Sehr zu empfehlen - Duevel Planets

Wenn man täglich an einem High End Geschäft vorbeikommt, gewöhnt man sich an exorbitante Preise wie 700 Euro für eine Steckerleiste, 6000 Euro für einen CD-Player und 3800 für einen Plattenspieler. Und man gewöhnt sich an die seltensten, exklusivsten Tonmöbel, die dort im Schaufenster stehen. Ich bin also nicht mehr besonders zu beeindrucken. Gerissen hat es mich allerdings, als dort zum ersten Mal ein Paar Duevel Planets ausgestellt waren, die genauso in die Kunstgalerie nebenan gepasst hätten: Hohe, breite Säulen, bei denen die Lautsprecher nach oben geöffnet sind, und der Schall über zwei glänzende Silberkugeln im Raum verteilt wird. Es sind sogenannte omnidirektionale Lautsprecher, die den Ton gleichmässig im Raum verteilen.



Nun ist bei Boxen der Ton alles, der Preis viel und das Aussehen nichts. Allerdings stand da ein sensationelles Preisschild dran, 500 Euro das Paar. Also rein in den Laden und anhören, denn Boxen brauchte ich sowieso. Was soll ich sagen: Grandios.

Das Irre an diesen Tonmöbeln ist nicht nur der Klang, der selbstverständlich überzeugt. Fein aufgelöste Höhen, satte Bässe, allein das geräusch, wenn eine Viola da Gamba allein gestrichen wird, oder ein Dudelsackbläser ansetzt - alles kommt wunderbar natürlich und akzentuiert beim Hörer an. Solange auf der CD kein Klangbrei drauf ist, kommt da kein Klangbrei raus. Selbst normalerweise schwierige, komplexe Passagen wie etwa die Quarenta Horas, spanische Musik des frühen 18. Jahrhunderts für Chir, Solisten, Orchester, Flamenco und Kastagnetten werden mühelos wiedergegeben, keine Schwächen beim Verlauf oder der Akzentuierung. Mit einem wirklich guten Verstärker ist die Komplexität manchmal so hoch, dass man nichts nebenbei tun kann. Auch ein Klangorkan wie "One" von Lamb oder "Push the Tempo" von Fat Boy Slim bringt die Boxen nicht ans Limit.

Den eigentlichen Höhepunkt erlebt man, wenn man die Boxen an die Wand stellt, aufdreht und im raum herumgeht. Bei normalen High End Boxen ist es wichtig, genau im Schnittpunkt zwischen den auf den Hörer ausgerichteten Boxen zu sitzen, sonst verändert sich das Frequenzspektrum, und der Raumeindruck leidet. Um das zu verstehen, muss man einfach mal hinter eine Box gehen: Sofort klingt es schlecht. Die Duevels reflektieren den Schall an die Kugel und dann auch an die Wände; der Ton kommt also von einer Quelle, die vom Prinzip her einem Instrument entspricht. Das Klangerlebnis ist entsprechend: Keine Probleme mehr mit abfallenden Bässen, wenn man sich im Raum herumbewegt, alle, die da sitzen und lauschen, haben eine ähnlich gute Klangqualität. Durch den Hall entsteht eine grandiose Räumlichkeit, der Schall geht nicht nur durch den Raum, er steht im Raum, man muss das gehört haben, um es zu verstehen, aber es ist irre. Schlichtweg irre. Meine Nachbarn können ein Lied davon singen. Und das unterschiedslos bei kleinen Ensemblen oder grossen Orchestern. Besonders delikat: Frauenstimmen, die in grossen Räumen aufgenommen wurden. Die ablimitierte Scheisse der aktuellen Chart-Popmusik zeigen sie leider gnadenlos auf, aber alles andere, Jazz, Klassik, was immer lebt und atmet, erfährt durch die Duevel Planets eine - für diesen Preis - ideale Wiedergabe, besonders in Räumen mit einer kahlen Wand, an der man sie aufstellen kann.

Dass sie in der Form den Ständern entsprechen, die man in früheren Jahrhunderten an der Wand postierte, dass sie den extravaganten Hauptraum mit ihrer Form perfekt ergänzen und die Schauseite auch furniert werden kann, ist obendrein ganz wunderbar. Deutsche Qualitätsarbeit eines Kleinstherstellers sowieso. Gibt es nicht bei "Geiz ist für Idioten"-Händlern, sondern nur bei ausgewählten Spezialisten.

Disclaimer: Ich habe lang überlegt, ob ich diesen Beitrag schreiben soll, ist er doch eine Empfehlung für ein Produkt, das - im Gegensatz zu den hier sonst empfohlenen Gegenständen - aktuell und frei käuflich ist, und zudem mit 500 Euro nicht ganz billig. Nachdem aber Weihnachten naht und ich weiss, dass mancher auf der Suche nach guten Tonmöbeln ist, habe ich mich dazu durchgerungen. nein, ich werde nicht dafür bezahlt oder sonstwie bevorteilt, ich kenne zwar den lokalen Händler, aber für den sind das Kleinigkeiten, normalerweise sind da Boxen unter 1000 Euro nicht erhältlich. Und ich habe den vollen Preis bezahlt.

Montag, 11. Dezember 2006, 16:08, von donalphons | |comment

 
Taugen die auch für normalgrosse Räume, so 16-26 m2 oder nur für'n Stadtpalast? Ich hatte ja neulich nach dem Post schonmal klammheimlich den Link in den Kommentaren geklickt und die Dinger für evt. erwerbenswert befunden. Insofern kommt dein Disclaimer hier schon zu spät.

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500
geht ja sogar noch. Deren Kabel für 1300 muß ich aber nicht kaufen, oder?

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Nun, nach oben gibt es keine Grenzen - das hier ist 35.000 Euro obere Mittelklasse:



Die Boxen sind die grösseren Brüder der Planets. Und Ersatzröhren für den Amp kosten so um die 400 Euro - eine. Nachdem die aber gematched sein müssen, sind jedesmal 800 Euro fällig. Und alle 10 Jahre sollte man alle sechs ohnehin austauschen.

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500 Euronen ?

Dann kriegen meine Eltern meine guten alten B&W und ich leiste mir die. Mal schauen wo man die in HH probehören kann.

Danke für den guten Tipp !

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Tz.
Deine Sorgen möcht´ ich haben...

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Ich schreibe ja nur über die beneidenswerten Sorgen...

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Naja,
500 für ein Paar Boxen von leidlicher Qualität (und diese hier scheinen besser zu sein) ist nun wirklich kein Wert, den man mit "nicht ganz billig" umschreiben müsste. Das ist ein ganz normaler Preis, der allerhöchstens deswegen bemerkenswert ist, als die dafür gelieferte Ware dem üblicherweise in den Saumärkten für ähnliches Geld über den Tresen wanderndem Ramsch haushoch überlegen ist. Für meine Selbstgebauten habe ich ja schon ca. 140 pro Stück an Material verbaut. Die gefallen mir zwar auch sehr gut, hören sich allerdings nicht nach Deiner Beschreibung an.

Insofern keine Überlegung den Post zu bringen. Sowas lese ich lieber als das PR-Gebashe ;-)

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Bleibt aber einmalig - sowas kauft man sich alle 10 Jahre. Wobei - ich habe mir vorhin das zweitgrösste Modell von Duevel angehört, mit einem 10.000 Euro Trioden-Vorverstärker. Würde ich mir nicht kaufen, aber so für einen Moment, wenn man Musik wirklich mag...

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...Das Holz passt übrigens sehr gut zum Fußboden ;-)

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Obwohl es eigentlich nicht das gleiche ist - der Boden ist natürlich gedunkelte, 125 Jahre alte Sumpfeiche - und die Boxen sind Kernholz vom Kirschbaum, das mit Politur gedunkelt wurde. Ist ein wenig Frickelei, aber am Ende hat man eben Unikate auf dem Boden und an den Lautsprechern.

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Bis auf die ausgefallene Optik, die einem gefallen mag oder auch nicht, fehlt mir das Verständnis wie das einseitige Bestrahlen einer Kugel ohne Eigenschwingung zu einem vollen Raumklang führen kann. Ich dachte immer dazu bedarf es min. zweier Schallquellen und einer Kugel oder man nimmt eben sowas...

Ich werd die aber in jedem Fall mal Probe hören. Mit La Cenerentola und Linkin Park

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Highend-Netzkabel
Ich würd ja so gern mal Schleichwerbung für einen guten, alten Freund von mir machen, der Highend-Netzkabel (aber auch NF- und LS-Kabel) eigenhändisch aus von ihm probegehörten Material baut und für einen Bruchteil dessen verkauft, was man für die Voodoo-Produkte da draußen bezahlen muss. Darf ich?

Also: Sein Shop heißt so wie die Überschrift hier ;-)))

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Wortschatzerweiterung
Alleine wegen diesem Wort "Tonmöbel" hat sich doch die Lektüre dieses Eintrags gelohnt. Ich denke, ich werde es in meinen Wortschatz aufnehmen und nie wieder vergessen. Herrlich... Tonmöbel... Tonmöbel... doch, hört sich gut an. Liest sich auch gut. ;)

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Ich mag das Wort auch: Lautsprecher sind undezent LAUT, und Boxen gefallen mir weder als Schachteln noch als Verb. Tönmöbel dagegen drückt genau die richtige Haltung aus.

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