: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Donnerstag, 14. Dezember 2006

Es hiess mal Alma Mater

Als ich meine Besuche an der Uni 2003 von regelmässig auf sporadisch umgestellt habe, hatten sie in dem Fach gerade erst den Bachelor eingeführt. Es war sowas wie eine Spätfolge der New Economy, in der alle Arschkrampen der Unternehmerzunft die Politiker beschrieen, man bräuchte für globalisierte Billigmärkte auch globalisierte Abschlüsse. Eine hübsche Vorstellung angesichts des Umstandes, dass die Praktika nach dem Abschluss mangels Geld natürlich genauso in Deutschland stattfinden, wie die Besuche beim Arbeitsamt. Wer einmal einen Monat im bett einer Erasmus-Studentin den Winter in Lassabon genossen hat, weiss ohnehin um die wahre Bedeutung des internationalen Wissenschaftsaustauschs, der sich mehr in Körpersäften denn in Lehrinhalten äussert. Wird man bildungspolitisch in 20 Jahren zurückschauen auf diese Phase der Umstellung, wird man diese Kretins zur Hölle wünschen. Die modernen Arschkrampen sagen jetzt, dass die leute nicht gut genug ausgebildet sind und deshalb Runden als Interns schieben müssen. Und die Lehrkörper kotzen zurecht ab, wenn sie sehen, was das mentalitätsmässig für Folgen haben kann: Man gibt ihnen bei der marktbereitmachung auch gleich noch die naturprallen Tschackaaah-Personalities mit, als würde man sie für ein Businessformat bei N24 casten. Schlechtere Leistung bei geringeren Entstehungskosten für einen überfüllten Arbeitsmarkt mit hohen gesamtgesellschaftlichen Folgekosten.



Es ist ja nicht so, dass die Leute das nicht begreifen: Bei den Ausbildern herrscht der Zynismus des Alters, bei den Studenten der Zynismus des Sozialdarwinismus, und dahinter die nackte Angst. Man muss nur mal reingehen in so ein Seminar, und den Leuten sagen, was da draussen wirklich los ist: Alles dabei von den ausgefallensten Verdrängungsmechanismen über Depression bishin zur SS-Mentaliät, der gnadenlos zelebrierten Bereitschaft, sich unterzuordnen und das System zu verteidigen. Jeder, der sich ein wenig damit beschätigt hat weiss, dass Bachelor und Master hierzulande ein Griff ins Klo sind, kein Job wird dadurch besser bezahlt und keine Rente sicherer, das Bruttosozialprodukt steigt nicht und die Akademikerschwemme wird auch nicht besser. Aber die, um die es geht, finden das alles super, weil sie Deppen sind und keinen Ausweg haben. Ich bekomme jedesmal Lust, ihnen Voltaires Candide als Hardcover um die Ohren zu hauen, diesen Dummbratzen in der besten aller möglichen Welten. Denn lesen werden sie ihn nicht, es gibt ja kein Executive Summary. Nich nicht mal das Script dafür kann man downloaden, und Google spuckt bei den ersten 5 Treffern auch nichts Gescheites aus, ist also uninteressant.



Das schönste aller Pseudoargumente der Zukunftshoffer ist dann: "Aber Sie haben es doch auch geschafft". Klar. Als Langzeitstudent, mit Studienortwechseln, mit viel Spass und im Bewusstsein, dass ich meinen Magister später in eine Schublade tun und nie wieder brauchen würde. Mit vielen Zufällen, weil ich ein paar mal am richtigen Ort war, weil ich einer von "denen" sein kann, wenn es sein muss , und weil ich nach all der Zeit in diesem Abgrund inzwischen gelernt habe, mit der dauernden Unsicherheit nicht nur umzugehen, sondern auch daraus Profit zu schlagen. Das Problem ist nur: Auf einen Gewinner kommen fünf Verlierer, und der Gewinner erhält als Preis massig Hotelaufenthalte im Randbereich der grossen Städte, wo er allein mit anderen Arschkrampen in unterkühlt wirkenden Speisesälen sitzt und innerlich abkotzt über das, was er die 12 Stunden vorher erlebt hat. Draussen vor dem Fenster starrt ihn die Ödnis einer noch unbebauten Projektfläche an, für weitere schwer vermietbare Büros, die im gleichen "Wir machen das"-Wahn hochgezogen werden, der sie schon durch das Studium treibt. Nur sagt denen das keiner so direkt.

Warum auch. Ist doch alles prima, das Ministerium ist zufrieden, die Wirtschaft will noch mehr, und den Rest ergruscheln (TM) wir uns auch noch, irgendwann.

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Mittwoch, 13. Dezember 2006

Real Life 13.12.06 - Das Ende des Glaubens

Du gehst in Richtung Gärtnerplatz, und als du an den Gemüsestand kommst, steht da dieser breite, schwarze Sportwagen. Ohne Licht, auf dem Bürgersteig, brettlbreit und miserabel geparkt, wenn man das so sagen kann im absoluten Halteverbot. Ah ja, es gibt also noch mehr so Typen wie die Haifischdame, die macht das auch immer so und jammert, wenn sie abgeschleppt wird, geht es dir durch den Kopf, und beiläufug fällt der Blick auf das Nummernschild. Es sieht nicht nur aus wie der Wagen besagter Frau, er ist es. Und dir fällt wieder ein, wie es war, als du sie das letzte Mal zu diesem Parkplatz an den Ostrand von München fahren musstest. Wie sie die wirklich unschuldigen Angestellten dort angeschnauzt hat. Und wie sich die erfolglosen Versuche, der Stadt München einen Teil der Strafe nur aus Prinzip wieder abzunehmen, zu einem Dauerthema beim Essen entwickelten. Das war keine angenehme Zeit. Und weil immer alles zusammen kommt, gleitet aus dem Schwarz der frühen. langen Nacht, ein Polizei-BMW heran.

Du legst deine Tüte mit den Büchern auf die Klappe, hinter der sich nach optimistischer Einschätzung des Prospekts sowas wie der "Kofferraum" befinden soll, wuselst herum, zückst den Autoschlüssel und tust so, als ob das deiner wäre und der Aufenthalt an dieser Stelle sofort, augenblicklich beendet werden würde. Der Polizeiwagen wird langsamer, hält an, schaut rüber, und du deutest mit dem todtraurigsten aller "Die dumme Punze verschleudert da drin gerade mein sauer verdientes Geld für widerliche Pumps"-gesicht auf den eklusiven Schuhladen neben dem Wagen. Der Polizist am Steuer nicht verständnisvoll und fährt weiter.

Nicht mal 10 Minuten später erschint der Haifisch mit zwei riesigen Tannenimitatgirlanden aus dem Blumenfachgeschäft und ist überrascht, dich zu sehen. Du überschüttest sie mit Vorwürfen, sie sagt Oh und meint, wenn du eh grad da bist, kannst du dich neben die Girlanden quetschen und sie zum ersten Haus am Platz begleiten, denn sie braucht dort noch Deko. Und nachher jemand zum tragen. Sagt sie nicht, aber es wird sich schlussendlich so herausstellen. Denn das erste haus am Platz ist voll mit Dingen, die man offensichtlich heute haben muss.



Es ist wahrlich nicht dein Ding, diese zartgläserne, schreiendbunt indezente Welt, dieser christlich lackierte Rosenmontag, denn den Winter könnte man getrost streichen und dieses Fest da ist nun wirklich kein sach naches. Jedes Jahr das gleiche Getue, es ist ein Graus, und hier ist die dafür geschaffene Aufrüstung.



Wobei manches eher nach langfristigem Investment aussieht, die hier etwa könne auch noch bis Fasching hängen bleiben. Oder bis Ostern. Das ist die neue Beliebigkeit in Festen ohne Sinn und Bedeutung, anything goes. Ausser für die Freisinger Chanel-Mami, die den Shopping-Sinn verstanden hat und deren Tochter diesen gerade abgelichteten Eisbären sogleich mitnimmt, nicht aber die Pumps - sonst könnte die Tochter noch auf Ideen kommen.



Ja, sagt die Haifischin und wedelt aufgeregt mir den Flossen, von denen hat sie schon ein Dutzend und diese Katze hat es ihr besonders angetan, aber wirklich verliebt ist sie in das Krokodil mit roten Pumps und weissrosa Söckchen und rosa Schleifen, das es als Salzstreuer, Handtasche, Kerzenhalter und normale Figur gibt. Du lächelst schief, worauf sie eines für dich nimmt, und nimmer gelingt es dir, sie von dem Vorhaben abzubringen - das unrecht Verhalten gegenüber der Polizei zieht also unrecht Gut als Belohnung nach sich.



Und natürlich gibt es auch verschiedene Sorten Cat Content, manchmal nett, manchmal als Weihnachtsbaumkatze auch entwürdigend. Dennoch ist das eine gute Gelegenheit, etwas für Iris mitzunehmen, und so geht auch die Katze in den grossen Korb, der sich mittlerweile mit Kugel aller Art gefüllt hat.



Fast aller Art. Die Nicoletta-Pinups (in der bösen alten Zeit kannstest du mal eine aus der Oberpfalz stammende Marketingversagerin, die hiess Nicoletta und hat sich ihren Job ähnlich offenherzig erfickt) und die Exhibitionisten-Nikoläuse sollten vielleicht besser gewissen Stalkergruppenjahrestreffen bei einem bekannten Berliner Startup vorbehalten bleiben. Und dann, als alles schon vorbei ist und du an der Kasse die Tüten in Empfang nimmst, siehst du das noch:



Christbaumteufelsquietscheentenkugeln.

Keine Frage, Gott ist tot, und das Gebähren seines Sohnes kann er sich sparen. Naja, vielleicht konvertiert er ja zum Islam, die sind noch anders drauf, da hätte auch der Häretikerschlächter Thomas von Aquin noch seine Gaudi, da gäbe es sowas nicht im ersten Haus am Platz.

Aber die, da bist du dir sicher, kriegt ihr auch noch: Mit der fiesen Geheimwaffe der Globalisierung, den Ramadanbaumteufelsquietscheentenkugeln. Eine nimmst du mit und hängst sie an einem roten Seidenband über das Gästebett.

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Keep the fire burning

unter den unruhig rutschenden Berliner Startuppern. An der Blogbar wird flambiert.

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Dienstag, 12. Dezember 2006

Von vergangener Grösse

Ich bin normalerweise ein zielstrebiger Mensch. Gibt man mir Stuck und eine Decke, mache ich hin und arbeite, bis es geschehen ist. Wenn was nicht geht, finde ich eine andere Lösung. Alles was ich brauche, sind klare Vorstellungen aus Seiten der Auftraggeber, und dann geht es los. Ansonsten mache ich es eben so, wie ich es für richtig halte. Ich kann gnadenlos energisch sein, ich schone dann weder mich noch andere.

Was mir dagegen Probleme bereitet, sind Absprachen mit mir selbst. Denn bevor es losgeht, denke ich vielleicht etwas zu viel nach. Und das kann Wochen und Monate dauern, dann hängt es an einem Detail, das nicht gelöst wird, und alle Arbeiten ruhen. So ein Detail war die alte, vernagelte Tür im Wohnzimmer. Denn die ist Familiengeschichte. Und damit geht es immer schwer.

So gegen 1730, als die Gesellschaft Jesu, verflucht sei ihr Name, ihren Reichtum in einer Asamkirche und einer eigenen Bibliothek ausdrückte, wurden die alten Funktionsräume ihres Stadtpalastes überflüssig. Die grossen Säle im Mitteltrakt wurden zu Wohnungen der Jesuitenprofessoren, womit der unrühmlichen Geschichte dieses Hauses weitere düstere Kapitel hinzugefügt wurden - es wurde eine der wichtigsten Bastionen gegen die Aufklärung, so, wie es ein Jahrhundert zuvor ein Bollwerk gegen die Reformation war. Von hier aus kämpfte man gegen Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, ind für das Diktat von Altar und Krone. Und das in durchaus annehmbaren Raumfluchten mit 10 Zimmern für eine Person. Sage keiner, Verbrechen lohne sich nicht. Auch heute, in einer Zeit, in der die Menschen durchschnittlich 20 Zentimeter höher sind, wirken die Räume keinesfalls klein.

Nur - sind es nicht mehr 10 Räume, sondern nur noch 7. Zu Beginn des letzten Jahrhunderts, als die Einwohnerzahl der Stadt nach oben schnellte, wurde die Wohnung in zwei Wohnungen geteilt, die Tür zwischen den Räumen mit Brettern vernagelt, und auf meiner Seite ein Schrank davor gestellt. Auf der anderen Seite wurde aus dem Türstock ein Wandschrank, aber ich habe das schlechtere Ende für mich. Und an diesem Holzverschlag blieben meine Gedanken hängen, wie eine Nadel auf der Platte. Abschleifen und verputzen? Ein Bild kaufen und drüber hängen? Es unveändert bestehen lassen als Symbol vergangener Grösse? Den Auszug des Nachbarn abwarten und dann die drei anderen Räume als Bibliothek, Billiardzimmer und neuem Vorraum kassieren? Oder gar eine Wand einreissen und einen langgestreckten Saal mit 60m² schaffen?



Es gibt eine Entscheidung: Die Bretter sind weiss gestrichen und so verputzt, dass man den Verlust noch problemlos erkennen kann. So ist es eben. Und ich brauche keine 10 Zimmer, die ich, genau genommen, mit meiner zweiten Wohung im Haus schon habe. Ja, es gab eine Zeit, in der hier weitaus mehr war, als heute ist. Nein, es ist kein Schaden, denn die, die den Raum beanspruchten, waren Schurken und Verbrecher. Es ist, wie es ist. Und jetzt geht es ruckzuck weiter:



Ein letzter Blick auf die Testfarben an der Wand: Viel habe ich ausprobiert, und am Ende hat sich die Suche gelohnt.



Dann ein grauer Streifen drüber, zur Abgrenzung von weisser Wand und zartgrünblauem Sockel.



Ein letztes Mal werden die Hepplewhitestühle dahin gestellt, wo sie nicht hingehören: Weg von der Wand, in den Raum.



Auf dem Boden liegen schon die Konsolen und warten auf ihre schwere Last, die noch zu erwerben ist. Jetzt aber schnell, denn wenn das Jahr zu Ende geht, muss hier alles fertig sein. Zwecks der neuen Grösse.

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Montag, 11. Dezember 2006

Es wird sich einiges ändern

Stammleser wissen, dass ich Journalist bin. Ausschliesslich Print, kein Online. Meine Auftraggeber sind, was das Internet angeht, sehr konservativ, und ich kann es ihnen nicht verdenken. So schlimm es auch mit Print bergab geht: Dort ist immer noch das Geld.

Ich habe verstärkt in den letzten Wochen eine Reihe von Angeboten bekommen, etwas im Internetbereich zu tun. Beratung, Firmengründung, Interimsmanagement, PR und Medien. Ich habe das alles abgesagt, bis auf zwei Angebote aus dem Bereich mehr oder weniger klassischer Journalismus. Wie das wird, weiss ich selbst nicht, vielleicht lase ich es auch bleiben, wenn es mir nicht gefällt, ich habe die Wahl. Es dürfte aber klar sein, dass sich für mich mehr ändern wird, als lediglich mein Ausstieg aus der Haifischbranche. Es ist dann sicher nicht mehr so leicht wie früher, den Printjournalisten und den Onlineblogger auseinanderzuhalten.

Wie auch immer: Dieses Blog hier ist und bleibt mein virtuelles Wohnzimmer, meine Privatsphäre, und hier gibt es nichts ausser meine Wenigkeit und das Zeug, das es schon immer gab. Es wird nicht weniger werden, es bleibt alles beim Alten. Ich sage es aber hier und jetzt, weil ich glaube, dass Ihr, die Ihr es Euch in meinem Wohnzimmer bequem gemacht habt, ein Recht habt, das frühzeitig zu wissen. Ich werde nicht meine Seele verkaufen oder meine Person und schon gar nicht die Leser, sondern Texte, gradraus, ungeschönt, drastisch und so, wie ich bin. Das ist ein faires Geschäft. Anderes überlasse ich anderen. Dumme, arme Schweine müssen ja auch von was leben.

Also, glaub ich zumindest.

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Sehr zu empfehlen - Duevel Planets

Wenn man täglich an einem High End Geschäft vorbeikommt, gewöhnt man sich an exorbitante Preise wie 700 Euro für eine Steckerleiste, 6000 Euro für einen CD-Player und 3800 für einen Plattenspieler. Und man gewöhnt sich an die seltensten, exklusivsten Tonmöbel, die dort im Schaufenster stehen. Ich bin also nicht mehr besonders zu beeindrucken. Gerissen hat es mich allerdings, als dort zum ersten Mal ein Paar Duevel Planets ausgestellt waren, die genauso in die Kunstgalerie nebenan gepasst hätten: Hohe, breite Säulen, bei denen die Lautsprecher nach oben geöffnet sind, und der Schall über zwei glänzende Silberkugeln im Raum verteilt wird. Es sind sogenannte omnidirektionale Lautsprecher, die den Ton gleichmässig im Raum verteilen.



Nun ist bei Boxen der Ton alles, der Preis viel und das Aussehen nichts. Allerdings stand da ein sensationelles Preisschild dran, 500 Euro das Paar. Also rein in den Laden und anhören, denn Boxen brauchte ich sowieso. Was soll ich sagen: Grandios.

Das Irre an diesen Tonmöbeln ist nicht nur der Klang, der selbstverständlich überzeugt. Fein aufgelöste Höhen, satte Bässe, allein das geräusch, wenn eine Viola da Gamba allein gestrichen wird, oder ein Dudelsackbläser ansetzt - alles kommt wunderbar natürlich und akzentuiert beim Hörer an. Solange auf der CD kein Klangbrei drauf ist, kommt da kein Klangbrei raus. Selbst normalerweise schwierige, komplexe Passagen wie etwa die Quarenta Horas, spanische Musik des frühen 18. Jahrhunderts für Chir, Solisten, Orchester, Flamenco und Kastagnetten werden mühelos wiedergegeben, keine Schwächen beim Verlauf oder der Akzentuierung. Mit einem wirklich guten Verstärker ist die Komplexität manchmal so hoch, dass man nichts nebenbei tun kann. Auch ein Klangorkan wie "One" von Lamb oder "Push the Tempo" von Fat Boy Slim bringt die Boxen nicht ans Limit.

Den eigentlichen Höhepunkt erlebt man, wenn man die Boxen an die Wand stellt, aufdreht und im raum herumgeht. Bei normalen High End Boxen ist es wichtig, genau im Schnittpunkt zwischen den auf den Hörer ausgerichteten Boxen zu sitzen, sonst verändert sich das Frequenzspektrum, und der Raumeindruck leidet. Um das zu verstehen, muss man einfach mal hinter eine Box gehen: Sofort klingt es schlecht. Die Duevels reflektieren den Schall an die Kugel und dann auch an die Wände; der Ton kommt also von einer Quelle, die vom Prinzip her einem Instrument entspricht. Das Klangerlebnis ist entsprechend: Keine Probleme mehr mit abfallenden Bässen, wenn man sich im Raum herumbewegt, alle, die da sitzen und lauschen, haben eine ähnlich gute Klangqualität. Durch den Hall entsteht eine grandiose Räumlichkeit, der Schall geht nicht nur durch den Raum, er steht im Raum, man muss das gehört haben, um es zu verstehen, aber es ist irre. Schlichtweg irre. Meine Nachbarn können ein Lied davon singen. Und das unterschiedslos bei kleinen Ensemblen oder grossen Orchestern. Besonders delikat: Frauenstimmen, die in grossen Räumen aufgenommen wurden. Die ablimitierte Scheisse der aktuellen Chart-Popmusik zeigen sie leider gnadenlos auf, aber alles andere, Jazz, Klassik, was immer lebt und atmet, erfährt durch die Duevel Planets eine - für diesen Preis - ideale Wiedergabe, besonders in Räumen mit einer kahlen Wand, an der man sie aufstellen kann.

Dass sie in der Form den Ständern entsprechen, die man in früheren Jahrhunderten an der Wand postierte, dass sie den extravaganten Hauptraum mit ihrer Form perfekt ergänzen und die Schauseite auch furniert werden kann, ist obendrein ganz wunderbar. Deutsche Qualitätsarbeit eines Kleinstherstellers sowieso. Gibt es nicht bei "Geiz ist für Idioten"-Händlern, sondern nur bei ausgewählten Spezialisten.

Disclaimer: Ich habe lang überlegt, ob ich diesen Beitrag schreiben soll, ist er doch eine Empfehlung für ein Produkt, das - im Gegensatz zu den hier sonst empfohlenen Gegenständen - aktuell und frei käuflich ist, und zudem mit 500 Euro nicht ganz billig. Nachdem aber Weihnachten naht und ich weiss, dass mancher auf der Suche nach guten Tonmöbeln ist, habe ich mich dazu durchgerungen. nein, ich werde nicht dafür bezahlt oder sonstwie bevorteilt, ich kenne zwar den lokalen Händler, aber für den sind das Kleinigkeiten, normalerweise sind da Boxen unter 1000 Euro nicht erhältlich. Und ich habe den vollen Preis bezahlt.

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Und Tschüss, Ihr Spaten!

Das geht runter wie Honig. Endlich kriegen mal die eine Abreibung beim BR, die es verdienen. Mit ihren Schundfunk Papsttourbegleitern. Und den zu Berufsjugendlichen mutierten w&v-New-Economy-Dropouts, die sich ihre Schleiminterviews bei zu PR-Bloggern rückentwickelten anderen w&v-New-Economy-Dropouts abholen. Alles Buckeln hat nichts genutzt. Da fährt zusammen in die Verbreitungshölle, was zusammen in die Verbreitungshölle gehört.

Bayern4 Klassik rulez. Sucht Euch endlich eine anständige Arbeit wie CSU-Hinterbänkler-PR, statt irgendwas an Blogs zu frickeln. Das könnt ihr eh nicht besser als Edelman.

Oder so.

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Montag, 11. Dezember 2006

Endlich

Du bist ein Grund für einen Agnostiker wie mich, auf die Existenz der Hölle zu hoffen.

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Sehr zu empfehlen - Heidenspass am x. Advent

Bei den Heiden, erzählt man den Kindern in diesen Breitengraden, gibt es keine solchen schönen nadelnden Kränze, mit deren Abfallgrün man so schön zündeln kann - LASS DAS DU DUMMES BALG! Also, bei den armen Heidenkindern gibt es keinen Kranz mit so dicken roten Kerzen, zu denen kommt das Christkind ebensowenig wie zu Dir, wenn Du schnüffelst, die singen keine Lieder an diesen Sonntagen, und warten nicht geduldig, indem sie Woche für Woche eine einzige Kerze anzünden und sind eben arme Heiden, bei denen ist das ganz, ganz anders.



Genau.

Eigentlich wollte ich nur sagen, dass ich endlich Appliken gefunden habe, bei denen es zusammen mit dem Prunkspiegel der enthaltsam gläubigen Bekanntschaft meiner Eltern beim Auffallen des Hostienaufnahmeorgans die Kiefergelenke knarzen liess.

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Sonntag, 10. Dezember 2006

Die langen Fäden der hässlichen Heimat

zerren nicht nur an dem Mann, den sie Straubings Boazn Burny den Brauereigaul nannten und beim Kinderchor der Pfarrgemeinde St. Prokulus Steissbein den St. Burnster, den es im Januar, zur schlimmsten denkabren Zeit also von Barcelona - schön, warm, fast südwestbayerisch - zurück nach Berlin treibt: Wo dieser stolze Sohn der bayerischen Erde unter Brücken oder schlimmer, bei aufgerissenen schwäbischen Studentinnen schlafen muss, wenn er keinen Platz für sich, 50 Kästen Kneitinger und seine E-Quetscharre findet. Ihr habt was zu bieten oder kennt wen, der endlich dem Elend den Rücken kehrt, die 145.975ste leere Wohnung im Prenzelberg hinterlassend? Meldet Euch beim Meister Burnster.

Wenn also in der Hölle noch Platz ist, wird es in Bayern dagegen eng. Wie es nun mal so ist mit den Immobilien in der Boomregion: Ein Anruf bei einem Inserenten, und pardauz, sofort haben sie die Wohnung genommen. Mieter, wie man sie haben will: Doppelverdiener, sie Lehrerin, er Ingenieur, sprich bombensichere Berufe. Beide aus der Stadt, beide haben woanders studiert, aber jetzt sind sie schon länger wieder da und wollen

nie wieder weg

Doch, schön war das Studieren in Schwabing, lustig war es mit Erasmus im Ausland, aber jetzt ist erst mal genung, sie wollen endlich zusammenziehen, sich einrichten und bleiben. Das Irre an der Sache ist: Sie sehen auch so aus. Sie werden ganz sicher bleiben, etwa 7 Jahre, bis sie das Geld beisammen haben, sich ein Haus zu kaufen, und dann wird sie Kinder kriegen und er ist so weit aufgestiegen, dass nichts mehr passieren kann. Sagen sie auch. Genau so. Als ob es die natürlichste Sache der welt wäre, geboren zu werden und irgendwann wieder der fette Humus des Landes zu werden, und dazwischen halt das Übliche, aber bitteschön immer an der gleichen Stelle. Ich stand gestern mit der ganzen Tradition des Clans vor ihnen und hatte keine Ahnung, wo ich in einem Jahr sein werde - ausser ganz sicher an keinem Ort, mit dem ich jetzt rechnen würde.

Und nicht in einer Lage, die für sie das Ideal ist.

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Freitag, 8. Dezember 2006

Alchemist Products Kraken APD6A late MkI

Love it or hate it.



Jetzt gehört er mir. Genau das richtige, bösartige Ding für den Stadtpalast eines bösartigen Ordens.

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Tempo Neu

Manche Legenden sind tot am besten. Wäre von den Autoren viel verlangt, aber ok.

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Todeswette!

Es geht um nichts, aber trotzdem: Wo stehen die Aktien von OpenBC heute am 2. Handelstag um Mitternacht? Wer am nächsten dranliegt, hat gewonnen! Insidertipps bei Ben Schwan. Ich lege vor angesichts der Mickrigkeit ihres Businessmodells ziemlich bullish vor, setze auf die Dummheit der Börse und sage:

29.12 Euro!

Wer steigt mit ein?

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Yiddisch2.0

Redefining the meaning of Meshugoj: Eine Deutsche Webklitsche, die für das Branding käuflicher Schweine des Internets jüdische Begriffe missbraucht und sich beim philosemitischen Geschleime auch noch cool vorkommt. Some of my best enemies are Arian. Über die Gratulanten für sowas sage ich erst mal gar nichts. Oder doch. Ich werde was sagen. Das wird alles hier in diesem Blog notiert. Und irgendwann sage ich es.

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Donnerstag, 7. Dezember 2006

Hausbibliothek der Aufklärung II

Die Aufklärung des europäischen, durch christlichen Fanatismus verdorbenen Kontinents kommt durch die Hintertür. Die Aufklärung braucht mehr als nur Ideen und Begriffe, die eigentlich bereits seit Jahrhunderten und Jahrtausenden bekannt und bei den Herrschenden verbreitet sind: Sie braucht auch ein grosses Publikum. Pietro Aretino war ein Freigeist, Gilles de Rais war gottlos, und Lucretia Borgia kümmerte sich mit ihren Freunden nicht um die Regeln der Kirche; Kardinal Bembo lachte über den Aberglauben und Castiglione vertrat Ideale der Vernunft. Doch allen war ihnes eines gemein: Dir Trennung vom Pöbel, von der Mehrheit; sie selbst waren die winzige Führungsschicht, und ihre Ideologie galt bestenfalls ihresgleichen. Die anderen, wie wir gesehen haben, sollten besser mal dumm bleiben, und brav zahlen, damit sich die Spitzen weiterhin ihre Notdurft in luxuriöser Seide verrichten konnten. Was letztlich ihr Untergang wurde.

Denn, und damit kommen wir zur Aufklärung, Seide ist komplex in der Herstellung und entsprechend teuer. Zwar war es bereits im Mittelalter gelungen, Seide auch in Südeuropa herzustellen, der Hauptabnehmer aber waren die Länder des Nordens, und besonders das prunkliebende Frankreich mit seinen streitlustigen Fürstenhöfen. Alle staatlichen und kirchlichen Verdammungen gegen das teure Material halfen nichts: Wer es sich leisten konnte, griff für Kleidung zur Seide. Wams, Mieder, Mantel und Barette waren damals die Repräsentationsmittel schlechthin, und nur wohlhabende Menschen hatten mehr als ein Kleid. In Frankreich führte der Import der Seide zu einem enormen Aussenhandelsdefizit.

Und das war ein Problem in den Augen eines gewissen Herrn Colbert. Genauer Jean-Baptiste Colbert, Marquis de Seignelay. Den Titel bekam Colbert erst später; seine Karriere begann der Sohn eines Händlers aus Reims während der französischen Volksaufstände zwischen 1648 und 1659. Er war ein Gefolgsmann und Günstling des verhassten Kardinal Mazarin, dem Erzieher des unmündigen Königs Ludwig des XIV., geschickt im Verhandeln und erfahren in den Ränkespielen zwischen dem Hof und den aufsässigen Adligen. Als Mazarin 1661 starb, begann Colberts kometenhafter Aufstieg. Unter Ludwig XIV erhielt er volle Kontrolle über alle wirtschaftlichen Belange der Reiches.

Colbert entwickelte eine effektive Besteuerung, ging gegen sinnlose Zölle und Beschränkungen vor, und versuchte, das Aussenhandelsdefizit zu begrenzen. Unter der auf Edelmetall basierten Wirtschaft erkannte man, dass mit dem Import von Waren der Reichtum in Edelmetallen verloren ging. Also musste man teure Importe stoppen, sei es nun mit Strafzöllen - oder mit der Einführung der Produktion im eigenen Land. Das Luxusgut Seide stand ganz oben auf der Tagesordnung von Colbert. Und deshalb gab er ein Buch in Auftrag, das schon 1665, kurz nach seinem Amtsantritt erschien:



Christophle Isnard ist der Autor dieses Werks, das hier mit Wasserschaden zerfleddert vor uns liegt. Der Titel ist nicht zu entziffern, er ist, wie im Barock üblich, etwas ausführlicher: "Memoires et Instructions pour le Plant des Meuriers blancs, nourriture desVers a Soye: Et l'Art de filer, mouliner & aprester les Soyes dans Paris &lieux circonvoisins, sur l'Establissement qui s'y fait des Manufactures de Soyes, à l'exemple de celuy que le Roy Henry IV avoit estably dans la plusgrande partie de la France". Ich weiss nicht, ob es das einzige Exemplar in Deutschland ist, jedenfalls ist es sehr selten. Es hatte damals einen recht bekannten Besitzer und ist im Originaleinband des 17. Jahrhunderts. Es ist ein Buch, das ich selbst eher selten aufschlage; es tut ihm nicht gut, und es gibt nicht mehr viele davon. Ja, es ist teuer. Nein, ich habe nicht viel dafür gezahlt, obwohl es mir fast das Leben gekostet hätte. Mein Herz blieb beinahe stehen, als ich es öffnete, und raste, bis ich den Preis erfuhr. Denn dieses Buch ist eine Höllenmaschine der Kulturgeschichte, seine Publikation veränderte das Wirtschaftssystem Europas, die Gesellschaft Frankreichs, das Bewusstsein der Frauen und ist ein früher Sargnagel für die Kirche.



Davon wussten natürlich weder Colbert noch Isnard, als zweiterer es dem ersterem widmete - sie hätten es wohl eher verbrannt, als es anderen zu empfehlen. Vorergründig geht es "nur" um den Merkantilismus, um die bestimmende Form der Wirtschaft vor dem eigentlichen Kapitalismus. Die Grundidee ist einfach: Frankreich braucht Geld, also züchtet man Maulbeerbäume, setzt Seidenraupen daran, wartet, bis sie sich verpuppen, kocht sie und gewinnt damit den feinen Faden, aus dem Seide gewebt wird. Die verkauft man dann gewinnbringend an andere Länder, bekommt Gold, und hat damit die Mittel für den König, um Dinge wie den Spanischen Erbfolgekrieg zu finanzieren, oder Schlösser wie Versailles, oder Grafschaften für Herrn Colbert.



Angesichts der Folgen kommt das Buch, das die Grundlage für den Aufstieg Frankreichs zur führenden Modenation der Welt ist, niedlich und beschaulich daher. Der Drucker etwa gibt dem Leser treffliche Hinweise - wer meinen Roman kennt, weiss jetzt, woher ich die Idee mit dem Vorwort des Druckers habe. Sodann hebt Isnard an zu einem längeren Aufsatz, einer wirtschaftspolitischen Vision von blühenden Landschaften in Frankreich, deren Sprengkraft er sich nicht vorstellen konnte. Denn nicht nur - wie bei diesem Exemplar - Reiche bekamen dieses Buch, es gelangte in billigen Nachdrucken in die Hände von Unternehmern, die sich staatlich gefördert daran machten, die Empfehlungen zum Kultivieren der Maulbeerbäume und Seidenraupen umzusetzen.



Erkennbar gelesen wurde mein Exemplar nur im repräsentativen vorderen Teil, der sich an die Staatsmänner wandte. Die Besitzer der Nachdrucke aber, die sich an Isnards treffliche Ratschläge zur Zucht hielten, erschufen die französische Seidenindustrie, die wenige Jahrzehnte später den Weltmarkt dominieren sollte. Aus diesen Seiten entsprang mit den Seidenraupen der Phoenix, den Isnard in seinem abschliessenden Gedicht pries, aber mehr noch, auch eine vermögende Schicht von Bürgern, die zunehmend den räuberischen Adel der Bürgerkriege verdrängte und die feinsten Tücher für dessen verschwenderisches Dasein im goldenen Käfig Versailles lieferte.

Seide war plötzlich nicht mehr verdammenswerter Luxus, sondern ein Mittel zur Stabilisierung des Staatshaushaltes. All die Lust an rüschigen Kleidern und prächtigen Stoffen diente von nun der heimischen Wirtschaft, die französische Mode, der andere Höfe nacheiferten, zog Exporte und Gewinne nach sind. Plötzlich konnte es gar nicht mehr frivol, bunt, verspielt und aufwändig genug sein, die Kleidung verspottete Jahrhunderte von christlicher Entsagung, das Laster und die Verschwendung wurden zum Wohle der Wirtschaft zur Tugend, und alle Monate änderte sich die Mode, alles zugunsten des Heimatmarktes. Isnard bekam damit die Seidenzucht, Colbert schaffte es, sein Aussenhandelsdefizit zu begrenzen, aber statt nach Italien zu gehen, finanzierte der Boom eine neue Gruppe von Staatsbürgern, die der eigentliche Träger der Aufklärung werden sollte: Das Bürgertum, das sich mit wachsendem Reichtum nicht mehr vo Kirche und Staat gängeln lassen wollte, und das dereinst das Blutgerüst für die nachfahren Ludwig XIV. austellen sollte. Dazu dann mehr im nächsten Teil.

(Falls ich heute Nacht nicht von habgierigen Volkswirtschaftlern ausgeraubt und erschlagen werde)

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