundgesetz, hier gilt die bayerische Verfassung und der Papst, nicht deine säkulare Ordnung. Sie sagen es in dieser norddeutschen Variante, die mit ihrem ü und den harten Konsonanten völlig aus dem eher weichen Bayerischen hinaus fällt. Chrrrrüss Kott. Vielleicht, weil es von Silben und Tonfall her das leichteste war, von Siiik Heil runterzukommen.

Diese Begrüssung ist natürlich keine, denn ich bin erstens Atheist und zweitens hebräischer Abstammung, da nimmt man den Namen nicht leichtfertig in den Mund, und natürlich auch dann nicht, wenn man nicht daran glaubt. Soll doch der andere grüssen, wen er will, aber dafür muss er mich doch nicht ankeifen. Meistens lasse ich ein blendend gelauntes, GUTEN MORGEN DU VERFICKTER KUTTENBRUNZER dagegenschallen. Oder ein Guten Abend. Irgendetwas, das dem Gegenüber die guten Wünsche zuteil werden lässt, die es einem selbst zugunsten eines historisch erledigten Popanzes verweigert.

Es gibt aber eine Ausnahme: Der Berg. Am Berg sagt man das auch zu wildfremden Leuten, die einem entgegen kommen. Das kann mitunter nerven, aber es hat eine andere Funktion als das politbayerische Claimeinpinkeln. Es hat auch eine andere Funktion als im Alkoholikerzelt der hiesigen Volksfeste, wo es entweder um Platzraub oder spätere Fickversuche im Koma geht. Auf dem Berg sagt es vielmehr: Ich habe dich gesehen, wir sind hier gemeinsam, falls du etwas brauchst, sprich mich an. Und wer im Berg schon mal einen Unfall erlebt hat, weiss, dass Notsituationen da oben etwas ganz anderes sind als unten im Tal. Daran ändern auch Mobiltelefone nichts. Ausserdem ist der Berg voller Deppen, für die der Gruss die einzige alpinistische Befähigung ist, wenn sie da mit Turnschuhen hochgehen. Für diese Leute kann ein anderer, der sie bemerkt, die letzte Rettung sein. Insofern ist es legitim, auf sich aufmerksam zu machen.

Um hier einen gerechten Ausgleich zu schaffen, rettet mich nur der Verfall in die tiefste Mundart, die ich zwar beherrsche, aber in aller Regel ausserhalb von Berlin nicht anwende. Ich sage also "Griass Eana God", was eigentlich die richtige Formulierung ist. Denn ursprünglich ging es nicht darum, christliche Dominanz sprachzuwichsen, sondern den Segen des Gottes des Anderen (!) auf eben jenen herabzuwünschen. Wenn es ihm was bringt, warum nicht.

Und falls es ihn wie gestern gleich danach mit seinen Steckerln aufs Mei legt, weil er geglaubt hat, dass er mit seinen Steckerln und Gott nicht auf das Laub aufpassen muss, ist einer da, der die evidente Nichtexistenz seines piefigen Gottes hier unten kompensiert. Passt scho.

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Glückliche Tortenberge

Das schöne am Bloggen ist der persönliche Kontakt mit den Lesern. Man lernt viele Leute kennen, von denen ein ausgesprochen hoher Prozentsatz weder verrückt noch geldgeil ist und sich gewählt auszudrücken vermag. Spät Nachts ereilt einen mitunter noch ein Anruf, der Nettes zum Thema hat, so wie gestern. Da meinte eine Leserin, dass sie hier die Tortenbilder mag; sobald sie eine Torte sehen würde, ginge es ihr gleich besser. Das ist dann ein guter Grund, in das nächste hügelige Naturschutzgebiet zu fahren und den höchsten verfügbaren Hügel mit dem schwersten Aufstieg zu erklimmen. 200 Höhenmeter nur, die es aber in sich haben: Vornerum ist der Hügel ein Paradies für Freeclimber, an der Seite ist er auch nicht ganz ohne, für so einen Frühlingstag als Vorbereitung auf die Kraxelei, irgendwann in diesem Jahr bei Meran.



Oben hat man aus Angst vor den Ungarnstürmen im 10. Jahrhundert eine Burg errichtet und einen Graben in den Stein geschlagen, die Reste dann hinuntergekippt und somit ein erstklassiges Geröllfeld zum üben geschaffen - wenn man nicht den Weg nimmt, sondern die steile Wacholderweide direkt nach oben geht. Wacholder wiederum erinnert sofort an das dringend gebotene Kochen - etwa eine weisse Sosse mit schwarzen Pfefferkörnern, Wacholder und Lorbeer, aber jetzt umkehren wäre feige, hinauf muss man, und oben hat man eine Aussicht, die durch klicken grösser, aber niemals so grandios wie in Wirklichkeit ist.



Die Luft, die Sonne, die Bewegung, das alles macht natürlich hungrig und bietet den besten Vorwand, um danach in die famose Konditorei Bauer in Kipfenberg einzufallen. Die befindet sich im obigen Bild schräg unter der Burg, auf dem Marktplatz am Ende links abbiegen. Und dort ist es dann empfehlenswert, unter anderem diese kakaobestreusselte Sahne-Marzipan-Capucino-Torte zu kaufen, zum eigenen Vergnügen und Beglückung der Leserschaft. Tausende alte Tanten auf Kururlaubdiätflucht können nicht irren.



Sinnfrei mag dieser Beitrag sein, werbeuntauglich und auch kein geschmierter Test für ein zahlendes Lügenschwein, kurz, er entspricht nicht im mindesten dem, was die Kollegen mit ähnlicher Reichweite sich so von ihrem Bloggen erhoffen, aber seien wir ehrlich: Was könnte schöner sein als zu wissen, dass das eigene Tun und Schreiben woanders einen Menschen glücklich macht? Darum geht es. Um das Glück nach einem traumhaft schönen Tag da draussen. Mehr später im GTBlog.

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Blogschmierer und Googlejuice

Ooops, na sowas - so wie es aussieht, bekommt Trigami gerade den bei PR-Massnahmen durch Bloggerkaufen erwünschten Effekt des Googlerankings zu spüren - das nenne ich mal real existierende "Transparenz", über die andere nur lachen können.

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Donnerstag, 15. März 2007

Humanitäre Öl-für-Kneitinger Mission

Berlin. Eine Stadt in Auflösung. In den Betonskeletten der Häuser ist alle Lebenslust verschwunden. Getrieben von Verzweiflung, geben sich dien Frauen dem Kinderkriegen hin - ihre einzige Rettung. Männer verkaufen sich an Sony, Trigami und Zuhälter. Es sind schlimme Zeiten in der Reichshauptstadt. Und in all der Dunkelheit eingeschlossen ist eine Zelle des niederbayerischen Widerstandes. Am Nordstrand hat sich ein einsamer Held eingegraben und hält aus im Ansturm der Kinderwägen des Grauens. Er hat immer noch eine Kugel im Lauf, aber die Nahrung geht ihm aus. Doch Rettung naht! D´Schanz won´t let Grafentraubach down. Und das ist die Geburtsstunde einer der feinsten Stunden der humanitären Blogosphäre: Die waghalsige Öl-für-Kneitinger-Mission beginnt.



Kneitinger, der lebenswichtige Stoff für alle Niederbayern, wird nur in einer kleinen, schwarzen Stadt an der Donau gefördert. Sie liegt in der Oberpfalz, wie Berlin im Ruinengürtel Brandenburg liegt. Und so, wie dort die Neonazis auf die Geleitzüge lauern, bedrohen hier sie schweren Mercedeslimusinen der Hubers und Bauers das Fortkommen.



Doch unsere Mission durchbricht mit ihrem kleinen, schnellen Gefährt bei Einig erfolgreich drei 3 Bruttoregistertonnen schwere Strassensperre. Jetzt ist der Weg frei! Nur ab und zu reckt uns ein Opel Astra seinen hässlichen Pavianarsch ins Gesicht. Aber sogleich versenken wir den Frechling, der unsere Mission zu behindern wagte, in einer Staubwolke. Wir erreichen Regensburg, eine Stadt vol mit schwarzen Hundlingen und anderen Ausgeburten der CSU-Hölle.



Überall sind noch Reste vom Besuch des schwarzen Oberpriesters zu sehen, die von den schlimmsten Tagen dieser Stadt künden. Und dennoch: Hier, inmitten der Verdammnis, wartet auf uns der Stoff, auf den unser Mann in Berlin so dringend wartet. Wir brechen durch das Westentor, quetschen uns an den pestgelben Bussen voller Oberpfälzer vorbei, und erreichen unser Ziel



Kneitinger Bräu. Seit 1530 wird hier das gebraut, was die aromataisierten Pisswasserhersteller wie Holsten, Astra, Jever oder Bud nur aus Propagandazwecken vorgeben: Bier. Echtes Bier. Und was für ein Bier. Bier, bei dem man sofort all die Erfahrung schmeckt. Fast 500 Jahre. Darunter tun wir es nicht. Wir sind da. Wir öffnen die Tür



und das elysische Licht, das durch die Decke auf die Bierfässer fällt, zeigt uns: Wir sind richtig. Wir haben den Gral der bayerischen Braukunst gefunden. Jetzt heisst es nur noch, dem dicken Mann hinter der Theke unseren Wunsch zu sagen: An Gastn Gneidinga Boog - und dann haben wir es. Die oberbayerisch-oberpfälzisch-niederbayerische Mission war erfolgreich. Unser Mann in Berlin ist schon fast gerettet.



Das ist es. 20 Flaschen echter Kneitinger Bock. Wir haben massig Öl für diese Flaschen verbrannt und Astras gedemütigt, es war eine schwere Mission, aber wir haben sie gemeistert, und es hat sich gelohnt. Wir starten den schweren Motor unseres Kampffahrzeuges, hinten klingeln fröhlich die Böcke, und dann fahren wir hinunter zum echten, originalen Nordstrand der Donau.



Hinter uns stehen ein paar Juristen und reden über BGB und die Zigaretten, die sie mit ihrem Z3 in der Tschechei eingekauft haben. Ihre blonde Freundin hasst diese Stadt offensichtlich, sie langweilt sich mit Suff und Rauch, und wird auch irgendwann nach Berlin gehen. Aber uns ist das egal. Wir haben alles schon gesehen, wir kennen es, und letztlich ist es nur wichtig, am Fluss zu sitzen und die aufgequollenen Kadaver unserer Feinde vorbeitreiben zu sehen.

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Wieder was gelernt

Nicht nur durchgeknallten Sektierern und Blogbestechern hinterherrecherchieren. Sondern auch Bloggern, die meinen, ihren Lebensunterhalt damit verdienen zu müssen. Und zwar vorher. Siehe Marcel, Roman, aD! in den Kommentaren sowie den Typen vom Swiss Metablog. Wer die neurotischen Züge deutscher Scharlatane mag, wird die lustige Schweizer Szene lieben. Ab heute gehören die Blogdenunzianten zu meiner Pflichtlektüre.

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Warten auf das Essen

Im Cafe.



An der Franziskanerkirche, 20 Meter weiter.



Wenn man hier lebt, kennt man das schon seit der Kindheit und sieht es meistens nicht mehr.

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Mittwoch, 14. März 2007

Unten am Fluss

Manche sagen, es reicht, sich hinzusetzen und zuzuschauen, bis irgendwann die Leiche der Feinde vorbeitreiben. Man muss nur Zeit haben, Geduld und Zuversicht.



Hab ich aber nicht. Es gibt sie schon viel zu lange.

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Fragen,

die sich sonst keiner zu stellen traut: Warum lesen Deppen meine Blogs? An der Blogbar. Nur für Nichtdeppen.

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Open Business Failure

Ist eigentlich schon jemand aufgefallen, dass sich die Aktien von Open BC inzwischen dauerhaft unter der 30-Euro-Marke festgesetzt haben und inzwischen an 27-Euro-Grenze kratzen? Wo sich der Verlust für IPO-Käufer bei gut 10% einpendelt? Nein? Dann ist es hiermit gesagt.

Mal schauen, auf welcher Ebene des Zahnfleisches der Laden daherkriechen muss, bis die ersten Schralatanagenturen den Boss nicht mehr auf´s Podium setzen. 20 Euro, würde ich sagen. Ausgenommen SinnerSchrader vielleicht, deren eigene Geschichte nicht weniger peinlich was.

Und weil wir gerade bei den Fischköpf Hamburgern sind: Unter dieser URL http://blog.q ype.com/2007/03/09/qype-finalist-for-the-red-herring-europe-100-awards/ freut sich der Ex-Bild/T-online-Mann Uhrenbacher über die Nomierung seiner Klitsche für die Top 100 Europäischen Startups nach dem Verständnis von - Red Herring. Mal schaun, ob die den Tag der Preisverleihung überhaupt noch erleben.

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Über Medien

Ich war in den letzten Tagen ein paar mal "in den Medien", und es kommen noch ein paar Sachen. Warum ich das sage: Es gab ein paar Fragen, warum ich das nicht ankündige oder verlinke. Was ich tatsächlich nicht mache. Und zwar aus anderen Gründen, die allerdings mit denen, die bei der Nichterwähnung dieses Medienauftritts (via) durch einen am Rande erwähnten blogfüllenden Herrn eine Rolle spielen dürften, nichts zu tun haben.

Ich habe nämlich 2 ordentliche Blogs. Das heisst: Alles, was ich hier berichten und ausdrücken möchte, kann ich ohne die Hilfe der Medien tun. Es wäre deshalb überflüssig, darauf hinzuweisen, dass es in einem alten Gatekeeper-Medium mit begrenzten Kommunikationsmöglichkeiten das nochmal in neuer Verpackung gibt, was ohnehin schon hier steht. Sollten Fragen offen sein, tut sich hier eh keiner einen Zwang an und stellt sie. Strukturell sind hier also alle Hinweise auf diese veralteten Medien überflüssig.

Es ist insofern Ausdruck meiner Meinung, dass wir die Medien sind. Niemand ist mehr davon abhängig, dass die korrupten Strukturen uns als relevant erachten oder als irrelevant, dass wir in ihre überkommenen Kriterien passen und deren Quoten erfüllen. Medien sind Vertreter eines kulturellen Phänomens, das historisch fraglos seine Bedeutung hatte, aber zunehmend eine verknöcherte Kapital- oder Staatsstruktur, ein Anhängsel von PR und Werbung geworden ist. Ich gehe nicht so weit zu sagen: Braucht kein Mensch. Aber die Zahl derer, die das brauchen, wird kleiner, und die, die es nicht brauchen, sind die Zukunft.

Das Grosse hier draussen sind demzufolge auch nicht die Themen, die Medien bewegen, und schon gar nicht das Herausgreifen einzelner Blogger als relevante Vertreter "der Szene". Es kann nicht sein, dass man die dadurch definierte Hierarchie sofort wieder ins Blog klebt, um zu zeign, dass es sie gibt. Das Grosse ist, dass wir alle ausnahmslos gleich klein sind vor dem Netz, und es an jedem einzelnen von uns ist, jeden Tag wieder, dafür zu sorgen, dass dieses Netz eben nicht ein weiterer Deppenchannel wird, dass die alten Gesetze der Relevanz und des selbstreduplizierenden Medienbetriebs und seiner fianziellen Zwänge in unserem Bereich keine Gültigkeit mehr haben.

So zumindest sehe ich das. Und deshalb verlinke ich solche Medienauftritte nicht. Warum sollte ich über die Krücken der Vergangenheit reden, wenn ich in die Zukunft rennen kann.

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Dienstag, 13. März 2007

Das offene Land


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Angebot an die A-List-Strichersphäre

Ihr Pinscher,

gerade erreicht mich mal wieder eine Mail aus dem grossen, weiten, studiVZ-verseuchten Holtzbrinckkonzern. Seitdem ich den Bonker vor der Flinte habe, ist das jetzt schon die vierte Anfrage, ob ich eine deren Geschichten beraten möchte. Es gibt da durchaus eine zeitliche Koinzidenz, leider verbunden mit einer persönlichen Verachtung des Ladens, bei dem ich allein das Handelsblatt wegen alter Verbundenheit ausnehme. Jedenfalls haben die in Berlin so ein gedrucktes, nicht ganz sponsorenfernes Zweitverwertungs-Ding, das sich einen Dreck um Tarifverträge schert, geleitet von einer Figur, die mit solchen "Deals" bei manchen als Visionär gilt, und alles in allem fast so angenehm ist wie die Musikindustrie.

Normalerweise würde ich das hier 1:1 posten und habe das früher auch schon ein paar mal gemacht, aber - zum Glück gibt es ja Euch, die Ihr aus jedem Koben fresst. So widerlich, dass Ihr dafür witzige Filmchen dreht und Euch zum Werbeaffen macht, kann keine Firma sein, und Beraterverträge in der Dimension sind ganz sicher nicht unlukrativ, solange man da ordentlich einsteigt. So mit vollem Comfickment, und so, und mutmasslich müsst Ihr damit noch nicht mal Eure Bloginhaltemit gekaufter Werbung zuscheissen. Wenn Ihr das Bisherige also für Vertretbar haltet, Ausbeutung ok ist, solange ihr nur Geld für Scheisse labern bekommt und auch kein Problem damit habt, dem Auftraggeber ein hübsche, blogaffines Konzept zur Verhurung unseres Umfeldes - denn darum geht es - rüberwachsen zu lassen: Mailt mich an. Ich bin gerne bereit, das zusammenzubringen, was zusammen gehört. Ob die Euch wollen - keine Ahnung, aber probieren kann man es ja mal. Wie alles. Anything goes.

Oder so.

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Der Morgenbeitrag

entfällt wegen unvermutet hereinbrechenden gesellschaftlichen Verpflichtungen - demnächst wird hier ein Wagen mit Starnberger Kennzeichen vorfahren.

Bitte statt dessen diese Anfrage durchlesen und überlegen, ob man nicht vielleicht doch eine Bleibe für diesen famosen Herrn weiss. Ich habe ihn mehrfach bewirtet und würde in meiner Rolle als Vermieter meine Hand für ihn ins Feuer legen.

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Montag, 12. März 2007

Der Wermutstropfen

ist der Kran. Da wird nichts gebaut, den braucht man zur Restaurierung. Eines Gebäudes, das etwas mehr als 20 Jahre alt ist. Wir brauchten den ersten Kran nach 398 Jahren. Soviel zum Thema Bauqualität, und nun zum eigentlich Wichtigen: Die Sonne schafft es am Mittag und am Abend wieder auf die Dachterasse.



Und wenn der Kran weg ist, kann man wieder den ganzen Tag draussen sitzen. So etwa in drei, vier Wochen geht es los.

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Die grosse Berliner Strassenbrücke

Liebe Berliner Freunde,

soweit ich sehe, habt Ihr auch diesen Winter, der gar nicht mal so entsetzlich sibirisch war, überlebt - dank der globalen Erwärmung, die Euch zuverlässig in einigen Dekaden voller Taifune bis zum 2. Stock Eurer verrotteten Immobilien unter Wasser setzen wird. Seht es positiv, dann liegt kein Dreck mehr auf den Strassen.

Bis dahin komme ich noch mindestens einmal - so um den 23. März in Berlin vorbei, um unter anderm eine Lesung mit der famosen Modeste zu besuchen, und Leute zu treffen. Wie Ihr alle wisst, komme ich aus dem wohlversorgten Bayern. So Ihr irgendwelche Wünsche nach den hiesigen Spezialitäten habt, lasst es mich wissen. Das meiste sollte unbeschadet in Berlin ankommen.

Herzlichst,

Euer Don

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Eine Geschichte der Armut

Es ist für einen Historiker mit Schwerpunkt auf Realienkunde ein wenig schade, heute leben zu müssen. Das Leben im nächsten Jahrhundert würde die Jetztzeit zwischen 1945 und rund 2020 zum Forschungsgegenstand machen, und damit ein wirklich spannendes Thema haben. Dann wären zum ersten Mal in der menschlichen Geschichtsforschung unumstössliche Erkenntnisse über das an Gegenständen erkennbare Verhalten nichts mehr wert.

Reichtum erkannte man an den Abfallgräben, den Kloaken und der Höhe der Siedlungsschichten. Reich sein bedeutet Abfall produzieren. Dass die Geschichtsschreibung so wenig über das Leben der normalen Menschen zu berichten weiss, hat vor allem damit zu tun, dass sie kaum schriftliche und gegenständliche Zeugnisse hinterlassen hat. Luxus definierte sich durch den Besitz von weitgehend sinnlosen Dingen. Es musste stets das Neueste sein, das Fortschrittlichste und das Prächtigste.

Neutral betrachtet, findet man diese Merkmale des Luxus und der Überflusses heute bei der Unterschicht: Plastik, Wegwerfgläseer, Einweggeschirr, sinnlose Verpackungen und alle drei Jahre neue Möbel aus Pressspan. Gemessen an unserem alten Wissen über das Verhalten der armen Leute, die nichts wegwarfen und es sich nicht leisten konnten, neue oder überflüssige Dinge zu kaufen, wäre das technisch und vom Formenspektrum her veraltete Ensemble hier ein Beispiel für Armut:



Bestens vergleichbar mit Nachlassregistern des 19. Jahrhunderts, wo fein säuberlich vermerkt wird, woher die Stücke kommen und wie alt sie inzwischen sind. Zum ersten Mal leben wir in einer Eroche, in der materieller Überfluss und die Option praktisch unbegrenzten Konsums die alten Begriffe von Luxus und Armut auflöst. Es hat sicher auch etwas mit der Entwicklung weg von einer Nachfragewirtschaft, die durch den Mangel definiert wird, hin zu einer Konsumwirtschaft zu tun, in der es nur noch darum geht, den produzierten Überfluss irgendwie durch schnelle Müllwerdung des Alten weiterhin an die Kunden zu bringen. Wie so etwas geht, sehen wir alle auf den Kommoden unserer Eltern: Wie lange haben sich dort Telefone gehalten - und wie häufig wechseln wir heute unsere ein Vielfaches teureren Mobiltelefone.

Armut hat ihr Gesicht gewandelt. Arm ist nicht mehr der Analphabet, arm ist die Unterschicht zwischen Bildzeitung und Glotze. Arm ist nicht mehr Wille zum Aufstieg, arm ist das Rumhängen in der Shopping Mall. Arm ist nicht mehr der Sportverein, sonder die Fettsucht, das Rauchen und der Alkoholismus. Arm ist Konsum und Überfluss. Rabatte signalisieren nicht "billiger", sondern "Noch mehr für das gleiche Geld". Statt die Armut vals solche zu bekämpfen, scheisst man sie mit billigem, in China produzierten Pseudoluxus zu, gewissermassen dem Imariporzellan der Gegenwart. Die Werbung scheisst sie mit Müll zu, das macht sie zufrieden, fett, unpolitisch und dumm.

Und für sie ist das individuell eine gute Sache. Armut heute ist überhaupt kein Vergleich mit Armut, wie wir sie früher aus der Sachkultur kennen. Ich war heute auf dem Flohmarkt und habe dort einen rund 200 Jahre alten Weidling gefunden, und das ist Armut, wie wir sie historisch kennen:



Idioten, bayerische zumal, die an die gute, alte Zeit glauben, nennen diese Form "Knödelschüssel". Damit verbunden ist die Vorstellung, dass fette Bayern am Mittagstisch fette Knödel aus dieser Riesenschüssel auf die Teller wuchteten. Das ist so falsch, wie die wahre Geschichte erbärmlich ist. Denn der Weidling hat mit Tischsitten erst mal gar nichts zu tun. Die Form entsteht während des 30-jährigen Kriegs, als man in der Not von der langwierigen, riskanten Felderwirtschaft auf Viehwirtschaft umstellt. Mit Rindern kann man vor marodierenden Banden davonlaufen, aber nicht mit den Feldfrüchten. In dieser Zeit erst finden Nahrungsmittel wie Butter und Käse, eben alles, was man aus Rahm und vergorener Milch machen kann, bei uns grössere Verbreitung. Zum Gären der Milch und zum Abschöpfen des Rahms braucht man diese flachen Schüsseln mit den hochgezogenen Lippen, mit denen man präzise, ohne Verluste abtropfen lassen kann. Diese Form gibt es zuerst nur in der Landwirtschaft.

Und erst, wenn die Glasur erste Schäden hat und die Schüssel für die Rahmproduktion nicht mehr sauber genug zu bekommen ist, wandert sie auf den Küchentisch. Und bleibt dort so lange, bis der Boden vollig leergekratzt ist. Glasuren sind mit das Beständigste, was der Mensch vor der Industrialisierung erfunden hat; sie überdauern im Erdreich 5000 Jahre ohne erkennbaren Schaden. Man kann sich nicht mehr vorstellen, mit welcher Gier da unten auf dem Boden dieser Schüssel mit Löffeln gekratzt wurde, um auch noch den letzten Rest herauszuholen. Glasur ist hart, aber niemals so hart wie der Hunger. Und erst, wenn diese Schüssel völlig verdreckt und die Glasur herausgelöffelt war, wenn man sie nicht mehr sauber bekam - wurde sie als Vorratsgefäss weiterbenutzt, und eine andere Schüssel, das für die Milchwirtschaft nicht mehr zu gebrauchen war, kam auf den Tisch.

In meiner Familie findet man dergleichen nicht, hier setzte die Verbürgerung schon zu einer Zeit lange vor Entstehung dieses Weidlings ein. Was jetzt die irrwitzige Folge hat, dass die Nachfahren der Armen, auf die dieses Stück gekommen ist, es unter einem Haufen Plastikramsch, Videospielen und billigsten Kleidern für 5 Euro an mich verkaufen. Weil es beschädigt ist. Und weil sie weder den Wert des Stücks, noch den Wert der Geschichte kennen. Das sind die Momente, in denen schenke ich mir das Verhandeln.

Sie sind sehr zufrieden, lachen vermutlich über den Deppen, der das Ding gekauft hat und haben jetzt 5 Euro für das nächste Konsolengame. Und genau so viel Zukunft. Sie sind immer noch arm, anders arm vielleicht und nicht mehr hungrig.

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Sonntag, 11. März 2007

Overdone

Es gibt Tage, da fragt man sich: Ist das nicht alles zu viel? Muss es wirklich so sein, der Stuck, die verschiedenen Farben und Abstufungen, das Gold der Rahmen und der Zierat, der Besucher erst mal ins Entsetzen stürzt? Man sieht in die Augen der Betrachter und merkt: Sie verstehen es nicht, es ist viel zu viel, es überfordert ihre an Mangel und Leere geschulten Blicke. Vielleicht, denkt man sich, haben sie sogar ein wenig Recht. Vielleicht entspricht ihr Ideal sogar dem, was die Gesellschaft eigentlich mit dem Bau ausdrücken wollte, und das Meinige ist eine Übertreibung, das dem eigentlichen Zweck der Innerlichkeit und Entsagung, die den Baumeistern die Hand führte, entgegensteht.

So also zaudert man durch das Leben, verzichtet hier auf einen Pozzo und dort auf eine Konsole, mischt die Farben dezenter und meidet das Funkeln des Goldes, und geht dann eines schönen Tages durch eine niederbayerische Stadt, um dort eindlich einmal die Jesuitenkirche zu sehen, die zu eben jener Zeit um 1600 errichtet wurde, da der Orden noch wirklich streng und askethisch gewesen sein soll, fern der überbordenden Unsitten des weltlichen Barock und seiner Pracht und Herrlichkeit; ganz anders eben.



Und dann geht man heim und macht die nächste Stuckleiste ins Bad.

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Die Sache mit den Eiern

Ich bin kein Fan von Eiprodukten. Ich habe mal einen Bericht über industrielle Lebensmittelherstellung gemacht und kam dabei auch auf das Thema "Eier in der Nahrung". Kein besonders schönes Sujet, auch nicht in diesem Umfeld. Ungefähr seit diesem Zeitpunkt kaufe ich extrem bewusst ein, und wenn es auf dem Wochenmarkt anderthalb mal so viel wie im Geschäft kostet, ist mir das auch egal. Ich kann es mir leisten, und dann weiss ich, was an meinen Gaumen kommt. Ich weiss das auch im Supermarkt, und deshalb kaufe ich dort nicht. Auch im Restaurant mache ich einen Bogen um alles, was mit Eiern zu tun hat.

Hin und wieder habe ich jedoch Lust auf Omelett. Einerseits, weil ich gern nach dem Aufstehen koche. Rühreier zum Frühstück gab es schon bei meiner Grosstante, die diese Angewohnheit neben dem Teetrinken und den Möbeln aus England mitgebracht hatte. Ich mag den Geruch danach nicht, aber bis dahin ist es eine Freude. Alle 1, 2 Wochen also besorge ich Eier, und mache ein Omelett, das es kalorienmässig mit einer Pizza aufnehmen kann.

Seit ein paar Wochen ist alles anders. Genauer, seit dem letzten Morgen in Jerusalem. Damals habe ich es geschafft, früh genug aufzustehen, um im Hotel zu frühstücken. Der Raum war im Gegensatz zum restlichen Hotel eher bescheiden und im Keller, und die Auswahl war, vorsichtig gesagt, begrenzt. Zudem war es koscher. Der Käse sah recht banal nach Scheibli aus, und die Brötchen amerikanisch - eine Kombination, die das genaue Gegenteil zu meiner Vorstellung eines Käsebrötchens ist: Frisch gebackenes Olivenciabatta, Saint Ceols, Scamorza und Feldsalat, um mal in Vorlage zu gehen.

Aber es gab für die angloamerikanischen Touristen auch noch "Ham and eggs", und zwar getrennt nach Rührei und Schinken. Ich war übermüdet, und mein besseres Wissen lag noch im Tiefschlaf., Also nahm ich Rührei und dazu Kräuterquark. Nach einer Weile stellte sich ein beklemmendes Gefühl ein, das ich angesichts meines doch sehr robusten Magens eher selten verspüre; ich liess also ab vom gelben, ohnehin nicht wirklich wohlschmeckenden Zeug auf meinem Teller, und packte ein. Während der Fahrt nach Jaffa baute sich dann ein Gefühl der Übelkeit auf, erreichte in etwa bei Bet Shelem den Punkt, an dem es geraten schien, Ronen um einen Wechsel auf die rechte Spur zu bitten - und dann verklang es wieder. Die der Wahrung des Rufes von vier grossen Fresserregionen verpflichteten bayerisch-tschechisch-elsässisch-hebräischen Innereien hatten dem depperten israelischen Ei gezeigt, wo der Bartel den Most holt.

Dennoch hat die Beinahe-Katastrophe Folgen: Eine latente Unsicherheit. Man kennt das vom schweren Fahrradsturz, man muss danach sofort wieder fahren, um die Sicherheit wiederzugewinnen. So ergeht es mir momentan mit dem Omelett. Und weil gerade Kräuter da sind



hier also das Rezept für die Meraner Kurhotelvariante meiner heuschupfengeplagten Kindheit, in der Hoffnung, dass ich noch dieses Jahr auf einen der dortigen Berge kraxle.

1/2 kleine rote Zwiebel, gedünstet in französischer Salzbutter
3 Eier von freilaufenden Hennen direkt vom Bauernhof
Schnittlauch, Thymian, Rosmarin (alles gut für die Verdauung)
Etwas Safran für Farbe und Luxus.
Frisch & grob gemörserter weisser Pfeffer
Die Eier gut durchschlagen, die Gewürze rein und dann in die Pfanne. Sodann
40 Gramm klein gewürfelter Südtiroler Bergkäse (ähnlich Emmentaler, aber würziger) in die noch flüssige Eimasse geben, einschmelzen lassen, bis das Omelette unten leicht bräunlich wird, dann kurz wenden, oben anbraten, bis es goldfarben wird, dabei etwas schwenken, damit der Käse nicht an der Pfanne klebt - und fertig:



Diesem Omelette, werte Leser, kann man bedenkenlos trauen.

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Witz des Tages

Wenn die Blase dann erstmal geplatzt, die Businesskasper alle weg sind und die Luft nach frisch gedonnertem Gewitter riecht, dann wird es ein paar Dinge immer noch geben. Blogs nämlich, die schreiben, weil sie müssen.
Ein für einen Monatslohn und ein paar Konsolen gekaufter Sony-PR-Blogger zwischen zwei gekauften Beiträgen. Schade, dass ich das nicht gelesen habe, bevor ich gerade ein Radiointerview zum Thema gekaufte Blogger gegeben habe. So ging es nur um Schweizer Korruptis und ihren Kunden mit besten Beziehungen zu einem südafrikanischen Sektenführer.

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Samstag, 10. März 2007

Sehr zu empfehlen - Luxusstromsparen

Energiesparlampen sparen nicht wirklich Energie: Einerseits haben sie bei ihrer Herstellung und Entsorgung eine verheerende Ökobilanz, und andererseits fehlt dem Licht der Gelbanteil. Gelb wiederum macht Licht "warm", was im Gegenzug dazu führt, dass man Energiesparlampen nur mit Lampenschirmen betreiben kann. Die wiederum einen Teil des Lichts absorbieren. Weshalb man mehr Leistung braucht, ohne dass das Licht jemals wirklich schön werden würde.

Insofern rentiert sich mehr als die Anschaffung solcher unförmiger Birnen eher der Kauf einer zuerst mal eher teuren, kristallbehängten Tischlampe, die optisch natürlich auch bestens zum Kronleuchter passt. Lampenschirme sind hier allenfalls als aufsteckbare Hütchen möglich, und selbst dann sind herkömmliche Glübirnen auf den "Kerzen" immer noch unförmig. Aber es gibt zum Glück auch noch diese winzigen 7-Watt-Birnen, die beispielsweise in Kühlschränken zum Einsatz kommen.



So stimmt dann der optische Eindruck, die Proportion, und natürlich auch der Stromverbrauch von gerade mal 14 Watt. Zum Lesen oder für das Schreiben am Computer reicht das aus. Falls man nicht das Glück hat, so ein Teil im Wandschrank zu finden, wird es etwas dauern, bis sich die Kosten im Vergleich zur Ikealampe amortisiert haben - aber spätestens, wenn man das hässliche Ding der Schweden zum dritten Mal auf den Müll wirft, hat sich der Kauf zusammen mit dem gesparten Stromkosten gelohnt.

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Extrem-AALen

Ich habe ja schon viele dreiste Nummern erlebt, wenn es um das AAL (Andere Arbeiten Lassen) Abzocken der Leistung der Nutzer geht, aber Ursula Hickmann von der WAZ sollte sich dringend fragen, ob ihre Einlassung nicht besser auf sie selbst anzuwenden wäre:

Wenn ein Autor sich an einem Text versuchen möchte, hat er hier die Möglichkeit dazu. Wenn er dafür bezahlt wird, bringt er vielleicht nichts zustande, weil der Druck auf ihn lastet, verdammt gute Geschichten abliefern zu müssen. Mir wäre das garnicht recht.

Kommentar Nummer 11.

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Nerdcore-Blogger vs. Killerspiel-PRler René Walter

Am 20. November 2006 läuft Sebastian B. in der Geschwister-Scholl-Realschule in Emsdetten Amok. Er verletzt mit altertümlichen Waffen 37 Menschen, bevor er sich selbst tötet. Er ist ein verschlossener Einzelgänger mit einer Vorliebe für gewalttätige Videospiele und gilt als Waffennarr. Unter dem Namen "ResistantX" tauscht er sich im Netz über sog. "Killerspiele" aus, die teilweise Bezüge zu seiner Tat erkennen lassen.

Am 21. November 2006 erreicht die darauf folgende Debatte um Killerspiele auch das Nerdcore-Blog. In einem ersten Beitrag betont dessen Autor die Notwendigkeit, die Ursache des Amoklaufs im sozialen Umfeld des Täters zu suchen, und nicht in Videospielen. Das bestätigen scheinbar die Blogeinträge von Sebastian B., von denen Nerdcore später am Tag einige ausgewählte Zitate bringt. Am späten Nachmittag ist die Debatte im vollen Schwung, Nerdcore wird für seine direkte, die Killerspielproblematik ablehnende Haltung meist sehr positiv bei vielen anderen Blogs erwähnt. Das vorläufige Schlusswort ist dann ein eindeutiges Zitat. Im gleichen Stil gibt es am 27. November einen Nachtrag, in dem nochmal die Probleme des sozialen Umfelds und die Waffen zur Sprache kommen, nicht aber die Spiele. In der Folge verweist er mehrfach auf Beiträge, die derartige Spiele als nicht relevant darstellen, kurz - sein Blog ist in der Blogosphäre einer der Hauptschauplätze für die Debatte über den Fall und seine Auswirkungen.

Und dann gibt es noch einen gewissen Nilzenburger, der sich in seinem Blog im November ebenfalls für Killerspiele verwendet. Das eigentlich nur logisch, denn als Nils Bokelberg ist Nilzenburger Moderator eines bei DSF und Premiere ausgestrahlten PR-Formats, in dem es um die Sony Playstation geht - die beliebte Spielkonsole für viele, nennen wir sie doch einfach mal so, Killerspiele. Ein Hinweis auf diesen Interessenskollision hätte in seinem Blog vielleicht nicht geschadet, aber das muss uns hier nicht weiter interessieren. Was anderes erwarte ich persönlich nicht von einem PR-Moderator. Von dessen Tätigkeit der Nerdcore-Blogger übrigens nichts gewusst haben will.

Und dann haben wir noch zwei Typen aus der Daddel-Spassfraktion: "MC Winkel", ein durch diverse PR-Blog-Aktionen bekannter Blogger aus Kiel und sein Freund David Luther. Ich werde nie verstehen, warum man solche Gespräche per Kommentar führt. Jedenfalls geht es um die momentan stattfindende PR-Aktion für die neue Sony Spielekonsole Playstation 3 mit dem Nerdcore-Blogger, Nilzenburger, MC Winkel und als Gast David Luther auf einem Hausboot in Hamburg. Weil deshalb eine andere Feier ausfällt, sagt MC Winkel:
Nun wurde ich aber irgendwann im November des letzten Jahres direkt vom Nilz gefragt, ob ich bei dieser Daddel-Sache dabei wäre und habe direkt zugesagt. Damals stand der Termin halt noch nicht.
Halten wir fest: Im November hat der PR-Moderator Nils Bokelberg die momentane Aktion ausgehandelt und die passenden Leute dafür angesprochen. Für den Lohn einer Playstation, einer PSP, massig Software und eines Monatslohnes für 4 Tage spielen und darüber bloggen auf einem Hausboot.

Im gleichen November, in dem sich René Walter auf Nerdcore beginnt, sich angesichts des Amoklaufs von Emsdetten gegen ein drohendes Verbot von Killerspielen einzusetzen. Wenn einer weiss, dass er für einen geldwerten Vorteil für den Hersteller einer Spielekonsole PR machen wird - dann frage ich mich schon, ob es nicht eine verdammt zynische Sache ist, wenn dieser PRler ohne Erwähnung seiner Rolle die Gesellschaft für einen Amoklauf verantwortlich macht, die Spieleindustrie von allen Vorwürfen ausnimmt und dann noch eine passende Auswahl aus den Selbstzeugnissen des Amokläufers bringt. Denn das ist es, was mit Bezahlung vom Nerdcore-Blogger übrig bleibt: Alle sind böse, Schule, Gesellschaft, Waffenhändler, nur nicht die Killerspiele, die auch von der Firma kommen, die mir fürs Daddeln einen Monatslohn rüberschiebt. Zumal es hier nicht um banale Werbung geht, sondern um die Frage, was eigentlich zu so einer Tat führt, die dem Sponsor natürlich das Geschäft verhageln kann. Oder wie René in seiner Abrechnung mit mir und anderen selbst sagt:
Man kann es sich so unglaublich leicht machen, dazu braucht man nur zwei Farben. Schwarz und Weiß. Die einen malt man so an, die anderen so.
Natürlich kann es sein, dass die eigene Meinung zu der des Sponsors passt. Das sagt einem jeder PRler. Aber da steht dann auch PR drauf. Und das erspart einem dann später peinliche Versuche, die Sache mit den Terminen irgendwie hübsch zu lügen, oder was man sonst tut, wenn man als bezahlter PRler in Bloggertarnung auffliegt.

ich möchte an dieser stelle jörg-olaf schäfers danken, der mit seinem - meines erachtens grundfalschen - popdiskurs und hinweis auf die riesige leuchtreklame den anstoss gab, genauer auf die zeitliche abfolge zu schauen. wer solche grell leuchtenden dinger aufstellt, will keinesfalls, dass man genauer in den schatten schaut.

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