: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Mittwoch, 24. Januar 2007

Sie lebt

Gerade kam durch das Telephon das erste Startgeräusch. Opels! Runter von unserer Strasse. Ich garantiere für nichts.

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AN: PR-Frau, oder ne, doch AN: Alle

Auch im IT-Bereich hat man als Chefredakteur Probleme mit der Email. Deren Tücken ist es zu verdanken, dass ich dieses erstklassige Beispiel journalistischer Unbestechlichkeit erhalten habe:
Liebe Frau Xxxxxxx,

Wir würden gerne eine Cover Story zu xxxxxx bringen. Ich hatte seiner Zeit mit Xxxxx Xxxx und auch mit Xxxx Xxxxx über diese Möglichkeiten gesprochen. Bitte erfragen Sie doch mal, ob jetzt nicht ein richtiger Zeitpunkt wäre...

Für eine Cover Story berechnen wir einen Unkostenbeitrag von 4000 €, da wir ein kleiner Verlag sind.

Ich antworten Sie mir bald, ob dies für Sie in Betracht kommt.

Mit freundlichen Grüßen,
Xxxxxxx
Immerhin: Auch eine Methode, um von Werbung unabhängig zu sein. Ja, das Ding ist frisch aus dem Posteingang und authentisch. Aus einer weiteren Mail zur Rechtfertigung an die Kollegen aus der gleichen Branche:
Wir wollen uns nichts vormachen, der Verkauf von Covern ist in unserer Branche üblich.
Eines muss ich noch dazu sagen: Die PR-Agentur, an die es gehen sollte, ist weder Edelman noch die Vanksen Group

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Lebensmittel für Berlin und Rechtliches

Lieber Freund,

ich bin heute extra früh aufgestanden, habe Schnee geräumt und bin dann gleich auf dem Wochenmarkt, um den versprochenen Saint Ceols zu kaufen. Der Händler hatte ihn nicht vergessen, schliesslich habe ich ihn letzten Samstag ermahnt, und so habe ich eine grosse Packung erstanden. Ich hoffe, Dich am Freitag oder Samstag zur Übergabe zu sehen; solange ist er im Kühlschrank, und der Transport erfolgt im italienischen Gefrierroadster, gleich neben den Torten und Pralinen. Mir selbst habe ich natürlich auch etwas davon besorgt, deshalb hier ein Vorgeschmack,

mit besten Grüssen

Dein Don Alphonso Porcamadonna



Das Brötchen gibt es übrigens hier nachmal in 1500×1038 Pixel Auflösung. Nicht nur, weil es eine famose Zwiebelsemmel vom "Hofladen im Moos" - die heissen wirklich so - mit Saint Ceols ist. Sondern auch, damit es für alle ein frei verwendbares Bild für Brötchen gibt, solange es nicht kommerzielle Anbieter, der Turi oder asslige Spannerphotographen und Blogversager der "Freundin" sind.

Denn an Bildern von Brötchen und Hirn scheint es zu mangeln. Statt dessen gibt es zu viele Anwälte. Viel zu viele Anwälte.

Anyway und allgemein, ich denke, den Zustand einer Gesellschaft kann man daran erkennen, wofür sie ihr Geld ausgibt. Nur in wirklich sehr hoch entwickelten Gesellschaften wie der unseren ist man bereit, Geld für Abmahnungen zu zahlen, selbst wenn es es ein zynisches Business für die Betreiber ist. In weniger entwickelten Gesellschaften wie meiner Heimatregion, dem sonnigen Sizilien, hätte bei einer grossen Menge von Betroffenen vermutlich jemand das Geld statt dessen seinem Freund Carlo dem Schäfer gegeben und ihm gesagt, dass nicht beides gleichzeitig heil sein kann: Seine Mannesehre und die Kniescheiben der anderen Seite.

Die Freude um die hochstehende Kultur unserer Gesellschaft jedoch verbietet es auch nur darüber nachzudenken, ob dieser sizilianische Weg nicht effizienter wäre.

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Der kommende Winter der alten Medien

Gestern war es endlich so weit. Das Esszimmer habe ich in einem sanften, sehr warmen Rotton gestrichen, weil ich eine Vision hatte: Wie es sein muss, wenn es draussen kalt ist und auf dem grünen Stadtpalast danaben der Schnee liegt, ich aber auf meinem Chesterfieldsessel neben der Heizung sitze, alles ist warm und angenehm, und vor dem Fenster, flankiert von zwei kleinen Stehlampen, die mein Leben in ein mildes Licht tauchen, erstarrt die Welt in Eis. Das war der Plan, und man sieht: Es war nicht die dümmste Idee meines Lebens.



Hier also lässt es sich gut überstehen. Die Arbeit, die hier verrichtet wird, ist angenehm, und das Büro hat auf der Festplatte genug Platz. Kabel sieht man hier nicht, die Daten kommen über die Luft, und da draussen ist keiner, der sich bei diesen Temperaturen einklinken würde.

Und damit bin ich auch real in einer Lage, mit der ich heute dem Journalismus gegenüber stehe, dieser alten, aussterbenden Gattung der Informationsvermittlung. Ich habe in den letzten Wochen mit sehr vielen Medienvertretern über Ideen und Konzepte gesprochen, und wenn ich etwas mitgennommen habe, dann ist es die Erfahrung der Erfrierungen, die Angst und Unsicherheit in ihnen hinterlassen haben. Die meisten sind sehr, sehr lange dabei, haben anerkannt weitaus mehr Erfahrung als ich, aber sie haben den Eindruck, "draussen" zu sein. Sie verstehen nicht mehr, was sich geändert hat, sie sehen, dass es kälter wird und andere dennoch auf selbst gekauften warmen Sesseln sind, aber wie das geht, ist ihnen nicht klar, und auch nicht zu vermitteln.

Schon gar nicht von meiner Seite aus. Ich halte mich für nicht reproduzierbar, ich bin eine "Marke", wenn man so will. Die Ironie, dass ich noch nicht mal real bin, ändert auch nichts an den Folgen der virtuellen Fakten. Es gab da einen Verlagsvertreter, der mir von Überlegungen erzählte, sich selbst so eine Art Blogbar oder Basicthinking aus seinen Redakteuren basteln zu wollen. Als ob man, nur weil man Shakespeare, Miller oder Villon liest, auch so schreiben könnte. Als ob man durch Dranhängen an die Themen der Blogs selbst gute Inhalte hätte. Als könnte man sich ein gewachsenes Interieur mal schnell bei Ikea zusammenkaufen. Dass sie es nicht öffentlich versucht haben, zeugt von einer gewissen Intelligenz, aber allen der Umstand, in welchen Strategien da gedacht wird, zeigt die Hoffnungslosigkeit der Leute auf.

Das Internet hat alles verändert. Ich weiss nicht, ob sich das schon mal jemand verdeutlicht hat - aber die beiden besten Tageszeitungen Deutschlands, FAZ und Süddeutsche, sind online recht kleine Nummern. Obwohl die Reichweite grösser ist, obwohl es nichts kostet - sie sind im Vergleich zu Wochenmagazinen die klaren Verlierer. Sogar der Stern mit seinem erbärmlichen Angebot liegt vor ihnen. Und was tun sie? Sie verklagen den Perlentaucher, weil er im Netz darauf hinweist, dass sie im Print gute Angebote haben. Es ist kalt da draussen, und schuld an der globalen Abkühlung ist die Verschmutzung des Internets, deshalb hassen sie es, wie ein dömonengläubiger Bauer des Mittelalters, der im Unwetter die bösen Geister und den Vorboten des jüngsten Gerichts sah. Was es definitiv nicht ist, es ist eine Veränderung, und die kann man gestalten. Indem man dazu beiträgt.

Und das ist das einzige, was sie von hier drin lernen können: Das Beitragen. Das Hergeben. Das Mitmachen. Das Licht ins Fenster stellen. Ein wenig Ehrlichkeit und persönliche Ansprache. ich höre immer nur, dass es nicht geht, aber ich habe die StudiVZ-Angriffe auch überlebt. ich sehe immer nur Kommentare mit Anmeldung und dann drei Kommentare, bis ich weiterclicken muss. Sie wollen keine Leser, sie wollen Clickvieh. Ich sehe niemanden, der überlegt, wie man von den Tausenderkontaktpreisen runter kommt, die Onlinemedien so schlecht nutzbar machen. Ich sehen Leute, die sich in den Schnee legen und dort verharren, weil es dort im Sommer ja auch warm war, es muss also gehen.

Und dann ist da noch die Sache mit der Zeit: Online ist schnell, aber es geht langsam. Markenaufbau und Glaubwürdigkeit im Internet ist ganz, ganz schwer, das geht nicht von heute auf morgen wie bei der Einführung eines Printtitels. Man muss es irgendwie schaffen, in eine Art "Blogroll", die Abozeitung des Internets zu kommen, dann hat man die Basis für eim solides Geschäft - wenn hier mal die Printkrise mit voller Wucht einschlägt. Ich habe dazu keine Statistik und keine Marktuntersuchung, nur eine Meinung, etwas Erfahrung und Zeit zum Nachdenken in einem warmes Zimmer.

Was aber schon sehr viel ist, verglichen mit den Machma-Idioten und Huschhusch-Scharlatanen, die landauf landab für den Ausbau der Onlinestrategien zuständig sind.

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Dienstag, 23. Januar 2007

Warum ich Blogbuzzevents meide

C., ich darf Dir hier öffentlich antworten? Ich danke Dir für Dein Bemühen, und irgendwann treffen wir uns einfach so. Es wird mir eine Freude und eine Ehre sein. Aber nicht auf dem Hypeevent vom Burda namens Digital Life Design, oder dem kleinen Pseudobloggerabklatsch im Dilo. Denn ich bin analog, und muss mein Dasein nicht designen. Allein der Titel stösst mich ab. Vor allem aber - die Leute. Ich will nicht unter ihnen sein.

Nicht unter denen, die das fotografieren.
Nicht unter denen, die sich so fotografieren lassen.
Nicht unter denen, die das ohne einen Gedanken online stellen.
Nicht unter denen, die jedes Detail in 24 bit Farbtiefe und in 3072 x 2304 Pixeln Auflösung brauchen.

Das, was meines Erachtens kongenial alles, das Drumherum, den Hype, die Gier nach Anerkennung und Kollektiv, den irrwitzigen Anspruch und das Scheitern der angeblichen digitalen Elite an der analogen Realität darstellt, das, was mehr ausdrückt als alles, was ich je sagen könnte.

Das. Und die gnadenlose Ehrlichkeit, die dem zugrunde liegt. So sind sie, so sehen sie sich, so lichten sie sich ab, so klatschen sie sich ins Netz, so ist ihr Digital Life Design.

Verstehst Du, C.? Es ist nicht meine Welt, und ich würde es nicht ertragen, Teil davon zu sein.

Mit Bitte um Verständnis,

Don

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Montag, 22. Januar 2007

navis resurrexit

Letztlich war es eine schlecht ausgeführte Reparatur vor zwei Jahren, die sich gerächt hat. Damals wurde statt einer neuen Metallspannrolle eine billige, bekanntermassen anfällige Plastikrolle verbaut. Die ist bei 6.500 UpM gebrochen, darauf hin hat es den Riemen zerrissen, die Kurbelwelle verbogen, und die Ventile verformt. Der Zylinderkopf sieht auch nicht mehr gut aus. Was halt so passiert, wenn 131 PS an den Teilen zerren. Zum Glück ist es passiert, nachdem ich die junge Dame bereits abgeliefert hatte, sonst hätte ich mir auch noch dumme Sprüche ihres Lexus fahrenden Papas anhören dürfen. Ich habe keine Vorurteile, aber Lexusfahrer reden auch nur so dumm daher, bevor die erste Reparaturrechnung kommt. Wie auch immer, beim Beschleunigung gab es ein Concertino diverser Blechinstrumente, und dann stellte ich fest, dass sich die Barchetta prima allein schieben lässt.



Es ist, liest man im Internet, nicht selten, dass dergleichen geschieht. Es ist ein blödes 40-Euro-Teil, um das es geht, aber wenn es bricht, geht gar nichts mehr. Gerade bei hohen Drehzahlen. Dann ist es vorbei, und es lohnt sich bei einer Barchetta auch nicht. Der Wagen testet gerade die Tiefen der Gebrauchtwagenpreise aus; meine dürfte vor dem Schaden noch 3500 bis 4000 wert gewesen sein. Jezt heisst es also Abschied nehmen vom kleinen, bösen Monster, dem pfeifenden Tod.

Sagte man beim Fiat Vertragshändler. Aber es gibt ja noch Kemal. Kemal ist Gebrauchtwagenhändler, hat schon meinen alten Fiat Punto genommen und bekam nach der Abfuhr beim Händler die Barchetta zu sehen. Er meinte, wenn ich einen Ersatzmotor bekäme, dann wäre das kein Problem, dem kleinen Biest wieder Leben einzuhauchen.



Vor kurzem stand eine gelbe Barchetta, Baujahr 1995, an einer roten Ampel in der Nähe von Koln. Ein belgischer (!) Lastwagenfahrer muss kurz eingenickt sein, jedenfalls übersah er Licht und Auto und krachte ungebremst in den Roadster, kletterte halb auf den Kofferraum und schob ihn über die Kreuzung. Da geht nichts mehr. Eine Schönheit weniger. Aber der Motor läuft und ist gesund, und dieses neue Herz steht jetzt bei Kemal.

Ihr Opel- und Lexusfahrer und ganz besonders alle Besitzer von CC-Blechdach-Nichtroadstern wie SLKotz, 2nullsex, Miatanuttenflitscherl oder aktuell 3er BMW, der Traum der Oberpfalz: Die Strasse gehört Euch nur noch bis zum kommenden Freitag, 10 Uhr.

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Ohne Worte

"Indessen soll Edmund Stoiber nach Ansicht der CSU-Arbeitsgemeinschaft Union der Vertriebenen und Aussiedler (UdV) Ehrenvorsitzender der Partei werden."

von hier.

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Hier kocht der Chef

Heute auf der Speisetafel der Blogbar: Zwei Blogleichen und viele, die auch nicht mehr gut aussehen. Dessert kommt gleichvz.

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Jerushalaim shel zahav

Ich bin demnächst wieder in dem Land, das von sich behauptet, die Heimstatt meinesgleichen zu sein. Und ich bin nicht in Philistershausen aka Tel Aviv, sondern in Jerusalem. Mit Notebook, Digicam und Internet. Jerusalem ist zwar im Februar ein kalter Steinklotz in der Pampa voll mit Irren jeglicher Coleur, aber hey! Was soll´s, solange mich da keiner zum heiraten und da bleiben zwingt. Und selbst Jerusalem ist besser als "down there". Wo ich das letzte Mal war.

Was ich neben Ramallah nicht bringen kann, will und werde: Don an der Klagemauer. Never ever. Aber falls jemand Interesse hat an einigen Sehenswürdigkeiten, werde ich etwas rumlaufen, knipsen und ansonsten berichten, wie das so ist, wenn man plötzlich nicht mehr in der Minderheit und die neue Mehrheit durchgeknallt ist.

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Montag, 22. Januar 2007

620 - 500

Genauso, wie Leistungssportler nie aufhören sollten, den Körper zu trainieren, sollten Kulturhistoriker alle paar Wochen die Erinnerung auffrischen. In meinem Fall heisst das: Datierung, Datierung, Datierung. Datierung ist bei uns alles. Und nirgendwo geht das besser als in der Abgusssammlung, wo es keine erklärende Texte gibt. Diesmal mein absolutes Lieblingsthema: Peplos-Koren. Der Wandel von der archaischen Wechselansichtigkeit zur klassichen Vollplastik. An den Brüsten der Frauen hat sich das Gestaltungsproblem entzündet, daran haben sich die Bildhauer angearbeitet, bis dann am Ende die Schönheit steht, die man gemeinhin als klassich empfindet.









Wobei man - nach meinem persönlichen Geschmack - 540 vor unserer Zeitrechnung eigentlich hätte Schluss machen sollen mit der Entwicklung. Denn 540 sind die Koren irrealistisch schön, entrückt, geheimnisvoll und doch erfassbar - danach wird es vulgär, banal und echt.

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Mitleid für Stoiber?

Beckstein, Huber, Seehofer und so ziemlich alle ausse vielleicht der Söder - was müssen sie alles die letzten Jahre in sich hineingefressen haben. Schon die Nachrufe auf Stoiber waren nicht gerade von Trazrigkeit geprägt. Und jetzt kommt es durch, in Nebensätzen, in Vorschlägen wie dem Rat, doch bitte ein wenig schneller den Platz zu räumen, damit die Klüngelei der Putschisten umgesetzt werden kann. Ohne Basisentscheidung, Mitsprache der Gremien oder gar Parteitage. Stoiber wird entfernt wie ein Mafiaboss, den seine ehemals Getreuen in den Teppich wickeln und zum Hinterausgang hinaus tragen. Es sind seine Paladine, die es tun. Seine Helfershelfer, Söldner und Handlanger. Er stirbt durch die, die er früher gegen andere die Dolche wetzen liess. Gloster auf Bayerisch, könnte man sagen, würde denn Stoiber jemals so geschliffene Sätze des Bösen von sich geben.



In aller Boshaftigkeit präsentiert sich hier eine Partei mit ihrem Innenleben. Ein paar Wochen darf man zusehen, wie es ausschaut im schwarzen Herzen der liebevollen Volkspartei, dann ist Schluss, und man wird für alles eine Lösung gefunden haben, für Machtgeilheit, Prunksucht und Einflussbereiche. Man wird die Claims abstecken nach Chicago-Art, die Leichen mit Beton um die Füsse im Wasserwirtschaftsamt begraben, und sich dann wieder zuprosten. Denn hier denkt keiner daran, auch nur in Erwägung zu ziehen, dass das bayerische Volk den Ministerpräsidenten durch seine Wahlentscheidung bestimmt. Hier glaubt man an den Willen der Mächtigen und ihrer Truppen, die im Finsteren agieren, an die nackte Gewalt und den Stahl, der die Sehnen des Gegners durchtrennt. Das ist ihr Credo, das beten Sie jede Nacht, so haben sie immer gelebt und es wird immer so sein.

Glauben sie. Aber es würde mich wundern, wenn es so wäre. Das, was unter Strauss ging, geht heute nicht mehr. Das innerfamiliäre Problem, das unter Stoiber das Ende bedeuten konnte, spielt keine Rolle mehr. bayern hat sich verändert, wie auch die CSU - inhaltlich. Moralisch ist es immer noch die gleiche Saubande, die ihren zusammengehechelten Abstand zum Zeitgeist als Aufrichtigkeit verkauft. Sie hat es immer geschafft, den Abstand richtig zu wahren und ihre Verlogenheit als Aufrichtigkeit zu verkaufen - aber diesmal könnte es sein, dass es die Partei zerreisst wie einen alten Strick bei einer Bergsteigergruppe, die zu sehr daran zerrt.

Mal schaun, wen es dann in die Tiefe reisst. Denn helfende Hände wird es dann nicht geben.

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Sonntag, 21. Januar 2007

Antiquariate Steinbeiss & Rezek, Amalienstrasse 63

Buchhändler sind meist Charaktere - zumal, wenn sie nicht in grossen Ketten arbeiten und Spezialinteressen haben. Charaktere jedoch vertragen sich oft nicht gut, und im Fall von Münchens Maxvorstadt kommt noch eine gewisse Konkurrenzsituation dazu: Hier werden die grossen nachlässe emeritierter Geisteswissenschaftler zerteilt, einsortiert und wieder unter das Volk der Wissenschaftler gebracht. Hier geht es um die richtigen Bekanntschaften, um das Wissen um Krebs und Hirntumor, und darum, wer als erster zuschlägt. Das moderne Antiquariat ist hier weniger die Bedrohung als der nächste Händler, der dann kistenweise Raritäten ergattert.

Schlachtfeste sind es, aber Freundschaften oder Absprachen werden dadurch nicht unbedingt gefördert. Diese Ecke hat ihre Geschichten voller Niedertracht und Bosheit, manches Buch, das in einem Antiquariat gestohlen wurde, landete dann in einem anderen Geschäft - vor 12 Jahren etwa gab es mal einen Fall, an dessen Ende ein Antiquariat verschwand. Den Büchern ist´s egal, denn was älter ist als 200 Jahre dürfte sicher schon mal verborgt, gestohlen oder abhanden gekommen sein. Den Menschen jedoch, diesen kurz Besessenen, treibt die Leidenschaft zu wenig erfreulichen Handlungen.

Aber es gibt auch Ausnahmen wie die Antiquariate Steinbeiss und Rezek in der Amalienstrasse. Der Laden hat eine Tür, aber zwei Fenster, zwei Sitzplätze und zwei Verkäufer, denen jeweils ein Antiquariat innerhalb des Raumes gehört. Aber was für ein Raum!



Es ist dies ein Antiquariat, wie es sein muss, voller ledergebundener Bände, die dicht an dicht die Regale füllen; ausgewählte Kostbarkeiten, die die höchste Zier der Bibliomanenschränke sein könnten, wenn man sie sich leisten kann. Da gibt es manches, was einen verzweifeln lässt, und anderes, was man günstig findet. Der Eingang in die Leidenschaft wird bei schönem Wetter flankiert von Bücherfallen und Kisten mit Stahlstichen, an denen vorbeizugehen schwerer fällt, als nicht jedes Mal aufs Neue etwas darin zu finden. Es könnte in Paris sein, in der Altstadt von Madrid, es könnte Jahrzehnte her sein - aber das täuscht, denn in Wirklichkeit sitzt die Kundschaft in der ganzen Welt, und wird über das Internet mit dem Neuesten aus dieser scheinbar verwunschenen Welt versorgt.

Unvergleichlich jedoch ist das Echte, wo sich Trümmer von Jesuitenbibliotheken zu Originalen von Rousseau gesellen, wo eine halbnackte Columbine unter den Stichen von Melanchthon und längst vergessenen Professoren ihre Brustwarze entblösst, und die schlampig gebundene okkulte Schrift mit der Literatur eines Aufklärers im roten Leder und goldenen Adelswappen vereint auf die Süchtigen dieses Viertels warten. Man kennt sich, man ist länger Kunde und wird möglicherweise auch irgendwann wieder Anbieter sein, wenn es irgendwann hinausgeht auf den Friedhof, doch das ist egal, solange man noch kaufen kann. Schlimm ist es, wenn die Tür verschlossen bleibt, doch das Warten lohnt sich, die Wege hierin der Maxvorstadt sind kurz, bald kommt einer und sperrt denen auf, die Einlass begehren.

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He, ihr verfickten PRoleten,

Virusimarschalmarketeers, Abschaum der Blogosphäre und hungrige Scharlatane auf der Schleimspur derEntrepreneure, ihr verkommenes Lumpenpack von Küchentischagenthuren und was sonst noch hoffentlich bald in Richtung nächster Hype davonkriecht: Hier könnt ihr lesen, was passiert, wenn Ihr Euch angeblich "Nichtkommerziell" und "Kulturell" an den falschen Blogger ranschleimt:

Original 1
Original 2
Original 3
Original 4

Kurzversion an der Blogbar

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Welche Firma schreibt sowas auf ihre Website?

Aufgrund von Optimierungen steht Ihnen unser Zubehör-Katalog derzeit leider nicht zur Verfügung.

Auflösung im Kommentar

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Samstag, 20. Januar 2007

Der Sturm (Münchner Ausgabe)

Wenn ich schon mit der Bahn fahren muss, dann wenigstens mit einem Buch voller Weltekel und Erinnerung an eine Stadt, die das stürmische München auch an diesem grauen Tag als glanzvolle Metropole erscheinen lässt.



Hier folgen dann einige Erlebnisse, über die Stillschweigen vereinbahrt wurde. Inclusive eines Essens mit einer der Frauen, für die einen andere Männer mit Blicken meucheln wie Beckstein und Huber den Stoiber, und für die man eigentlich einen weissen Smoking tragen müsste, um auch nur ansatzweise diesen Erscheinungen zu entsprechen, die einem Hollywoodfilm der 40er Jahre entsprungen sein könnten. Mit abschliessender dramatischer Bahnhofsszene, der Held verabschiedet sich von der Schönheit, um dann übernimmt der Sturm die Regie.



Es ist 11 Uhr in München, und nichts geht mehr. Um mich herum treiben verständnislose Koreanerinnen und fluchende Bayern, und wenn es mich nicht selbst betreffen würde, wäre das ein schönes sündenloses Babel, denn draussen hat der gar nicht mal so starke Wind die üblichen Gestalten des Bahnhofsviertels weggeblasen. Bleibt also nur die typische Notunterkunft für schlechtere Söhne aus besseren Familien.



Neuer Tag, neues Glück, überall gehen die Züge wieder. Steht auch an der Tafel am Hauptbahnhof, 12.30 schlecht der Regionalexpress Richtung Heimat. Ich kaufe ein Ticket, setze mich in einen fast leeren Zug, und komme so gegen 13 Uhr auf den Gedanken, dass hier etwas nicht stimmt. Das Blau der Hoffnungslosigkeit leuchtet von den eben noch verheissungsvollen Tafeln, nichts geht mehr, wie sich dann, nach längerem Warten, herausstellt. Spätestens im nächsten Leben werde ich Autotester, und wenn´s Opel Ford sein muss.



Von der U-Bahn aus tue ich etwas, das ich seit dem Tag nicht mehr getan habe, als mir ein anderer Wagen in die Flanke meines Autos gedonnert war, also vor nunmehr 12 Jahren: Ich rufe meine Eltern an, mit der Bitte, mich mit dem Auto abzuholen. Schliesslich hat sich der Sturm jenseits der Bahntrassen als lausigs Lüfterl mit der Standfestigkeit eines CSU-Hinterbänklers angesichts eines 10-Euro-Scheins oder eines Ministerialratspostens mit Dienstinternet zu den Seiten mit den jungen Frauen erwiesen. Die Rettung des Stammhalters mit der Laune einer schlecht gefütterten Haukatze sollte kein Problem sein. Zum Zeitvertreib und nach der Freakshow des öffentlichen Nahverkehrs - wer sagt eigentlich, dass der Stau auf dem Altstadtring ein Problem ist? - hat der Gott, der München schuf, die Antiquariate erfunden.



Und der Teufel die Buchhändler.

Spass beiseite: Er kam wirklich gleich wieder. Und morgen schreibe ich über dieses wunderschöne Schwabinger Antiquariat.

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Die News des Tages

Ich bin da, Stoiber bleibt weg.

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Donnerstag, 18. Januar 2007

Zum ersten Mal

seit 8 Jahren muss ich mit einem Zug fahren. Das letzte Mal war München-Berlin, zwecks Zwangsarbeiterinterviews. Ich habe jede Sekunde gehasst. Ich hasse Züge, öffentlichen Personennahverkehr, U-Bahnen, alles und überhaupt. Ich fahre, das gebe ich zu, gern Auto auf lange Strecken. Bis 10 Kilometer mache ich praktisch alles mit dem Rad. Nur heute. Muss ich mit dem Zug fahren.

Meine Laune ist jetzt schon unterirdisch.

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Und dann nahm der Blogbarkeeper die Uzi

und ballerte über die Köpfe der Holtzbrinckler und ihrer helfenden Journaille, die den Longdrink "Alte Scheisse, neu gequirlt" mitbrachten, sein Motto in die Wand seiner Kaschemme:

Keine Gnade für niemanden.

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Mittwoch, 17. Januar 2007

Liebe Hamburger!

Wenngleich ihr einem dunklen, verhuzelten, semitischen Bayern auch stets einen genetisch-blonden Schock verpasst habt: Ich fand Euch ok. Echt jetzt. Ein wenig wortkarg und kühl, aber das ist bei Euch so, ich weiss. Dass Ihr heute Nacht vom Orkan ins Meer geblasen werdet, ist wirklich ein Verlust, und bis zur Uckermark, steht zu befürchten, wird die Nordsee nicht kommen. Solltet Ihr Euch entschliessen, heute Nacht doch nicht den nassen Seemannstod zu finden: Hier in Bayern stehen ein paar Sofas und Betten für die ersten Notunterkünfte bereit, und irgendwann werden die Fluten das Land, dann blankgeputzt von Airbus, VW, Medien2klitschen, SinnerSchraders Torah Whoras und Reeperbahn, wieder ausspucken zur Neuaufsiedlung. Ja, ein hartes Schicksal, aber als meine Vorfahren im Grossraum Jericho Freizzeitparks errichteten, mussten Eure Vorfahren auch erst mal postglaziale Steppen nach Bäumen zum Draufklettern absuchen - im Spiegelhochhaus haben sie sich ja auch oben gehalten. So trug und trägt eben jeder sein Schärflein. Kleiner Hinweis: Nachdem das Spektakel eh nur ein Zwischenspiel der globalen Klimakatastrophe ist, solltet Ihr vielleicht auch gleich überlegen, doch wegzuziehen. Weil, wenn das Wasser steigt...

Wie auch immer: Alles Gute da oben.

Äh.

Oder unten, wenn man es vom kommenden Meeresspiegel aus betrachten will.

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Ich finde, mein Kashändler traf es am besten,

als er sagte: Soitn is Bolotig so intaressant, ned waoh.

Über den Rest des heutigen Wochenmarktes müsste man ein deftiges Volksstück schreiben. Selten so gelacht.

Edit: ich treffe morgen ein paar Haifische und ihre Anwälte in München, da wird das hier zu grosser Heiterkeit führen:

"Als Anwälte der von diversen Medien als "Geliebte des
Bundesministers Horst Seehofer" bezeichneten Person, erlauben wir uns, folgendes mitzuteilen: [...] Sämtliche Berichte über unsere Mandantin unter Wiedergabe des Bildnisses sowie der Nennung ihres Namens verletzen ihr allgemeines Persönlichkeitsrecht."


So kann man es der Presse natürlich auch sagen im Auftrag von Frau "als "Geliebte des Bundesministers Horst Seehofer" bezeichnete Person". Abmahnungen stelle ich mir da lustig vor.

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Digitale Videokamera

Ich habe alles gemacht, was man in den Medien so machen kann - ausser Video. Eines habe ich mal gedreht für ein Kunstprojekt, das sah dann aus wie eine Mischung aus Polylux, Ehrensenf und der Neujahrsansprache von das Merkel. So schlimm, ja.

Trotzdem werde ich mittelfristig eine Videokamera brauchen. Und weil ich sie wie jedes photomechanische Gerät unter harten Bedingungen einsetzen werde, muss sie was aushalten. Ausserdem muss sie eine Möglichkeit haben, alles aufs Notebook zu übertragen (am besten eine Speicherkarte statt der Kasetten) , sie sollte nicht zu teuer sein und ausserdem über einen Mikrofoneingang verfügen. Hat da jemand Ahnung?

(Wegen solcher Fragen liebe ich Blogs. Wenn ich was nicht weiss, muss ich noch nicht mal durch fragwürdige Kaufberichte googlen)

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Dinge, die nicht im Blog stehen

Was man nur vorliest, versendet sich. Ausserdem habe ich in Berlin glücklicherweise keine Verwandschaft. ich sag´s mal so: Im 250 km Umkreis meiner Heimat würde ich das nicht tun.



Einen ähnlichen Nichtheimspielvorteil haben auch Lyssa, Modeste und das Wortschnittchen - und wehe, jemand erzählt es meinen Eltern!

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