: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Mittwoch, 25. April 2007

Falls sich jemand wundert,

warum Pleitier Turi nach der Kante fuer sein Projekt "Medien2" jetzt inhaltlich jubilierend so auffaellig am buergerlichen Welt-Ende des Springerkonzerns zu finden ist: Zwischen denen tut sich mehr als nur die natuerliche Sympathie der aehnlich Gepolten. Was man so hoert, ist da bereits eine Strickleiter, falls Vanity Fair absaeuft. Oder sonst etwas Unerfreuliches passiert. Man weiss ja nie. Ausser man ist ich und kennt bei Springer ne Menge Leute beruflich.

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Die Gemeinschaft der Asozialen

Wenn man sich die in Entwicklung befindlichen Projekte der grösseren Medienunternehmen für Communities anschaut, ist es, als habe es die New Economy nie gegeben. Man nimmt das, was schon als Themenblogs nicht funktioniert hat, und probiert es jetzt als Userbatzen aus. Der soll sich dank der Kompetenz des Mediums sammeln und dann seine Inhalte und Clocks bitte selbst produzieren.

Liegt das daran, dass heute neue Leute im Amt sind? An den Beratern kann es dieses mal nicht durchgängig liegen, da sind genug Leute unterwegs, die davon abraten oder zumindest Vorsicht empfehlen. Der Depp sitzt in der Firma: Während man als Journalist Schwierigkeiten hat, Qualität zu verkaufen, wird das Pack, das diese internetbasierten Gesellschaften als Geldquelle entdeckt, mit offenen Armen empfangen. Alles, was auf Medientagen versprochen wird, ist vergessen: In Wahrheit präsentieren unsere "4. Machthaber im Staate" gerade, dass es nur auf die Kasse ankommt, und sonst gar nichts. Nach der New Economy nutzte man jede Chance, die Preise für Journalismus zu drücken, jetzt geht man nochmal einen Schritt weiter.

Keiner von denen sagt es deutlich, aber in Wahrheit hat sich niemand schon mehr von Print verabschiedet als die Konzernzentralen der Medien. Community statt Abo, Direktbeziehung statt Grosso, und zur Hölle mit allem, was teuer ist: Zuerst die Qualität, und dann am besten noch die Redaktionen outsourcen, zu schlechteren Bedingungen. Unsere Verleger wollen volle Kassen und gleichzeitig tolles neues Internet, und das geht nur durch die Strangulierung anderer "Kostenfaktoren".

Das Rattenrennen hat begonnen. Nichts wird es jetzt noch aufhalten, kein Verlagsmanager kann darauf verzichten, nicht ein Konzept in der Schublade zu haben, das nächstes Jahr profitabel sein wird. Diesen Sommer springen sie vom sinkenden Schiff Print auf die Planke Internet.

Ich habe kein Problem damit, dass sie ersaufen. Aber die Kultur, die sie dafür gegen die Klippen laufen lassen, hat solchen dummen Abschaum in den Zentralen nicht verdient. Nein, ich bin nicht persönlich betroffen. Ganz im Gegenteil, dies könnten goldene Zeiten für mich werden. Doch der Preis, mit diesen Widerlingen gemeinsame Sache machen zu müssen, ist mir dann doch zu hoch.



Es gibt Besseres zu tun.

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Dienstag, 24. April 2007

Vielleicht das Eindrucksvollste

In Mattrei am Brenner stand ein Mann mitten in der Strasse. Ich tuckerte langsam durch den Ort, auf der Suche nach einer Apotheke für die üblichen Begleiter des Roadsterlebens: Hustenbonbons, Zahnschmerztabletten, Grippeprophylaktika, was man halt so braucht, wenn man den 51 Geburtstag noch erleben will. Man kann sich mit einem Roadster auch ohne Fahrfehler umbringen.. Vor mir war nichts, hinter mir irgendwo der Opel, den ich überholt hatte. Es sind immer Opel.

Ich fuhr also langsam an dem Mann vorbei, der eine grüne Kelle wie ein Bauarbeiter hatte, eine neonorangene Weste - aber darunter einen schwarzen Anzug. Hinter mir verperrte er die Fahrbahn. Ein paar Meter weiter war eine Apotheke, ich hielt an, stieg aus und liess an der Tür einem alten Mann den Vortritt.. Er legte das Rezept auf den Tresen, bekam das Medikament, und fragte, ob die Apotheker dann auch kämen. Sie nickten.

Ich bekam schnell meine Sachen, und hinter mir sperrte der Apotheker sofort zu. So gegen ein Uhr Nachmittag. Alle anderen Geschäfte waren, wie ich bemerkte, auch zu. Auf der Brenner-Staatsstrasse hatte sich inzwischen ein veritabler Stau gebildet. Unten im Dorf waren Leute auf der Strasse, das ganze Dorf muss es gewesen sein, und alle gingen sehr, sehr langsam über die Strasse. Ich setzte mich in meinen Wagen, warf eine Schmerztablette ein, fuhr rückwärts durch eine Lücke der wartenden Autos hinaus, und als ich wieder in Fahrtrichtung war, erklang hinter mir der Totenmarsch, den ich kenne, seitdem ich als Kind einmal eine Beerdigung in einem Bergdorf bei Brixen erlebt habe. Die Leute gingen langsam weiter, und ich fuhr los, die völlig leere Staatsstrasse zum Brenner hinauf, niemand hinter mir oder vor mir, und über mit silberglänzende Wolken und eine eiskalte Sonne.

Als die Tablette dann zu wirken begann, mich langsam von der direkten Wahrnehmung entkoppelte, und ich am immer noch leeren Gasthof Lueg vorbeikam, den ich als Kind gut kannte und der jetzt schon seit ein paar Jahren vor sich hin zerfällt, da drehte ich Astrud Gilberto im Radio aus, denn in diese, Moment war die Fahrt unter dem gnadenlos glänzenden Silberhimmel ein wenig wie

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Seien wir ehrlich

Das grosse Versprechen, das wir in den 80er und 90er Jahren mal um das Leben baten, war das Ausbrechen. Nicht irgendwohin, wo es der gleiche Scheiss wie früher ist, nur anders lakiert. Wir waren nicht bescheiden in diesen Wünschen, warum auch, der fette Kohl versprach Blühendes, und um die Rente musste man sich keine Sorgen machen. Also setzten wir uns hin und schrieben eine lange Wunschliste. Eine coole Wohnung, dann natürlich Sex in vielen Lagen, ein Job, der auch ohne Kokain Freude macht, viel Freizeit und darin dann viel toller Urlaub.

Ohne mich jetzt zu den anderen Zielen äussern zu wollen: In meinem Umfeld ist das mit dem Urlaub nicht im Mindesten gekommen, wie erhofft. Zu wenig, zu kurz, und irgendwie gar nicht so wild und verwegen, wie man dachte. Die einen machen Kultur, die anderen Strand, manche mischen oder machen sogar einen Abenteuerurlaub, wo sie aus dem Landrover Elefanten knipsen. Aber so, wie es eigentlich gedacht war... als wir im Freibad sassen und uns überlegten, was wir Joe schenken sollen, den es mit seinem Roller gelegt hatte, war klar: Mit zwei Rägern Urlaub machen ist nicht wirklich fancy. Und so dachten wir alle an Cabrios aus Italien, mit denen man prima an den Lago düsen konnte und davor noch einen Pass bezwingen konnte, just for fun. Irgend sowas Dummes, banales, wie Teenager nun mal so sind.



Heute bin ich älter, weiser und erfahrener. Und ich war recht flott auf dem Jaufenpass.



Hier ist der ganze Weg. Und jetzt bin ich am Lago. War gar nicht so dumm, die Idee, damals. Gar nicht dumm.

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Montag, 23. April 2007

Felix Austria

Bevor ich mich über Landstrassen in die Süden schlängle, hier noch ein versöhnliches Wort über nichtbraune Schluchtenbewohner: Das mit dem Tempolimit ist schon eine feine Sache. Und dass der Standard die kurzfristige Freigabe eines Autobahnabschnitts für Tempo 160 als "Raser-Märchen" bezeichnet, das jetzt beendet wird, zeigt, dass es anderswo die Vernunft gibt, an der es hierzulande mangelt. Man muss sich die Jungs auf der linken Spur in den schwarzen Kombis doch nur mal anschauen: Das macht denen keinen Spass. Zumindest nicht die Art Spass, die man haben möchte und bekommt, wenn man ab München nur noch über leere Landstrassen Richtung Arlberg gleitet, mit Musik von Astrud Gilberto in der Anlage.

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Montag, 23. April 2007

Nicht gross nachdenken

Ja, Signora, bis Samstag geht auch, dann schauen wir einfach weiter, was sich ergibt. Richtig, der mit dem silbernen Roadster, Sie erinnern sich, wir waren die Letzten letztes Jahr, und ich habe mich damals ausgesperrt. Ja, schade, aber ich komme im Mai auch, und dann ist mein Freund auch dabei und noch jemand, das buchen wir dann morgen, so gegen 8 werde ich da sein.



Von unten dringen Satzfetzen herauf zum Fenster, laut, indezent, italienisch. Eine Reisegruppe von südlich der Alpen wird am Stadtpalast vorbeigeschleust, und die schauderliche Geschichte des Hauses debattiert. Richtig, hier wurde für einen Moment Weltgeschichte geschrieben, ein Kameraschwenk, Klik Klick und weiter. Es ist schon komisch, hier zu leben und dann wegzufahren. Für die da unten genauso unvorstellbar wie für mich der Umstand, wie man eigentlich neben Siena wohnen kann und dann in der bayerischen Provinz Urlaub macht. Wobei, ganz schlecht ist es hier auch nicht:



Droben in der Holledau ist genau jetzt die Zeit zum dort sein. St. Kastl heisst der ort, es gibt dort zwischen Obstwiesen und Waldesrand eine Wirtschaft und Spargel ohne Ende, und zu keiner zeit ist das da schöner als gerade jetzt. Man müsste gar nicht wegfahren, amn könnte sich auch einfach in den Schatten des Kirchturms setzen und essen, schauen, riechen, zufrieden sein. Ohne Birken- Halselnuss- Weiden und Gräserpollen wäre es dumm, zu fahren.

Aber so. Bleibt nichts anderes. Diese Woche, und bald darauf schon wieder.

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Aus aller Herren Länder

Eigentlich, alles zusammengenommen - mag ich die Globalisierung. Oh, um ganz ehrlich zu sein: Sie ist grossartig. Trotz aller übler Folgen. Aber es gibt auch eine Globalisierung des Schönen, des Sinnvollen und des Verschiedenen, das man dennoch zu einem schlüssigen Ganzen zusammenfügen kann.

Da ist etwa diese alte Fliegerbrille aus Leder und Chrom, die in den 20er Jahren nicht verkauft wurde und nun - fabrikneu aus einer Geschäftsräumung - schon morgen früh ihrem Zweck zugeführt wird. Man kann sie einfach klein zusammenklappen und in die Tasche tun. Bauhaus für die Augen.



Oder die beiden kleinen Silberleuchter aus Amerika. Paare sucht man meist vergebens, aber die hier sind nicht zerrissen worden. Klein, fein, niedrig, so passen sie zum kleinen Abschiedsessen. Und dann das Seidenbild. Hölle. Dreimal bin ich daran blind vorbeigelaufen, bis ich dann nach was anderem gefragt habe und es erst beim Weggehen sah. Natürlich ist es beschädigt. Das ist normal bei Seide, die über 100 Jahre alt ist. Sie wird es hier besser haben als in dem geräumten Münchner haushalt, in den sie ein Grossonkel aus Japan brachte. Und dann ist da noch ein Buch. Ein französisches Buch. Ein Buch, nicht zum lesen, ein Buch mit einem grauenvoll erbaulichen Inhalt -

und dennoch ein Buch, wie ich es immer schon haben wollte. Das Leben ist schön, das Schicksal ist mir gewogen, und nachher erkläre ich auch, warum.

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Sonntag, 22. April 2007

Real Life 21.04.07 - Kekse in Ligurien

Du Ärmster, sagt Susi mit einem Tonfall, der nahelegt, dass ihr Mitgefühl fast so gross ist wie mit einer ertrinkenden Fliege und weitaus geringer als mit dem Mann von Iris. Den wiederum hat sich, zu Ostern munkelt man, seine Tippse gekrallt. Fast so schön wie in der Telenovela. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass Iris keinerlei Anzeichen von Eifersucht zeigt. Einen Manager im Familienunternehmen, der mit der Sekretärin ins Bett steigt, kann man nicht mal mehr als Ex-Mann ernst nehmen. Jedenfalls ist keine Regung hinter den grossen, dunklen Gläsern der Sonnenbrille zu erkennen. Die sich hier vor dem Cafe auch empfiehlt, so, wie der Sommer hereingebrochen ist.

Eine Taube marschiert an den Stühlen vorbei, begutachtet ein Stück Essensabfall von mehreren Seiten, kommt zum Entschluss, dass es das nicht gewesen sein kann, und geht weiter auf der Suche nach was Besserem. So ist das. Man darf nicht alles sofort nehmem, man muss auch mal nein sagen können. Wie Susi. Und sich dann darüber beschweren, dass sich kein Mann um sie kümmert. Aber mit dem "Du Ärmster" hat sie dein Angebot ausgeschlagen, den Beifahrersitz zu zieren. Und Iris hat ohnehin keine Zeit.

Du verweist darauf, dass eine Nacht mit Bassani mit Blick auf den See oder das Meer auch sehr nett sein kann, besonders, wenn es dann nördlich des Brenners regnet und in verona 27 Grad vorhergesagt sind. Teuer ist das Reisen natürlich, drei neue kurzärmlige Hemden, Bücher, dann in Italien noch dünne Autohandschuhe und Schuhe, Schuhe, Schuhe, da ist Mitleid schon angebracht. Die Zahnschmerztabletten, 4 Packungen Hustenbonbons und das Atemspray, Dinge, die man als Roadsterfahrer auf langen Strecken gewohnheitsmässig einpackt wie Journalist den Umschlag mit der Bestechung, verschweigst du natürlich. Zumal in der Erinnerung nur der Fahrtwind bleibt, das Ziehen im Nerv jedoch vergessen ist. Es sei denn, der Spass endet mit einer Kieferendzündung bei dem Arzt am Gardasee, von dem Frau W. bis heute ein Lied zu singen weiss. Dieser spezielle Urlaub war ohnehin traumatisch, mit schlechtem Wetter und einer marodierenden kleinen Schwes...

Dir fällt bei der Gelegenheit wieder ein, woher und warum du Susi kennst. Susi war eine Freundin deiner kleinen Schwester, und mit 17 beschlossen beide, dass es Zeit sei, die ligurische Küste zu erkunden. Bei der Gelegenheit, so die Version der kleinen Schwester, liess sich Susi von ein paar Italienern aufgabeln, die dann mit ihnen auf einen Berg fuhren, sie mit Wein und Keksen namens "Morbide" abfüllten, worauf Susi zusammen mit der Fahrerei das grosse Kotzen bekam, bevor das passieren konnte, was die Italiener im Sinn hatten. Woraufhin die Kerle davonbrausten, deine kleine Schwester dann sehr wütend zum nächsten Telefonautomaten über viele Kehren im Tal unten ging und daheim anrief, um ihre Freundschaft mit der Susi da zu kündigen, und jetzt wollte sie abgeholt werden. So bist du damals das erste mal in deinem Leben hinter dem Steuer des grünen Audi 100 deiner Mutter an die ligurische Küste gefahren. Und wieder zurück, und hinten lag Susi mit den Tüten.

Ich werde euch beide vermissen, es wäre schön mit euch in den Gärten Ferraras, sagst du, zahlst für alle, und machst dich auf den Weg, während Susi noch zwei Ramazotti bestellt. Ohne Kekse.

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Das ganze Elend von Vanity Fair in zwei Sätzen.

1. Die Unterhaltungsfrau geht wieder zurück zur Bild.
2. Und Pleitier Peter Turi bleibt.

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Was ich so nur aus Bayern kenne

Ich war gestern ja CDs kaufen. Und da redete ich auch über eine CD, die ich kurz zuvor erworben hatte. Wobei ich nicht darüber redete, sondern...

Ich sagte: Wissens, de is... - und dann formte ich einen Schmollmund, schloss Daumen- und Zeigefinger zu einem Ring, legte sie an die Lippen, schloss die Augen, spreizte die anderen Finger, machte Mmmmmmh - und mit einem satten schmatzenden Kuss zog ich dann die Hand weg, als würde ich damit einen Silberlöffel halten, der seine süsse Last einer famosen Götterspeise auf der Zunge abgeliefert hätte, was einen verträumten Gesichtsausdruck zurückliess. Die Geste besagt in etwa: Bis zum Löffelablecken, über jede Zurückhaltung hinaus gut.

Kurz, diese CD ist famos, ein Leckerbissen. So umschreibe ich die, so ist das hier üblich, selbst unter Unbekannten wie einem Kellner, wo ich und viele andere Bayern zumindest die Handbewegung als Lob für den Küchenchef auch in feinsten Restaurants ausführen. Ich kenne das aus Frankreich, Österreich, Italien und der Schweiz.

Aber ich kann mich nicht erinnern, das je im Norden gesehen zu haben.

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Samstag, 21. April 2007

Schlechtes Benehmen des XX. Jahrhunderts

Es gibt ein paar Dinge aus dem vergangenen Jahrhundert, die ich heute klar ablehne: Ungeschützten Geschlechtsverkehr zum Beispiel. Und nein, mit Tempo 50 auf dem Rennrad mitten auf der Leopoldstrasse runterfahren und dabei das Ziel vor Augen, ums buchstäbliche Verrecken auch an den roten Ampeln nicht zu bremsen, würde ich auch nicht mehr machen. Ganz zu schweigen vom Versuch, wie hoch so ein Subaru E10 Allrad eigentlich in des Donaubauers Kiesgrube hüpfen kann, wenn man die Rampe der Crossbiker mit 90 nimmt (fast o,5 Meter, aber man sollte die Rampe mit dem Sand dahinter nehmen). Und auch einen Teil meines damaligen photographischen Werks, mit dem auch heute noch grössere Teile der besseren Gesellschaft der kleinen Stadt in Bedrouille bringen könnte, würden ich heute nicht mehr so bedenkenlos ablichten. Nur so viel: man braucht kein Internet, um mit einer Kamera negative Berühmtheit zu erlangen. Auch würde ich keine Bankierstöchter mehr auf meine Geburtstagsparty invitieren in der Hoffnung, dass sie auf dem Tisch stript - sie tut es nämlich nicht, aber ihre Freunde kotzen den Tequila hinter das Bett. Und ich würde auch nie mehr versuchen, eine Krankenschwester ins Bett zu bekommen. Das war mein privates New Economy Fehlinvestment.

Ich habe dazu gelernt. Die Zeiten sind heute andere. Das ist gar nicht mal schlecht, und es gibt schliesslich nach den Torheiten der Jugend auch genug Dummheiten der Nachjugend. Aber da ist eine Sache, an sich verwerflich, krank, dumm, pervers und heutigen Tags auch überflüssig wie ein Kropf: Der Erwerb von CDs.

Denn der Erwerb von CDs verschwendet nicht nur Bandbreite, er schädigt auch Tauschbörsen und Millionen Internetnutzer! Und unterstützt zudem die schändlichen Aktivitäten der Musikindustrie. Und dennoch: ich kaufe weiterhin CDs, selbst wenn der Kirchenvorstand von Gegenüber meiner Eltern sämtliche Orgelwerke von Bach inzwischen auf der Festplatte hat.



Zu meiner Entschuldigung kann ich nur sagen: Ich kaufe nur CDs ohne Kopierschutz - so etwas Perverses wäre in dem Bereich des High End Recordings, in dem sogar die Monitorkabel beim Abmischen auf der CD genannt werden, höchst unüblich. Die Labels sind ebenso klein wie fein und haben was Besseres zu tun, als ihre Kunden vor den Kadi zu zerren. Ihre Musiker sind keine überhypten Nichtskönner, sondern Spezialisten für historische Aufführungspraxis. Und der Laden, in dem ich sie kaufe, verlangt zwar 2 Euro mehr als Amazon - aber ich kann mir jede CD in aller Ruhe anhören, der Händler kennt meinen Geschmack, und seine Anlage kostet ein klein wenig mehr als ein handelsüblicher Opel, und ist natürlich unendlich viel besser. Ich sage nur; handselektierte Röhren in einem japanischen Verstärker, von dem es hierzulande nur 10 Stück gibt. Und wo sonst sollte ich eine Folia aus der Zeit um 1490 bekommen, CDs verrückter japanischer Labels, die in romanischen Kirchen Spaniens Moriskenmusik aufzeichnen, oder Charles Tessiers erfundene Voyages, die ich dann mit Pluhars neu erfundenen Bergamasken vergleichen könnte?

Das sind ganze Universen der Musik, nur wenigen geöffnet und der Masse völlig unbekannt, und deshalb zahle ich noch für CDs, und ich tue es sogar gerne, weil ich diese Künstler toll finde.

Auch, wenn es im XXI. Jahrhundert ansonsten das übelste, verkommenste und dümmste ist, was man nach Erfindung der anonymen Tauschbörsen noch tun kann.

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Come un bel dì di maggio

Man muss es positiv sehen: Die Asthmaanfälle der letzten Tage, nicht geschuldet dem netzaffinen Gegenspielern als vielmehr den verfrühten Pollen haben natürlich in meine Reisepläne eingegriffen. Was nunmehr bedeutet, dass ich während der Abwesenheit meiner Eltern Katzen hüte. Bis Montag. Und mit einer kurzen Ausnahme: Am Sonntag ist der grosse Pfaffenhofener Flohmarkt, auf den ich auch gehen würde, wenn sie mir nachher das Lüngerl rausschneiden müssten. Wer hat gesagt, dass krank sein weise macht? Sonntags also auf dem Volksfestplatz von Pfohoafa, das ausser diesem Ereignis nur noch zwei bekannte Figuren der ehemals Munich Area zu bieten hat.

Montags jedoch, Montag: Lenke ich mein Schiffchen nach Süden.



Bin ich dann mal weg. Ohne Route, ohne Ziel, allein einen Zwischenhalt kenne ich, ein paar Rasthäuser für das leibliche Wohl, und ansonsten den ein oder anderen alten Stein, auf den ich eine Kamera richten werde. Und nachdem ich gegen Palmen und Pinien nicht allergisch bin, wird es - de jure - allein der Gesundheit dienen. Natürlich werde ich Schuhe brauchen. Und Essen. Und Öl zum mitbringen. Und überhaupt ist es vielleicht ganz gut, dass der Beifahrerinnensitz leider frei bleibt, dann passt auch der venzianische Spiegel hinein, den zu finden mir vielleicht vergönnt sein wird.

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Freitag, 20. April 2007

Zu dumm & faul zum suchen

Wo kriege ich welche Skins für ein Antville-Photoblog her, und welche gibt es?

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Semesterbeginn

oder POS-Marketing für Elitessen.

Gegenüber im neuen Wohnheim, das an Stelle der alten Bäume errichtet wurde und jetzt zumindest in meiner unteren Wohnung die Sicht auf Dom und Collegium versperrrt, ziehen jetzt zum Semesterbeginn frische Elitessen ein. Unten ist es noch lang nicht fertig, die billige Fassade aus Platten fehlt noch, die die Strasse hat man auch gleich abgezogen, um sie neu zu betonieren. Kurz, sie zeigen dadurch Härte und Effizienz, dass sie in Umständen leben, wegen denen sie später mal als fancy benannte Sachbearbeiterinnen die Miete mit Hilfe ihrer Jura studierenden Freunde kürzen würden.

Aber noch ist es nicht so weit, noch schleppen sie ihre armselige Habe hinauf in ihre kleinen, schmucklosen Zellen, so ist das, wenn man nicht die Traute hat, gegen Studiengebühren zu kämpfen, dann zahlt man eben 500 Euro pro Semester und kan sich nur so ein Basisloch leisten. Und ausserdem könnten sie auch einfach mit dem Rauchen aufhören. Womit wir beim Thema wären.

Das Thema ist ein orange-blauer Metallkasten, der schon mal besseere Zeiten gesehen hat. Seit ich mich erinnern kann, ist an der Mauer des zum Stadtpalast gehörenden Hofes ein Zigarettenautomat und damit ein Lockmittel, dem ich viele Begegnungen mit der zukünftigen, im niederen Management verharrendenNichtelite dieses Landes und seiner feinsten Mütter verdanke. Nachts, wenn alle Profile der Stalkersite abgesurft sind und der Berg der Lernmaterialien immer noch so hoch ist wie die unerfüllten Hoffnungen an das Dasein, holen sie sich hier die Medizin für die Ablenkung, direkt unter meinem Fenster, manche besoffen, andere frustriert und in den letzten Jahren auch einige, die ich nicht in dem Zustand nach Hause wanken lassen konnte. Einmal fand ich auch eine von ihnen bewusstlos und von Jägermeister angeschossen vor der Haustür. Aber ich bin nicht der einzige, der von der einzigen Suchtmaschine in der Nähe der Elitessen weiss:



Sauber mit Tesafilm hat jemand neben dem Schlitz, der für manche der hiesigen bleichen Jungs auf Jahre der einzige ist, in den etwas zu stecken ihnen vergönnt sein wird, das zweite Plazebo gehängt, das ihnen die Illusion von Surfen, Strand und Springbreak verspricht. Es gibt hier keinen Strand ausser dem am Baggersee und keine Surferwadeln, Wellen erleben sie nur im Vollsuff beim Heimtorkeln - gestern etwa in der Kellerborze bei der Semesteranfangsparty, war das wichtige Werbemittel Tequila für 1,50. Aber immerhin, wen es um 3 Uhr hierher verschlägt, der wird im fahlen Licht der Strassenlaterne jeden angenehmen Traum dankbar mitnehmen, der in dieser Nacht und so vielen anderen vor dem Rechner ausbleibt.

Sollte es je im schönen Bayernland eine Freigabe von leichten Depressiva für den Automatenverkauf geben, ich wüsste einen guten Ort für das Pilotprojekt. Wir hätten da noch ein wenig Platz neben der Fluppenkiste.

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Vielen Dank

für die Anregung, FAZ.

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Donnerstag, 19. April 2007

Erledigt

Betreffende haben es inzwischen mitbekommen.

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Auslösungsverzögerung

ist auch nicht mehr das, was sie mal war: Beim Abflug kam die Taube mit Reaktionszeit und vorheriger Scharfstellung keine 40 Zentimeter weit.



Und das mit einer Digiknipse für 200 Euro aus 14 Meter Entfernung, im Originalbild ist das Tier gut 1100 Pixel breit. Nicht schlecht. Wirklich nicht schlecht.

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Früher

Zwei Blogger, die als Journalisten durch mangelndes kritisches Bewusstsein und Unabhängigkeit dem Stand keine Ehre machen, zwei Personen, bei denen Sein und Schein weiter auseinanderklafft als hier bei Kunstfigur und Person dahinter - ein Pleitier und ein Freund netter Fragen also streiten um die Frage, warum unsere heutigen Gründer keinen Glamour und Stil mehr haben, und ob das für Web2.o besser oder schlechter ist.

Mein Vorteil nun ist nur, dass ich weder Pleitier noch Medienpreiszuschubser bin, und sowohl New Economy als auch Web2.0 von einer kritischen, unabhängigen Warte aus erlebt habe, und das nötigenfalls mit Dotcomtod, einem Roman und diesem Blog hier auch beweisen kann. Und deshalb sagen kann: Beide haben, wie bei verkappten PR-Machern zu erwarten, unrecht.

Denn die New Economy hatte erst mal absolut keinen Glamour. Als es losging, so ungefähr 1997, mussten die VCs manche Gründer erst mal zum Friseur schicken. Ganz frühe Bilder zeigen Intershop-Gründer Schambach noch mit Schnauzbart und Anzug, der wie Quelle sitzt. Und VCs waren meist ältere Herren, die ihr Mobiliar noch aus dem Konferenzraum der Firma mitgebracht hatten, die sie verkauften. Mit Internet hatte der Neue Markt zu Beginn nicht viel zu tun. Gründertreffen, T-Shirtgründer und 20-Jährige in Zegna gab es damals (tm) einfach nicht. Und Pit Kabel war damals gerade erst seinen Versuchen als Medienkünstler entwachsen.

Vor 1999 war von Glamour so gut wie nichts zu sehen. Vor 1999 war schlichtweg nicht genug Geld da, die Börsengänge bewegten sich im überschaubaren Rahmen, und das Geld reichte allenfalls dazu, die Geschäfte auszubauen. Der Irrsinn kam 1999, als plötzlich lauter neue VCs mit prallen Fonds auftauchten, die nicht wussten, wohin mit ihrem Geld. 1999 war das Jahr, in dem Gründer aus den Unis und den Business Plan Wettbewerben rausgekauft wurden. 1999 war das Jahr, in dem sehr uncoole Webentwickler in München aus einem Stammtisch eine Lobby gegründet haben. 1999 war plötzlich Geld da, vom Staat, von den Firmen, von Privatleuten. 1999 waren alle plötzlich toll. Oder versuchten es zu sein.

Von Mitte 1998 bis Frühjahr 1999 waren es Ankündigungen in Magazinen, Mitte 1999 sprachen alle davon, Ende 1999 war man blöd, wenn man nicht mitmachte. So richtig irrsinnig war es gerade mal ein Jahr lang, vom April 1999 bis April 2000. Da gab es dann Glamour - ironischerweise von Leuten wie dem Web2.0-Vorzeigling und Bäckerssohn Lars Hinrichs, dem Verlagserben Alexander Falk oder Florian Langenscheidt, dessen Gründerträume sogar eine "Transatlantische Luftschifffahrtsgesellschaft" umfasste.

Bodo Schnabel dagegen, der Gründer von Comroad, war nicht im Mindesten glamurös. Die Haffas waren es auf eine sehr münchnerische Art, aber EM.TV war Glotze, die waren schon immer so. Es gab solche und solche. Die Samwers nervten durch penetrante T-Shirts, Cartrennbahnbetreiber dagegen rannten plötzlich Versace die Bude ein. Glamurös? Alles zusammen in seiner halbseidenen, vergänglichen Art sicher. Der Höhepunkt aber war erst erreicht, als alles vorbei war. April 2000 gingen die Lichter aus. Das war das Ende. Aber keiner wollte es glauben. Niemals wurde mehr investiert als in dem Jahr nach dem Crash. Die New Economy hatte ihren dekadenten Höhepunkt von April 2000 bis September 2001. Ich habe am 1. September 2001 die Reissleine gezogen. Keine Sekunde zu früh. Für manche meiner Freunde ein paar Tage zu spät.

Es war vorbei.

Aber genauso wie Anfang 1999 ist es heute wieder. Wer glaubt, dass ein Barcamp grossartig anders abläuft als ein First Tuesday, war damals nicht dabei. Die FTs gaben sich alle Mühe, die Besucher einzubinden und zu Wort kommen zu lassen. Webmontage haben weniger VC-Besucher als die 1999 üblichen Pitchtreffen, schreiben aber deren Geschichte bis in Details fort. Wir hatten auch damals unsere Darianis mit komischen Meinungen über Frauen und Hitler. Wenn heute eine Seite wie Deutsche Startups.de gemacht wird, fällt mir nur GH100 ein. In vielen Bereichen ist das Personal genau das gleiche. Man lese sich die Confessiones von Lobo durch und vergleiche das mit seinem heutigen Auftreten: Iro, älter, dicker, aber sonst? Nichts gelernt.

Web2.0 und New Economy mangelte es an einem Gefühl der Nachhaltigkeit bei den allermeisten Beteiligten. Jeder wusste, dass man in einer Welt der Lüge lebte, alles war iegendwo geklaut und hastig zusammengemörtelt für die Deppen der Investoren, es war ein elendigliches Rattenrennen, und wenn der Scheiss noch 2 Jahre weiter geht, werden auch die Buffets wieder besser, wie früher. Und dort stehen dann die Pleitiers und Preiszuschubser und reden über Tarife für nette Geschichten, wie damals, wie immer, und mit jedem Wort aus ihren Rechnern kommt dann auch der Glamour, denn eigentlich ist es genau das, was die meisten wollen: Windige Geschäfte, schnelle Gewinne, billige Erfolge ohne Basis. Und diesmal vielleicht etwas kürzere Durststrecken bis zu den nächsten zahlenden Vollidioten, denen man einredet, dass sie sich mit solchen Investments einen zweiten Frühling, eine Vorrreiterposition als Medienunternehmer oder ein Leben ohne Arbeit erkaufen könnten.

Über den Kaufpreis wird Stillschweigen vereinbahrt, aber nach einer Flasche und drei Pillen ist er dann so hoch, dass einen alle bewundern und fragen, ob man nicht das nächste Projekt mitmachen will. Für die Grösse des Schmutzes, für die Ehre der Mörder, den Fortbestand des goldenen Zeitalters. Wie früher. Wie immer.

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Designtradition

150 Jahre liegen zwischen dem Kerzenhalter des Empire und der Kamera der Neuen Sachlichkeit. In beiden Fällen kamen die Designer bei der Aufnahme und der Schale - sei es nun für die Kerze oder den Finger beim Auslöser - auf die gleiche gleiche Form. Der Rand ist in beiden Fällen geriffelt, damit man beim Putzen oder Auslösen ein präziseres Gefühl hat.



Und jetzt erkläre mir mal bitte einer, wieso die meisten neuen Kameras aus "Designgründen" Auslöserknöpfe haben, die flächig in das Gehäuse integriert sind oder auf runden Warzen sitzen, so dasss es erheblich schwerer ist, den Druckpunkt zu erfühlen.

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