... newer stories
Mittwoch, 29. Juni 2005
Ficken in Zeiten der Bruthitze
Aus der Abteilung relevante Fragen, die niemand öffentlich stellt. Wo fickt man mit der neuen Eroberung bei mehr als 30 Grad?
Im Bett? Zu heiss, schlecht wegen der Schweissentwicklung jenseits von Blümchensex.
Auf dem Teppich zwischen zwei geöffneten Fenstern? Kurzfristig ok, langfristig zu hart und etwas niedrig.
Auf der neuen Klavierbank zwischen den Fenstern? Viel zu klein für längerfristige Aktionen. Auch nicht wirklich weich.
Trotzdem Bett und dann Dusche abwechselnd? Zu abgehackt, schräger Rythmus.
Auf der Dachterasse? Halbwegs blickdicht und kühl, aber schlecht bei Geräuschentwicklung.
Im Keller? Ich habe auch noch einen Keller aus Jurabruchsteinen, in dem früher Bier gekühlt wurde. Da hat es immer unter 20 Grad, niemand hört dich schreien: Leider ist das auch unvermeidlich, sei es nun wegen der Spinnen, den Ratten oder einfach dem Grabstein, den jemand mal hierher gebracht hat. Der dann auch als Unterlage herhalten müsste, auf dem Boden liegt der Schutt der Jahrhunderte.
Schwierig.
Im Bett? Zu heiss, schlecht wegen der Schweissentwicklung jenseits von Blümchensex.
Auf dem Teppich zwischen zwei geöffneten Fenstern? Kurzfristig ok, langfristig zu hart und etwas niedrig.
Auf der neuen Klavierbank zwischen den Fenstern? Viel zu klein für längerfristige Aktionen. Auch nicht wirklich weich.
Trotzdem Bett und dann Dusche abwechselnd? Zu abgehackt, schräger Rythmus.
Auf der Dachterasse? Halbwegs blickdicht und kühl, aber schlecht bei Geräuschentwicklung.
Im Keller? Ich habe auch noch einen Keller aus Jurabruchsteinen, in dem früher Bier gekühlt wurde. Da hat es immer unter 20 Grad, niemand hört dich schreien: Leider ist das auch unvermeidlich, sei es nun wegen der Spinnen, den Ratten oder einfach dem Grabstein, den jemand mal hierher gebracht hat. Der dann auch als Unterlage herhalten müsste, auf dem Boden liegt der Schutt der Jahrhunderte.
Schwierig.
donalphons, 23:45h
... link (26 Kommentare) ... comment
Die Bäckermeistersgattin, der Autor, seine Kamera und ihr Verbleib
Du verlierst am Samstag deine Kamera beim Einkaufen in Berlin. Du lässt sie irgendwo offen liegen, denkst nicht mehr daran, gehst weiter, und erst, als Du am Abend zu Hause bist, fällt dir auf - sie ist weg. Am nächsten Montag machst du eine Tour durch alle Läden, fragst, bettelst, hinterlässt deine Telefonnummer, aber niemand kann sich an dich oder gar die Kamera erinnern. Du bist verzweifelt. Weniger wegen der Kamera, die nur zum Rumschleifen da war, als vielmehr wegen der darin befindlichen Karte. Es gibt da ein paar Bilder, von denen du keinesfalls willst, dass sie jemand sieht. Oder gar blogt. Du wartest zwei Wochen, zum Glück tauchen nirgendwo Bilder irgendwelcher Geliebter auf, aber zu deinem Pech bleibt die Kamera verschwunden, egal wie oft du bei den Läden anrufst. Wahrscheinlich steht das Ding längst irgendwo bei einem An- und Verkauf, und die Bilder machen die Runde bei einem Amateurbild-Zirkel. So ist das in Berlin.
Zum Glück vergisst du deine Kamera beim Bäcker in der Provinz. Du bemerkst es nicht, aber ein anderer Kunde sieht sie und gibt sie der Bäckermeistersgattin. Die weiss, dass hier nur wenige so neumodisches Zeug haben, und hat dich schon öfters mit so einem Ding gesehen. Naja, der war ja auch eine Weile in Berlin, unvorstellbar... Sie weiss natürlich, wer du bist und wo du wohnst. Also nimmt sie eine Rechnung, auf der ihre Telefonnummer noch als "Fernruf" steht, schreibt das hier drauf,

schickt eine Verkäuferin bei dir vorbei, die erst klingelt, und als du nicht da bist, den Zettel in deinen Briefkasten wirft. Du findest ihn um sieben Uhr, noch bevor du deine Kamera vermisst hast. Natürlich macht die Bäckermeistersgattin nochmal für dich auf und freut sich, dass sie es erraten hat. Du bist dir sicher, dass sie keines der Bilder gesehen hat, das Aufschluss über das skandalträchtige Liebesleben einer geschiedenen Tochter eines besseren Clans der kleinen Stadt geben könnte.
So ist das in der Provinz, wo jeder jeden kennt, besonders, er aus der richtigen Schicht kommt. Das ist die gute Version des menschlichen Abgrunds, der sich beim Pausenprosecco der hiesigen Konzertvereinigung auftut. Für die dich deine Eltern wieder angemeldet haben, aber das ist eine andere Geschichte.
Zum Glück vergisst du deine Kamera beim Bäcker in der Provinz. Du bemerkst es nicht, aber ein anderer Kunde sieht sie und gibt sie der Bäckermeistersgattin. Die weiss, dass hier nur wenige so neumodisches Zeug haben, und hat dich schon öfters mit so einem Ding gesehen. Naja, der war ja auch eine Weile in Berlin, unvorstellbar... Sie weiss natürlich, wer du bist und wo du wohnst. Also nimmt sie eine Rechnung, auf der ihre Telefonnummer noch als "Fernruf" steht, schreibt das hier drauf,

schickt eine Verkäuferin bei dir vorbei, die erst klingelt, und als du nicht da bist, den Zettel in deinen Briefkasten wirft. Du findest ihn um sieben Uhr, noch bevor du deine Kamera vermisst hast. Natürlich macht die Bäckermeistersgattin nochmal für dich auf und freut sich, dass sie es erraten hat. Du bist dir sicher, dass sie keines der Bilder gesehen hat, das Aufschluss über das skandalträchtige Liebesleben einer geschiedenen Tochter eines besseren Clans der kleinen Stadt geben könnte.
So ist das in der Provinz, wo jeder jeden kennt, besonders, er aus der richtigen Schicht kommt. Das ist die gute Version des menschlichen Abgrunds, der sich beim Pausenprosecco der hiesigen Konzertvereinigung auftut. Für die dich deine Eltern wieder angemeldet haben, aber das ist eine andere Geschichte.
donalphons, 18:17h
... link (15 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 28. Juni 2005
Ein Schild und seine Geschichte
Nach so vielen Dirt Pics und Photos von gescheiterten Fond-Immobilien hier mal ein Bild, das so oder ähnlich wahrscheinlich nur wenige Leser in Realität gesehen haben dürften:

Das ist kein Druckfehler, kein Photoshop, sondern nur eine nicht atypischer Erscheinung bei gewissen Modehäusern einer kleinen Boomtown - wer mehr wissen will, warum und wieso, einfach auf´s Bild klicken.

Das ist kein Druckfehler, kein Photoshop, sondern nur eine nicht atypischer Erscheinung bei gewissen Modehäusern einer kleinen Boomtown - wer mehr wissen will, warum und wieso, einfach auf´s Bild klicken.
donalphons, 19:39h
... link (7 Kommentare) ... comment
8 Jahre ohne Internet
Und ohne Telefon. Das klingt jetzt vielleicht komisch für jemanden, der nur im Internet zu existieren scheint. Aber tatsächlich hatte ich in der kleinen Stadt, in der ich so zwischen 1/5 und 1/2 des Jahres und meist den ganzen Sommer verbringe, weder Telefon noch Netz. Ich rufe sowieso niemanden an, und es ist manchmal ganz gut, täglich nicht mehr als eine Stunde vor dem Netz zu hängen. Das geht, das geht locker, und hier spielt das Netz keine Rolle. Fax ist den Leuten allemal lieber, und am besten ist immer noch persönlich vorbeischauen, auf einen Ratsch, oder, wenn es Karten für den Konzertverein betrifft, eine kurze, förmliche Visite mit Vorführung der neuen Versace- ode MiuMiu-Kollektion. Internet homma ned. Sogar die Elitessen lernen hier noch mit Karteikarten, selbstbeschrieben.
Nur zwingen mich nun familiäre Verpflichtungen zu einem normalen Telefonanschluss, und da nehme ich halt auch gleich noch DSL Flat dazu. Eigentlich nur, weil auch noch andere im Haus das wollen, na gut, dann soll es eben sein. Und ausserdem können meine Eltern dann wieder dauerhaft ans Telefon, ohne dass ich es mit dem 56k-Modem bei ihnen daheim blockiere. Das sind, genau genommen, die familiären Verpflichtungen - der Wunsch, sich immer und jederzeit mit anderen stundenlang über das verkorkste Haus da hinten vom Sohn vom reichen ***** auszutauschen, der wohl zu viel "Vom Winde verweht" gelesen hat.
Nur zwingen mich nun familiäre Verpflichtungen zu einem normalen Telefonanschluss, und da nehme ich halt auch gleich noch DSL Flat dazu. Eigentlich nur, weil auch noch andere im Haus das wollen, na gut, dann soll es eben sein. Und ausserdem können meine Eltern dann wieder dauerhaft ans Telefon, ohne dass ich es mit dem 56k-Modem bei ihnen daheim blockiere. Das sind, genau genommen, die familiären Verpflichtungen - der Wunsch, sich immer und jederzeit mit anderen stundenlang über das verkorkste Haus da hinten vom Sohn vom reichen ***** auszutauschen, der wohl zu viel "Vom Winde verweht" gelesen hat.
donalphons, 18:33h
... link (16 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 28. Juni 2005
Sehr zu empfehlen - Nachhaltigkeit
Der Journalist, der Berater und der Restaurator eines alten Hauses haben einiges gemeinsam: Sie wollen, wenn sie gut sind, wissen, was dahinter steckt. Das ist meist nicht einfach: Der Journalist wird ununterbrochen belogen, verarscht und betrogen; der Berater erlebt, wie die Schuld von einem zum anderen geschoben wird, während die Verdienste gehortet werden, und nur der Restaurator hat es mit einem Objekt zu tun, das seinem Auge nur wenig verbergen kann.
Allen dreien wird natürlich suggeriert, man habe nachhaltig gedacht, gearbeitet und gewirtschaftet, ganz gleich wie übel der Skandal, wie vergeblich jeder Rettungsversuch ist oder wie morsch es hinter der Fassade. Im schlimmsten Fall war man seiner Zeit vorraus und deshalb wäre es in Zukunft fraglos nachhaltig gewesen. Einem alten Haus ist die Zukunft egal, es hat schon viel Zukunft kommen und gehen sehen, in seinen Mauern wurde viel Unsinn erdacht und zu wenig Freude am hier und jetzt empfunden, und für wenige Häuser nördlich der Alpen trifft das mehr zu als dasjenige, für das der Verfasser dieses Blogs gerade all seine anderen Tätigkeiten zurückstellt. Dieser alte Brummer hier hat Aufklärer erlebt und Fanatiker, bei jedem Fick im Gebälk erschaudern die Geister von Generationen hier vielleicht noch hausender jesuitischer Memen, seine Bohlen haben junge Freidenker getragen und tote Völkermörder, und heute war es dann so weit: Wie sehen diese Bohlen eigentlich aus? Sind sie auch nach 405 Jahren noch nachhaltig?
Unten, in den vornehmen Stockwerken der Professores und ihrer Bibliotheca voller Abartigkeiten und Hass, später dann der Privatiers und Offiziere, war alles in Ordnung, doch hier oben, 15 Meter über der kleinen Stadt, war nur der Speicher. Wer weiss, ob man da nicht geschludert hat und gespart, ob hier die Zusammenarbeit zwischen hiesigen Zimmerleuten und welschen Baumeistern nicht geklappt hat, viele böse Überraschungen kann es da geben, in Würzburg, Pommersfelden, das Altmühltal hinunter bis ins Voralpenland erklingen in den oberen Geschossen die Schmerzensschreie der Besitzer, weil Feuchtigkeit, Schlamperei, billiges Material und der Holzwurm selbst Dachstühle des späten Barocks zu einer schwammigen, instabilen Masse hat werden lassen. Schräg gegenüber haben die Asams in dem damals zu diesem Komplex gehörenden Oratorium ein Dach hingepfuscht, das nach nur 250 Jahren kurz vor dem Einsturz stand. Das üben wir nochmal, Herr Asam. Wie auch immer, bleiben wir bei dem Unseren, weg mit dem Belag auf dem Boden, und:

Schön. Was sich schon weiter unten angedeutet hat: Intakte Balken aus dem Jahr 1600. 30 Zentimeter breit, 4 Zentimeter dick, Schädlingsbefall minimal, Abnutzung maximal 3 Millimeter, Abstand zwischen den Bohlen nicht mehr als 4 Millimeter - das heisst, maximal 2 Millimeter Schrumpfung in 405 Jahren. Grob gesagt: Bis hier oben etwas ausgetauscht werden muss, können nochmal mindestens 1000 Jahre Säcke geschleift und gestapelt werden. 1000 Jahre, das ist eine ziemlich lange Zeit. Die wilden Sexparties, die hier oben in den 50er und 60er Jahren stattfanden (davon später mehr) waren dagegen so gut wie keine Belastung. Hier oben wurden Vorräte untergebracht, dehalb sind unter den Bohlen auch noch Träger, und die sind 30 Zentimeter dick.
Natürlich ist das Holz nicht glatt. Da sind auch Äste drin. Die Balken sind nicht immer gleich breit, und 4 Millimeter Abstand wäre nach den Massstäben eines heutigen Laminatfussbodens unvorstellbar, ein Fall für eine Reklamation. Allerdings hätte man hier oben Laminat in den letzten 405 Jahren 10, 15 mal erneuern lassen müssen. Sprich rausschmeissen, neues Laminat kaufen und verlegen lassen. Die Gesellschaft Jesu war damals eine Bande durchgeknallter Fanatiker, gegen die ein heutiger islamischer Fundamentalist ein Musterbeispiel der Aufklärung ist, aber hier haben sie - durchaus aus Eigennutz natürlich - das ihren Schäfchen abgenommene Geld für etwas Besseres als die Unterdrückung Andersdenkender und obskure Riten ausgegeben.

Auch das hat sich natürlich erhalten. Dafür brauche ich ja auch den Raum als Bibliothek. Mit einem Giftschrank für solche Sachen. Sage bitte keiner, dass die Aufklärung dergleichen hat verschwinden lassen. Das Papier, auf dem diese Worte der Niedertracht gedruckt sind, hält wie die Bohlen viele Jahrhunderte, wenn alle Computer, auf dem dieser Text gerade erscheint, und alle Leser, und diejenigen, die sich nicht entblöden, von "totem Holz" zu schwätzen, und deren Kinder und Enkel längst zu Staub und Müll zerfallen sind.
Totes Holz oder Wollreste halten nun mal besser als toter Mensch. Und Nachhaltigkeit ist manchmal eben auch nur eine Sekundärtugend.
Allen dreien wird natürlich suggeriert, man habe nachhaltig gedacht, gearbeitet und gewirtschaftet, ganz gleich wie übel der Skandal, wie vergeblich jeder Rettungsversuch ist oder wie morsch es hinter der Fassade. Im schlimmsten Fall war man seiner Zeit vorraus und deshalb wäre es in Zukunft fraglos nachhaltig gewesen. Einem alten Haus ist die Zukunft egal, es hat schon viel Zukunft kommen und gehen sehen, in seinen Mauern wurde viel Unsinn erdacht und zu wenig Freude am hier und jetzt empfunden, und für wenige Häuser nördlich der Alpen trifft das mehr zu als dasjenige, für das der Verfasser dieses Blogs gerade all seine anderen Tätigkeiten zurückstellt. Dieser alte Brummer hier hat Aufklärer erlebt und Fanatiker, bei jedem Fick im Gebälk erschaudern die Geister von Generationen hier vielleicht noch hausender jesuitischer Memen, seine Bohlen haben junge Freidenker getragen und tote Völkermörder, und heute war es dann so weit: Wie sehen diese Bohlen eigentlich aus? Sind sie auch nach 405 Jahren noch nachhaltig?
Unten, in den vornehmen Stockwerken der Professores und ihrer Bibliotheca voller Abartigkeiten und Hass, später dann der Privatiers und Offiziere, war alles in Ordnung, doch hier oben, 15 Meter über der kleinen Stadt, war nur der Speicher. Wer weiss, ob man da nicht geschludert hat und gespart, ob hier die Zusammenarbeit zwischen hiesigen Zimmerleuten und welschen Baumeistern nicht geklappt hat, viele böse Überraschungen kann es da geben, in Würzburg, Pommersfelden, das Altmühltal hinunter bis ins Voralpenland erklingen in den oberen Geschossen die Schmerzensschreie der Besitzer, weil Feuchtigkeit, Schlamperei, billiges Material und der Holzwurm selbst Dachstühle des späten Barocks zu einer schwammigen, instabilen Masse hat werden lassen. Schräg gegenüber haben die Asams in dem damals zu diesem Komplex gehörenden Oratorium ein Dach hingepfuscht, das nach nur 250 Jahren kurz vor dem Einsturz stand. Das üben wir nochmal, Herr Asam. Wie auch immer, bleiben wir bei dem Unseren, weg mit dem Belag auf dem Boden, und:

Schön. Was sich schon weiter unten angedeutet hat: Intakte Balken aus dem Jahr 1600. 30 Zentimeter breit, 4 Zentimeter dick, Schädlingsbefall minimal, Abnutzung maximal 3 Millimeter, Abstand zwischen den Bohlen nicht mehr als 4 Millimeter - das heisst, maximal 2 Millimeter Schrumpfung in 405 Jahren. Grob gesagt: Bis hier oben etwas ausgetauscht werden muss, können nochmal mindestens 1000 Jahre Säcke geschleift und gestapelt werden. 1000 Jahre, das ist eine ziemlich lange Zeit. Die wilden Sexparties, die hier oben in den 50er und 60er Jahren stattfanden (davon später mehr) waren dagegen so gut wie keine Belastung. Hier oben wurden Vorräte untergebracht, dehalb sind unter den Bohlen auch noch Träger, und die sind 30 Zentimeter dick.
Natürlich ist das Holz nicht glatt. Da sind auch Äste drin. Die Balken sind nicht immer gleich breit, und 4 Millimeter Abstand wäre nach den Massstäben eines heutigen Laminatfussbodens unvorstellbar, ein Fall für eine Reklamation. Allerdings hätte man hier oben Laminat in den letzten 405 Jahren 10, 15 mal erneuern lassen müssen. Sprich rausschmeissen, neues Laminat kaufen und verlegen lassen. Die Gesellschaft Jesu war damals eine Bande durchgeknallter Fanatiker, gegen die ein heutiger islamischer Fundamentalist ein Musterbeispiel der Aufklärung ist, aber hier haben sie - durchaus aus Eigennutz natürlich - das ihren Schäfchen abgenommene Geld für etwas Besseres als die Unterdrückung Andersdenkender und obskure Riten ausgegeben.

Auch das hat sich natürlich erhalten. Dafür brauche ich ja auch den Raum als Bibliothek. Mit einem Giftschrank für solche Sachen. Sage bitte keiner, dass die Aufklärung dergleichen hat verschwinden lassen. Das Papier, auf dem diese Worte der Niedertracht gedruckt sind, hält wie die Bohlen viele Jahrhunderte, wenn alle Computer, auf dem dieser Text gerade erscheint, und alle Leser, und diejenigen, die sich nicht entblöden, von "totem Holz" zu schwätzen, und deren Kinder und Enkel längst zu Staub und Müll zerfallen sind.
Totes Holz oder Wollreste halten nun mal besser als toter Mensch. Und Nachhaltigkeit ist manchmal eben auch nur eine Sekundärtugend.
donalphons, 00:50h
... link (4 Kommentare) ... comment
Besuch aus der Berliner DrogenJugendszene
Hey Alter was geht ab bei Euch? Was? Hey krasses Beileid ich schwör, aber die 6 Wochen, die sitzt Du auf einer Backe ab. Ja, is klar dass die Lieferung nicht kommt, aber darum rufe ich an Mann. Ja, weisst, ich wollt sagen dass ich das jetzt nicht brauchen kann. Was? Willst Du fette Stiefelaktion oder was? Hey ich schwör ich vertrag alles, ja, ich schluck einen ganzen Container aus Riga und so, aber jetzt... Nein, Mann, der Stoff war echt ok, keine Frage, das ist es nicht. Nein Mann hör zu ey ich schwör Du sollst zuhören ja Du führst Dich auf wie so a Friseuse aus Vockerode ich schwör ja, ich will keine Extralieferung gratis echt nicht, und es ist auch nicht persönlich. Ich bin grad beim Don.. Na beim Don Alphonso der wo früher im Wedding die geilen Deals mit dem komischen alten Zeug gemacht hat... Richtig, genau bei dem Don. Jedenfalls ist der Don jetzt im Süden und macht Urlaub, da hab ich gesagt ich schau mal vorbei und frag ob er ein paar so Degasse braucht die wo bei uns vom Laster von der Staatsgemäldesammlung gefallen sind.. ja Mann. Der Don hat für mich vorin was zusammengekocht, hey voll krasse Wirkung ... hey Don, der Matze will wissen was das war... Matze? Also, Don sagt es war fett Fettucini mit Kräutersosse wo drin war so Zeug das wo ich nicht kannte. Heisst Thymian, Rosmarin und was extra heftiges was heisst Oregano - kennst Du das Zeug? Don sagte das kommt aus dem Vorderen Orient, krasse Hisbollah-Aktion, da machen die das Zeug, aber er baut das auf seinem Dachgarten selbst an. Und das hat eine Wirkung Mann. Ich sitze hier und hab die geilsten Dinger in den Augen. Krasser Stoff. Volle Visionen. Ahhhh.

Also ciao, Matze. Und wenn ich wieder da bin, versuch mal bei Murat dieses Oregano zu bekommen. Und wenn meine Tuss Dich im Knast besucht bist Du tot ich schwör.

Also ciao, Matze. Und wenn ich wieder da bin, versuch mal bei Murat dieses Oregano zu bekommen. Und wenn meine Tuss Dich im Knast besucht bist Du tot ich schwör.
donalphons, 23:41h
... link (8 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 26. Juni 2005
Radmuttern
Sie: "Hast Du schon mal ein rosa Krokodil gesehen?"
Ich (an der elterlichen Kommode lehnend, Tee trinkend, Böses ahnend): "Nein."
Sie: "Willst Du eines sehen?"
Ich: (seufzend): "Wenn es sein muss..."
Sie: (stellt grinsend ein abscheuliches rosa Handtäschchen aus Krokodilleder aus, das irgendein verkokster Modedesigner sich wohl nach rektaler Penetration mit einer Mistgabel hat einfallen lassen, anders kann man das nicht erklären)
Ich: (lege die Hände vor die Augen und denke nach, ob ich gerade die Radmuttern an ihrem Cabrio richtig angezogen habe. Und ob ich vielleicht nochmal den Schraubenschlüssel holen soll. Andererseits waren auch die Bremsbeläge übel abgefahren...)
Kann vielleicht mal bitte jemand diesen durchgeknallten Film mit rosa Krokohandtäschchen beenden, in dem ich offensichtlich gelandet bin?
Ich (an der elterlichen Kommode lehnend, Tee trinkend, Böses ahnend): "Nein."
Sie: "Willst Du eines sehen?"
Ich: (seufzend): "Wenn es sein muss..."
Sie: (stellt grinsend ein abscheuliches rosa Handtäschchen aus Krokodilleder aus, das irgendein verkokster Modedesigner sich wohl nach rektaler Penetration mit einer Mistgabel hat einfallen lassen, anders kann man das nicht erklären)
Ich: (lege die Hände vor die Augen und denke nach, ob ich gerade die Radmuttern an ihrem Cabrio richtig angezogen habe. Und ob ich vielleicht nochmal den Schraubenschlüssel holen soll. Andererseits waren auch die Bremsbeläge übel abgefahren...)
Kann vielleicht mal bitte jemand diesen durchgeknallten Film mit rosa Krokohandtäschchen beenden, in dem ich offensichtlich gelandet bin?
donalphons, 23:55h
... link (18 Kommentare) ... comment
To do Liste
in 3-D. 9 Meter hoch. 200 qm Fläche. Letzte Bearbeitung ca. 1960. Gehörte erst den Franziskanerinnen, dann Teil eines heute weitgehend zerstörten Patrizierkomplexes, Basis ca. 1450. Oder auch früher, der Steinbefund hinten und im Keller deutet eher auf 1350, und seitdem wurde es nicht besonders gut gepflegt, die Gesellschaft Jesu brachte dort in jüngerer Zeit nur die Kollegiumsküche unter. 1900 gab es erkennbar einen Brand, 1945 gewann die Jurasteinmauer rechts das Duell gegen eine 100-Kilo-Fliegerbombe, aber die Spuren sind noch sichtbar und warten auf Restaurierung.

Nicht heute to do, nicht morgen, irgendwann in den nächsten Jahren. Man muss sich das so vorstellen: Man quält sich drei Tage an einem Fenster ab, und von eben jenem Fenster fällt der Blick hinunter und man überlegt, wie lange man daran wohl sitzen wird, wenn es mal so weit ist. Das sind locker nochmal 15 Fenster. Und mindestens 55o Jahre Baubefunde.
Bloss gut, dass ich das studiert habe. Und das Fenster fertig ist. Jetzt kommt die Tür an die Reihe. Von dort aus sieht man ins fertig Restaurierte.Violinkonzerte von Händel erleichtern das Streichen. Ausserdem ist es immer noch Gold gegen eine bleierne Zukunft mit "neuen, innovativen Wohnformen, die zeitgemäß die gewachsenen Anforderungen an Funktionalität und Mobilität erfüllen". Siehe hier und hier.

Nicht heute to do, nicht morgen, irgendwann in den nächsten Jahren. Man muss sich das so vorstellen: Man quält sich drei Tage an einem Fenster ab, und von eben jenem Fenster fällt der Blick hinunter und man überlegt, wie lange man daran wohl sitzen wird, wenn es mal so weit ist. Das sind locker nochmal 15 Fenster. Und mindestens 55o Jahre Baubefunde.
Bloss gut, dass ich das studiert habe. Und das Fenster fertig ist. Jetzt kommt die Tür an die Reihe. Von dort aus sieht man ins fertig Restaurierte.Violinkonzerte von Händel erleichtern das Streichen. Ausserdem ist es immer noch Gold gegen eine bleierne Zukunft mit "neuen, innovativen Wohnformen, die zeitgemäß die gewachsenen Anforderungen an Funktionalität und Mobilität erfüllen". Siehe hier und hier.
donalphons, 02:56h
... link (15 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 26. Juni 2005
2raumwohnung. Oder so.
Es ist ein wenig schade um den morbiden Charme des Raumes. Aber weitergammeln und den Motten eine Heimstatt sein ist nur dem Ungeziefer ein Vorteil. Es gibt in Irland ein wunderbares Town House aus der Zeit der Aufklärung, etwa 130 Jahre junger als der Kernbau hier, da hat man alles, wirklich alles an alten Spuren konserviert, so wie es die neuen Besitzer vorgefunden haben. Es gibt einige, historische Gründe, warum das hier nicht möglich ist, auch wenn es schon mehrfach überlegt und gedanklich durchgespielt wurde. Die Substanz war hier oben, bei den Dienstbotenkammern im Dach, nie auf Dauerhaftigkeit ausgerichtet. Entweder man renoviert es richtig, oder der Verfall der 100 Jahre alten Einbauten greift die Substanz der 400 Jahre alten Konstruktion an. Der erste Teil ist schon seit 8 Jahren fertig, jetzt kommt der zweite Teil dran. Die eigentliche Bibliothek. Das heisst Abschied nehmen von der durchweichten und abgefallenen Blümchentapete der 50er Jahre, dem unerträglichen Teppichboden über den alten Eichenplanken, dem bröckelnden Putz und den maroden Küchentrümmern aus den frühen 70er Jahren.

Die Tür, der Rahmen, das Schloss, die Fenster, Spolien aus der Zeit, als man hier das Mittelalter in grossen Zügen abriss, bleiben natürlich erhalten. 20 Jahre, sagt man in den Baumärkten, hält ein Fenster aus. Das hier ist 15 Meter hoch eingebaut und frei gegen Westen, und hält jetzt an dieser Stelle seit 50 Jahren, und davor war es schon mal 50 oder 70 Jahre woanders verbaut. Abschleifen, streichen, und es hält nochmals mindestens 20 Jahre. Pfenningguat, heisst das hier. Früher haben sie das Holz 7 Jahre gelagert, bevor es verwendet wurde. Früher haben sie die Aussenleiste aus einem Stück Donaueiche gesägt. Lieber drei Tage lang schleifen, spachteln und pinseln, als irgendwelchen neuen Schrott einbauen lassen. Oder es zu verkaufen, was einem eigentlich jeder rät. Geht gar nicht.
Vor ein paar Jahren hat mir jemand Bilder eines grossen Hauses gezeigt, das an eine Erbengemeinschaft ging. Sie haben es verkauft, es wurde abgerissen, und auf dem grossen Grundstück stehen heute drei Doppelhäuser. Das alte Haus war natürlich etwas abgewohnt, verschlissen und dürftig restauriert, es atmete noch den Geist der früheren Besitzer. Für die Erben war es voller Erinnerungen, aber das Geld half gegen alle Sentimentalitäten. Es gab niemanden, der laut genug nein sagte. Es gab verdammt gute Vernunftgründe, jeder bekam seinen Teil, der wahrscheinlich längst an die Konsumgüterindustrie dieses oder eines anderen Landes gefallen ist. Die Person am Auslöser war ein Grenzfall, die hätte sich vielleicht anders entschieden, aber letztlich dann...
Die demographische Entwicklung sorgt dafür, dass von einer Generation der Erben die Rede ist. Es gibt nicht "die Erben". Mit Verlaub: Es gibt eine grosse Generation der Wurschtigen, und eine kleine Generation der Dabeibleiber, quer durch alle sozialen und politischen Gruppen. Es gibt Bayern, die nach drei Jahrhunderten den Bauernhof "heiss" sanieren, es gibt Leute, die ihre Eltern gehasst haben und es behalten, weil sie sich vom Nussbaum nicht trennen können, auf den sie in ihrer Kindheit geklettert sind. Manche schreien, wenn sie in ihrem neuen SLK fahren, und andere, wenn sie Schiefer in den Fingern haben. Manche sehen die Scharten, andere die Geschichte. Die einen hic bekommen rationale Gründe von ihrem Anlageberater, die anderen haec höhnisches Gelächter wegen der Minimalrendite. Manche leisten sich endlich die Weltreise, andere verzichten 3 Monate auf Freizeit. Die einen ficken sich durch Thailand, die anderen sind wegen dem Acrylschweissgestank und der Schufterei horizontal ungeniessbar. Und nur die wenigsten der ersten Gruppe werden es bereuen, bevor sie Hepathitis C bekommen oder die bombensichere Anlage zur Tretmine wurde.
Genug geärgert. Die zweite Gruppe geht zurück zu Spachtel und Pinsel. Und wenn das erst mal fertig ist, werden hier die grossen, privaten Mirabeau-Festspiele gegeben.

Die Tür, der Rahmen, das Schloss, die Fenster, Spolien aus der Zeit, als man hier das Mittelalter in grossen Zügen abriss, bleiben natürlich erhalten. 20 Jahre, sagt man in den Baumärkten, hält ein Fenster aus. Das hier ist 15 Meter hoch eingebaut und frei gegen Westen, und hält jetzt an dieser Stelle seit 50 Jahren, und davor war es schon mal 50 oder 70 Jahre woanders verbaut. Abschleifen, streichen, und es hält nochmals mindestens 20 Jahre. Pfenningguat, heisst das hier. Früher haben sie das Holz 7 Jahre gelagert, bevor es verwendet wurde. Früher haben sie die Aussenleiste aus einem Stück Donaueiche gesägt. Lieber drei Tage lang schleifen, spachteln und pinseln, als irgendwelchen neuen Schrott einbauen lassen. Oder es zu verkaufen, was einem eigentlich jeder rät. Geht gar nicht.
Vor ein paar Jahren hat mir jemand Bilder eines grossen Hauses gezeigt, das an eine Erbengemeinschaft ging. Sie haben es verkauft, es wurde abgerissen, und auf dem grossen Grundstück stehen heute drei Doppelhäuser. Das alte Haus war natürlich etwas abgewohnt, verschlissen und dürftig restauriert, es atmete noch den Geist der früheren Besitzer. Für die Erben war es voller Erinnerungen, aber das Geld half gegen alle Sentimentalitäten. Es gab niemanden, der laut genug nein sagte. Es gab verdammt gute Vernunftgründe, jeder bekam seinen Teil, der wahrscheinlich längst an die Konsumgüterindustrie dieses oder eines anderen Landes gefallen ist. Die Person am Auslöser war ein Grenzfall, die hätte sich vielleicht anders entschieden, aber letztlich dann...
Die demographische Entwicklung sorgt dafür, dass von einer Generation der Erben die Rede ist. Es gibt nicht "die Erben". Mit Verlaub: Es gibt eine grosse Generation der Wurschtigen, und eine kleine Generation der Dabeibleiber, quer durch alle sozialen und politischen Gruppen. Es gibt Bayern, die nach drei Jahrhunderten den Bauernhof "heiss" sanieren, es gibt Leute, die ihre Eltern gehasst haben und es behalten, weil sie sich vom Nussbaum nicht trennen können, auf den sie in ihrer Kindheit geklettert sind. Manche schreien, wenn sie in ihrem neuen SLK fahren, und andere, wenn sie Schiefer in den Fingern haben. Manche sehen die Scharten, andere die Geschichte. Die einen hic bekommen rationale Gründe von ihrem Anlageberater, die anderen haec höhnisches Gelächter wegen der Minimalrendite. Manche leisten sich endlich die Weltreise, andere verzichten 3 Monate auf Freizeit. Die einen ficken sich durch Thailand, die anderen sind wegen dem Acrylschweissgestank und der Schufterei horizontal ungeniessbar. Und nur die wenigsten der ersten Gruppe werden es bereuen, bevor sie Hepathitis C bekommen oder die bombensichere Anlage zur Tretmine wurde.
Genug geärgert. Die zweite Gruppe geht zurück zu Spachtel und Pinsel. Und wenn das erst mal fertig ist, werden hier die grossen, privaten Mirabeau-Festspiele gegeben.
donalphons, 01:57h
... link (4 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 24. Juni 2005
Dirt Picture Contest - Get your Kicks
on Route 666. Die Strecke beginnt beim grossen Werk, vorbei an grauen Blocks und einem grossen, hässlichen Friedhof zu einer alten, heruntergekommenen Shopping Mall der 70er Jahre, gegenüber ist dann dieses Ambiente, das fast aus einem Road Movie im Mittelwesten stammen könnte.

Dann kommt die Bowlingbahn, ein paar bessere Geschäfte, das Viertel der Ärzte, eine grössere Grünfläche, das Erdbeerfeld, nochmal Grün, und dann das Viertel, in dem man wohnt, wenn man dazu gehört. Nie würde man dort zugeben, dass man aus alter Gewohnheit ab und zu, wenn es die besseren Spiesser packt, bei diesem Wagen auf dem Bild ein halbes Hendl, triefend und fettig, kauft.

Dann kommt die Bowlingbahn, ein paar bessere Geschäfte, das Viertel der Ärzte, eine grössere Grünfläche, das Erdbeerfeld, nochmal Grün, und dann das Viertel, in dem man wohnt, wenn man dazu gehört. Nie würde man dort zugeben, dass man aus alter Gewohnheit ab und zu, wenn es die besseren Spiesser packt, bei diesem Wagen auf dem Bild ein halbes Hendl, triefend und fettig, kauft.
donalphons, 22:42h
... link (6 Kommentare) ... comment
Trümmerfrau bei der Frühstückspause
Und mit diesen Worten schaltet Ihr bitte um zu Andrea Diener und ihrer einzigartigen Haiderösiländische Hirnfick-Betrachtung unter Beteiligung altneuaktuellster Ossiinstitutsprodukte für angewandte Literaturbetriebshurerei.
donalphons, 04:21h
... link (0 Kommentare) ... comment
Merkels Sturmtruppen
in voller Aktion: Eine kleine Säuberung beim Spiegel. Ist das das neue Motto dort? "Marschier im Namen Angelas und Steingarts oder verrecke, Du Redakteurssau."
donalphons, 02:27h
... link (32 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 24. Juni 2005
Real Life 23.06.05 - Abifeier
Sie haben es hinter sich und lassen es nochmal krachen. Das heisst, die Zeiten, als das Schultor über Nacht zugemauert oder das Lehrerzimmer mit Stroh verfüllt wurden, sind natürlich vorbei, heute bedeutet es krachen lassen Lärmbelästigung durch ein perfekt organisiertes Showprogramm. Die Abfolge ist dank Profi-PA überhaupt nicht zu überhören. Und dann rufen sie eine Lehrerin auf, die mit einem anderen Lehrer "Something stupid" intonieren soll, und es ist...
Es ist eine, von denen deine Mutter sagt, dass sie doch sooo nett ist. Eine von denen, deren Väter auf einem urteutsch-christlichen Namen bestand, und du hast damals schon gesagt, dass all die wohlerzogenen Gerlindes und Isoldes und Antonias und Marie-Christines später mal ebensolche abartigen Gymnasialschreckschrauben werden, wie die, die du nicht leiden konntest. Und sie dich auch nicht, wie auch ihre designierten Nachfolgerinnen. Sie machen den von ihren Vätern bevorzugten Namen alle Ehre. Die spezifische Nettigkeit ist die Saat des Bösen in ihnen, und es erfüllt dich nicht wirklich mit Trauer, dass sich die heutige Schülergeneration einen miserablen Ruf verdient hat - es ist sicher kein Spass, diese verkommene Brut inkompetenter Eltern zu Sekundärtugenden zu zwingen.
Da drüben also bringt eine von denen Dir das erzwungene Ständchen, ohne den Text zu können. Naja, es geht ja auch um Gefühle in dem Lied, dafür gab´s in den LKs dieser Stadt mit ihren gottverdammten Dünkeln und ihrer Kurochester-Oberschicht keine Punkte. Die Sängerin wider Willen war übrigens verdammt gut, und jetzt sitzt du hier oben, wie sie ihr Stimmchen zu Markte trägt, ohne die Seele reinzulegen, die sie mutmasslich nicht hat, und du, auf dessen Englisch und Deutsch hier keiner jemals was gegeben hat, bist Schriftsteller und Journalist, nachher ruft New York an. Fuck, möchtest Du rüberbrüllen, FUCK was ist nur aus Euch allen geworden, von hier an geht es nur noch abwärts und ein paar Gehaltsstufen nach oben, und alles, was Euch am Leben hält, ist die Hoffnung, irgendwann Oberstudiendirektor zu werden und das kleinstmögliche Verdienstkreuz zu bekommen, weil ihr auch Chef der kreuzkonservativen Lehrerortsgruppe gewesen seid. FUCK you know, ihr macht Euch da drüben einmal jährlich zum Kasperl, und den Rest des Jahres zur Stütze einer Gesellschaft, die so alt ist wie die Dummheit, und nach Euch wird wieder ein Strom der Etepetetes in die Schulen ziehen, um die Tradition der ewigen Dorftrottel fortzuschreiben.
Nach 3.30 Minuten ist die Karaoke-Maschine abgelaufen, und sie hat es überstanden. Du auch. Sie wird morgen, sehr früh wieder in die Schule gehen, und du, der du das frühe Aufstehen immer gehasst hast, wirst nach einer langen Nacht komatös den ruhigen Schlaf der Fiesen, Gemeinen und Ungerechten schlafen.
Es ist eine, von denen deine Mutter sagt, dass sie doch sooo nett ist. Eine von denen, deren Väter auf einem urteutsch-christlichen Namen bestand, und du hast damals schon gesagt, dass all die wohlerzogenen Gerlindes und Isoldes und Antonias und Marie-Christines später mal ebensolche abartigen Gymnasialschreckschrauben werden, wie die, die du nicht leiden konntest. Und sie dich auch nicht, wie auch ihre designierten Nachfolgerinnen. Sie machen den von ihren Vätern bevorzugten Namen alle Ehre. Die spezifische Nettigkeit ist die Saat des Bösen in ihnen, und es erfüllt dich nicht wirklich mit Trauer, dass sich die heutige Schülergeneration einen miserablen Ruf verdient hat - es ist sicher kein Spass, diese verkommene Brut inkompetenter Eltern zu Sekundärtugenden zu zwingen.
Da drüben also bringt eine von denen Dir das erzwungene Ständchen, ohne den Text zu können. Naja, es geht ja auch um Gefühle in dem Lied, dafür gab´s in den LKs dieser Stadt mit ihren gottverdammten Dünkeln und ihrer Kurochester-Oberschicht keine Punkte. Die Sängerin wider Willen war übrigens verdammt gut, und jetzt sitzt du hier oben, wie sie ihr Stimmchen zu Markte trägt, ohne die Seele reinzulegen, die sie mutmasslich nicht hat, und du, auf dessen Englisch und Deutsch hier keiner jemals was gegeben hat, bist Schriftsteller und Journalist, nachher ruft New York an. Fuck, möchtest Du rüberbrüllen, FUCK was ist nur aus Euch allen geworden, von hier an geht es nur noch abwärts und ein paar Gehaltsstufen nach oben, und alles, was Euch am Leben hält, ist die Hoffnung, irgendwann Oberstudiendirektor zu werden und das kleinstmögliche Verdienstkreuz zu bekommen, weil ihr auch Chef der kreuzkonservativen Lehrerortsgruppe gewesen seid. FUCK you know, ihr macht Euch da drüben einmal jährlich zum Kasperl, und den Rest des Jahres zur Stütze einer Gesellschaft, die so alt ist wie die Dummheit, und nach Euch wird wieder ein Strom der Etepetetes in die Schulen ziehen, um die Tradition der ewigen Dorftrottel fortzuschreiben.
Nach 3.30 Minuten ist die Karaoke-Maschine abgelaufen, und sie hat es überstanden. Du auch. Sie wird morgen, sehr früh wieder in die Schule gehen, und du, der du das frühe Aufstehen immer gehasst hast, wirst nach einer langen Nacht komatös den ruhigen Schlaf der Fiesen, Gemeinen und Ungerechten schlafen.
donalphons, 01:43h
... link (9 Kommentare) ... comment
"Schmierenjournalismus"
Eine Nachricht, die man ganz sicher nicht beim Bananenliefernaten SPON findet.
donalphons, 03:35h
... link (10 Kommentare) ... comment
Ein kleiner Genuss spät Abends
Klischees sind Klischees, weil sie stimmen. Luxus ist teuer, Berlin ist dreckig, München ist hohl, Starnberg ist überschätzt, in Grünwalds Villen wird gemordet, der Elitesse frisst so lang Fertigpizza bis sie Mangelerscheinungen hat, und die Jeunesse Doree kleiner Städte, nun, und hier bekommt das Bild Risse, die überlebenden Mitglieder, die nicht in der Klapse oder der Ehe gelandet sind, die streichen im Schweisse ihres Angesichts Fensterrahmen hoch über der Stadt, kümmern sich um Blumen und richten anderen den Abfluss. Kurz, gegen Sonnenuntergang endet der Arbeitstag, der mit einem bescheuerten Anruf einer typisch uninformiertenBerliner Verwaltungsangestellten begann, die zwar um 8 Uhr am Telefon, nicht aber wirklich bei Besinnung ist. Und der letzte Vertreter der Jeunesse überlegt bei einer Kanne Tee, was er heute Abend zu sich nehmen will. Gegenüber blickt er direkt in die Küchenzeile einer Elitesse, die junge Dame öffnet den Kühlschrank und entnimmt ihm das charakteristische Pappquadrat von Maitre Dr. Oetker - hoffentlich. Oder aber auch irgendwelche No-Name-Pizza.
Das muss nicht sein. Die 2,30 Euro für den vorproduzierten Tiefkühlkrempel - ja, schon gut, auch der Verfasser hat schon mal, trotzdem kein Grund, es zu tun - sind anderweitig besser angelegt. Zum Beispiel mit einem in etwa gleich teuren Omlett, dessen Zutaten heute frisch auf dem Wochenmarkt eingekauft wurden. Das geht ausserdem schneller. Und zwar so:

2 erstklassige Eier aus Biohaltung (0,40 Euro) in einer Schale gut durchquirlen. Etwas Butter (0,05 Euro) bei mittlerer Hitze in einer Pfanne zerlaufen lassen, dazu etwas Petersilie und Rosmarin aus dem Dachgarten.70 Gramm Oberpfälzer Pfifferlinge (1 Euro) waschen und brechen, in der Pfanne etwa 4 Minuten andünsten. Eine Handvoll Rucola (0,25 Euro) waschen und in 2 cm lange Stücke schneiden. 30 Gramm jungen Asiago (0,50 Euro) in kleine Stücke schneiden. Die Eier in die Pfanne geben, nach zwei Minuten den Ruccola dazu und mit dem Käse überstreuen. Salzen und frisch pfeffern; sobald der Käse schön zerlaufen ist, sollte das Omlett unten goldbraun und gut durch sein - und dann sofort auf der Dachterasse serviert werden. Macht 2,20 Euro und etwa 15 Minuten Arbeit. Ein leichter Weisswein wäre für Nichtabstinenzler angemessen, ein würziges Weissbrot, etwa mit Kümmel, ist dazu sehr zu empfehlen.
Gegenüber hat die Elitesse inzwischen den Rolladen runtergelasen und erspart dem Betrachter damit die Verpflichtung, Mitleid bei ihrem Anblick vor kargem Mahl von Ikea-Keramik empfinden zu müssen, selbst, wenn es ein selbstgewähltes, nicht weniger frei bestimmtes Schicksal als das des Verfassers ist. Statt dessen wendet sich der Blick zwischendrin zum Universum, das in seiner unendlichen Güte nicht weniger als diesen Himmel auffährt, an dem gemessen die 16,7 Millionen Farben einer Digitalkamera erbärmlich wenig sind.

hier ca. 67kb gross
Allein die Dokumantationszwecke rechtfertigen diesen müden Abklatsch. Und hier, bei diesem Anblick nun fügt sich das Klischee der oben erwähnten Jeunesse Doree wieder zu einem harmonischen Ganzen: Auf der Dachterasse liegend, selbstzufrieden und ein ganz klein wenig arrogant. Danach in Waughs schiefer Ebene lesend, bis es ganz dunkel wird und am Firmament die unendliche Pracht der Sterne erglüht.
Das muss nicht sein. Die 2,30 Euro für den vorproduzierten Tiefkühlkrempel - ja, schon gut, auch der Verfasser hat schon mal, trotzdem kein Grund, es zu tun - sind anderweitig besser angelegt. Zum Beispiel mit einem in etwa gleich teuren Omlett, dessen Zutaten heute frisch auf dem Wochenmarkt eingekauft wurden. Das geht ausserdem schneller. Und zwar so:

2 erstklassige Eier aus Biohaltung (0,40 Euro) in einer Schale gut durchquirlen. Etwas Butter (0,05 Euro) bei mittlerer Hitze in einer Pfanne zerlaufen lassen, dazu etwas Petersilie und Rosmarin aus dem Dachgarten.70 Gramm Oberpfälzer Pfifferlinge (1 Euro) waschen und brechen, in der Pfanne etwa 4 Minuten andünsten. Eine Handvoll Rucola (0,25 Euro) waschen und in 2 cm lange Stücke schneiden. 30 Gramm jungen Asiago (0,50 Euro) in kleine Stücke schneiden. Die Eier in die Pfanne geben, nach zwei Minuten den Ruccola dazu und mit dem Käse überstreuen. Salzen und frisch pfeffern; sobald der Käse schön zerlaufen ist, sollte das Omlett unten goldbraun und gut durch sein - und dann sofort auf der Dachterasse serviert werden. Macht 2,20 Euro und etwa 15 Minuten Arbeit. Ein leichter Weisswein wäre für Nichtabstinenzler angemessen, ein würziges Weissbrot, etwa mit Kümmel, ist dazu sehr zu empfehlen.
Gegenüber hat die Elitesse inzwischen den Rolladen runtergelasen und erspart dem Betrachter damit die Verpflichtung, Mitleid bei ihrem Anblick vor kargem Mahl von Ikea-Keramik empfinden zu müssen, selbst, wenn es ein selbstgewähltes, nicht weniger frei bestimmtes Schicksal als das des Verfassers ist. Statt dessen wendet sich der Blick zwischendrin zum Universum, das in seiner unendlichen Güte nicht weniger als diesen Himmel auffährt, an dem gemessen die 16,7 Millionen Farben einer Digitalkamera erbärmlich wenig sind.

hier ca. 67kb gross
Allein die Dokumantationszwecke rechtfertigen diesen müden Abklatsch. Und hier, bei diesem Anblick nun fügt sich das Klischee der oben erwähnten Jeunesse Doree wieder zu einem harmonischen Ganzen: Auf der Dachterasse liegend, selbstzufrieden und ein ganz klein wenig arrogant. Danach in Waughs schiefer Ebene lesend, bis es ganz dunkel wird und am Firmament die unendliche Pracht der Sterne erglüht.
donalphons, 02:26h
... link (4 Kommentare) ... comment
: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Mittwoch, 22. Juni 2005
Die kürzerste Nacht des Jahres,
niemals ist das Licht, das Morgengrauen näher, und unten im Kasernenhof hat sich eine kleine Gruppe zu enttäuschender Zukunftshoffnungen versammelt, an einem Biertisch, und ihr Gekicher und die Wortfetzen dringen herauf auf die Dachterasse. Sie sitzen nicht allzu oft da unten, es gibt nicht viele Gelegenheiten durch den Druck, das Studium möglichst schnell zu absolvieren. Selbst die Freizeit ist bei denen teilweise organisiert, die Parties werden zu Events, bei denen sie Marketing üben. Das ist die Zukunft, wahrscheinlich auch an den Unis, bei denen ich war, in den Fächern, die damit nichts zu tun hatten und sich im Kampf um Awareness längst auch an diesem Eselsrennen in das hohle Gequatsche beteiligen, bis sie dann vielleicht ihren Artikel auf der SPON-Hochschulseite bekommen.

Da unten ist die Zukunft gerade im Freeze Mode, sie sitzen einfach so da, ohne die Willingness 2 do something 4 Career, die bei ihnen laut der Welt, aus der ich komme, immer abrufbar sein sollte. Es gibt diese Nacht bestenfalls vier mal während ihrer kurzen Zeit hier, und einmal lernen sie gerade für ihr viel zu frühes Diplom, mit dem sie dann, gerade mal 23 Jahre alt, eine Welt erobern wollen, die trotz Globalisierung und dem ständigen Bedarf an Conquistadores nicht unbedingt auf sie gewartet hat. Ausser vielleicht als Trainpersonal oder Hilfstruppen.
Denn da draussen hat sich die Welt gewandelt. Internet-Marketing und eCRM, zu Beginn ihres Studiums noch die Zukunft des Faches, sind heute so gut wie tot, die Spezialisten dafür sind beim Arbeitsamt. Kein Grund zum Mitleid, auch nichts anderes als die armen Schweine in NRW in ihren Bergwerken, eine sterbende Branche, mit dem kleinen Unterschied, dass dem Kumpel kein Papa den Verlegenheits-MBA in der Schweiz bezahlt. Oder dass sich die Elitesse durchringt und trotz der Ödnis von Testaten und Buchprüfung mit diesem Schwerpunkt noch einen Master dranhängt, auch wenn das so überhaupt nichts mit dem tollen Beruf mit Afterwork und Wachstumshype zu tun hat, den sie sich zum Beginn des Studiums erträumt hat.
Vielleicht kommen sie dennoch irgendwo unter. Es ist nicht wirklich schwer, denn der globalisierte Markt hat sich auf sie eingestellt. Die Gruppe der Career Starter, die früher zwischen 25 und 27 Jahre alt war, ist jetzt eben zwischen 23 und 27 Jahre alt. Ihre Zahl hat sich mal eben verdoppelt, aber die Opportunities sind gleich geblieben. Also hat man aus einer festen Stelle zwei Praktikantenjobs gemacht, und verlangt das einfach mal zum Berufseinstieg. Manager, tss, in München allein soll es etwa 6000 bis 8000 mehr oder weniger arbeitslose, ehemalige Führungskräfte geben, die meisten trauen sich nichts aufs Arbeitsamt und hoffen auf ihr Netzwerk und auf die Stellenanzeigen in der FAZ. Da sieht es für Neulinge nicht gut aus, und wenn doch, dann nur zu Sonderkonditionen. Marktwirtschaft, Baby, Angebot und Nachfrage, und Sozialstaat, Baby, kein Kind und Familie und es ist keine soziale Härte, dich zu feuern, und gerade im mittleren Management, wo du hin willst, gibt es noch eine Menge Einsparpotentiale.
Das ist nicht neu, aber bis vor vier Jahren konnte man noch gründen und von Chancen träumen. Vor vier Jahren erzählte mir einer da unten im Hof was davon, dass sie eine enorm hohe Gründerquote haben. Heute geht es nur in die Sackgasse der"Flandering Phase" "Floundering Period", der Zappelphase mit 100 bundsweiten Absagen, die so gar nicht zu den Career Days passen wollen, die an den Unis abgehalten werden. Die Wirtschaft belügt sie alle. Sie sagt: Wir helfen den Unis bei der bedarfsgerechten Ausbildung - und meint: Schafft uns eine üppige Auswahl, we take the best, was ihr mit dem Rest macht, ist euer Problem. Sie sagt: Verkürzt die Studienzeiten, und meint: Wir brauchen eine mobile, anspruchslose Reserve, die die Schnauze hält, um überhaupt irgendwas machen zu dürfen. Sie sagt: Orientiert euch an der Praxis, und meint: Nehmt uns die Kosten der betrieblichen Bildung ab. Sie sagt, die Unis müssen das im globalen Wettbewerb tun, präsentieren ihre dinkelbraunen Quoteninder und die Haarspray-Killerin aus der HR mit Westküsten-MBA als die Rollenmodelle der Zukunft, die mit schöner Regelmässigkeit scheitert, wie man an so gut wie jeder M&A-Studie sehen kann.
Und inzwischen jammert die Wirtschaft - zurecht, übrigens - über die mangelnde Qualifikation der Turbostudenten. Nicht allzu laut, denn ein Bachelor-Depp gibt immer noch einen akzeptablen Prakti ab, und Basic Competences wie Kaffe kochen kann man auch von IPO-Spezialistinnen erwarten. Da unten glauben sie an das Rennen der Besten und daran, dass sie hier auf der richtigen Startbahn sind, aber in Wirklichkeit wird sie nachher der selbe, aufreibende Verteilungskampf treffen, der uns in den nächsten Jahren bevorsteht, und man kann nur hoffen, dass sie es intern mit der ganzen unsolidarischen Härte tun, die sie sich im Kampf der sich für die Besten haltenden angeeignet haben. Zweifel gibt es nur in den ersten Semestern und später mal, wenn eine Firma die Übernahmezusage nicht eingehalten hat, aber selbst das wird nicht offen kommuniziert.
Irgendwann werden sie sich mit dem Sachbearbeiterposten in der Kreissparkasse abgefunden haben. Was dann zumindest der sichere Arbeitsplatz ist, der nach ihrer früheren Ideologie nur bedingt einer Eigenkapitalrendite von 20% auf einem globalisierten Markt und seinen stets optimierten Mechansmen zuträglich wäre. Zum Glück versteht der Mittelständler, mit dem sie dann zu tun haben, davon nichts.
So gegen ein Uhr packen sie dann unten zusammen und gehen in ihre kleinen Wohnungen. Allein, versteht sich.

Da unten ist die Zukunft gerade im Freeze Mode, sie sitzen einfach so da, ohne die Willingness 2 do something 4 Career, die bei ihnen laut der Welt, aus der ich komme, immer abrufbar sein sollte. Es gibt diese Nacht bestenfalls vier mal während ihrer kurzen Zeit hier, und einmal lernen sie gerade für ihr viel zu frühes Diplom, mit dem sie dann, gerade mal 23 Jahre alt, eine Welt erobern wollen, die trotz Globalisierung und dem ständigen Bedarf an Conquistadores nicht unbedingt auf sie gewartet hat. Ausser vielleicht als Trainpersonal oder Hilfstruppen.
Denn da draussen hat sich die Welt gewandelt. Internet-Marketing und eCRM, zu Beginn ihres Studiums noch die Zukunft des Faches, sind heute so gut wie tot, die Spezialisten dafür sind beim Arbeitsamt. Kein Grund zum Mitleid, auch nichts anderes als die armen Schweine in NRW in ihren Bergwerken, eine sterbende Branche, mit dem kleinen Unterschied, dass dem Kumpel kein Papa den Verlegenheits-MBA in der Schweiz bezahlt. Oder dass sich die Elitesse durchringt und trotz der Ödnis von Testaten und Buchprüfung mit diesem Schwerpunkt noch einen Master dranhängt, auch wenn das so überhaupt nichts mit dem tollen Beruf mit Afterwork und Wachstumshype zu tun hat, den sie sich zum Beginn des Studiums erträumt hat.
Vielleicht kommen sie dennoch irgendwo unter. Es ist nicht wirklich schwer, denn der globalisierte Markt hat sich auf sie eingestellt. Die Gruppe der Career Starter, die früher zwischen 25 und 27 Jahre alt war, ist jetzt eben zwischen 23 und 27 Jahre alt. Ihre Zahl hat sich mal eben verdoppelt, aber die Opportunities sind gleich geblieben. Also hat man aus einer festen Stelle zwei Praktikantenjobs gemacht, und verlangt das einfach mal zum Berufseinstieg. Manager, tss, in München allein soll es etwa 6000 bis 8000 mehr oder weniger arbeitslose, ehemalige Führungskräfte geben, die meisten trauen sich nichts aufs Arbeitsamt und hoffen auf ihr Netzwerk und auf die Stellenanzeigen in der FAZ. Da sieht es für Neulinge nicht gut aus, und wenn doch, dann nur zu Sonderkonditionen. Marktwirtschaft, Baby, Angebot und Nachfrage, und Sozialstaat, Baby, kein Kind und Familie und es ist keine soziale Härte, dich zu feuern, und gerade im mittleren Management, wo du hin willst, gibt es noch eine Menge Einsparpotentiale.
Das ist nicht neu, aber bis vor vier Jahren konnte man noch gründen und von Chancen träumen. Vor vier Jahren erzählte mir einer da unten im Hof was davon, dass sie eine enorm hohe Gründerquote haben. Heute geht es nur in die Sackgasse der
Und inzwischen jammert die Wirtschaft - zurecht, übrigens - über die mangelnde Qualifikation der Turbostudenten. Nicht allzu laut, denn ein Bachelor-Depp gibt immer noch einen akzeptablen Prakti ab, und Basic Competences wie Kaffe kochen kann man auch von IPO-Spezialistinnen erwarten. Da unten glauben sie an das Rennen der Besten und daran, dass sie hier auf der richtigen Startbahn sind, aber in Wirklichkeit wird sie nachher der selbe, aufreibende Verteilungskampf treffen, der uns in den nächsten Jahren bevorsteht, und man kann nur hoffen, dass sie es intern mit der ganzen unsolidarischen Härte tun, die sie sich im Kampf der sich für die Besten haltenden angeeignet haben. Zweifel gibt es nur in den ersten Semestern und später mal, wenn eine Firma die Übernahmezusage nicht eingehalten hat, aber selbst das wird nicht offen kommuniziert.
Irgendwann werden sie sich mit dem Sachbearbeiterposten in der Kreissparkasse abgefunden haben. Was dann zumindest der sichere Arbeitsplatz ist, der nach ihrer früheren Ideologie nur bedingt einer Eigenkapitalrendite von 20% auf einem globalisierten Markt und seinen stets optimierten Mechansmen zuträglich wäre. Zum Glück versteht der Mittelständler, mit dem sie dann zu tun haben, davon nichts.
So gegen ein Uhr packen sie dann unten zusammen und gehen in ihre kleinen Wohnungen. Allein, versteht sich.
donalphons, 17:31h
... link (45 Kommentare) ... comment
... older stories



