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Samstag, 13. November 2004

Galerie-Rotation

Der dritte Versuch. Seitdem die Strasse runter die Kulturvolks-Abspeisung "Pinakothek der Moderne" eröffnet hat, glauben manche an einen Markt für moderne Kunst. Nun ist es aber so, dass es in dem Museum auch sehr viel Architektur, Design und Graphik vergangener Jahrhunderte gezeigt wird, und grosse Teile des Gebäudes inzwischen eher Produktpräsentationen denn der Kunst dienen. Das wollen manche Galeristen nicht wahr haben, und drängen sich mit neuen, international eingekauften Bildern zwischen die traditionellen Antiquitätenhändler. Manchmal können sie auch mehr zahlen, und bekommen deren Räume. Das Premiumsegment hat ja immer noch Geld, heisst es, und die einschlägigen Magazine empfehlen Kunst als Wertanlage.



Inzwischen gibt es aber eine gewisse Marktsättigung. Die Anzahl der Markteintritte und Austritte, des Aufbruchs und der Auflösung, der Hoffnung und der Verzweiflung ist ungefähr gleich. Allerdings hat sich der Zeitabstand zwischen den beiden Polen enorm beschleunigt.

Vielleicht klappt es ja trotzdem. Vielleicht wollen Kunden Bilder von Menschen am Strand. Das ist sehr unaufgeregt, gefällig, und wie man sieht, braucht man nur drei Bilder, um die Wände einigermassen zu füllen. Dann noch ein paar Bildbände, und das Loft ist komplett, könnten sich manche denken. Vielleicht. Vielleicht nehmen sie aber doch lieber das Poster mit der Photographie eines BMW-Rennwagens aus den 50ern in einem sehr teuren Rahmen aus dem Museumsshop. Die meisten, die ich hier, in diesem High-Potential-Viertel kennen gelernt habe, würden wahrscheinlich das Poster nehmen, selbst wenn das Gemälde billiger wäre.

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Samstag, 13. November 2004

Eine PR-technisch-elitäre Arschlochkarte

ist als offizielle Pressemitteilung in meinem Posteingang. Schon lustig, wenn ein erklärter Elitenfeind in einer Pressemitteilung selbst mal in das Marketinggeschwätz gerät:

Hier werden Sie die Möglichkeit haben, sich mit internationalen Stars der Szene direkt auszutauschen. Mu Zimei (China), Jörg Kantel (Deutschland) und Anton Nossik (Russland) diskutieren..

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Kokain

im Musikantenstadel, grölt es aus der Boulevard-Gosse, und sorgt schon nach den ersten Metern zu meiner Wohnung dafür, dass ich die Munich Area mit ihren Core Assets - Schunkeln und Rübe zuknallen bis zur Besinnungslosigkeit oder Start-Up-Gründung - so wiederfinde, wie ich sie vor sechs Wochen verlassen habe. Der gemeine Münchner nimmt natürlich kein Kokain und kann sich hübsche Illusionen machen über die, die es angeblich konsumieren. Diese Jet-Set-Leute, die in dieser Stadt tatsächlich durch die Strassen laufen, vom Büro Richtung Cafe, das Senta Bergers Mann gehört. Einer der mittleren Hauptverantwortlichen für Alando/später Ebay kam mir auch gleich danach entgegen, schnell, hektisch, abgespannt. Die Geschäfte laufen nicht mehr so gut, zumindest nicht so gut wie 99, als jemand aus dieser Szene die Rendite der Drogenmafia als lächerlich gering bezeichnete.

Im Umkehrschluss: Wer dabei war, konnte sich schnell überproportional viel Koks leisten. Brauchten manche auch. Als Ansporn bei der Powerpoint, als Prise Selbstbewusstsein und Extraladung Personality. Auch als Überzeugungkraft, wenn es um den Endkampf um die Weltmarktführerschaft ging. Und auch mal zwischendrin, einfach nur so. Es gab welche, die das wirklich unter Kontrolle hatten, aber nach einer Weile, wenn man viel mit den Typen zusammen ist, merkt man das. Es sind nur kleine Zeichen, Mentalitätsschwankungen, und wenn so ein Typ dann vor die Worker tritt und die Leute mitreisst, obwohl innen drin alles längst morsch und verfault ist, das Geschäftsmodell, die Bilanzen, sein Gehirn, dann begreift man, dass man sich schleunigst nach dem Rettungsboot umschauen sollte.

Es ist teuer, es ist illegal und das war lange Zeit scheissegal, weil sowieso alles eher ungesund war, der Alkohol wie das komische Essen auf den Events, nach 5 Tagen Fingerfood wissen die meisten sowieso nicht mehr, was sie da durch welches Körperloch in sich aufnehmen, und nein, es war keine geile Zeit, nichts Roaring 1999, es war einfach und zuviel Koks und Unerfahrenheit im Praktikantenstadl, es war schmerzhaft dumm, peinlich, und es gibt gute Gründe, warum man bei OpenBC nicht über die Zeit spricht.



Könnte ja das Selbstbewusstsein trüben, und das darf nicht passieren, wenn man in diesen Räumen da oben nochmal das ganz grosse Rad drehen will. Und das pulvrige, weisse Antidot gegen Selbstzweifel ist im Moment einfach zu teuer, sagt man. Also, hat man von dem einem gehört, der den anderen kennt, der wiederum mit der Dingsda zu tun hat, und bei der sagt man ja...

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Real Life 12.11.2004 - Locations

Hotel Adler
Hotel Bayerischer Hof
Hotel zur Post
Hotel Rappensberger
Restaurant Schwarzer Adler
Restaurant Zum Kutscher
Restaurant Nordbräu
Restaurant und Hotel zum Anker
Gaststätte Daniel
alle etwas modernisiert, etwas "urig" aufgebohrt und nicht mehr so, wie sie wirklich in der guten alten Zeit mit Thonet-Stühlen und brauner Wandvertäfelung waren, aber das Publikum schätzt es trotzdem und kommt in Massen, um an dicken weissen Tischdecken Enten, Gänse, Schweinsbraten und dazu für die Gesundheit in Tunke ersoffenen Salat zu essen. Und keine Sekunde daran zu denken, dass es woanders anders sein könnte. Selbst wenn das so wäre, wäre es egal, denn in dreissig Jahren kommen auch die Kinder hierher und sind vollauf zufrieden. Gut bürgerliche Küche eben. Geht immer, kennt keine Moden, nur alle 50 Jahre wechselndes Inventar.

Aber der Name bleibt. Dahinter steht oft "Seit 1irgendwas". Den Rekord hält, glaube ich, der Laden mit der Jahreszahl 1383.

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Donnerstag, 11. November 2004

Es ist alles so einfach hier

Allein schon, weil man immer weiss, was einen hier erwartet. Das, was man schon kennt. Man kommt über die letzte, angedeutete Hügelkette hinunter in die Tiefebene, und rechts ist schon das Leuchtorange des Doms der Stadt. Zu seinen Füssen breitet sich das historische Häusermeer aus, mit seinen krummen Gassen, den Fussgängerzonen und den immer gleichen, kleinen, teuren Geschäften.



Das heisst, teuer ist es hier nicht, wenn man das Einkommen derer betrachtet, die hier geblieben sind. Die sich nicht um die neue Welt gekümmert haben, solange sie mit 35 ihr erstes, selbstfinanziertes Haus hatten, wenn sie aus der Mittelschicht kamen. Die Gesellschaft ist hier nicht besonders durchlässig, aber doch so potent, dass sich jeder irgendwo als Gewinner fühlen kann. Verlierer sind vielleicht in Braunschweig, Nürnberg oder Berlin, aber nicht hier. Hier kann jeder was verdienen, zumindest soviel, dass er seinen Stand halten kann. Selbst in den schlechteren Vierteln gibt es Juweliere; ein deutliches Zeichen für den Wohlstand, der sich hier in und um die 700 Jahre alte Stadtmauer angesiedelt hat. Die hier übrigens liebevoll und mit viel Geld gepflegt wird. Irgendwo muss es ja hin.

Inzwischen gibt es sogar Immobilienspekulanten aus München, die hier in der Innenstadt Geld verpulvern, das sie nie wieder sehen werden. Diese Stadt erlaubt nur Gewinne in hohen, aber engen Grenzen; Hasadeure werden gezielt ausgegrenzt, in den besseren Vierteln sowieso, aber auch früher beim Standortball, und mit deren Kindern spielt man nicht. Wenn man mit ihnen im gleichen Leistungskurs ist, nimmt einen Papa zu Seite und macht klar, mit wem man es zu tun hat, und dass man aus guten Gründen nicht mehr grüst. Nichts hat sich seitdem geändert.

Die Kinder dieser Nomenklatura, die unbedingt etwas ausserhalb der starren Regeln machen wollten, versuchten das in anderen Städten. Ungewöhnliche Brillenläden war das Business Model der frühen 90er, dann kamen die Coffee Shops, und dann die New Economy. Kluge Entscheidung, die weit entfernte Pleite fiel zu Hause dann nicht so auf, und die Forderungen waren zumindest am Anfang kaum höher als die Kosten eines neuen Cabrios.

Wer ausserhalb scheitert, muss sich eigentlich keine Gedanken machen. Es wird im festgefügten System der Stadt immer noch eine Chance für ihn geben, im Rahmen seiner Herkunft und seines Umfelds. Dieser Neuanfang fällt vielen nicht besonders schwer, wenn sie sich eingestehen, dass ihre Vision Verkennung der Lage und ihre Hoffnungen Dummheit waren, und das eigene Haus mit 45 auch ein Ziel sein kann, für das es sich mit gerade mal 38,5 Arbeitsstunden in der Woche und ohne durchgearbeitete Nächte zu leben lohnt.

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Real Life 11.11.04 - Und ab in den Süden

für ein paar Tage anderes Leben in der einzigartigen Greater Munich Area.



Daselbst Treffen und telefonate mit waschechten CEOs und Entrepreneurs, alten Freunden und dem einen oder anderen Medienmacher sowie meiner kleinen Schwester.

Normalzustand, gewissermassen.

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Mittwoch, 10. November 2004

Einer der letzten Boos

vor der Abschaltung von Dotcomtod war eine Meldung, bei der ich schon dachte: Weia... Da berichtete Tomorrow Focus zwar noch einen Verlust, aber die Gewinnschwelle werde jetzt ganz schnell erreicht. Dass da Tricks wie die Reinwurstelung der Playboy-Gewinne und die Aufträge aus dem eigenen Haus dabei sind, war klar, aber dennoch, nach so vielen Jahren als sicherer Boo-Lieferant wurde mir doch etwas bang um den Laden. So möchte man als Sentinel natürlich keinen Exit aus dem Wahrnehmungskreis erleben.

Doch es gibt gute Neuigkeiten! Entegegen der Erwartungen hat ToFo seinen Verlust erheblich ausbauen können, und das bei Umsatzwachstum. In den ersten drei Quartalen hat man im Vergleich zum Vorjahr den operativen Verlust um über 10% auf jetzt 2,9 Millionen Euro gesteigert, bei 35 Millionen Umsatz. Mal schaun, wann das nächste Mal von "Break Even" die Rede ist. Als Aktionär würde ich mir langsam etwas, hm, nicht wirklich zutreffend informiert fühlen.

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Real Life 10.11.04 - Loft

gewissermassen die private Ergänzung zum offiziellen Tagungsraum.

Das Angebot: 6. Stock, unverbaubare Aussicht, 120 Quadratmeter, Preis sehr, sehr günstig, auch wegen, könnte man sagen, Beziehungen. Der Blick wird einen umhauen, wurde versprochen.



Tat er auch. Lieber Hinterhof ganz ganz unten mit Barracke und drei Autowracks gegenüber, als diesen Berliner Himmel den ganzen Tag vor Augen. Ja, es gibt auch noch Sommer, ja, man sieht weit, aber was man sieht, ist über 7 Monate vor allem eine Wolkenstimmung wie bei einem Chlorgas-Angriff. So für sich betrachtet, ist der Berliner Himmel weitaus schlimmerals die Architektur, und die ist schon eine Katastrophe.

Man könnte den Raum individuell aufteilen, müsste man aber nicht, denn ich mag es grosszügig, es gibt 2 Balkons, aber da, wo ich jetzt bin und bleiben werde, stehen wenigstens Bäume vorne und hinten, die Wände sind hoch und die Dielen sind alt, und wenn ich nach oben sehe, sehe ich Kronleuchter und keine Löcher in der Decke, durch die der Berliner Himmel in all seiner Abartigkeit reingekrochen kommt.



Aber es findet sich sicher ein Jungdynamiker, dem das Hoch über Allem-Gefühl gefällt und die Dramatik der Wolken schätzt, wenn er mal die nötige Zeit hat, um bei Tageslicht aus dem Fenster zu sehen. Und der Raum wäre wirklich gut - ohne diese Stadt und ihren Himmel aussenrum.

Morgen fahre ich nach München.

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Real Life 09.11.04 - Bornholmer Strasse

Genau 15 Jahre später, zwischen 22.30 und 24 Uhr. Minolta Dimage S414, kein Blitz, kein Stativ, nur natürliche Ablagen, Blende 3,6, Belichtungszeit 2 bis 4 Sekunden, keine Filter, kein Photoshop. 12 Bilder und ein paar Worte.



Einfach klicken.
Für die Rebellen, die danach vielleicht auch keinen Markt gefunden haben, aber immerhin, Markt ist ja nicht alles, was zählt.

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15 Jahre später - 9.11.2004

Wir beginnen auf den letzten paar Metern Westen:



Blick von der Behmbrücke hinüber zur Häuserzeile im Osten, links hinten die Bornholmer Strasse und die Brücke.



Direkt auf der Demarkationslinie, unter der Behmbrücke, Blick nach Süden, am Prenzlauer Berg vorbei Richtung Mitte.



Nachts, wenn es etwas neblig ist, scheinen die Lichter immer noch so funkelnd hell wie damals, als hier das System endete. Vielleicht sind es noch die originalen Lampen von damals.



Der Todesstreifen, rechts davon die Mauer, hier noch in einer sehr frühen Version. Mehr war wohl nicht nötig, weil dahinter 200 Meter Gleise kamen - offenes Schussfeld.



Die an dieser Stelle durchbrochene Mauer wurde später auf Betreiben der Bahn wieder zugemacht. Bei aller Freiheit ist das Betreten der Bahngleise natürlich verboten.



Fast niemand ist hier um 11 Uhr Nachts noch unterwegs. Kein Ton ausser den vorbeifahrenden S-Bahnen, in den Häusern das dummblaue Licht der TV-Drogen.



Exakt auf der Mauer ein Blick auf die Bösebrücke, über die die Bornholmer Strasse in den Westen läuft. Die S-Bahnstation ist neu und glänzend, und ein Fremdkörper zwischen den schlecht sanierten Teilen des Weddings und des Prenzlauer Bergs.



Unter und hinter der Brücke beginnt eine grosse Brache. Dort liegt viel Müll; was der Typ dort macht, der vor mir in diese Richtung durch die Pfützen gestapft ist, kann ich nur vermuten.



Oben, an der Brücke, ein Mahnmal, ein paar Kerzen und ein Dutzend Leute. Die Kamerateams sind längst weg. Die Brücke liegt um diese Uhrzeit sehr still und ziemlich leer da. Keine Party.



Wieder an der Demarkationslinie, genau drauf, und der Blick geht nach Westen, ins andere System. Hier wurden die ersten Trabbis mit Sekt überschüttet.



Oben, an der S-Bahnhaltestelle, ein paar junge Leute. Sie reden, lachen, verabschieden sich, und gehen in unterschiedliche Richtungen, Ost und West, einfach so. Doch, ich denke, das war´s in jedem Fall wert, ganz gleich, ob 24% im Westen die Mauer wieder wollen.



Denn auch gegenüber, im Wedding, erwacht das Leben wieder. Es ist noch ein weiter Weg, bis der Jülicher Platz wieder erstrahlt, aber als die Mauer noch stand, war hier einfach nur das Ende der Welt.

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Dienstag, 9. November 2004

Eiserner Vorhang

Niemand macht sich die Mühe, das Ding hier abzureissen.



Mitten auf der Brücke war früher der eiserne Vorhang. Davor, als sie noch in Betrieb war, fuhren hier die Deportationszüge Richtung Nordosten, Richtung Litauen drüber.

Es ist nicht nötig, das Ding abzureissen. Es fault vor sich hin, irgendwann ist es baufällig, dann kann man es ganz leicht wegmachen.

Dann haben auch die Überlebenden der Medienkrise, die nicht weit davon im ehemaligen AEG-Gelände sitzen, einen etwas schöneren Ausblick.

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Another DCT-Legend goes Boink

Was haben wir damals gelacht über BC-Lab! Die wollten ernsthaft ihrer Kundschaft weis machen machen, dass sie negative Berichte im Internet aufspüren, analysieren und bekämpfen könnten. So eine Art Radar, der frühzeitig auf Gefahren für die sensible Selbstdarstellung hinweist und mit geeigneten Mitteln Massnahmen ergreift - Meinungsfreiheit hat eben ihre Grenzen, und wenn die gesetze nicht helfen, dann hilft....

Ja, was hilft dann? Wir haben die Dotcom-Büttel über 132 Kommentare hinweg abgehandelt, öffentlich gemacht, durch den Kakao gezogen, hach war das eine Freude, und jeder konnte bei Google sehen, wie sehr ihre Methode bei ihnen selbst geholfen hat - gar nichts nämlich.

Und so wie es aussieht, hilft ihnen im Moment ebenfalls nichts mehr: Login 2 eternity, BC-Lab. 120 Punkte für den Don.

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JETZT GEHT´S LOHOS!

Es ist so weit! Nach 17 Monaten U-Haft muss Alex Falk vor seinen Richter treten. Die Anklage am Hamburger Landgericht wurde zugelassen. Und Falk bekommt einen kurz schnellen Prozess: Am 3. Dezember ist der erste Verhandlungstag. Die Punkte umfassen schweren Betrug, Kursmanipulation und Steuerhinterziehung; Falk wird sich wahrscheinlich als unschuldig bezeichnen. Der minimale Schaden wird von der Staatsanwaltschaft mit 46,7 Millionen Euro angenommen, bis zu 10 Jahre Haft sind in diesem Fall möglich.

Falk muss übrigens keine Angst haben, auf der Anklagebank zu vereinsamen: Auch gegen fünf andere Beschuldigte wurde jetzt das Hauptsacheverfahren eröffnet. Bis Juni 2005 versprechen Falk und Freunde dauerhafte Unterhaltung auf diesem Kanal - bleiben Sie dran!

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Montag, 8. November 2004

Raider Hate

Der Chef hatte einen Dienstporsche, und einen grossen Konzern kurz vor der Implosion. Er brauchte schnell Hilfe. Es war allen zu riskant, ausser ein paar netten Raidern. Als klar wurde, dass die Raider den Porsche als Asset liquidieren würden, brachte der Chef die Verhandlungen zum Scheitern. Der Laden ging innerhalb weniger Wochen pleite, das Geschäft wurde zerschlagen, die Kunden sprangen ab, die Assets gingen an den Insolvenzverwalter, und der Chef betreibt heute eine Klitsche mit 6 Mann, davon einer ein Praktikant.



Ich weiss nicht, was er heute fährt, für allzu grosse Sprünge jenseits eines kleinen Gebrachtwagens dürfte es nicht mehr reichen. Aber er benimmt sich wohl immer noch grosskotzig, findet die Welt gemein und träumt vom nächsten grossen Ding, und vom Dienstporsche.

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Zum Popdiskurs über Weblogs

bitte hier lang - falls die geneigten leser denken, Bloggen könnte eventuell etwas mit Literatur zu tun haben, daselbst auch weitere Links.

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24 Seiten Hass

Alex Falk kotzt ab, und das Manager Magazin zitiert aus den bei Focus zitierten, gesammelten Qualen des weichgesessenen Dauergastes am Holstenglacis.

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Überleben in der Etappe

Krise? Welche Krise? Es gibt doch Aufträge und Beschäftigte satt, in den neuen Medien.

Ein Beispiel aus der aktuellen Munich Area. Projekt A. hat eine funktionierende Website. Die Organisation B., die im Bereich Ausbildung ein stark engangiert ist, beschliesst, dass das Projekt A. endlich mal einen moderneren Auftritt braucht; der letzte Relaunch ist schon über ein Jahr her. Den Auftrag erhält eine Firma C., die ziemlich neu ist, und deren Referenzen nicht wirklich mit den Angaben der - wenig aussagekräftigen - Kunden übereinstimmen.

Aber die Namen der Ausführenden, die stimmen mit Einigem überein. Da gibt es noch ein anderes Projekt der Organisation B., das gewisse Probleme hat. Hohe Kosten, hoher Personalbedarf, hochgezogen im Hype, und jetzt Ausbildungsstelle für zukünftige Arbeitslose. Will sagen, der Staat investiert einen fünfstelligen Betrag in junge Leute, die danach von diesem Beruf weggeschult werden müssen.

Es sei denn, die jungen Leute gründen eine Firma, die erfolgreich wird und Arbeitsplätze schafft und die man präsentieren kann, wenn der Staatsminister wissen will, wo die Privatisierungsmilliarden verschwunden sind. Die Firma wurde gegründet, sie bekam den Auftrag des Projekts A. über die Organisation B., und sie bekam sogar Räume in einem gigantischen Komplex vor der Stadt, das ebenfalls von einer Cousine der Organisation betreut wird, und das ansonsten leer stehen würde.

So gesehen, sind alle glücklich. Der Staatsminister, das Arbeitsamt, die Organisation B., ihre Cousine, das Projekt A. mit der neuen Website - und wenn die Firma C. mehr bekommen hätte als irgendwelche unvermittelbaren Räume eines Gründerzentrums, das ohne Mieter wegen dem Missamanagement inkompetenter, halböffentlicher Mediafacilitymanager eingestampft worden wäre, wenn sie die Website nicht als kostenfreies Prestigeprojekt gemacht hätten, um wenigstens einen Kunden zu haben, und wenn die Website dann auch noch trotz der miserablen Ausbildung durch überbezahlte Etappenhasen funktionieren würde, dann - dann wäre alles gut.

Aber von aussen betrachtet, passt es auch so. Merkt ja keiner.

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"Textklau"

Dieser Link auf Ver.di beschäftigt sich mit sozialen Fragen und einem gewissen rechtlich sauberen Umgang mit Bloggern. Ich linke sowas weniger aus sozialen Motiven, sondern weil ich die dummdreiste Raffgier der aus den Fehlern nichts gelernt habenden Post-New-Economy nicht mag. Vor allem mag ich es seit dem Jahr 2000 aus privater Antipathie und übelster Erfahrungen in der Munich Area nicht, wenn es dabei um den Bereich Content geht - allein für die Content Provider hat das gesamte E-Business mehr Haue verdient, als es bislang bekommen hat. Um so mehr ein Link also, der aufgrund der politisch korrekten Quelle eigentlich wie geschaffen ist für Google-Ad-feindliche, soziale Themen bevorzugende und Elite- wie Qualitätsbegriffe ablehnende Blogger*.

*solange sie nicht in einem Mitarbeiterverhältnis zu Firmen und Organisationen wie Myblog.de, 20six und der Verlagsgruppe Handelsblatt stehen.

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Sonntag, 7. November 2004

Littleman´s

drunken cousin found - blue at the railroad tracks.



Naja, er war ja schon immer das schwarze Schaf der Familie ;-)

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Manchmal bereue ich es,

2000/2001 kaum Photos von der "Szene" gemacht zu haben. Irgendwie war mir der Film für dieses Umfeld zu schade, und so gibt es viele Bilder von Leuten und besonders den "Prinzessinnen" am Rand des Geschehens, aber wenig Material aus der Todeszone selbst. Nur in drei aufgelösten Firmen hatte ich die Kamera dabei, und nur in einer habe ich aus Spass geknipst - die Bilder aus den anderen beiden Startups schlummern jetzt wahrscheinlich in irgendwelchen Akten einer Kanzlei, die es in der damaligen Form auch nicht mehr gibt. Dabei wäre es so leicht gewesen, sich die Bilder direkt aus den Webcams der Startups zu besorgen.

Vieles von dem, was damals normale Anblicke waren, hat aufgehört zu existieren. Es war fast selbstverständlich, den Argonauten in München über deren Webcam beim Arbeiten zuzuschauen, und zu wissen, dass dort im Moment die Kosten aus dem Ruder liefen. Sie waren zu schnell gewachsen und segelten mit voller Besatzung in die Flaute. Sie stellten ihre überflüssigen Leute dann für ein Charity-Projekt ab. Egal, was man auf den Events über die Auftragslage und die selbstmörderischen Pitches gegen die anderen Agenturkolosse hörte, es wurde in den Räumen immer gearbeitet. 2001 war die Argonauten-Webcam sowas wie ein Tamagotchi für mich, in den langen Nächten eilten sie durch das bunte Büro, 3 Kilometer von mir entfernt, und bereiteten die hoffnungslosen Präsis vor, sinnlos und doch mit angeblich 30 Manntagen so ausgeklügelt, dass sich die kleineren Konkurrenten beim besten Willen nicht vorstellen konnten, dass es gut gehen würde.

Es ging auch nicht gut. Dass das bei Dotcomtod stand, konnten sie nicht leiden; schliesslich brachte doch die Wirtschaftswoche die netten Tagebücher, die ihre Praktikanten unter dem Titel "Ar go east" schrieben. Die Angst, die Verbitterung und das mühsam zusammengeklatschte Traumleben, dessen zentrale Legende das "Meeting im Pool" war, verursachten zumindest in meinem Erleben schizophrene Zustände bei den Betroffenen. Irgendwann schaltete ich den Bilderstram ab, weil es Nachts leerer wurde, und ich kannte kaum mehr Leute, die dort noch arbeiteten.

Heute, in Berlin, bin ich auch wieder nur 3 Kilometer von den hiesigen Argos entfernt, und wie es der Zufall haben will, ist gleich um die Ecke eine Art "Prinzessin", wie die, die auch in München nahe der dortigen Zentrale lebte. Eine Webcam gibt es dort nicht. Aber vielleicht ist es auch ganz gut so, denn wenn ich mir in dreissig Jahren die Bilder vom anbrechenden neuen Jahrtausend anschaue, das so hoffnungsvoll begann und dann in den langen Abschwung bis 2010 rutschte, dann werde ich die gestylten Fassaden, die bunten Wände und Pillen, die netten PR-Mädchen mit ihren netten Lügen und die leeren Gänge der finalisierten Dotcoms und ihre Kultur, ihren Kultus und ihre Ideologie vergessen haben.

Was bleibt, sind Bilder von jungen Frauen, die früh genug die Reissleine gezogen haben und im späten Winter am Starnberger See die Schwäne misstrauisch beäugen, und danach, warm eingepackt, den ersten Tag ohne Dotcom-Job zum ersten Tag am See machen. Und sagen, da sollte man doch ein Buch draus machen.

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Die Freuden des Kleinverlages

Wenn man wie Anne Zielke eine Debütantin ist und mit diesem Bild gleich auf der Startseite des Verlages gefeiert wird, versteht man vielleicht, warum die kleinen Verlage bei allen Problemen im Bereich Marketing und Werbung oft doch die bessere Wahl sind.

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Samstag, 6. November 2004

Kinder am Bahnhof Zoo

bewegen sich meistens in Rollwägelchen fort, oft auch sportiv geschoben von joggenden Eltern, denn dahinter wird es grün, und natürlich gibt es noch ausgemergelte Gestalten, aber das liegt weniger an den Drogen denn am hier üblichen Schönheitsideal.



Diese Szene ist, wie so viele andere Reste der 68er und ihrer Spätfolgen, abgedrängt, mutiert, neu erfunden. Keine Ahnung, mit was sich die Teens in der Kurfürstenstrasse am Laufen halten, aber so richtig kaputt, wie etwa die in Frankfurt an der Kaiserstrasse, sehen sie nicht aus. Das liegt wahrscheinlich an den verwendeten Drogen, falls überhaupt, vielleicht aber auch an der glatten, gesunden Konkurrenz, die aus Osteuropa hierher gebracht, gezwungen, entführt wird. Kaputtheit und Verwahllosung ist dagegen in den Zeiten von AIDS kein geldwerter USP mehr. Vielleicht war es damals, in den 70ern, auch nur eine Modeerscheinung, die irgendwann in den 80ern erheblich an gesellschaftlicher Bedeutung verlor. Es gab alternative Drogen, coolere Drogen, andere rauschhafte Lebensentwürfe, und selbst, wenn es Heroin noch gibt, ist es kein Thema mehr.

Und an der plötzlichen Stille, die ausbricht, wenn man in gewissen Höchstleisterkreisen - Investment Banker, Fernsehmoderatoren, Consultants oder DueDiligence-Anwälten - mal das Wort Kokain laut ausspricht, mag man diesen kulturellen Wandel ermessen. Nicht, weil alle koksen - aber genauso, wie in einer 70er-Kommune jeder auf Herion hätte sein können, gibt es hier prinzipiell die Opportunity. Für jeden. Das wissen sie, und reagieren deshalb so sensibel. Aber aufbegehren trauen sie sich auch nicht, die Kinder vom ICE Bahnhof Zoo, es bleibt beim zischend Luft holen, wenn überhaupt.

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DCT-Ersatz bei Girl

betreffs Windhorst. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

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Real Life 06.11.04 - Telefonat, spät Nachts

Erinnerst Du Dich noch an X von der Kanzlei ....?

Ja, klar, das war doch der mit dem Incubator-Verlustzuschreibungen. Was dann vom Finanzministerium nachträglich gesprengt wurde.

Ich habe ihn heute Abend getroffen. Nach einer halben Stunde meinte er, ob ich vielleicht einen Job wüsste, er würde alles machen, Sachbearbeiter, Recherche, Sekretariat. Ich konnte mir gerade noch die Frage verkneifen, obn er vielleicht auchn putzen würde. Die haben ihn bei .... gefeuert, und wohl auch sonst ziemlich fertig gemacht. Die sagen, wenn da noch was nachkommt, werden sie es bei ihm holen. Und wahrscheinlich haben sie ihn bei der Kammer auch schon im Visier. Na, ist das ne Nachricht?

Ja, das ist eine Nachricht. Danke. Gute Nacht.

X hat´s also doch noch erwischt. Er war sich so sicher, dass er immer durchkommen würde. Niemand würde gegen ihn gewinnen. Und er hat es auch geschafft, die Leute immer das versichern, aussagen und behaupten zu lassen, was ihm geholfen hat. Bis er dann mal einen kleinen Angestellten so tief in die Scheisse geritten hat, dass es bei dem um die Existenz ging. Entweder Selbstmord, oder Dokumentation von allem, was er in die Hände bekommen konnte. Er hat gesammelt, sich weiter darauf eingelassen, aber irgendwann hatte er dann genug und brachte alles zur Staatsanwaltschaft.

Eigentlich war ich mir sicher, dass X von .... und seinem Mentor gedeckt werden würde. X war auf dem Weg zum Partner, und selbst so eine Hausdurchsuchung steckten sie erst mal weg. Jetzt haben sie sich also doch von ihm getrennt, und die Welt, in der er tätig war, ist viel zu klein, um derartige Fehlerverursacher nicht auf immer auszuschliessen. Solche Gestalten kann man sich in diesen Zeiten der aufmerksamen Staatsanwälte und Finanzbehörden nicht leisten. Und für alles andere fehlt ihm die Qualifikation.

Wenn er sich schon bei den üblichen Locations an Kollegen ranmacht, muss es wirklich schlimm um ihn bestellt sein. Er könnte vielleicht selbst eine kleine Butze aufmachen, Abmahnanwalt werden, aber mit der Geschichte, mit diesem Absturz ist es schwer, nochmal hoch zu kommen. Sie haben ihm, genau genommen, öffentlich die Kniescheiben gebrochen und die Hände zertrümmert. Und ich glaube, ich weiss, was sich sein ehemaliger Mentor über X denkt: Dass der Tod eigentlich eine Gnade für ihn wäre - und eine angenehme Koinzidenz für .....

Ich habe sehr angenehm geschlafen, heute Nacht.

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