Kokain

im Musikantenstadel, grölt es aus der Boulevard-Gosse, und sorgt schon nach den ersten Metern zu meiner Wohnung dafür, dass ich die Munich Area mit ihren Core Assets - Schunkeln und Rübe zuknallen bis zur Besinnungslosigkeit oder Start-Up-Gründung - so wiederfinde, wie ich sie vor sechs Wochen verlassen habe. Der gemeine Münchner nimmt natürlich kein Kokain und kann sich hübsche Illusionen machen über die, die es angeblich konsumieren. Diese Jet-Set-Leute, die in dieser Stadt tatsächlich durch die Strassen laufen, vom Büro Richtung Cafe, das Senta Bergers Mann gehört. Einer der mittleren Hauptverantwortlichen für Alando/später Ebay kam mir auch gleich danach entgegen, schnell, hektisch, abgespannt. Die Geschäfte laufen nicht mehr so gut, zumindest nicht so gut wie 99, als jemand aus dieser Szene die Rendite der Drogenmafia als lächerlich gering bezeichnete.

Im Umkehrschluss: Wer dabei war, konnte sich schnell überproportional viel Koks leisten. Brauchten manche auch. Als Ansporn bei der Powerpoint, als Prise Selbstbewusstsein und Extraladung Personality. Auch als Überzeugungkraft, wenn es um den Endkampf um die Weltmarktführerschaft ging. Und auch mal zwischendrin, einfach nur so. Es gab welche, die das wirklich unter Kontrolle hatten, aber nach einer Weile, wenn man viel mit den Typen zusammen ist, merkt man das. Es sind nur kleine Zeichen, Mentalitätsschwankungen, und wenn so ein Typ dann vor die Worker tritt und die Leute mitreisst, obwohl innen drin alles längst morsch und verfault ist, das Geschäftsmodell, die Bilanzen, sein Gehirn, dann begreift man, dass man sich schleunigst nach dem Rettungsboot umschauen sollte.

Es ist teuer, es ist illegal und das war lange Zeit scheissegal, weil sowieso alles eher ungesund war, der Alkohol wie das komische Essen auf den Events, nach 5 Tagen Fingerfood wissen die meisten sowieso nicht mehr, was sie da durch welches Körperloch in sich aufnehmen, und nein, es war keine geile Zeit, nichts Roaring 1999, es war einfach und zuviel Koks und Unerfahrenheit im Praktikantenstadl, es war schmerzhaft dumm, peinlich, und es gibt gute Gründe, warum man bei OpenBC nicht über die Zeit spricht.



Könnte ja das Selbstbewusstsein trüben, und das darf nicht passieren, wenn man in diesen Räumen da oben nochmal das ganz grosse Rad drehen will. Und das pulvrige, weisse Antidot gegen Selbstzweifel ist im Moment einfach zu teuer, sagt man. Also, hat man von dem einem gehört, der den anderen kennt, der wiederum mit der Dingsda zu tun hat, und bei der sagt man ja...

Freitag, 12. November 2004, 19:35, von donalphons | |comment

 
Interessant finde ich, dass Sie, wenn Sie wieder einen Text zum bekannten Thema einstellen, dies stets mit Architekturfotos garnieren. Nicht mit Menschen. Denn: So schnell vergänglich der hype, der ganze Glas-Betonkrempel bleibt stehen, ein Memento New Economy. Gewonnen hat eigentlich hochtief. Aus diesem Blickwinkel möchte ich die (verdienstvollen) Reportagen über verfallenene Arreale des Exsozialismus als ins Heute geholte Vorausdeutung auf die Zukunft verstehen. So, wie man heute durch zerborstene Komplexe an der Autobahn gen Bayern spazieren kann, wird man es vielleicht schon durch gewisse Hallen tun können, in denen jetzt noch Biotechfirmen siechen. Die Architektur stirbt immer 15 Jahre später. Man mag sie zur Pflege des Selbstverständnisses wie in Audi-Stadt mit Lack überziehen, auch sie sind nie mehr das, was sie sein sollten: Bauten für lebendige Körper. Schade, dass unsere Paläste nicht von der Art derer in Norditalien simd, die sich auch als Ruinen gut machen. Um dann 300 Jahre später zu neuem Leben zu erwachen, wenn der Wind der Weltgeschichte wieder Geld oder Geist in die öden Hallen gepustet hat.

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Das hier ist nicht irgendeine Architektur. Das hier ist eine Geldtankstelle für die wenigen, die glauben, dass sie glücklich sind. Vielleicht eine der - dem Namen nach - beste Nitroglycerintanke für junge Leute, die glauben, sie könnten es kontrollieren.

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Für meinen Geschmack etwas kleinbürgerliche Architektur, aber sie wird noch genutzt. Das ist ja sonst in München nicht immer der Fall. Lästern jedenfalls die Makler in Hamburg.

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Es ist der aufgebohrte Hinterhof eines repräsentativen Gebäudes des 19. Jahrhunderts an der Ludwigsstrasse, also direkt in der Maxvorstadt. Da, wo die meisten VCs in der Nähe sitzen. Clusterbildung, und da ist es tatsächlich noch weitgehend ausgebucht. Schlimm wird es in den B-Lagen, Nordschwabing, Haidhausen Munich Media Works, Flughafen...

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Wintersport.

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falk strascheg hat im mm gleich nach verkauf seiner technologieholding an 3i (juni 2000 war das, oder?) im interview mit dem "manager magazin" über seine erfolgsfonds berichtet, und meinte dann: "das sind renditen wie im drogenhandel".
die frage ist nun, was diese aussage mit dem satz: "als jemand aus dieser Szene die Rendite der Drogenmafia als lächerlich gering bezeichnete" zu tun haben soll.

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Straschegs Zitat wurde damals aufgegriffen, und in Elmau 2000 angesichts der günstigeren Einstiegspreise bei Startups als zu pessimistisch verworfen. Beim Empfang des ersten Abends gab es dann jemand, der sich herzlich über Straschegs zu frühen Ausstieg freute und sinngemäss meinte, die ganz grossen Geschäfte würden jetzt erst kommen, die Rendite von Drogenhandel seien dagegen nicht so doll. So waren die Zeiten....habe mich etwas missverständlich ausgedrückt. 99 waren die Geschäfdt gut, und auf der Basis - und nicht den 2000er Pleiten - wurde das zu einem geflügelten Wort.

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ich schreibe gerade was über den neuen markt, bin dabei mehr oder weniger zufällig auf das strascheg-interview gestoßen. im nachhinein hätte es wohl allen eine warnung sein müssen, wenn ein derart erfahrener und abgebrühter vc zu derartigen summen aussteigt. als ich strascheg gegooglet habe, bin ich auch auf einen artikel der ftd gestoßen: der arme, alte herr strascheg habe jetzt eben platz machen müssen für die jungen, dynamischen briten. liest sich gut, jetzt, mit vier jahren abstand.

ach, und nochmal zu dem vergleich: haben drogendealer gewinnspannen von zt 10.000 % (fällt auch in diesem interview)? wäre mir neu.

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Das ging um den Intershop- und Brokat-Fund, wenn ich mich recht erinnere. Da sind die 10.000 keine falsche Zahl.

Man kann über Strascheg geteilter Meinung sein, aber ich denke, dass man von ihm so ziemlich alles in diesem Geschäft lernen kann. Und mit 3i kenne ich absolut kein Mitleid, ich habe deren Geschäftsgebahren a la "Bill´em or kill`em" in Technicolor betrachten dürfen - lieber einen Laden hands on vor die Wand setzen, als potentielle Investoren ran lassen.

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die verhundertfachung des ursprünglichen einsatzes ist natürlich glaubwürdig (siehe google), zumal strascheg einer der wenigen profilierten akteure in einem damals (mitte der 90er) in deutschland absolut unterentwickelten markt war und ja auch noch anteile über den börsengang hinaus gehalten hat.

ich meinte allerdings, dass der vergleich zwar schön asozial klingt, aber nicht zutrifft. die droge muss erst noch erfunden werden, mit der in zwei schritten diese quoten erzielt werden.

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Drogenpreise
Wie sieht es denn mit der Relation Herstellungskosten-Endpreis bei Ecstasy aus? Das kommt schon hin, man darf bei Drogen nicht auf Koks und H fixiert sein.

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