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Dienstag, 9. August 2005
Sehr zu empfehlen: Weitermachen
Zuerst mal: Andere machen inzwischen mit Umzugbloggen ein Vermögen, was hier leider nicht möglich ist. Schliesslich habe ich nicht vor, irgendwas zu mieten oder zu kaufen, was man nicht mit einem Handschlag besiegeln könnte - so geht das nämlich hier in der Provinz in der Innenstadt, da verkauft man nur an Leute, die man kennt, ganz ohne Schufa und unter Berücksichtigung der Fama des anderen Clans. Was ich zu vermieten habe, wird handverlesen ohne Internet vergeben: So ist das nun mal in den AAA-Lagen, wenn Zahnarzt-Papis es partout nicht einsehen, dass Töchterlein in dem immer gleichen Wohnheimloch sonstiger Elitessen hausen muss.
Inzwischen ist das hier sogar ein Geschäftsmodell der hiesigen Hoot Vohläh: 50 Meter zum Aldi, dem Tiefkühlpizza-Hoflieferanten, und besonders schön, "Großgetränkemarkt HÖRL auf dem Weg zu den Fakultäten: 400 m". Na denn Prost, unsereins hat da ein paar Jahrhunderte mehr Tradition und Stuck und die Angewohnheit, um den 24. Dezember herum Schokolade an die Mietertüren hängen. Das kann kein Internet, und deshalb gibt es hier auch keine Werbung.
Zumal auch die Beschaffung der Einrichtung offline abläuft. Das im Niedergang begriffene fränkische Adelsgeschlecht, von dem die Stühle stammen, kennt weder ebay noch Marktplätze, sondern nur einen Vermittler ihres Vetrauens, der sich um eine gute Unterbringung ihrer überflüssigen Möbel kümmert. Denen, und das wird sofort klar, kann man das unglückliche Mint an der Wand auf gar keinen Fall zumuten.

Oben rechts an der Wand ist denn auch schon das neue Farbexperiment, das sehr viel besser passt: Caparolcolor Terra und Nutria, und schon wird aus dem Restmint eine recht akzeptable Wandfarbe.
Die Stühle haben natürlich auch eine lange Geschichte, aber die erzähle ich ein andermal. When the colourburly´s done, when the mint is lost and the wall is won.
Inzwischen ist das hier sogar ein Geschäftsmodell der hiesigen Hoot Vohläh: 50 Meter zum Aldi, dem Tiefkühlpizza-Hoflieferanten, und besonders schön, "Großgetränkemarkt HÖRL auf dem Weg zu den Fakultäten: 400 m". Na denn Prost, unsereins hat da ein paar Jahrhunderte mehr Tradition und Stuck und die Angewohnheit, um den 24. Dezember herum Schokolade an die Mietertüren hängen. Das kann kein Internet, und deshalb gibt es hier auch keine Werbung.
Zumal auch die Beschaffung der Einrichtung offline abläuft. Das im Niedergang begriffene fränkische Adelsgeschlecht, von dem die Stühle stammen, kennt weder ebay noch Marktplätze, sondern nur einen Vermittler ihres Vetrauens, der sich um eine gute Unterbringung ihrer überflüssigen Möbel kümmert. Denen, und das wird sofort klar, kann man das unglückliche Mint an der Wand auf gar keinen Fall zumuten.

Oben rechts an der Wand ist denn auch schon das neue Farbexperiment, das sehr viel besser passt: Caparolcolor Terra und Nutria, und schon wird aus dem Restmint eine recht akzeptable Wandfarbe.
Die Stühle haben natürlich auch eine lange Geschichte, aber die erzähle ich ein andermal. When the colourburly´s done, when the mint is lost and the wall is won.
donalphons, 18:56h
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Nicht zu empfehlen: Mint
Alle Löcher sind verspachtelt, alle Grate sind entfernt, die Wand ist trocken, staubfrei und ohna alte Anstriche, jetzt fehlt also nur noch die Farbe an den Stellen, an denen die Bücherregale stehen sollen.

Ein schönes irisches Mossgrün, passend zum Stoff der Wandbespannung soll es werden. IM ersten Teil der Wohnung habe ich noch klassisch mit echtem Ocker gearbeitet, was sehr gut aussieht, aber bei der Verarbeitung etwas heikel war. Diesmal stehen nachher sowieso Bücher davor, also moosgrüne Tönung in das Alpinaweiss reingeschüttet und gestrichen.
Auch wenn es im Eimer nach Mint aussah, wenn es erst mal trocken ist, wird sich das schon geben, dann wird es Moosgrün sein - oder auch nicht:

Es bleibt Mint wie ein 57er Caddy. So dicht, dass man davon keinen Augenkrebs bekommt, kann man die Bücher nicht davor packen. Nebenbei hat die Farbe auch die durchgetrocknete Spachtelmasse angelöst, ganz erstaunlich, irgendwelche chemischen Reaktionen sind da wohl suboptimal abgelaufen. Fünf Stunden Arbeit für die Katz, und ausserdem habe ich noch drei Liter erstklassige Mint-Farbe übrig. Unter den Lesern hier ist nicht zufällig ein geschmackloser Zuhälter, Berater oder EX-CEO, der seinen Porsche leopoldstrassentauglich lackieren lassen will? Falls doch, einfach unter meinem Stadtpalast abstellen, alles Gute kommt dann von oben. Danach habe ich auch wieder Lust zum Überstreichen.

Ein schönes irisches Mossgrün, passend zum Stoff der Wandbespannung soll es werden. IM ersten Teil der Wohnung habe ich noch klassisch mit echtem Ocker gearbeitet, was sehr gut aussieht, aber bei der Verarbeitung etwas heikel war. Diesmal stehen nachher sowieso Bücher davor, also moosgrüne Tönung in das Alpinaweiss reingeschüttet und gestrichen.
Auch wenn es im Eimer nach Mint aussah, wenn es erst mal trocken ist, wird sich das schon geben, dann wird es Moosgrün sein - oder auch nicht:

Es bleibt Mint wie ein 57er Caddy. So dicht, dass man davon keinen Augenkrebs bekommt, kann man die Bücher nicht davor packen. Nebenbei hat die Farbe auch die durchgetrocknete Spachtelmasse angelöst, ganz erstaunlich, irgendwelche chemischen Reaktionen sind da wohl suboptimal abgelaufen. Fünf Stunden Arbeit für die Katz, und ausserdem habe ich noch drei Liter erstklassige Mint-Farbe übrig. Unter den Lesern hier ist nicht zufällig ein geschmackloser Zuhälter, Berater oder EX-CEO, der seinen Porsche leopoldstrassentauglich lackieren lassen will? Falls doch, einfach unter meinem Stadtpalast abstellen, alles Gute kommt dann von oben. Danach habe ich auch wieder Lust zum Überstreichen.
donalphons, 04:19h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Montag, 8. August 2005
KWler - ich fasse es nicht
Vielleicht ist es nur ein Fake, dann ist es ein guter Witz, und ich bin reingefallen. Wahrscheinlich ist es das aber nicht.
Ich bin die Vroni, zwanzig Jahre alt, und werde ab jetzt einige Zeit in der Redaktion mitarbeiten. Da es hier anscheinend einige Probleme mit der Rechtschreibung gibt, werde ich das ein bisschen kontrollieren und versuchen die weiblichen Interessen zu repräsentieren ;-) Ich studiere Medien und Kommunikation in Passau und komme jetzt ins dritte Semester. Da die Jobaussichten nicht die besten sind, muss ich so viele Praktika wie möglich machen. Dies ist allerdings das Erste.
Rücksicht nehmen, natürlich. Und Mitleid empfinden auch. Auch Ihr Leser bitte, in den Kommentaren, dezent bleiben, das ist nicht lustig. Aber, Ex-Cassiopeia-Gründer und jetzt Minga-Blogger Patrick Gruban: Das Ding nehme ich Dir wirklich persönlich übel.
Ich bin die Vroni, zwanzig Jahre alt, und werde ab jetzt einige Zeit in der Redaktion mitarbeiten. Da es hier anscheinend einige Probleme mit der Rechtschreibung gibt, werde ich das ein bisschen kontrollieren und versuchen die weiblichen Interessen zu repräsentieren ;-) Ich studiere Medien und Kommunikation in Passau und komme jetzt ins dritte Semester. Da die Jobaussichten nicht die besten sind, muss ich so viele Praktika wie möglich machen. Dies ist allerdings das Erste.
Rücksicht nehmen, natürlich. Und Mitleid empfinden auch. Auch Ihr Leser bitte, in den Kommentaren, dezent bleiben, das ist nicht lustig. Aber, Ex-Cassiopeia-Gründer und jetzt Minga-Blogger Patrick Gruban: Das Ding nehme ich Dir wirklich persönlich übel.
donalphons, 17:34h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 7. August 2005
Legendär war Elmau schon.
Jetzt ist es zerstört, es bleiben nur die Legenden. Am Whirlpool von Elmau habe ich das erste Mal ein Kapitel von Liquide öffentlich vorgelesen, Oktober 2001. Schade. Wenigstens hat der Turm überlebt, dessen Südzimmer im obersten Stockwerk ich meistens hatte.
20 Punkte, die nicht wirklich Freude machen.
20 Punkte, die nicht wirklich Freude machen.
donalphons, 20:25h
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Sehr zu empfhlen - Goldader
Wenn Iris so neben mir geht, sieht sie wieder sehr nett aus, wie sie immer ausgesehen hat. Freundlich, nicht allzu anspruchsvoll, gute Kinderstube, gepflegt. genau das, was der durchschnittliche bessere Herr heiraten möchte, und innendrin genau das Gegenteil, launisch, zickig, halbfrisch geschieden und dadurch nicht wirklich gutmütiger geworden. Deshalb geht sie auch neben mir: Wir machen ein Versöhnungsfrühstück.
Denn da gab es eine Open-Air-Oper, einen Wolkenbruch, und eine gewisse Wartezeit in der S-Klasse eines gemeinsamen Bekannten, bei der ich eine Elitesse dabei hatte und Iris eine ganze Menge schlechte Laune. Ihr Ex-Mann war mit einer Neuen da, und ein paar unvorichtige Bemerkungen der Elitesse passten ihr überhaupt nicht. Iris hat eine Ehe lang Zeit gehabt, Bösartigkeiten zu testen, und die Elitesse hat sie in einer halben Stunde alle abbekommen, während draussen die Welt ersoff und wir auf die endgültige Absage der Oper warteten. Das war nicht im Mindesten so nett, wie Iris wirkt. Am nchsten Tag rief sie an und entschuldigte sich bei mir, falls es danach Probleme mit dem dummen Ding da gegeben haben sollte. Ja, das verhagelte Debut in der provinziellen Prosecco-Volee hat Probleme verursacht. Deshalb das Frühstück.
Wir gehen die Hauptstrasse hinunter, vorbei an einem der unzähligen religiösen Neppläden des späten Mittelalters, vor dem sich eine Menschentraube gebildet hat. Das Rosa der Brautmutter, mein Gott, sagt Iris und zeigt ungeniert auf einen Augenkrebserreger, der den Besuchern die Hand schüttelt, gegenüber von einer Braut, die sicher mal eine prima alleinerziehende Mutter abgeben wird.

Laut Kleidung und teilweisem Erkennen wird hier gerade Hochzeitsschlachtvieh der besseren Gesellschaft zusammengeführt, aber das sage ich nicht, schliesslich würde ich Iris vielleicht weh tun, so wie sie der Elitesse... Ich sage es also doch. Genauso habe ich mich damals auch gefühlt, bestätigt sie, froh über eine Gelegenheit, ihrem damaligen Ich die Leviten zu lesen. Und dann kommt ein Rundumschlag von mitgiftigen Mütter über prestigegeile Väter und den Frauenüberschuss auf dem Hochzeitsstrich bishin zum Elend und Tablettensucht in der Vorstadt mit ihren Doppelgaragen, Tennisclubsäufereien, peinlichen Affairen, den Protzbauten und dazwischen den quengelnden, nie zufriedenen Blagen, Gott ist sie froh, dass ihr das erspart geblieben ist.
Ich bins auch zufrieden, besonders, als wir uns ins Cafe setzen und eine moderne Mama vorführt, wie man die Kinder im Bulldoggenstil auf andere Besucher hetzt. Ihre Blagen spielen Flugzeuglandebahn, ab und zu stürzt auch eines mit heulendem Kreischen ab, was auf eine Herkunft nahe beim hiesigen Marktführer für Massenmordvehikel schliessen lässt. Ich sage etwas laut, dass ich Bratzen auch nicht leiden kann, dass sie mich nerven, und dass es aber auch die Schuld der Elten ist, wenn sie ihren Kindern nichts anderes zum Spielen beibringen. Zum Beispiel mit Büchern unter den Armen Kuchen essen und mit abgespreiztem kleinen Finger Tee trinken, so wie wir das gemacht haben, im Garten von Frau M.. Da, wo Du versucht hast, in der Walpurgisnacht den Kirschbaum anzuzünden, entgegnet Iris trocken, und weist darauf hin, dass Frau M. die Geschichte bis heute noch zum Besten gibt, wenn der Kaffeklatsch auf mich zu sprechen kommt. Was andererseits nur beweist, dass Frau M. noch immer nicht herausgefunden hat, wer ihr die Schildkröten ins Bett gelegt hat - es ist immer klug, vor solchen Taten tagelang zu behaupten, man ekle sich vor solchem Getier. Den Schildkröten scheint es übrigens gefallen zu haben, die blieben da von Charlie Chan bis zu ihrer Rückkehr aus dem Konzert brav liegen.
Kinder sind das Letzte, fasst Iris meine Erinnerungen zusammen. Andererseits, sage ich, liegt das immer auch an der Umgebung. Als wie noch in der Altstadt gewohnt haben, gab es einfach keine Schildkröten, da habe ich meine Tage damit zugebracht, den Schatz der Jesuiten im Haus zu suchen. Es gab ja so viele Zimmer und Kammern, einen riesigen Dachstuhl, einen Keller, ein Brunnenloch, die Holzverschläge, das Waschkammerl, das Hinterhaus, tausend Möglichkeiten, die Schatzsuche war damals mein Hauptinteresse, und ohne Klappspaten konnte ich auch keinen Schaden anrichten - das kam erst mit sieben Jahren, als ich bei Familie B. in Notwehr ein paar stechende Rosenbeete hinrichtete.
Und, hast Du einen Schatz gefunden, fragt Iris und kippt viel Zucker in den Espresso. Natürlich nicht. Aber ich denke, dass es eine traurige Kindheit sein muss, wenn man kein Haus hat, in dem man einen Schatz suchen kann. In einem Neubau ist da nichts zu erwarten, aber wenn ein Haus Jahrhunderte alt ist, die einem als Kind wie die Ewigkeit erscheinen, dann muss doch irgendwo, irgendwas sein... Und wäre es nicht toll, so etwas zu entdecken, was jemand vor Jahrhunderten vergraben hat? Macht es ein Kind nicht zu einem bessern, optimistischen Menschen, wenn es den Glauben hat, dass irgendwo der Schatz wartet, gehoben zu werden? Und deshalb habe ich - kurzes Innehalten, nicht, dass sie vielleicht glauben könnte, der Don würde Torschlusspanik bekommen - ich habe

vor dem Verkleiden des grössten Lochs in meiner Wohnung auch den Balken dahinter untersucht. Der Balken hat einen langen Riss, was nach 400 Jahren nichts Ungewöhnliches ist. Früher hat man in solchen Ritzen ab und zu etgwas versteckt - Segenssprüche, Zauber, Münzen. Und das habe ich diesmal auch getan, zwei Sätze neuer Euro-Münzen und dazu einen Zettel, der erklärt, wer und wann das hier eingebracht hat.
Es wird nochmal Jahrzehnte oder Jahrhunderte dauern, bis jemand die Wandbespannung abnimmt, dahinter die verschraubte Platte entdeckt, sie entfernt und dann das Geld findet. Es ist vielleicht nicht viel wert, aber wenn der Finder ein Kind hat, wird er ihm sicher davon erzählen, und ihm die silbernen und goldenen Münzen zeigen. Und das Kind wird es wiederum seinen Kindern erzählen, und so werden ein paar Generationen ganz fest an die Schätze glauben, die das Leben ihnen bringt.
Neben meinem linken Fuss knallt gerade Starfighter Reloaded auf den Marmor, und ich bitte um die Rechnung. So ein Kind mag unausstehlich sein, aber es ist wenigstens ein guter Grund, um das Frühstück in meiner Wohnung fortzusetzen, wo man ungestört und das Separee im Notfall gleich um die Ecke ist (Notkondome sind in der Schublade über dem Schreibtisch).
Denn da gab es eine Open-Air-Oper, einen Wolkenbruch, und eine gewisse Wartezeit in der S-Klasse eines gemeinsamen Bekannten, bei der ich eine Elitesse dabei hatte und Iris eine ganze Menge schlechte Laune. Ihr Ex-Mann war mit einer Neuen da, und ein paar unvorichtige Bemerkungen der Elitesse passten ihr überhaupt nicht. Iris hat eine Ehe lang Zeit gehabt, Bösartigkeiten zu testen, und die Elitesse hat sie in einer halben Stunde alle abbekommen, während draussen die Welt ersoff und wir auf die endgültige Absage der Oper warteten. Das war nicht im Mindesten so nett, wie Iris wirkt. Am nchsten Tag rief sie an und entschuldigte sich bei mir, falls es danach Probleme mit dem dummen Ding da gegeben haben sollte. Ja, das verhagelte Debut in der provinziellen Prosecco-Volee hat Probleme verursacht. Deshalb das Frühstück.
Wir gehen die Hauptstrasse hinunter, vorbei an einem der unzähligen religiösen Neppläden des späten Mittelalters, vor dem sich eine Menschentraube gebildet hat. Das Rosa der Brautmutter, mein Gott, sagt Iris und zeigt ungeniert auf einen Augenkrebserreger, der den Besuchern die Hand schüttelt, gegenüber von einer Braut, die sicher mal eine prima alleinerziehende Mutter abgeben wird.

Laut Kleidung und teilweisem Erkennen wird hier gerade Hochzeitsschlachtvieh der besseren Gesellschaft zusammengeführt, aber das sage ich nicht, schliesslich würde ich Iris vielleicht weh tun, so wie sie der Elitesse... Ich sage es also doch. Genauso habe ich mich damals auch gefühlt, bestätigt sie, froh über eine Gelegenheit, ihrem damaligen Ich die Leviten zu lesen. Und dann kommt ein Rundumschlag von mitgiftigen Mütter über prestigegeile Väter und den Frauenüberschuss auf dem Hochzeitsstrich bishin zum Elend und Tablettensucht in der Vorstadt mit ihren Doppelgaragen, Tennisclubsäufereien, peinlichen Affairen, den Protzbauten und dazwischen den quengelnden, nie zufriedenen Blagen, Gott ist sie froh, dass ihr das erspart geblieben ist.
Ich bins auch zufrieden, besonders, als wir uns ins Cafe setzen und eine moderne Mama vorführt, wie man die Kinder im Bulldoggenstil auf andere Besucher hetzt. Ihre Blagen spielen Flugzeuglandebahn, ab und zu stürzt auch eines mit heulendem Kreischen ab, was auf eine Herkunft nahe beim hiesigen Marktführer für Massenmordvehikel schliessen lässt. Ich sage etwas laut, dass ich Bratzen auch nicht leiden kann, dass sie mich nerven, und dass es aber auch die Schuld der Elten ist, wenn sie ihren Kindern nichts anderes zum Spielen beibringen. Zum Beispiel mit Büchern unter den Armen Kuchen essen und mit abgespreiztem kleinen Finger Tee trinken, so wie wir das gemacht haben, im Garten von Frau M.. Da, wo Du versucht hast, in der Walpurgisnacht den Kirschbaum anzuzünden, entgegnet Iris trocken, und weist darauf hin, dass Frau M. die Geschichte bis heute noch zum Besten gibt, wenn der Kaffeklatsch auf mich zu sprechen kommt. Was andererseits nur beweist, dass Frau M. noch immer nicht herausgefunden hat, wer ihr die Schildkröten ins Bett gelegt hat - es ist immer klug, vor solchen Taten tagelang zu behaupten, man ekle sich vor solchem Getier. Den Schildkröten scheint es übrigens gefallen zu haben, die blieben da von Charlie Chan bis zu ihrer Rückkehr aus dem Konzert brav liegen.
Kinder sind das Letzte, fasst Iris meine Erinnerungen zusammen. Andererseits, sage ich, liegt das immer auch an der Umgebung. Als wie noch in der Altstadt gewohnt haben, gab es einfach keine Schildkröten, da habe ich meine Tage damit zugebracht, den Schatz der Jesuiten im Haus zu suchen. Es gab ja so viele Zimmer und Kammern, einen riesigen Dachstuhl, einen Keller, ein Brunnenloch, die Holzverschläge, das Waschkammerl, das Hinterhaus, tausend Möglichkeiten, die Schatzsuche war damals mein Hauptinteresse, und ohne Klappspaten konnte ich auch keinen Schaden anrichten - das kam erst mit sieben Jahren, als ich bei Familie B. in Notwehr ein paar stechende Rosenbeete hinrichtete.
Und, hast Du einen Schatz gefunden, fragt Iris und kippt viel Zucker in den Espresso. Natürlich nicht. Aber ich denke, dass es eine traurige Kindheit sein muss, wenn man kein Haus hat, in dem man einen Schatz suchen kann. In einem Neubau ist da nichts zu erwarten, aber wenn ein Haus Jahrhunderte alt ist, die einem als Kind wie die Ewigkeit erscheinen, dann muss doch irgendwo, irgendwas sein... Und wäre es nicht toll, so etwas zu entdecken, was jemand vor Jahrhunderten vergraben hat? Macht es ein Kind nicht zu einem bessern, optimistischen Menschen, wenn es den Glauben hat, dass irgendwo der Schatz wartet, gehoben zu werden? Und deshalb habe ich - kurzes Innehalten, nicht, dass sie vielleicht glauben könnte, der Don würde Torschlusspanik bekommen - ich habe

vor dem Verkleiden des grössten Lochs in meiner Wohnung auch den Balken dahinter untersucht. Der Balken hat einen langen Riss, was nach 400 Jahren nichts Ungewöhnliches ist. Früher hat man in solchen Ritzen ab und zu etgwas versteckt - Segenssprüche, Zauber, Münzen. Und das habe ich diesmal auch getan, zwei Sätze neuer Euro-Münzen und dazu einen Zettel, der erklärt, wer und wann das hier eingebracht hat.
Es wird nochmal Jahrzehnte oder Jahrhunderte dauern, bis jemand die Wandbespannung abnimmt, dahinter die verschraubte Platte entdeckt, sie entfernt und dann das Geld findet. Es ist vielleicht nicht viel wert, aber wenn der Finder ein Kind hat, wird er ihm sicher davon erzählen, und ihm die silbernen und goldenen Münzen zeigen. Und das Kind wird es wiederum seinen Kindern erzählen, und so werden ein paar Generationen ganz fest an die Schätze glauben, die das Leben ihnen bringt.
Neben meinem linken Fuss knallt gerade Starfighter Reloaded auf den Marmor, und ich bitte um die Rechnung. So ein Kind mag unausstehlich sein, aber es ist wenigstens ein guter Grund, um das Frühstück in meiner Wohnung fortzusetzen, wo man ungestört und das Separee im Notfall gleich um die Ecke ist (Notkondome sind in der Schublade über dem Schreibtisch).
donalphons, 19:30h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 7. August 2005
KWler - ich hasse sie.
Ich habe beruflich auch so genug zu tun mit Studenten der Kommunikationswissenschaften. Ich glaube, in kaum einem Fach gibt es mehr vorlaute Arschlöcher, die sich schon auf dem CR-Posten sehen, mehr schrill klingende Professorentöchter und überhaupt MEHR UNFÄHIGE SUBJOURNALISTEN. Es ist kein Wunder, dass viel von dem Pack nach dem Studium nochmals absteigt, von der Schreiberei zur PR, also quasi vom Hirnschnupfen zur Ganzkörperpest mit stinkendem Aussatz und scheissekotzenlassenden Darmverschluss.
Einmal haben sie mich zu einer bundesweiten Tagung eigeladen. Bei derhat ein Vorsitzender der deutschen Gesellschaft für Publizistik bei seinem Vortrag dazu aufgerufen, doch eine Erklärung zu beschliessen, dass sie mehr Kohle, mehr Ausbilder und mehr Mittelbau wollen, weil eine sinnvolle Betreuung kaum mehr möglich ist - die Mädis und Bubis im Raum haben gequatscht, SMS geschrieben und mit sauteuren Sony-Digicams genkipst. Keine Erklärung, nicht mal den Versuch haben sie gemacht. Studiengebühren würden bei ihren Eltern auch nicht helfen, um die zu bewegen, allenfalls ein zweimonatiges Pflichtpraktikum Kloakenreinigung jedes Semester - dann würden die verzogenen Bratzen etwas tun.
Einige Leute machen Seminare als Hobby an den Unis, weil sie bei all dem grauenvollen Versagen nicht zuschauen können. Ich fange vielleicht auch bald wieder damit an, und wenn wieder so ein Knallkopf von der Deutschen Journalistenschule dabei ist, dann kriegt der ein Spezialprogramm - wenn man die nicht von der ersten Minute an knallhart rannimmt und vor allen anderen zurechtstutz, machen die einem das Seminar kaputt. Das ist das schöne am Radio: Man kann sie vor versammelter Mannschaft Texte einsprechen lassen, bis sie radiotauglich sind - und das kann bis zum nächsten Morgen dauern, denn radiotauglich sprechen ist eine Kunst.
Das ist nicht brutal oder fies, das ist einfach ein Stück notwendiger Erziehung für zukünftige "Meinungsmacher". Wenn man das nicht tut, werden sie übermütig und gehen mit all ihrem grosskotzigem Getue auch noch an die Öffentlichkeit. Das ist der Geist der Dieckmanns, der Wagners, der Steingarts und der Blumencrons, und den muss man in ihnen abtöten, so lange sie noch klein sind. Bei einem gewissen Matthias Ambhorst hat man darauf wohl verzichtet, weswegen er die - mutmasslich - Top100-Blogger von Blogstats, darunter dreimal mich, angeschrieben hat, an einer Umfrage teilzunehmen.
Worauf ich absolut keine Lust habe.
Weshalb er jetzt allen Ernstes eine "Erinnerung an die Bloggerbefragung" geschickt hat:
"Hallo Don Alphonso,
Immer einen auf kumpelhaft machen, obwohl er mich wahrscheinlich nur von einer Liste her kennt - erinnert an Spammer...
mit dieser Mail
gibt´s noch eine andere Mail?
möchte ich Sie an die Bloggerbefragung erinnern, zu der ich Sie vor einigen Tagen eingeladen habe.
eingeladen - aber klar doch. Einladen steht in meinem Wortschatz sicher nicht in Bezug zu einem Survey, aber ich komme nun mal nicht aus dem Spucknapf, in dem die Ursuppe der Marktforscher vor sich hinbrodelt.
Der Rücklauf
Für die 100 Spammails passt dann eher der Begriff "Auslauf"
war bisher sehr erfreulich: Fast die Hälfte der gut 100
Gib doch einfach zu, dass Du bei Blogstats geklaut hast - was übrigens ziemlich bescheuert ist, bei den Blogleichen und Linkfakes, Reichweitenermittlung geht darüber definitiv nicht.
eingeladenen
schon wieder einladen
Blogger hat bereits an der Befragung teilgenommen.
Schön blöd, aber Blogger sind wohl auch nicht klüger als normale Telefonmarketingkunden - wobei dann wieder die Hälfte irgendwas erzählt hat, was ich auch tue, wenn ich dem Pack nicht entgehe
Zum Hintergrund: Weblogs wurden im deutschsprachigen Raum bisher kaum wissenschaftlich untersucht.
Natürlich scheint das so - solange man nicht in der Lage ist, mal bei anderen Instituten nachzufragen
Mit Ihrer Teilnahme
sehr selbstsicher, was?
an der Bloggerbefragung unterstützen Sie mein kommunikationswissenschaftliches Forschungsprojekt an der Universität Dortmund.
Wie das schon klingt, Gott wie grosskotzig für ein Stück Schmalspurauswertung einer Umfrage. Aber es ist ja nichts Neues, dass Kommunikationswissenschaftler ähnlich gut reden, schreiben und formulieren können, wie BWL-Professoren an der Börse Milliarden scheffeln und Unternehmen lenken.
Ziel ist es, Daten zu Arbeitsweisen, Motivation und Einstellungen von Webloggern zu gewinnen.
Das wird ein KWler nie kapieren - nicht umsonst bloggen von denen so wenig. Mit Daten ist das jedenfalls nicht fassbar ("Der sog. "Spass" hat bei 97% der Blogger eine hohe Relevanz, während nur 15% PR als wichtige Motivation ihres Handelns angaben")
Diese Daten sollen nach Abschluss des Forschungsprojekts online gestellt werden. (Namen von Blogs und Bloggern haben keine Bedeutung für die Arbeit und werden nicht veröffentlicht. Die Studie ist nicht-kommerziell.)
Von mir ist kein Strich mehr online, als online sein soll.
Ich würde mich freuen, wenn Sie sich 10 Minuten Zeit nehmen und den Fragebogen ausfüllen!
Da fehlt bei dieser Ansprache ein weiterer Konjunktiv - "Könnten". Mein Gott, und sowas dann in KW...
Wenn Sie an Details interessiert sind, nehmen Sie bitte Kontakt mit mir auf.
Danke, genug gelesen.
Um teilzunehmen, klicken Sie bitte auf den unten stehenden Link, der Ihr Passwort enthält.
Nennt man wohl Barrierefreiheit. Schon sehr kongruent, wenn man einerseits mit Passwort erkennbar ist, aber der Name keine Rolle spielt.
Vielen Dank für Ihr Interesse!
Zum Kotzen, diese erbärmliche Marktschreierei. Damit qualifiziert er sich für 9Live: Ruf an! Mach mit! So toll! So viele! Grossartig! Kostet nur! Ihr Interesse!
Es interessiert mich nicht, schon gar nicht, wenn ich mit solchen Versagern zu tun habe, die den 100 reichweitenstärksten Bloggerrn diese Einstiegsfrage präsentieren:
Haben Sie ein eigenes Blog (allein oder mit anderen)?
Da kann man einen Internetnutzer auch fragen, ob er schon mal im WWW war.
Krank ist auch die Liste der Informationsquellen, bei denen man alles in einer Reihenfolge angeben muss und nichts eigenes einfügen kann. Oder diese nette Überraschung. Und wenn dann ein KWler sowas schreibt "Jetzt ist Ihre Meinung zu Blogs und zu traditionellem Journalismus gefragt!" - mit Rufezeichen - kann ich nur sagen: Freundchen, ab ins Proseminar mit Dir. Oder vielleicht versuchst Du doch mal einen anderen Studiengang - KW ist momentan ohnehin nur die Garantie für 5 Jahre Berufseinsteigerpraktikum ohne Vergütung, es gibt auch ohne Dich immer noch zu viele davon.
Einmal haben sie mich zu einer bundesweiten Tagung eigeladen. Bei derhat ein Vorsitzender der deutschen Gesellschaft für Publizistik bei seinem Vortrag dazu aufgerufen, doch eine Erklärung zu beschliessen, dass sie mehr Kohle, mehr Ausbilder und mehr Mittelbau wollen, weil eine sinnvolle Betreuung kaum mehr möglich ist - die Mädis und Bubis im Raum haben gequatscht, SMS geschrieben und mit sauteuren Sony-Digicams genkipst. Keine Erklärung, nicht mal den Versuch haben sie gemacht. Studiengebühren würden bei ihren Eltern auch nicht helfen, um die zu bewegen, allenfalls ein zweimonatiges Pflichtpraktikum Kloakenreinigung jedes Semester - dann würden die verzogenen Bratzen etwas tun.
Einige Leute machen Seminare als Hobby an den Unis, weil sie bei all dem grauenvollen Versagen nicht zuschauen können. Ich fange vielleicht auch bald wieder damit an, und wenn wieder so ein Knallkopf von der Deutschen Journalistenschule dabei ist, dann kriegt der ein Spezialprogramm - wenn man die nicht von der ersten Minute an knallhart rannimmt und vor allen anderen zurechtstutz, machen die einem das Seminar kaputt. Das ist das schöne am Radio: Man kann sie vor versammelter Mannschaft Texte einsprechen lassen, bis sie radiotauglich sind - und das kann bis zum nächsten Morgen dauern, denn radiotauglich sprechen ist eine Kunst.
Das ist nicht brutal oder fies, das ist einfach ein Stück notwendiger Erziehung für zukünftige "Meinungsmacher". Wenn man das nicht tut, werden sie übermütig und gehen mit all ihrem grosskotzigem Getue auch noch an die Öffentlichkeit. Das ist der Geist der Dieckmanns, der Wagners, der Steingarts und der Blumencrons, und den muss man in ihnen abtöten, so lange sie noch klein sind. Bei einem gewissen Matthias Ambhorst hat man darauf wohl verzichtet, weswegen er die - mutmasslich - Top100-Blogger von Blogstats, darunter dreimal mich, angeschrieben hat, an einer Umfrage teilzunehmen.
Worauf ich absolut keine Lust habe.
Weshalb er jetzt allen Ernstes eine "Erinnerung an die Bloggerbefragung" geschickt hat:
"Hallo Don Alphonso,
Immer einen auf kumpelhaft machen, obwohl er mich wahrscheinlich nur von einer Liste her kennt - erinnert an Spammer...
mit dieser Mail
gibt´s noch eine andere Mail?
möchte ich Sie an die Bloggerbefragung erinnern, zu der ich Sie vor einigen Tagen eingeladen habe.
eingeladen - aber klar doch. Einladen steht in meinem Wortschatz sicher nicht in Bezug zu einem Survey, aber ich komme nun mal nicht aus dem Spucknapf, in dem die Ursuppe der Marktforscher vor sich hinbrodelt.
Der Rücklauf
Für die 100 Spammails passt dann eher der Begriff "Auslauf"
war bisher sehr erfreulich: Fast die Hälfte der gut 100
Gib doch einfach zu, dass Du bei Blogstats geklaut hast - was übrigens ziemlich bescheuert ist, bei den Blogleichen und Linkfakes, Reichweitenermittlung geht darüber definitiv nicht.
eingeladenen
schon wieder einladen
Blogger hat bereits an der Befragung teilgenommen.
Schön blöd, aber Blogger sind wohl auch nicht klüger als normale Telefonmarketingkunden - wobei dann wieder die Hälfte irgendwas erzählt hat, was ich auch tue, wenn ich dem Pack nicht entgehe
Zum Hintergrund: Weblogs wurden im deutschsprachigen Raum bisher kaum wissenschaftlich untersucht.
Natürlich scheint das so - solange man nicht in der Lage ist, mal bei anderen Instituten nachzufragen
Mit Ihrer Teilnahme
sehr selbstsicher, was?
an der Bloggerbefragung unterstützen Sie mein kommunikationswissenschaftliches Forschungsprojekt an der Universität Dortmund.
Wie das schon klingt, Gott wie grosskotzig für ein Stück Schmalspurauswertung einer Umfrage. Aber es ist ja nichts Neues, dass Kommunikationswissenschaftler ähnlich gut reden, schreiben und formulieren können, wie BWL-Professoren an der Börse Milliarden scheffeln und Unternehmen lenken.
Ziel ist es, Daten zu Arbeitsweisen, Motivation und Einstellungen von Webloggern zu gewinnen.
Das wird ein KWler nie kapieren - nicht umsonst bloggen von denen so wenig. Mit Daten ist das jedenfalls nicht fassbar ("Der sog. "Spass" hat bei 97% der Blogger eine hohe Relevanz, während nur 15% PR als wichtige Motivation ihres Handelns angaben")
Diese Daten sollen nach Abschluss des Forschungsprojekts online gestellt werden. (Namen von Blogs und Bloggern haben keine Bedeutung für die Arbeit und werden nicht veröffentlicht. Die Studie ist nicht-kommerziell.)
Von mir ist kein Strich mehr online, als online sein soll.
Ich würde mich freuen, wenn Sie sich 10 Minuten Zeit nehmen und den Fragebogen ausfüllen!
Da fehlt bei dieser Ansprache ein weiterer Konjunktiv - "Könnten". Mein Gott, und sowas dann in KW...
Wenn Sie an Details interessiert sind, nehmen Sie bitte Kontakt mit mir auf.
Danke, genug gelesen.
Um teilzunehmen, klicken Sie bitte auf den unten stehenden Link, der Ihr Passwort enthält.
Nennt man wohl Barrierefreiheit. Schon sehr kongruent, wenn man einerseits mit Passwort erkennbar ist, aber der Name keine Rolle spielt.
Vielen Dank für Ihr Interesse!
Zum Kotzen, diese erbärmliche Marktschreierei. Damit qualifiziert er sich für 9Live: Ruf an! Mach mit! So toll! So viele! Grossartig! Kostet nur! Ihr Interesse!
Es interessiert mich nicht, schon gar nicht, wenn ich mit solchen Versagern zu tun habe, die den 100 reichweitenstärksten Bloggerrn diese Einstiegsfrage präsentieren:
Haben Sie ein eigenes Blog (allein oder mit anderen)?
Da kann man einen Internetnutzer auch fragen, ob er schon mal im WWW war.
Krank ist auch die Liste der Informationsquellen, bei denen man alles in einer Reihenfolge angeben muss und nichts eigenes einfügen kann. Oder diese nette Überraschung. Und wenn dann ein KWler sowas schreibt "Jetzt ist Ihre Meinung zu Blogs und zu traditionellem Journalismus gefragt!" - mit Rufezeichen - kann ich nur sagen: Freundchen, ab ins Proseminar mit Dir. Oder vielleicht versuchst Du doch mal einen anderen Studiengang - KW ist momentan ohnehin nur die Garantie für 5 Jahre Berufseinsteigerpraktikum ohne Vergütung, es gibt auch ohne Dich immer noch zu viele davon.
donalphons, 00:20h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 5. August 2005
Auch auf die Gefahr hin
dass es langweilig wird:

Winter, grau in grau wird noch lange genug sein.

Winter, grau in grau wird noch lange genug sein.
donalphons, 23:11h
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Das Biest
ist erledigt und kreidebleich. Nach 7 Kilo Spachtelmasse, 160 Schrauben unf vier Liter Farbe.

Der Rest ist nicht mehr so schlimm.

Der Rest ist nicht mehr so schlimm.
donalphons, 22:09h
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Friede bespringert Pro7/Sat1 - na und?
1. Pro7/Sat1 war, ist und wird immer Hofberichterstatter von Schwarzgelb bleiben. Schon mal deren Reporterteams gesehen und miterlebt? Deren Bewusstsein ist so kritisch wien ein Haremseunuch. Vielleicht machen ein paar Dünndarmfreischwimmer jetzt den Mastdarmleistungsturner (sog. "bayerischer Zweikampf - mit allen Abwassern und Händen gewachen"), aber das hat sicher keinen Einfluss auf die Programmgestaltung. Und noch künstlicher können sich die DSF-Girls auch nicht räkeln.
2. Der profitable, aber rapide an Einfluss und Auflage verlierende Springer-Konzern holt sich eine enorm teure, aufgehübschte Braut, die ebenfalls auf dem absteigenden Ast ist.
3. Bild wird verstärkt über Pro7/Sat1 berichten - aber wer liest schon Bild, und sind die nicht ohnehin schon deckungsgleich mit den Unterschichtenglotzern?
4. Eine TV-Firma und einen Prinzkonzern zusammenführen - das ist bestimmt eine lustige Aufgabe, ähnlich wie aus einem Affen und einem Nilpferd einen Flugsaurier zu basteln. An dem Versuch sind schon einige eingegangen. Synergien? Praktisch keine.
Wer den Springer-Konzern in den letzten Jahren miterlebt hat, kennt dessen dumme Fressgier. Zu blöd, die Welt profitabel machen, aber dann ein paar Milliarden für dümpelnde Sender rausschmeissen. Ein Merger zwischen zwei Verlierern, mehr nicht. Wachstum, Zukunft: Null.
2. Der profitable, aber rapide an Einfluss und Auflage verlierende Springer-Konzern holt sich eine enorm teure, aufgehübschte Braut, die ebenfalls auf dem absteigenden Ast ist.
3. Bild wird verstärkt über Pro7/Sat1 berichten - aber wer liest schon Bild, und sind die nicht ohnehin schon deckungsgleich mit den Unterschichtenglotzern?
4. Eine TV-Firma und einen Prinzkonzern zusammenführen - das ist bestimmt eine lustige Aufgabe, ähnlich wie aus einem Affen und einem Nilpferd einen Flugsaurier zu basteln. An dem Versuch sind schon einige eingegangen. Synergien? Praktisch keine.
Wer den Springer-Konzern in den letzten Jahren miterlebt hat, kennt dessen dumme Fressgier. Zu blöd, die Welt profitabel machen, aber dann ein paar Milliarden für dümpelnde Sender rausschmeissen. Ein Merger zwischen zwei Verlierern, mehr nicht. Wachstum, Zukunft: Null.
donalphons, 21:47h
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Riesenschachtel der Pandora
Frau Mama (gestern bei der Stuckbesichtigung): Das müssen wir auch mal machen...
Don Alphonso: Ja, aber das wird sicher mal toll, wenn es fertig ist.
Frau Mama: Dann mach Du das. Willst Du es geschenkt haben?
Don Alphonso: Äh, klar, immer nur her damit...
Wenn ich sterbe, wäre bislang auf meinem Grabstein "Literat" gestanden. Ab jetzt kann dort auch stehen: "Hausbesitzer". Das war hier früher ein angesehener Beruf. Mein Ururgrossvater zum Beispiel war "Hausbesitzer und Privatier", und hatte damit ein tolles Leben und einen respektablen Grabstein. Zur Hälfte habe ich das jetzt geschafft. Und als ich es danach besichtigt und all die Probleme entdeckt habe, kam ich zum Schluss, dass es mit dem Sterben sicher nicht allzu lang dauert, bei dem Haufen Arbeit. Du lieber Himmel...
Don Alphonso: Ja, aber das wird sicher mal toll, wenn es fertig ist.
Frau Mama: Dann mach Du das. Willst Du es geschenkt haben?
Don Alphonso: Äh, klar, immer nur her damit...
Wenn ich sterbe, wäre bislang auf meinem Grabstein "Literat" gestanden. Ab jetzt kann dort auch stehen: "Hausbesitzer". Das war hier früher ein angesehener Beruf. Mein Ururgrossvater zum Beispiel war "Hausbesitzer und Privatier", und hatte damit ein tolles Leben und einen respektablen Grabstein. Zur Hälfte habe ich das jetzt geschafft. Und als ich es danach besichtigt und all die Probleme entdeckt habe, kam ich zum Schluss, dass es mit dem Sterben sicher nicht allzu lang dauert, bei dem Haufen Arbeit. Du lieber Himmel...
donalphons, 07:39h
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Im Herzen des Schmutzes
Hackesche Höfe. Da war ich schon mal. Jetzt wieder. Ich auf Podium wegen Blogs bei diesem Event. Und die Bürgersteige werden wieder voller Müll sein.
donalphons, 07:18h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 5. August 2005
Nicht zu empfehlen: Meine Wand hat ein Loch.
Ja. So ist das nun mal in Altbauten. Da gibt es Wände, die Löcher haben. Na und? Auch der Schweizer Käse hat Löcher, die Raumfähre und auch das Piercing-Girl. Das Loch habe ich übrigens selbst mal gemacht, im Irrglauben, ich könnte die Deckenbalken freilegen. Die Details würden hier nur langweilen, jedenfalls ging es aus einigen statischen Gründen nicht. Zurück blieb also besagtes Loch.
Kein Problem, schliesslich wird es ja später mit Stoff bespannt, dachte ich. Tatsächlich handelt es sich aber um ein Loch in 3D, sprich, es zieht sich von der Vertikalen in eine Schräge. Auch die Schräge sollte bespannt werden, aber, wie sich heute zeigte: Es geht auch nicht. Weil nämlich... (Heulkrampf) es geht jedenfalls nicht. Und deshalb:

Alles zwei Arbeitsschritte zurück. Eine Platte aufsetzen, zuschneiden und befestigen, Tapeten entfernen (geht das nie zu Ende...) und schon wieder verspachteln. Und diesmal gleich dreimal, weil das Loch sonst nicht zu füllen ist. Dabei war es damals gar nicht so leicht, so ein grosses Loch zu machen. Das nächste Mal lasse ich die Wände zu, fertig, basta.
Kein Problem, schliesslich wird es ja später mit Stoff bespannt, dachte ich. Tatsächlich handelt es sich aber um ein Loch in 3D, sprich, es zieht sich von der Vertikalen in eine Schräge. Auch die Schräge sollte bespannt werden, aber, wie sich heute zeigte: Es geht auch nicht. Weil nämlich... (Heulkrampf) es geht jedenfalls nicht. Und deshalb:

Alles zwei Arbeitsschritte zurück. Eine Platte aufsetzen, zuschneiden und befestigen, Tapeten entfernen (geht das nie zu Ende...) und schon wieder verspachteln. Und diesmal gleich dreimal, weil das Loch sonst nicht zu füllen ist. Dabei war es damals gar nicht so leicht, so ein grosses Loch zu machen. Das nächste Mal lasse ich die Wände zu, fertig, basta.
donalphons, 01:58h
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50ies-Postkartenbloggen
Liebe Freundinnen und Freunde,

hier in der Provinz lässt es sich leben! Vorne seht Ihr den Blick, der mich jeden Morgen - und speziell heute - beim Aufstehen erfreut. Gestern hat es ein klein wenig geregnet, aber heute lacht wieder die Sonne vom unendlichen Blau des Himmels. Ich war zwei Tage in München, das nur eine Stunde mit dem Automobil von hier ist, aber ich muss sagen, dass es mir hier in meiner Herberge hoch über der Stadt besser gefällt. Morgen früh werde ich den gewohnten Tagesablauf einhalten: Mit dem Fahrrad vorbei an den Häusern alter, längst durch Suizid verstorbener Kameraden durch den Auenwald zu einem kleinen See fahren, um zu baden und den Libellen zuzuschauen, und auf dem Heimweg Feldblumen pflücken. Dann werde ich auf der Terasse sitzen und jungen, hübschen Studentinnen auf dem Weg in die Universität zuschauen, ihnen eine gute Zukunft wünschen, die sie nicht haben werden, ein gutes Buch lesen und essen. Ach, das Essen hier in der Provinz ist herrlich, besonders in der Gaststätte Daniel, oder im Lokal des Hotels Rappensberger.
So sieht es also aus. Jetzt habe ich noch etwas über eine Woche hier, zwischendrin werde ich auch Nürnberg besuchen und in München Freunde treffen, bevor es dann wieder nach Berlin geht, zu einer Podiumsdiskussion bei der Böll-Stiftung. Ich hoffe, es geht Euch auch gut!
Es grüsst Euch ganz herzlich aus tiefster Provinz und Seele
Euer
(Riesenschnörkel) Don Alphonso Porcamadonna
P.S.: Lieber Marc, könntest Du bitte unter Eurem Ehebett nachschauen, ob da meine Gruen Curvex ist? Ich finde sie nicht mehr, seit dem Abend, als Du auf Geschäftsreise warst und ich Deinem Wunsche entsprechend Constanze mit Gesellschaftsspielen unterhalten habe. Küsse sie ganz inniglich von mir!
P.P.S.: Liebste Constanze, wenn sich Mark unter dem Ehebett zu schaffen macht und dann wieder seinen fetten, puterroten Kopf hervorstreckt: Der Eispickel hängt an der Garderobe.

hier in der Provinz lässt es sich leben! Vorne seht Ihr den Blick, der mich jeden Morgen - und speziell heute - beim Aufstehen erfreut. Gestern hat es ein klein wenig geregnet, aber heute lacht wieder die Sonne vom unendlichen Blau des Himmels. Ich war zwei Tage in München, das nur eine Stunde mit dem Automobil von hier ist, aber ich muss sagen, dass es mir hier in meiner Herberge hoch über der Stadt besser gefällt. Morgen früh werde ich den gewohnten Tagesablauf einhalten: Mit dem Fahrrad vorbei an den Häusern alter, längst durch Suizid verstorbener Kameraden durch den Auenwald zu einem kleinen See fahren, um zu baden und den Libellen zuzuschauen, und auf dem Heimweg Feldblumen pflücken. Dann werde ich auf der Terasse sitzen und jungen, hübschen Studentinnen auf dem Weg in die Universität zuschauen, ihnen eine gute Zukunft wünschen, die sie nicht haben werden, ein gutes Buch lesen und essen. Ach, das Essen hier in der Provinz ist herrlich, besonders in der Gaststätte Daniel, oder im Lokal des Hotels Rappensberger.
So sieht es also aus. Jetzt habe ich noch etwas über eine Woche hier, zwischendrin werde ich auch Nürnberg besuchen und in München Freunde treffen, bevor es dann wieder nach Berlin geht, zu einer Podiumsdiskussion bei der Böll-Stiftung. Ich hoffe, es geht Euch auch gut!
Es grüsst Euch ganz herzlich aus tiefster Provinz und Seele
Euer
(Riesenschnörkel) Don Alphonso Porcamadonna
P.S.: Lieber Marc, könntest Du bitte unter Eurem Ehebett nachschauen, ob da meine Gruen Curvex ist? Ich finde sie nicht mehr, seit dem Abend, als Du auf Geschäftsreise warst und ich Deinem Wunsche entsprechend Constanze mit Gesellschaftsspielen unterhalten habe. Küsse sie ganz inniglich von mir!
P.P.S.: Liebste Constanze, wenn sich Mark unter dem Ehebett zu schaffen macht und dann wieder seinen fetten, puterroten Kopf hervorstreckt: Der Eispickel hängt an der Garderobe.
donalphons, 01:58h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Mittwoch, 3. August 2005
Profi-Insidern
Firmengeheimnisse erfährt man am schnellsten, wenn man sich mit den Chefs oder den PR-Anjas auf einem der besseren Events trifft, ihnen was Indiskretes oder für den Einstieg schlicht Erlogenes ihrer Konkurrenz erzählt, und sie damit zum Sprudeln bekommt. Jede ihrer Fragen ist eine Antwort, jedes Spekulieren sagt sehr viel über ihre eigene Situation. Der Rest ist zielgenaues Vermuten und eventuell etwas Abgleich mit anderen Informationen. Das ist eigentlich alles, man braucht nur ein wenig Geschick, Gefühl für Menschen, ein paar Caipis und die passende Umgebung.
Schwierig wird es, wenn man nicht nur Informationen braucht. Wenn man wirklich versucht, das Unternehmen abzuschiessen. Dann bringen Informationen wenig, denn selbst im Worst Case wird die Quelle gefeuert und geschwiegen. Das versetzt einem Dotcom in der Regel nicht den kritischen Schlag, das es davon abhält - sagen wir mal - in Märkte einzudringen, in denen es nichts verloren hat. Da braucht man mehr. Am besten einen, zwei, drei umgedrehte Mitarbeiter. Das geht über Geld, aber auch über Druck, falls man etwas gegen sie in der Hand hat.
Manche sind einfach nur arme Schweine, die Scheisse gebaut haben, ohne sich dabei was zu denken. Manche sind gradraus sympathisch, gar nicht verbiestert, und begreifen schnell, dass sie beim anstehenden Einschlag des Torpedos wenig mehr sein werden als etwas weiche Biomasse. Viel steht nach solchen Detonationen nicht in den Medien, aber alle wissen es trotzdem; auch bei Firmenpleiten trifft man Katastrophentouristen, es sind viele, und Dotcomtod war in Sachen Häme nichts gegen manches VC-Treffen. Da werden Karrieren negativ beschieden, und meistens trifft es die kleinen und mittleren Versager. Wenn man sie nicht ein paar Stunden vor dem Einschlag warnt und einen Deal macht: Ich sage Dir was kommt, und Du garantierst mir, dass sie auf der Brücke gerade schlafen und alle Luken offen sind, wenn es knallt.

Das geschieht dann nicht mehr im Odeon, im Rincon oder im Noodles, oder wo immer man sich sonst getroffen hat. Das passiert in abgewirtschafteten Wohnlöchern fertiger Startupper, in Wohnheimen, wo aus Managing Directors wieder tablettensüchtige Studentinnen wurden, oder eben im Baader Café im Gärtnerplatzviertel.
Damals ging es um einen Haufen Contentklauer und ein paar Freunderln, die an das grosse Geld geglaubt haben, und um einen Haufen blöder Schafe, von denen ich hoffe, dass keiner von denen je in eine verantwortungsvolle Position kommt, und um mich selbst. Das alles war reich an menschlichen Enttäuschungen, aber irgendwann ist man immun und tut, was zu tun ist, und am Ende hat man alles zusammen. Unterlagen, Mitschnitte, Erklärungen, einen Gegner, der sich schon am Ziel seiner Träume wähnt, und eben den entscheidenden Mann in der gegnerischen Company.
Es war ohne finanzielle Interessen, es war nicht wirklich koscher, aber am Ende war es gut. Dotcoms werden auf Servietten in Kneipen erfunden, auf Kirschholztischen finanziert und von Eames-Chairs geleitet - aber ihr Sarg wird dann wieder an den kleinen Tischen in irgendwelchen Lokalen zugenagelt. Wie eben im Baader Café in der Baaderstrasse in München. Die Zeiten waren weder gut, noch gross, und es gab auch keine Helden. Aber bald, das weiss ich, wird wieder eine Zeit kommen, in der ich Leute ins Baader Café bestellen werde, MDs auf den Tisch lege und ein Papier, und sagen werde: Unterschreib das.
Das ist das Spiel, das nie in den Wirtschaftszeitungen steht.
Schwierig wird es, wenn man nicht nur Informationen braucht. Wenn man wirklich versucht, das Unternehmen abzuschiessen. Dann bringen Informationen wenig, denn selbst im Worst Case wird die Quelle gefeuert und geschwiegen. Das versetzt einem Dotcom in der Regel nicht den kritischen Schlag, das es davon abhält - sagen wir mal - in Märkte einzudringen, in denen es nichts verloren hat. Da braucht man mehr. Am besten einen, zwei, drei umgedrehte Mitarbeiter. Das geht über Geld, aber auch über Druck, falls man etwas gegen sie in der Hand hat.
Manche sind einfach nur arme Schweine, die Scheisse gebaut haben, ohne sich dabei was zu denken. Manche sind gradraus sympathisch, gar nicht verbiestert, und begreifen schnell, dass sie beim anstehenden Einschlag des Torpedos wenig mehr sein werden als etwas weiche Biomasse. Viel steht nach solchen Detonationen nicht in den Medien, aber alle wissen es trotzdem; auch bei Firmenpleiten trifft man Katastrophentouristen, es sind viele, und Dotcomtod war in Sachen Häme nichts gegen manches VC-Treffen. Da werden Karrieren negativ beschieden, und meistens trifft es die kleinen und mittleren Versager. Wenn man sie nicht ein paar Stunden vor dem Einschlag warnt und einen Deal macht: Ich sage Dir was kommt, und Du garantierst mir, dass sie auf der Brücke gerade schlafen und alle Luken offen sind, wenn es knallt.

Das geschieht dann nicht mehr im Odeon, im Rincon oder im Noodles, oder wo immer man sich sonst getroffen hat. Das passiert in abgewirtschafteten Wohnlöchern fertiger Startupper, in Wohnheimen, wo aus Managing Directors wieder tablettensüchtige Studentinnen wurden, oder eben im Baader Café im Gärtnerplatzviertel.
Damals ging es um einen Haufen Contentklauer und ein paar Freunderln, die an das grosse Geld geglaubt haben, und um einen Haufen blöder Schafe, von denen ich hoffe, dass keiner von denen je in eine verantwortungsvolle Position kommt, und um mich selbst. Das alles war reich an menschlichen Enttäuschungen, aber irgendwann ist man immun und tut, was zu tun ist, und am Ende hat man alles zusammen. Unterlagen, Mitschnitte, Erklärungen, einen Gegner, der sich schon am Ziel seiner Träume wähnt, und eben den entscheidenden Mann in der gegnerischen Company.
Es war ohne finanzielle Interessen, es war nicht wirklich koscher, aber am Ende war es gut. Dotcoms werden auf Servietten in Kneipen erfunden, auf Kirschholztischen finanziert und von Eames-Chairs geleitet - aber ihr Sarg wird dann wieder an den kleinen Tischen in irgendwelchen Lokalen zugenagelt. Wie eben im Baader Café in der Baaderstrasse in München. Die Zeiten waren weder gut, noch gross, und es gab auch keine Helden. Aber bald, das weiss ich, wird wieder eine Zeit kommen, in der ich Leute ins Baader Café bestellen werde, MDs auf den Tisch lege und ein Papier, und sagen werde: Unterschreib das.
Das ist das Spiel, das nie in den Wirtschaftszeitungen steht.
donalphons, 23:03h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Mittwoch, 3. August 2005
Sehr zu empfehlen: Noch mal nachdenken
Ich habe einen Heidenrespekt vor Handwerkern. Ich hatte in einem Ferienjob das Vergnügen, 6 Wochen in einer als Handwerksbetrieb organisierten Abteilung eines Grosskonzerns zu arbeiten, der sich mit Rohrleitungen beschäftigte. Die Leute waren absolute Profis, wortkarg, ruhig und so selbstsicher, wie man wohl sein muss, wenn man tagein tagaus mit technischen Gasen und Flüssigkeiten umgeht, die hochtoxisch und explosiv sind. Ich kann immer noch Gewinde schneiden, schweissen und Rohre abdichten, ich weiss um die Qualität einer echten Hilti, die man jeden Tag im Werkzeuglager mit Erlaubnisschein abholen musste, aber das wichtigste, was ich bei denen gelernt habe, war das Nachdenken - und das ist etwas, was man bei einem Gymnasiasten aus besserer Familie in diesem Alter nicht zwingend erwarten kann. Das Nachdenken am Ende jedes Arbeitsschrittes, ob alles richtig war, was nicht so gut lief, und was man das nächste mal besser machen würde.
Der Stuck ist fertig montiert und verputzt. Morgen beginnt das Weissen, die Farbe steht schon bereit, aber das Ergebnis sieht jetzt schon ziemlich hübsch aus. Nichts gegen das, was man vor 100 Jahren an die Decken der Grossbürgerhäuser zauberte, aber angesichts eines ehemaligen Dienstbotenkämmerchens und späteren geheimen Schwulenspielwiese ganz akzeptabel:

Würde ich es nochmal machen? Nein, im Moment überwiegt einfach die Freude, dass es vorbei ist. Die Decke war krumm, es gab einige böse Überraschungen, man geht am Abend frustriert ins Bett, weil man an einem toten Punkt ist und keine Lösung hat. Stuck allein ist nicht das Problem - das Problem ist Stuck auf bröselndem Heraklit und schlechtem Putz mit viel alter Tapete drauf und einer Raumform, die schon erheblichen Zweifel an der Fähigkeit des Zimmermanns des Jahres 1886 (oder etwas später) aufkommen lässt.
Was dann? Das Schlimme ist: Alternativen gibt es auch nicht. Der Innenspiegel war allein schon wegen des Mauervorsprungs und dem fehlenden Abschlussteil an der Spitze ein Bruch, als Ersatz hätte man auch eine grosse Rosette nehmen können - aber dafür ist der Raum zu niedrig. Man hat einfach keine andere Wahl, und dann kommen die Katastrophen: Eine Raumecke hat einen Winkel von 94 Grad, die andere von 87, und die Eckelemente sind exakt im rechten Winkel. Vielleicht hätte es auch höherer Stuck an den Raumkanten getan - aber das geht auch nicht, weil die Wände teilweise schräg sind und die Übergänge schon jetzt ausgesprochen holprig wurden. Überhaupt die Übergänge: Ganz böse. Eine Wand krumm, eine Wand schief, Decke nicht gerade, kein rechter Winkel: Da ist ein sauberer Übergang ein Ding der Unmöglichkeit.
Aber: In Berlin habe ich ein paar Dutzend Palmetten aus Holz mitgenommen, ohne zu wissen, wofür ich die mal brauchen könnte. Spontankauf, weil sie so billig waren; Reste aus einer aufgelösten Schreinerei. Die werden in Gold und Weiss lackiert und kommen dann in die unschönen Ecken. (sorry wegen der dreckigen Fingernägel, wenn das meine Frau Mama wüsste...)

Was noch? Ich weiss nicht, ob ich die Decke nochmal von Fehlstelle zu Fehlstelle verspachteln würde. Das Verspachteln des Stucks war ein Kinderspiel, aber die Löcher in der Heraktlitdecke, die offenen Fasern und die viele hunderte elende Tapetenfitzelchen waren die Hölle. Vielleicht hätte ich die Decke nochmal komplett verputzen sollen, aber das geht dann nicht in die Tiefe, da bleiben Risse und Spannungen, und kaum zwei Jahre später geht das Ganze von Vorne los, und Gipskrümel der Decke im Tee sind nicht wirklich fashionable. Als das Heraklit an die Decke kam, war der Putz nur der Untergrund für die Tapete, das hat er gehalten, und niemand konnte in den frühen 60er Jahren ahnen, dass es mal jemand geben würde, der da Stuck haben will - das war die Zeit, wo jeder den Stuck runtergehauen hat. Als Folge bleiben noch ein paar hundert Grate vom Spachteln, die abgeschliffen werden müssen, bevor morgen die Farbe kommt. Es ist einfach so elend viel Arbeit, ohne dass es wirklich vorangeht.
Weichei, das einzig wirklich Elende ist das Gejammere - dafür kann ich Jahrzehnte an die Decke schauen und mich daran erfreuen. Ausserdem, wie mir ein alter, geizistgeiliger VC schon mal gesagt hat: Verdient haben Sie nichts, Herr Porcamadonna, aber Sie haben was gelernt.
Der Stuck ist fertig montiert und verputzt. Morgen beginnt das Weissen, die Farbe steht schon bereit, aber das Ergebnis sieht jetzt schon ziemlich hübsch aus. Nichts gegen das, was man vor 100 Jahren an die Decken der Grossbürgerhäuser zauberte, aber angesichts eines ehemaligen Dienstbotenkämmerchens und späteren geheimen Schwulenspielwiese ganz akzeptabel:

Würde ich es nochmal machen? Nein, im Moment überwiegt einfach die Freude, dass es vorbei ist. Die Decke war krumm, es gab einige böse Überraschungen, man geht am Abend frustriert ins Bett, weil man an einem toten Punkt ist und keine Lösung hat. Stuck allein ist nicht das Problem - das Problem ist Stuck auf bröselndem Heraklit und schlechtem Putz mit viel alter Tapete drauf und einer Raumform, die schon erheblichen Zweifel an der Fähigkeit des Zimmermanns des Jahres 1886 (oder etwas später) aufkommen lässt.
Was dann? Das Schlimme ist: Alternativen gibt es auch nicht. Der Innenspiegel war allein schon wegen des Mauervorsprungs und dem fehlenden Abschlussteil an der Spitze ein Bruch, als Ersatz hätte man auch eine grosse Rosette nehmen können - aber dafür ist der Raum zu niedrig. Man hat einfach keine andere Wahl, und dann kommen die Katastrophen: Eine Raumecke hat einen Winkel von 94 Grad, die andere von 87, und die Eckelemente sind exakt im rechten Winkel. Vielleicht hätte es auch höherer Stuck an den Raumkanten getan - aber das geht auch nicht, weil die Wände teilweise schräg sind und die Übergänge schon jetzt ausgesprochen holprig wurden. Überhaupt die Übergänge: Ganz böse. Eine Wand krumm, eine Wand schief, Decke nicht gerade, kein rechter Winkel: Da ist ein sauberer Übergang ein Ding der Unmöglichkeit.
Aber: In Berlin habe ich ein paar Dutzend Palmetten aus Holz mitgenommen, ohne zu wissen, wofür ich die mal brauchen könnte. Spontankauf, weil sie so billig waren; Reste aus einer aufgelösten Schreinerei. Die werden in Gold und Weiss lackiert und kommen dann in die unschönen Ecken. (sorry wegen der dreckigen Fingernägel, wenn das meine Frau Mama wüsste...)

Was noch? Ich weiss nicht, ob ich die Decke nochmal von Fehlstelle zu Fehlstelle verspachteln würde. Das Verspachteln des Stucks war ein Kinderspiel, aber die Löcher in der Heraktlitdecke, die offenen Fasern und die viele hunderte elende Tapetenfitzelchen waren die Hölle. Vielleicht hätte ich die Decke nochmal komplett verputzen sollen, aber das geht dann nicht in die Tiefe, da bleiben Risse und Spannungen, und kaum zwei Jahre später geht das Ganze von Vorne los, und Gipskrümel der Decke im Tee sind nicht wirklich fashionable. Als das Heraklit an die Decke kam, war der Putz nur der Untergrund für die Tapete, das hat er gehalten, und niemand konnte in den frühen 60er Jahren ahnen, dass es mal jemand geben würde, der da Stuck haben will - das war die Zeit, wo jeder den Stuck runtergehauen hat. Als Folge bleiben noch ein paar hundert Grate vom Spachteln, die abgeschliffen werden müssen, bevor morgen die Farbe kommt. Es ist einfach so elend viel Arbeit, ohne dass es wirklich vorangeht.
Weichei, das einzig wirklich Elende ist das Gejammere - dafür kann ich Jahrzehnte an die Decke schauen und mich daran erfreuen. Ausserdem, wie mir ein alter, geizistgeiliger VC schon mal gesagt hat: Verdient haben Sie nichts, Herr Porcamadonna, aber Sie haben was gelernt.
donalphons, 01:29h
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Porschgelöcherte Cretins
He, ihr Immobilienmakler, es ist ganz einfach: Spart euch die Anrufe. Ich will nichts hören, und schon gar nicht sehen. Am allerwenigsten mag ich gefakede Anrufe, bei denen eine Besichtigung mit einem Privatmenschen vereinbahrt wird, und unten dann so ein 911er-Porschloch steht, dem man seinen Kretinismus schon aus dem vierten Stock ansieht. Münchner Immobiliencretins - die abartigste Spezies, die man sich vorstellen kann.
Schon seit meinen frühesten Tagen in der Munich Area, Anfang der 90 Jahre, habe ich mit diesem Pack zu tun. Einmal habe ich einen von denen aus meiner bevorzugten Disco rausschmeissen lassen - leider war davor keine vielbefahrene Schnellstrasse. 20 Jahre haben sie sich fettgefressen an Wuchermieten, künstlicher Wohnraumverknappung und den assligen Tricks, um den Privatmarkt auszutrocknen. Müncher Immobilinmakler haben vor dem Abi Omas an der Haustür sinnlose Versicherungen aufgeschwatzt, um sich einen Golf GTI kaufen zu können. Müncher Immobilienmakler nährten über Dekaden die geschmacklosesten Einrichtungshäuser, Kleiderläden, und sehen auch in Brioni immer noch so versifft aus, wie sie innen drin sind. Ihr Freundinnen sind blond, magersüchtig, und werden ab der Altersgrenze von 30 Jahren entsorgt, wenn sie bis dahin kein späteres neureiches Drecksbalg geworfen haben. Dann gehen sie alle in Bayreuth in den Ring der Schieberjungen und halten den rassistischen Dreck für Kunst, und am nächsten Morgen...
Am nächsten Morgen fallen sie dann bei mir ein. Ein ordentliche, freie Wohnung in Traumlage beim Gärtnerplatz, und das ohne Makler, das darf es in ihren Augen nicht geben. Das muss unter ihre Fuchtel. Das kleine Problem: Mein Clan hatte schon mal das Vergnügen, mit dem Ergebnis, dass der Cretin die Wohnung für 15.000 Euro unter Wert verkaufen wollte - mutmasslich an einen Strohmann. Keine gute Idee, wenn es im Clan eine gute Anwältin gibt. Aber trotzdem geben sie nicht auf, und sagen, dass sie die Wohnung für einen Kunden anschauen wollen, um den Preis für übertrieben zu halten und den Rat zu geben, es doch sie machen zu lassen, sie würden das schon schaffen... Ihre Agentur sei renommiert, und sie sind keine verhungerten Schwachköpfe wie die, die in den letzten fünf Jahren doch ziemlich gelitten haben.
Denn seit dem Ende der New Economy bewegen sich die Preise nicht mehr, auch in München herrscht kein Wohnungsmangel mehr, ausser in den Toplagen Lehel, Gärtnerplatz, Südschwabing und Maxvorstadt - eben da, wo alle hin wollen, und wo sich die Makler drängeln. Immobilienmakler ist kein Traumberuf mehr, das Gefüge aus Angebot, nachfrage und überzogenen Preisen ist aus dem Lot geraten. Vorbei sind die Zeiten, wo die Treppenhäuser bei Besichtigungen voll und die Mieterinnen bereit waren, sich für Sex herzugeben. So war das in den Tagen um 2001, als eine Bekannte wegen diesen Cretins beinahe auf der Strasse gelandet wäre... Sowas vergisst man nicht, auch wenn die geschichte ein gutes ende hatte. Weil ich ihnen - höflich - sage, dass sie sich verpissen können, dass ich mit diesem Plebs nichts zu tun haben will, versuchen sie es auch anders. Kein Ton darüber, dass sie Cretins sind. Sie schleichen sich als Privatkunden ein.
Und so hält unten in zweiter Reihe ein älterer, geschmacklos-schwarzer 911er an, und heraus kommt der schleimige Idealtyp dieser Gattung, hartes Gesicht, solariumbraun, sportiv, hat sicher mal in der Schule den Brillenträgern ein Bein gestellt und den Leseratten die Bücher versteckt, dafür war er immer der erste, wenn es um die Auswahl der Fussballteams geht. Ein Kinn, wie geschaffen um darauf Vorschlaghämmer zu testen. Ein Macher. Der gleiche Typ, der vor 7 Jahren noch CEO eines Startups geworden wäre und vielleicht auch war, das Pack ist austauschbar, beide haben vom gleichen Hype um die Area gelebt. Klingelt, kommt hoch, versucht es mit einem ultrafesten Händedruck - keine gute Idee bei einem Gegenüber, der gerade ein paar hundert Schrauben in Holz gedreht hat - und fängt an, rumzukritteln. Dieses hier, das hier, die Preisvorstellung sei ja viel zu hoch, da ist noch was, Teppich geht überhaupt nicht mehr, eine einzige Zumutung sei das, das würde ich nie verkaufen können - das könne allenfalls ein Fachmann. Naja, er suche die Wohnung schon für sich privat, aber nebenbei arbeite er auch für eine Agentur, für ihn passt sie auch wegen der Lage nicht, und ich sollte mich doch an sie wenden - ausserdem, wenn sie mir erst mal einen Kunden beschafft hätten, könnten sie mir auch weitere vorzügliche Angebote rund um die Munich Area machen.
Ich sage ihm die nicht ganze Wahrheit: Dass wir nicht verkaufen müssen, dass es nur um eine Frontbegradigung im Asset Management des geht, dass das ganze für meine Eltern etwas zu viel wird, allein schon die 42 Zimmer des Stadtpalastes, und dann noch dies und jenes - und wenn es nicht klappt, behalten sie es eben als Basis für Opernbesuche und Shopping, und wir verkaufen die Villa auf Malle, die ist sowieso nicht mehr fashionable - und obendrein erfunden, aber das sage ich nicht laut dazu. Die Geschichte mit der Basis fürs Shopping ist dagegen nur geborgt von einem anderen Clan meiner Heimat, aber egal, ob geklaut oder erfunden: Es wirkt.
HändedrUCKhjaa, tschüss, eine verlorene Stunde für den Porschloch-Grattler und Spass für mich, hoffentlich hat eine Politesse den Wagen aufgeschrieben. Vielleicht reisst auch das Transportseil des Aufzugs. Vielleicht habe ich mit der soliden Bausubstanz auch unrecht, und ein Balkon bricht ab, wenn er drunter steht. Ich lese etwas Nabokov, während ich auf den nächsten schwäbischen Zahnarzt mit letztlich entscheidender Frau und Tochter warte.
Schon seit meinen frühesten Tagen in der Munich Area, Anfang der 90 Jahre, habe ich mit diesem Pack zu tun. Einmal habe ich einen von denen aus meiner bevorzugten Disco rausschmeissen lassen - leider war davor keine vielbefahrene Schnellstrasse. 20 Jahre haben sie sich fettgefressen an Wuchermieten, künstlicher Wohnraumverknappung und den assligen Tricks, um den Privatmarkt auszutrocknen. Müncher Immobilinmakler haben vor dem Abi Omas an der Haustür sinnlose Versicherungen aufgeschwatzt, um sich einen Golf GTI kaufen zu können. Müncher Immobilienmakler nährten über Dekaden die geschmacklosesten Einrichtungshäuser, Kleiderläden, und sehen auch in Brioni immer noch so versifft aus, wie sie innen drin sind. Ihr Freundinnen sind blond, magersüchtig, und werden ab der Altersgrenze von 30 Jahren entsorgt, wenn sie bis dahin kein späteres neureiches Drecksbalg geworfen haben. Dann gehen sie alle in Bayreuth in den Ring der Schieberjungen und halten den rassistischen Dreck für Kunst, und am nächsten Morgen...
Am nächsten Morgen fallen sie dann bei mir ein. Ein ordentliche, freie Wohnung in Traumlage beim Gärtnerplatz, und das ohne Makler, das darf es in ihren Augen nicht geben. Das muss unter ihre Fuchtel. Das kleine Problem: Mein Clan hatte schon mal das Vergnügen, mit dem Ergebnis, dass der Cretin die Wohnung für 15.000 Euro unter Wert verkaufen wollte - mutmasslich an einen Strohmann. Keine gute Idee, wenn es im Clan eine gute Anwältin gibt. Aber trotzdem geben sie nicht auf, und sagen, dass sie die Wohnung für einen Kunden anschauen wollen, um den Preis für übertrieben zu halten und den Rat zu geben, es doch sie machen zu lassen, sie würden das schon schaffen... Ihre Agentur sei renommiert, und sie sind keine verhungerten Schwachköpfe wie die, die in den letzten fünf Jahren doch ziemlich gelitten haben.
Denn seit dem Ende der New Economy bewegen sich die Preise nicht mehr, auch in München herrscht kein Wohnungsmangel mehr, ausser in den Toplagen Lehel, Gärtnerplatz, Südschwabing und Maxvorstadt - eben da, wo alle hin wollen, und wo sich die Makler drängeln. Immobilienmakler ist kein Traumberuf mehr, das Gefüge aus Angebot, nachfrage und überzogenen Preisen ist aus dem Lot geraten. Vorbei sind die Zeiten, wo die Treppenhäuser bei Besichtigungen voll und die Mieterinnen bereit waren, sich für Sex herzugeben. So war das in den Tagen um 2001, als eine Bekannte wegen diesen Cretins beinahe auf der Strasse gelandet wäre... Sowas vergisst man nicht, auch wenn die geschichte ein gutes ende hatte. Weil ich ihnen - höflich - sage, dass sie sich verpissen können, dass ich mit diesem Plebs nichts zu tun haben will, versuchen sie es auch anders. Kein Ton darüber, dass sie Cretins sind. Sie schleichen sich als Privatkunden ein.
Und so hält unten in zweiter Reihe ein älterer, geschmacklos-schwarzer 911er an, und heraus kommt der schleimige Idealtyp dieser Gattung, hartes Gesicht, solariumbraun, sportiv, hat sicher mal in der Schule den Brillenträgern ein Bein gestellt und den Leseratten die Bücher versteckt, dafür war er immer der erste, wenn es um die Auswahl der Fussballteams geht. Ein Kinn, wie geschaffen um darauf Vorschlaghämmer zu testen. Ein Macher. Der gleiche Typ, der vor 7 Jahren noch CEO eines Startups geworden wäre und vielleicht auch war, das Pack ist austauschbar, beide haben vom gleichen Hype um die Area gelebt. Klingelt, kommt hoch, versucht es mit einem ultrafesten Händedruck - keine gute Idee bei einem Gegenüber, der gerade ein paar hundert Schrauben in Holz gedreht hat - und fängt an, rumzukritteln. Dieses hier, das hier, die Preisvorstellung sei ja viel zu hoch, da ist noch was, Teppich geht überhaupt nicht mehr, eine einzige Zumutung sei das, das würde ich nie verkaufen können - das könne allenfalls ein Fachmann. Naja, er suche die Wohnung schon für sich privat, aber nebenbei arbeite er auch für eine Agentur, für ihn passt sie auch wegen der Lage nicht, und ich sollte mich doch an sie wenden - ausserdem, wenn sie mir erst mal einen Kunden beschafft hätten, könnten sie mir auch weitere vorzügliche Angebote rund um die Munich Area machen.
Ich sage ihm die nicht ganze Wahrheit: Dass wir nicht verkaufen müssen, dass es nur um eine Frontbegradigung im Asset Management des geht, dass das ganze für meine Eltern etwas zu viel wird, allein schon die 42 Zimmer des Stadtpalastes, und dann noch dies und jenes - und wenn es nicht klappt, behalten sie es eben als Basis für Opernbesuche und Shopping, und wir verkaufen die Villa auf Malle, die ist sowieso nicht mehr fashionable - und obendrein erfunden, aber das sage ich nicht laut dazu. Die Geschichte mit der Basis fürs Shopping ist dagegen nur geborgt von einem anderen Clan meiner Heimat, aber egal, ob geklaut oder erfunden: Es wirkt.
HändedrUCKhjaa, tschüss, eine verlorene Stunde für den Porschloch-Grattler und Spass für mich, hoffentlich hat eine Politesse den Wagen aufgeschrieben. Vielleicht reisst auch das Transportseil des Aufzugs. Vielleicht habe ich mit der soliden Bausubstanz auch unrecht, und ein Balkon bricht ab, wenn er drunter steht. Ich lese etwas Nabokov, während ich auf den nächsten schwäbischen Zahnarzt mit letztlich entscheidender Frau und Tochter warte.
donalphons, 01:13h
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