: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Sonntag, 29. August 2004

Nach dem Einschlag

Der Kirch-Konzern hatte in den letzten Jahren seines Bestehens durch die Fragmentierung seiner Tochtergesellschaften enorme Überkapazitäten an Verkaufs- und Geschäftsentwicklungspersonal. Man stand sich gegenseitig auf den Füssen, und verwendete den Grossteil der Arbeitszeit für ein irrwitziges Kompetenzgerangel.

Solche Systeme bekommen schnell eine rasante Eigendynamik. Die Leitung des Konzerns fand jede Form von zukunftsgerichtetem Ausbau gut, weil die Gegenwart meistens nicht wirklich schön war. Es wurde eingestellt, was das Zeug hielt; am besten von den lächerlichen Marketing-Akademien des Landes, die dann Seilschaften entwickelten. Es wurden Posten vergeben und Karrieren hingelegt, die eigentlich nur aus neuen Visitenkarten bestanden. Fast täglich meldeten Kress.de und Horizont.net neugeschaffene Leitungsposten in neugeschaffenen Units.

Momentan bekomme ich im Brotberuf häufig Anrufe von irgendwelchen Kleinstklitschen, von denen ich noch nir etwas gehört habe. Fast immer irgendas mit Vertrieb von Medienprodukten, Marketing, Image Building, fast immer mit diesen witzigen 99er Namen: Blueirgendwas (Bei Liquide heisst eine abstürzende Firma Blue4Media), Blabla4irgendwas, dann aber auch Visions und, gerade wenn Frauen die Inhaberinnen sind, irgendwas Süsses, verspieltes wie Candyfasel oder Freshgeblubber. Aus irgendeiner Grossstadt, und meistens in einer loftigen New-media-Ansiedlungs-Meile.



Bevor man überhaupt weiter diskutiert, schaut man erst mal nach, wer das eigentlich ist. Und viele leitendes Personal dieser Agenturen haben einen Lebenslauf mit einer Station bei Kirch, als der Laden pleite ging. Dann eine Lücke, und dann ab 2003 eine eigene Firma. Wenn man dort anruft, geht immer die Chefin ran. Mitarbeiter erzählen, dass sie ja eigentlich nur frei hier arbeiten und oft nicht da sind.

Eigentlich müsste die Geschichte lauten: Nach der Pleite gefeuert, denn Saban hat in diesem Bereich gnadenlos aufgeräumt. Dann die Abfindung durchgeorgelt, arbeitslos gewesen, keine Stelle trotz der tollen früheren Position gefunden, sich so lange bei den Absagen mit dem Wort "überqualifiziert" den Bauch pinseln lassen, bis sie es geglaubt haben - und dann haben sie ihr eigenes Ding aufgemacht. Oft nicht in München, weil es da zu teuer ist. In allen grösseren Städten sitzen sie jetzt, die Ex-Kirchler, machen Kontakte über OpbenBC, geben Golf als Hobby an, und warten darauf, dass es besser wird. Vetreten die Interessen anderer Kleinstfirmen auf Provisionsbasis. Suchen nach einem Loch aus diesem Wirtschaftskreislauf der immer gleichen, immer vom Konkurs bedrohten Media-Creativ-marketing-Werbungs-Webdising-Branding-Szene.

Und klingen sehr schnippisch, wenn ich ihnen mitteilen muss, dass wir auf ihr Anliegen leider nicht zurückkommen werden. Ja, ich weiss, es ist ein gutes Angebot, aber im Moment, leider, nein, wirklich nicht, und auch in zwei Wochen wird sich unsere Position nicht grundlegend geändert haben, danke.

... link (12 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Sonntag, 29. August 2004

Road 2 nowhere

Mitten in Mitte, nahe der Gipsstrasse, ist ein etwa holocaustdenkmalgrosses Loch in der Besiedlung. Neben den obligatorischen Trümmern, kaputten Möbeln, alten Fetzen und erheblichen Fast-Food-Essensresten ist dort auch der Rest einer Strasse, die dann weiter hinten an einem Grundstück mit Neubau endet, in dem offensichtlich vermögende, spiessige Leute wohnen.



Man könnte es zur wahren Gemeinschaftsrepräsentanz des Ostens in Berlin ernennen. Oder zum Mahnmal für die Berliner New Economy. Beides würde passen, und quasi nichts kosten.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Deja Deja Deja vu

Innerhalb von 48 Stunden haben mir drei Leute erzählt, dass kleine Stellen in ihrer Firma zu Profit Centern/Ich AGs/Spin Offs umgebaut werden. Zumindest in zwei Fällen sollen die betreffenden Mitarbeiter begeistert von den dadurch neu entstehenden Chancen und persönlichen Möglichkeiten zur Verwirklichung am Arbeitsplatz gewesen sein. Besonders schön: Ein Fall, in dem drei Leute eine GmbH werden, und die Buchhaltung dann wieder an den Mutterkonzern outsourcen.

Es ist irgendwie beruhigend, dass kein Informant von meinem Gelächter beleidigt war. Es gibt noch Inseln der Vernunft im aufgewühlten Meer des Irrsinns.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Real Life 28.08.04 - Aus dem Verenden eines Taugewas

"Ja, also, klar will ich gründen. Das gehört einfach dazu, wenn man schon zur Elite gehört und seinen Abschluss in Witten gemacht hat. Aber auf so Zeug wie BCG und, was ihr kennt BCG nicht, na Boston Consulting Group, Marktführer, eh klar, drunter würde ich das doch nicht machen, kommt mir ja nicht mit den Stinkern von AT Kearney oder den McK-Prolos, wo war ich? Ach so, jedenfalls hab ich gesagt, ne BCG und Goldmann Sachs können ihre Headhunter wieder einpacken, ich mach meine eigene Firma auf. Das wird eine Mega-Success-Story, keine Frage, aber was ich gerade gemerkt habe, beim Schreiben der Powerpoint-Sheets für die Präsi: Ich mach das nicht nur wegen dem Geld. Ne, es geht mir auch um den Trip.

Ohne Link. Aber so oder ähnlich in einem Blog eines Elite-Absolventen gelesen. Ich dachte, die derartig gepolten Exemplare wären ausgestorben - zumindest waren sie das weitestgehend, als ich meinen aktiven Dienst im Auftrag einiger Investoren quittiert hatte (Liquide-Leser verstehen die Anspielung). Aber offensichtlich hat man welche nachgezüchtet.

... link (24 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Freitag, 27. August 2004

Vockerode Teil 3

Nach Teil 1 und Teil 2 im örtlichen Kulturzentrum hier die Firmen, die sich auf der anderen Strassenseite befinden.



Einfach auf das Bild clicken. Man hat die Gebäude wohl nach der Wende teilweise restauriert oder weitergenutzt, aber inzwischen sind sie Ruinen.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Vockerode Teil III

Auf der anderes Strassenseite schliesst sich ein ganzer Block mit aufgelassenen Fabrikgebäuden an.



Es sind typische Bauten der 60er, 70er und 80er Jahre, als Vockerode durch das Kohlekraftwerk noch eine Boomtown war.




Irgendwann in den 90ern muss es eine Zwischennutzung als Wohnungen gegeben haben. Dafür sprechen die Vorhänge, die von aussen zu sehen sind.




Die Gebäuse selbst sind verrammelt. Das ist eher ungewöhnlich. Viele andere Ruinen in der DDR werden aufgebrochen. Allerdings ist gegenüber ein trister Gasthof. Der hält die Vandalen an dieser Stelle vielleicht ab.




Auf dem neuesten Gebäude der Anlage wurden sogar noch Sattelitenschüsseln angebracht. Wahrscheinlich glaubte man daran, dass bald die blühenden Landschaften entstehen würden. Inzwischen ist dort alles leer, und die Scheiben sind eingeschlagen.




Auch die silberglänzenden Rohre dürften eine Neuinvestition nach der Wende gewesen sein. Sie verbanden einige der Gebäude.




Der Garten mit den alten Wegen und Stahltreppen über die Rohre ist völlig verwildert. Seit einigen Jahren dürfte er wohl nicht mehr gepflegt worden sein.




An der Plattenstrasse zur Fabrik steht ein dreigeschossiges Wohnhaus aus den 60er Jahren. Auch hier ist kein Leben mehr. Alle Fenster, bis in den dritten Stock hinauf, wurden eingeworfen.




Das Hauptgebäude der Fabrik hat starke Bezüge zur Bauhausarchitektur; innen muss es sehr hell gewesen sein. Und tatsächlich ist Dessau nicht weit von Vockerode entfernt.




Allerdings scheinen die architektonischen Qualitäten keine Rolle zu spielen. Vermutlich wird das Gebäude irgendwann abgerissen.

Zu Teil 1 und Teil 2.

... link (3 Kommentare)   ... comment


Real Life 27.08.04 - Amazoten

Wirklich nett: Ein Buch erscheint im September. Anfang September ist erst die Presse-Präsi. Bislang ist es bei Amazon nicht zu kaufen. Trotzdem haben sich schon mal drei Jubelrezensionen eingefunden; von "Lesern", die zum ersten mal auftauchen. Die erste Rezensentin ging bei Amazon mit ihrer Besprechung am 22.8. online, das heisst, sie müsste das Buch so gegen den 15.8. bestellt haben, wenn alles extrem schnell ging - quasi bestellen, lesen, Rezension schreiben, abschicken, Amazon hätte es sofort veröffentlicht. Na, sie wird es wohl doch eher schon Anfang August gehabt haben - wenn es sie denn wirklich gibt.

Der Autor des Buches ist Startup-Unternehmer, btw. Und Amazon wollte aufpassen, dass es keine Fake-Besprechungen mehr gibt. But hey, it´s New Economy, Baby. Alles virtuell.

... link (4 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Donnerstag, 26. August 2004

Elevator Pitch

In der guten, schlechten alten Zeit lernte ich mal einen jungen Mann aus dem Risikokapitalgeschäft, dem VC Business, im Aufzug kennen. Das war Ende 2000, als noch niemand so recht an das Ende der New Economy glauben wollte. Vom Keller bis zum Erdgeschoss hatten wir Visitenkarten getauscht, ich sagte ihm, dass ich ein paar Investments kannte, er wollte bis zum ersten Stock wissen, wie ich sie fand, ich warf bis zum dritten Stock ein paar Usability-Brocken hin, und beim Aussteigen sagte er, ich solle ihn unbedingt nächste Woche anrufen, da geht sicher einiges, wir würden uns verstehen. Dann ging die Tür zu, und brachte mich in den 4. Stock.

Die Woche drauf trafen wir uns in einem der typischen VC-Cafes - nicht im Odeon in der Theresienstrasse, das erst in der Zeit nach dem Hype zum Treffpunkt für die "Szene" werden sollte, sondern in einem Laden, der es vor allem auf die Apanage junger BWL-Studenten abgesehen hatte, mit braunen Wänden, geschnörkelter Speisekarte und Pseudo-Art-Deco an der Bar. Wir sprachen ein Projekt durch, bei dem sie eine kleine Summe als Starthilfe investiert hatten. Das war ganz schnell gegangen; die Gründer hatten sie auch im Aufzug angesprochen, und die Idee war sofort verständlich: Das musste einfach ein Erfolg werden. Nur die Website sah noch ziemlich traurig aus. Ich solle doch mal was über die Probleme schreiben, zu den üblichen Tarifen, sie würden das dann mit denen umsetzen.

Ich bin ein sprunghafter Mensch. Ich schob alles andere beiseite, hackte die 20 Seiten Usability-Report in drei Tagen runter, schickte sie mitsamt Rechnung, bekam mein Geld, und alles war gut. Für mich. Angewendet wurden meine Erkenntnisse dann nicht mehr. Was die Gründer im Aufzug nicht mehr loswerden konnten, und dann auch nicht mehr erwähnten, war ein entscheidendes Problem: Für den Betrieb ihres Shops hätten sie Lizenzen benötigt, die sie nicht hatten. Die Post von den Rechteinhabern nahmen sie erst dann ernst, als es Gerichtsbeschlüsse gegen sie gab. Sie hätten rund 15.000 Euro mehr gebraucht, um die Anwaltskosten und die fälligen Rechnungen für den Betrieb zu zahlen. Sie gingen pleite, ohne auch nur jemals einen Cent verdient zu haben. Ziemlich genau eine Woche, nachdem ich meinen Bericht abgeschickt hatte. Der Investor versuchte im letzten Moment, sein Geld zu retten - keine Chance.

Man sagt, so eine Fahrt im Aufzug würde zumindest reichen, um den anderen einschätzen zu können. Es stimmt nicht. Im Aufzug reagiert man ganz anders als im realen Leben. Wollte man wirklich aussagekräftige Elevator Pitches machen, müsste man 220 Stockwerke nehmen - und zwar abwärts, im freien Fall nach unten, mit nur einem Fallschirm an Bord. Wer in dieser Situation den anderen den Fallschirm abquatschen kann, überlebt auch als Startup.

... link (2 Kommentare)   ... comment


Ratten

Mein Yahoo.de-Account klassifiziert Gmail Invitations als Spam. Clever. Aber nicht clever genug.

... link (2 Kommentare)   ... comment


Begin to beat

Wenn man diese Launchphase schon mal mitgemacht hat, sollte einen die Beschleunigung in den letzten Tagen davor nicht mehr überraschen. Alles ganz normal, die Hektik, die zusätzlichen Tasks, die Deadlines, die mit immer höherer Geschwindigkeit genommen werden müssen. Immer schön am Limit bleiben, dann passt es. Trotzdem nur ein Routine-Einsatz, denken die, die sowas noch nicht mitgemacht haben.



Routine, klar. Der Unterschied zwischen ihrer Sicht der Dinge und meinem Erleben ist in etwa so gross wie der zwischen Telefonsex mit Bandansage und Ficken. Routine ist Bullshit.

... link (0 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Mittwoch, 25. August 2004

Tempo Revival

Herr ichichich vor dem Fehler seines Lebens. In Leipzig hingegen feiert man am 27. August das, was er weggeben will.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Real Life 25.08.04 - Der Teufel ist ein Eichhörnchen

Der fundamentale Unterschied zwischen Journalisten und Autoren ist die Schwatzhaftigkeit. Grob gesagt, ist ein Journalist ein Mensch, der die Klappe nicht halten kann. Während Autoren kein Wort über die Modaltitäten ihrer Verträge verlieren, gehört das Protzen mit übermässigem Zeilengeld, Pauschalhonoraren und Nebeneinkünften gewissermassen zur Imagebildung des erfolgreichen Pressemenschen.

Insofern ist es dumm von Verlagen, Journalisten anzuheuern. Heute kam ein Anruf von einem Journalisten/angehenden Jungautor in spe, der von einem Verlag ein Angebot erhalten hatte. Es klang alles sehr vertraut, die Schliche, die Finten und die kleinen Hintertüren, die sich der Verlag offen gehalten hat. Ich hatte so einen Vertrag schon vor ein paar Monaten mal über Schleichwege in die Hände bekommen, und der Bitte eines Journalisten mit einigen Bauchschmerzen nicht entsprochen, ihm das Ding zu schicken, für einen Beitrag über die aktuellen Methoden gewisser Verlage.

Wie sich schnell herausstellte: Der identische Verlag. Auch diesmal: kein Forwarden. Ich mache mir die Hände nicht schmutzig. Aber ich informiere den angehenden Jungautor, dass er das Buch bei einem anderen Verlag machen soll. Mal schaun, ob er die Klappe hält. Ich richte solang meinem Verleger schon mal einen Altar ein und bringe Brandopfer dar.

Und nein, ich würde NIE Verträge als Word-Dokument verschicken.

... link (20 Kommentare)   ... comment


Also das überrascht mich jetzt nicht weiter



What Classic Movie Are You?
personality tests by similarminds.com

... link (6 Kommentare)   ... comment


Coffee2Leave,

noch gefüllt, ein vergessener Fahrradschlüssel, und dahinter ein Alfa, wahrscheinlich geleast.



Berlin im Sommer 2004 eben.

... link (0 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Mittwoch, 25. August 2004

Bei wenigen Werbeagenturen kann ich es verstehen.

Dass ich ihre IPs hier finde. Bei vielen anderen überhaupt nicht. Das sind vor allem die "Marktführer", die im Netz so kreativ wie ein McK-Handout sind. Und die, die ich in meinem langen Dasein als Don Alphonso bei Dotcomtod immer wieder geboot habe. Nicht, dass ich Werbeagenturen hassen würde, auch nicht die grossen Netzwerke. Aber eigentlich dachte ich, dass der Cultural Clash zwischen ihrer psychotischen !!!-Ticke und meinem ziemlich nihilistischen Ansatz zu gross ist, als dass sie das hier als Entertainment Channel auffassen würden.

Zumal ich nichts über Werber schreibe, über ihre 24/7-Schaffenskrisen, ihre Afterwork-Löcher, über die internen Konkurrenzkampf und der naturprallen Egomanie, die man mitbringen muss, wenn man volle Leistung in einer Firma bringen will, wo eigentlich keiner weiss, wie das geht. Wo die Mörderfackel, eine beschissene Anhäufung von Creativ-Writing-Floskeln aud dem Highschool-Proseminar als Kultbuch gilt. Über die kreischenden Tussis, die auch nach 12 Stunden Arbeit beim Abendessen unter Kreativzwang stehen. Die sich bei jedem Topic erst mal selbst neu branden müssen.

Wiegesagt, kein Wort darüber hier. Ich kenne es, kann mich aber nicht reindenken. Ich kann die Denke eines VCs annehmen, ich kann Berater simulieren, ich kann McK-Partner-joval sein und markwortmässig fies. Ich habe so ziemlich alles gesehen, in allen möglichen Zuständen von depri bis zugekokst, aber Werber - ne. Nicht meine Welt.

Also, what the hell macht ihr hier?

... link (22 Kommentare)   ... comment


Real Life 24.8.04 - Die talentierten Mr. Ripleys

48 Seiten dick ist die Mappe., da da als Initiativbewerbung reingeflattert kommt.Alles hübsch knapp gehalten; könnte glatt ein Buch werden, ein Roman eines jungen Lebens, wenn es etwas ausgewalzt wäre. Ein Roman ohne Eigenschaften. Unfassbar, was da an Qualifikationen drin steht. Auch nur 9 Semester bis zum Abschluss; ich frage mich, wie das geht, wie man daneben noch gelebt haben will, und all die Dinge machen, von denen die Zeugnisse Auskunft geben. Alles atmet diese naturpralle "Best man for the job"-Attitüde. Ich frage mich, wer denen das beibringt. Und warum. So kriegen sie sicher einen Job bei einer Consultingfirma, wenn sie zu den 5% Glücklichen gehören, die im Auswahlverfahren durchkommen. Aber warum soll man jemanden einstellen, dessen Leistungsbereitschaft ihn früher oder später dazu bringen wird, nach meinem Stuhl zu spähen?

Auf der anderen Seite ist da eine junge Frau, der ich durch die Blume ein angeblich nicht existierendes, noch zu schaffendes Praktikum nahegelgt habe, Papierform unter aller Kanone, laut Selbstauskunft wankelmütig, Studienabbruch, unstetig, und nicht im Mendesten den Anforderunegn entsprechend. Eigentlich. Aber unglaublich talentiert.

Vor ihm und seinen 48 Seiten Qualifikation müsste ich als Nobrainer, der sich nur mit der falschen Behauptung, dass er es kann, auf die forderen Plätze geschoben hat, auf die Knie gehen und dankbar sein, dass er unter so jemandem arbeiten will. Es würde nicht gut gehen. Diese Jungs werden es nie akzeptieren, dass es auch ohne die 48 Seiten geht, die ihnen das Recht garantieren, den Posten zu bekommen, aufzusteigen und andere wiederum nach den 48 Seiten zu selektieren.

Deshalb werde ich der Studienabbrecherin in den nächsten Tagen, wenn das Praktikum bewilligt ist, nochmal eine Mail schreiben, sie soll sich mal für den Winter was überlegen. Ihre Unarten kenne ich ja schon, damit kann ich leben. Und arbeiten.

... link (12 Kommentare)   ... comment


23,5 x 16,5 x 3,2

ISBN 3-89602-600-3


... link (7 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Dienstag, 24. August 2004

Und falls es mit dem Buch nicht klappt

werde ich mit meinem neuen Geschäftszweig eben auch am Verramschen verdienen.



In bester Lage, nahe Hellersdorf. So geht erfolgreiches Gründen, ihr Dotcom-Luschen.

... link (5 Kommentare)   ... comment


Bilder vom Tatort

Der Stream muss rechtlich noch geklärt werden, aber hier sind schon mal die Bilder aus dem alten Art Deco Funkhaus in Schöneberg. So eine ON AIR Lampe will ich auch...

... link (5 Kommentare)   ... comment


On Air today.

Der Interviewreigen beginnt. Ab 15.15 Uhr sitze ich im Studio in Berlin und werde nach Köln geschaltet. So gegen 15.30 wird das Interview dann live, ungeschnitten, und mit allen Ähs und Verhasplern in der Sendung “Corso” on Air gehen. So 10, 12 Minuten haben wir Zeit. Es werden die schnellsten 10, 12 Minuten des Jahres werden.

Der Deutschlandfunk ist auch über Internet zu empfangen.

Update: Herausgeber Kai Pahl hat eine sehr nette Art, mich als Medienhure zu bezeichnen. Das nächste Mal ist er am Drannsten...

Nachtrag: Am Lustigsten war der Moment, als der Moderator Kai´s Namen nicht aussprechen konnte. Ab jetzt sage ich nur noch Kai "da fehlt ein Buchstabe" Pah(l) zu ihm.

... link (20 Kommentare)   ... comment


Orzechower See

Sie hat nach zwei Tagen schon wieder genug von Berlin, vom Rumlaufen, vom Schmutz, den Häusern und den Menschen. Sie will raus, ins Wasser, an einen See, weil es vielleicht der letzte heisse Tag ist. Aber sie will allein baden, ohne diese Horden hier, ohne kreischende Kinder und Grillgestank. Und ans Meer ist es zu weit für diesen angebrochenen Tag. Und überhaupt ist sie nicht einfach zufrieden zu stellen; sie erfordert die volle Pflege eines Luxusweibchens, ohne dass sie Luxus ausstrahlen würde. Aber vielleicht ist der sinnlose Aufwand der wahre Luxus?

Du sagst, du kennst diesen See, von dem sie träumt, sie soll ihren Ausweis mitnehmen, und dann fahren wir nach Polen. Sie ist erst ein wenig misstrauisch, aber als du sie raus aus der Stadt durch die Alleen der Mark Brandenburg fährst, als das Auto mit den gemächlichen 70 Stundenkilometern über Hügel und an den Radarfallen entlang der Bundesstrasse 158 vorbei gleitet, klaut sie dir die Sonnenbrille, schaut hinaus und entspannt sich. Es gibt hier zwar auch Ruinen wie in Berlin, aber die sind wenigstens eingegrünt. Der Fahrtwind streichelt ihr hübsches Gesicht, und sie summt schrecklich falsch Lieder im Autoradio mit.

mehr hier

... link (2 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Montag, 23. August 2004

Countdown läuft

Heute Nacht, 0 Uhr, läuft die Sperrfrist für das Buch aus.



Exakt 5 Tage später trifft es beim Verlag, bei der Auslieferung und bei mir ein. Eine einjährige Phase geht damit dem Ende entgegen, haha, war nur ein Witz, sorry.

Nichts geht zu Ende. Bis hierher war es nur der Transfer ins Zielgebiet. Jetzt wird es ernst. An das seltsame Gefühl, jeden Tag auf die Rezensionen zu warten, den Aufstieg im Amazon-Ranking zu verfolgen, die Kontrollanrufe bei der Bodenstation im Verlag, die hektische Kooerdinierung der Daten und Orte, das alles kommt noch. Es gibt über 150 Vorbesteller, ein paar Dutzend Follow Ups werden noch kommen, und ich erkenne auf Anhieb 10 Feinde, die es hassen werden. Nicht nur, weil wir es geschafft haben, und sie noch immer auf ihren Manuskripten sitzen. Nicht nur, weil ich ihnen in meinem langen Dasein mehr als einmal begegnet bin. Sie werden es hassen, weil es anders ist. Und dann gibt es noch die Ignoranten, die pauschal alles niedermachen, was jung, neu und ungewöhnlich ist. Oder gar Internet, igitt wie kulturlos.

Man lebt da oben in der Kanzel des Bombers über dem Kulturbetrieb, beim Anflug auf dieses Zielgebiet von der Hoffnung, dass es die verbohrten, selbsternannten Kulturreinheitsfanatiker so oder so irgenwann erwischen wird, diese Offline-Luschen, für die das Netz nur bedrohung oder Kommerz sein kann. Und man ist - das lernt man beim ersten Einsatz, der bei mir jetzt 14 Monate her ist - dem Ganzen nicht schutzlos ausgeliefert. Zum einem ist ein Buch, dieses besondere Buch eine Offensivwaffe. Will sagen: Wir fliegen einen Angriff gegen ihre Reputation, ihre Dünkel, ihre Arroganz. Zum anderen sind die Verrisse wahrscheinlich ineffektiv. Journalisten haben einen miserablen Ruf, oft zurecht, das einzige was zählt ist die Awareness, und die Leser machen sich schon ihren eigenen Reim darauf.

Kein Grund zum Klagen. Wir wollten das so. hey, this is gonna be big fun, und runter kommen wir alle irgendwann. Die Motoren laufen rund, es ist laut, es ist aufregend, was will man eigentlich mehr.

... link (6 Kommentare)   ... comment


Alles nur Fassade

Nur Stuck. Was ein ordentlicher Maurer ist, haut das in einer Stunde runter, verputzt neu, und malt am nächsten Tag drüber. So schnell geht das.



Ein Relikt aus den Zeiten, als man glaubte, eine gewisse Zukunft wäre für diese Gesellschaft in Stein gemeisselt, und bräuchte entsprechend dauerhafte Zeichen in der Architektur. Auch nicht neu. In Italien gibt es eine Reihe von Gebäuden, auf denen sich maximal niedrige zweistellige Ziffern befinden, und dahinter die Buchstaben E. F..

New Economy und italienischer Faschismus - das wäre mal ein interessanter Systemvergleich.

... link (5 Kommentare)   ... comment