: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Donnerstag, 8. November 2007

Empfehlung heute - Social Spamming

bei der Communityseite Facebook kommt beim Werbeblogger nicht allzu gut an.

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Sozialistisch-kapitalistische Joint Ventures

Auf dem Weg vom Hotel bei Chemnitz zur Autobahn ist eine Umleitung, die durch die Aussenbereiche von Frankenberg führt. Man fährt über ein paar Hügel und Dörfer zwischen Neubau und Zurfall, kommt eine gewundene Strasse entlang, und sieht nach einer Kurve unvermittelt das hier:



Ein grandioser Industriebau, der Traum aller Projektentwickler, die Turmzimmer werden ein Vermögen kosten, wenn das Gebäude in München wäre. Oder sonstwo im besseren Westen. Aber das hier ist Sachsen, und Kommunismus und Kapitalismus haben sich zusammengetan, um das Gebäude umzubringen.



Der Volkseigene Betrieb, von dessen Erzeugnissen sich keine Spur mehr findet, wurde irgendwann aufgelöst und ins postkommunistische Nichts geschickt, und danach kam der Westen und die Investition, bestehend aus frischer Farbe und einem pink gefärbten Schild mit der Aufschrift "Möbelparadies". Einen Parkplatz davor haben sie freigeräumt, und dann ging es los mit dem Verkaufen.



Die Werbemittel waren alles andere als teuer, für den Osten hat es offensichtlich gereicht. Den DDR-Betonzau hat man aber nur dort entfernt, wo er der Einfahrt im Weg war, und ansonsten hat man es nicht für nötig befunden, sich längerefristig mit der Immobilie zu beschäftigen.



Denn als jemand die erreichbaren Fenster eingeworfen hat, wurden die Scheiben nicht erstetzt, sondern mit pinkfarbenen Vorhängen notdürftig verschlossen. Der Glaser war selbet bei diesen einfachen, aber sehr schönen Fenstern zu teuer.



Zu teuer wäre es wohl auch gewesen, mehr als die Fassade zu streichen. Hinten ist der Komplex noch immer so, wie er am Ende der DDR war, nur eben nochmal 18 Jahre lang runtergekommen und abgewirtschaftet, und durch den Leerstand wird das auch nicht besser.



Gegenüber steht das, was die Fabrikantenvilla gewesen sein dürfte, mit schönem Blick auf das früher grandiose Gebäude, und heute sind sie Partner im Niedergang und Zerfall. Das liest sich hier sehr ruhig, weil ich meinen Hass auf die, die solche Verbrechen begehen und verantworten, nicht anders ausdrücken kann, aber beim Bearbeiten der Bilder kommt sofort wieder mein Abscheu vor der Verantwortungslosigkeit hoch, die so etwas zulässt und - politisch - vermutlich auch noch fördert.



Denn die Heuschrecken sind längst weitergezogen. Das Ding hat seinen Zweck erfüllt, irgendwo steht jetzt ein neuer Glasbetonbau mit dem gleichen Möbelramsch wie früher, und zurück bleibt nur eine kaputte Ruine, die ein Traum von einem Gebäude sein könnte, da muss man kein Immobilienfondsinitator sein, um das enorme Potential zu sehen, das hier vor die Hunde geht, weil woanders die grüne Wiese zugeschissen wird. Und womit?



Gleich daneben ist die nächste Ruine, noch ein Möbelladen, nach der Wende errichtet, auch leer, kaputt, hässlich, abgewirtschaftet, eine Beleidigung für jeden, der ein wenig Sinn für Gemeinschaft und Schönheit hat, das sind sie, die blühenden Landschaften im November, 18 Jahre später, und ich kann nicht anders als denen, die das zusammengebracht haben, den Kohls, Honeckers und wie sie alle heissen, die Wendehälse, die Investoren, die Berater und die Treuhand, all die Abkassierer und Ausschlachter, die Pest an den Hals zu wünschen. Oder wahlweise einen lebenslangen Aufenthalt auf der Chemnitzer Erotikmesse. Bitte dazu auch gleich die Herren Finanzinvestoren und die Heuschrecken der Adicals, Trigamis und Blogalsbusinessbegreifer, die linker Neoloiberalismusfasler, die Abzocker, die hier auch nur solange sind, bis sie woanders ein grünes Stück Wiese für das Hinterlassen anderer Ruinen finden.

Ich meine das mit meiner Verachtung übrigens persönlich.

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