: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Sonntag, 5. Februar 2012

Bring in... the comfy chair!

Und a soft cushion habe ich auch



In den letzten Jahren, dank der Wegwerfneigung meiner Zeitgenossen, habe ich ja einige erstaunliche Erwerbungen machen können. Ja, man kann fast sagen: Ich kann recht günstig leben, und das, ohne dass ich deshalb auf 30 versifften Quadratmetern hausen müsste, wie es soeben jemand gestand, der gerne das Eigentum und besitzende "Parasiten" abschaffen würde. Ohne zu bedenken, dass diese Parasiten sein HartzIV, sein bedingungsloses Grunbdeinkommen, seine Versicherungen und all die anderen tollen Leistungen dieses Staates für ihn und sein faules Dasein bezahlen. Oh, ich mache auch gern Schnäppchen und überlasse anderen die Verluste: Ich habe in etwa eine 90%-Regel beachtet. Es sollten beim Erwerb 90% vom Originalpreis weg sein, dann lohnt es sich auf jeden Fall. Felgen für die Barchetta fast im Neuzustand, kaum gefahrene Rennräder von Zahnärzten, Mahagonitische, die kein Erbe wollte, feinstes Porzellan aus Pappkisten... beim Essen bin ich ganz anders, da bin ich kompronisslos, aber bei Gebrauchsgütern sehe ich einfach nicht ein, Ladenpreise zu zahlen für Fabrikgegenstände, wenn ich Besseres, preloved, wie die Briten sagen, anderweitig bekomme.

Und vor fünf Jahren war so einiges zu tun, schliesslich vergrösserte ich mich von 35 + 45 Qaudratmeter in zwei Städten auf 80 + 45 Quadratmeter in einem Haus. Ohne dass ich von den 35 recht viel mehr als meine Bücher benötigt hätte. Wie auch immer: Da war die neue Bibliothek. Und ich wollte eine weiche, warme Sesselgarnitur. Und als ich dann bei der Caritas über ein hellgrünes, wuchtiges Chippendaleensemble stolperte, dachte ich: naja, als erste Zwischenlösung... das war vor 5 Jahren.



Inzwischen weiss ich, dass ich damals etwas entsetzlich Unmodernes gekauft habe, das nut so mittelgut farblich passt. Das mag man durchaus so sehen, andererseits gehört zu meiner Sozialisation auch das Haus am Eton Place und der Doktor und das liebe Vieh und anglophile Verwandtschaft, die dort lebte, und das prägt mehr als die Farbe, ob das Grün wirklich perfekt stimmig ist. Ich weiss aber auch, dass es die Gäste geradezu lieben, in diesen sagenhaft breiten, weichen und bequemen Sesseln zu liegen, auch wenn sie nicht gerade der letzte Schrei und aus kaltem Leder sind. Und sie haben diese 5 Jahre uhnbeschadet überstanden. Die Fäden, die eine Katze herausgezupft hat, die waren schon so, sind aber irgendwie... wie soll ich sagen.., ich sehe das nicht als Beschädigung, sondern als Leben an. Längst sind Sofa Chip und seine Vettern keine Zwischenlösung mehr, sondern geliebtes Inventar mit neuer und angenehmer Geschichte.



Ich finde das Wetter gerade auch nicht berauschensd, ich gehe nicht mehr als eine Stunde hinaus in die Kälte, und wenn ich ehrlich bin, muss ich sagen: Ich bin zwar eingeschneit, aber durch das Haus praktisch eingefroren. Es fördert die Stimmung nicht. Es könnte alles gerade wärmer und angenehmer sein. Und wenn ich es so haben will, lasse ich mich einfach auf den Sessel neben der Heizung fallen, trinke einen Tee, lese ein Buch, und das alles da draussen ist nicht mehr wirlich bedeutend.

Und das alles für 50 Euro. Ich habe vorhin in einem Möbelhauskatalog geblättert und herzlichst gelacht. Und Chip und seine Cousins haben, glaube ich, auch gegrinst. Sofas grinsen nicht, mag man einwenden, aber nachdem sie aus Bielefeld kommen, einer Stadt, die es gar nicht gibt, kann es natürlich auch sein, dass sie grinsen.

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Samstag, 4. Februar 2012

Was wurde eigentlich aus den Blackouts?

Deutschland im Winter 2012.

Eisige Temperaturen.

Gleichzeitig Exportweltmeister.

Hohe Beschäftigung.

Maximaler Energieverbrauch.

Reihenweise ausgeschaltete Kernkraftwerke nach Fukushima, die nicht wieder hochgefahren wurden.

Und trotzdem kein Blackout.

Nur in der FAZ ein Kommentar, dass die mit Strom heizenden Franzosen im Winter auf Strom aus Deutschland angewiesen sind, und man nicht mehr in die Energiewirtschaft eingreifen soll. Arme Franzosen! Franzosen vor dem Erfrieren retten mit deutschen Kraftwerken! Seid nett zu den Atommonopolisten!

Aber davon geht kein Licht mehr aus.

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Samstag, 4. Februar 2012

4 Monate

Früher gab es eine Zeit, da sollte es möglich sein, in vier Monaten eine Firma so weit aufzubauen, dass sie reif für die erste Finanzierungsrunde war. Mit Geschäftsidee, Website, Team, Technik, Server, URL, Marketing und Produkt.



Das waren keine guten Zeiten, es war zu schnell und oft nicht sauber, und man hätte sich gewunschen, dass einfach ein wenig mehr Zeit da ist, wenn schon all das Engagement nicht ausreicht. Immerhin gab es welche, die sich wirklich reingehängt haben, und wenn es übel kam, auch mal durcharbeiteten. Weil: Irgendwer muss es ja machen. Das harte Arbeiten gab es neben dem harten Feiern auch.

Es gab durchaus so etwas wie von persönlichen Interessen geleitetes Verantwortungsbewusstsein. Man ahnt es vielleicht: Im Abstand von 10 jahren fange ich an, gewisse Erscheinungen jener Epoche im Kontext und damit auch milder zu beurteilen.



Genutzt hat es am Ende kaum jemandem, weil die Grundlagen falsch waren: Die Burn Rate war zu hoch, die Gewinnentwicklung zu langsam,der Business Plan mit falschen Zielvorstellungen versehen, esgab unerwartete Konkurrenz und fehlerhafte Markteinschätzung. Das war nicht ganz unerwartet, man wusste das, und das hat sicher aiuch geholfen, den Druck hoch und die Geschwindigkeit am Limit zu halten. Wenn ich die martialischen Mails heutiger Investoren und Entwickler lese, weiss ich, was dahinter steckt. Das macht der Druck. Vier Monate können eine Ewigkeit sein, so viel Arbeit steckt drin. Und ein Augenblick, so schnell können sie sinnlos sein.

Aber es war unvorstellbar, nach vier Monaten immer noch mit banalen Bugs aus der Anfangszeit zu kämpfen, die allgemein bekannt waren, und die Performance einschränkten. Das konnte man sich damals nicht leisten, wenn man überleben wollte; und vor gut 10 Jahren ging es ausschliesslich darum: Ums Überleben. Für Startups, aber auch für Investoren, Medien und andere Geldgeber, die die Krise auf falschem Fuss erwischt hatte. Es gab auch die Idioten, die vor die Wand fahren wollten: Da ging es in weniger als vier Monaten.



Ich hätte gedacht, dass man aus dieser sicher nicht erfreulichen Zeit der Streichungen etwas lernt. Aber ich sehe gerade einige wieder mit ihren Grossprojekten vor die Wand fahren, mit absoluten Anfängerfehlern bis runter zum Kommandogerät, das ganz toll sein muss und nachher keiner bedienen kann, und teilweise dem inkompetenten Pack am Ruder, das damals auch schon Projekte vergeigt hat. Ich sehe welche, die durchmarschieren, und andere, die nach vier Monaten noch immer nicht mal ansatzweise dort sind, wo sie vor vier Monaten sein wollten.

Bei einem Müncher Verlagshaus wird deshalb gerade kahlgeschlagen. Das mag unerfreulich sein, und die Printler, die sich darüber wieder zurück an die Macht putschen, sind auch nicht schlechter als die Onliner, die jetzt irgendwohin gehen. Das ist die eine Methode. Die andere ist es, Projekte vor die Wand zu fahren und die Leute zu belassen, damit sie das nächste Mal wieder in vier Monaten nicht in der Lage sind, etwas vernünftig umzusetzen. Und alle zusammen haben sie keine Antwort darauf, dass das eine Geschäftsmodell nicht abheben will, und das andere einbricht. Und das wird für die Überlebenden auch in vier Jahren nicht anders sein.

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Aufforderung

Hiermit fordere ich jeden Dummschwätzer, jeden Faselcretin, jedes Schmierloch und jeden Sudelwichser der Medienbranche, der sich in Begeisterung für Facebook und dessen Möglicheiten überschlägt auf, gefälligst bei den alten, lahmen Medien zu kündigen, bei dieser Drecksklitsche mit angeblich so tollen Potenzial anzuheuern, die Medien damit von der niedrigsten Sorte der PR-ostitution zu befreien und zu schauen, wie weit er kommt - und falls das dann nicht so toll wird, bitte konsequent andere Berufe für solches Geschmeiss zu ergreifen.

Der Mensch wird beispülsweise immer Sanitärtanlagen brauchen.

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Donnerstag, 2. Februar 2012

Mir ist die Decke auf den Kopf gefallen

Und zwar buchstäblich:



Naja. Anderen fällt vielleicht das iPhone runter oder die Charaktervortäuschung, wenn es darum geht, einen Auftrag zu ergeiern, der anderweitig zugesagt ist, manche fallen auch gleich selbst, denn es ist glatt: Ich bin so eine Art Hausmeister. Mir fällt ab und zu die Decke auf den Kopf. In diesem Fall bis runter zu Malschicht von 1720/21, was die letzte grössere Restaurierung des Hauses darstellt.

Wäre das jetzt meine Wohnung, ich würde jauchzen und alle neueren Schichten runterhauen, und das Original dann einfach fixieren, mit allen Schrunden und Schäden. So macht man das in Italien, und wenn man schon mal das Glück hat, so etwas in Deutschland zu finden, dann sollte man die Gelegenheit auch nutzen. Weil es einfach genau so wunderbar passt.



Leider ist es nicht meine Wohnung, sondern eine andere, ein Stocwerk tiefer, und sie wurde gerade durchrestauriert. Dabei wurde auch die Decke von ca. 1845 (das war höchstwahrscheinlich meine Familie beim Erwerb) fixiert und neu verputzt. Die Alten von 1845 wussten, was sie der Decke an Gewicht zumuten konnten. Wir hatten leider keine Ahnung. Naja. Zu viel Gewicht, dazu Feuchtigkeit, das löst, da entstehen Risse, und dann kommt es runter.

Es ist nicht meine Wohnung, sie ist schon wieder vermietet, und jetzt muss da leider eine neue Decke eingezogen werden. Klingt brutal, ist aber aus denkmalpflegerischer Sicht das Beste, was man nach dem Freilegen und Sichern (was recht lange dauern würde) tun kann.

Es ist ein altes Haus. Da kann so etwas eben passieren.

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Ich hätte eine Frage an Herrn Wulff

"Herr Bundespräsident, wann haben Sie in Ihrer Politukerlaufbahn mal eine Ihnen angebotene Vergünstigung nicht angenommen?"

Damit wäre dann alles auch zum Q3 gesagt. Hässliche Müllkiste, die nur einen Zweck hat: Feuerwehrzufahrten vor Schulen zuparken.

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Donnerstag, 2. Februar 2012

Egoismus

Ich könnte natürlich auch mein Auto mit Benzin betanken und fahren, aber irgendwie sehe ich das auf Kurzstrecken nicht ein. Und wenn es kalt ist, nehme ich dasd Geld lieber und betanke mich selbst. Und wenn mich jemand fragt, sage ich:



Och, einfach nur ein schlichter Mohnkuchen.











Wie auch immer, dazwischen wird auch geschrieben: Ich schreibe etwa über Kachelöfen und was man mit der letzten Tankfüllung nach dem Energiekollaps in gut 30 Jahren machen sollte. Und der werte Kollege führt ebenfalls bei der FAZ durch die Heimat des endsiegenden Internetbezwinger Heveling.

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Mittwoch, 1. Februar 2012

Panamericana

Ist eigentlich schon mal jemandem aufgefallen, dass die Amerikaner 10 Jahre lang einen sektiererischen, wirre Ansprachen haltenden, schwerreichen Sohn eines Wirtschaftsunternehmers gejagt haben, der an verrücktes Zeug in bescheuerten Büchern glaubte - nur um jetzt einen sektiererischen, wirre Ansprachen haltenden, schwerreichen Sohn eines Wirtschaftsunternehmers, der an verrücktes Zeug in bescheuerten Büchern glaubt, zum Präsidentschaftskandidaten zu machen?

Und das auch nur, weil die Alternativen noch irrer sind? Man ist froh um jede Ablenkung.



(Und das hier ist eine gute Ablenkung, besonders, weil es zwar in Berlin spielt, aber der bayerische Duktus der Protagonisten unübersehbar ist)

(Ach so, und: Wo ist eigentlich das Amerika der Schwarzen Serie hinverschwunden? Und woher kommen denn all diese Vollhonbks? Kann man das Loch bitte zubetonieren?)

Und weil das alles nicht genug ist, kommt diese Woche auch noch die Eröffnung des Börsenganges von Facebook, das ich noch nie mochte, denn es ist so Buch wie Gingrich zurechnungsfähiug und Romney vertrauenswürdig ist.



Nun könnte man natürlich sagen: es ist egal. Welcher Raffzahn das Geld nun hat, der Investor, das verkommene Bürschchen und Idol der deutschen Postprivaschisten , seine Investoren - da sollte man die Hand nicht umdrehen. Und wenn es pleite geht, haben halt welche den Schaden, denen dieses Unglück durchaus zusteht.

Trotzdem wünsche ich Facebook den Niedergang nicht minder, als ich ihn SzudiVZ gewünscht habe. Alle werden sagen, das kann nicht sein, Facebook ist viel zu gross, aber das haben sie bei StudiVZ auch gesagt, und davor bei myspace. Man sieht doch, wie kurz die Produktzyklen bei Telefonen, Kameras und Computern sind. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass es bei den damit machbaren Organisationsformen anders sein sollte. Sie kommenn, sie gehen, sie werden durch anderen Unsinn ersetzt. Warum sollte in einer Welt, in der ein Buch nach 10 Jahren nicht mehr lieferbar ist, eine Firma länger halten? Noch dazu so ein Konglomerat?



Ich freue mich schon auf die Zeiten, in denen Facebook auf die Kostenbremse treten muss, um Gewinne zu maximieren. Wenn sie ihre Nutzer schlachten müssen, um die Irren der Finanzhäuser zu befriedigen. Das wird alles hübsch blutig und mittelfristig eher unangenehm für alle Beteiligten. mit Ausnahme der Zuschauer. Aber so istr das eben in eingezäunten Bereichen: Ohne Verluste kommt man da nicht raus. das wird den Aktionären und Nutzern gleichermassen so gehen.

In fünf Jahren ist Facebook spätestens dort, wo StudiVZ jetzt ist. Und die Nutzer und Aktionäre rennen zur nächsten windigen Idee. Dann vielleicht auch unter neinem passend irren Präsidenten. Irre EBücher haben sie schon.

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Dienstag, 31. Januar 2012

Lichtmobliert vermieten

Es ist ja immer so eine Sache mit der Verwöhnung der Kinder: Man hört heutzutage Dinge, da knn man sich nur wundern. Die Mitdemautoabholerei ist so eine typische Krankheit, die es früher nicht gab. Auch scheint es mir, als sei die Abiturrolex zur Firmungsrolex geworden, und die Firmungsuhr zum iPhone in der 3. Klasse, und was das Studienabschlussauto war, ist heute im Abitur mit inbegriffen. Ich musste um mein erstes Rennrad noch kämpfen, denn so etwas ist gefährlich; heute schenken Väter ihren Kinder teuerste Jugendrennräder, um sie von der Spielekonsole weg zu bekommen. Ich verstehe das alles nicht, und es ist ja auch egal und hält die Wirtschaft am laufen. Die Strasse runter gibt es einen Fall, da hat ein Münchner Ehepaar dem Sohn eine 80 m² Wohnung gekauft und noch eine andere dazu., damit sie auch mal hier sein können. Seine Mutter ist sogar dauerhaft anwesend. Insofern vermiete ich sicher nicht die grösste Studentenwohnung der Stadt.



Aber, nach einer Woche Geschäftigkeit, Streicherei, einem neuen Teppichboden und jeder Menge Schieberei von Möbeln und Terminen immerhin eine Wohnung mit Kronleuchter. Und bei der Gelegenheit machte der zu kleine Kronleuchter, der dort bisher hing, einem anderen Exemplar platz. Wie gesagt. Es ist nicht die grösste Wohnung, aber vermutlich der grösste Leuchtkörper aller Studentenwohnungen der Stadt.



Unten sind die Räume vierzig Zentimeter höher, da passt dann auch das Monstrum, und der Raum ist vergleichsweise gross. Natürlich wären hier auch noch ein paar kleinere Leuchter mit 5, 6 oder 8 Flammen, und auich ein kompakter Maria-Theresia-leuchter mit 12 Flammen, aber der Raum verträgt den Glasklumpen bestens.



Morgen dann nochdie Wohnung durchputzen, dann ist die Arbeit erledigt, erst mal. Das Schöne an diesem Leuchter sind übrigens die matten Steine: Man muss nicht so oft putzen. Er ist pflegeleicht. Was man zu schätzen weiss, wenn man auch schon mal andere Lampen mit über 1000 Steinen geputzt hat. Über ein Jahr habe ich einen Platz dafür gesucht, jetzt ist diese Geschichte rund und die andere Geschichte, die damit zu tun hat, rundet sich auch langsam wieder ein.

Ich vermiete gerne. Das liegt bei uns im Blut.

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Leinwand aus Frankreich statt Plastik aus China

Di, 24.01.12 12:20 Uhr
FR
Die Sendung ist im Start-Paketzentrum eingetroffen.



Do, 26.01.12 16:11 Uhr
FR
Die Sendung wird ins Zielland transportiert.



Fr, 27.01.12 13:06 Uhr
Speyer, DE
Die Sendung ist im Zielland eingetroffen.



Fr, 27.01.12 18:02 Uhr
Speyer, DE
Die Sendung wurde im Start-Paketzentrum bearbeitet.



Sa, 28.01.12 03:54 Uhr
Regensburg, DE
Die Sendung wurde im Ziel-Paketzentrum bearbeitet.



Sa, 28.01.12 07:23 Uhr
Die Sendung wurde zurückgestellt. Die Zustellung erfolgt voraussichtlich am nächsten Werktag.



Mo, 30.01.12 07:03 Uhr
Lenting, DE
Die Sendung wurde in das Zustellfahrzeug geladen.



Mo, 30.01.12 09:34 Uhr
Die Sendung wurde erfolgreich zugestellt.



Da war also dieser Erbe in jener kleinen, südfranzösischen Stadt, und entschied, dass er einfach alles nicht mehr haben wollte. Er wollte weg und sein Leben führen und alles andere abschliessen, also rief er eine Entrümplerin an, und die verkaufte das meiste auf den Flohmärkten in der Region. Das Haus wurde an jemanden verkauft, der ein Ferienhaus am Mittelmeer haben wollte, sich aber die Cote nicht leisten konnte. Das Bild war für Flohmärkte zu teuer, also versuchte die Entrümplerin es international in der Bucht, und nicht in Frankreich, denn die Deutschen, heisst es dort, würden so etwas eher suchen als die Franzosen. Was nicht ganz falsch ist.



Ich mag vor allem das mehr als zulässig aufgeknöpfte Korsett - normalerweise sitzt dort oben eine Brosche als Verschluss, aber die fehlt hier, wie auch der oberste Perlenknopf. Sie zieht sich mehr als üblich aus, man wird das auch nicht oft sehen, denn das geht über die schickliche Offenherzigkeit der Zeit um 1720 weit hinaus. Sie bietet sich gewissermassen an. Sie ist verschwenderisch mit sich selbst, und wozu das Knausern? Alt und häslich ist man früh genug. Sie weiss, dass es so kommen wird. Also ist sie ein wenig dreist.

Und da kann ich nicht nein sagen.

Andere kaufen für den Preis der zwei prallen Äpfel einen halben, der schon angebissen ist. Andere rauchen, trinen und gehen in Bordelle. Das alles ist legitim, jeder wie er mag. Ich kaufe unzüchtige Fanzösinnen des späten Barocks, wenn ich es mir leisten kann.

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Montag, 30. Januar 2012

Wer wird denn gleich

Es ist Winter. Es ist vollkommen normal, dass hier Schnee liegt, und die Temperaturen nicht zum Baden einladen.



Früher hatten die Menschen in dieser Zeit Eisblumen an den Fenstern und Erfrierungen an den Zehen. Das war halt so. Dagegen ist so ein wenig Zwischenkälte bedeutungslos.



Es ist trotz allem möglich, nach draussen zu gehen, und den Müttern, die mir meine Einfahrt zuparken, sei gesagt: Die Kinder können auch mal etwas laufen. Sie werden sich nicht gleich die Füsse brechen. Früher waren Winter hier sehr viel härter, und wir sind trotzdem mit dem Rad gefahren.



Die Strecken sind nicht weit und die Zeit auf dem Rad ist kurz, und danach ist man in der Wärme fern aller Bedrängnis. Wir werden dabei nicht aussterben. Zumindest ist das nicht sehr wahrscheinlich, Ein paar von uns werden durchkommen.



Wenn sie daheim nur ein etwas Sinnvolles tun, wie die Katze streicheln, und nicht den Vanity Fair Ersatz namens Interview, der versucht, Gesellschaft so zu definieren, dass unsereins gar nicht mehr vorkommt. Statt dessen besser die FAZ und einen Verriss lesen, oder gleich ein gutes Buch.

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Vor die Wand knallen. Mit Vollgas.

Vor fast 80 Tagen hat die Wirtschaftsredaktion der FAZ versucht, ein in seiner Art ungewöhnliches Blog zu starten:

FAZIT.

Mit 11 Autoren, allesamt aus der Redaktion, die einen guten Ruf hat. Mit Übernahmen aus dem gedruckten Teil, mit Zugang zu Kongressen und Persönlichkeiten und jede Menge Serien über Wissenschaftler und Theorien zur Wirtschaft. Und einer enormen Flut an Beiträgen. Und einer massiven, für deutsche Medien einzigartigen Kampagne auf der Hauptseite, mit der es tatsächlich gelang, sich eine Weile an die Spitze zu setzen. Facebook, Twitter, Google Plus. Sowas hat sonst niemand in Deutschland. Das ist eine wirklich grosse Sache.

Ich denke, jeder weiss, jeder, der es lesen möchte, hat auch erfahren, dass es FAZIT gibt. Es ist schwer vorstellbar, dass es eine auf dem Papier bessere Basis für ein Wirtschaftsblog geben könnte, sieht man einmal von FT Alphaville ab. FAZIT hat also alle Voraussetzungen, um wirklich gross zu werden.

Ich habe damals vorhergesagt, dass sie damit scheitern werden

Nun, da sie nicht mehr die Unterstütung der Hauptseite haben, rausche ich gemeinhin bei Zahlen zwischen 1000 und 2500 PIs an ihnen vorbei - wobei man wissen muss, dass bei FAZ.net die jüngeren Blogs wie FAZIT immer ein paar hundert PIs weniger brauchen, um auf einen Platz wie die alten Blogs zu kommen. Kurz: Furios begonnen, irgendwo zwischendrin gelandet, vor dem Tanzblog (verdientermassen, trotz allem) aber hinter vielen anderen. Es ist einfach nicht gelungen, intern oder extern (wie der inzwischen zum Focus gewechselte Netzökonom) eine Stammleserschaft aufzubauen.

Und da kann man durchaus fragen, warum das so ist. Ich mein, ich bin ja nur ein Plauderer, der keine Ahnung von gar nichts hat. Das sind dagegen Cracks mit vielen Möglichkeiten. Ich schreibe immer das gleiche Zeug über langweilige Menschen. Die haben das Thema schlechthin, in Zeiten wie diesen.

Wieso?

Ich glauibe, der Fail von FAZIT ist einfach ein Beispiel dafür, dass Menschen nicht nur informiert, sondern auch nett behandelt werden möchten, und das auch, wenn es um so trockene Themen wie Wirtschaft geht. Es gibt jede Menge Finanz- und Wirtschaftsblogs und ein Überangebot an Informationen, FAZIT hat keine Marktlücke, und hier gewinnt der, der entweder der Schnellste, der Beste oder der Netteste ist. Die Schnellsten sind sicher FTAlphaville, die Besten in Deutschland im Sinne von Blogspass sind Herdentrieb, Kantoos und Wiesaussieht, und die Nettesten sind alle, im Vergleich zu FAZIT, wo sich ein Autor gerade unter einem reichlich fundierten Beitrag als Gegenrede zu FAZIT derartig als Menschenfreund und Internetkenner präsentiert hat:

Wobei die vermeintliche Anonymität lächerlich ist, wenn man sich in seinen Beiträgen auch an Wirtschaftsjournalisten wendet, die wissen, wie man recherchiert. Es wäre für uns bei der F.A.Z. simpel, die Klarnamen von „kantoos“ und „hkaspar“ zu veröffentlichen. (Wir wissen z.B., wo sich „kantoos“ gerade aufhält.) Wir tun das nicht, weil wir deren Wunsch nach Anonymität respektieren.

Das ist - mit Verlaub - nicht weise. So etwas schreibt man nicht, am besten denkt man es erst gar nicht. Da ist so viel Arroganz drin, dass keinerlei Sympathie für dieses Projet zu erwarten ist. Outer sind Schweine, sagten wir bei Dotcomtod, man akzeptiert im Internet entweder Pseudonyme oder hält sich davon fern. Aber so etwas geht gar nicht. Natürlich macht es keinen Spass, wenn im Netz andere andere Meinungen haben und sie auch begründen, aber darauf kann man in einer bis zu diesem Moment sehr zivilisierten Debatte noch anders als mit einer derartigen Wissensvorführung reagieren:

Schon mal eine der zahlreichen Arbeiten Hyun Song Shins gelesen? Schon mal etwas vom „risk-taking-channel“ der Geldpolitik gehört? Sind Ihnen die Arbeiten Borios dazu bekannt? Kennen Sie Blinders Position, wonach man die Bedeutung von asset price bubbles danach beurteilen soll, ob sie mit Kreditexpansion dahergehen? Kennen Sie das Paper der EZB über die Bedeutung des Liquiditätsüberhangs früherer Jahre? Offenbar ist die zeitgenössische Diskussion dieser Probeme (was immer man von ihr halten mag) völlig an Ihnen vorbei gegangen. Ihre Argumentation wirkt angesichts moderner Forschungsergebnisse gerade vorsinftflutlich – aber das ist ja ein Kennzeichen der (scheinbar) „modernen“ Makroökonomik. Der Preis, den Sie dafür zahlen ist, was immer Sie in Blogs schreiben, in der Praxis völlige Irrelevanz. Praktisch arbeitende Ökonomen, und darauf hat ja aktuell Ken Rogoff hingewiesen, kümmern sich um diese Methusalem-Ökonomik keinen Deut.

So kann man eventuell mal einen Praktikanten runterputzen, wenn man wirklich schlecht drauf ist, aber das hier ist das Internet, ein freier Markt, und ob ein FAZ-Redakteur recht hat oder ein Anonymling, liegt völlig im Auge des Betrachters, und der dürfte mitunter abgestossen sein. Der Autor möchte darauf dann bei FAZIT antworten - da wird er jede Menge Spass haben, nehme ich an. Das hier sind die Kommentarzahlen von Anfang an:

5 - 64 - 22 - 27 - 16 - 12 - 87 - 29 - 11- 8 - 27 - 14 - 11 - 37 - 23 - 21 - 8 - 13 - 5 - 10 - 9 - 5- 17 - 9 - 5 - 13 - 4 - 9 - 9 - 8 - 5 - 1 - 1 - 8 - 9 - 0 - 1 - 2 - 3 - 4 - 4 - 0 - 0

Da sieht man eine klar abfallende Tendenz. Bei mir ist es so, dass im Normalzustand auf 40 bis 80 PIs ein Kommentar kommt, das ist bei der FAZ möglich, und auch andere Blogs erreichen gute Schnitte. 1500 PIs und ein, zwei Kommentare ist dagegen nicht wirklich Nutzerkommunikation. Da springt der Funke nicht über - vermutlich auch, weil FAZIT gerne Kommentare nicht freischaltet, die den Ansprüchen nicht genügen. Dann kommentiert halt auch mal keiner. Und wenn ich die Ausfälle lese, dann verstehe ich das auch: Zu Gesprächen muss man freundlich einladen, die Nutzer müssen sich willkommen fühlen, oder die Antwort erfolgt dann woanders. Man verliert den Diskurs als Teilnehmer und als Blogger an andere.

Blogger wissen das. Und deshalb bin ich auch weiterhin der Meinung, dass man Journalisten besser nicht ohne betreute Übung ein Blog in die Hand drücken sollte. So ein Blog kommt immer nur so gut an wie das Benehmen der Autoren, und dass andere vielleicht gar nicht so drauf sind, hilft nicht weiter, wenn es so wie oben aus dem Ruder läuft.

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