Frage an die Leser (besonders aus dem Norden)

Ich bin bekanntlich Optimist und stets in der Lage, das Gute zu sehen: Im Regen die Frische, im Radlunfall das Wissen, dass ich auch hätte tot sein können, in Berlin den Wedding und in Webvordenkern den Sozialporno. In der gerade zu Ende gehenden Woche sehe ich den erfreulichen Umstand, dass sie zu Ende geht. Und wenn mir das nächste Mal am Dienstag ein aufgeblasenes Stück Wasmitmedien gegenübersitzt, trete ich es zur Belustigung aller anderen nicht nur ein wenig, sondern mit aller Wucht an die Wand, dann bin ich für den Rest der Woche besser gerüstet.



Wenn mein innerer Optimist aber noch auf der Suche nach so einer positiven Sache ist - tatsächlich bemerkte er das Ende der Woche erst heute - hält sich der Rest mit Ablenkung über Wasser, bis die nächste Klippe kommt. Das geht dann so: Bei Ebay historische Rennräder anschauen, ein altes Moser sehen, zu faul sein, die übervolle Beobachtungsliste aufzuräumen, statt dessen ein niedriges Gebot abgeben, das sowieso überboten wird, um dann den Endpreis zugeschickt zu bekommen, denn wenn ich nicht gut drauf bin, bin ich auch faul. Drei Stunden später zudem Besitzer genau des Rades, das in den 80er Jahren gerne von Italien, wo es mit 1300 Mark recht billig war, nach Deutschland privat geschmuggelt wurde, wo es 2000 kostete. Ein paar Freunde haben das damals gemacht. Es ist einerseits ein Jugendtraum aus der Zeit, als ich 14 war, und andererseits jetzt nicht ruinierend. Allein die Pedale und die Kurbeln würden den Preis wieder einbringen. Das Dumme war nur: Das Rad stand in Worms und war zur Selbstabholung, und um Speyer herum durfte ich nach längerer Suchfahrt auch noch 30 Kilometer Umleitungen folgen. Im Regen Die Woche war wirklich durchgehend schlecht.



Natürlich fragte ich den Besitzer, wie er an das Rad gekommen ist. Sein Schwiegervater hatte es aus Italien privat mitgebracht, sagte er etwas verschämt, und da wusste ich: Es ist genau so ein kriminelles Schmugglerrad. Der Laden von Francesco Moser liegt in Trient direkt an der Landstrasse nach Norden Richtung Brenner; es bot sich also an, auf dem Heimweg genau dort ein Rad zu kaufen, vor den Grenzen anzuhalten, die Frau mit dem Wagen fahren zu lassen und das Rad, als normaler Rennradler getarnt, über die Grenzen zu bugsieren. Damals gab es ja noch keinen Euro, aber durchaus den Zoll, und den auszutricksen war zumindest in Bayern die stete Lust der Väter: Weinflaschen und Schuhe, kiloweise Würste und neue, spottbillige Auspuffanlagen für die Kollegen - es waren die späten 70er, frühen 80er Jahre, da gab es das alles in der bayerischen Provinz kaum. Man konnte gar nicht anders als schmuggeln, und man wollte auch nicht anders. Das gehörte zu jeder Italienreise dazu: Nicht zu viel, aber immer so, dass man den Eindruck hatte, dem Staat ein Schnippchen geschlagen zu haben. Wir Kinder winkten dann immer den Zöllnern aus dem signalgrünen Audi 100 zu, und nie wurden wir erwischt. Nur meinen kinderlosen Onkel und seine Frau hat es ein paar mal derbröselt, weshalb dazu übergegangen wurde, beim Grenzübertritt nach dem Skiurlaub - Lavase, Corno Nero und Corno Bianco und dann auch Superski Dolomiti - die winkenden Kinder auf beide Autos zu verteilen. Ein Höllenspass.



Den es heute nicht mehr gibt. Auch im ganz Grossen, beim Schmuggel eines ganzen Rennrades - kann einem nichts mehr passieren, die EU macht es möglich. Man betrügt den Staat nicht mehr, und es muss auch gar nicht sein, denn so vieles gibt es inzwischen überall. Wer ein Rad 700 Euro billiger haben will, wartet einfach bis zum Saisonende. Da sind einfach Erfahrungen in mir, die kein Kind heute mehr kennt, und ich denke, das sollte man mal aufschreiben. Ich überlege deshalb, die Schmuggelei von 1980 mit dem Moser von 1980 noch einmal zu rekonstruieren, durch aufgelassene Zollstationen zu radeln und davon zu erzählen - aber was ich mich frage:

Ist das wirklich so eine umfassende Erfahrung? Betrachteten andere, vielleicht zuverlässige Norddeutsche, es nicht mit gerechter Empörung, wenn sie meinen Onkel in seinem Saharakombi am Zoll inmitten eines Weinflaschenbasaars hinter seinem Auto erblickten? Ist das nur die Erfahrung einiger weniger barocker Figuren, die nah an der Grenze bei den Versuchungen lebten? Wie war das bei Euch?

Samstag, 13. November 2010, 20:16, von donalphons | |comment

 
Schmuggeln, Segeln, Skifahren - haben wir nie gemacht, wären wir nie drauf gekommen. Wir sind auch nie verreist. Mein Vater ist schon beinahe Amok gelaufen, als wir mal eine Wagenstandsanzeige von der Deutschen Bundesbahn geklaut hatten.
Er hat dafür allerdings immer den alljährlichen Weihnachtsbaum in der gegenüberliegenden Tannenschonung umgehauen und den Besitzer erst nachträglich mit totem Federvieh entschädigt. Der wurde gar nicht gefragt. Das war seine Art, westdeutsche Herrschaftsverhältnisse zu ignorieren. Er macht das heute noch so.

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nun wenn man nicht nur nach norden sondern auch nach westen fährt, eröffnen sich auch für die nordlichter möglichkeiten des kleinen grenzverkehrs.

an der dt.-nl. grenze gehörte schmuggel schon seit Jahrhunderten so zum Alltag wie die Wilderei (eher eine Vergnügung der unteren Schichten vermutlich). Was die Urgroßvätergeneration so durchs Moor getragen hat könnt ich heute nicht mehr benennen, aber in der Gegenwart ists klar Gras*, Kaffe und Sprit.

Die jungen und rebellischen fahren im Wochenturnus rüber um sich unterhalb der Freigrenze, ahem aeh dem nicht strafwürdigen Eigenbedarf mit frischem Rauchkraut zu versorgen. Wenn dann die Bundfaltenhose das Palituch ersetzt fährt man bevorzugt für Kaffeepads und Diesel rüber.

Die Berliner erfreuen sich meines Wissens nach auch der Vorzüge von Brandenburgtickets und besuchen die östlichen Nachbarn um dort Zigaretten und Alkohol zu bunkern.

Von dieser Warte aus scheint der Norden gegewärtig das noch deutlich lohnendere Fleckchen zu sein, um der schönen Tradition des Zollvergehens zu frönen (vlt auch mal ein Thema für die andere Feldpoststelle, denn diese Art der Steuerhinterziehung ist ja sehr schichtübergreifend ...)

*ironischerweise wird eine Menge des Hollandtabaks auf deutscher Seite angebaut ( verboten in NL ) aber dann rübergeschmuggelt ums an die Deutschen zu verkaufen.

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Bin Berliner und...
"Die Berliner erfreuen sich ..." = Eine Mär. Ich kenne niemanden, der sowas macht oder je machte. Nach Polen? Um Schnaps zu kaufen? Gibt's den hier nicht recht billig? Das erscheint mir doch alles recht abwegig. Aber, nun ja, vielleicht spielt sich das in einer exotischen Ecke Ostberlins ab, die mir total fremd ist. Marzahn oder Hellersdorf zum Beispiel?

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Doch, das gibt's! Sprit und Zigaretten scheinen in Polen günstig genug zu sein, um auch von Berlin aus mal rüber zu fahren. Ich weiß sogar von einem Diesel-PKW mit Zusatztank.

Und näher an der Grenze gilt das wahrscheinlich nichtmal mehr als Schmuggel. Haha! Wenn ich alleine an all die Baustoffe denke, aus denen ein Lausitzer Freund sein Haus... aber das ist eine andere Geschichte.

Naja, und Dope aus Holland halt. Geht ja kaum anders, wenn man zwischen Köln und Aachen aufwächst.

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"Doch das gibt's".
Nun gut. Das sind dann wohl die gleichen Menschen, die man in letzter Zeit sehr häufig sieht, wie sie Pfandflaschen aus Mülleimern sammeln.

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@holgi
Komisch, den hollandurlaub zähle ich irgendwie gar nicht als Schmuggel mit. So normal war das ...

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Nein, Jeeves, das sind nicht die gleichen Menschen. Woher nimmst Du deine Überheblichkeit?

@egghat
Aber nervös war man trotzdem. Ich jedenfalls...

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sry jeeves muss dich da auch enttäuschen.
es handelt sich beim zitierten Fall (und sie sind def. nicht alleine ..) eher um den noch recht bürgerliche Teil von Tempelhof mit Doppelverdienerhaushalt und eigenem auto ... (es geht wie Holgi richtig erkannt hat va um die Zigaretten, die Alkoholika sind da nur "dodatki" )

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Allenfalls Kleinkram,
wie eine Stange Zigaretten zuviel oder eine Pulle Höherprozentiges als Mitbringsel, mehr zu schmuggeln hätten sich meine Eltern nie getraut. Und auf ähnlichem Peanuts-Level haben wirs auch immer belassen.

Als ich vor vielen, vielen Jahren noch, öhm, etwas ungesünder lebte, habe ich schon mal den einen oder anderen geringen Eigenbedarf über Staatsgrenzen hinweg mitgeführt und ganz schön geschwitzt dabei, aber eine umfassende oder grundlegende Erfahrung würde ich das nicht nennen.

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bei mir gab es das überhaupt nicht. meine familie (wenn man den zusammengesprenkelten haufen teils langansässiger, teils durch die kriegswirren und durch den antisemitismus hinzugezogener halbkonvertierter denn so nennen mag) hat es mir nicht beigebracht - es gab, neben moralischen prämissen, keine veranlassung dafür.

ich lernte etwas in der art erst kennen, als ich mit 18 jahren nach dem abitur in die große stadt zog. auf dem transit wollten immer alle, die mitfuhren, zigaretten, parfüme und schokolade kaufen. ich kaufte nach einer weile auch etwas. immer war es toblerone.

manchmal kauften wir auch ligeros. das waren zigaretten aus kuba, kräftiger tabak, der in süß schmeckendem zigarettenpapier eingewickelt war.

mein allererster freund aus dem osten (das muss so anfang der 90er gewesen sein) kaufte seine zigaretten bei vietnamesen. als einmal eine vietnamesische blumenhändlerin an ihrem stand im u-bahnhof von neonazis angemacht wurde, warf er sich dazwischen und wurde prompt verprügelt. er hat seitdem eine irreversible schulterverletzung. er strengte einen prozess an, der für ihn positiv beschieden wurde, und bekam etliche tausend euro schmerzensgeld. das geld spendete er nach afrika für einen brunnenbau.

mein vater war mit zwölf bis vierzehn jahren noch so klein, dass er sich prima zum hamstern und schmuggeln eignete. das war im kohlenpott, und es war die zeit, als man noch hunger im magen schob. als ich auf die welt kam, war er lange schon prosperiert. schmuggeln oder (was recht ähnlich ist) den eigenen geschäftlichen vorteil zu suchen, war so sehr mit den kriegs- und dem exilerlebnis verbunden, dass es in meiner erziehung zum absoluten gegenteil verkehrt wurde. geld und gut - oder wie man zu seinem eigenen vorteil dazu gelangt - waren beide als thema komplett tabu. statt dessen wurden andere werte wie das teilen, das verschenken, auch die wertschätzung von kunst und bildung vermittelt. bildung kann man nicht schmuggeln.

kurz: ich kenne sowas nicht. wirtschaftliches denken musste ich mir mühsam erst im erwachsenenalter selbst beibringen, und noch heute erkenne ich den eigenen vorteil erst nach mehrstündiger reflektion. alles das macht die erziehung. (und bei leuten mit weniger monetär glücksbehafteten eltern geht das alles wahrscheinlich eher in die andere richtung, was aber auch nicht unbedingt schlecht sein muss.)

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Kindererinnerungen
werden wach.
Ein paar Flaschenwein und Cinzano in der Schmutzwäsche versteckt geörte natürlich dazu. Das machte es für uns Kinder spannender in Scharnitz.

Viel interessanter war allerdings in den70er der Devisenschmuggel n a c h Italien.
Da wurden die Lire, für die Arbeiten am erworbenen Domizil in der Toskana, gerollt und in Reagenzgläser gesteckt und diese mit Gummiprobfen versehen im Wischwasserbehälter oder in Trinkflaschen versenkt!
Ja der Schmuggel gehört auch zu meinen Kindheitserinnerungen!

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Die interessantesten Kontrabande, von denen ich hier in Freiburg gehört habe - ich selbst bin zu jung dafür - waren zu Beginn der 70er Jahre revolutionäre Filme aus Südamerika. Damals gab es hier eine Filmgruppe, die derartiges Material zeigte, wobei deutsche Übersetzungen live über die eigentliche Tonspur gesprochen wurden. Die Filme selbst wurden über die Kubanische Botschaft in der Schweiz bezogen und, zusammen mit Druckerzeugnissen, die dann an Büchertischen in der Mensa vertrieben wurden, heimlich über die Grenze geschafft. Nachlesen kann man das auch in Walter Mossmanns unbedingt empfehlenswerter Autobiographie realistisch sein: das unmögliche verlangen. Wahrheitsgetreu gefälschte Erinnerungen, S.145ff.

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Opa erzählt vom (kalten) Krieg...
Sowas hab ich nur als westberliner Kind in den fünfziger Jahren erlebt, bei Besuchen in Ostberlin (die halbe Verwandschaft wohnte "drüben"), da waren manchmal Taschenkontrollen an den (bis August '61 offenen) Grenzen.
Als Westberliner haben wir natürlich auch oft im Ost-Teil eingekauft, wo "Dinge des alltäglichen Bedarfs" (und der Frisör) billiger waren, und das war natürlich östlicherseits verboten. Auch das im Westen sehr günstig (1:4) umgetauschte Ostgeld durfte man natürlich nicht einführen. Bin nie erwischt worden. Aber Kinder haben die Vopos selten gefilzt.

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Das ist so empörend!
Für die Einfuhr nach Südtirol waren wir als zuverlässige Norddeutsche im Besitz einer Bescheinigung des Bürgermeisters der Gemeinde, in der meine Eltern ein Haus gebaut hatten und die zum Zwecke der Einrichtung den zollfreien Transport von Einrichtungsgegenständen gem. irgendeinem ital. Gesetz gestattete. Das schützte ganz gut gegen die verwunderten Fragen der österreichischschen Zöllner in Kufstein ("was haben Sie denn da alles, wo möchten Sie denn hin?")

Ach aber die Rückfahrten: Der Kofferraum hing knapp über dem Asphalt ob der 10 Dutzend Flaschen St. Magdalener, Terlaner Weißburgunder, Eisacktaler Sylvaner und all den anderen Tröpfchen, die dann zuhause nicht mehr annähernd so gut schmeckten, wie in den Buschenschänken oder auf unserer Terrasse mit Blick auf den Rosengarten.
Irgendwann fuhr ich dann selbst Auto und ich kenne noch genau die ca. 20 m zwischen dem Bundeszöllner mit der grünen Mütze und dem bayrischen Staatspolizisten mit der weißen Mütze in Kiefersfelden. Nach der Frage, ob wir etwas anzumelden hätten, die meine Mutter stets mit einem unnachahmlich naiven, "nein, wir waren im Urlaub", parierte, ging es über eine Schwelle in der Fahrbahn, auf der die Flaschen so laut schepperten, daß ich stets füruchtete, der Staatspolizist müsse das hören.
Nie ist etwas passiert. Und jedesmal trauere ich heute beim Überfahren dieser Nichtgrenze dieser so eigenartigen Anspannung nach. Herzlichen Dank, daß Sie das so schön wachgerufen haben, lieber Don.

Don Ferrando hat es bereits angesprochen: Die Hysterie der Guardia Finanzia. Man hatte D-Mark, Schillinge und Lire sowie ADAC-Tankgutscheine und wußte diese geschickt einzusetzen.
Aus früher Kindheit ist es mir auch noch erinnerlich, wie am Brenner die Waggons während des halbstündigen Halts von außen abgeschlossen wurden und jede Menge Carabinieri mit Maschinenpistolen auf dem Bahnsteig standen. Auf dem Rückweg wurden dann ital. Gastarbeiter wegen ein paar Lebensmitteln im Gepäck auf das widerwärtigste von bayrischen Zöllnern schikaniert, während unsereins den Koffer voller Speck und Selbstgebrannten hatte.

Und heute? Heute gehe ich auf dem Brenner allenfalls aus Sentimentalität kurz vom Gas. Von "90 Minuten Wartezeit bei der Einreise" kann man nur... Naja das dann vielleicht doch nicht.

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Und italienische Briefmarken! Kennt Ihr das auch noch?

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Nee. Erzähl! :D

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Die exotischste Schmuggelei? -- Irgendeine Zimmerpflanze für eine Freundin in die Schweiz einführen. Das hat mir einmal einen Stempel in den Reisepaß vom strengen eidgenössischen Zöllner eingebracht. Die Pflanze mußte draußen bleiben.

Die dreisteste Schmuggelei? -- Eine Katze aus Nordamerika ohne Papiere durch den bayerischen Flughafenzoll schleusen.

Die liebste Schmuggelei? -- Essen und Trinken aus Frankreich im Wochenrhythmus nach Hause bringen. Nur einmal guckte der Zollbeamte genauer hin, aber er lebte im gleichen Kaff, so daß sich das regeln ließ.

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Von (West-) Berlin aus? Da gab es eigentlich gar nichts, wie schon Jeeves oben erwähnte.

Zu Mauerzeiten hat meine Mutter mal Erbschmuck und Silberbesteck in die DDR geschmuggelt, um es den Verwandten zukommen zu lassen, aber das war es auch schon. Ansonsten war das Risiko einfach zu groß und niemand legte sich freiwillig mit den Grepos an.

Und nach der Wende - also von Berlin aus fährt wohl keiner nach Polen, um Schnaps zu kaufen oder Zigaretten - die gibt ja sowieso direkt in Berlin.

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Ich dachte immer Erbschmuck und Silberbesteck bzw. -kannen wanderten in die andere Richtung und die lieben Westverwandten schickten dafür C&A-Jeans, Mon Cheri-Vorratspackungen und Antidepressiva. Schon die spanischen Conquistadores machten vor, was man mit Glasperlen alles rausholen kann.

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Und Polenmarkt. Gab es ja bis Ende der 90er noch. *hach*

Ein Video zum Thema.

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Bei uns war es einfach nur die Verteilung einer West-Erbschaft unter den Erben (West und Ost), und soo kapitalistisch wie oben angedeutet waren meine Eltern dann nicht (die Sache mit den Anti-Depressiva kannte ich noch gar nicht).

Ansonsten haben wir jedes Mal (2-3x im Jahr) ganz offiziell immer ein oder zwei Papptonnen Waschmittel mitgenommen, die dann jedes Mal auf Waffen etc durchleuchtet wurden (fand ich als Kind immer super aufregend).

und der Polenmarkt - nun ja, wer es halt brauchte ...

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Alkohol nach Dänemark
Im vollbepacktem Kombi ein paar Flaschen Whiskey. Das will keiner kontrollieren, da schon beim öffnen der Klappe die Hälfte des gepäcks rausfällt. Zur Optimierung des Geschäfts wird der Alkohol früh morgens direkt am hafen gegen frisch gefangenen Lachs getauscht. Dann hatte man ne blöde Pulle Schnaps für 10-15 DM gegen einen Lachs getauscht, der locker das fünffache wert war. Und wir waren glücklich und der Fischer auch.

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Ja, bei den vielen Norwegen- und Schwedenfahrten in grauer Vorzeit war immer reichlich Bier und Hochprozentiges an Bord. Wir wurden immer sehnsüchtig erwartet. ;-)

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Ich mußte/durfte als Kind verbotene West-Kinderbüücher für unsere Ost-Verwandten in die DDR schmuggeln.

Das kam in mein Gepäck, wenn einer fragte, solltte ich sagen, das ist meine 'Reiselektüre', und am Zielort kriegten's die Cousins und Cousinen.

Das ging so jeden Sommer. Es hat aber nie einer danach gefragt.

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Topographische Karten ...
des Deutschen Reiches in den Grenzen von 1914 (Ostpreußen, Pommern, Posen etc. ...) ins kommunistische Polen. Das war 1986 , Jaruzelski-Time. Die Karten konnte man damals noch frischgedruckt beim Geodätischen Bundesamt in Berlin erhalten. Der Zweck: eine Radtour von Posen nach Danzig und durch Masuren vor dem Zeitalter des Tourismus in Polen (und übrigens auch vor dem Zeitalter des Fahrrads dort: ein Radfahrer war eine Attraktion, ein Felgenbruch eine Katastrophe). Polnische Karten gab es nicht. Die Karten von 1914 waren absolut brauchbar, da hatte sich fast nichts geändert. Ob es tatsächlich Schmuggel war, weiß ich nicht, habe aber entsprechend geschwitzt, denn es war natürlich politisch nicht ganz korrekt.

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Den C-Rekord vor der Fahrt auf den Balkan mit Videocassetten sonstige dort knappen West-Gut bestückt. In die Hohlräume der Karrosseire, sprich hintere Kotflügel und dann so weit und so viel rein rein, wie es geht. Im Land dann an den Kordeln gezogen, alles zum Vorschein gebracht und dort vertickt. So hatten wir sämtliche Benzin- und Reisekosten wieder drin. Der Rest ergab sich über den Schwarzumtausch der Devisen. Es empfahl sich aber, Einheimische zu kennen, damit die Ware schnell weg war.

Auf einer anderen Fahrt sind wir leider eines Plattenspielers an die Zöllner verlustig gegangen und durften ordentlich drauf zahlen.

Von anderen Dingen möchte ich dagegen nicht mehr berichten, was man halt so macht, wenn jung ist und das Geld braucht, weil man ein bisschen was von der Welt sehen will.

Verhaftet worden bin ich ausgerechnet das eine Mal, als wir gar nichts dabei hatten, in Belgrad, weil ich im Auto vor irgendeinem Ministerium oder so schlief. Das wollten die dortigen Ordnungshüter zur Gelegenheit, sich für die Freilassung etwas dazu zu verdienen.

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Es war nicht direkt Schmuggeln, aber unbehelligt einen Außenbordmotor und einen zerlegten, öltriefenden Rasenmäher im Handgepäck nach Spanien schleusen, war schon eine Leistung, auf die ich gerne zurückblicke. Allerdings war das knapp anderthalb Jahrzehnte vor nine-eleven und der Rentnerschwemme am Mittelmeer, dazu noch auf einem südspanischen Provinzflughafen, wo man mit solchen Dingen eher lax umzugehen pflegte.

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