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Dienstag, 21. Juni 2005
Cepco AG braucht keine Patientenkartei mehr,
mit der Nummer 1507 IN 1421/05 des Münchner Amtsgerichts. Noch einmal so eine Story, wie sie in meinem Buch steht... Cepco wollte allen Ernstes Central Patientfile Communication machen, sprich, Patientenkarteien im Internet abrufbar machen, und das im grossen, weltweiten Stil. Bei 6 Milliarden potentiellen Kranken ein gigantischer Markt. Jeder Patient hat dann sein persönliches Portal, auch auf Handy oder Handheld...
Ich denke, es gibt eine ganze Menge alter Jammerlappen beim Kaffeeklatsch, die sowas wunderbar fänden, um sich zwischen Sachertorte und Espresso die neuesten Zivilisationskrankheiten a la Mode aufzuschwatzen. Nur haben die kein Internet. Was den grossen Markt erheblich verkleinert. So klein wie ein Darmverschluss, der bekanntlich tödlich sein kann
Ich denke, es gibt eine ganze Menge alter Jammerlappen beim Kaffeeklatsch, die sowas wunderbar fänden, um sich zwischen Sachertorte und Espresso die neuesten Zivilisationskrankheiten a la Mode aufzuschwatzen. Nur haben die kein Internet. Was den grossen Markt erheblich verkleinert. So klein wie ein Darmverschluss, der bekanntlich tödlich sein kann
donalphons, 19:00h
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cosmic-media - da schwimmt was in der See vor Sylt
und das hat den süsslichen Geruch, den New Media Agenturen nun mal so verströmen, wenn sie Nummern wie 5 IN 65/05 im Amtsgericht an den kleinen Zeh gebunden bekommen. Eigentlich sollte zwischen fetten Kühen und dullen Grietjen, zwischen Immohaifischen und Dorfkrüglern genug Sonderkonjunktur sein, um eine derartige Firma ein paar Zentimer über Wasser zu halten - sollte man meinen. Damit Sprüche über den Gründer a la "gelang es nach kurzer Zeit den Namen cosmic-media.de in der Welt der Medien zu etablieren" nicht allzu peinlich kommen.
Mit auf den Meeresgrund sinken übrigens auch gleich ein halbes virtuelle Dutzend Inselplattformen. Kein Wunder, wer sich Sylt noch leisten kann, braucht keine Internetsuche. Macht alles das Büro. Und nein, ich klann Sylt absolut nicht leiden, das war schlimmer als Berlin. Und natürlich ist das hier nur ein kleiner Steckerlfisch gegen das hier.
Mit auf den Meeresgrund sinken übrigens auch gleich ein halbes virtuelle Dutzend Inselplattformen. Kein Wunder, wer sich Sylt noch leisten kann, braucht keine Internetsuche. Macht alles das Büro. Und nein, ich klann Sylt absolut nicht leiden, das war schlimmer als Berlin. Und natürlich ist das hier nur ein kleiner Steckerlfisch gegen das hier.
donalphons, 18:27h
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Ein kleines Sommergericht,
welches ist eigentlich eine Vorspeise,
und ergo wunderbar geeignet für heisse Tage,
da deren Zubereitung dauert nur 10 Minuten,
dero grösster Teil man den Elitessen beim Abhetzen
für ihre ungewisse Zukunft zuschauen kann,
denn was soll schon ausser Sachbearbeiterinnen
aus ihnen werden nach dem Diploma,
da ist nichts mit prächtigem Schmausen,
da wird sein Schmalhans Küchenmeister,
da werden die Kaserollen des Caterings
sich nie mehr füllen mit gespesten Spezereien,
und insofern ist die schlichte, feine Speise
fast schon ein Ideal für die kleine Welt,
in der die schlechteren Söhne der besseren Familien
sintemalen das Stammhaus verschönern,
niedergeschrieben im traumhaften Sommer
im Bayern des Jahres MM et V.
Dabei, liebe Leser, handelt es sich um Champignons spanischer, manche sagen auch kalabreser Art. Egal, das Rezept ist nicht selten, und ganz vorzüglich auch nördlich der Alpen anwendbar. Besagte schlechtere Söhne sollen nehmen:
400 Gramm nicht mehr ganz frische, mittelgrosse Champignons
Rosmarin, Salbei, ein Teelöffel klein geschnittener weisser Speisezwiebel, Salz und Pfeffer, etwas Balsamico-Essig und drei Esslöffel Olivenöl, ein Esslöffel geriebener Parmesan (deftig) oder Asiago (mild).

Die Zubereitung schafft jeder, der schon mal eine Päckchensuppe gekocht hat: Pilze achteln, in kochendes Wasser geben und etwa 3-5 Minuten (je nach Alter) köckeln lassen. Abseien, Gewürze, Zwiebeln und Öl in eine Glasschale geben, Pilze dazutun, mit dem Käse überstreuen und vermischen, salzen und, nein, nicht pfeffern. Weisse Pfefferkörner in einem Mörser, idealerweise in einem Bronzemörser der jesuitischen Vorbesitzer dieses Hauses (terminus ante quem 1773) zerstossen und dazu geben.
Das, liebe Leser, hat Stil. Vergesst mal lieber ganz schnell die peinlichen Pfeffermühlen. Am besten vergesst ihr sie, solange die Pilze eine Stunde im Kühlschrank Öl und Essig ziehen und auf angenehme 5-8 Grad abkühlen. Dann draussen mit frischem Weissbrot und etwas Frischkäse, wie Saint Ceols, und eventuell Rucola geniessen. Das Leben ist schön.
und ergo wunderbar geeignet für heisse Tage,
da deren Zubereitung dauert nur 10 Minuten,
dero grösster Teil man den Elitessen beim Abhetzen
für ihre ungewisse Zukunft zuschauen kann,
denn was soll schon ausser Sachbearbeiterinnen
aus ihnen werden nach dem Diploma,
da ist nichts mit prächtigem Schmausen,
da wird sein Schmalhans Küchenmeister,
da werden die Kaserollen des Caterings
sich nie mehr füllen mit gespesten Spezereien,
und insofern ist die schlichte, feine Speise
fast schon ein Ideal für die kleine Welt,
in der die schlechteren Söhne der besseren Familien
sintemalen das Stammhaus verschönern,
niedergeschrieben im traumhaften Sommer
im Bayern des Jahres MM et V.
Dabei, liebe Leser, handelt es sich um Champignons spanischer, manche sagen auch kalabreser Art. Egal, das Rezept ist nicht selten, und ganz vorzüglich auch nördlich der Alpen anwendbar. Besagte schlechtere Söhne sollen nehmen:
400 Gramm nicht mehr ganz frische, mittelgrosse Champignons
Rosmarin, Salbei, ein Teelöffel klein geschnittener weisser Speisezwiebel, Salz und Pfeffer, etwas Balsamico-Essig und drei Esslöffel Olivenöl, ein Esslöffel geriebener Parmesan (deftig) oder Asiago (mild).

Die Zubereitung schafft jeder, der schon mal eine Päckchensuppe gekocht hat: Pilze achteln, in kochendes Wasser geben und etwa 3-5 Minuten (je nach Alter) köckeln lassen. Abseien, Gewürze, Zwiebeln und Öl in eine Glasschale geben, Pilze dazutun, mit dem Käse überstreuen und vermischen, salzen und, nein, nicht pfeffern. Weisse Pfefferkörner in einem Mörser, idealerweise in einem Bronzemörser der jesuitischen Vorbesitzer dieses Hauses (terminus ante quem 1773) zerstossen und dazu geben.
Das, liebe Leser, hat Stil. Vergesst mal lieber ganz schnell die peinlichen Pfeffermühlen. Am besten vergesst ihr sie, solange die Pilze eine Stunde im Kühlschrank Öl und Essig ziehen und auf angenehme 5-8 Grad abkühlen. Dann draussen mit frischem Weissbrot und etwas Frischkäse, wie Saint Ceols, und eventuell Rucola geniessen. Das Leben ist schön.
donalphons, 17:49h
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An der Grenze zwischen Tag und Nacht,
unterhalb der Schleierwolken, der einzigen Wolken des Tages, fliegt eine Maschine Richtung Nord-Nord-Osten - vermutlich eine Abendmaschine von München nach Berlin.

Grauenvolle Vorstellung, das Ankommen in Berlin TXL, die flirrende Backofenhitze in der versiegelten Stadt, ein kleines, wohliges Gruseln auf dem Deck Chair, mein Ex-Fast-Nachbar Matthias zieht da hin, der Ärmste, dann noch eine Tasse Tee, und die Hand streichelt eine Berliner Stadtpflanze, einen Thymian, der vom Berliner Balkon kommt und hier nun prächtig gedeiht. Danach etwas über die Pleiten der Medienkonzerne in der Blogosphäre schreiben. Das Leben ist schön.

Grauenvolle Vorstellung, das Ankommen in Berlin TXL, die flirrende Backofenhitze in der versiegelten Stadt, ein kleines, wohliges Gruseln auf dem Deck Chair, mein Ex-Fast-Nachbar Matthias zieht da hin, der Ärmste, dann noch eine Tasse Tee, und die Hand streichelt eine Berliner Stadtpflanze, einen Thymian, der vom Berliner Balkon kommt und hier nun prächtig gedeiht. Danach etwas über die Pleiten der Medienkonzerne in der Blogosphäre schreiben. Das Leben ist schön.
donalphons, 04:32h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Montag, 20. Juni 2005
Sätze, die ich mag
"In spätestens zehn Jahren ist programmiertes Fernsehen ein Randmedium für die Alten und die Dummen" - von hier via hier.
Schon witzig, wenn in einer total überalteten Gesellschaft, in der ein Stoiber als Wirtschaftskompetenzling gilt und eine Merkel nicht im Sanitärbereich arbeiten muss, die Alten und die Dummen ein "Randmedium" haben sollen. Die Alten und die Dummen sind die allermeisten. Und wie deren Medienkonsum aussieht, kann sich jeder antun, wenn er mal ein Altersheim besucht. Oder nur mal seine Eltern.
Tendenziell werden die Alten und die Dummen auch nicht weniger. Das sind dann auch die Bequemen, die nur dann irgendwo einkaufen, wenn daneben ein Parkplatz ist. Das sind die Beeinflussbaren und Werbezielgruppen, im Gegensatz zu den meisten Internetfreaks, die Werbung noch nicht mal merh wahrnehmen. Die Vorstellung, dass alle tierisch interaktiv irgendwelche Streamcontents downloaden, über die Tastatur gebückt Foren nach weiteren tollen Sendungen abgrasen und die Mittelsmänner der Programmplaner überflüssig machen, ist nicht kompatibel zu Bier, Wampe, Chips und dem Wunsch nach drei Morden in der typischen Grünwalder Villa nach acht Stunden - in 10 Jahren Merstoiwelle dann eher 10 Stunden-Maloche.
Kompatibel ist es momentan nur zu Maxdome oder Youwant.com oder sonstigen lustigen Ideen aus der Zeit 1998-2001. Kennt das noch wer? Nicht? Die hatten aber schon sowas für die jungen Klugen entwick... Na egal. Vielleicht sind manche der jungen Klugen, die laut der obigen Berechnung übrig bleiben, auch einfach nur ein klein wenig vergesslich. Wahrscheinlich kreuzt bald wieder so ein junger Klugseinwollender bei Bertelsmann auf und behauptet was von Internetauto-TV-on-Demand via UMTS. Für die ganz kleinen Supachecker auf der Rückbank, die noch nie was von Jobmaschine Internet gehört haben. Oder von B2C-Marketplaces, oder vom grandiosen Erfolg der Musikplattformen, wo jeder Musiker ganz schnell zum Star werden konnte. Und sei es auch nur mit dem gesampelten Clicken auf die Reload-Taste.
Schon witzig, wenn in einer total überalteten Gesellschaft, in der ein Stoiber als Wirtschaftskompetenzling gilt und eine Merkel nicht im Sanitärbereich arbeiten muss, die Alten und die Dummen ein "Randmedium" haben sollen. Die Alten und die Dummen sind die allermeisten. Und wie deren Medienkonsum aussieht, kann sich jeder antun, wenn er mal ein Altersheim besucht. Oder nur mal seine Eltern.
Tendenziell werden die Alten und die Dummen auch nicht weniger. Das sind dann auch die Bequemen, die nur dann irgendwo einkaufen, wenn daneben ein Parkplatz ist. Das sind die Beeinflussbaren und Werbezielgruppen, im Gegensatz zu den meisten Internetfreaks, die Werbung noch nicht mal merh wahrnehmen. Die Vorstellung, dass alle tierisch interaktiv irgendwelche Streamcontents downloaden, über die Tastatur gebückt Foren nach weiteren tollen Sendungen abgrasen und die Mittelsmänner der Programmplaner überflüssig machen, ist nicht kompatibel zu Bier, Wampe, Chips und dem Wunsch nach drei Morden in der typischen Grünwalder Villa nach acht Stunden - in 10 Jahren Merstoiwelle dann eher 10 Stunden-Maloche.
Kompatibel ist es momentan nur zu Maxdome oder Youwant.com oder sonstigen lustigen Ideen aus der Zeit 1998-2001. Kennt das noch wer? Nicht? Die hatten aber schon sowas für die jungen Klugen entwick... Na egal. Vielleicht sind manche der jungen Klugen, die laut der obigen Berechnung übrig bleiben, auch einfach nur ein klein wenig vergesslich. Wahrscheinlich kreuzt bald wieder so ein junger Klugseinwollender bei Bertelsmann auf und behauptet was von Internetauto-TV-on-Demand via UMTS. Für die ganz kleinen Supachecker auf der Rückbank, die noch nie was von Jobmaschine Internet gehört haben. Oder von B2C-Marketplaces, oder vom grandiosen Erfolg der Musikplattformen, wo jeder Musiker ganz schnell zum Star werden konnte. Und sei es auch nur mit dem gesampelten Clicken auf die Reload-Taste.
donalphons, 15:58h
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Real Life 19.06.05 - Elitesse in Love
Es heisst hier nicht, wie weiter südlich, Siesta, sondern ganz banal Mittagsschlaf. Früher spiegelte sich das auch in den Geschäftszeiten wieder, und heute hält man sich zumindest im Sommer, am Sonntag noch daran. Früher Nachmittag in der Stadt, da passiert absolut nichts. Die schlechteren Söhne aus besserem Hause vertreiben sich ihre Zeit mit einer Silberschale und 8 Eiertomaten, die weit abseits von meditativem Feng Shui und der Weltentsagung der Stilleben so angeordnet werden, dass die nach oben gerichteten Nippel der Tomaten die erwartete Besucherin optisch auf das einstellt, was besagte Söhne gerne von ihr sehen würden.

Und in Gedanken an eine vielleicht verflossenes Ideal hoch im Norden summen sie: "Zieh dich aus, kleine Maus, mach dich..." Das Leben ist schön, hier oben.
In der Stadt gibt es zwei Arten von Menschen: Die einen haben eine Dachterasse und geniessen ihr Leben im unendlich blauen Äther hoch über der Stadt, die anderen haben Löcher ohne Balkon und verkümmern zwischen engen, viel zu engen Wänden. Im Winter spielt das keine Rolle, im Sommer ist es die einzig relevante Differenzierung. Die schlechteren Söhne haben Dachterassen, die Elitessen unter ihnen haben Gänge mit Überdachung und Schiessschartenfenster, und einen Kasernenhof voller Sand und Kiesel, als ob es ein Exerzierplatz wäre. Keine Blume, kein Strauch, kein Gras, kein Baum, nichts, der ideale Ort für chronische Lebenshasser und Drillfetischisten. Insofern, gut, nicht ganz unpassend für die Elitessen und sonstige Career Turbos in ihren Kasematten.
Aber zwischen dem Giessen von Basilikum und Rosmarin schnackelt ein Schloss, eine Elitesse geht zur Freitreppe und telefoniert. So, wie das herübergetragene Gewisper klingt, weil sich ihr Herz geöffnet hat, und das verträgt keine geschlossenen Räume. Sie trägt einen dieser leichten, hellbraunen, gerade noch förmlichen Röcke, die sich die Elitessen in den Metropolen beim Praktikum kaufen, Flipflops und obenrum ein halbes Nichts, das seine Existenz vor allem den schwarzen Spaghettiträgern verdankt. Schwarze Spaghetti mit Pesto a la Siciliana, sahnig und hellbraun, das wäre auch eine Idee für heute Abend.
Sie spricht leise, und lacht hell. Bessere Söhne verstehen kein Wort und trotzdem sofort, denn die Art, wie sie ans Geländer tritt, ihre Füsse durch das Gitter schiebt, die Zehen betrachtet und sie aneinander reibt, wie sie sich wieder löst, in den Schatten wandelt und sich an die Wand schmiegt, wie sie den Kopf zur Seite neigt und sich an den Hörer lehnt wie an eine Schulter, sagt alles. Der sanfte Wind spielt mit ihrem Rock und den Haaren, und sie zuft hier und da an sich. Es ist der Anruf, auf den sie gewartet hat, und sie weiss, dass er das mögen wird, was er, heute, morgen, irgendwann Nachts bei ihr finden soll.
Dann, nach langem Hin und her, ist das Gespräch vorbei. Sie lächelt das Telefon an, als die Verbindung erlischt, und tänzelt zurück in ihr Loch mit Schiessscharte. Die besseren Söhne mögen den Anblick ihres bewegten Körpers, und hoffen, dass sie jetzt irgendwas macht, das nichts mit Human Ressources Development, Marketing Strategy, Powerpoint oder kreativer Buchführung zu tun hat.

Und in Gedanken an eine vielleicht verflossenes Ideal hoch im Norden summen sie: "Zieh dich aus, kleine Maus, mach dich..." Das Leben ist schön, hier oben.
In der Stadt gibt es zwei Arten von Menschen: Die einen haben eine Dachterasse und geniessen ihr Leben im unendlich blauen Äther hoch über der Stadt, die anderen haben Löcher ohne Balkon und verkümmern zwischen engen, viel zu engen Wänden. Im Winter spielt das keine Rolle, im Sommer ist es die einzig relevante Differenzierung. Die schlechteren Söhne haben Dachterassen, die Elitessen unter ihnen haben Gänge mit Überdachung und Schiessschartenfenster, und einen Kasernenhof voller Sand und Kiesel, als ob es ein Exerzierplatz wäre. Keine Blume, kein Strauch, kein Gras, kein Baum, nichts, der ideale Ort für chronische Lebenshasser und Drillfetischisten. Insofern, gut, nicht ganz unpassend für die Elitessen und sonstige Career Turbos in ihren Kasematten.
Aber zwischen dem Giessen von Basilikum und Rosmarin schnackelt ein Schloss, eine Elitesse geht zur Freitreppe und telefoniert. So, wie das herübergetragene Gewisper klingt, weil sich ihr Herz geöffnet hat, und das verträgt keine geschlossenen Räume. Sie trägt einen dieser leichten, hellbraunen, gerade noch förmlichen Röcke, die sich die Elitessen in den Metropolen beim Praktikum kaufen, Flipflops und obenrum ein halbes Nichts, das seine Existenz vor allem den schwarzen Spaghettiträgern verdankt. Schwarze Spaghetti mit Pesto a la Siciliana, sahnig und hellbraun, das wäre auch eine Idee für heute Abend.
Sie spricht leise, und lacht hell. Bessere Söhne verstehen kein Wort und trotzdem sofort, denn die Art, wie sie ans Geländer tritt, ihre Füsse durch das Gitter schiebt, die Zehen betrachtet und sie aneinander reibt, wie sie sich wieder löst, in den Schatten wandelt und sich an die Wand schmiegt, wie sie den Kopf zur Seite neigt und sich an den Hörer lehnt wie an eine Schulter, sagt alles. Der sanfte Wind spielt mit ihrem Rock und den Haaren, und sie zuft hier und da an sich. Es ist der Anruf, auf den sie gewartet hat, und sie weiss, dass er das mögen wird, was er, heute, morgen, irgendwann Nachts bei ihr finden soll.
Dann, nach langem Hin und her, ist das Gespräch vorbei. Sie lächelt das Telefon an, als die Verbindung erlischt, und tänzelt zurück in ihr Loch mit Schiessscharte. Die besseren Söhne mögen den Anblick ihres bewegten Körpers, und hoffen, dass sie jetzt irgendwas macht, das nichts mit Human Ressources Development, Marketing Strategy, Powerpoint oder kreativer Buchführung zu tun hat.
donalphons, 14:46h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 19. Juni 2005
Bitte geht weiter.
Da links sind ein paar Links, wo mehr passiert. Hier gibt es nichts zu sehen. Hier ist nichts. Hier passiert nichts. Warum auch.
Also, zumindest passiert hier nichts, woraus man eine gute Geschichte machen könnte. Tschüss. Na gut, ein klein wenig passiert, aber das ist vollkommen bedeutungslos.

So treffen sich die führenden Spiesser dieser kleinen Stadt im ersten Haus am Platz im Sommergarten und laden ihre Kinder ein. Die hat das heisse Wetter aus der grossen Stadt hinaus in die kleine Stadt getrieben hat, wo man am Nachmittag in kleinen Seen nackt baden kann. Und da kann man auch gleich noch den familienbesuch machen, den man so lang vor sich hergeschoben hat.

Die Dachterasse, diese wunderbare Erfindung, die nur jeder 20. Stadtbewohner hat, zieht viele neidische Blicke auf sich, und obendrauf sitzen Menschen, denen es im Schatten von Markisen, Sonnenschirmen und Pflanzen gut geht. Zumal gerade Mittag gegessen wurde, mit frischen Kräutern vom Dachgarten, nicht viel, weil es zu heiss ist, aber sehr gut.

Es wird dafür viel getrunken. Von Mensch und Pflanze. Dabei ist Dünger wichtig. Pflanzen bekommen Pflanzendünger in die Kanne, damit sie die Blätter nicht hängen lassen, und Menschen bekommen Teein, damit sie geistig nicht abschlaffen.

Dabei gibt es eigentlich nichts zu tun, ausser vielleicht mit einem blauweiss gestreiften Deck Chair dem wandernden Schatten des Sonnenschirms nachzurutschen, die World of Interiors zu lesen, danach ein Königsdrama von Shakespeare, und vielleicht ein klein wenig Bloggen auf dem Thinkpad, wenn grad mal eine WLAN-Verbindung da ist. Aber was soll man schon bloggen, wenn nichts passiert. Besuch kommt erst sehr viel später, wenn es kühler wurde.
Also, wie gesagt, es passiert nichts. Aber die Art, wie hier nichts passiert, ist ganz wundervoll. Kann sich jemand vorstellen, wie so ein heisser Sonntag in, sagen wir mal, Berlin Mitte ist? Lieber nicht, aha, sehe ich auch so.
Also, zumindest passiert hier nichts, woraus man eine gute Geschichte machen könnte. Tschüss. Na gut, ein klein wenig passiert, aber das ist vollkommen bedeutungslos.

So treffen sich die führenden Spiesser dieser kleinen Stadt im ersten Haus am Platz im Sommergarten und laden ihre Kinder ein. Die hat das heisse Wetter aus der grossen Stadt hinaus in die kleine Stadt getrieben hat, wo man am Nachmittag in kleinen Seen nackt baden kann. Und da kann man auch gleich noch den familienbesuch machen, den man so lang vor sich hergeschoben hat.

Die Dachterasse, diese wunderbare Erfindung, die nur jeder 20. Stadtbewohner hat, zieht viele neidische Blicke auf sich, und obendrauf sitzen Menschen, denen es im Schatten von Markisen, Sonnenschirmen und Pflanzen gut geht. Zumal gerade Mittag gegessen wurde, mit frischen Kräutern vom Dachgarten, nicht viel, weil es zu heiss ist, aber sehr gut.

Es wird dafür viel getrunken. Von Mensch und Pflanze. Dabei ist Dünger wichtig. Pflanzen bekommen Pflanzendünger in die Kanne, damit sie die Blätter nicht hängen lassen, und Menschen bekommen Teein, damit sie geistig nicht abschlaffen.

Dabei gibt es eigentlich nichts zu tun, ausser vielleicht mit einem blauweiss gestreiften Deck Chair dem wandernden Schatten des Sonnenschirms nachzurutschen, die World of Interiors zu lesen, danach ein Königsdrama von Shakespeare, und vielleicht ein klein wenig Bloggen auf dem Thinkpad, wenn grad mal eine WLAN-Verbindung da ist. Aber was soll man schon bloggen, wenn nichts passiert. Besuch kommt erst sehr viel später, wenn es kühler wurde.
Also, wie gesagt, es passiert nichts. Aber die Art, wie hier nichts passiert, ist ganz wundervoll. Kann sich jemand vorstellen, wie so ein heisser Sonntag in, sagen wir mal, Berlin Mitte ist? Lieber nicht, aha, sehe ich auch so.
donalphons, 19:11h
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Hur nein Ka nein Journaille
Meistens kommen die Schweine damit durch - ich kannte mal einen VC, der kurz nach einem erfolgreichen IPO sich mit einem Schreiben seiner in Paris bei einer PR-Agentur ansässigen Freundin zuerst einen Presseausweis und dann die Teilnahme an einem 800 Euro teuren Kongress erschlichen hat. Dort kam er dann ins Schleudern, als er seine Visitenkarten durcheinander brachte.
Nachdem der Kongress zwar privat durchgeführt, ansonsten aber vor allem staatlich finanziert war, machte der Veranstalter kein Aufhebens darum. Niemand verscherzte es sich in dieser kleinen Welt gern mit einem VC.
Aber so ein Landtagsabgeordneter ist ja nur Volksvertreter, da geht das nicht so leicht, auch wenn sie einen Journalistenausweis haben. Zum Glück. Denn Luxushotels sehen bei sowas nur weg, wenn ein Lobbyist die Rechnung für den Politiker übernimmt. Alles andere geht in Richtung Betrug, wenngleich nicht am Wähler.
Nachdem der Kongress zwar privat durchgeführt, ansonsten aber vor allem staatlich finanziert war, machte der Veranstalter kein Aufhebens darum. Niemand verscherzte es sich in dieser kleinen Welt gern mit einem VC.
Aber so ein Landtagsabgeordneter ist ja nur Volksvertreter, da geht das nicht so leicht, auch wenn sie einen Journalistenausweis haben. Zum Glück. Denn Luxushotels sehen bei sowas nur weg, wenn ein Lobbyist die Rechnung für den Politiker übernimmt. Alles andere geht in Richtung Betrug, wenngleich nicht am Wähler.
donalphons, 02:48h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 19. Juni 2005
Country Auction
Und dann ist der Moment da, auf den alle gewartet haben: Die Nachlieferungen. All das, was schnell in den Handel kommen musste, ohne Rücksicht auf die Preise, und das schnell gekauft werden muss, ohne es vorher studiert zu haben. Die Nummern rattern nur so durch, und weil es grosse Sammlungen sind, fällt für jeden Interessenten etwas ab. zum 1., 2., und 3., für 10 Euro an die Nummer 538.

Das bin ich. Eine von 20 Nummern Flacons, und man kann nur vermuten, dass sie, wie schon die Elfenbeinschnitzereien, aus Japan kommen. Vorher war schon ein grosses Konvolut Ständer für Asiatika im Angebot, über 100 Stück. Da war die Sammlung früher mal drauf, die jetzt zerrissen und in alle Winde zerstreut ist. Da hat sich jemand sehr viel Mühe gemacht, hat oft mit Händlern gefeilscht und sie beauftragt, nach neuen Preziosen zu suchen, und in 30 Minuten löst sich das alles in Nichts auf.
Etwas verwundert frage ich mich dann, was ich nun mit einem japanischen Glasflacon, etwa 100 Jahre alt mit delikater Hinterglasmalerei anfangen soll. Es ist eines dieser Wunderkammerstücke, die japanische Form des Buddelschiffs: Der Hals ist keine 5 Millimeter dick, und trotzdem hat der Künstler durch dieses Loch den Pinsel akkurat eingeführt und vier Vögel auf Zweigen gemalt, kaum grösser als ein Quadratzentimeter.
Wer immer das gemacht hat, muss dafür sehr lange geübt haben. Wer immer so etwas gesucht hat, musste vielleicht Jahre auf diesen Fund warten. Wer immer die Sammlung so zertrümmern hat lassen, wird mit dem Geld allenfalls ein paar Tage Urlaub machen können. Auf Malle, vielleicht.

Das bin ich. Eine von 20 Nummern Flacons, und man kann nur vermuten, dass sie, wie schon die Elfenbeinschnitzereien, aus Japan kommen. Vorher war schon ein grosses Konvolut Ständer für Asiatika im Angebot, über 100 Stück. Da war die Sammlung früher mal drauf, die jetzt zerrissen und in alle Winde zerstreut ist. Da hat sich jemand sehr viel Mühe gemacht, hat oft mit Händlern gefeilscht und sie beauftragt, nach neuen Preziosen zu suchen, und in 30 Minuten löst sich das alles in Nichts auf.
Etwas verwundert frage ich mich dann, was ich nun mit einem japanischen Glasflacon, etwa 100 Jahre alt mit delikater Hinterglasmalerei anfangen soll. Es ist eines dieser Wunderkammerstücke, die japanische Form des Buddelschiffs: Der Hals ist keine 5 Millimeter dick, und trotzdem hat der Künstler durch dieses Loch den Pinsel akkurat eingeführt und vier Vögel auf Zweigen gemalt, kaum grösser als ein Quadratzentimeter.
Wer immer das gemacht hat, muss dafür sehr lange geübt haben. Wer immer so etwas gesucht hat, musste vielleicht Jahre auf diesen Fund warten. Wer immer die Sammlung so zertrümmern hat lassen, wird mit dem Geld allenfalls ein paar Tage Urlaub machen können. Auf Malle, vielleicht.
donalphons, 01:49h
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1 (in Worten ein) "Vetrauter"
oder das, was man halt so als Vertrauten bezeichnet, von Bundeskanzler Schröder also soll dem Spiegel gesteckt habem, man plane eine Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 20%.
Ich kenne auch 1 Spiegelmitarbeiter, der den Chefredakteur schon mal allein gesprochen hat, und der sagt, dass beim Spiegel momentan die Parole ausgegeben wurde, Rot-Grün wegzuschreiben. Und noch so ein paar Sachen.
Stimmt wahrscheinlich mehr als die Wahlpropaganda des Spiegels für die Union, würde ich aber auch nicht dahingehend aufsexen, dass der Spiegel eine politische Agenda hat. Zumindest nicht in einer seriösen Zeitung, wo man mehr erwartet als einen namentlich nicht genannten "Vertrauter" aka Hinterträger aka vielleicht auch einfach aufgesextes Geblubber eines Hinterbänklers und eine fette Schlagzeile, die nach 3 Stunden schon wieder Müll ist, weil ich nichts nachzulegen habe.
Natürlich, in der Bild-Gosse, da wo die dicken Umsätze gemacht werden und sie alle hinwollen, ist das nartürlich anders.
Ich kenne auch 1 Spiegelmitarbeiter, der den Chefredakteur schon mal allein gesprochen hat, und der sagt, dass beim Spiegel momentan die Parole ausgegeben wurde, Rot-Grün wegzuschreiben. Und noch so ein paar Sachen.
Stimmt wahrscheinlich mehr als die Wahlpropaganda des Spiegels für die Union, würde ich aber auch nicht dahingehend aufsexen, dass der Spiegel eine politische Agenda hat. Zumindest nicht in einer seriösen Zeitung, wo man mehr erwartet als einen namentlich nicht genannten "Vertrauter" aka Hinterträger aka vielleicht auch einfach aufgesextes Geblubber eines Hinterbänklers und eine fette Schlagzeile, die nach 3 Stunden schon wieder Müll ist, weil ich nichts nachzulegen habe.
Natürlich, in der Bild-Gosse, da wo die dicken Umsätze gemacht werden und sie alle hinwollen, ist das nartürlich anders.
donalphons, 00:44h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 17. Juni 2005
Die Asiatin in der eigenen Wohnung
In der Adoleszenzphase der schlechteren Söhne der besseren Gesellschaft dieser Provinzstadt gab es den Moment, wo sie alle davon träumten. ein Mal, nur ein einziges Mal eine schöne, leere Wohnung zu haben, ein Loft, durch die dann eine traumhaft schöne Asiatin mit undurchschaubarer Zielsetzung, aber vielleicht doch auch Sex, geht und Dinge von existenzieller Bedeutung sagt. Und das Ganze zu Musik aus der Oper Die Wally von Alfredo Catalani...
Es ist nicht so, dass diese Söhne meinten, sich mit einer derartigen Beziehung aus der Spiessigkeit ihrer Heimatstadt herausficken zu können, wo die Zuchtanstalten der Apothekersnachfahrinnen ihrer harrten, es ging auch nicht um das Ausprobieren von Sex jenseits der Stammesgrenzen oder um einen neuen Musikgeschmack. Oder doch, eigentlich ging es genau darum. Das nachzuleben, was man gesehen hatte. Diese Söhne hatte kurz nach 1981 einen Film gesehen, der ihr Leben veränderte. Ein Film voller Figuren ohne Vergangenheit, ohne Charakter, ohne Werte ohne Zukunft ausser Dekor oder Tod.
Diva von Jean-Jaques Beineix, 1980.
Kommt heute um 22.30 Uhr in 3Sat.
Es ist nicht so, dass diese Söhne meinten, sich mit einer derartigen Beziehung aus der Spiessigkeit ihrer Heimatstadt herausficken zu können, wo die Zuchtanstalten der Apothekersnachfahrinnen ihrer harrten, es ging auch nicht um das Ausprobieren von Sex jenseits der Stammesgrenzen oder um einen neuen Musikgeschmack. Oder doch, eigentlich ging es genau darum. Das nachzuleben, was man gesehen hatte. Diese Söhne hatte kurz nach 1981 einen Film gesehen, der ihr Leben veränderte. Ein Film voller Figuren ohne Vergangenheit, ohne Charakter, ohne Werte ohne Zukunft ausser Dekor oder Tod.
Diva von Jean-Jaques Beineix, 1980.
Kommt heute um 22.30 Uhr in 3Sat.
donalphons, 23:33h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 16. Juni 2005
Right here, right now
19.55 Uhr, Richtung Westen.

Morgen geht es in die Berge.

Morgen geht es in die Berge.
donalphons, 23:56h
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Dubai sein
Es ist schon hart. Das mit der finanziellen Situation, in dieser Stadt. Hat auch der Bürgermeister gesagt. Sparen muss sein, denn so viel Geld ist auch nicht mehr da. Die Stadt jedenfalls setzt auf die Eigeninitiative der Bürger. Die sollen es richten. Das mag der Bürger natürlich auch nicht hören, obwohl sein Steuerberater letztes Jahr wirklich sein Geld wert war. Spitzensteuersatz, was soll das sein. Ein Gerücht, solang es noch Verlustzuschreibungen gibt, und - ähem - Sache, die das Finanzamt nichts angehen. Die sollen ruhig mal die Ledercouch im Wohnzimmer als Büroeinrichtung berücksichtigen, für ihr Geld.
Leicht grantig geht er über den penibel gereinigten Platz in Richtung seines Autos. Natürlich werden sie jetzt Rot-Grün zum Teufel hauen, aber so richtig gut ist das hier auch nicht mehr. Bei den Benzinpreisen überlegt man es sich, ob man für ein Mittagessen nach Salzburg fährt. Und dass er bald für seine Tochter wird Studiengebühren zahlen müssen, passt ihm auch nicht. Da kann er sie gleich nach Amerika schicken, das hat mehr Zukunft. Hier geht alles den Bach runter, in 20 Jahren, da hat der wütende junge Mann schon recht gehabt, sieht das hier aus wie Hintersachsen, überall diese Grattler aus der Shopping Mall, das ist nicht mehr seine Stadt.
Weg müsste man, in Ruhe das hart erarbeitete Vermögen geniessen. Aber Mallorca, wo die Giancretinos hingezogen sind, ist ihm zu jung, all die zugekoksten Nackerten, das will er nicht. Er will was, wo die Leute anständig sind, aber sogar in Sizilien ist inzwischen das linke Pack, der Doktor Vialerosso, der dreckade Sozi, ist da hin und sein Baracklerweib macht so Kunstakademien. Thailand kommt nicht in Frage, er mag ja nicht ersaufen. Er kommt an der Raiffeisen-Bank vorbei und schaut auf die Immobilienangebote - und da ist das, was er sucht:

Dubai. Die haben noch richtige Sitten. Und von dem Palm Island hat er auch schon mal im Focus gelesen - und was kostet das? Nur knapp 300.000? Ah so, Anfangspreis... aber für 600.000, da müsste man schon was Ordentliches bekommen, das hätte er grade flüssig, aber nicht hier. Oha, keine Steuern in Dubai, die werden auch nicht fragen, wenn das Geld aus der Schweiz kommt. Und wenn er dann in zwei Jahren in Rente geht, kann er sich ja dort niederlassen.
Das wäre dann doch was, denn das hier, das geht nicht mehr lang gut. In 10 Jahren gibt es garantiert nicht mehr bei jeder kleinen Raiffeisen-Filiale seiner kleinen Stadt solche Angebote, sondern nur noch Grattlerwohnungen. Gleich morgen mal mit Luisa besprechen, das wär´s, dabei sein in Dubai...
Leicht grantig geht er über den penibel gereinigten Platz in Richtung seines Autos. Natürlich werden sie jetzt Rot-Grün zum Teufel hauen, aber so richtig gut ist das hier auch nicht mehr. Bei den Benzinpreisen überlegt man es sich, ob man für ein Mittagessen nach Salzburg fährt. Und dass er bald für seine Tochter wird Studiengebühren zahlen müssen, passt ihm auch nicht. Da kann er sie gleich nach Amerika schicken, das hat mehr Zukunft. Hier geht alles den Bach runter, in 20 Jahren, da hat der wütende junge Mann schon recht gehabt, sieht das hier aus wie Hintersachsen, überall diese Grattler aus der Shopping Mall, das ist nicht mehr seine Stadt.
Weg müsste man, in Ruhe das hart erarbeitete Vermögen geniessen. Aber Mallorca, wo die Giancretinos hingezogen sind, ist ihm zu jung, all die zugekoksten Nackerten, das will er nicht. Er will was, wo die Leute anständig sind, aber sogar in Sizilien ist inzwischen das linke Pack, der Doktor Vialerosso, der dreckade Sozi, ist da hin und sein Baracklerweib macht so Kunstakademien. Thailand kommt nicht in Frage, er mag ja nicht ersaufen. Er kommt an der Raiffeisen-Bank vorbei und schaut auf die Immobilienangebote - und da ist das, was er sucht:

Dubai. Die haben noch richtige Sitten. Und von dem Palm Island hat er auch schon mal im Focus gelesen - und was kostet das? Nur knapp 300.000? Ah so, Anfangspreis... aber für 600.000, da müsste man schon was Ordentliches bekommen, das hätte er grade flüssig, aber nicht hier. Oha, keine Steuern in Dubai, die werden auch nicht fragen, wenn das Geld aus der Schweiz kommt. Und wenn er dann in zwei Jahren in Rente geht, kann er sich ja dort niederlassen.
Das wäre dann doch was, denn das hier, das geht nicht mehr lang gut. In 10 Jahren gibt es garantiert nicht mehr bei jeder kleinen Raiffeisen-Filiale seiner kleinen Stadt solche Angebote, sondern nur noch Grattlerwohnungen. Gleich morgen mal mit Luisa besprechen, das wär´s, dabei sein in Dubai...
donalphons, 23:29h
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Schockiert?
Ja. Klar. Ich habe nie solche Lokalpolitik gemacht. München ist was anderes, eineinhalb Millionen Menschen, fast schon ein Bundesland, aber das hier...
Du kannst dich eigentlich nicht beklagen. Ein Auftritt bei denen, und schon zwei Jobangebote, das gibt es wohl auch nur hier. Echte Traumjobs, eigentlich.
Wir sehen wieder in den Abendhimmel. Ich sage nichts mehr, ich habe heute schon zu viel geredet. Es lag allen auf der Zunge, aber alle haben sie versucht, die Kritik an den Machthabern positiv rüberzubringen. Ich habe gewartet und gewartet, keiner wollte es tun. Niemand hat gesagt, dass das Problem nicht die schlechte Anbindung des Flusses an die Altstadt ist oder sonstige kosmetische Petitessen, sondern das Shopping-Mall-Drecksteil vor der Stadt, das alles hier kaputt macht, und die Politik, die das einfach zulässt. Is hoid a so. Und statt dessen Events wie ein Lederhosenfest in der Innenstadt veranstaltet, tolle Aldi-Süd-Tradition. Das ist der Feind, der Elefant, der im Vortragssaal steht. Dann eben doch, aufstehen, den Clan nennen, damit sie wissen wer das ist, und dann losgehen auf die, die alles mit einem Witzchen abbürsten wollen.
Danach hat sich eine von denen da vorne fast schon entschuldigt, dass sie auch manchmal in dem Stück Westwall da draussen einkauft. Innen drin wissen sie auch, dass sie da ein Stück Wessikapital-Ossislum verbrochen haben, ein Arschgeweih-Mutterschiff, wo sie auch nichts mehr zu melden haben, auch wenn die Disco Alpenmax heisst und irgendwo ein paar weissblaue Neonrauten drankleben. Jetzt hat es ihnen mal jemand gesagt. Trotzdem...

Sag mal...
Hm?
Wie hast du es hier all die Jahre ausgehalten?
Ging so, sagt sie und schenkt sich noch ein Glas Wein ein. Sie sieht immer noch sehr gut aus, wie damals, als ich sie auf der Empore des besseren Tennisclubs kennen gelernt habe. Wir hätten uns schon früher kennen lernen können, aber das Turnier war dann einfach der perfekte Rahmen. Eigentlich geht es für uns immer so, der Stil passt, wir haben die guten Plätze, niemand rührt an den Privilegien, und es wird für unsereins immer eine Ausnahme gemacht, ein Posten geschaffen, ein Job angeboten, man kennt sich schon so lange, wer wird denn da was kritisieren wollen. Wir sind hoch über der Stadt und den Nöten der anderen, die Abendluft ist so wunderbar mild, wie die Dummheit hier alt ist.
Du kannst dich eigentlich nicht beklagen. Ein Auftritt bei denen, und schon zwei Jobangebote, das gibt es wohl auch nur hier. Echte Traumjobs, eigentlich.
Wir sehen wieder in den Abendhimmel. Ich sage nichts mehr, ich habe heute schon zu viel geredet. Es lag allen auf der Zunge, aber alle haben sie versucht, die Kritik an den Machthabern positiv rüberzubringen. Ich habe gewartet und gewartet, keiner wollte es tun. Niemand hat gesagt, dass das Problem nicht die schlechte Anbindung des Flusses an die Altstadt ist oder sonstige kosmetische Petitessen, sondern das Shopping-Mall-Drecksteil vor der Stadt, das alles hier kaputt macht, und die Politik, die das einfach zulässt. Is hoid a so. Und statt dessen Events wie ein Lederhosenfest in der Innenstadt veranstaltet, tolle Aldi-Süd-Tradition. Das ist der Feind, der Elefant, der im Vortragssaal steht. Dann eben doch, aufstehen, den Clan nennen, damit sie wissen wer das ist, und dann losgehen auf die, die alles mit einem Witzchen abbürsten wollen.
Danach hat sich eine von denen da vorne fast schon entschuldigt, dass sie auch manchmal in dem Stück Westwall da draussen einkauft. Innen drin wissen sie auch, dass sie da ein Stück Wessikapital-Ossislum verbrochen haben, ein Arschgeweih-Mutterschiff, wo sie auch nichts mehr zu melden haben, auch wenn die Disco Alpenmax heisst und irgendwo ein paar weissblaue Neonrauten drankleben. Jetzt hat es ihnen mal jemand gesagt. Trotzdem...

Sag mal...
Hm?
Wie hast du es hier all die Jahre ausgehalten?
Ging so, sagt sie und schenkt sich noch ein Glas Wein ein. Sie sieht immer noch sehr gut aus, wie damals, als ich sie auf der Empore des besseren Tennisclubs kennen gelernt habe. Wir hätten uns schon früher kennen lernen können, aber das Turnier war dann einfach der perfekte Rahmen. Eigentlich geht es für uns immer so, der Stil passt, wir haben die guten Plätze, niemand rührt an den Privilegien, und es wird für unsereins immer eine Ausnahme gemacht, ein Posten geschaffen, ein Job angeboten, man kennt sich schon so lange, wer wird denn da was kritisieren wollen. Wir sind hoch über der Stadt und den Nöten der anderen, die Abendluft ist so wunderbar mild, wie die Dummheit hier alt ist.
donalphons, 05:31h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Mittwoch, 15. Juni 2005
Finch'han del vino
calda la testa
una gran festa
va preparar....
Oooops, da klingelt es, schon, wer mag das sein? Sollte sie zu früh? Ja bitte...? Oh, ein Leser meines Blogs, nein, du störst gar nicht, sie kommt erst gegen Abend, komm hoch, aber bitte, nein, ich habe Zeit, wirklich, ja, gerne.
Darf ich Dir virtuell einen Tee anbieten? Etwas Konfekt? Bitte... nein wirklich, ich habe Zeit, sie kommt erst gegen 6, aber ich habe schon mal für sie gedeckt, das muss alles ordentlich geplant und ausprobiert werden, denn der Tisch ist klein und das Geschirr ist gross - so sieht das dann aus, biegen muss sich der Tisch, wie man das in Bayern mag - hier in Bayern hält man so gar nichts von den leeren Tischen der nüwäl Küsien, hier gilt der alte Spruch: Wer ko, der ko.

Genauer gesagt, es gilt als Zeichen der Unhöflichkeit, Gäste unter den eigenen Möglichkeiten zu bewirten. Dabei achtet man allerdings in meiner Generation auf eine gewisse Balance; man versucht nicht, wie unsere Mütter das zwischen Kachelöfen und Butzenscheibenimitat betreiben, die anderen durch immer neue, immer prächtigere Gedecke zu beschämen. Da könnte ich Geschichten erzählen, aus dem grossen Probierlweger Rosenthalkrieg Anno 93... schreckliche Zeiten, damals, es ging nur zu Ende, weil die Beteiligten alle irgendwann keinen Platz mehr hatten, sie sind förmlich an ihren Waffen erstickt, und heute ist das ein kalter Krieg, ausgetragen vor den übervollen, extra für 24er Service angeschafften Vitrinen.
Aber es könnte jederzeit wieder losgehen, und erste Anzeichen sind schon da; es wird wohl diesmal auf dem Schlachtfeld des Tafelsilbers ausgetragen. Ja, gut, das ist meine Schuld gewesen, mein Berlinaufenthalt hat die Gewichte in meiner Heimat so verschoben wie die Endeckung des Silberbergs von Potosi zugunsten der Spanier im 16. Jahrhundert. Und das setzt sich gerade endemisch fort; justament gibt es sicher irgendeine Dame der hiesigen Gesellschaft, die ihre verlotterte Tochter in Berlin auf die Flohmärkte scheucht, um mit dem Porcamadonna-Clan gleichzuziehen.
Wie auch immer: Ich finde das lang-wei-lig, die immer gleichen, passenden Strecken Goldrand und Augsburger Faden, klassisch, uniform, fast schon faschistoid, dieser sklavische Zwang, dass alles identisch sein muss. Nebenbei gesagt ist das auch grauenvoll ahistorisch; die vorbürgerlichen Zeiten, denen von den hiesigen Bauern-, Handwerker- und Grattlernachfahren nachgeeifert wird, waren geprägt von einem grossen Durcheinander. Aber für diese Erkenntnis müssten die Spiesser hier sich wirklich mal die Prunkstilleben in der Alten Pinakothek anschauen, und nicht nur am Samstag von Velasquez zu Böcklin rennen, bevor es nach Nymphenburg zum Nippesshoppen geht, oh, schau mal Georg, dieser entzückende Porzellanmops, das wäre doch was für unsere Tochter, oder sollen wir ihr ein paar Serviettenringe mit Blümchen kaufen?
Ich schweife ab, pardon, jedenfalls ist hier alles durcheinander. Ich könnte auch anders, ich habe auch diese riesigen Geschirrsätze, aber ich pfeife drauf, ich nehme die Teller und grossen Platten, die mir mal eine Enkelin eines hiesigen Brauereibesitzers geschenkt hat -nemas des, Herr Porcamadonna, i hob koan Platz mea dofia, do feit scho wos - böhmische Gläser, portugiesische Karaffen - die auch ihre ganz eigene Geschichte haben - eigenes Familiensilber und Berliner Trouvaillen als Besteck gemischt, leichtes für die Vorspeise, schweres für den Hauptgang und Zweizacke zum Aufspiessen der Trauben, gelegt in mexikanische Schalen, dazu ein zarter Art-Deco-Brotkorb, ein englischer Leuchter und schwere Vorlegegabeln von Christofle und das alles auf Leinen aus der Zeit um 1860, und einem Lärchentisch, der 30 Jahre auf einem Balkon stand und davor 60 Jahre in einer Schneiderei... alles hat hier seine Geschichten
So lebt man also in der Provinz. Zumindest bei mir. Es gibt noch ein paar Besonderheiten; ich lege nur das Besteck für den ersten Gang "richtig" hin. Das erleichtert es den Gästen, sich durch das verschiedenartige Besteck zu wühlen. Es gibt nichts widerlicheres als die alten Weiber in der Vorstadt, die extra prächtig decken und sich vor empörter Geilheit gar nicht mehr einkriegen, wenn jemand einen Fehler macht; sei es nun, dass er zum falschen Löffel greift, das Brot mit dem Messer schneidet oder es wagen sollte, jedes Stück, das dort liegt, wirklich zu benutzen. Dann ist das beglückte Getratsche gross, nichts ist schöner als das Runtermachen, und die Dame des Hauses verbreitet, dass der Gast auf der Brennsuppe dahergeschwommen sein muss. Und sie denkt, dass sie ihm in Zukunft vielleicht doch besser silberne Untersetzer unter das Weinglas stellt, man weiss bei solchen Leuten ja nie, ob die nicht alles versauen...
Und das alles von einem dummen Gschleaf, das nicht kapiert, dass seine runden, kurzzinkigen, angeblichen Kuchengabeln eigentlich für Austern gedacht sind. So ist das bei uns in der Provinz. Kein Wunder, wenn man sich hier eigene Sitten erfindet, deren oberster Leitsatz heisst: Anything goes. Solange es nicht von Ikea und Muttern ist (meine Frau Mama ausgeschlossen).
una gran festa
va preparar....
Oooops, da klingelt es, schon, wer mag das sein? Sollte sie zu früh? Ja bitte...? Oh, ein Leser meines Blogs, nein, du störst gar nicht, sie kommt erst gegen Abend, komm hoch, aber bitte, nein, ich habe Zeit, wirklich, ja, gerne.
Darf ich Dir virtuell einen Tee anbieten? Etwas Konfekt? Bitte... nein wirklich, ich habe Zeit, sie kommt erst gegen 6, aber ich habe schon mal für sie gedeckt, das muss alles ordentlich geplant und ausprobiert werden, denn der Tisch ist klein und das Geschirr ist gross - so sieht das dann aus, biegen muss sich der Tisch, wie man das in Bayern mag - hier in Bayern hält man so gar nichts von den leeren Tischen der nüwäl Küsien, hier gilt der alte Spruch: Wer ko, der ko.

Genauer gesagt, es gilt als Zeichen der Unhöflichkeit, Gäste unter den eigenen Möglichkeiten zu bewirten. Dabei achtet man allerdings in meiner Generation auf eine gewisse Balance; man versucht nicht, wie unsere Mütter das zwischen Kachelöfen und Butzenscheibenimitat betreiben, die anderen durch immer neue, immer prächtigere Gedecke zu beschämen. Da könnte ich Geschichten erzählen, aus dem grossen Probierlweger Rosenthalkrieg Anno 93... schreckliche Zeiten, damals, es ging nur zu Ende, weil die Beteiligten alle irgendwann keinen Platz mehr hatten, sie sind förmlich an ihren Waffen erstickt, und heute ist das ein kalter Krieg, ausgetragen vor den übervollen, extra für 24er Service angeschafften Vitrinen.
Aber es könnte jederzeit wieder losgehen, und erste Anzeichen sind schon da; es wird wohl diesmal auf dem Schlachtfeld des Tafelsilbers ausgetragen. Ja, gut, das ist meine Schuld gewesen, mein Berlinaufenthalt hat die Gewichte in meiner Heimat so verschoben wie die Endeckung des Silberbergs von Potosi zugunsten der Spanier im 16. Jahrhundert. Und das setzt sich gerade endemisch fort; justament gibt es sicher irgendeine Dame der hiesigen Gesellschaft, die ihre verlotterte Tochter in Berlin auf die Flohmärkte scheucht, um mit dem Porcamadonna-Clan gleichzuziehen.
Wie auch immer: Ich finde das lang-wei-lig, die immer gleichen, passenden Strecken Goldrand und Augsburger Faden, klassisch, uniform, fast schon faschistoid, dieser sklavische Zwang, dass alles identisch sein muss. Nebenbei gesagt ist das auch grauenvoll ahistorisch; die vorbürgerlichen Zeiten, denen von den hiesigen Bauern-, Handwerker- und Grattlernachfahren nachgeeifert wird, waren geprägt von einem grossen Durcheinander. Aber für diese Erkenntnis müssten die Spiesser hier sich wirklich mal die Prunkstilleben in der Alten Pinakothek anschauen, und nicht nur am Samstag von Velasquez zu Böcklin rennen, bevor es nach Nymphenburg zum Nippesshoppen geht, oh, schau mal Georg, dieser entzückende Porzellanmops, das wäre doch was für unsere Tochter, oder sollen wir ihr ein paar Serviettenringe mit Blümchen kaufen?
Ich schweife ab, pardon, jedenfalls ist hier alles durcheinander. Ich könnte auch anders, ich habe auch diese riesigen Geschirrsätze, aber ich pfeife drauf, ich nehme die Teller und grossen Platten, die mir mal eine Enkelin eines hiesigen Brauereibesitzers geschenkt hat -nemas des, Herr Porcamadonna, i hob koan Platz mea dofia, do feit scho wos - böhmische Gläser, portugiesische Karaffen - die auch ihre ganz eigene Geschichte haben - eigenes Familiensilber und Berliner Trouvaillen als Besteck gemischt, leichtes für die Vorspeise, schweres für den Hauptgang und Zweizacke zum Aufspiessen der Trauben, gelegt in mexikanische Schalen, dazu ein zarter Art-Deco-Brotkorb, ein englischer Leuchter und schwere Vorlegegabeln von Christofle und das alles auf Leinen aus der Zeit um 1860, und einem Lärchentisch, der 30 Jahre auf einem Balkon stand und davor 60 Jahre in einer Schneiderei... alles hat hier seine Geschichten
So lebt man also in der Provinz. Zumindest bei mir. Es gibt noch ein paar Besonderheiten; ich lege nur das Besteck für den ersten Gang "richtig" hin. Das erleichtert es den Gästen, sich durch das verschiedenartige Besteck zu wühlen. Es gibt nichts widerlicheres als die alten Weiber in der Vorstadt, die extra prächtig decken und sich vor empörter Geilheit gar nicht mehr einkriegen, wenn jemand einen Fehler macht; sei es nun, dass er zum falschen Löffel greift, das Brot mit dem Messer schneidet oder es wagen sollte, jedes Stück, das dort liegt, wirklich zu benutzen. Dann ist das beglückte Getratsche gross, nichts ist schöner als das Runtermachen, und die Dame des Hauses verbreitet, dass der Gast auf der Brennsuppe dahergeschwommen sein muss. Und sie denkt, dass sie ihm in Zukunft vielleicht doch besser silberne Untersetzer unter das Weinglas stellt, man weiss bei solchen Leuten ja nie, ob die nicht alles versauen...
Und das alles von einem dummen Gschleaf, das nicht kapiert, dass seine runden, kurzzinkigen, angeblichen Kuchengabeln eigentlich für Austern gedacht sind. So ist das bei uns in der Provinz. Kein Wunder, wenn man sich hier eigene Sitten erfindet, deren oberster Leitsatz heisst: Anything goes. Solange es nicht von Ikea und Muttern ist (meine Frau Mama ausgeschlossen).
donalphons, 16:41h
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Real Life 14.06.05 - Auf der Dachterasse
Er ist sehr früh aufgestanden, irgendwo im Norden der Republik, hat das Werkzeug zusammengesucht, in einen Karton gepackt, und ist losgefahren. Stunde um Stunde, in Richtung Süden, bis er dann durch die verwinkelten Strassen der Altstadt beim Wohnheim seiner Tochter ankam. Er hat die überteuerten Parktarife geschluckt, die Kiste ausgepackt, und ist dann hoch zu ihr, wahrscheinlich ohne zu bemerken, dass auf der Dachterasse hoch über ihm ein junger Mann an einem Laptop etwas schreibt. Wenn man zu früh aufsteht, hat man keinen Blick für Details übrig, und die kommenden Aufgaben verleiten auch nicht gerade dazu, genussvoll den Reiz der umgebenden manieristischen Baukunst in sich aufzunehmen.
Er klingelt, und heraus kommt eine typische Elitesse, seine Tochter. Sie hat ihr schnurloses Telefon dabei, und eine Schachtel Zigaretten. Er geht hinein, und als er eine viertel Stunde später wieder herauskommt, redet sie schon etwas länger mit einer Freundin, denn es geht um das Studium und das ewige, nervtötende Lernen. Er hat sich umgezogen, Arbeitskleidung, kurze Hose und offenes Hemd. Und er fragt sie etwas, was sie mit einem ungenauen Deuten in Richtung Wohnungstür quittiert. Er verschwindet, kommt gleich wieder, sie folgt ihm kurz und ist gleich wieder da, um eine zu rauchen und wieder jemanden anzurufen. Inzwischen räumt ihr Vater ihr Bad leer und schichtet den Inhalt, Handtücher, etwas saubere und einen grossen Haufen zusammengeknüllter Wäsche auf die Balustrade. Als er auch noch die Kosmetika bringt, greift sie ein und dirigiert ihn zu einem Ort, wo die Fläschchen sicher stehen.
Er verschwindet, sie telefoniert und raucht etwas. Sie steht gelangweilt an der Balustrade, neigt sich etwas über den Hof, eine dünne, elegant geschwungene Linie, blond und nach den Massstäben der Plastic-Techno-Clips von MTV und Viva sehr gut, idealtypisch aussehend, in weiss, pastellorange und dazwischen solariumsbraun um den Bauchnabel. Sie ist nicht wirklich begeistert über den Ablauf dieses Vormittags, aber vermutlich muss das jetzt einfach sein. Es ist wohl auch mehr als das Bad, denn ihr Vater schleppt Teile der Einrichtung heraus, stellt ab und zu eine Frage, die sie meist mit einem Achselzucken beantwortet. Da drin muss es einige Probleme geben.
Nach zwei Stunden hat sie keine Fluppen mehr und geht, um sich neue zu beschaffen. Ihr Vater kommt kurz darauf heraus, schaut sich um, sieht sie nicht. Auch aus 20 Meter Entfernung ist dem Mann am Laptop auf der Dachterasse klar, dass er innerlich erregt ist. Er hat immer alles bezahlt, die riesige Garderobe, das Pferd, die Friseurtermine und die Unmenge an Kosmetika, die Schuhe, die jetzt auf einem Haufen im Gang liegen, das Telefon und die Fluppen, dieses Luxusstudium und das gesamte Styling, das sie hier braucht, um für die Assessment Center ansprechend zu wirken. Als er sie zur Aufnahmeprüfung gebracht hat, dachte er vielleicht an den glanzvollen Weihnachtsball der Elite-Uni.
Er hat ganz sicher nicht erwartet, dass er nach zwei Stunden Dreckschippen im morastigen, runtergekommenen Wohnloch seiner Tochter auch noch auf diese blöde Kuh warten muss. Wahrscheinlich dämmert es ihm gerade, dass er ein paar grundlegende Fehler in der Erziehung dieses unterernährten Luxusmädchens gemacht hat, aber jetzt ist es zu spät, neu zu beginnen.
Dann sieht er sie die offene Treppe hochkommen, und will wissen, wo sie war. Sie ist von den lauten Tönen sichtlich genervt, und als sie bei ihm ist, hebt ein kurzer, bissiger Streit an, leise und dennoch intensiv, in etwa so, wie sie später mal als angehenden HR-Zicke ihre Untergebenen abkanzeln wird. Er verschwindet wieder in der Wohnung, sie raucht noch eine, bis der Ruf "Jetzt komm endlich!" so laut aus der Wohnung dringt, dass es auch der Mann auf der Dachterasse in der Hektik seines Aufbruchs versteht.
Denn im Westen hat sich vor dem Wohnheim eine imposante, dunkle Wolke aufgebaut; eines dieser barocken Ungetüme, in das auf den Kirchengemälden dieser Region bevorzugt Luzifer, Dämonen, Sünder und Ungläubige gestürzt werden. Der Mann auf der Dachterasse weiss, dass es nur noch wenige Minuten dauern wird, bis dichter, kurzer, apokalyptischer Regen hernierderprasselt, die warme Luft kühlend und reinigend, gut für die Pflanzen, aber schlecht für den Laptop. Und erst, als er mit frischem Tee an seinem Bureau Plat sitzt, die Beine behaglich auf dem kaukasischen Teppich ausgestreckt, überlegt er, wie es jetzt auf den 18 verdreckten Quadratmetern da unten gerade zugehen mag. Vielleicht raucht sie am leicht offenen Fenster und bekommt ein paar Tropfen ab, während er unter dem Waschbecken an einer nicht passenden Zange verzweifelt. Und die richtige Zange ist weit, weit im Norden der Republik.
Er klingelt, und heraus kommt eine typische Elitesse, seine Tochter. Sie hat ihr schnurloses Telefon dabei, und eine Schachtel Zigaretten. Er geht hinein, und als er eine viertel Stunde später wieder herauskommt, redet sie schon etwas länger mit einer Freundin, denn es geht um das Studium und das ewige, nervtötende Lernen. Er hat sich umgezogen, Arbeitskleidung, kurze Hose und offenes Hemd. Und er fragt sie etwas, was sie mit einem ungenauen Deuten in Richtung Wohnungstür quittiert. Er verschwindet, kommt gleich wieder, sie folgt ihm kurz und ist gleich wieder da, um eine zu rauchen und wieder jemanden anzurufen. Inzwischen räumt ihr Vater ihr Bad leer und schichtet den Inhalt, Handtücher, etwas saubere und einen grossen Haufen zusammengeknüllter Wäsche auf die Balustrade. Als er auch noch die Kosmetika bringt, greift sie ein und dirigiert ihn zu einem Ort, wo die Fläschchen sicher stehen.
Er verschwindet, sie telefoniert und raucht etwas. Sie steht gelangweilt an der Balustrade, neigt sich etwas über den Hof, eine dünne, elegant geschwungene Linie, blond und nach den Massstäben der Plastic-Techno-Clips von MTV und Viva sehr gut, idealtypisch aussehend, in weiss, pastellorange und dazwischen solariumsbraun um den Bauchnabel. Sie ist nicht wirklich begeistert über den Ablauf dieses Vormittags, aber vermutlich muss das jetzt einfach sein. Es ist wohl auch mehr als das Bad, denn ihr Vater schleppt Teile der Einrichtung heraus, stellt ab und zu eine Frage, die sie meist mit einem Achselzucken beantwortet. Da drin muss es einige Probleme geben.
Nach zwei Stunden hat sie keine Fluppen mehr und geht, um sich neue zu beschaffen. Ihr Vater kommt kurz darauf heraus, schaut sich um, sieht sie nicht. Auch aus 20 Meter Entfernung ist dem Mann am Laptop auf der Dachterasse klar, dass er innerlich erregt ist. Er hat immer alles bezahlt, die riesige Garderobe, das Pferd, die Friseurtermine und die Unmenge an Kosmetika, die Schuhe, die jetzt auf einem Haufen im Gang liegen, das Telefon und die Fluppen, dieses Luxusstudium und das gesamte Styling, das sie hier braucht, um für die Assessment Center ansprechend zu wirken. Als er sie zur Aufnahmeprüfung gebracht hat, dachte er vielleicht an den glanzvollen Weihnachtsball der Elite-Uni.
Er hat ganz sicher nicht erwartet, dass er nach zwei Stunden Dreckschippen im morastigen, runtergekommenen Wohnloch seiner Tochter auch noch auf diese blöde Kuh warten muss. Wahrscheinlich dämmert es ihm gerade, dass er ein paar grundlegende Fehler in der Erziehung dieses unterernährten Luxusmädchens gemacht hat, aber jetzt ist es zu spät, neu zu beginnen.
Dann sieht er sie die offene Treppe hochkommen, und will wissen, wo sie war. Sie ist von den lauten Tönen sichtlich genervt, und als sie bei ihm ist, hebt ein kurzer, bissiger Streit an, leise und dennoch intensiv, in etwa so, wie sie später mal als angehenden HR-Zicke ihre Untergebenen abkanzeln wird. Er verschwindet wieder in der Wohnung, sie raucht noch eine, bis der Ruf "Jetzt komm endlich!" so laut aus der Wohnung dringt, dass es auch der Mann auf der Dachterasse in der Hektik seines Aufbruchs versteht.
Denn im Westen hat sich vor dem Wohnheim eine imposante, dunkle Wolke aufgebaut; eines dieser barocken Ungetüme, in das auf den Kirchengemälden dieser Region bevorzugt Luzifer, Dämonen, Sünder und Ungläubige gestürzt werden. Der Mann auf der Dachterasse weiss, dass es nur noch wenige Minuten dauern wird, bis dichter, kurzer, apokalyptischer Regen hernierderprasselt, die warme Luft kühlend und reinigend, gut für die Pflanzen, aber schlecht für den Laptop. Und erst, als er mit frischem Tee an seinem Bureau Plat sitzt, die Beine behaglich auf dem kaukasischen Teppich ausgestreckt, überlegt er, wie es jetzt auf den 18 verdreckten Quadratmetern da unten gerade zugehen mag. Vielleicht raucht sie am leicht offenen Fenster und bekommt ein paar Tropfen ab, während er unter dem Waschbecken an einer nicht passenden Zange verzweifelt. Und die richtige Zange ist weit, weit im Norden der Republik.
donalphons, 14:02h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 14. Juni 2005
Für Andrea
Bayerische Biergärten haben ausserhalb von Bayern einen etwas derben, rustikalen Ruf, man erwartet darin Lederhosen und Kampftrinker, Fingerhakler und Schnauzbartträger. So zumindest das Bild, das multinationale Braukonzerne von den zwei an und für sich überhaupt nicht idealtypischen Biergärten am Chinesischen Turm und beim Parkcafe in München verbreiten. Der Chinesenturm ist touristisch verseucht, und wer beim Parkcafe an den Holztischen sitzt, sollte bedenken, dass sich darauf über fast 10 Jahre eine ganze Generation Münchner Jeunesse Doree nächtens die Seele aus dem Leib gekokst und gefickt hat, schliesslich konnte man das in der damals angesagten Disco Parkcafe schlecht auf dem Klo tun ... und bei zweiterem weiss ich, wovon ich rede, und dann erst der Brunnen im Sommer - wie auch immer, das sind keine echten Biergärten.
Das hier schon.

Das hier ist einer der schönsten Biergärten, die ich kenne. Am alten Graben meiner Heimatstadt gelegen, wo es Enten, Schwäne, Pfauen und im Wasser fette Hechte und Karpfen gibt, alles wohlgenährt vom Bürgertum, das hier sein altbachanes (wie heisst das auf Schriftdeutsch) Brot zum Gaudium der Tierwelt verwendet. Auch im Hochsommer ist es kühl, die Kinder der hier sitzenden Twentysomethings werden auf dem Spielplatz entsorgt. Nur ab und zu fällt eines hin, dann gellen die Schreie durch die hohen Bäume und die konkreten Stahlkunstwerke, die die Stadt im Überfluss besitzt und die hier praktisch versteckt werden. Dann beginnt das Gerenne, aber sonst ist es ruhig. Und das alles nur 5 Minuten von meiner Wohnung entfernt.
So ist das hier, im Biergarten. Damit Andrea das auch mal sieht (Wir hatten hier vor einer Woche eine Blogger-Convention).
Das hier schon.

Das hier ist einer der schönsten Biergärten, die ich kenne. Am alten Graben meiner Heimatstadt gelegen, wo es Enten, Schwäne, Pfauen und im Wasser fette Hechte und Karpfen gibt, alles wohlgenährt vom Bürgertum, das hier sein altbachanes (wie heisst das auf Schriftdeutsch) Brot zum Gaudium der Tierwelt verwendet. Auch im Hochsommer ist es kühl, die Kinder der hier sitzenden Twentysomethings werden auf dem Spielplatz entsorgt. Nur ab und zu fällt eines hin, dann gellen die Schreie durch die hohen Bäume und die konkreten Stahlkunstwerke, die die Stadt im Überfluss besitzt und die hier praktisch versteckt werden. Dann beginnt das Gerenne, aber sonst ist es ruhig. Und das alles nur 5 Minuten von meiner Wohnung entfernt.
So ist das hier, im Biergarten. Damit Andrea das auch mal sieht (Wir hatten hier vor einer Woche eine Blogger-Convention).
donalphons, 20:04h
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