: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Samstag, 8. Oktober 2011

Von den Feigen bis zu den Oliven

Und was danach kommt, mag kommen, aber es ist nicht mehr so wichtig. Ich mag diesen See und die Erinnerungen, und deshalb fahre ich hier entlang, für die Erinnerung und als Stellvertreter für alle, die es gerade nicht können.























Alles zusammengenommen ist das schon einer der Orte, an dem man bedenkenlos sein kann. Und davon gibt es nicht viele auf dieser Welt.

Es waren sehr schöne Tage hier.

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Reifezeit

Heiss war es Ende Mai. Es gibt so eine Hitze, die jeden Gedanken an Winter unglaubwürdig macht - obwohl der letzte Rodeltag erst ein paar Wochen zurück lag. Aber diese italienische Hitze in einer glühenden Stadt macht diese Vorstellung eines Winters mit Eis und Schnee hochgradig unwahrscheinlich. Für das Gefühl. Die Ratio sagt: Wenn Du Deine Schuhe holst, such gleich nach neuen Farben für den Herbst.



Denn es dauert drei Monate, bis sie dann fertig sind. Normale Schuhe dauern nur zwei Monate, aber Stiefel sind schwieriger. Da muss mehr gemacht werden. Es muss schliesslich mehr aushalten. Das dauert.



Und dann sind da noch all die Sonderwünsche. Zum Beispiel die dick profilierten Sohlen. Oder der Verzicht auf verzierte Kappen. Wenn es Winter wird, soll der Schnee nicht zu viel Halt finden. Das dauert alles, das muss alles so gemacht werden, das kostet Zeit und Geld, aber anders geht es nicht.



Im September ist Signore Tedesco-Giornalista wieder im Lande, und die Schuhe sind gerade erst fertig geworden. Und sie sind fein geworden, fast zu fein für die Idee, sie zum Rodeln anzuziehen, wenn der Winter wieder kommt. Aber auch das mag man nicht glauben, so heiss, wie die Stadt immer noch im Luftplasma kocht.



Aber es wird kommen. Alles wird sich finden, die Gelegenheit für den Schuhe, für den sicheren Tritt dort, wo er hingehört. Man kann ihn sicher am Berg auf Steine setzen, aber auch in der Stadt und im Büro tragen, falls es dort glitschig wird. Es dauert halt drei Monate, bis solche Schuhe fertig sind und etwas taugen, wenn es die richtigen Leute machen.

Das nächste Mal frage ich nach Stahlkappen und Nägeln für die Unterseite. Für die ganz harten Touren und Brocken. Es muss ja nicht immer der Berg sein.

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Donnerstag, 6. Oktober 2011

Ich weiss

Die FAZ-Blogs sind down. Alle. Und ob sie bald wiederkommen, weiss ich auch nicht. Ich weiss nur, dass das Problem als solches mittlerweile bekannt ist. Das gibt Anlass zu begrenzter Hoffnung. Man wird wohl daran arbeiten, es wird nicht von Dauer sein.



Wenn ich nur ein unengagierter Langeweiler wäre, den es überhaupt nicht interessiert, ob meine Texte gelesen werden und zur Debatte anregen, könnte mir das sogar egal sein. Vielleicht liegt der Fehler also im Kern bei mir und meiner unsympathischen Einstellung zu Leistung und Hingabe an eine Sache. So wird es wohl sein. Tjaja.

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Donnerstag, 6. Oktober 2011

Leben

Leben heisst zuerst einmal: Gesund bleiben. Das geht ganz gut, wenn man das Richtige erkennt und befolgt. Natürlich ist so ein Rad nicht billig, aber selbst, wenn ich 1000 hätte: Kein Cent wäre so sinnlos und dumm verschwendet wie das, was immer noch als normale Sucht angesehen wird.



Italien ist, was Nichtrauchen angeht, grossartig. Italien hat sich da wirklich gewandelt, in all der Zeit gab es nur zwei Momente, da ich mich etwas unwohl wegen Rauchern fühlte. Italien ist schmutziger als Deutschland, aber relativ gesehen ist das Kippenproblem sehr viel kleiner. Ich wohne selbst in der Altstadt. Ich sehe den Unterschied. Ausserdem wird in Italien nicht so viel gesoffen. Und schönere Rennräder haben sie ohnehin. Eines habe ich reimportiert. Das bleibt hier.



Alle fahren hier mit dem Rad, wenige rauchen. Und am Abend, so gegen 18.30 Uhr, kommen dann immer Radlergruppen an der Rotunde der Mathilde zusammen, reden eine Stunde, und verlieren sich dann wieder. Man muss länger hier sein, um das zu sehen und zu verstehen. Lern endlich italienisch, sagt Sara zu mir, jedes Mal, und sie hat ja recht. Aber andererseits bin ich auch ganz froh gewesen, nur stiller, leiser, rauchfreier Beobachter zu sein und mich gesund zu fühlen. Meinem Knie geht es sehr viel besser. Mit geht es besser.



Ach, dieses Bild. Hinter meinem Standort ist die Bäckerei mit dem Zwiebelfocaccia, das duftet hier immer so unverschämt, und auch, wenn ich viel geradelt bin und nicht geraucht habe: Abgenommen habe ich nicht. Aber gelebt und gesundet und gesündet und ein De Rosa gekauft, das habe ich.

Allerdings kostete es weniger als das, was andere in drei Monaten wegrauchen. Man mag es also entschuldigen, das einzige, kleine De Rosa.

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Fabrizio bleibt

Frabrizio liebt. Aber wird er auch geliebt?



Ich mag den Namen, weil der Held der Karthause von Parma so heisst, und mit ihm ist es ein wenig wie mit Charles Ryder in Brideshead revisited: Es sind keine sehr schönen und guten Charaktere, aber erfundene Menschen, von denen ich sehr viel lernen konnte. In gewisser Weise ergänzen sich die Bücher sehr gut; und wenn mein Leben mitunter dem von Charles Ryder glich, gibt es auch Phasen, da mir Fabrizio sehr nah ist, talentiert, aber antriebslos, privilegiert, aber ein Aussenseiter, schwierig und eingesperrt in eine Welt, die sich in die falsche Richtung entwickelt hat.

Ich muss los.



Die Umstände erlauben es nicht, dass ich nach Bergamo fahre und weiter nach Bellagio, dann über die Küstenstrasse nach Bellagio, Como und Dongo, woher Fabrizio stammt und von wo aus er flieht, um den Fehler und die grosse Tat seines Lebens zu begehen. Ich wäre gern über die Schweiz zurückgefahren, aber dazu hätte ich früh starten müssen, und die Pflichten - durchaus angenehm - haben es nicht erlaubt. Es gab noch viel zu tun in Mantua.



Mantua hat Glück gehabt, von Stendhal nicht anstelle von Parma aufgespiesst zu werden, obwohl man statt der vertrottelten Farnese auch ein paar degenerierte Gonzagas als Vorbilder der verkommenen Fürstenhöfe hätte nehmen können. Überhaupt taucht Mantua nur einmal in der grossen Literatur auf: Romeo muss hierher fliehen, und hätte sie Sache mit Julia ein gutes Ende genommen, wären sie vielleicht hierher durchgebrannt. Das Stück hätte ein gutes Ende genommen und wäre eher erfolglos geblieben, wie etwa der Sturm, der so ein seltsames Zwischenende hat, schön, bezaubernd und abgeklärt zugleich.



Ich dagegen werde immer wieder zurückkehren. Nächstes Jahr, vielleicht auch schon etwas eher, wenn Berlusconi fällt - da will ich dabei sein. Die Wohnung ist schon gemietet, und ich müsste mich mal erkundigen, was ich eigentlich bin, wenn ich drei Monate im Jahr richtig in Italien lebe. Muss ich mich dort melden, bei einem verschlafenen Beamten, und Formulare ausfüllen, die keiner liest? Geht das einfach so? Reicht es, wenn ich ab und zu kurz heimfahre, was ja nicht so tragisch ist, nur 400 der schönsten Strassenkilometer, die Europa zu bieten hat?



Man fährt da nicht nur von A nach B, man ist. Das lässt sich verschmerzen. Es sind einige Pässe im Weg, und man kann Tortendefizite bis Bozen ausgleichen. Ein paar Monate bleiben, das wäre zu klären, aber Fabrizio würde es vermutlich vergessen und ich auch, schliesslich ist es nicht so wichtig, und ich störe da unten keinen. Ich will mich nicht dem Blödsinn der dortigen Internetgesetze aussetzen, ich will Tourist sein und jederzeit gemächlich aus dem Geschehen fallen können, wie die Villen in Desenzano, die mit Seeblick langsam verrotten.



Ich will hier unten etwas mehr leben, sehen und mitnehmen als daheim. Das ist auch nicht schlecht, aber meine Heimat ist im November grau, und im Frühjahr bringen mich die Pollen um. Mantua me genuit, sagt Vergil, und im Gedenken an Nebel- und Pollentage kann ich das auch sagem wenn ich im richtigen Restaurant sitzen werde.



Man hat von hier übrigens einen ganz famosen und weitgehend unbekannten Blick auf Sant'Andrea von Alberti, wie so oft in Italien fügt sich alles zusammen, diese seltsame Harmonie der Dinge, die hier völlkommen beiläufig ist und nördlich der Alpen mit all der Kunst im Raum und der Platzgestaltung nie gut aussehen wird. Manches ist hier erleuchtet. Und anderes eine durchgebrannte Funzel. Siehe alles, was mit Politik zu tun hat.



Deshalb: Mieten. Für ein paar Wochen und Monate. Länger als ein Urlaub, kürzer als ein Leben. Die Reiseteekanne bleibt diesmal hier, das De Rosa nehme ich mit als Andenken an diese Wochen im Sommer. Sicher, in Deutschland war es auch schön, aber hier begann ich, mich wieder für Menschen zu interessieren. Genau hinzuschauen. Und ein wenig zu verschmelzen, wenn ich mit dem De Rosa, Polohemd und zweifarbigen Mocassins durch die Stadt radelte. Würde ich daheim nie machen. Hier ist es anders.



Mantua ist nicht das Parma von Fabrizio; es war gut zu mir. Und man sieht ja: Der Fabrizio im Buch stirbt an gebrochenem Herzen, aber ein neuer Fabrizio ist da und malt es heil an die Wand. In Mantua, nicht in Parma. Aloysius jedenfalls wartet schon im Wagen. Wir müssen los.

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Sensation!

Alte Frauen! Langsamkeit! Immer weniger! Es eilt gar nicht! Grosse Sensationen fehlen! Starke Handkung allenfalls in Nebensätzen! Kurz, besuchen Sie die Stützen der Gesellschaft und Damen am Krückstock, solange sie noch stehen. In der FAZ , und wie Venedig, oben Säiulen und darunter der Morast in fauligen Kanälen.

Und diesmal sind viele Klicks sehr willkommen.

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Mittwoch, 5. Oktober 2011

Wir hatten wenig Architektur

Um ehrlich zu sein, war ich auch nicht gerade oft in Kirchen, und so gut wie in keinem Gebäude, in dem ich nicht schon gewesen bin. Und diesmal hatte ich ohnehin andere Interessen. Vielleicht ist es aber auch einfach die lange Zeit, die ich dieses Jahr in Italien gewesen bin: da muss man nicht mehr alles machen. Lieber gebe ich den Cicerone zwischen Licht und Schatten.





















Ja. Ansonsten war das ein Tag historischer Dimension. Man kann nicht segeln gehen und am Kai zurückbleiben, man kann nicht Licht sein und Schatten, man muss sich irgendwann entscheiden, oder man wird von Entscheidungen anderer, manchmal mit Relevanz und manchmal nur von Wanzen, aufgefressen.

Andererseits, es kann nicht immer so weiter gehen mit dem sonnigen Italien.

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Dienstag, 4. Oktober 2011

Kann

bitte jemand sich mal den HTML-Code der FAZ-Blogs anschauen

http://faz-community.faz.net/blogs/stuetzen/archive/2011/09/29/je-oller-je-doller.aspx

und mir sagen, wie ich die Schriftgrösse und den Schrifttyp mit HTML-Tags im Text auf 12 Punkte und Verdana umstellen kann? Ich habe schon einiges probiert (Span, Font Size) aber das Programm kickt mir das alles wieder raus. Früher ging das aber zumindest bei der Schriftgrösse.

Falls es nicht geht, steht der nächste Beitrag in Serifenwinzschrift im Netz, und das dreht mir den Magen um.

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Ein so ein Deppending

Na man kennt das. Das flache Schmarrnding mit dem Apfel, das doppelt so teuer wie ein Netbook ist und mit dem man nichts tun kann, ausser Apps runterladen und Zeit totschlagen. So eines habe ich jetzt zum zweiten Mal überhaupt in Italien gesehen, ein Jahr nach der ersten Begegnung auf dem Campo in Siena. Und das, obwohl ich im Jahr zwischen den Sichtungen 3 Monate hier war. Und ganz schön rumgekommen bin.



Und was soll ich sagen - es war in einem Cafe, das in dieser Zeit von Metallgabeln auf Plastikgabeln umgestellt hat. Die haben dafür jetzt dieses Ding.

Das alles sind Zeichen.

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Demokrat unter Fürsten

Immerhin muss man als Blogger später mal nicht Autogrammkarten in Möbelhäusern unterschreiben, oder Rentern auf Bustouren unterhalten. Dazu ist man generell nicht bekannt und beliebt genug. Das Bloggen macht man entweder aus Spass, oder professionell - und wenn das nicht mehr geht, wendet man sich anderen Dingen zu. Das ist in meinen Augen eine gute Sache, eine klare Linie, an die man immer denken sollte, auch wenn es im Moment eher ao aussieht, als würden die Blogger mittelfristig besser mit dem Wandel klarkommen, als die Medienkonzerne. Ich kann hier darüber schreiben, weil es offensichtlich ist: Bei der FAZ sind auf der Blogübersichtsseite und der Hauptseite die Autorenbilder gestrichen worden. Ein Medium, das einzig und allein über die Persönlichkeit der Autoren funktioniert, bekommt Standardbilder fuxeligster Art, die kaum zu erkennen sind und in aller Regel wenig aussagen - was früher in Ordnung war, weil der Autor mit seinem Bild im Zentrum stand. Jetzt sind die inhaltlich nachgeordneten Graphiken alles, was bleibt.

Ich habe keine Ahnung, wer eigentlich Säulenkapitelle, Augen mit Kurven drin, Netzstecker und Fernbedienungen lesen soll - ich würde gern Menschen lesen. Aber wir haben 2011 und solche Entscheidungen werden getroffen. Andererseits rauschen die Medien (und Blogs) in eine klare Marktsättigung hinein, die nur noch über SEO-Verteilungskämpfe kaschiert wird, mit Gegnern wie G+ und Facebook, die das ganze Aufmerksamkeitssystem weit mehr fragmentieren, als es Blogs je getan haben. Zeitungen denken gemeinhin, dass ihr guter Name schon irgendwie reichen wird. Sie können von der Marktdominanz im Print zu einer drittklassigen Regionalfraktion im Internet abgestiegen sein, weit, weit hinter den Contentangeboten von T-Online - aber auch 10 Jahre in dieser dritten Onlineliga ändert nichts am Selbstbild, dass man es kann, dass man gut ist und der Weg der richtige ist.



Meine Erfahrung sagt mir, dass Medienmacher und Medienmanager oft gar nicht mehr lesen, was in ihrer eigenen Zeitung steht. Man sieht das sehr schön, wenn Beiträge krasse Formatierungsfehler enthalten und die Redaktion 24 Stunden oder Tage braucht, das nach Meldung zu ändern. Man hört das aber auch in persönlichen Gesprächen; Journalisten ärgern sich gern über das Internet, leben aber selbst genauso verklebt mit Informationssträngen mit kurzen Aufmerksamkeitsspannen. Bücher lesen? Ach was.

Und das ist ein Problem, denn ich würde ihnen wirklich ein Buch ans Herz legen: Die Karthause von Parma. Darin kann man lesen, wie das allgemeine Leben an den drittklassiger, verstaubten Höfen in Italien ist, die in Zeiten cder Restaurationsbemühungen ihrem Verderben entgegenwanken. Stendhal hat die Charaktere erfunden, aber vermutlich wurden sie nie treffender und glaubwürdiger in ihrem unbeweglichen Überdruss beschrieben. Das Herzogtum Parma von Stendhal mit seinem Hass auf Veränderungen kann durchaus als Vorbild der Informationsduodezhöfe und ihrer Intriganten Minister gelten, bis hinunter zu jenen, die das Elend erkennen - und einen Teufel tun, um etwas zu ändern. Schliesslich profitieren sie auch selbst, sehen sich als Opfer der Umstände, können auch bei edlen Motiven einfach nichts tun, und wenn sie es versuchen, findet sich immer jemand, der für die Wahrung des Besitzstandes und das Beibehalten der Hofschranzen blockiert.



So kann man eine Weile - aber auch nicht immer, die Handlung des Buches mündet in einen kalten Staatsstreich - politisch überleben, wenn die Untertanen unter Kontrolle sind. Das Internet ist da ein klein wenig anders, es gibt keine Zwänge, irgendwo zu sein, selbst wenn Google, T-Online und Facebook versuchen, die Nutzer mit Erlebniswelten so weit wie möglich einzusperren. Ob das klappt, ist eine andere Frage, aber in den drittklassigen deutschen Provinzfürstentümern gehört man sicher nicht zu den Gewinnern der Entwicklung.

Mit den Helden des Buches nimmt es bestenfalls nur ein begrenzt gutes Ende; Stendhal ist so freundlich, manchen das Geschenk der Liebe zu gewähren, bevor er sie auslöscht, und der Name des Buches erklärt sich aus dem Rückzugsort, den der Held letztlich wählt, um Parma zu entgehen. Die Stadt weiss schon, warum sie aus diesem ihren literarischen Weltruf eher wenig machen möchte, aber immerhin kann sie sich entscheiden, denn Städte leben auch in Schande weiter, wenn Medien in Langeweile längst vergangen sind.



Ich denke, die Antwort sind kleine, funktionierende Lösungen, die autonom existieren können. So etwas wie dieses Blog, das ist meine kleine Gedankenwelt wie die von Fabrizio im Kerker, die mir keiner nehmen kann. Die kleine, schlanke, eigenverantwortlich funktionierende Einheit hat Zukunft, sie überlebt allein und im Verband mit anderen. Es ist nicht so, dass manche das nicht begriffen haben - eines der letzten ernsthaften Abwerbeangebot kam von jemandem, der mich bezahlen und dann an die FAZ zurückvermieten wollte - aber ich habe das alles zum Glück nicht nötig. Ich habe hier ein Blog, das ich auf eine Art Flickr umschalten kann, wenn es mir passt, ich halte niemanden und nehme mir die Freiheiten, die ich brauche. Das garantiert noch keinen wie auch immer gearteten Erfolg, aber es macht mir Freude, und als Autogrammpostkartenunterschreiber möchte ich ohnehin nicht enden.

Übrigens, um auch unsere eigene kleine Welt nicht zu vergessen, wurde Adnation ohne Angabe des Kaufpreises inzwischen an Mokono verkauft, den Betreiber von Blog.de, der mal anteilsweise zu Burda gehörte und jetzt eine Tochter einer SEO-Firma namens Populis ist. Marktbereinigung auch unter Blogduodezfürsten. Ganz ohne Bohei und Interview bei SPONschleim. Das Netz ist gross. Und es rächt sich an allen, die in ihm zu gross werden wollen.

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Montag, 3. Oktober 2011

Irgendwann sind sie dann zu schnell,

die jungen Damen.




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Sonntag, 2. Oktober 2011

Die Lähmung

Wenn man ganz böse wäre - was aber angesichts des Umfeldes nicht ganz leicht ist - könnte man Italien auch als Failed State bezeichnen.



Es sind ja nicht nur die Schulden oder allgemeine Korruption und Schattenwirtschaft. Es sind nicht nur die Staatsschulden und die langsame Verarmung weiter Teile der Bevölkerung, das Bröckeln der Denkmäler und eine Trennung in Arm und Reich, die zu überwinden kaum nöglich ist. Es sterben nicht nur die kleinen Läden, es kommen auch keine Alternativen., Italien ist schön, aber andere Ziele sind für Urlauber genauso erreichbar. Schon jetzt ist man ziemlich allein im Palazzo Te. Nimmt man alles zusammen und rechnet man noch diese Regierung dazu, und ihre Unfähigkeit, und die Opposition, die auch nicht gut dasteht - sagen wir mal so, ein gelungener Staat sieht anders aus. Aber was ist Italien dann?

Leider habe ich das Buch "La Noia" von Alberto Moravia nicht mitgenommen; ich meine aber, dass die Stimmung zum Land passt. Müsste ich einen Film zur Zeit aussuchen, wäre es nichts mehr von Fellini, sondern Die Verachtung von Godard. Weil sich da zwei recht sinnlos bei einer dummen Beziehung in den Tod rasen. Die Anni di Piombi, die bleiernen Jahre kommen mir in den Sinn, nur diesmal nicht wegen des Terrors, sondern wegen der allgemein misslichen Lage, für die es keine Lösung zu geben scheint. Man kann nichts tun. Die anderen sind auch nicht besser. Und an den Strukturen wird sich nie etwas ändern, auch und gerade wenn nur noch sehr wenig zu verteilen ist. Man bräuchte neue Strukturen und ist von den alten so abhängig, dass man sie nicht aufgeben kann - bis Neues funktionieren würde, wäre das Land am Ende. Und wird es überhaupt möglich sein? Oder würde die Privatisierung von Staatseigentum nicht nur Folgen wie in Russland haben?



Für das kommende Frühjahr ist schon wieder gebucht, aber das Land, in das ich jetzt zurückkehrte, ist schon ganz anders als das Land vor ein paar Monaten. Ein paar Monate und Krisen weiter - man mag sich das alles nicht vorstellen. Vielleicht marschieren sie auf Rom, dann komme ich schon vorher wieder vorbei. Wenn nicht, man wird sehen.

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Genau hinschauen

Der Beobachter:



Der Aufpasser:



Er hat mich dann freundlicherweise doch nicht gefressen.

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Samstag, 1. Oktober 2011

Männersachen

Das auch, ohnehin, keine Frage.



Aber auch vieles andere:















Man muss ja nicht immer reden. Es reicht, etwas zu tun.

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Alte Musik und neue Stimmen

Man kennt das vielleicht: Man sieht jemanden, der etwas tut, was ihm vielleicht gar nicht so leicht fällt, und eventuell sollte man aufstehen, hinübergehen und helfen. Aber dann sagt man sich, der andere muss das selbst können. Man kann nicht immer alles alles abnehmen. Man muss auch mal sitzenbleiben und zuschauen, ob es von alleine geht.



So ist das auch mit den Gastbeiträgen in meinem Blog bei der FAZ. Das ist schon ein recht spezielles Publikum, auch ich kann mich nicht immer voll darauf einstellen, und gerade, wenn man das noch nie gemacht hat... sas ist schon nicht wenig Stress, den man sich da antut. Aber es hilft nichts. Man muss es einfach probieren und man darf nicht eingreifen. Es ist immer ein Lernprozess. Es gibt da keinen einfachen Weg, es sei denn, man knallt es gedankenlos ins Netz und kümmert sich dann nicht mehr drum. Aber genau das soll es ja nicht sein.

Aber natürlich hofft man, dass nichts runterfällt und die zarte Pflanze wachsen möge. Jedenfalls habe ich nochmal Venezia Fröscher gebeten, zu übernehmen, und bitte nun um freundliche Anteilnahme am Versuch, mit Youtube etwas über Alte Musik zu erzählen.

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