: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Dienstag, 10. Januar 2006

Dirt Picture Contest - Keine Heimkehr

Er kommt aus dem Donautal, aus dem ich auch komme. Er wurde nur ein paar Kilometer von meinem Stadtpalast entfernt gebaut, von den kräftigen Händen bayerischer Metallarbeiter und den Roboterarmen der besten Maschinenbauer. Er ist ein Stück Qualitätsarbeit, hart, schlicht, ehrlich und konsequent wie die Menschen der Region. Er war nicht unbedingt der nobelste unter den Wägen und nicht der schnellste, aber sicher ein Gefährt, auf das man sich verlassen konnte. Die Leute, die ihn geschaffen haben, hatten einen besseren tarifvertrag als andere Metaller. Das merkt man, wenn man die Tür zumacht. Klamp. Oder beim Unfall.



Im Innenraum ist alles intakt, die Konstrukteure und Arbeiter im Süden haben getan, was sie konnten. Jetzt steht er hier in Berlin, im Slum, und wird nie mehr zurück kommen in das breite Tal, in dem sich der Fluss träge durch den Auwald windet. Er steht hier schon seit ein paar Wochen rum, und wird auch noch eine Weile bleiben, bis irgendwann der Abschleppdienst kommt und ihn zur Verschrotten bringt. Aber das kann noch lange dauern.

Er war mal gut. Jetzt ist er nur noch ein Stück Müll auf Berlins Strassen, stahlgewordenes Mahnmal für all die Bayern, die hier in dieser Stadt den Moment verpasst haben, zu dem sie noch abspringen können. Morgen bin ich raus hier.

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Alte Freunde revisited

Einer der längsten, legendären Threads bei Dotcomtod behandelte die Firma bc lab mit ihrem Macher, Herrn Bernskötter, die damals schon Schnüffeldienste anbot, die heute auch von PR-Bloggern und Google-Pressesprechern propagiert werden. Kurz, wir hatten damals eine nette, kleine Google-Bomb für den Herrn online. Das war gestern.

Heute helfen wir natürlich gerne mit bei der Verbreitung der Tatsache, dass Herr Benskötter mit bc lab aka bc.lab aka Krisenradar.de immer noch aktiv ist - und offensichtlich logins und Passwörter für seine Kundenzonen einfach so im Netz rumliegen lässt. Damit jeder bei ihm gucken kann, wer seine Kunden sind, welche Informationen er denen gibt, was sie gefunden haben, und so weiter. Man kann da also einiges über die Vorgehensweise der Schnüffelbranche lernen. Peinlich, dass sich Mercedes mit derartigem Business-Typen einlässt. Pfeiffen.

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Tooncam

Besser als Megapixel und Flickr:




von hier für das. Und die MP3 dauern noch - etwas.

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Montag, 9. Januar 2006

LSD, die Zweite

Es war einmal in einer Zeit nach einer früheren Zeit, da fand sich eine Firma, die dem alten Namen eine neue Bedeutung hinzufügte, es mit drei Andreaskreuzen XXX versah, und sichtbare Zeichen überall im Slum verteilte.



Und so begab es sich, dass sich der Berliner als solcher vom neuen LSD viel besser repräsentiert sah, und er seinen von Molle und Eisbein verunstalteten Körper in diesen neuen Tempel wuchtete. Und dort mehr Geld aus den Transferleistungen liess, als die schwäbischen Eltern je ihren Sprösslingen zum Vertun im alten LSD geschickt hatten.

Und die Schwabenkinder, die keine derartigen Eltern, aber dafür ein Drogenproblem haben, verkaufen im Schatten des neuen LSD ihre Körper. Das ist das neue Berlin, das ist es, was ihnen gefällt, da lassen sie sich so richtig gehen. LSD für alle.

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Nachher

so gegen 2.30 Uhr, in der Torstrasse.



MP3s der Lesung gibt es morgen.

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Sonntag, 8. Januar 2006

Dirt Picture Contest- Du bist was Du ist

und was du isst, erkennt jeder, der mit den Resten konfrontiert wird, die du der Gesellschaft im Szeneviertel zuzumuten dir erlaubt hast, als wärest du auch nur so opportunistischer, philosemitisch lackierter Neoconazi, Ortsgruppe Oberfranken.



Also, dein Speiseplan umfasst braune Wurstersatzstoffe, Fluppen, Süsses in der Girlie-Edition, dass du der gleichen in der Chipskiste bunkerst, ist auch kein Zufall, und auch der MP3-Player deines Digital Lifestyles braucht Batterien. Zm Abschluss drüber eine Pulle Sekt, dann wird das ein cooler Abend.

Rülps, du Sau.

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LSD, aus der Mode

Es waren einmal drei schmutzige Strassen im Prenzlauer Berg und ein Platz voller unangenehmer Leute. Dieses Areal hiess, nach den ersten Buchstaben Strassennamen, "LSD", und galt im blöden Rest der Republik als place to be. Die Strassen sind immer noch schmutzig, und nur die Kälte der Nacht hält die unangenehmen Leute davon ab, ihre nervenden Blagen auf dem Platz auf den Rest der Menschheit loszulassen. Es sind auch noch andere unangenehme Leute unterwegs, die allesamt aussehen, wie aus einem Film über die schlechteren Viertel von Novosibirsk. Aber die Vorreiter dieser Horden des Niedergangs, sagt man, sind inzwischen weitergezogen, weshalb ihre früheren Treffpunkte inzwischen leer oder von Schwaben bevölkert sind. Und ab 2 Uhr ist sowieso die Luft raus.



Es gibt irgendwo noch andere, neue schmutzige Strassen, nur haben die nicht mehr so ein griffiges Kürzel. Das Kürzel wird irgendwann vergessen sein, denn die, die jetzt hier wohnen, haben andere Pläne. Patchwork-Blagen b ekommen etwa, oder eine feste Stelle vielleicht und mittelfristig die Option, zurückzukehren in die Provinz, wo es warm ist und sicher. Die Weggehspiesser mutieren zu Heimspiessern, die ganz froh sind, wenn es da draussen endlich mal ruhig ist. Abgesehen von den Momentern , wo so eine Mutter versucht, den Kreischkünsten der Blagen mit eigenem Kreischgesang noch was draufzusetzen.

Das sind die, die nach Berlin gegangen sind, um in einer Band zu singen. Nehme ich an.

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Nuking the Merkel

Ich kann mich nicht ganz des Eindrucks erwehren, dass momentan genau die Leute für neue Atomkraftwerke - und damit einen Koalitionskrach mit der in dieser Frage unnachgiebigen SPD - sind, die sich für das bessere Merkel halten. Stoiber und Koch testen da wohl gerade den alten, rostigen Bohrer am Merkel aus: An den Koalitionsvertrag quetschen und dann dorthin, wo es weh tut.

Das ist fein, das. Mit dem Inneren Generalverdacht der Bürger ist da ein weiteres, grosses Feld zur Schmerzerzeugung aufgetan. Das kommt davon, wenn man unbedingt Kanzlerin mit einer misogynen Altherrenpartei werden will.

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Samstag, 7. Januar 2006

Dirt Picture Contest - Nackte Haut in Berlin

Und dann auch noch oben und unten ohne. Hardcore Porno an der Bergmannstrasse in Kreuzberg. Und das im bitterkalten Berliner Winter.



Wenngleich der Mensch trotz dieser Vorzüge damit nichts anfangen kann, ist es doch eine nette Gelegenheit für die vielfaltigen Hunde der Stadt, hier etwas loszuwerden.

So ne Art Neoconardblog für Köter und Kot.

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Der Tod als Berliner

Diesmal war er einfach nur schlecht. Vielleicht, weil er über die Feiertage Extraschichten bei Familientragödien, Zimmerbränden, Herzinfarkten und Überholmanövern von Besoffenen schieben musste. Wenn man dauernd irgendwelche kreative, unerwartete Gags und Pointen setzen muss, gehen einem schon mal die Ideen aus. Vermutlich hatte er nur noch was ganz Plattes im Angebot für mich. Ausgerechnet in Bayreuth, dieser musikalischen Halbaffenmetropole, wo sich ohnehin alles in mir zusammenkrampft. Da bin ich auf 180. Bevor man den Palast der Reupublik abreisst, sollte man bitte den grünen Hügel vom Mutterschiff der Wagnerschen Rassepest befreien und kostenneutral wieder renaturieren. Die Arbeiten dem immer noch in Scharen einlaufenden Germanenarierpack überlassen - und zwar mit blossen Händen.

In Bayreuth bin ich immer hellwach. Die Autobahn wirrd dort gerade umgebaut, es gibt nur zwei schmale Spuren und verpflichtenden Kriechgang. Manche LKWs fahren auch noch langsamer. Schon ziemlich am Ende der Strecke kam er dann die Auffahrt hoch und ordnete sich hinter einem Laster ein. Ich erkannte ihn sofort. Er hatte sich wenig Mühe gemacht, sich zu tarnen. Das hintere linke Licht strahlte weiss in die Nacht und setzte einen Kontrapunkt zu all dem Rot, das sich vor mir nach Norden ergoss. Ich wusste, wer er war. Wir kennen uns. Bisher war ich jedes Mal besser.

Ich rollte von hinten heran, und das Licht meiner Scheinwerfer liessen den Mercedesstern auf seiner Heckklappe aufblitzen. Ein dunkler, älterer Kombi, fast schon ein Leichenwagen, hinten mit etwas Unidentifizierbaren gefüllt, und Berliner Kennzeichen. Der Tod, keine Frage. Ich setzte zum Überholen an, und glitt an ihm vorbei. Das hintere Rücklicht war eingeschlagen, und etwas Geschwülstartiges, Verknotetes füllte den hinteren Teil des Wagens. Als ich auf einer Höhe war und hinüberschaute, tat er das, was ich erwartet hatte: Er zog auf meine Spur.



Ich habe sein Gesicht nicht gesehen, dazu war es zu dunkel. Links war die Leitplanke in weniger als einen halben Meter entfernt, von rechts torkelte der Mercedes des Todes in meine Richtung, und dahinter kam ein Tanklastzug. Nach Bruchteilen einer Sekunde knallte die Kraft von 131 PS in die Vorderräder, der Drehzahlmesser schoss an die 7000er-Grenze, und der Motor orgelte eine rasantere Fuge, als Bach je komponiert hat. Mit einem neckischem Schlenker brachte die Barchetta ihr hübsches, knackiges Hinterteil aus der Stossrichtung des finalen Arschfickers, sie schoss in die Unterführung und dann weiter in die Nacht auf den Weg nach Berlin. Die Scheinwerfer des Mercedes verloren sich in der Finsternis über dem verfluchten Dreckskaff Bayreuth.

He, Arschloch: Das über wir nochmal. Zum Beispiel mit irgendwelchen faschistoiden Neoconnards, IPs und Wohnorte gibt´s auf Anfrage.

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Freitag, 6. Januar 2006

Transit

Was ein Bayer ist, sollte nicht nach Berlin, sagte meine Grossmutter immer. In Berlin leben nur die Polacken. Von dene kam noch nie was Gutes. Allerdings scheint sich diesmal das antibayerische Berliner Schicksal schon an Burnster augetubt zu haben.

Na dann. Die nächsten Tage Dirt Pics Galore. Und die Lesung. Zu der ich Euch erwarte.

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Schnell! Schnell! Schnell!

Es gibt wieder neue Blogger.de-Blogs!

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Cruising

Sie steigt aus, eilt durch die kalte Nacht zur Haustür, und mir fällt das Mädchen an der Theke ein, mit ihrem Nasenring, dem kleinen Kinn und den semmelblonden Haaren, dazu das grüne T-Shirt und die kratzige, laute Stimme. Das war ein Vorgeschmack auf Berlin, heute Nacht. Und immer noch klingt in meinem Kopf das leise, ungeduldige Klappern ihrer fein gepflegten Fingernägel nach, glänzend und poliert wie Perlen im Schein der Kerzen, und ihre sanfte Stimme, die übertönt wurde vom kreischenden Gelächter der Frau an der Theke, die nur darauf wartete, dass wir gehen, damit sie mit den letzten Gast, den langhaarigen Kerl von seinem Barhocker zerren konnte, und in den Bierpfützen und den Essensresten, im Staub und Schmutz eines Müncher Wintertages mal eben schnell einen Fick haben kann, aus dem vielleicht dann ein Kind erwächst, für das die Reste des aussterbenden Bürgertums, das wir verkörpern, nur noch schale Erinnerungen älterer Menschen sind.

Sie dreht sich nie um, als sie die Tür aufsperrt, ich warte auch nicht darauf und gebe Gas, ziehe die Auffahrt hoch, drehe um Richtung Norden und fahre den langen Bogen des Mittleren Rings entlang, im Westen der Stadt, wo die Lichter um halb zwei Uhr Nachts die Strasse wie ein Band aus Kupfer und Silber erscheinen lassen. Der mittlere Ring ist die perfekte Stadtautobahn in dieser Zeit, wenn kaum ein Auto unterwegs ist und im Radio Bohren & der Club of Gore läuft, wie damals, in der schlimmen Zeit, als ich hier oft über den nächsten Tag nachgedacht habe und vergass, an das Leben zu denken.



Die ganze Tour beim Click hier

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Donnerstag, 5. Januar 2006

Wer die Schrift hat, hat Recht

Da liegt er, sein Leben lang vollgefressen, fett dank eines Systems, in dem er für die Ausbildung der Systemerhalter zuständig war, und gemästet von den Pfründen, die die abgeben mussten, die nicht anders konnten in diesem System. Und zum Hohn ist der Kopf auch noch auf den Büchern gebettet, in denen festgeschrieben steht, dass es alles so sein Recht und seine Richtigkeit hat. Da kann man zufrieden sterben, in dem Wissen, dass das Werk fortgesetzt wird von Generation zu Generation, und dass nichts und niemand je die Macht dieser Bücher brechen wird, die einen sogar noch im Moment des Todes umgeben.



Draussen, vor den Mauern, lagen in langen Reihen die Knochen derer, die das System zu erdulden hatten, in jedem Moment, zu allen Taten gegängelt und bevormundet, ohne das Recht, in der Meinung abzuweichen und ohne Möglichkeit zu erfahren, dass alles nur Humbug ist und Pest und Schwefel ausbleibt, wenn sich die Schwulen einmal in den darkrooms die Seele aus dem Leib ficken, weil die Autorität irgendwann bei Seite gewischt wird. Da lagen sie ein paar Jahrhunderte, bis dann der Bagger kam und das alles weggeräumt hat, um darauf Parkplätze anzulegen, auf denen Mütter ihre Geländewagen abstellen, um ihre Kinder dann doch wieder der katholischen Schule um die Ecke zuzuführen, wo ihnen die Welt so erklärt wird, wie sie sein soll, und damit sie es auch sehen und später mal nicht vergessen, wenn sie auf einer Party in die Versuchung kommen, wird die Kunstlehrerin gefeuert, wenn sie mit einem Mann einfach so zusammenlebt. Die dürfen das. Das ist Recht, der Ersatz für die Versprechungen von Pest und Schwefel.

Verboten ist es jedoch, auf ihre Altäre zu spucken. Immer noch.

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Donnerstag, 5. Januar 2006

Blogrückblick

Teil IV Medien und Teil V Diebstahl an der Blogbar.

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Lausaustreibung

und zwar genau genommen die Laus, die einem gewissen Marius Matthias Müller von Blumencron, seines Zeichens Chefredakteur des schludrigen und Leute ausbeutenden Blogersatzes Spiegel.de über die Leber gelaufen ist - Gerüchten zufolge soll es im Haus auch Leute geben, da würde die Laus auf der Leber nicht laufen, sondern im Alk ersaufen, was dann zur typischen Qualität - aber ich schweife ab. Jedenfalls muss es dem mann ziemlich gestunken haben, dass hier und andernorts darauf hingewiesen wurde, mit welchen fragwürdigen Methoden Spiegel Online im Fall eines Beitrags von Jürgen Trittin Zusammenhänge verfälschte, Meldungen zusammenstöpselte und nebenbei selbst offensichtlich keine Ahnung hatte, was da in New Orleans passiert war.

Weshalb der Mann mit Aussagen kontert, die einen angesichts des Mediums nicht überraschen:

Blumencron misst den Blogger-Aktivitäten keine große Bedeutung bei: “Es sind doch sehr wenige, wenn auch oft sehr laute Stimmen.” Verärgert zeigt er sich über den “Absolutheitsanspruch” den einige Blogger seiner Ansicht nach erheben. “Nehmen Sie nur die Auseinandersetzung um unsere Trittin-Berichterstattung während der New Orleans-Katastrophe. Da hatte man schon den Eindruck, dass bei einigen Kritikern politische Sympathie vor Recherche ging.”

Woher kennt man das hier angeblich so kritikwürdige Verhalten nur? Richtig, von seinem eigenen Haus, namentlich dem Chef des Berliner Büros Gabor Steingart. Wen von den Bloggern v. Blumencron genau er meint, äussert er nicht - und zeigt damit, welches Geistes Kind er ist.

Herr v. Blumencron: Entweder man bringt bei solchen Anschuldigungen Namen, Beweise und Beispiele, oder man ist das, was in unserem Beruf umgangssprachlich "Gosse" genannt wird. Und feige obendrein. Mut sieht anders aus - etwa so.

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Real Life 03.01.05 - Am Abgrund

Im hinteren Teil sitzen noch ein paar Angestellte, die das neue Jahr feiern, vorne bei der Tür ist es schon ziemlich leer und still. An den südlichen Rändern des Glockenbachviertels bricht das launige Partymünchen steil ab in die stille Spiesserstadt, mit ihren normalen Arbeitern, Verwaltungsmenschen und Beamten, die seit Jahren nach Mitternacht keinen Fuss mehr vor die Tü der monotonen, sechsstöckigen Bebauung gesetzt haben. Gleich um die Ecke ist das Arbeitsamt und das KVR, und dieser Wechsel macht dem schwulen Bartreiben ein paar hundert Meter weiter nördlich den Garaus. Hier, genau an der Bar, verläuft die Grenze zwischen den Welten, genauso hermetisch wie die hohe Backsteinmauer, die die Strasse runter die Welt der Toten von den Lebenden trennt.



Nebenan geben sich zwei hoch aufgeschossene, nicht mehr ganz junge Starnbergerinnen alle Mühe, wie Sex and the City zu klingen, mit mässigem Erfolg, schliesslich ist das aktuelle Modethema das Ende von Rosy Maendler, und die Schuhmode im Luitpoldblock will ihnen auch nicht so richtig gefallen, trotz der massiven Rabatte, mit denen die Händler die Gattinnen der krisengeschüttelteten Munich Area anlocken wollen. Die Stadt, die Menschen, die Häuser, alles liegt still in Agonie, als wäre die magische Formel verklungen, die Jahrzehnte den Aufschwung und alle damit verbundenen Herrlichkeiten gezaubert hat.

So bleiben nur die Trümmer der vergangenen Zeit, die noch bewirtschaftet werden, man verkleinert sich, geht zurück in die Stätten alten Ruhms, ins Parkcafe oder an den Odeonsplatz, und gibt die Peripherie auf. Zusammengesunken, desillusioniert reden sie von der neuen Elite, von der Konzentration auf die happy few und ihre Geldbeutel, die immer gleichen upper 10.000 mit reichen Eltern und Lebensüberdruss, die nicht wissen, was sie tun sollen, ausser zu spät in Bars herumhängen und sich Ausreden für das versaute Examen einfallen zu lassen. Immerhin ist die Sperrstunde gefallen, man kann sich jetzt unbegrenzt gegen die Sorgen und das Gefühl der Leere abfüllen.

Die Starnbergerinnen haben noch 40 Kilometer vor sich, Richtung Süden, und brechen hastig auf, um in ein anderes Leben zu fliehen, angesteuert im Geländewagen unter der Finsternis eines eiskalten, funkelnden Sternenhimmels über die ersten Endmoränen der Alpenkette, hinter der Italien beginnt. Du erzählst was vom Plan, dich Mitte März auf den Weg zu machen, und sie sagt, dass sie definitiv keine Zeit haben wird, ohne dass du sie gefragt hättest.

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Dienstag, 3. Januar 2006

Enemies at the Gate

Der erste Stosstrupp ist da. Früh, um den wilden Süssigkeitssammlern keine Chance zu lassen. Es sind die Echten, die von den Verfassungsfeinden, die nur die Kohle wollen, und dafür auch breit sind, ihre Weihrauch-Chemokeule in geschlossenen Räumen einzusetzen. Mit dabei ist auch immer ein Kommandant, der aufpasst, dass die Fusstruppen das Geld nicht veruntreuen.



Allein schon, weil die anderen kriminalisiert werden, kommen die hier nicht rein. Ich bin oben. Ich habe sie im Visier. Hier müssen sie draussen bleiben. Sollen sie woanders plündern für den Ratzinger, den Oberkommandierenden.

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7 Wahrheiten über Österreich

1. Die Machthaber in Wien sind eine Koalition aus zwei Parteien, die im demokratischen Spektrum hierzulande einen Arschtritt von allen Seiten bekämen; die einen Nachfolger eines katholischen Faschismus und die anderen Sammelbecken der alten Nazis, inzwischen in Orange und gescheitert. Die innere Verkommenheit spiegelt sich in der Verrottung der dortigen ministerialen Vorzimmer wieder.

2. Nur hier Zugereiste glauben, dass Bayern Österreicher mögen. Das stimmt nicht. Der Österreicher gilt hierzulande als degenrierter Südostpreusse und wird deshalb auch gern mit dem gemeinen Schlawack - schliesslich war der Schlawack lange Österreicher - in einen Topf geworfen. Selbst aus bayerischer Sicht handelt es sich beim Österreicher um einen retardierten Schluchtenbewohner, was sich im übrigen problemlos archäologisch - siehe Laugen-Melaun-"Kultur" - beweisen lässt.

3. Österreich als solches ist lediglich ein geographischer Unfall auf dem Weg zwischen Bayern und Italien. Kein Mensch sagt schliesslich, dass München die südlichste Stadt Österreichs sei. Dass der Österreicher nun für seine geteerten Trampelpfade mit Tempolimit auch noch Maut verlangt, ist nur ein weiterer Grund, sich diese zentraleuropäische Knautschzone wegzuwünschen.

4. Österreich hat Deutschland und der Welt zum Ausgleich für den Adolf nicht den Mozart und den Strauss geschenkt. Ersterer kam aus dem Bistum Salzburg, zweiterer hatte beste Gründe, seine jüdische Herkunft zu verschweigen. Abgesehen davon war das erste Mal, dass ich mit dem dort ganz normalen, exterminatorischen Cafehausantisemitismus konfrontiert wurde, in Wien - und angesichts der Stadt, aus der ich komme, heisst das was.

5. Wer glaubt, dass Berlin ein verkommener, dreckiger Slum mit fertigen, bildlesenden Bewohnern ist, hat noch nie in Wien gelebt und in einer dortige Eckkneipe (Beisl) geschaut, wo echte Manfred-Deix-Gestalten billige verseuchte Innereien (Hirn, Lunge) fressen und die Krone lesen.

6. Antiquitäten sind in Wien schweineteuer und meistens gefälscht - Wiener Barock und zweites Biedermeier. Bugholzmöbel von Jakob und Joseph Kohn (jüdisch) werden als Thonet verscherbelt. Dann doch lieber Berlin.

7. Dank gesteigertem Aufkommen von Muren und Lawinen durch die naturversauende Neigung des Österreichers als solchem besteht allerdings Hoffnung, dass der Österreicher mittelfristig selbst die Weltgeschichte ohne seine Anwesenheit gestaltet. In Sachen Torten hat der Bayer längst alle Geheimnisse übernommen, wenn sie nicht früher ohnehin vom Österreicher gestohlen wurden.

meine Vorfahren kommen teilweise aus wien. die wussten schon, warum sie weg sind und wären über so einen schmarrn wie das hier ganz sicher nicht begeistert gewesen.

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