: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Donnerstag, 1. November 2007

Es ist vorbei

Gerade, weil heute nochmal so ein unfassbar schöner, lichtdurchdrungener Tag war, von den silbergleissenden Nebelresten am Morgen, über das tiefe Blau des Mittags bis zur samtrot gesäumten, sternenfunkelnden Finsternis der Nacht, weil alles irgendwie nach Frühling aussah und die letzte Lüge des Sommers verbreitete, und weil die lustigen rotweissen Sonnenschirme an den Stände am Friedhof der Anderen dieselben anlachten, die sich heute aus Prestigegründen beim Wandern zwischen schwarzer Erde und modrigen Steinen blicken lassen mussten; weil es so anders war als das, was unweigerlich kommen wird, ist es Zeit, ein Einsehen zu haben: Es ist vorbei.

Das hat auch der Herr erzählt, mit dem ich heute unterwegs war, vom Alter, von der Plage, ein Nest bauen zu müssen, vom Bausparvertrag und all den Verpflichtungen, die einen festzurren beim Weg, der nur ein Ende und keine Seitenstrassen kennt, und der so schnurgerade verläuft, dass man ohnehin weiss, was einen zum Schluss erwartet. Man trennt sich irgendwann von seiner Jugend, fährt einen Kombi und bekommt gesundheitliche Probleme. Man nimmt Abschied von den Schwärmereien und konzentriert sich auf das Machbare, und so ein Windelwechsel ist auch immer wieder ein Sieg, ein kleiner.

Am Ende hat er für seine Spitfire einen Betrag verlangt, der in etwa sagte: Junger Mann, ich habe das Ding zehn Jahre kaum mehr bewegt, und ich habe definitiv nicht die Zeit dazu, es herzurichten, aber ich will verflucht sein, wenn Du mal mit meiner Spitfire vorbeifährst, mit der ich damals in Sardinien, Italien, Frankreich, weiss der Teufel wo war, und deshalb klemme ich mich diesen Winter dahinter, und nächstes Frühjahr, mein Bester, zeige ich dir und deinem Italorutscherl, was übersteuern bedeutet, pass also auf, wenn du eine Spitfire im Strassengraben siehst.

Und ich antwortete indirekt, dass ich die Spitfire nicht will, weil ihn als verdammten Trottel verfluchen würde, wenn er mein Vater wäre und ich sein 14-jähriger Sohn, und er würde diesen Wagen mal eben so verkloppen, insofern passt es schon, und ausserdem ist es jetzt ohnehin erst mal vorbei, mit dem offen fahren, das vor 8 Monaten begann.



hast du italienisch auto, brauchst du nix amerikanisch kürbis

Ich fahre normalerweise nie zum Spass Auto, da muss es schon einen Zweck geben; Umwege können passieren, wie schnell biegt man auf eine enge Bergstrasse ab, und ich fahre schon mal drei Pässe, um an das passende Olivenöl zu kommen. Aber heute bin ich dann völlig sinnlos, ohne Grund durch den Abend und die Nacht gefahren, offen, im Wissen, dass es wirklich bald vorbei ist, und im Gedenken für all diejenigen, die vielleicht auch könnten, aber ihre Roadster eingemottet und sich in der Vorstadt lebend begraben haben. Hölle, es war verflucht kalt, kalt wie der Tod, den ich mir irgendwann durch so ein Verhalten hole. Geholt habe ich dann aber - um dem ganzen wenigstens den Anschein eines Sinns zu geben, eine 15-schichtige Marzipan-Nougattorte aus dem nächsten Ort.



Denn wenn es schon vorbei sein muss, dann wenigstens so, dass ich meinen Spass habe, bis sich Zahnschmerzen und Grippe im nicht mehr schockgefrosteten Körper ausbreiten.

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Der November kann kommen

wenn er so bleibt:



Und jetzt bitte jeden Tag so bleiben, bis März, danke, so machen wir das.

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