Ethik Du mich auch

Für Freischreiber ist er im Aufnahmeausschuss und baut die AG Ethik mit auf.

Bei Freischreiber läuft ja so einiges an Leuten rum, bis runter zum Sumpf verhinderter Blogwerbeprofiteure. Und dann schreibt einer aus dem Laden solche Spammails an mich und andere, die den Eindruck erwecken, der Gegenstand der Recherche wäre damit einverstanden, wenn er mich anschnüffelt:

ich schreibe Ihnen aus einem journalistischen Anlass. Ich sitze an einem Porträt des Bloggers Strappato und der Stationären Aufnahme. Er weiß von meinem Interese. Um ein Missverständnis gleich vorweg auszuschließen: Mich interessiert nicht wer er ist, sondern wie er ist. Gerne würde ich von Ihnen erfahren: Wie sind Sie sich begegnet? Handelt er, weil er nicht anders kann oder aus freien Stücken? Ist er ein [...]
Ihr Sachverstand wäre für ein ausgereiftes Stück Journalismus dienlich. Es ist nicht ganz eilig. Gerne befrage ich Sie dazu am Telefon. Gerne können Sie aber auch schriftlich antworten.

Mit freundlichen Grüßen

xxxxxxxxxx xxxxxx


Geh woanders schnüffeln. Am besten nicht mehr im Journalismus. Hier draussen sind keine Idioten, die so einem dahergelaufenen Typen alles erzählen, der sogar das Medium verheimlicht, für das er unterwegs ist.

Edit: Langsam tauchen auch weitere Stellen auf, an denen mit der Behauptung nachgefragt wurde, die Betreiber des Blogs wüssten davon, diesmal bei Blogger.de direkt:

Gerne würde ich von Ihnen erfahren:
> Wie sind Sie sich begegnet? Auch Persönlich? Wie würden Sie ihr
> Verhältnis zu hockeystick und strappato beschreiben? Ein Blog wie die
> Stationäre Aufnahme macht einem Bloghoster auch juristische Probleme.
> Warum nehmen Sie die auf sich? Wie schätzen Sie die Motivation der
> beiden ein: Sind das Weltverbesserer oder lässige Kritiker? Und: Warum
> tun die beiden sich das an? Die beiden bloggen anonym, sie ermöglichen
> das. Warum?

Dienstag, 8. Dezember 2009, 14:47, von donalphons | |comment

 
Ähm, Don, es ist üblich, sich für ein Portrait auch im Umfeld des Betreffenden zu erkundigen, das weißt Du doch sicherlich selbst auch (oder hast Du nie Portraits geschrieben?). Der Absender spricht sicherlich auch noch ausführlich mit strappato selbst - das deutet er doch mit der Info "strappato weiß von meinem Interesse" bereits an. Und er gibt ausdrücklich an, dass es ihm nicht darum geht, dessen Identität aufzudecken. Kein Grund also, gleich wie das HB-Männchen in die Luft zu gehen.

... link  

 
Strappato, da habe ich nachgefragt, ist dagegen. Und ich lasse mich nicht auf die Tour reinlegen. Schon gar nicht von einem DJS-Produkt.

Und ich bin nicht der einzige, der angeschrieben wurde. Natürlich hätte ich nichts verraten, aber man kennt das: wenn der eine n ichts sagt, fragt man den nächsten. Irgendwie wird man schon was rauskriegen. Aber nicht so.

... link  

 
Vielen Dank für Ihre öffentliche Beschimpfung. Ich befürchte unsere Meinung über den Qualitätsjournalismus und Recherche lässt sich nicht so einfach zur Deckung bringen. Womit ich Sie donalphons "reinlegen" wollte, das bleibt wohl ihr Geheimnis oder verraten Sie es mir?

... link  

 
@ Don: Ich kenne Jakob Vicari nicht, aber dass er mehrere Leute angeschrieben hat, halte ich auch für eine durchaus übliche Vorgehensweise. Das gehört doch zu einem ausgewogenen Portrait dazu. Man fragt Freund und Feind, um ein möglichst differenziertes Bild zu bekommen.

... link  

 
@arboretum:
An dem Vorgang an sich (bzw. dem hier präsentierten Ausschnitt) kann ich auch nicht übermäßig viel Verwerfliches finden.

Allerdings mag die Erinnerung an Präzedenzfälle mit reinspielen, bei denen unterem anderem Mitarbeiter der Wirtschaftswoche versucht haben, Sentinel-Identitäten von DCT-lern aufzudecken.

... link  

 
Gewiss, auch mag eine Rolle spielen, dass Dons Identität seinerzeit von irgendeinem neunmalklugen Zeitungsschreiber kundgetan wurde, der sich dabei auch noch schrecklich investigativ vorkam.

Aber solche Dinge - wie auch die Frage, für welches Blatt das Potrait gedacht ist -, lassen sich vorab klären. Dass Jakob Vicari keine Identitäten aufdecken will, hatte er ja zugesichert.

... link  

 
Wie sind Sie sich begegnet? Handelt er, weil er nicht anders kann oder aus freien Stücken? Ich habe den zweiten Satz nicht ganz verstanden, aber wenn ich ihn nicht völlig falsch interpretiere, klingt er schon nach einer Aufforderung, jemanden in die Pfanne zu hauen. Es ist eine Frage, die in einem Vier-Augen-Gespräch bei einer kritischen Recherche durchaus gestellt werden kann, denke ich. Aber wenn man sie in einer E-Mail an jemanden formuliert, den man offenbar nicht kennt, der aber demjenigen, um den es gehen soll, offenbar positiv und vermutlich loyal gegenübersteht, ist das zumindest ungeschickt. Vor allem, wenn diese E-Mail auch noch an mehrere Personen gleichzeitig geschickt wurde.

Das Dilemma liegt halt auch darin, dass dieser Autor offenbar hofft, dass die Angesprochenen ihr Vertrauensverhältnis zu Strappato ein Stück weit verletzen. Ich vermute, auch ohne ihn zu kennen, dass Strappato nicht will, dass Details über seine Person bekannt werden. Umgekehrt sollen sie ihm aber vertrauen, dass er die Wahrheit sagt, wenn er versichert, dass er ihn nicht "enttarnen" wolle.

... link  

 
@arboretum:
Dass Jakob Vicari keine Identitäten aufdecken will, hatte er ja zugesichert. Hm, eine handfeste Zusicherung hätte ich anders (sprich: klarer) formuliert. "Interessiert mich nicht" kann auch heißen, ich bohr da im jetzigen Stadium nicht explizit nach, nehme die Info aber jederzeit gerne mit, wenn sie sich doch noch auftun sollte.

Die andere Frage, die Amelia aufstößt, finde ich auch nicht sonderlich feinfühlig oder geschickt formuliert. Von daher kann ich die Unlust, etwas Verwertbares beizusteuern, durchaus nachvollziehen - wenngleich ich auch das etwas diplomatischer formuliert hätte. ;-).

... link  

 
Ich tippe eher mal auf ungeschickte Formulierung. Ist wohl der Versuch, herauszufinden, was den Betreffenden antreibt. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass hinter strappato einer mit der Knarre steht und ihn zum Bloggen zwingt. :-)

Nachtrag: Stimmt, Mark, das hätte man noch eindeutiger formulieren müssen, als ich es interpretiert habe. Da bin ich wohl zu sehr von mir selbst ausgegangen - wenn ich es geschrieben hätte, wäre es eine Zusicherung gewesen, dass der Betreffende anonym bleibt.

... link  

 
Also machen wir das mal: Leute in einem delikaten Bereich angraben für Anfänger:

1. Mail schreiben: Guten Tag, Don Alphonso mein Name, ich schreibe für die kommende Ausgabe des Gmundner Postillion ein Portrait über Herrn Soundso und würde Sie gerne dazu befragen. Wären Sie dazu bereit?

2. Der angeschriebene redet je nach Vergnügen mit Soundso. Wenn der will, antwortet er: Ja, gerne. Wenn nicht, dann nicht.

3. Falls doch, dann kommen erst jetzt die Fragen.

Wenn sich aber herausstellt, dass ich so tue, als sei das abgesprochen, was es definitiv nicht war, und ausserdem krieche ich ohne Offenlegung bei mehreren rum, namentlich mit einer Menge Fragen zur Anonymität beim einem und zur Persönlichkeit beim anderen, soreich, es wird an verschiedenen Seiten des Problems gebohrt, und stellt sich dann heraus, dass die Betreffenden überhaupt keine Lust haben, dort überhaupt zu erscheinen -

dann ist das kein Kollege, sondern etwas, das besprochen werden muss. So geht man mit mir und meinen Freunden nicht um.

... link  

 
"Er weiß von meinem Interesse"

Das nenne ich schlicht den Versuch einer Irreführung, denn von einem Einverständnis des Betroffenen kann ja wohl nicht die Rede sein.

Sowas nennt man Baum schütteln und sehen, was runterfällt. Im günstigsten Fall schlechter Stil, im weniger günstigen... muss man wohl nicht weiter ausführen.

@amelia
"Umgekehrt sollen sie ihm aber vertrauen, dass er die Wahrheit sagt, wenn er versichert, dass er ihn nicht "enttarnen" wolle."

Äh, und warum genau?

... link  

 
@avantgarde: Ich weiß nicht genau, was Du meinst, oder ob ich mich aus lauter Vorsicht undeutlich ausgedrückt habe und wir uns daher missverstanden haben. Also, ich wollte damit ausdrücken, dass ich auch nicht weiß, warum jemand Herrn Vicari vertrauen soll, wenn er umgekehrt anscheinend andere zur Illoyalität "motivieren" will. Das passt instinktiv betrachtet nicht so ganz zusammen.

... link  

 
achso, dann habe ich das missverstanden. Ich hatte das als Feststellung, nicht als Frage gelesen.

... link  

 
Okay, sorry, dann haben sich unsere Kommentare überschnitten. Habe meinen vorigen Kommentar nochmal editiert, aber das hat sich dann schon erledigt.

Also, meine Aussage hinsichtlich des Vertrauens bezog sich auf Herrn Vicari, nicht auf Strappato, um das klar zu stellen.

... link  


... comment
 
Wenigstens wird hier wieder über lebende Personen hergezogen, die sich noch wehren können. ^^
Alles andere ist, meiner Meinung nach, nicht lesenswerter Donauufersumpf.

... link  

 
Dann hau doch ab :-)

... link  


... comment
 
Himmel, die Mail an Dirk ist ja dreist. Und während ich die so lese, denke ich mir: Wenn ich einem Bloghoster dezent nahebringen möchte, dass es vielleicht eine gute Idee wäre, ein gewisses unliebsames Blog abzuschießen, würde ich das auf genau diese Art tun. Natürlich ist das nicht Herrn Vicaris Absicht, ganz gewiss nicht. Aber der gewählte Tonfall ist von einer derart unverschämten Aufdringlichkeit, so nassforsch und beinahe verhörhaft, dass mir ein paar ordentliche Watschen durchaus angebracht erscheinen.

Der Journalist möchte ja berühmt werden im Internet. Schätze, das könnte ihm gelingen.

... link  

 
Ich hatte das auch als ganz dezente Drohung aufgefasst, mit der Vermutung, dass möglicherweise Auftraggeber zu diesem "Artikel" existieren, die lieber ungenannt bleiben.

Denn sehr viele Freunde hat sich strappato mit seinen (stets sehr lesenswerten) Beiträgen in der Gesundheitsindustrie wohl nicht gemacht.

... link  

 
Nicht nur in der Gesundheitsindustrie, sondern auch bei einigen Medien, scheint mir - auch wenn die letzte große Story in dieser Richtung von Hockeystick angestoßen wurde. Davon betroffen war auch mindestens ein Medium, das als wichtiger Auftraggeber für freie Autoren gilt. Aber ich weiß natürlich nicht, ob das bei diesem Vorgang eine Rolle gespielt hat.

Weiß jemand, warum die Seite gesundheit.blogger.de gerade nicht zu erreichen ist?

... link  

 
Boah, da hat er sich ja bei PM gleich das richtige Umfeld rausgesucht, fehlen als Internetstars nur noch der Boss von PI und Kai Dieckmann, dann hat er die berühmten Profis beisammen.

... link  

 
Vielleicht kann er dem Kai ja einen Iro verpassen, dann wird der auch noch berühmt.

... link  

 
tatsächlich hat es ein geschmaeckle. ich meine, abgesehn davon dass er einer ziemlich asozialen branche auf der nase rumtanzt, hat strappato ja nicht grade n' großes profil. was will man da großartig portraitieren?

... link  

 
Was andere, die ihn kennen, eben so ausplappern - wenn solche Fragen kommen: "Seine Entscheidung anonym zu bleiben, ja eine Kunstfigur zu erdenken, ist die für Sie nachvollziehbar? Hindert das nicht an einer authentische Weltbeschreibung, die Welt mit seinen Augen zu sehen? Und: Warum tut er sich das an?"

Was geht das so einen Presseheini einer komischen DJS-Klasse an?

... link  

 
Ach, eine "Story" ist es sicherlich - anonymer Blogger mit offensichtlichem Fachwissen legt sich mit einer großen Branche an, das hat seinen Reiz. Was jemand wie Don Alphonso dazu beitragen kann/soll, außer, irgend etwas auszuplaudern (was aber er aber wohl kaum tun wird) frage ich mich allerdings schon. Die klassische Vorgehensweise wäre sicherlich, dem Blogautor selbst ein paar freundliche Fragen zu Hintergrund und Motivation zu stellen und abzuwarten, was dabei herauskommt. Auch Anfragen bei den "Gegnern" (Pharmaindustrie, PR-Agenturen, WDR etc.) würden wohl zum klassischen Handwerk gehören. Man kann natürlich auch den Webhoster fragen, inwieweit auf ihn Druck ausgeübt wird, wie er sich dagegen wehrt, wie er seine juristische Position sieht etc. Allerdings ist auch diese E-Mail etwas - na ja - irritierend formuliert.

Man wird den Eindruck nicht los, dass der Autor doch eigentlich sehr gerne den Betreffenden enttarnen möchte, welche Motivation (und welcher Auftraggeber) auch immer dahinter stecken mag. Dass unter diesen Umständen Don Alphonso und andere Personen, die in Verbindung mit Strappato stehen, die Jalousien herunterlassen, ist für mich selbstverständlich - es würde mir eher übel aufstoßen, wenn sie es nicht täten.

... link  

 
nicht nur für dich selbstverständlich. ich würde es sogar als offensichtlich betrachten. wie kann man dann bei einer derart sensiblen sache die dampfwalzennummer durchziehen?

... link  


... comment
 
"Ihr Sachverstand wäre für ein ausgereiftes Stück Journalismus dienlich." Igitt. Wer derart selbstgerecht-dümmlich vor sich hinschmalzt, der sollte einem sofort verdächtig sein ;-) Auch ein Satz wie "Es ist nicht ganz eilig" ist schon richtig journalistenpreisverdächtig.

... link  

 
Den kann er sich ja jetzt mit seinen Promivideos zusammenschnitzen.

... link  

 
Warum nur habe ich mich von meiner Arbeit ablenken lassen + „will berühmt werden“ angeschaut? Wie peinlich, diese Art von Kotzpopjournalismusattitüde hat so einen langen Bart. Und diese Mischung aus belanglos, dreist + abgezockt ist wirklich widerlich. Die verriet sich tatsächlich schon in der Sprache seines Anschreibens. Nur leider befürchte ich, so jemand freut sich über die Aufmerksamkeit in einem Blog wie Ihrem ganz besonders. Ach + draußen wird es schon dunkel. Wo ist mein Proust?

... link  

 
Dass ausgerechnet der Hausherr hier die Kultur der Feinfühligkeit propagiert lässt mich schmunzeln. Und wenn potentielle Interviewpartner mich darüber aufklären, wie es richtig geht finde ich das gelinde gesagt amüsant.

... link  

 
Uh, jetzt habe ich meine Lebenszeit auch mit einem dieser Videos vergeudet: Hat Jan Ullrich seinen Job gewechselt?
Schlimm aber, dass an deutschen Unis offenbar jeder stammelnde, für kulturell hochstehende Werke wie »Geheimsache Große Hufeisennase« prämierte Vollpfosten als Doktorand angenommen wird. Aber irgendwo muss die Nachwuchs-Journaille ja intellektuell versaut werden.

... link  

 
Ganz ehrlich, Vicari, das war an jeden anderen als an Sie gerichtet. Bleiben Sie, wie Sie sind, aber verschwinden Sie endlich aus meinem Blog, bevor ich nachhelfe.

... link  

 
Also es gibt hier etwas,
das ich noch weitaus amüsanter finde als die unentgeltliche Ansage, wie es richtig geht. Nämlich die unfreiweillige (aber nichtsdestrotrotz lehrreiche) Vorführung eines worst-practice-Beispiels, wie es offensichtlich überhaupt nicht geht.

Wobei ich ergänzen würde: "mangelnde Offenlegung", wen der Fragende sonst noch anspricht, finde ich per se nicht verwerflich. Ich hätte eine vage Ansage à la "Strappato weiß von meinem Interesse" auch nicht unbedingt als Versuch gewertet, zu insinuieren, als sei der völlig einverstanden. Und die Fragen nach der Anonymität/Kunstfigur mögen hier in unseren Zirkeln längst auf genervtes Augenrollen stoßen, aber "da draußen" will man sowas schon wissen, denke ich.

Warum auch nicht: Anonymität im Netz ist ein hohes Gut, und so ein Porträt, das diese selbstgewählte Sphäre auch respektiert und den gesellschaftlichen Nutzen investigativen Bloggens herausstellt, wäre strappatos und hockeysticks Schaden nicht. Aber eben wirklich nur unter dieser Prämisse, und wenn das nicht gesichert ist, dass diese Sphäre respektiert wird, spielt man das Spiel besser nicht mit.

@amelia, 18 Uhr 10: Das ist eigentlich das normale journalistische Instrumentarium, sich einer Figur/Persönlichkeit zu nähern, nicht nur auf direktem Weg, sondern sich auch im Umfeld umzuhorchen, zu versuchen, irgendwelche O-Tone und Fremdaussagen über ihn zu bekommen, um das Bild abzurunden. Nicht wenige arbeiten so, dass sie zunächst die Umfeldrecherche machen und dann erst den Betreffenden kontaktieren, weil man mit den Kenntnissen die man aus dem Umfeld hat, dann schon mal bisschen genauer und gezielter fragen kann. Zur "klassischen Methode" steht das überhaupt nicht in grundsätzlichem Widerspruch.

Aber vielleicht muss man sich auch eingestehen, dass die klassische Methode hier draußen nur bedingt taugt und zudem ganz schön blöd rüberkommen kann, wenn man es am Fingerspitzengefühl fehlen lässt.

... link  

 
@ Don: Och, nee, ich hätte jetzt schon gern gewusst, was wiederum Herrn Vicari angetrieben hat.

... link  

 
@Mark: Im Umfeld umhören, okay. Ich möchte aber mal die Behauptung aufstellen, dass plumpe Anfragen bei mutmaßlich loyalen Menschen, die den Journalisten nicht kennen, ungefähr das letzte sind, das in solchen Fällen zum Erfolg führt - eher im Gegenteil, denn es gibt wohl kaum eine sicherere Methode, um dafür zu sorgen, dass jemand das Objekt der Recherche frühzeitig warnt.

All dies sollten Anfänger nach den ersten erfolglosen Versuchen schnell merken. Ich frage mich, ob das nicht auch in Journalistenschulen gelehrt werden sollte. Wenn das hier ein Anfängerfehler war, dann hat der Urheber eben Pech gehabt, dass er sich gerade Don herausgepickt hat, der als eines seiner Kernthemen Kritik an journalistischen Verfehlungen übt.

... link  

 
Sollte m al einer auf die Idee kommen, in meinem Umfeld rumzuschnüffeln, schlagt ihm bitte in einer legalen Form in die Fresse. So gut es geht. In privaten Bekanntschaften hat Journaille kein Existenzrecht.

... link  

 
Hat der Stadtpalast keine Falltüren?

... link  

 
Amelia,
hier liegt, wenn man so will, eine Mischform vor: schon mal mit der Umfeldrecherche angefangen, wenn der Erstkontakt zur Person, die ich porträtieren will, schon hergestellt ist. Bietet sich eigentlich immer dann an, wenn man den Betreffenden nicht unbedingt gegen seine ureigenen Interessen in die Pfanne hauen will. So in etwa gehe ich beispielsweise auch vor, wenn ich irgendwelche Branchen-Großkopfeten für die einschlägige Fachpresse porträtieren soll. Ich signalisiere dem Betreffenden, was ich vorhabe und was auf ihn zukommt, derweil höre ich mich schon mal um, und wenn sich jemand, den ich kontaktiere, bei dem Betreffenden meldet, verschlägt das in der Regel nichts.

Hier bewegt man sich aber auf heiklerem Parkett. Was nicht unbedingt ein völlig anderes Vorgehen erfordert, aber auf alle Fälle ein geschickteres und sensibleres. Dazu gehört auch, sich beispielsweise über die Leute bisschen schlauer zu machen, von denen ich Infos abzapfen will und meine Strategie und das (Achtung, es folgt ein Scheißwort!) wordingentsprechend anpassen. Das lernt man meines Wissens nicht an Journalistenschulen, sondern nur in der Praxis. Und ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, ich hätte noch keinen Kontaktversuch vergeigt...

... link  

 
Wir haben einen Keller und einen nur notdürftig abgedeckten Brunnen sehr tief unten.

... link  

 
@amilia: was du lernst ist - bekommst du nicht das Objekt deiner Begierde, wende dich an das Umfeld. Da ist auch nichts schlimmes dabei.

Grundsätzlich finde ich es auch hart, wie sehr hier auf dem Kollegen (den ich nicht kenne) rumgehackt wird. ich schau mir an, welchen Grundsätzen er sich verschrieben hat - und ich gehe dann erst einmal davon aus, dass er sauber arbeitet.

vielleicht war die Mail etwas unglücklich formuliert. jeder Journalist kennt ja die Situation, du willst mit jemanden reden, weißt aber schon im Vorfeld, der nicht mit dir. also versuchst du zu beruhigen: ich bin... ich mache für... eine Geschichte, die... und die ist ganz sicher nicht böse! dafür würde ich gerne... Gegenlesen und Freigabe selbstverständlich... etc pp

ach ja, und wenn ich diese sehr höfliche Mail dann im Internet lesen würde, wäre ich übrigens ziemlich sauer.

... link  

 
Wenn er behauptet, der andere wisse davon, und dann stellt sich heraus, dass der andere das absolut nicht will - alles andere hätte mich überrascht, und daher habe ich vorher explizit nachgefragt - dann ist die Erwartung, dass der sauber arbeitet, ganz sicher nicht mehr die meine.

... link  

 
er hat nicht gelogen: der wusste davon, dass jemand recherchiert.

was mich jetzt brennend interessieren würde: wie heißt die Geschichte und für wen sollte sie geschrieben werden?

... link  

 
Mir ist schon klar, dass viele Journalisten solch ein Gießkannenverfahren bei der Sammlung von Informationen anwenden, aber ich habe Zweifel, ob es so sein sollte. Es kann sein, dass sich ein paar Zufallstreffer bei Leuten landen lassen, die sehr medienunerfahren sind, aber bei allen Profis läuten doch dann sofort die Alarmglocken. Dass sich auf diese Art und Weise z. B. Skandale bei einflussreichen Menschen aufdecken lassen, glaube ich nie und nimmer. Dazu braucht es Fingerspitzengefühl, wenn möglich über längere Zeit aufgebaute Kontakte und eine gründliche Recherche, die dem Angesprochenen das Gefühl gibt, dass es sinnvoller wäre, nicht zu mauern. Dies gilt nicht nur für die betreffende Person selbst, sondern auch für mögliche andere Quellen. Wer wirklich Geheimnisse gegen den Willen des Betreffenden herauskriegen will, tut gut daran, sich zunächst zu überlegen, wer ein Interesse daran hat, dass sie publik werden, und sich dann gezielt an diese Personen zu wenden. Das ist jetzt alles ohne Wertung meinerseits und kann zu guten wie zu schlechten Zwecken verwendet werden.

Wenn in einer Anfrage aber Formulierungen verwandt werden, die geradezu dazu einladen, missverstanden zu werden, kommt das vermutlich auch nicht so gut an.

... link  

 
Was der Don gemacht hat, ist im Grunde auch nichts anderes als eine Spielart des Journalismus: Er hat Material, das eigentlich nicht für diesen Zweck gedacht war, zur Stützung einer eigenen These verwandt. Ob die Namensnennung an dieser Stelle zu weit führt, ist eine diskussionswürdige Frage, und ich weiß nicht, wie ich das persönlich entscheiden würde. Aber gerade die herausragende Position des "Ethikkommissars" lädt natürlich dazu ein.

... link  

 
amelia, da gebe ich Ihnen in beiden Aspekten recht

... link  

 
@ helgab: Gegenlesen und Freigabe selbstverständlich

Äh, doch wohl nicht vom kompletten Text? Es ging doch nicht um ein - hierzulande stets zu autorisierendes - Interview, sondern um ein Portrait. Ich kenne Zeitungen und Zeitschriften, da wäre das ein Grund, die Zusammenarbeit aufzukündigen. Allenfalls lässt man sich Zitate freigeben (wenn der andere partout darauf besteht).

@ Don: Es war nicht gelogen, er hat doch wohl davon gewusst. Dass er nicht portraitiert werden wollte, steht auf einem anderen Blatt. Jetzt mal weg vom konreten Fall: Willst Du Medien, die nur Menschen portraitieren, die damit explizit einverstanden sind? Dann dürfte man niemals die Gebrüder Albrecht (Aldi) portraitieren. Und so manchen Banker, Manager oder Politiker, der gerade Dreck am Stecken hat, auch nicht. Es ist etwas anderes bei Menschen, von denen die Öffentlichkeit normalerweise keine Notiz nimmt.

... link  

 
@ arboretum: je schwieriger das Thema, um so leichter die Zusicherung des Gegenlesens. Ich kann Beispiele nennen, bei denen nur mit dieser Zusicherung überhaupt die Geschichte zusammenkam (in jedem dieser Beispiele wurde nur an einem Nebensatz gemäkelt) - aber ich spreche jetzt nur von mir.

auf der anderen Seite kann ich Zeitungen und Zeitschriften nennen, die das als Voraussetzungen für einen Abdruck sehen.

ach ja, nur kurz erwähnt: ich persönlich hasse es, einen kompletten Text zur Freigabe zu geben. Aber face it: es ist zur Realität geworden...

... link  

 
@helgab:
Dass sowas vorkommt, klar. Von ungefähr wird es ja nicht kommen, dass die Forderung immer öfter an einen herangetragen wird, nicht nur die Zitate nochmal zum Absegnen vorzulegen. Aber da ist es mir im Zweifelsfall lieber, eine Geschichte kommt aufgrund meiner Weigerung nicht zustande, als dass ich nachgebe und die längste Zeit für diese oder jene Zeitunng/Zeitschrift gearbeitet habe und dort gar keine Geschichte mehr machen kann. In den Redaktionen, denen ich Texte liefere, ist es nämlich No-Go, ganze Texte rauszugeben.

Da würde mich jetzt schon mal interessieren, wo das grundsätzlich anders gehandhabt wird.

... link  

 
auf der anderen Seite kann ich Zeitungen und Zeitschriften nennen, die das als Voraussetzungen für einen Abdruck sehen.

Es lebe die journalistische Unabhängigkeit.

Ich habe auch von Reportern gehört, die in seltenen Einzelfällen ihren Text vorab der betreffenden Person zu lesen gegeben haben. In den sehr speziellen Fällen handelte es sich aber um medienunerfahrene Personen und schwierige Geschichten, bei denen die Betreffenden nicht unbedingt gut aussahen. Andere lehnen es strikt ab, egal, um was es geht. Wie sagte doch Alexander Osang einmal so schön: Ein Portrait ist immer ein Stück weit Verrat.

... link  

 
Es ist doch ein Unterschied, ob ich einen Manager aushorche, um an Informationen über wirtschaftliche Verhältnisse zu kommen, oder ob ich mich gezielt bei jemand an die Freunde in Vertrauensverhältnissen (und dann auch noch in der Form gleich die Fragen raushaue) ranschmeisse und mich als Witwenschüttler2.0 andiene. In Freundschaften haben Medien nichts verloren. Das mag vielleicht bei Fussballern anders sein, aber Strappato und Hockeystick machen das bewusst so, damit sich keiner exponiert. Dann diese Exponierung über Bekannte holen ist unterirdisch.

... link  

 
Eine Sache vielleicht noch: Beim letzten Portrait hatte ich beim Telefonat mit dem Autor massiv den Eindruck, dass er mich in eine bestimmte Ecke drängen wollte, wenig informiert war, und im Ergebnis etwas abgeliefert hat, was sprachlich schlecht war und inhaltlich massiv daneben lag - einfach weil er das, was er haben wollte, nicht bekam. Ich habe ausdrücklich verzichtet, das Ding vorher zu lesen, und es stört mich auch nicht, wenn so einer etwas schreibt, was von mir mehr versteckt und verfälscht, als es zeigt. Ich würde auch in Zukunft keine Authorisierung verlangen. Das ist eine Unart. Aber inzwischen hängen mir diese Leute sowas von zum Hals raus.... ich mache meine Beiträge selbst, zum Teufel mit denen.

... link  

 
Hat Jacob Vikari denn geblickt, wer da mit wem wie gut befreundet ist?

Wie gesagt, es ist bei Portraits durchaus üblich, sich auch im Freundes- und -Bekanntenkreis umzuhören. Das sind ja die, von denen man freundliche Aussagen erwartet, auf die man schließlich bei einem Portrait auch nicht verzichten kann.

In Freundschaften haben Medien nichts verloren.

Und doch bloggen wir alle - auch über unser Freunde. Du über Iris, ich mitunter über die beste Freundin oder andere Menschen in meinem Umfeld. Anonymisiert zwar, aber dennoch. Nicht zufällig gebe ich die Adresse meines Blogs nicht im Freundeskreis an. Sie wissen es nicht, und ich habe sie auch nicht um ihr Einverständnis gebeten.

... link  

 
Nicht anonymisiert. Literarisiert. Das ist etwas vollkommen anderes.

... link  

 
Sei ehrlich, don: nicht wirklich.

arboretum, ich sprach von schwierigen Geschichten mit medienunerfahrenen Menschen. Ansonsten habe ich die Hoffnung auf journalistische Unabhängigkeit noch nicht verloren...

... link  

 
Nachdem ich 2002 bei so einer Geschichte mal bei einem empfindlichen Mädchen etwas zu weit gegangen bin, passe ich extrem auf, was ich tue und was nicht, keine Sorge.

... link  


... comment
 
Ehrlich gesagt, ich gehe mal davon aus, dass die beiden Zitate aus den Emails des "Journalisten" direkt kopiert sind. Die strotzen aber durchaus von Rechtschreibe- und Kommatafehlern. Gehört Zeichensetzung und Rechtschreibung nicht zur Grundausbildung von Journalisten, auch in Emails? Oder sind die so unter Druck als Freiberufler, dass sie sich die Zeit nicht nehmen, ihre eigenen Produkte Korrektur zu lesen? Allein das würde mich schon abschrecken bei so einer Mail, zumindest unterschwellig, da ich dem Verfasser noch nicht einmal ein sorgfältiges Anschreiben wert bin.

... link  

 
wieso ist stationäre aufnahme eigentlich grade nicht zu erreichen?

... link  

 
Nachdenkpause, habe ich gehört. Nichts Schlimmes.

... link  

 
na dann.

... link  

 
Gelinde gesagt...
Wer so arbeitet wie Strappato, und an den Kreuzungspunkten neuralgischer Stellen des Pharmabiz, der mag auf Zudringlichkeiten lieber verzichten.

Mein spontaner Eindruck ist, dass der Gelinde-Sager V. ein ziemlich pampiger Typ ist, zumal gemessen daran, dass er etwas in Erfahrung bringen möchte.

... link  

 
Vielleicht ist da auch jemand einfach überfordert und bringt es nun nicht über sich, offen einzugestehen, dass er es in diesem Fall (siehe Marks Ausführungen oben) ungeschickt angepackt hat.

... link  

 
@Don: Das "letzte Portrait" war das im Clap Club, oddr?

... link  

 
Allein schon die Frage, ob der freiwillig bloggt oder es muss zeugt von einer recht bizarren Weltsicht. Hatten wir schon mal, als der Schnüffler von der Wirtschaftswoche vermutete, hinter DCT stünden kommerzielle Interessen.

... link  

 
Wie gesagt, ich halte ihn eher für extrem ungeschickt und was Blogger angeht auch für ziemlich ahnungslos. Wie sonst kann er auf die Idee kommen, dass jemand, der sich ausgerechnet mit Sascha Lobo in einen Video sehen lässt, von Don eine freundliche Antwort erhält?

... link  

 
"Sind das Weltverbesserer oder lässige Kritiker? Und: Warum
tun die beiden sich das an? Die beiden bloggen anonym, sie ermöglichen das. Warum?"

Das könnte 1:1 von der Stasi sein, wenn sie noch das Internet erlebt hätte. Allein die Phrase "sie ermöglichen das" taugt nicht, weil sie schlicht sinnfrei ist. Dazu paßt:

"Ich befürchte unsere Meinung über den Qualitätsjournalismus und Recherche lässt sich nicht so einfach zur Deckung bringen. "

Zahnschmerzen! (Btw: Kein Komma, keine Kekse.) Qualitätsjournalismus des 21. Jahrhunderts, fürwahr.
"Ihr Sachverstand wäre für ein ausgereiftes Stück Journalismus dienlich", weil meiner nicht einmal für einen Schulaufsatz taugt.

Immerhin hat dieser unterbelichtete Schleimer es geschafft, daß er hier besprochen wird. Das geht ohne Umweg in seine "Ich bin relevant"-Mappe.

Meine These ist eh die, daß auch TV langsam zu öde wird und sich das kognitive Prekariat zunehmend in Blogs rumtreibt. Harte Zeiten. Rüstet eure Spamfilter auf!

... link  

 
Toller Erfolg: das Blog ist weg. Der Möchtegerne kann das Thema abhaken und kann zum nächsten Raubzug gehen. Das Publikum hat das fundierteste Medizin/Pharmakritik-Blog in .de verloren - was für eine Schande! Anhand der Menge an insider-Wissen, die strappato gebracht hat ist klar, dass er für sich uns seinen Informanten eine solche Schnüffelaktion nicht riskieren kann.

... link  

 
Wie interessant
wenn man aus dem Fall die möglichen Konsequenzen zieht. Gehen wir einmal davon aus, daß s und h nicht im geringsten daran gelegen ist, persönlich geschweige denn in Form von Autorschaft aufzutreten.
Kommt ein junger, möglicherweise ehrgeiziger, möglicherweise etwas ungeschickter Ethik-Journalist daher und klopft öffentlich mit seiner Anfrage auf den Busch.
Alsbald versiegt eine Quelle interessanter insider Ingformationen.
Wenn man einen solchen Fall auch für andere Sphären "sensibler Interessen" weiterdenkt sind traurige Konsequenzen die mögliche Folge:

Traurig 1: da wo blogs beginnen weh zu tun (und damit als Medium tatsächlich relevant sind) dürften sie zensiert werden. Entweder als Selbstzensur oder als Blogbetreiberzensur oder als Außenzensur.

Traurig 2: Für die Außenzensur müssen nicht erst Ministerien mit Stoppschildern daher, es reichen demnächst "Journalisten" als Vertreter der jeweiligen Inquisition.

Was für junge, ehrgeizige und unterbezahlte Vertreter des Standes doch ein hübsches Aufgabenfeld darstellt.

Traurig 3: mit der fröhlichen Bloggerei ist es jenseits von repetitivem, kollektivem Verdauen irrelevanter Nachrichten, homestories, Markengebeten, vorbei.

Wie gesagt, nur eine dunkle, spekulative Wolke an einem dunklen, regnerischen Dezembertag.

... link  


... comment