: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Sonntag, 22. August 2004

Real Life 21.8.04 - Paradies mit beschränkter Haftung

Der Nachbar meiner Eltern hat für seine Tochter in Berlin eine Wohnung gekauft, und ist dort manchmal zu Besuch. Letzte Woche kam er wieder zurück, sichtlich genervt von all dem Dreck und den Belästigungen, und meinte, man würde bei ihnen im Paradies leben.

Da wusste er noch nicht, dass im gesamten Viertel nach den Hochwassern der letzten Jahre jetzt das Grundwasser zugeschlagen hat. Nebenan kann man nur noch mit Gasmasken ins Haus, weil der gesamte Keller verschimmelt ist. Bei meinen Eltern halten sich die Schäden noch in engen Grenzen. Aber es macht einen seltsamen Eindruck, in diesem perfekten Stadtviertel mit all seinen gepflegten Autos, grossen Gärten und repräsentativen Häusern Menschen mit Gasmasken zu sehen.

Möglicherweise wird das Haus abgerissen, und das schmiedeiserne Tor mit dem Rautenwappen und den Löwen wird dann auch verschwinden. Was in den späten 70ern als Ansiedlung junger, erfolgreicher Familien begann, ist inzwischen eine Rentnerkolonie, und jetzt, da die Keller morsch und schimmlig werden, ahnen sie, dass diese ihre Welt im Verschwinden begriffen ist. Ich glaube, sie haben vielleicht zum ersten Mal Angst, in einem Dasein, in dem Hartz IV oder Praxisgebühr nicht wahrgenommen werden. Sie befürchten nicht den Abstieg, dazu sind sie zu wohlhabend, aber das Ende ihres Wertesystems, in dem das eigene Haus einen zentralen Stellenwert einnahm.

Und was sie von ihren Kindern hören, ist auch nicht dazu angetan zu glauben, dass ihre Welt noch in Ordnung ist. Es ist vielleicht ganz gut, dass mein Vater nicht mit dem Internet umgehen kann. So bekommen sie die Lektionen hier aus dem Slum Berlin a.d. Spree nur stark gefiltert ab.

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Back from Bayreuth

and now for something completely different:



Nachdem der Skandal mit den weissen Schwänen auf dem grünen Hügel nicht wirklich funktioniert hat, geht es jetzt bei Church of Fear mit Altbewährtem weiter. Mindestens eine 80-jährige wurde schon dabei beobachtet, wie sie beim Anblick dieses Staff Cars die Strassenseite wechselte. Pudel Wolfi hat sogar heldenmütig gegen den Reifen gepinkelt.

Gar nicht so leicht heute, Trotzkis Idee der permanenten Revolution zu leben. Vielleicht hätte es der Glaubwürdigkeit von Bürgerschreck S. geholfen, wenn er nicht ausgerechnet bei Illies´Monopol publiziert hätte. Reicht doch, wenn schon Maxim bei Cicero den Biller vom Dienst macht.

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Rattensportarten

Schlechte Zeiten? Es gibt keine schlechten Zeiten. Personalberater verdienen im Hype als Recruiter, in der Stagnation als Optimierer und im Downturn als Sensemänner für das feige Management. Und wenn sie mit der Arbeit fertig sind, schreiben sie noch einen lustigen Wettbewerb aus. Für Zeiten wie diese, wo man es sich leisten kann, andere ein paar Monate hängen zu lassen:

Im Moment passt es nicht, vielleicht aber in den kommenden Monaten. Dann wäre es schön, auf den Bewerber wieder zukommen zu können.

Vielleicht findet sich bis dahin auch was Besseres. Oder er geht mit seinen Gehaltsvorstellungen runter. Alles Aspekte, die man berücksichtigen sollte, wenn man den Preis der Sklavenhalterinnung auf der Fachmesse für Personalwesen will.

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Freitag, 20. August 2004

Don´t blame me.

Ein Waschsalon ist nicht New Economy, sondern 80ies - wir alle erinnern uns noch an den Film "Mein wunderbarer Waschsalon", ein Film über das Gründen und Sex. Sex war in der New Economy kaum vorhanden, statt dessen galt das Motto "Oversexed & Underfucked". However, Jim wollte es so. Bitte.



Eigentlich wollte ich mit dieses Bild des im Fenster eines Waschsalons sitzenden Mädchens für Restaur.antville aufheben, aber was soll´s.

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Note to Princess A.

Ich sehe es, wenn Du da bist.

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Real Life 20.8.04 - Neue Armut 24

Alex Wolf ;) (Minusvisionär und former known as seosite.info) hat ein neues, altes Blog über das Leben eines Startuppers des Jahres 2004 in Berlin: Neue Armut 24.

Dazu noch schnell ein Bild aus Mitte: Neben dem Leihamt, und damit sehr praktisch, haben sich viele Startups, Crea-Läden und Werbeleute angesiedelt. Für das leibliche Wohl sorgte im Vorderhaus ein brasilianisches Restaurant. Offenbar waren die Jungdynamiker von hinten keine gute Kundschaft - das Lokal hat dicht gemacht, die Räume sind zu vermieten, und falls noch Rechnungen offen sind, kann man das Mobiliar im gleichen Haus versetzen. Sehr praktisch organisiert.

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Lange nach dem Krieg

Im Jahr 2000 und 2001 gab es einen hässlichen und mit allen Mitteln ausgetragenen Konflikt zwischen mir und einer Allianz, in der Mitarbeiter einer öffentlichen Institution, einer privat finanzierten Tochter und ein externes Startup versuchten, aus einem non-profit-Projekt einen Goldesel zu machen. Das Startup hatte grosse Pläne mit dem Projekt, als Plattform zur Selbstdarstellung und gleichzeitig als Contentlieferant. Auf der anderen Seite standen ein paar wenige Leute, ein Gewerkschaftler, zwei Teilhaber am Projekt, meine Person und eine Anwaltskanzlei, die es in sich hatte. Die Gegenseite wusste zwar in groben Zügen, wer ich war und was ich damals getan habe, aber sie haben es unterschätzt.

Es wurde eine sehr bittere Schlacht; bitter vor allem deshalb, weil sie vollkommen überflüssig war. Damals war absehbar, dass die Weltherrschaftsträume des Startups unrealistisch waren. Die formaljuristisch übermächtigen Verflechtungen der Gegenseite konnten nicht verhindern, dass ich gezielt interne Informationen sammelte, und die Schäbigkeit des Business Plans den eventuell Einsichtigen der Allianz dargelegt habe. Aber die Gier und die Dummheit waren stärker als jeder Nachweis, dass das Startup keinerlei Basis für sein geplantes Geschäft hatte. Das Internet, da waren sie sich sicher, werde alle anderen Medien und Geschäftsmodelle in wenigen Jahren vernichtet haben.

Neben den üblichen juristischen Kniffen ging ich dann anders vor - ich gab gewissen Leute gewisse Hinweise, dass man sich Geschäftsbeziehungen mit dem Startup gut überlegen sollte. Die Firma, auf die das Startup seine Hoffnungen im Vertrieb setzt, ging schnell pleite. Den Rest besorgte die drohende Veröffentlichung einiger Vorgänge innerhalb des Startups, was die gegnerische Koalition zum Einsturz brachte.

Der Krieg ging mit einem Kompromiss zu Ende, der die andere Seite das Gesicht wahren liess. Sie wurden nicht unbedingt klüger; die unbelehrbare Elite-Absolventin, die das ganze geplant hatte, versuchte sich nach dem erzwungenen Ende der Allianz im Bereich Charity Aktionen. Das ging aufgrund von grössenwahnsinnigen Dimensionen so gründlich schief, dass sie und der im Kern Verantwortliche ihren Hut nehmen mussten, um die Verantwortlichen in der öffentlichen Institution dahinter zu schützen. Man kann, und das war die Lehre aus der Geschichte, ein erfolgreiches Projekt nach jahrelanger Arbeit mit einer einzigen Marketing-Aktion an den Abgrund bringen.

Die Elite-Absolventin wurde schwanger und heiratete, und ihr Chef ... keine Ahnung, vergessen, uninteressant, vorbei, bis gestern, als eine Mail kam. Inzwischen ist er selbstständig und hat einen kleinen Papierladen in der tiefsten Provinz übernommen, wo er Kugelschreiber, Büromaterial und die Bildzeitung verkauft.

Und ich? Nichts, eigentlich. Keine Genugtuung, kein Mitleid, nur ein Gefühl der Leere. Die New Economy hat wie eine Bombe Lebensentwürfe zertrümmert, so viele meiner früheren Gegner sind durch ihr eigenes Versagen für die nächsten Jahre, vielleicht sogar für ihr Leben ausser Gefecht. Was sie von 1998 bis 2002 gemacht haben, im grossen, geplanten Vernichtungskrieg der New Economy, wird noch lang an ihnen kleben. Die alte Wirtschaft kennt keine Entversagerisierung. Höchstens Zwangsarbeit ganz unten in den Strukturen.

Also, Ladenbesitzer in der Provinz... Ruhe in Frieden, das ist alles, was mir dazu einfällt.

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Idealzustand

Manche Räume entfalten ihre Schönheit erst durch Licht und Leere.



Es wäre schade, diese Leere zu vernichten, sie mit billigen, weissen Resopalmöbeln zu füllen, Flipcharts aufzustellen und Monitore zu patzieren, und dahinter vielleicht noch ein paar hektische, überarbeitete Kreativkreaturen.

Noch ist das nicht zu befürchten. Die Miete ist zu hoch, und es gibt reichlich Alternativen, bei denen man nicht auf dem Präsentierteller im Erdgeschoss sitzt, an einer lauten Strasse in Berlin Mitte. Der Raum bleibt am späten Nachmittag den Sonnenstrahlen zum Spielen überlassen, ein Geschenk an Licht und Schatten.

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Restaur.antville Profil

Autor: Don Alphonso Porcamadonna

Mitte 30, geboren in Bayern, Vorfahren kamen aus Böhmen, Österreich, der Oberpfalz, dem Elsass und Franken.

Tätigkeit: Journalist, Autor

Wohnorte: München, Ingolstadt, Berlin

Idealorte: St. Valier de Tiers (ein Dorf bei Grasse, Provence), Urbino (Italien), die Region Mantua (Italien), Matala (Kreta), Pappenheim (Mittelfranken), Ingolstadt (Oberbayern)



Facilities: Gerne Gebrauchtwaren, Dinge mit Geschichte, Unikate und Handwerk. Von der Mehrheit missachteter Reichtum wie Orientteppiche, Silber, Porzellan, Messing, Kristall. Klassisches, Praktisches, Bewährtes, Robustes, heimische Materialien wie Nussbaum oder Kirschholz, Kleidung italienisch, Technik historisches, das an die goldenen Zeiten der New Economy erinnert. Erhebliche Erfahrungen im Umgang mit weiblichen Shopping-Touren durch alle Preislagen.

Sights: Am Besten das, was andere nicht sehen, weil sie zu schnell sind, das Nahe verachten oder der Mehrheit folgen. Mikrokosmen, Bedeutungsvolles, Symbolisches, Beruhigendes, das unbeweglich im Zeitstrom steht. Landschaften, die Kunstgeschichte schreiben könnten. Berge, Hügel und Täler sind wichtig, Gegenden ohne vertikale Dimension ein Gräuel.



Food: Als Vegetarier und Antialkoholiker begrenzt, aber alles andere als protestantisch-karg. Ich stamme aus einer grandiosen Essenslandschaft. Prinzipiell liegt mir das Deftige mehr als das Verhungerte, das Ländliche mehr als das Verfeinerte, das Würzige mehr als das Lasche, das Traditionelle mehr als das Neuartige, die Spezialitäten mehr als das Importierte, und der Süden mehr als der Norden. Viel ist gut, wenig ist schlecht, der Preis ist dann nicht so wichtig. Ich koche selbst gern und habe feine Rezeptoren, was Gewürze angeht. Auf einer fünfteiligen Scala Connaisseur - Gourmet - Bonvivant - Gourmand - Gargantua würde ich mich zwischen Gourmand und Gargantua einordnen.

Places: Das Morbide hat seinen Reiz wie das Warme, das Alte, Gewachsene ist immer dem Geschichtslosen vorzuziehen. Designte Perfektion langweilt mich wie das Nagelneue. Orte, deren Geschichte schaudern lässt, und die die Mehrheit vergessen möchte. Süden.



Modus vivendi:

Contra Deum terramque.
Freigiebigkeit ist eine Tugend, Enthaltsamkeit ein Laster.
Genuss ist Lebenszweck.


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Donnerstag, 19. August 2004

Ikea wird sterben

Ikea hat im Kern nur zwei Argumente: Es ist billig, und man kann es ohne Reue nach 2 Jahren wieder wegwerfen. Nach jedem Umzug kauft man eben neues Zeug von Ikea. Ikea ist applied social Downturn in seiner buntesten, unauffälligsten Form.

Aber Ikea hat auch ein Problem: In Zeiten von Hartz IV fällt es der klassischen Zielgruppe schwer, ihr Geld noch auf die grüne Wiese zu fahren. Dazu bräuchte man das Auto, das man aufgegeben hat, und Geld. Beides nimmt, zumindest in den schlechteren Regionen dieses Landes, rapide ab.

Die Gewinner der Käuferkrise von Ikea sehen anders aus:



Hier das Möbelangebot in der Zehendicker Strasse: Ein kleiner, kompakter Kühlschrank, ideal für die kleine Küche und genug Platz für die paar Pillen, drei Dosen und die Bierflaschen, aus denen die typische Mahlzeit der Ikeakäufer besteht. Ausserdem ein flacher, sehr loungiger Sessel im Stile des Art Deco. In rot neu bezogen, stiehlt er Bräkna, Florinsk und Ole die Show.

Weitere Objekte, etwa einen Schrank, finden Sie einfach die Choriner Strasse runter. Stühle gab es zumindest gestern noch in einem Container an der Lottumstrasse. Vermutlich sind hinter dem Wellblech, auf dem Trümmergrundstück weitere Einzelstücke zu einem Preis, bei dem auch Webdesigner sich ihren Traum vom coolen, trauten Heim erfüllen können. Und wenn das Angebot in Mitte mal ausgerauft sein sollte: Im Wedding und Prenzlauer Berg finden sich weitere Horte von Möbeln im Retro-Design.

Ikea wird sterben. Keine Frage.

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Donnerstag, 19. August 2004

Real Life 18.8.04 - Zwei Falschparker

So unterschiedlich die Objekte sind, so identisch ist die Geisteshaltung derer, die sie da hin gestellt haben.



Man könnte auch sagen, es ist der Triumpf des Ego über ein Gemeinwesen, das tatenlos zuschaut. Verwahllosung ist keine Frage von Armut oder Luxus, sondern der gesitigen Disposition.

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Der Traum vom Kapitalismus

Seit Anno 2000 warte ich darauf, dass capitalism21 verschwindet. Die Idee des Berliner Startups war: Mitarbeit gegen Aktien an der Capitalism21 AG. Jetzt sind sie weg. Und ihre Aktionäre? Hatten immerhin 4 Jahre etwas, woran sie glauben konnten. An eine bessere Welt mit einem besseren, schicken Kapitalismus.

Sowas konnte aber auch nur in Berlin entstehen....

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Franchise Frantic

Eine der vergessenen (und natürlich verlorenen) Schlachten der New Economy war das Franchising im Bereich Nahrungsmittel und Gastronomie. Während der Essensportal-Irrsinn von Firmen wie Snacker.de einigermassen berühmt-berüchtigt wurde, sind all die Pizza/Feinkost/Sandwich-Produzenten sang- und klanglos, meist nach der Gründung des ersten Caffees gestorben. Eine schöne Geschichte findet sich übrigens im Buch Minusvisionen.

Das Rennen haben die amerikanischen Ketten gemacht, mit billiger Coffee2Go-Brühe statt mit pseudo-exklusivem Lachssandwich. Das Problem der New Economy Franchiser war, grob gesagt, ihre Fixierung auf junge, gutverdiendende Hardcore-Worker, die keine Zeit mehr für Einkäufe hatten und sich lieber was Luxuriöses liefern liessen, statt in der Tanke die Tüte Chips und die Flasche Cola zu holen. Diese Personengruppe hatte den entscheidenden Nachteil, dass sie kaum, und wenn, dann nur sehr kurz existierte. Kurz, man hatte reale Produkte für nicht existierenden Kunden und beackerte einen nicht existierenden Markt. Schlecht, undankbar und zumeist sehr tödlich.

Wenn es geklappt hätte, wääre es natürlich eine tolle Sache gewesen: Zum einem hatten die Startups keine Kantinen, wodurch man sie im Rahmen einer "Outsourcing"-Lösung langfristig an sich binden hätte können. Zum anderen war klar, dass gerade mit dem Wachstum der New Economy die Gewinnmargen explodieren würden. Und wenn man erst mal bei so einer Firma am Hauptsitz in Berlin im Geschäft war, könnte man bei den anderen Standorten Franchising-Lizenzen verkaufen. Kabel New Media, I-D Media, Pixelpark und die Argonauten hatten ja viele Standorte und machten vor, wie es die anderen nachgemacht hätten - wenn es nicht zur grossen Krise gekommen wäre.

Trotzdem ist die Idee das Franchising und der Traum vom Erfolg noch nicht ganz ausgestorben:



Sonst würde man nicht unter dem Label "Einstein" eine Open Air Cafete zwischen den Fahrstreifen von Unter den Linden aufmachen. Laut umtost vom Verkehr, umwabert von Abgesen, mit den üblichen extremen Einstein-Preisen, und gänzlich leer und unbesucht. Das Photo wurde gestern bei strahlendem Sonnenschein, 25 Grad und um 2 Uhr Nachmittags aufgenommen.

Nichts ist so langlebig wie die Hoffnung.

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Mittwoch, 18. August 2004

Real Life 17.8.04 - Traumberuf TV

Medien sind ein Beruf mit Zukunft. Besonders, wenn man kein Essen braucht, Wasser trinkt und unter Brücken logiert - was bei 1000 Euro im Monat (vor Steuern und Abgaben) auch empfehlenswert ist. Dann kommt man auch beim Fernsehen unter. Und wenn dann doch mal der Hunger kommt: Die Bettel-Email kann man gratis über den Redaktions-Account verschicken.

Ihr, die ihr hier über Google herkommt und nach Begriffen wie Initiativbewerbung oder sonst was Kreatives sucht: Schaut, dass ihr besser heiratet, oder werdet Sachbearbeiter, gehobener Dienst beim Staat, das ist wenigstens sicher, aber bitte: Nicht in die Medien. Was Schlimmeres gibt es die nächsten 5 Jahre nicht. Niemand gibt Euch eine Chance. da ist auch niemand, den ihr mit Kreativität und totaler Leistungsbreitschaft überholen könnt. Wer das nicht bringt ist schon seit mindestens 2 jahren arbeitslos, oder ist bei den Öffentlich-Rechtlichen. Und die brauchen auch keinen, sondern holen sich lieber die besten Arbeitslosen.

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The revolution will be overtagged

In normalen Städten ist der Farbbeutel eine ziemlich effektive Waffe: Billig und maximaler Schaden. Für den Klecks muss ein Maler kommen, drüberpinseln und hoffen, dass es dann farblich passt. Nicht schlecht für so eine 30-Cent-Investition. Sehr ökonomisch.



Solange sich wirklich jemand drum kümmert. In manchen Regionen gibt es aber zuviel davon, und jährlich neue Farbbeutel. Ausserdem ist es den Besitzern egal, weil die Häuser ohnehin nicht mehr besonders aussehen. Dann wird das nächste Ladenschild einfach drübergenietet. So etwa in Kreuzberg. Mit goldenen "Eure-Armut-kotzt-mich-an"-Lettern.

Und die kapitalistische Karawane zieht weiter über die Knochen der linken Hunde, die sich beim bellen tödlich verschluckt haben.

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Real Life 17.8.04 - Aus dem Rennen

Zwei Jobangebote sind gerade reingekommen: Ein grosser Medienkonzern, dessen Chef sich immer als "Mr. Internet" präsentiert, bietet zwei Praktikantenstellen an. Bei den Anforderungen steht nichts, kein Wort über Internet. Bislang war das immer Grundvorraussetzung, um dort eine Chance zu haben. Dass es als selbstverständlich angenommen wird, kann ausgeschlossen werden: Word wird ausdrücklich verlangt. Ausserdem wäre es gut, wenn die Bewerber Erfahrungen in den Bereichen Print und Radio vorweisen könnten.

Das andere: Ein Lokal in Berlin-Mitte sucht dringend eine Bedienung. Die creative people, die das aushilfsweise machen, wollen wieder "normal" arbeiten.

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Dienstag, 17. August 2004

Schon witzig

Einerseits einen Pressetext für das eigene Buch bei Amazon schreiben - und auf der anderen Seite eine Plattform betreuen, auf der Amazon die bösen Fakten um die Ohren gehauen bekommt.

Schizophren?
Vielleicht.
Zynisch?
Sicher.
Und?
Was und?
Wie fühlst Du Dich dabei?
Mein Leben ist schön.

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Eine saubere Ecke

Links davon ist alles noch Ruine, aber hier hat man gnadenlos durchsaniert, oder gleich neu aufgebaut. Klinker war dabei Pflicht, in diesen neuen Gründerzeiten.



Klinker ist nüchtern, zweckmässig, warm, und, zumindest laut der Startup-Ideologie, angemessen. Nicht so steif wie der Travertin der Old Economy oder der Marmor der Edelkanzleien. Klinker ist cool. Es gab Startups, die den Putz weghauen liessen, um Klinkerwände zu haben.

Kein Wunder, dass sich hier vor allem Startups und Kommunikationsfirmen niedergelassen haben. Manche Kommunikationsfirmen sind noch da, mit ihren witzigen, bunten Schildern und ihren ausgefeilten Corporate Identities, die bis heute den Geschmack des Pfarramts von Dinkelrode oder des Jugendzentrums von Hinterstetthausen treffen.

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Montag, 16. August 2004

Restaurant Kasbah

Deine kleine Schwester ist da, und sie kann das billige Zeug nicht mehr sehen. Nein, kein Inder oder Chinese oder Thai für 4 Euro irgendwas. Endlich ordentlich Essen gehen. Du versuchst ihr zu erklären, dass sie mit ihren Münchner Vorstellungen hier nicht weiterkommt, und dass diese Ecke der Stadt schon ziemlich teuer ist. In den Outskirts geht der Döner manchmal für 1 Euro über die Theke. Wer sich Münchner Preise leisten kann, setzt sich Freitag Abend in den Flieger Richtung München, Köln und Hamburg. Und so alt, dass wir ins Adlon gehen würden, sind wir nun wirklich noch nicht.

Sie schaukelt genervt ihre weisse D&G-Krokoledertasche, um dir zu signalisieren, dass ihr die Realität egal ist und sie jetzt in ein Lokal will, das gut, nicht zu voll, nicht zu laut ist, und vom Ambiente nahtlos in die Elle Decoration passen würde. Also chauffierst du sie in die Gipstrasse zum Kasbah, und wenn ihr das auch nicht gefällt, dann soll sie doch einfach die Strasse runter ins Greenwich und sich ins Koma cocktailen, denkst du dir, leicht genervt. Aber kaum hat sie einen Blick ins Kasbah eingeworfen, ist sie zufrieden und will rein. Elle-kompatibel.

mehr bei Restaur.antville

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Windhorst ist Geschichte

Das waren noch Zeiten, als ein gewisser Lars Windhorst eine ganze junge Unternehmergeneration träumen liess... Na dran an der Politik, immer einen kessen Spruch auf den Lippen, Wirtschaft kann total sexy sein.

Windhorst war stilbildend, weil seine Computerfirma noch vor den anderen gross und berühmt wurde. Er war in Sachen Startup-PR der First Mover. Er hatte schon eine Firma, als er noch nicht volljährig war. Er hatte Helmut Kohl als Freund. In Vietnam ein Hochhaus, von Berlin aus die Welt, fuck Substanz, was zählt, war die Story.

Lars Windhorst war stilbildend. Vielleicht schreibt ja jemand mal den Lebenslauf dieses Prototypen in Romanform auf, zur Erklärung, was das eigentlich war, die New Economy und ihre Protagonisten. Jetzt wäre eigentlich der richtige Zeitpunkt: Der Rest seines ehemaligen Imperiums ist insolvent.

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Vollbeschäftigt

Hier hat man genug zu tun, deshalb auch die krassen Öffnungszeiten: 7 (!) bis 19 Uhr



12,3% der hier Wohnenden sind Sozialhilfeempfänger. Wieviele davon um 7 Uhr tendentiell alkomatös sind, ist nicht bekannt. Schicke Mitte, wa.

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Samstag, 14. August 2004

Skalpe meiner Feinde Teil 3 - Wilkhahn FS 212/5

Wilkhahn; wenn der Bund der Steuerzahler (der ironischerweise oft Firmen vertritt, die keine Steuern zahlen) diesen Namen in den Beschaffungslisten des Bundes liest, gibt es Ärger. Während Eames der Cadillac der Bürostühle ist, ist die FS-Linie von Wilkhahn die Mercedes E-Klasse. Wilkhahn ist etwas, was sich ein Volksvertreter eigentlich nicht leisten darf, denn die sind wirklich teuer, sagen die Steuerzahler.

Das ist natürlich nur die halbe Wahrheit. Wilkhahn ist nicht billig. Dafür ist es hervorragende Qualität, hält ewig und entspricht deshalb heute mehr dem Bauhausideal als all die billigen Marcel-Breuer-Kopien, die nach 2 Jahren reif für den Müll sind. Langfristig gesehen, ist Wilkhahn auch wegen der ergonomischen Form günstig - rechnet man staatlicherseits die dadurch vermiedenen Rückenprobleme rein, ist die Total Cost of Ownership geringer als bei dem billigen Ramsch, den so ein Steuerzahlerbunds-Apparatschik einem Politiker wünschen würde.

Gerade auf dem Höhepunkt der New Economy 1999/2000 wurde Wilkhahn gekauft, als gäb´s kein morgen morgen mehr. Weniger von Startups, die eher den dynamischen Eames den Vorzug gaben, als vielmehr von Banken, Finanzdienstleistern, VCs und Investmentberatern. Die 1100 Euro (ohne Mehrwertsteuer), die so ein Einstiegs-Freischwinger kostet, zahlten die damals aus der Portokasse



Vor ein paar Wochen bin ich mit einer Person zusammengeraten, die sich ganz in IBM-blau im Internet als jpg wiederfindet. Sehr selbstüberzeugt, der Herr; meinte, er habe schon den Spiegel und den Stern in die Knie gezwungen. Für ordentliches Briefpapier hat es trotzdem nicht gereicht; sein Schreiben kam als Ausdruck vom Tintenstrahldrucker mit erheblichen Farbschwächen. Erinnerte mehr an die "Verkaufen Sie mir Ihr Auto"-Fitzel, die sie einem hier in Berlin a.d. Spree in die Aussenspiegel stecken.

Man tut solchen Leuten dummerweise dann die Ehre, sie zu googlen. In diesem Fall kam raus, dass unter seiner Geschäftskunden auch Personen zu finden sind, die im Skandal rund um die Berliner Bankgesellschaft öfters in den Medien waren, als es ihnen lieb sein konnte. Ihre kritisierten Handlungen betrieben sie ebenfalls von der Wilkhahn FS-Linie herab, denn die BB schwor auf Qualität bei den Möbeln mehr, als bei den Investments.

Mittlerweile jedoch sind die betreffenden Personen von ihren Posten radikal entfernt worden, und das ist auch gut so. Aber weil sich bekanntlich bei notorischen Verschwendern nie was ändert, werden jetzt auch gleich noch ihre Sitzgelegenheiten mitsamt Eigentumsaufkleber an der Unterseite entsorgt. Wahrscheinlich hat man die Stühle weggeworfen, denn anders ist es nicht zu verstehen, wenn sie jetzt, perfekt gepflegt und fast nicht benützt, für 30 Euro das Stück beim Händler des Vetrauens verramscht werden - der übrigens darauf schwört, dass diese Stühle 100 Euro im Laden kosten. Nach dem Aufeinanderprall zweier orientalischer Charaktere sind es dann übrigens nur noch 20 Euro pro Stuhl, wie der, auf dem ich jetzt gerade sitze, und das typische Wilkhahn-Feeling habe, wie damals, 2000 bei einem VC hoch über der Leopoldstrasse...

Und mir überlege, auf was für einem billigen Ikea-Gerümpel gerade sein Vorbesitzer sitzen mag. Denn wer bei der BB rausfliegt und am Skandal beteiligt war, findet so schnell keine Stelle mehr - und die CDU hat auch nicht genug Geld, um viele neue Referenten einzustellen.

Andere Skalpe übrigens hier und hier

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