: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Sonntag, 9. Dezember 2007

Reformation ist Käse

Es gibt eine spannende wirtschaftshistorische Überlegung, die kein allzu gutes Licht auf die europäische Geistesgeschichte wirft: Die Überlegung nämlich, dass die Reformation über weite Strecken auch ein mit theologischen Argumenten ausgetragener Wirtschaftskonflikt von Handelshäusern ist.

Wie allgemein bekannt sein dürfte, ist die alleinseeligmachende Kirche in Italien - zeitweise auch in Südfrankreich - ansässig. Betrachtet man das dortige Klima und die landwirtschaftliche Produktion, sind die Fastenregeln der Kirche durchaus logisch und verständlich: 150 Tage im Jahr hatte so ein Christenmensch sich gewisser Speisen zu enthalten, namentlich aller tierischer Produdkte von Fleisch über Eier bis zu Milch und Butter. Für Italiener war das einfach, griff man beim Kochen doch ohnehin gern zum Olivenöl, das auch den höheren Temperaturen des Südens besser standhielt, als die im Norden verbreiteten Milchprodukte. Für Länder, deren Landwirtschaft auf Milchproduktion ausgerichtet war, gestalteten sich die Fastenregeln als fatal: Absatz und Produktion waren starken Schwankungen unterlegen, und zudem blieb oft nichts anderes übrig, teures Öl zu importieren. Besonders betroffen waren die Niederlande, die bereits im Mittelalter mit dem gereiften Edamer und seinen Varianten als Käseexporteure tätig waren. Umgekehrt profitierten dadurch die Handelshäuser Italiens, die mit kirchlichem Segen an sich überflüssiges, teures Öl nach Norden verkaufen konnten. Die Fastenregeln der katholischen Kirche hatten damit einen massiven Einfluss auf das Leben und die Wirtschaftskreisläufe in Nordeuropa -

und wenn man sich nun mit der Frage beschäftigt, wer im besonderen Masse die Reformation vorantrieb, stellt man fest, dass es die im Handel tätige, bessere Bürgerschaft war. Eine Reformation, die die Fastenregeln der "Hure Rom" ablehnte und sich dafür einsetzte, dass Käse, Butter und Eier als Fastenspeise zugelassen wurden. Mit jeder reformierten Region Deutschlands wuchs also auch das Exportgebiet der Niederländer, mit jeder Stadt, in der die Bilder gestürzt und die Pfaffen vertrieben wurden, eröffnete sich ein sicherer, von Schwankungen befreiter Markt, für den man so kontinuierlich produzieren konnte, wie die Kühe Milch gaben.

Ich weiss nicht, ob diese Theorie wirklich stimmt, und selbst wenn sie wahr ist, so haben es die Protagonisten der Zeit verstanden, ihr merkantiles Interesse hinter hehren Idealen zu verstecken. Tatsache ist aber, dass sich die ölproduzierende Regionen des Südens, für die das "Fasten" angesichts des Überflusses des Mittelmeeres kaum eine Belastung war, für die Reformation weitaus unempfänglicher gezeigt haben als die Milchproduzenten, die den Käse im Schrank lassen mussten, um öligen Hering zu essen. Einen Hinweis für diese These liefern die Stillleben des Nordens, die sehr oft die Käseprodukte des Nordens zeigen; man betrachte nur die Fühstücksbilder der Clara Peeters, die es verstand, Käse eine neue ästethische Dimension zu geben.

Man ahnt also, was ich getan habe, als ich in Enschede auf dem Markt war:


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Käse gekauft! Jetzt verstehe ich auch, warum der Käse auf den Gemälden immer diese krümelige Strukturen an den Schnittflächen aufweist. So ein ganzer, gereifter Edamer lässt sich nicht mit einem Hieb teilen; er setzt Widerstand dagegen und bricht mehr nach vielen Stichen, als dass er schneidbar wäre. Und was ich nicht zu hoffen gewagt hätte: es gibt in Enschede auf dem Markt auch noch grünen Käse, wie man ihn aus Stillleben kennt, aber bei uns im Süden nicht mehr findet.

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Sonntag, 9. Dezember 2007

Fehlverhalten

Eigentlich wollte ich am Mittwoch einen Beitrag über das Glück schreiben, noch Anfangs Dezember offen fahren zu können, tief vermummt und dennoch an den vorbeströmenden Elementen, mit dem Gefühl in der Nase, dass es Frühling ist.



In Frankfurt zeigt sich dann aber, dass dieses seltsame Vibrieren eher eine Grippe und eine einsetzende Nasennebenhöhlenentzündung war. Klassischerweise hätte man in so einer Situation den Heimweg angetreten, aber was ich hörte, war ich zu den vier entscheidenden Momenten halbswegs bei Bewusstsein: Der Vortrag geriet nicht zur Schwafelei, die Plätzchen fanden die passende Liebhaberin, und das Gratin war dazu angetan, meinen Ruf als fähiger Foodpornographer auch jenseits der Bilder zu bewahren, und beim famosen Spinatauflauf nahe Osnabrück griff ich zu.

Alles andere war Schnupfen und Niesen, was Katzen und Hunde nicht davon abhielt, sofort zu begreifen, wer und was ich bin, und hätte ich was dabei gehabt, wären die Gastgeber die nächsten Wochen damit beschäftigt, ihren Tierpark wieder in Form zu hungern. Das nächste Mal dann. Hoffentlich ohne Krächzstimme und Gejapse.



Jedenfalls habe ich mir fest vorgenommen, das mit dem offen fahren irgendwann aufzugeben. Dann fege ich nicht mehr im Sonnenschein um die Kurven, unter dem ewig blauen Himmel meiner schönen Heimat Bayern. Und nehme einen schwarzen Kombi.



Wann, wird mein Arzt am Montag wissen wollen. Und ich werde sagen: Genau an dem Tag, an dem ich gestorben bin. Keine Sekunde früher.

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Enschede

Ich war noch nie im Ausland so hoch im Norden wie in Enschade. Norden ist etwas, das ich mir erkämpfen muss. Norden ist nicht meines. Ich verfahre mich nie nach Norden, denn Norden ist da, wo mein Gefühl keinesfalls hin will.

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Freitag, 7. Dezember 2007

Münsteraner Berufe,

die man kaum kennt: Da haben wir beispielsweise die Berufsgruppe der Därmer, die externen Vorläufer der inneren Medizin.



Dann noch die Fellüberdieohrenzieher, kein Münsteraner Monopol, aber doch stark ausgeprägt:



Und dazu das Hotelgewerbe, das Fremden, Ketzern zumal, beste Aussichten auf Stadt und Land verspricht:



Von irgendwas muss man sich ja ernähren, wenn man fast so zurückgeblieben wie die bayerische Provinz ist, aber nicht deren globale Mitspieler in den brüchigen Mauern beheimatet.

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Heute Münster

Da war ich schon mal. Einer der nördlichsten Punkte meines Lebens. Was immer das bedeuten mag.

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Donnerstag, 6. Dezember 2007

Ich mag heute Porno nicht, aber ich finde Porno

aus kulturgeschichtlichen Überlegungen heraus gut. Sage ich, Rainer sagt etwas anderes. Und eines voraus: Wer was wie mit welchen Mitteln in welche Körperöffnung steckt, ist zuerst mal Privatsache. Jenseits von Kindesmissbrauch, Vergewaltigung und Prävention von Kind und Krankheit haben sich da alle rauszuhalten, Staat, Kirche, wer auch immer. Ich denke, beim Sex gibt es keinen Anlass, mehr Vorschriften als beim essen zu machen.

Porno also. Ich habe eiiges im Bücherschrank, was man früher als pornographisch ansah, von den Klassikern der Aufklärung wie Diderot und de Sade, über Josephine Mutzenbacher und versteckte Publikationen der 50er Jahre, die "Memoiren einer Sängerin" und ähnlich heissen. Es sind Bücher, die bekämpft und verfolgt wurden, und man kennt auch die Namen derer, die sie verbieten wollten. In dieser langen Reihe der Verfolger und Unterdrücker ist niemand, in dessen Folge ich stehen wollte, und auf der anderen Seite finden sich all jene, die sich um Aufklärung und Offenheit verdient gemacht haben. Wobei: Es steht völlig ausser Frage, dass man gewisse Praktiken, die man bei Diderot und Louvet de Couvray, namentlich Sex mit Minderjährigen, heute nicht mehr akzeptieren würde. Es war eben eine andere Zeit, was jeder weiss, der das harmlose Schaspiel Romeo und Julia kennt: Da prahlt Julias Mutter mit ihrer Jugend, in der sie zum ersten Mal schwanger war.



Wir leben kulturgeschichtlich gesehen in einer verrückten Zeit, innerhalb christlicher Regeln und gleichermassen jenseits jeder aufgeklärten Vorstellung: Wir haben einerseits einen Jugendschutz, der noch aus dem 19. Jahrhundert und der damals vorherrschenden Prüderie stammt, und an jeder Litfasssäule, im Musikfernsehen und in den Serien so viel Fleisch, dass es einem Menschen der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts unfassbar erschienen wäre. Man erinnere sich, dass damals Tänze im Bananenrock Skandale auslösten. Und tatsächlich ist die Öffentlichkeit in einem Masse durchsexualisiert, dass es zu Alltagskultur gehört.

Wenn man so will, hat sich die Doppelmoral eines Herzogs von Lauzun heute aufgelöst, und was früher in kleinen Zirkeln vorgelebt und verfasst wurde, ist heute das Übliche der Nachmittagstalkshows. Es ist eine Demokratierung, es ist ein Zeichen des Absterbens moralischer Autoritäten, denen wir früher den Scheiterhaufen, die Folter, das Gefängnis und die Elektrotherapie "verdankt" haben. Was sich damit verbindet, der Trash, die Hässlichkeit des Öffentlichen und das Fehlen jeden Reizes, der noch als solcher wahrgenommen wird, die Übersextheit zusammen mit dem auf Malle und in Thailand abregierten Unterficktsein der Sekretärinnen und Bandarbeiter, kann einem Libertin auch nicht durchgängig gefallen, aber ich sehe keine echte Alternative.

Es gibt, das muss man zugeben, parallel zum Elend der Zensoren auch das Elend der Dumpfen, und um es in meinem System wieder zu ordnen, behaupte ich, dass der Christenpropagandist von früher heute zum Werber oder Bildredakteur bei SPon und Sueddeutsche.de geworden ist. Enthaltsamkeit lohnt sich nicht mehr, der zurückgebliebene Depp kauft keine Heiligenbildchen mehr, er ist bei Youporn, und deshalb zieht man mit und bietet, was der Markt fordert. Es ist besser als das System, das meine Helden eingekerkert hat, Porno hat dien Unfreiheit weggefegt, aber wie so oft führt die Befreiung nicht zur Aufklärung, sondern wieder zu einer neuen Form der despotischen Kultur, in der Pornographie nicht mehr reglementiert, sondern grossflächig verwertet wird.

Man kann sich jede körperliche Ausschweifung der Philosophie im Bodoir heute bei den internationalen Pornohändlern des Netzes runterladen. Leider besteht de Sades Buch auch aus grossen philosophischen Erörterungen, ohne die all der Sex bedeutungslos wäre. Davon ist im Internet nichts zu finden, das bieten weder Werbung noch Nacktbildstrecke. Alles ist verfügbar, es hat seinen Zweck erfüllt und unsere Kultur aus dem Loch herausgerissen, in dem andere Kulturen vom iranischen Terrorregime bis zu den chinesischen Mördern bis heute stecken. Porno hat den Adenauermief beseitigt und auch mir eine sorglose Jugend ermöglicht, und keiner muss heute noch eine Anzeige fürchten, wenn er unverheirateten Paaren eine Wohung vermietet. Porno, da hatten die Aufklärer recht, war der entscheidende Treibsatz der Aufklärung.

Aber was heute daraus wurde - meins ist es nicht. Was bleibt, ist weiter an der Aufklärung zu arbeiten. Das vehikel Porno jedoch zu verdammen, um damit der Reaktion in die Hände zu arbeiten und die eigene Herkunft zu diskreditieren, finde ich falsch. Wenn überhaupt, dann geht es um die Frage einer aufgeklärten Pornographie, um die Befreiung von Porno aus den Ketten von Werbung, Medien und Marketing.

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Mittwoch, 5. Dezember 2007

Empfehlung heute - Nicht offen fahren.

Das ruiniert nur die Gesundheit. Ja, der himmel ist blau, nein, es ist trotzdem nicht gut. Nicht offen... HE! WARTE!!! Verdammter Volld... Zu spät. Weg isser. Na, wenigstens hat er bei Loreley angenehm schaurige Lektüre vom Weihnachtsmarkt, wenn er im Krankenhaus ist.

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Stagnation.

Dieser komische Drang nach Aktionen und täglich neuer Selbsterfindung. Ich denke, es gibt wirklich sowas wie schlechte Blogger. Leute, die alle zwei, drei Wochen Aktionen, Blogparaden, Kettenbeiträge lostreten, die sich von Event zu Event hangeln, und die, so nehme ich an, stündlich Technorati checken. Die einmal mit einem Linkbait Awareness bekommen haben, und es dann immer wieder auf die gleiche Tour versuchen. Weil sie hoffen, dass es sie noch grösser macht, ihnen neue Gefolgschaft und Verlinker einbringt, auf die sie dann furchtbar stolz sind. Es gab eine Zeit bei Dotcomtod, als ich auch scharf auf "Quote" war, als ich unbedingt 1000 oder mehr Leser am Tag pro Beitrag wollte, aber zumindest hatte das den Zweck, relevante Nachrichten zu verbreiten. Und ich bin bis heute froh, qualifizierte Besucher zu haben, die sich mit dem auseinandersetzen, was ich schreibe. Das ist eine Lösung, mit dem Problem der Halböffentlichkeit umzugehen.

Ich möchte, dass ein Blog wie ein Roman gelesen wird, wie eine Fortsetzungsgeschichte. Was ich sagenhaft affig finde, sind diese Versuche von Spreeblick, Bildblog, MC Winkel, Lanu und vielen anderen, zwanghaft alle zwei, drei Wochen irgendwas in die Charts zu schiessen. Und ich frage mich, ob das nicht auch etwas mit deren inneren, verschutteten Erkenntnis zu tun hat, dass sie eigentlich nur noch von der Vergangenheit zehren und nun panisch versuchen, der Stagnation zu entgehen. Ob hinter all dem Gewackel und Geschrei nicht irgendwo auch so etwas wie Existenzangst liegt. Seit zwei, drei vier Jahren werkeln sie an einem Erfolg, einem Ziel, einer weiteren Relevanzsteigerung, die aber nicht mehr kommt.


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Und über allem ist auch die Frage, was da bitte noch draus werden soll. Das Bildblog ist seit Jahren vorne und hat seine Leser, aber jünger werden die Macher auch nicht. Ab Mitte 30 ist man kein Rapper mehr, sondern allenfalls ein peinlicher Opa mit Stottersprech. Die Zukunft, deren goldener Schein diese Leute hierher gebracht hat, ist inzwischen hübsch nah und nur mässig erbaulich, der Lauf der Zeit, langsam und unerbittlich, erreicht nun auch die Hosenbeine derer, die sich für blitzschnell gehalten haben, und jetzt kommt es zu diesen Ah-Oh-Eh-Eiertänzen, die Verlinkung sinkt oh mein Gott wir werden alle sterben und irrelevant schnell wo ist das nächste Ding was können wir jetzt noch bringen wo kommt jetzt noch was wo können wir noch.

Was bringt das Gehampel? Mehr Leser durch Aktionen bedeuten vor allem ein mehr an dummen Gaffern, und das gilt es eigentlich zu vermeiden. Insofern ist Stagnation nichts schlechtes. Es ist halt so. Man ist so gut, wie man ist. Mei. Dagegen ankämpfen, ein wenig aufsteigen und wieder abrutschen ist auch kein Vergnügen. Ich frage mich schon, wann diese Leute eigentlich das letzte Mal richtig Spass beim bloggen hatten. Und wann sie das begreifen, um dann lieber die Kiste zu schliessen, als weiter gegen die unvermeidliche Stagnation anzuschreiben. Ich glaube, dass Leser das Zwanghafte durchaus erkennen, und auch der groteske Veitstanz ist irgendwann nicht mehr wirklich spannend sein. Die Zeit heilt bekanntlich alle sich selbst zugefügten Wunden, aber nicht die zugrunde liegende Dummheit.

Und jetzt bitte weitergehen. Hier gibt es nichts zu sehen. Ausser Foodporn.

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Dienstag, 4. Dezember 2007

Empfehlung heute - Einfach mal nein sagen

Am besten so, wie in der Druckerey nein gesagt wird.

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Geschmack, besser als der Geldbeutel

Mitunter beneide ich diejenigen, die sich I*ea leisten können, leisten wollen und gar nichts anderes in ihrer Wohnung sehen möchten. Konsum, Vermögen und Geschmack sind im Einklang, und nicht in den scharfen, gierigen Dissonanzen, die mir das Besuchen der Vorbesichtigungen zur grossen Weihnachtszeit so unsagbar schwer machen. Man muss sich dort nicht auskennen; Schätzpreise und Limits sagen alles, wenn man Gefallen findet, und man kann sich die passenden Stücke ersteigern, nach Hause bringen und aufhängen. Wenn man reich genug ist. Was ich definitiv nicht bin. Es gibt Auktionen in Nürnberg, bei denen ich über 5, 6 Bieterrunden mitspielen kann, aber in München sind es schon die Aufrufpreise ohne Aufgeld, die meine Grenzen, man muss es so sagen, atomisieren. Und zwar schon beim Einstiegsauktionshaus mit dem Namen Nusser, in Schwabing.



Nehmen wir nur mal diesen Herren, der allseits wenig Beachtung findet. Ein fetter Ratspensionär, Mitte des XVIII. Jahrhundert gemalt, der selbst nicht wirklich hübsch ist, sondern feist, aufgequollen, offensichtlich ein Opfer der Ernährung dieser Zeit, die den Folgen von McDreck und Würgerking kaum nachsteht. Jenseits von Fleisch und Fett jedoch zeigt das Bild eine entzückendes Interieur, das den Reichtum des Mannes aufs Schönste beschreibt, und dann ist da noch diese Handhaltung, die dem Kundigen unmissverständlich die sexuelle Konotation seiner Begierden offen zeigt. Dieses Bild also - nun, es würde fraglos für Diskussionen sorgen, nicht jeder Besucher würde es schätzen, auch nicht in dem fraglos passenden Umfeld, den so ein jesuitischer Stadtpalast des Jahres 1600 bietet, aber: Doch. Es würde mir gefallen. Irgendwie. Wäre da nicht das vierstellige Limit + 24% Aufgeld. Und dann ist da noch die Erfahrung, dass es in aller Regel nicht dabei bleibt. Statt also ein Objekt zu haben, an dem man die Vorläufer von Max Ernsts "Beim ersten klaren Wort" trefflich diskutieren könnte, geht es ein paar Strassen weiter zu Hugo Ruef.



Aus mir völlig unerklärlichen Gründen kaufen Menschen barocke Schutzmantelmadonnen. Für mich wäre das absolut überflüssig, sowas steht bei uns auf dem Giebel und ist schon dort eher fragwürdiges Zierat eines Hauses, in dem Atheisten ihr Wesen treiben, und ich würde die Frau auch nicht haben wollen. Aber die Schlange, die hätte ich gerne. Würde man einen Kompagnon finden, der die Madonna wollte, könnte man einen Deal machen: Zusammenersteigern, er zahlt 4/5 des Materials - die Madonna - und ich 1/5 für die Schlange. Dann wäre es möglich. Wenn es beim Limit bliebe, und man den Sägegehilfen fände. Allerdings hat eine Bekannte auf ein kleines Engerl geboten, das im Eingangsbereich hing - und dessen Limit hat sich gestern mehr als verdreifacht. Also weiter.



Ebenfalls quasi um die Ecke, gleich bei meiner Münchner Wohnung, ist Hampel. Während bisher die Limits meist wenig mit dem zu tun haben, was danach tatsächlich zu bezahlen ist, orientiert man sich in der Schellingstrasse an Sotheby´s und bleibt bei Schätzpreisen, die dem Bieter schonungslos mitteilen, was ihn später mal erwartet, wenn er Glück hat. Man kann bei Hampel eigentlich nichts falsch machen, die Gemälde sind gut gehängt und fein beleuchtet, es gibt eine angenehme Cafeteria und Aufpasserinnen, die so aussehen, als gingen sie nachher auf die Fuchsjagd. In ihrem eigenen Wald, hinter ihrem Schloss. Es verringert das Vergnügen, es stört das Träumen erheblich, wenn man Haifische kennt, die Mandanten kennen, die dort auch hingehen und sich ein paar Bilder dieser Privatsammlung kaufen wollen, und das mit der Finanzkraft von ein paar hundert Millionen - Stichwort gerade noch rechtzeitig verkaufter Hedgefond - tun. Nur kurz erfrischt der Gedanke, dass die daheim an der Küchenwand hängende chinesische Keramik hier für den Preis eines Kleinwagens über den Tisch gehen würde - danach steht man wieder vor einem Stilleben mit angekettetem Affen, der Erdbeeren verschüttet, und fühlt sich ähnlich gefangen in seinen Leidenschaften, denen keine Erfüllung gegeben ist. Es sei denn, man betrachtet das alles als langfristige Geschichte, die Jahre und Jahrzehnte dauert. Die grauen Herren, die heute Vermeer und Fischer in ihre Anwesen hängen, haben ausgesorgt auf Kosten ihrer Jugend, und man weiss ja, wie das geht: Die Stücke tauchen nur kurz auf, verschwinden wieder für lange Phasen in Privatsammlungen, und wer weiss, wann sie wieder erscheinen. Aber sie werden wieder erscheinen.



Und es ist ein nicht unköstlicher Gedanke zu wissen, dass man später die gleiche Chance noch einmal haben wird, dann vielleicht mit etwas mehr Geld, wenn die Chancen der jetzigen Gewinner alle verspielt sind, und alle Tricks und gezinkten Karten mit einem Sensenhieb vom Tisch gefegt werden, zugunsten von Erben, die sich zwecks Steuer dann der alten Stücke wieder entledigen werden. Es ist ein Geschäft mit dem Tod, da darf man sich keine Illusionen machen, feiner, aber nicht weniger auf das Ableben anderer bedacht als Waffenhandel, Krieg und Drogenvertrieb.

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Montag, 3. Dezember 2007

Veranstaltungshinweis

Am kommenden Freitag versuche ich mich in Münster an ein paar kommunikationswissenschaftlichen Überlegungen hoffentlich nicht allzu minderer Güte, und wer es sehen will, kann es natürlich tun.

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Ist es eigentlich ok,

einen Dieb, der zudem noch ungefragt mit einem wirbt, noch in der Weihnachtszeit finanziell zur Ader zu lassen, oder sollte man warten bis ins neue Jahr, damit er noch ein wenig mehr klaut und man ihn dann entsprechend üppig sein ergaunertes Geld abknöpfen kann?

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Sonntag, 2. Dezember 2007

Küchenhardcore Porno

Ihr kennt das: Ihr hättet alle Möglichkeiten der Welt, ihr könntet euren geselligen 14-Stunden-Arbeitstag geniessen oder noch ein Meeting zwitschern, vielleicht 2er Klasse eine Businessreise mit dem Flieger nach Mönchengladbach oder Düsseldorf machen, oder einen netten Abend mit dem dritten Marketingassistenten des grossen Kunden an der Hotelbar, Privatvergnügen für ihn eingeschlossen, abfeiern. Alle sind dabei gut drauf, allen geht es prima, alle twittern und xingen ihre Freude in die Welt - aber eucht habt euch breitschlagen lassen, mit dem Don nach Italien zu fahren: Laute Leute, schlechte Strassen, zu viel Essen und der dauernde Luftzug in einem Auto ohne Dacht, dazu stundenlange Erklärungen zu Geschichten, die euch nicht interessieren, und als ihr versucht habt, ihn mit einer Grosstour durch die Schuhläden endlich zu ermüden, hat er fröhlich weitergequasselt und euch Schuhe aufgequatscht, die ihr nicht braucht und ohnehin nicht mehr tragen könnt, weil euer erfressenes Körpergewicht jeden Absatz zum Knicken bringt. Ihr seid in Italien, ihr hasst es, und das Schlimmste: Das Schlimmste liegt noch vor euch. Denn da vorne, am Rand der Strasse voller Kopfsteinpflaster, über das ihr mit euren Schuhen schwankt, ist ein Schaufenster, in etwa so:



Und das nimmt der Don nun zum Anlass, euch zuzuquatschen für den Rest dessen, was andere als Urlaub bezeichnen würden und für euch zur Qual wurde. Wie unsagbar gemein es doch sei, dass sich dergleichen Küchengerät nur in Italien finde. Dass es solche Geschäfte, mit diesen Mengen zumal, in Deutschland nicht gäbe. Wie dringend er sowas bräuchte, aber im Auto sei wegen eurer Shopperei nun kein Platz mehr. Wie sehr er diese alten Formen liebe, vom Stromliniendesign bis zur altertümlichen Holzkurbel, und dass nur Italiener so etwas erschaffen könnte. Er holt aus zu einer Suada über den Niedergang der Küchen- und Kochkultur in Deutschland, und ihr verschliesst Euer Bewusstsein, denkt an diese wunderbare Sushibar in Hamburg und den Abend mit Mathias, den Shootingstar des Sales Departments eines Global Broadband Services, global von Kiel bis Kielerhafen, und seine Karriere als deutscher Rapstar auf Platz 285 1/2 der deutschen Charts, oder euer Date mit Sascha in Berlin, seinen schicken alten Mercedes von Opa und seinem tollen Marketingdeal mit Stefan, der inzwischen sogar Hilfsschreiber für ein superschickes Lohas-Portal wurde. Das sind Karrieren, und ihr steht da mit dem Don inmitten des Veroneser Kopfsteinpflasters und hört euch das Genörgel an, nur weil es in Deutschland diese italienischen Küchendinger nicht gibt, die ihr nie bräuchtet, weil das Essen ohnehin aus der Microwelle kommt - und ihr schwört euch, dass ihr das nächste mal doch zu Johnny und seinen schicken, kritischen Web2.0werbekongress geht. Statt euch von jetzt bis an den Fuss des Jaufenpass diese Scheisse anzuhören, bis der Schneesturm, bei dem dieser Depp offen drüberfahren will, ihm endlich das Maul verschliesst. Doch - ihr habt Glück, zumindest dieser Teil bleibt euch nächstes Jahr erspart, wenn ihr schon wieder auf seine Lobeshymnen auf Italien reingefallen seid, denn:



Wie der Don heute feststellen durfte, gibt es diese italienischen Küchenmaschinen auch in Deutschland. Und zwar von deutschen Herstellern. Sprich, sie sehen nicht nur schick aus, sie funktionieren auch noch nach 50 Jahren reibungslos. Diese Monsterkäsereibe etwa ist nicht nur aus Druckguss und hat ein scharfes, unverrostetes Schnittblatt, sie hat auch einen sich verjüngenden Trichter, in den der Käse praktisch von der Reibe hineingesaugt, gequetscht und damit gegen die raspelnden Löcher gedrückt wird. Die Marke nannte sich "Solar", hinten ist ein Eichenkranz und die Inschrift "seit über 50 Jahren". Weisser Korpus, silberne Schneiden, schwarze Kurbel und schwarzer Holzgriff: Das ist der deutsche SSKL-Beitrag zur Küchen-Milliemiglia, hier raucht der Scamorza weg, und vom Parmeggiano bleibt nur ein Haufen Trümmer. Das, was es in Italien noch gibt - das gab es auch hier. Und der Don findet es auf dem Flohmarkt, für einen bescheidenen Euro. Und kurz darauf noch diesen stromlinienförmigen Rennwagen des Gemüseniederhobelns:



Gut 50 Jahre hat dieser Silberpfeil aus dem längst verloschenen Hause Mimma auf dem Buckel, und dennoch, er könnte frisch aus einem italienischen Designbüro stammen. Man betrachte nur mal den Saugfuss und seinen Hebel, und das kreisende Blatt: Der Protonendiversator und das Thiortemgetriebe des Raumschiffs Orion sind Lowtek gegen diese Form. Damit könnte man die Frogs aus der Galaxie pusten, und schneller eine Gemüsetarte machen, als man in den schlechten Bars bei Alpha Zentauri einen 1982er Ghuapetrl Cru runterschüttet, oder bei adical die nächste Erfolgslüge an Spiegel Online vertickt. Der Druck eines interstellaren Triebwerks ist nichts gegen die gewaltige Kraft, die hier Kürbis und Kartoffel in die rasend rotierenden Zacken presst.

Wenn ihr also nächstes Jahr all das Generve vergessen habt und doch wieder mit dem Don in Italien gelandet seid, statt mit den Spitzen der Blogbewegung an den Fleischtöpfen von Sony, Yahoo und Trigami, könnt ihr euch sicher sein, dass das Wehklagen über fehlende Küchenspielzeuge für Hardcore Foodporn einem lässigen "Hab ich auch, aber in alt, original und deutsch" weichen wird. Gefolgt von einer nervigen Aufzählung all derer, die ihm angeblich wegen seiner Kocherei verfallen sind.

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Empfehlung heute - Obszönes

passt zu diesem eitlen Tag der Kerzenfehlverwendung, deshalb verweise ich hier auf einen etwas älteren und sehr gelungenen Text von der Auffahrtsallee über die gesellschaftlichen Vorteile der Pornographie.

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