SdG Spezial in Garda

Habe ich gerstern etwas über Follower geschrieben, die Hilfsersuchen ignorieren?

Ich habe dazu eigentlich nicht wirklich Anlass; man muss ja nicht twittern, um Gründe für Verwunderung zu haben. Aber vielleicht geht das auch nur mir so, weil ich vermutlich viel zu lange nett und irgendwann auch verärgert, obgleich immer noch freundlich auf Fehlverhalten reagiere, bis es irgendwann unerträglich ist. Bis dahin merkt man bei mir recht wenig, wie ich die Dinge wirklich sehe. Das ist nicht unehrlich, sondern nur höflich, und weil ich aus einer Welt komme, in der man sein ganzes Leben lang mit anderen aushalten musste, denken manche, dass ich dieses und jenes sicher auch noch abkann. Es ging ja schon so viel. Irgendwann komme ich mit Ausflüchten daher und suche nach Auswegen, die alle ihr Gesicht wahren lassen. Und nachdem auch nicht alle immer unerträglich sind, ergibt das wieder Anknüpfungspunkte, zumal, wenn man dumm genug war, die Bekanntschaft mit weiteren Aspekten zu verknüpfen. Manche nehmen die Vorteile, die sich sonst noch ergeben, gern genug an.







Aus solchen Problemen kommt man dann nie wieder ganz raus, selbst wenn man gezwungen war, die Sache nicht nur auslaufen zu lassen, sondern einen Schlusspunkt zu setzen. In einer anderen Epoche gab es in der Fächersprache den Ausruf: Ich verachte Sie. - und damit war die Sache erledigt. Hier und heute muss man manchen
noch erklären, dass man nicht den Eindruck hat, Vertraulichkeiten könnten einem irgendwie zu gute kommen. Vielleicht bringen es einfach die harten Sitten des Arbeitslebens mit sich, dass Menschen immer nach ihren Vorteilen gehen und denken, es werde sich dann schon wieder einrenken wie im Beruf, wenn die Feinde von gestern die Verbündeten von heute sind. So kann man eine PR-AnjaTanja sein, aber in meinen Kreisen geht das überhaupt nicht. Man kann sich damit an den Rand bringen und nochmal retten, oder darüber hinaus: Dann ist aber Schluss. Definitiv.







Gegenüber dem Haus meiner Grosstante steht eine Villa, die ein Bauer seiner Tochter zur Hochzeit geschenkt hat. Der Mann jedoch hat es sich im letzten Moment filmreif noch einmal anders überlegt und die Braut unabgeholt sitzen lassen. Das ist jetzt 40 Jahre her, und seit 40 Jahren wohnt niemand in diesem Haus. Das mag ein Extrembeispiel sein, aber so sind diese Leute, die von sich sagen, sie haben einen Bauernstolz. Sie brauchen niemand. Sie wollen nichts. Sie können auch nicht bitten, sie haben das nie gelernt. Sie einmal hintergehen heisst. nie wieder eine Gelegenheit dazu haben. So einfach. Und doch so schwierig, wenn man nun nicht gerade das Geld hat, so eine Villa leer stehen zu lassen.







Es gibt diese Geschichten um aufgegebene Orte, die nach einer Trennung verstrahlt sind. Ich sehe das anders und pragmatischer: Das werden dann eben wieder meine Orte, und das ist fein. So ist es mit meinem Wohnungen, bei denen ich mir denke, dass sie anderen dann eben nicht mehr offen stehen. Und so ist es mit gewissen Regionen, denn ich bin da recht eintönig und so lange, dass es für andere kaum die Möglichkeit gibt, mir hier in die Quere zu kommen. Die Strandpromenade von Garda zum Beispiel ist so ein Ort, der gänzlich frei von unangenehmen Erinnerungen ist, aber auch die anderen Orte: Ich bin froh, dort zu sein, und wenn es andere nicht sind, ist doch alles bestens!







Warum gerade hier dieses Thema? Weil ich hier danach gefragt wurde, so nebenbei, was eigentlich mit K. ist. Da war ich einen Moment nahe dran, eine höfliche Lüge zu erzählen, aber dann sagte ich mir, egal, sagen wir es einfach, wie es ist: Seit Jahren allenfalls minimaler Kontakt, nur um klarzustellen, dass ich keinen weiteren Kontakt möchte. Ja, ich weiss, anderen mag so ein Anlass auch nichtig erscheinen, aber da gab es durchaus so etwas wie eine Entwicklung, in der ausgestestet wurde, was man mir in den an sich guten Zeiten alles bereiten kann, garniert mit zunehmend sonderlichem Verhalten, und wenn man dann alles zusammenrechnet und das abzieht, was aufgrund besonderer Umstände gewesen sein mag: Es ist halt so, dass ich das in meinem Leben nicht brauche, wenn es auch noch zusammen mit Vertrauensbruch daherkommt. Ein seltsames Wort aus meinem Munde, sicher, denn in echten Beziehungen bin ich, was Treue angeht, ein sarkastisches Kind meiner Zeit, und hoffe auch, dass es andere so halten. Aber natürlich kann man auch mich anderweitig hintergehen. 1 Mal.







Und dann bin ich eben froh, wenn die Sache rum ist, und ich keinen Anlass mehr habe, immer, jederzeit, unbedingt höflich zu sein. ich bin gern höflich, denn es entspricht meiner Art. Ich bin gern höflich, denn es hilft oftmals über Probleme hinweg, ohne dass man steiten möchte. Aber ich bin nicht mehr gern höflich, wenn es als eine Einladung angesehen wird, das weidlich auszunutzen. Herrlich, dann eine Sache zu beenden und sich anderweitig zu erfreuen. Nichts könnte daran etwas ändern, keine Einladung, kein Geschenk, auch kein Notfall: Ich würde mir eher die Zunge herausschneiden, ebvor ich am Tisch so einer Person noch etwas essen würde. Da habe ich einfach meinen Stolz. Man muss sehr weit gehen, um ihn zu finden, aber wenn man erst einmal entdeckt, ist das kein Geheimnis mehr. Ich fürchte, es ist unsere Art, in dieset Welt zu überleben.







Andere sehen das anders. Unbd es ist ihnen auch nicht peinlich, dann doch noch nach den Vorteilen zu greifen, sollten sie irgendwie erreichbar sein. Erstaunlich. Aber umgekehrt betrachtet bestätigt das nur die Richtigkeit der Entscheidung. Ich weiss doch, wie es im Reisejournalismus und bei den Autobloggern zugeht: Die weite Welt ist gar nicht anders. Höflichkeit ist für die dummen Anderen. Nehmen, was man kriegen kann, benehmen, wie man möchte.

Ich möchte nicht. Ich mag meine Ruhe. Und hier ist sie.

Montag, 29. Oktober 2012, 23:22, von donalphons | |comment

 
Und was wurde aus der damals sitzengelassenen Braut?

... link  

 
Die hat nie mehr geheiratet.

... link  


... comment
 
Sie einmal hintergehen heisst, nie wieder eine Gelegenheit dazu haben.
Oh, das kenne ich; liegt vielleicht daran, dass meine Vorfahren einfache Bauern waren. Doch ich bereue meine Konsequenz. Man muss verzeihen (können).

... link  

 
Richtig. Bis zu dieem Punkt immer, und danach nie mehr.

... link  


... comment
 
die weise, in der sie, lieber don, zu reagieren pflegen, kommt mir seltsam vor - seltsam bekannt. denn in manchen situationen verhalte ich mich recht ähnlich (abgesehen davon, dass das blut heiss kocht und beinahe fast schaum schlägt, was dem italienischen temperament geschuldet sein könnte), der andere glaubt noch, ich nähme ihm sein fehlverhalten nicht übel, gar glaubt er, ich hätte nicht bemerkt, was er unter meiner nase oder hinter meinem rücken vollführte, obwohl man ihm den unmut recht deutlich ausdrückte, oder ich würde es als nicht gravierend bewerten, denn - hey, was ist schon dabei: die lebt ja immer noch gut. ja nun, denkt man dann so bei sich, und man lebt umso besser, je weniger man vom schrägen vogel da sieht; aber soll er sich doch in sicherheit wiegen, die allein der höflichkeit geschuldet ist und dem umstand, dass einem geschrei, auch leise vorgetragenes, verhasst ist. ein, zwei mal erlebte man auch schon solche anläufe, bei denen sich gestalten erdreisteten, noch einmal einen in ihre angelegenheiten hineinzuziehen. pfff...

in der reifung durch das leben stellt man absonderliches gar an sich fest: je mehr man mich reizt, desto höflicher werde ich.

... link  

 
Lustig, ich sitze gerade an einer sauuhnöflichen Mail um zu fragen, wo zum Teufel der abgesprochene uind befohlene Deppendienst kommt, den diese inkompetenten Kackbratzen zu erledigen haben.

Höflichkeit, ja. damit kommt man irgendwann auch nbicht weiter.

... link  

 
gemeint war der persönliche kontakt.

entweder sie schreiben das so ziemlich genauso wie hier oder sie verlegen sich, je nach beziehung zu diesen, wie sie, oje, äh, sagen, also, *hüstel* "Kackbratzen", auf einen geschäftsmässigen ton mit absolut klaren ansagen incl. deadlines. zuweilen ist es aber auch ganz spassig, einen ruf zu etablieren... dann holzen sie ruhig herum. wie man in den wald hinein ruft... so fliegt der shitstorm zurück. mei, wenn's was bringt.

... link  

 
Ich habe schon so viel versucht, es passt einfach hinten und vorne nicht. Die haben einfach keine Lust, und ich kann sie nicht umgehen.

... link  

 
hm, das ist dann blöd.

... link  

 
Auch bekannt unter "Behörde".

... link  

 
aha, die kaminkehrerconnection et alii lässt grüssen.

in dem land, in dem ich lebe, ist das anders, ganz anders. im übrigen hat der stadtrat einem kaminkehrer die pfründe weggenommen, weil er nicht unoffensichtlich heizungsbauern zuarbeitete; ein ziemlich ungehobelter kerl. erst gab es einen wörtlichen kehraus, und nun kehrt ein anderer.

... link  


... comment
 
Ihr See ist so ruhig wie die Hudson-Bay
Karl Kaufmann, quatsch, Bürgermeister Bloomberg gab soeben bekannt, daß New York jetzt aussehe, wie man es auf Bildern nach dem II. Weltkrieg kenne:

http://www.youtube.com/watch?v=ZpAp2MCecgM
(ab ca. 1:40)

Der Bericht von 18 Todesopfern stimmt also nicht, vielmehr sind mehr als 40.000 Frauen und Kinder in windstiller Nacht verbrannt.

Nachdem ich am 12.9.2001 schon über die Bemerkung Matuscheks, derzufolge die Taliban "die New Yorker Finanzphalli zur besten Sendezeit kastriert haben", schmunzeln musste, haben mich Bloomberg und seine vollgesuppte U-Bahn nun erst recht schön erheitert.

Vielen Dank, lieber Don, dass Ihr Blog auf diese Lapalie gar nicht erst eingeht.

... link  

 
Wie wahr...
Höflichkeit wird gern ausgenutzt, und ich schätze das viele es als Zeichen von Schwäche ansehen. Wenn ich so zurückblicke, hätte ich mir viel Ärgernis ersparen können wenn ich schon damals den Ratschlag meiner Mutter befolgt hätte:

"Einmal höflich sein, und wenns dann nicht funktioniert, gehen lassen..."

Beste Grüße Thomas

... link  

 
Das amerikanische Geschichtsbewusstsein ist jenseits der Mayflower kurz, grau und zerkratzt.

Das werde ich in Zukunft auch so halten.

... link  


... comment
 
http://gig.antville.org/stories/2141927/#2141993
Bild Nr. 8, vgl. oben Bild Nr. 8. Da muß ich doch mal schmunzeln.

... link  

 
Da war keine Absicht. man kann eigentlich in Renterregionen gar nicht anders, als solche Leute zu sehen.

... link  

 
Ja, ist klar. Ich fand's aber doch heiter. Die drei Herren könnten einen Stammtisch gründen.

... link  


... comment
 
Das Schwierige ist ja die mitunter an Selbstschädigung grenzende Höflichkeit in privaten Dingen, die man oft an den Tag legt. Man denkt sich oft zu lange, dass dieser oder jender Konflikt nicht lohnt, ausgetragen zu werden. Irgendwann führt dies dann dazu, dass durch die Summe all der ungelösten, unwidersprochenen, unschönen Situationen ein immer weniger erträglicher Zustand entsteht, der dann nur um den Preis unwiderruflich zerstörter Beziehungen zu bereinigen ist, und oft gelingt einem noch nicht mal ein Ende mit Schrecken, sondern das Andere. Typischerweise dann, wenn man sich den Leuten nicht ohne Weiteres auf Dauer entziehen kann - unliebsame Verwandte einschließlich Eltern wohnen vielleicht in einer anderen Stadt und man muss sie nicht sehen, aber was ist mit Nachbarn, unmittelbaren Kollegen, dem Ehepartner oder dem anderem Elternteil des gemeinsamen Kindes? Für mich weiß ich, ich muss da an mir arbeiten, und ich glaube, vielen geht es auch so.

Immerhin: Beruflich habe ich mir mittlerweile angewöhnt, ganz klare Ansagen zu machen - gute und schlechte. Wer im Tonfall unverschämt war, bekommt höflich, aber eben klar, genau dies gesagt, und je nach Schwere auch mit dem Vorgesetzten auf cc:
Ähnlich, wenn sich die Beteiligten von Witchtig-Wichtig-Projekten in kollektiver Hysterie ganz großartig finden, während sie lediglich Arbeit zu delegieren versuchen, gehört dann einfach mal klar gesagt, dass sie Quatsch machen und sie gefälligst ihre Arbeitsbeiträge ordentlich abzuliefenr haben.
Glücklicherweise bin ich in der der privilegierten Lage, auch als Angestellter so unabhängig agieren zu können, dass ich das tun und sagen kann, dank eines Vorgesetztem, der mir diesen Freiraum läßt und notfalls auch andere Strippen zieht. Aber ich glaube, auch wenn man diesen Freiraum nicht hat, kann man oft mehr tun und sagen als man glaubt.

Es ist ein wenig wie die Krankheit political correctness. Dinge nicht beim Namen nennen zu dürfen, oder anderen die Definitionshoheit über Begriffe überlassen, führt am Ende dazu, dass alle zueinander scheinbar furchbar nett sind, aber ganz gemeine Sache tun und sagen. Die Schwester der Krankheit ist das zur sprachlichen Schönfärberei verkommene "positive reframing" - was im Einzelfall ein interessantes Instrument sein kann, wird als Gewohnheit einfach nur irreführend, mit Furunkeln, die Namen wie "Krisen-PR", "Litigation PR" oder "Spin" tragen.

... link  


... comment