: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Mittwoch, 27. September 2006

Fahren kann er wohl

Aber das Zitat mit dem "dunkelsten Mittelalter, dem späten achten und frühen neunten Jahrhundert" kann ich absolut nicht so stehen lassen. Zum einem war das Mittelalter keineswegs dunkel, sondern von der Spätantike und dem Untergang des römischen Reiches bis zum 13. Jahrhundert fraglos und trotz aller Probleme, Kriege und einer bescheuerten, gegen Ende dieser Phase dominierenden Religion eine Erfolgsgeschichte für Europa. Zum anderen ist die Zeit um 800 die von Karl dem Grossen, über die man sich in der Geschichtsschreibung recht einig ist, dass sie ein erster Höhepunkt des Mittelalters ist, Stichworte Reichenau, St. Gallen (Klosterplan!), Aachen, Trier, Mainz, Regensburg. Nicht umsonst nennt man die Phase in der Kunstgeschichte "karolingische Renaissance".

Problematisch wurde es in der Zeit zwischen Karolingern und Ottonen, aber die Finsternis, die man gern dem Mittelalter zuschreibt, ist mitsamt Hexenverfolgungen, Ketzerausrottung und Judenvernichtung eher eine Sache von Spätmittelalter und Renaissance - die übrigens fieserweise erst hinter dem abwertenden Begriff Medii Aevi steckt. Mit etwas mehr Wissen hätte der Autor vielleicht auch noch in St. Prokulus in Naturns angehalten, wo ebenfalls karolingische Fresken erhalten sind. Und ein Pestfriedhof - das wäre dann übrigens wirklich dunkelste Neuzeit. Ich bin ja der Meinung, dass zwei Semester verpflichtende Kulturgeschichte und Soziologie - das, was früher die Grand Tour der Briten war - die Studenten zu besseren, aufgeschlosseneren Menschen machen würde. Nicht Typen, von denen ein befreundeter Dozent an einer Schweizer Eliteuni mal gesagt hat: Sie haben zwar keine Ahnung, aber das können sie mit Powerpoint perfekt präsentieren.

Wie auch immer. Schöne Photos von einer schönen Strecke.

... link (59 Kommentare)   ... comment


Chez Moi

Dr. Interiorlove oder wie ich lernte, die gestern gekauften Appliken zu lieben.



Die Hütchen auf den Lampen. Die fand ich früher auch ganz grauenvoll. Wozu Licht verringern? Warum kein Feuerglanz in den Kristallen? Sind die nicht grauenvoll omahaft, oder bestenfalls was für Mädchenzimmer? Dachte ich früher.

Heute denke ich mitunter etwas anders. Bei Lampen über dem Bett allemal. Ja, es sieht aus wie eine Elitessenfalle. Nein, es ist nicht so gemeint. Es ist einach ein gutes Licht für´s Lesen im Bett. Was an manchen Wochenenden der kommenden Monate sicher eine Hauptbeschäftigung sein wird, wenn es so dunkel bleibt.

Übrigens: Die famose Helga Birnstiel macht sich hier Gedanken über passende Ficksessel im angehenden "Die Zitrone hat noch Saft"-Alter. Nicht schlecht, aber ich würde vielleicht doch auf ein originales Anbahnungsstuhlensemble hinweisen wollen:



So ist das nämlich ideal: Ein Liegesessel für die Dame und drei furchtbar unbequeme Sessel für die Herren. Sie kann sich schon weitgehend horizontal in ihren körperlichen Reizen wälzen, die Beine fast durch die Form gezwungen spreizen, die Arme willenlos seitlich fallen lassen, und ihn wie die in der Falle des umfassenden Geflechts gefangene Hirschkuh von unten flehentlich ansehen, während er mit seiner Erektion auf dem Stühlchen umherrutscht. Stuhl 2 und 3 dienen der Ablage des Porzellans, damit es bei den abzusehenden Handlungen nicht zu Schaden kommt. Der Zustand des Sitzgeflechts beweist hinreichend, dass das Objekt sinnfällig verwendet wurde. Die wussten damals, wie das mit den Ficken geht. Von denen können wir noch was lernen. Wohnst Du noch in Ikea oder kriegst Du schon Sex? Das ist die Frage, deren Lösung in Form einer Bezugsadresse ich gerne zur Verfügung stellen kann.

... link (16 Kommentare)   ... comment


Die Sense im Blätterwald

Das Handelsblatt tut es.
Springer tut es.
Du Mont tut es jetzt auch.
Und nach den Medientagen hört man dergleichen vielleicht auch von der Süddeutschen. Die WAZ wird da auch nicht zurückstehen. Das ist wie bei den Benzinpreisen, dieses interne Abrüben überflüssigen Schreib- und Vermarktungsmaterials.

Update: Die Frankfurter Rundschau macht auch mit.

... link (17 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Dienstag, 26. September 2006

Charles Baudelaire schreibt für die FDP

Die Beine reckend wie ein geiles Weib in Sünde
im Brand vertriefend giftgen Schweiss,
gab sie uns schamlos-unbekümmert
alle Gründe des Gestankes preis.

Es ist ja nicht so, dass ich das Merkel nicht gerne weg haben und diese unglückseelige Koalition am Ende sehen möchte. Aber das aktuelle Geschleime der FDP ist so widerlich, dass ich sie auch nicht in der Regierung sehen will. Das mit der Ampelkoalition, Ihr windigen Knaben, hättet Ihr Euch nach der letzten Wahl überlegen sollen, Ihr zu Tode gesiegten Grosskotze.

... link (42 Kommentare)   ... comment


Sehr zu empfehlen - Strukturiert und gezielt einkaufen

Früher, ja früher. Früher war alles anders. Und besser. Mit drei vertreuten Wohnungen, zwei davon recht leer, konnte ich kaufen, was ich wollte und was mir in die Quere kam. Es gab immer ein Stück Silber, einen Stuhl, Porzellan oder einen Teppich, den ich mit heim schleppen konnte. Es spielte keine Rolle.

Jetzt ist alles anders. Nie hatte ich an einem Ort mehr Platz - 10 Räumlichkeiten auf zwei Ebenen plus 1 Dachterasse plus 1 Abstellkammer plus 1 Weinkeller (momentan nur mit einem Grabstein möbliert). Auf der einen Seite gibt es massenhaft Doubletten, ein Dutzend Kronleuchter etwa, die jetzt an anderer Stelle im Stadtpalast hängen, und ein zwei Sätze Louis Philippe Stühle, die eventuell mal bei kleinen Veranstaltungen gebraucht werden, auf der anderen Seite haben alle asiatischen Drucke und Seidenmalereien gerade mal für den Gang und die Küche gereicht, und ein Prunkspiegel á la façon de Venise sieht an einer grossen Wand erstäunlich mickrig aus. Nichts passt so richtig, es ist wie eine Hose, die oben zu weit und unten zu kurz ist.

Gleichzeitig sind die Mittel und die Zeit nicht unbegrenzt, irgendwann will ich fertig werden. Das heisst: In Zukunft nur noch Dinge kaufen, die ich wirklich dringend brauche, als da sind: Alte Vorhangstangen, unendlich praktische englische versilberte Untersetzer für heisses Geschirr, diverse grosse Spiegel, ein halbes Dutzend darf´s schon sein, und ein Beistelltisch für das Schlafzimmer als Buchablage mit Schublade für Kondome, Peitsche und Stricke. Das alles ist kein Problem, wenn man auf den Pfaffenhofener Markt, dieser unerschöpflichen Schatztruhe, die richtigen Lieferanten hat. Man kennt sich, es gibt ja nicht so viele Leute, die nach 20 identischen Stühlen fragen.



Dieser freundliche Herr hier ist mein famoser Spiegellieferant, gebürtig aus dem slowakisch-ungarischen Grenzgebiet und damit in einer Region zu Hause, in der man quasi Bestellungen aufgeben kann. Die Hälfte meiner grossen Spiegel kommen von ihm und aus dem, was früher die österreich-ungarische k. u. k. Monarchie war. Bräuchte ich einen Mahagoni-Eckschrank, würde ich bei ihm fündig werden. Aber diesmal, leider, kein Spiegel wie ich ihn brauche. Ein phantastischer, bemalter Spiegel aus Ungarn steht rum, aber der passt nicht rein. Wir ratschen etwas, ich insistiere auf weitere Spiegel, er willigt ein, und damit es nicht gar so eine - bislang - sinnlose Fahrerei war, kaufe ich einen Kerzenstock.



Nun könnte man sagen, dass so ein schlichter Kerzenstock bei mir eigentlich nicht sein muss, nachdem ich die exquisiten Vorbilder, die er zu imitieren sich anschickt, schon besitze. Gegen den französischen Empireleuchter und den italienischen Alabasterleuchter, beide so um 1800, 1810, deren Form er aufgreift, ist er optisch ein wenig rustikal. Aber da täuscht man sich. Denn wer schon einmal versucht hat, einen gravierten, brünierten Empireleuchter aus dünnster Bronze von altem Wachs zu reinigen, oder das viel zu dünne Gewinde in einem wacklig verschraubten Alabasterleuchter anzuziehen, der weiss plötzlich die robuste Konstruktion eines ungarischen Leuchters zu schätzen. Ausserdem weiss man ja, Kerzenstöcke kann man nie genug haben in einem alten Haus, wo das Licht manchmal ausgeht. A propos Licht ausgehen:



Gleich danach kommt ein Stand mit einem weiteren famosen Herren, der Stiche hat. Ich sollte einen Bogen um Bilderhändler machen, wenn ich strukturiert einkaufen gehe. Wirklich. OK. Diesmal war es durchaus sinnvoll, denn Stiche des frühen XVIII. Jahrhunderts von gotischen Prunkgräbern gewisser Kardinäle fallen bei mir eigentlich in die Kategorie Fachliteratur für die Wand. Und zwar für die Wand im Schlafzimmer. Über dem Bett haben sie keinen Platz, aber an der Wand gegenüber. Da müssen sie sein, und zwar nicht, um so eine Art hermetische Grabkammer draus zu machen, sondern um jeden Morgen beim Aufwachen sofort an die Arschlochkarte zu denken, die alle züchtigen, enthaltsamen, spiessigen und moralapostligen Idioten gezogen haben, die in ihren Tumben faulen. Wie meinte Papst Bonifatius VIII. nicht so schön? "Die Toten werden so wenig auferstehen wie mein vorgestern krepiertes Pferd." Wohl dem, der davor eine nackte Frau neben sich hat.



Die Stiche also gehen in Ordnung und sind keine echte Abweichung von der Kaufplanung. Und die Stuckmodel mussten einfach sein. Weil erstens spottbillig und zweitens langfristig eigentlich enorm kostensparend. Wer solche kleinen Details kaufen muss, weiss, wie enorm ein paar Dutzend von denen ins Geld gehen. Die Model, eine Packung Gips und etwas Wasser, und schnell hat man den Stuck selbst gemacht. Kann man auch mitnehmen und dann bei Freunden stuckatieren. Diese geschnittenen Specksteine waren früher übrigens enorm teuer und das Betriebskapital der Stuckateure. Und nebenbei, wenn sie nicht gebraucht werden, sehen sie auch noch dekorativ aus. Im Gegensatz zu den Händen, die schön langsam durch das mitgeschleppte Gewicht rote Striemen bekommen. Doch gleich erreiche ich den Händler des englischen Silbers, schon von fern glänzt und funkelt es, also auf zum dringend benötigten Untersetzer.



Aber leider, diesmal nicht. Nächsten Monat, vielleicht, meint mein Amerikaner, dann war er wieder drüben. Diesmal hat er nur Kerzenhalter in riesigen Mengen. Habe ich schon einen, antworte ich. Aber nicht aus Sterling, sagt er. Aber dafür älter. Aber nicht zum aufschrauben, dass man aus einem Dreierleuchter auch mal einen einzelnen machen kann. Stimmt, sage ich, aber ich habe eigentlich kein Geld mehr. Ausserdem passen die alle nicht stilistisch zu dem, was ich sonst so habe. Der hier - ich nehme einen - würde, owohl, ne, das Risiko ist mir zu hoch. Kostet nur 50 Euro, sagt er, 20! sage ich, und irgendwann streiten wir uns nur noch über 5 Euro hin oder her. Letztlich lassen wir die Münze entscheiden, und ich verliere. Eigentlich wollte ich ihn ja nicht, aber zuhause passt er dann exakt zum Rest. Auf dem Weg war noch ein weisses Barocktischerl, eigentlich wollte ich Mahagoni, aber trotzdem kann man es ja mal anschauen, und die Appliken, die darauf liegen, wegräumen. Es gibt da übrigens so einen Trick; erst nach etwas fragen, was man nicht will, entsetzt sein und zeigen, dass es viel zu teuer ist, das macht dann die Händler bei der zweiten Frage oft etwas weicher. Mache ich. Was kosten diese Appliken?



Gut. Es war Training. Er wollte zuerst mehr als doppelt so viel. Und eigentlich brauche ich sowas noch über das Bett, und billig waren sie ausserdem. Mein Gott, kann der nicht einfach mein Wehklagen überhören und zum Tisch übergehen? Was sollte diese "Was würden Sie ausgeben"-Frage? Appliken waren wirklich nicht vorgesehen. Ein Unfall. Und sauschwer sind die auch, also jetzt wirklich schnell zum Auto. Tanken muss ich auch noch. Langsam wird das Geld knapp. Aber mit 10 Litern komme ich schon heim.



Oder vielleicht auch ohne tanken, und dafür diese Bücher aus dem XVII und XVIII. Jahrhundert? Was kosten die? 20 Euro? Alle zusammen? 15 habe ich noch. Ne, Moment, 14, 50, 70, 80, 82, verdammt wieso habe ich daheim das Kleingeld rausgetan, na egal, 14,82 Euro gehen auch. Shit. Warum habe ich nur den Kombi genommen. Die Barchetta könnte ich im Notfall alleine schieben. Zum Bankomat fahren ist übrigens unehrenhaft, das macht man nicht, ausserdem kommt man nur wieder in Versuchung, doch nochmal zu schauen.



Und dann sehe ich mich. Auf dem Bild. Der Teufel, der von einer Frau geritten wird. Das sind meine verzerrten Gesichtszüge im blinkenden Silber des Leuchters, das ist meine Gier, mein Schicksal, ich wate durch das Trübe meiner Leidenschaften, die kurzen Haare von Fortunas Scham kitzeln meinen Nacken, das Weib lacht höhnisch über meinen schleppenden, beschwerten Gang. Zu lange betrachte ich das Bild, und kaum ist die Kamera zusammengezurrt, fragt mich auch die Verkäuferin, ob ich es haben wollte, es sei wirklich billig, vielleicht für das Schlafzimmer? Flieh, schreit meine Seele, das ist eine Hexe, das kannst Du nicht tun, Don, nicht dieses Bild in Dein Schlafzimmer, und ich nehme Reissaus, presche im Kombi über die satten Hügel der Holledau, wohlgeformt wie die Hüften und Brüste derer, die nimmermehr dies Bild in meinen Gemächern betrachten werden, und gepeinigt von der Erkenntnis, dass strukturiert und gezielt einkaufen mit Don Alphonso nicht wirklich empfehlenswert ist.

Eigentlich.

... link (11 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Montag, 25. September 2006

Relativ

Einer der Vorteile der Historikerausbildung ist der grosszügige Umgang mit dem, was manche für eine absolute Grösse halten: Zeit. Im Sog von langen und kurzen Chronologien vor den immer gleichen Befunden begreift man irgendwann die forschungsfeindliche, alles in Frage stellende Tatsache, dass Datierung, das Einschlagen von absoluten Fixpunkten, nicht wirklich bedeutend ist. Ob eine Fibel noch Hallstatt 4C ist oder schon La Tene 1A, ob Giselbertus seine Plastiken als junges Genie oder erfahrener Baumeister schuf, das alles ist angesichts der Schönheit und des Ausdrucks völlig irrelevant. Manche ergehen sich in dem Kleingeisttum und sehen nicht das Grosse. Das sind die Spezialisten, die später einmal lange Listen von nie gelesenen Publikationen, chronologisch geordnet ins Netz stellen. Und denen es dann so geht wie dem Franziskanerbruder Albert Langner, dessen Traktat wider die Aufklärung, gedruckt inPrag 1768, mir heute völlig ungelesen für lächerliche 5 Euro in die Hände gefallen ist, und auch diesmal, angesichts besserer Möglichkeiten nicht gelesen wurde.



Was also ist Zeit - in der Erinnerung können Sekunden über Jahre fortdauern, Niedergeschriebenes hat bessere Aussichten, aber keine Sicherheit, und so viel wird verschwendet, vertan, vergessen, Zeit kann man wirklich tot schlagen. Wenn es das ist, woran man sich später erinnert, ein langer Kampf gegen diese unentrinnbare Aabfolge, betäubt mit Medienkonsum und sofortigem Vergessen hin auf ein paar Woche Abwechslung an einem anderen Ort, wo man wieder selbst dabei ist, dann hat man die Zeit erfolgreich abgemurkst. Es ist nicht leicht, aber es geht. Prinzipiell. Die lernen das schnell.



Bedauerlich. Alle jammern über Rauchen, Zucker und Alkohol, es würde das Leben verkürzen. Aber es ist nichts gegen die Zeitverschwendung der Glotze, der antimodernen Unterhaltungsabfütterung und der scheinbaren Auswege aus der inneren Leere, die man heute lukrativ ausbeuten kann. Es ist vielleicht ein wenig exzentrisch, Zeit als etwas relatives zu begreifen, aber immerhin, es generiert Relationen, es ist nicht gleich Null, und am Ende bleibt etwas. Wenn man Glück hat.

... link (34 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Samstag, 23. September 2006

Oh.

Endlich mal ein wirklich schönes Reiseblog. Wird Zeit, dass ich loskomme.

... link (3 Kommentare)   ... comment


Confessio

Ich mag das Krumme, die Scharten, die Verformungen und die Variationen, es soll nie gleich sein und genormt, es darf vom Strassenrand kommen oder aus dem Palast, es muss riechen und eine andere Form haben, Flecken haben ein Existenzrecht und ein Recht auf Repräsentation, der Preis spielt keine Rolle und Schäden gibt es nicht, nur das Entstandene und die Geschichte.



Bleibt mir weg mit Euren Regeln, der Ordnung und den glatten Wänden, den Vorschriften, die aus der Moderne den neuen Zwang machen, fresst Euer zu Tode gespritztes turbogrünes Geschmacksneutral und verreckt bitte daran, der Wurm im Apfel hat mehr Verstand und Sinn und Lust als Ihr, und wenn ich dann den Kuchen mache, schneide ich sorgfältig um ihn herum, auf dass er weiter sich im Essen suhlen kann.

... link (9 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Freitag, 22. September 2006

The Trip of your Life

Torpedo Run 2006: Parties and exclusive events - high speed (nur echt mit deutschem Deppenleerzeichen) oval - thrilling racetracks - luxury hotels - eccentric participants.

Kick off special guest: romantic bavarian police.

Liebe Organisatoren, am Tegernsee wohnen Leute, die solche Rasereien überhaupt nicht lustig finden, noch nicht mal in der Hoteltiefgarage. Es sind Leute, die in Ruhe und ohne Drängler ihre Pralinen und Torten holen wollen. Da darf man gern mit dem Lambo fahren, aber bitte langsam. Sonst rufen die nähmlich ihre Freunde in München an. Echt jetzt. Der Tegernsee ist tabu für Leute wie Euch. Vielleicht wollt Ihr jetzt die Bahn zum Ziel nach Fischkopfhausen Hamburg nehmen. Schleichts eich.

... link (9 Kommentare)   ... comment


Veranstaltungshinweis

Diesen Sonntag ist der berüchtigte Antikmarkt in Pfaffenhofen, das Wetter ist phantastisch, und ich komme mit dem Kombi, um all die Beute einzuladen - wer Lust hat, kann sich gern bei mir melden. Ich bringe dann auch Zwetschgendatschi mit.

... link (6 Kommentare)   ... comment


Tanz auf dem Vulkan

Gestern kam das Programm der Medientage München. Was für eine schöne neue digitale Welt. OK, vom Handy-TV nimmt man wieder etwas Abstand. Aber ansonsten zieht die Karawane rasend schnell ins Netz, ganz gleich ob von Film, Glotze, Radio oder Print. Inzwischen haben sie ihre Buzzwords aus der Web2.0-Gosse gelernt, mit ach und Krach. Die Nutzer da draussen wollen das ja. Komischerweise kenne ich die oft erwähnten Alphanutzer, ich bin selbst einer, und von denen wollen das nur die, die solche Scheisse auch verkaufen. Aber dennoch, man will sich ja nicht lumpen lassen, also voran mit Pauken und Trompeten, nicht lange nachdenken, sondern jetzt proaktiv die Zukunft gestalten. Oder zumindest besprechen.

Bei den parallel stattfindenden Jugendmedientagen soll ich dem Nachwuchs, also der angeblichen Youtube-Generation, was über Web2.0 erzählen, und die daraus entstehenden Zukunftsaussichten. Ebenfalls gestern kamen die neuesten Berichte über den wirklichen Zustand der Medien rein: Die Verlagsgruppe Handelsblatt feuert 10% der Belegschaft und merged die inhaltliche Arbeit von Handelsblatt und Wirtschaftswoche. Und Springer killt die Welt Kompakt Saarland. Bei der ersten Geschichte wird mir körperlich übel, besonders wenn man sieht, dass das Handelsblatt auf der anderen Seite den Onlinebereich mit freunderlgenerierten Videos und ähnlichem Blabla ausbaut. Mit Verlaub, das ist ein Spagat zwischen Mittelstand und einer NoMoneyNoBrainNoEthics-Zielgruppe, der nicht gut gehen kann.

Manchmal frage ich mich, ob der Niedergang der Wirtschaftsmedien nicht doch stark der Aufgabe alter Kundenbereiche geschuldet ist. Wenn ein Schraubenhersteller im Badischen nur noch Internetirrsinn serviert bekommt, geht er halt und holt sich seine Informationen beim Hausblatt des Metallerverbandes. Und ich frage mich, was ich den jungen Leuten da erzählen soll, wenn es um Web2.0 und die Zukunft ihres Traumberufes geht. Eigentlich müsste ich sagen: Studiert was anständiges, sucht Euch einen normalen Beruf, es wird keine Gewinner geben, und ihr kommt definitiv zu spät.

... link (38 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Donnerstag, 21. September 2006

Sehr zu empfehlen - Schwarz streichen

Es gab eine Zeit, da war man stolz, wenn man etwas hatte. Es gab auch Gründe, stolz zu sein, schliesslich war es eine Zeit vor Marketing und PR, und was viel kostete, war auch signifikant besser. Man kann zu diesen Zeiten stehen, wie man will, man kann - wie ich selbst - das sonstige Treiben dieser Menschen verdammen, es ist genug Böses in diesen Räumen geschehen und getan worden, aber sie hatten einen anderen, wahrscheinlich besseren Zugang zu Material und Gestaltung. Die Türbeschläge, um die es geht, sind an einer fast 300 Jahre alten Tür, die immer noch problemlos schliesst und nicht verzogen ist. Das ist Qualität, und weil man diese Qualität zeigen wollte, hat man besondere Türbeschläge und Angeln ausgewählt, mit breiter Aufnahme und Nägeln, die bis heute halten.



Leider vergass man irgendwann, warum diese Beschläge so aufwendig gestaltet sind. Irgendwann, so Mitte des 20. Jahrhunderts, wollte man glatt aussehende Türen. Diese Tür war fast nie in Gefahr, denn sie war trotz ihrer Höhe von 1,75 Meter pfenningguat, wie man hier sagt. Aber sie wurde komplett überstrichen, damit die Beschläge nicht mehr so auffallen. Meine Frau Mama dachte durchaus mal darüber nach, moderne Türen einbauen zu lassen, das seien doch Stalltüren und viel zu niedrig. Ich liess sie wissen, dass ich sie liebe, aber dann Massnahmen ergreifen würde - und so blieben sie drin. Allerdings wurden die Beschläge nur ganz leicht - und damit historisch falsch - abgesetzt. Bis gestern.



Jetzt stimmt es wieder. So ist es nach den Befunden der altesten Farbschicht richtig. Und der elegante Schwung des Barock ist wieder da. Sie lenken von den hässlichen Plastikeinsätzen ab, die laut Brandschutz in diesem Raum sein müssen. Aber da finden wir auch noch eine andere Lösung. Geschadet hat es der Tür jedoch nicht, in 300 Jahren wird sie sich noch immer in diesen Angeln drehen. Könnte mir eigentlich egal sein, ich habe mir bis dahin mindestens 5 neue Identitäten aufgebaut ich bin dann mutmasslich tot, aber es ist mir nicht egal.

... link (12 Kommentare)   ... comment


Sieh an, sieh an

Schaue ich in meine Logfiles und Suchabfragen, erkenne ich recht deutlich, dass sich Leute mit IPs des Hauses so ziemlich durch alle Links wuseln, die hier mit dem Mediamarkt zu tun haben, zurück nis zum Juni dieses Jahres. Was ist los? Unsicherheit? Panik? Aber aber... hier gibt es noch nicht mal Boykottaufrufe... tssss... kann mal jemand bitte die Jungs beruhigen und sagen, dass wir alle nette Blogger sind?

... link (9 Kommentare)   ... comment


Spruch fürs Blogauto hinten drauf

Erst wenn Ihr in einem scheusslichen Benz für geschmacklospinkgrau T-Mobile durch das angeblich coole Berlin zu einem Termin mit miserabler Musik von einem Creti äh Cretu gekarrt werdet, werdet Ihr begreifen, dass Ihr für das Geld, das die aufgeflogene Möchtegernviralagentur VM-People für Euer kostenlos-freiwilliges Werbebütteldasein kassiert, nicht essen könnt - und die Häppchen, die sie Euch servieren, schmecken sicher scheisse nach drittklassiger Winzagentur.

Ihr Sub-Opelblogger.

... link (4 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Mittwoch, 20. September 2006

Gran Premio d´Argento del Don Alphonso

Wie hier schon angekündigt - und aufgrund diverser Ereignisse nicht zum 1000. Tag dieses Blogs gestartet - jetzt also die offizielle Ankündigung des diesjährigen Preisschreibens für Blogger und Kommentatoren! Kurz, der

Gran Premio d´ Argento del Don Alphonso

(stimmt das so?) fängt heute an und gibt allen Teilnehmern exakt bis zum 15.29. Oktober Zeit, dafür Geschichten, am besten schön geschrieben und fein erdacht oder erlebt, einzureichen. EDIT: Entschuldigt bitte, bei mir selbst kamen und kommen einige Sachen dazwischen. Aufgrund einiger Nachfragen mache ich nochmal 2 Wochen Verlängerung, ich hoffe, das geht in Ordnung. Wer ein Blog hat, stelle sie dort ein und informiere mich, wer keines hat, maile mich an, ich veröffentliche sie dann hier. Länge: Unter 1.500 Zeichen geht gar nichts. Mehr ist besser. Eine Jury wird die Texte dann lesen und die Gewinner ermitteln

Worum geht es?

Es gibt zwei mögliche Themen, einmal "Meine Bekehrung" und einmal "Meine Provinz". Wie ich mir das so vorstellen kann, würde ich vielleicht mit einer eigenen Geschichte demonstrieren, aber Miss Manierlich hat da gerade einen - wie immer famosen - Text einfach so geschrieben, den ich mal als Beispiel hier verlinken möchte, ein Text, der beinahe in beiden Kategorien starten könnte.

Warum Du teilnehmen solltest

Weil es niemandem schadet, wenn mal eine grössere Geschichte als immer nur die Blog-Quickies verfasst werden. Weil schreiben Spass macht. Weil es Lob und Begeisterung bringt. Weil ich gerne gute Texte lese. Und weil die Sieger Silber bekommen - jeweils die beiden Erstplatzierten jeder Kategorie.



Was die mehr oder weniger Bekehrten angeht, so bekommen sie jeweils zwei aufstachelnde Vorlegegabeln. Gegenüber Unwilligen kann man auch behaupten, es wären original donalphonsinische Höllenspiesse, mit denen hier Bloggerseelen verheizt werden, oder was auch immer die Phantasie hergibt - inclusive absonderliche Sexspiele, es ist schliesslich kein Zufall, dass das Thema so heisst wie ein Buch von Mirabeau.



Für die provinziellen Charaktere gibt es dagegen jeweils eine Kipferlgabel und einen Tortenheber wie für Mamas Kuchen. Wem das zu behäbig ist, kann natürlich auch behaupten, dass er den Hummer mit der Gabel aufspiesst und das andere Ding für grössere Koksportionen ist. Macht Euch um mich keine Sorgen, ein winziger Tortenheber aus Blech und eine versilberte Gabel bleiben mir noch übrig.

Für die Person, deren Geschichte insgesamt am allerbesten gefällt, gibt es einen Sonderpreis: Ein Wochenende in meiner Gästewohnung in der Provinz, Kuchen so viel sie hinunterkriegt + X, drei Rokokokatastrophen zur Besichtigung, Kerzenscheinessen, hausgemachten Datschi, hoffentlich grandiose Sonnenuntergänge wie heute



und einiges mehr. Falls sie aber keinen Kuchen verträgt, nicht anreisen kann oder sonstwie nicht kann oder will, gibt es ein privates Essbesteck für eine Person als Ersatz.



Alles natürlich Silber aus der Zeit vor 1933, selbst zusammengesucht und durchaus luxustauglich. Ihr müsst nur noch schreiben. Mitmachen kann jeder, der hier nicht rausfliegt, und der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

... link (47 Kommentare)   ... comment


Mediamarkt und Saturn hoefelgesteinigt

Liebe Leser,

es wird Zeit, dass jeder von Euch sich überlegt, wo es in seinem lokalen Umfeld gute Photo-, Hifi-, Elektro-, Licht- und Computerläden gibt, die in Leistung, Beratung und Preis empfehlenswert sind. Und das dann bitte veröffentlicht und entsprechend zusammenlinkt. So richtig web2.0ig :-).

In meinem Fall sind das:

Computer: PAM Computer Services - schnelle, erstklassige Schrauber

Elektro: Schymala - arbeiten für uns seit 34 Jahren.

Licht: Euringer - haben schlichtweg alles, was man braucht.

Photo: Fotohaus Zacharias Am Westpark 6, 85057 Ingolstadt - ein sehr kulanter, zuverlässiger Mittelständler

Hifi & TV: EP Tele-TV, Tränktorstrasse 9-11, 85049 Ingolstadt - solide, kompetent, freundlich

High End: Music & Movie Johannesstrasse 13, 85049 Ingolstadt - auch für allerhöchste Ansprüche

Warum? Um zu zeigen, dass es überall sinnvolle Alternativen als einen Konzern gibt, dessen Mitarbeiter und Werbefigur so agiert. Das Geld zu Leuten bringen, die so etwas nicht tun. Geld ist die einzige Sprache, die sie verstehen, und damit sie es verstehen, muss man die Alternativen finden. Wir kennen sie. Wir müssen sie nur noch bekannt machen und erklären, warum man besser dort hin geht.

... link (23 Kommentare)   ... comment



: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Dienstag, 19. September 2006

Asiatische Wirtschaftsgrippe, jetzt auch bei der FAZ

Meine Bekanntschaft mit Haifischen bringt es mit sich, dass ich in letzter Zeit ab und an mit gewissen Projekten in den früher sog. Tigerstaaten zu tun habe. Es betrifft mich nicht wirklich, ich bin nur Beobachter, aber es hat schon was, wenn man einen alten Prospekt für Investoren aus der Zeit nach dem grossen 98er-Crash durchackert, in dem Thailand als stabile Demokratie und Wohlstandsgarant im asiatisch-pazifischen Raum gepriesen wird - und dann meldet FAZ.net einen Militärputsch in eben jenem Land, keine 10 Kilometer vom damals beworbenen Projekt. Noch spassiger aber ist es, wenn im Wirtschaftsteil der FAZ gleich darunter ein Beitrag mit dem Teaser aufmacht:

"Taucher im Torpedorohr
Ein modernes U-Boot soll künftig in Thailand gegen Schmuggler und Piraten eingesetzt werden. Thyssen-Krupp winken dafür Milliardenaufträge."


Winke Winke, kann ich da nur sagen. Und raten, definitiv nicht im asiatischen Raum zu investieren.

Edit: Links zum Thema
http://gnarlykitty.blogspot.com/
http://bangkokpundit.blogspot.com/
und besonders übel mit Glotzenscreenshot: http://bangkok.metblogs.com/archives/2006/09/coup_1.phtml
Blog zum Thema: http://19sep.blogspot.com/

... link (34 Kommentare)   ... comment


Ein ganz normaler Student

hat sich heute bei meinen Handwerkern beschwert, weil das Fliessenabschlagen etwas lauter war. So ist das nun mal. Aber er will partout, dass ich ihn anrufe und ihm Rede und Antwort stehe.

Na schön. Er ist jetzt nicht zu web2.oig, aber es gibt schon ein paar Dinge. Ich weiss, wer seine Eltern sind, wo er herkommt, wann er Abitur gemacht hat, in welchem Semester er ist und welchen Studiengang er genommen hat, ich habe jetzt auch seine Festnetznummer statt der superwichtigen Handynummer, ich weiss, dass er beim Studium getrödelt und seine Internships bei nicht allzu angesehen Firmen gemacht hat, wann er wo im Ausland war und für wieviel Geld - genauer, zu viel Geld - er seine Wohnheimswohnung vermietet hat. Unterer Durchschnitt also. Ich weiss, wie er aussieht, ich habe ein paar Bilder von ihm, die ich nicht gerade meinem Arbeitgeber zeigen würde, ich habe ein paar Beispiele, wo er seinen Werdegang aufgehübscht hat - und das, ohne dass ich seine OpenBC-Seite analysiert habe. Nur Google und ein paar Kombinationen, etwa 20 Minuten.

Ich rufe ihn jetzt an und mache ihn zur Minna, diesen kleinen Versager. Wenn später mal in der HR-Abteilung auch jemand googeln kann, ist das nur ein kleiner Vorgeschmack auf das drohende Drama, das ihn wegen seiner Tricksereien erwartet. Aber so ist das wohl bei Eliteuniinsassen, die ihren Korpsgeist mitsamt allen Daten möglichst laut ins Netz plärren, und ansonsten noch ein paar Networkseiten bedienen. Zu meinem Studium findet sich im Netz genau ein Treffer, eine Publikation, das ist alles. Das ist gar nicht so übel.

... link (18 Kommentare)   ... comment


So macht man sich Freunde

"Es gibt um die 50.000 Journalisten in Deutschland. Ein nicht geringer Teil davon hat sich geweigert, uns zu abonnieren."

Sehr komisch. Grosskotzig starten, mit einem affigen "Goldener Prometheus"- Medienpreis den Grossen der Branche liebedienern, wenig Anklang finden, nach 15 Nummern von Print auf PDF umstellen müssen, und schuld ist die sich weigernde Zielgruppe. Die Leute von V.I.S.D.P. sillten meines Erachtens mit dieser arroganten Einstellung lieber zumachen, statt sich so direkt in die Peter Turi und Netbusiness erprobte Pleite nach deutschem Recht begeben, nicht lang über PDFzu gehen und dabei keine geschätzte 12,99 Euro Werbeeinnahmen pro Ausgabe einzu ziehen. Dann müssen sie später auch keine Sätze lesen wie:

"Also ich habe aus der Zusammenarbeit mit Peter Turi gelernt, dass ich das Honorar dafür bis heute nicht erhalten habe."

via hier und da und dort

... link (17 Kommentare)   ... comment