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Sonntag, 11. Februar 2007

Vergleichsbilder

20 Kilometer vor München, 7.10 Uhr, und der Föhn reisst die Wolkendecke übder den dunklen Tannenwäldern auf. Ein perfekter Spätwintertag in Bayern, strahlend blau, knapp über 0 Grad und Fernsicht bis zu den schneebedeckten Alpen. Das hat schon was.



Etwas weniger als 10 Stunden später: 5 Kilometer vor Jaffa strahlend blauer Himmel und goldglänzendes Mittelmeer. Wolken gab es ungefähr seit Zypern nicht mehr, und draussen hat es lauschige 19 Grad, gerade nicht zu warm, wenn der Wind sacht die Palmen bewegt.



Das hat auch was. Es ist Februar, und die Managerin des Hotels erklärte mir gerade, wie man hier den Ventilator bedient, wenn es zu heiss wird, und wo es zur Dachterasse zum Frühstücken geht. WLAN ohne Ende gibt es hier auch. Und vor der Haustür ist der alte Flohmarkt von Jaffa.

Lässt sich nicht schlecht an, das alles. Nachher mehr im GTblog.

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Samstag, 10. Februar 2007

Das schlimmste an Israel

ist dieses Gefühl, dass auch Ari Nichtjud sonst jeder kennen dürfte, von Beerdigungen nämlich: Diesen seltsamen Drang und die Angst, etwas Unpassendes zu tun. Irgendwie ist da etwas, das raus muss. Es ist nicht schön, aber es ist da. Und bei mir ist es immer da, wenn ich nach Israel fahre.

Da ist zum Beispiel die Idee, morgen im El-Al-Flieger die Stewardesse nach treifem Essen zu fragen. Ich bin Arier nur als VegetArier und ernähre mich damit de facto koscher, aber dennoch, in der Situation eine Schweinshaxe zu verlangen...

Überhaupt. Dass Israel als "gelobtes Land" durchging, ist nur urch 40 Jahre im Sinai zu erklären. Ich schätze, die Jungs, die meine Vorfahren waren, hatten gegenüber dem drittklassigen, zurückgebliebenen Bergland an der Trasse zwischen zwei Hochkulturen das gleiche pragmatische Gefühl, das man kennt, wenn man nach 3 Wochen in einer verwanzten Bruchbude in eine 1-Stern-Pension umzieht. De facto lief das eher so, dass sie am Rand der Wüste sassen, die Kanaaniterregion nicht prickelnd fanden, und erst weiterzogen, als ihnen klar war, dass die Alternative in alle anderen Richtungen weiterhin Wüste bedeutet.

Von all dem anderen will ich hier gar nicht reden. Ich hoffe, ich entgehe den Arschkrampen der Hamas ebenso wie den Cousins dritten Grades und ihren bescheuerten Vorstellungen von meiner Verheiratung. Ich bin übrigens in Jerusalem, dort, wo die Idioten gerade die 4. Intifada vorbereiten. Und ich möchte hier ganz ehrlich sein: Gebt ihnen die bescheuerten Gebiete und den Tempelberg und ein paar Ecken von Jerusalem und den Golan, solange ich die nächste Woche nicht alle drei Stunden von irgendwelchen Verwandten angerufen werde um zu sehen, ob ich noch in einem Stück rumlaufe. Ich meine das Ernst, Freunde: Zionismus ist gerade unter uns chronisch überbewertet, genauso wie der Alaksaismus der anderen.

Naja. Vielleicht liest das ja einer der Gewissensprüfer, bevor ich morgen versuche, an Bord einer El-Al-Maschine zu gelangen, und lässt micht nicht rein. Nach dem Motto, bescheuerte Juden gibt´s eh schon zu viele da unten, noch einen brauchen wir nicht.

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Freitag, 9. Februar 2007

Kleinstanzeige

Vor vier Jahren stand ich kurz davor, in München einen neue Wohnung zu bekommen. Nicht, dass ich mit meiner alten Wohnlage unzufrieden war - die Maxvorstadt ist immer noch das schönste Viertel Münchens - aber es gab die Überlegung, dass meine Schwester ebenfalls eine neue Wohnung bekommen sollte. In der Rumfordstrasse, wo München auch nicht gerade hässlich und nur 5 Minuten vom Viktualienmarkt und 7 Minuten vom Marienplatz entfernt ist. Dort wurde ein Haus saniert, dessen Käufer sich angesichts der damals in München sinkenden Mieten übernommen hatte und dringend frisches Kapital brauchte. Die Wohnung, an die meine kleine Schwester dachte, lag zur Strasse raus im ersten Stock, war seit Jahrzehnten nicht mehr renoviert worden und verfügte über eine Badewanne im Wohnzimmer und ein Loch im Boden, durch das man sich in den Laden darunter stürzen konnte wie der lernresistente Seriengründer in die nächste Pleite.

Kurz: Die Wohnung war katastrophal und wäre ausserhalb des mittleren Rings unverkäuflich gewesen. Dennoch war es für meine Schwester die Wohnung, gross, Flügeltüren, Stuck, Parkett, wo kein Loch war, und das Bad bekäme man auch irgendwie hin - nur das dicke Hauptabflussrohr, das würde bleiben. Was will man meckern, bei einem Sonderangebot von 2400 Euro pro Quadratmeter. Noch billiger wäre es geworden, hätte man im Hinterhaus ein Loft dazu genommen, 58 m², zur freien Aufteilung einer ehemaligen Schreinerei. Man hätte einen Paketpreis für beide Wohnungen gemacht, und rückblickend war das Loft wirklich günstig, im Gegensatz zur Wohnung zur Strasse und zur Strassenbahn und dem Loch im Boden.

Es gab schon einen Notartermin, einen Vertrag, dann nochmal den Wunsch nach Korrekturen in letzter Minute auf seiten des Verkäufers, einen Streit - und dann kam alles ganz anders. Einerseits bekam ich das Loft nicht, andererseits konnte ich beruflich weiterhin was anderes machen, als die Wartung der runtergekommenen Schrottimmobilie meiner Schwester zu übernehmen. Nach Berlin gehen, zum Beispiel. Aber jetzt bin ich wieder dazu auserkoren, nach München zu gehen, und deshalb habe ich micht die letzten Tage etwas umgeschaut - und auch schon das Passende gefunden.



Der Haken: Diese Wohnung, auf deren Blechdach man eine wunderbare Dachterasse anlegen könnte, ist nicht zu verkaufen. Aber genau sowas suche ich. Unrestauriert, alt, oben, zum Selbermachen. Normalerweise geht man mit solchen konkreten Vorstellungen hin und sucht sich die passende Immobilie raus. Nur ist München keine normale Stadt. München ist unfassbar. Es ist nicht so, dass ich das nicht wüsste, aber wenn es einen selber trifft - bleibt man sprachlos zurück. Und dabei habe ich durchaus die nötigen Mittel und die nötigen Beziehungen. Trotzdem geht da absolut gar nichts zusammen.

Bleibt nur die Hoffnung, dass die EADS ihre Drohung wahr macht und 2500 Mitarbeiter aus München nach Manching verlegt. Individuell mag das furchtbar sein, aber für mich ist es in jedem Fall ein Gewinn: Angesichts der provinziellen Wohnungsknappheit erreichen wir dort endgültig Münchner Preise, und dort wird es dann billiger. Oder der Preisanstieg wird zumindest weniger drastisch ausfallen. Trotzdem wüsste ich langsam mal gerne, wer sich in München eigentlich noch Wohnungen kaufen kann, wenn es bei mir schon nicht leicht zu werden verspricht.

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Donnerstag, 8. Februar 2007

My dochnichtblog - Kleine Probleme bei 20six und Myblog

Vor ziemlich genau einem viertel Jahr habe ich hier eine neue Vergleichsgruppe von 30 Blogs aufgemacht und dargestellt, um zu überprüfen, wie inzwischen Blogs beim nach Eigenaussage grössten deutschen Bloganbieter Myblog genutzt werden. Eine erste Gruppe von 120 Blogs, die vor 2 Jahren angelegt wurde, hat bei Myblog lediglich einen einzigen Überlebenden. Und siehe da: Von den 30 neuen Bloggern schreibt nur noch ein einziger in den vergangenen vier Wochen. Das Ergebnis sieht so aus: 18 neue Blogs wurden nie befüllt, 5 haben nur einen ersten Beitrag, 7 haben mehr geschrieben und nur einer hat die ersten drei Monate durchgehalten. Wie sagte nicht einer so schön:
Ich komm kaum dazu hier rein zu schreiben und wenn ich dann mal Zeit hab, hab ich irgendwie keine Lust..

Das wirft ein etwas getrübtes Licht auf die Myblog-Zählung, die von sich behauptet:
Derzeit 406692 Blogger.
Nachdem Myblog und der Bloghoster 20six im Prinzip identisch sind, kommen dadurch nochmal "35897 angemeldete Blogger" dazu - macht rund 440.000 aktuelle Anmeldungen. Über deren tatsächliche Aktivität liesse sich hier trefflich spekulieren - ich vermute, dass es nicht allzu gut um die Zahl der realen Blogger bestellt ist. Dass es nicht wirklich gut aussieht, zeigt sich dankenswerterweise beim Internetmessdienst Alexa - mit aller aufgrund der Messmethoden gebotenen Vorsicht:



Wir sehen hier die Entwicklung von Myblog.de und der deutschen, englischen und französischen 20six-Versionen. Und den Bloghoster Twoday.net, dessen Wachstum in etwa dem entspricht, was man aktuell auch von Blogger.de, Blog.de und Blogg.de so kennt: Stetiges Wachstum, gewisse Schwankungen, aber eindeutig mittelfristig deutlich nach oben. Bei Myblog gibt es seit 2006 eine Seitwärtsbewegung mit Tendenz nach unten, während alle 20six-Domains abstürzen. Das hat mutmasslich nichts mit der Umstellung von 20six auf Myblogsoftware zu tun, denn obwohl der Wechsel in Frankreich und Deutschland mit über einem Jahr Abstand durchgeführt wurde, ist die Entwicklung vergleichsweise ähnlich.

Über die Ursachen kann man spekulieren: Meines Erachtens ist die Schwäche von 20six/Myblog immer ihre Fixierung auf geschlossene Communities von Teenieblogs gewesen. Ich vermute, dass sie indirekt gerade von Anbietern wie Microsoft Spaces oder Myspace gefressen werden: Die alten Mitglieder der deutschen Plattform hören nach einer Weile auf, und der Nachwuchs geht statt dessen zur cooleren Konkurrenz aus den USA. Dafür, dass nach alten Zählungen von 2004/5 Myblog tatsächlich rund 50% der aktiven deutschen Blogs hatte, ist diese Veränderung nicht weniger als dramatisch.

Besonders, weil die 20six AG eigentlich eine Wachstumsgeschichte vorweisen müsste. Denn mit 18% hängt bei 20six der Wagniskapitalgeber U.C.A. mit drinnen. Und für einen möglichen Börsengang wurden schon mal die Medien informiert. Angeblich sollte der IPO jetzt im 1. Halbjahr 2007 kommen, inzwischen wird nur noch 2007 kommuniziert. Fragt sich nur, welche Geschichte man den möglichen Aktionären verkaufen will - und ob die sich so leicht die Geschichte von der verdoppelten Usage alle 6 Monate andrehen lassen, wie mancher Möchtegern-Journalist.

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Donnerstag, 8. Februar 2007

Elite

Als ich letzte Woche in Berlin gelesen habe, waren auch ein paar Geschichten über den sozialen Status meines Umfelds dabei. Einige Abende später war ich mit einer dort anwesenden Person essen, und die wollte wissen, ob das wirklich so ist. Die Antwort ist: Nein. Das Umfeld ist in Wirklichkeit nur halb so amüsant und mitunter dermassen banal, dass ich oft nicht weiss, wie ich das in eine Geschichte packen soll. Heute war es wieder so weit.



Das ist die Sohle eines Stiefels von Alberta Ferretti; eine Marke, die eifrigen Betrachterinnen von "Sex and the City" bestens bekannt sein dürfte. Es ist dunkelrotes Schlangenleder, der Preis war 566 Euro, wie auf der Schachtel zu lesen ist, und wie man an der Sohle sieht, ist die bisherige Besitzerin damit nur einmal auf und ab gegangen und hat sich einmal um 90 Grad vor dem Spiegel gedreht. Und dann gekauft.

Und danach nie mehr getragen. Heute hat sie sie faktisch weggeworfen. Oder, besser gesagt, mir mitgegeben, damit ich sie entsorge. Weil sie keinen Platz mehr hat.

Das ist die ganze Geschichte. Mehr gibt es nicht zu schreiben.

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Warum Vanity Fair scheitern wird

Wer wie ich aus dem reichen Westen und hier wiederum aus dem kommt, was man früher mal "bessere Gesellschaft" nannte und unter Zuhilfenahme höherer Töchter gezüchtet wurde, muss sich Vanity Fair nicht kaufen und noch nicht mal anschauen, um zu begreifen, warum das nichts werden kann. Denn diese Zeitschrift ist mit diversen Geburtsfehlern behaftet, und schlimmer: Schon die Gebährmutter ist der eigentliche Grund, warum man das Wechselbalg besser abgetrieben hätte, bevor man das Umfeld so restpektabler Punlikationen wie "Praline" und "Penthouse" mit so einem Produkt der Ahnungslosigkeit verdreckt.

Es geht um den Kopf des Ganzen, Herrn Poschardt, dem über die Tom-Kummer-Affaire gestürzten Ex-Chefredakteur des Tempo-Imitats SZ-Magazin. Ulf Poschardt wird Vanity Fair Deutschland zielgenau vor die Wand fahren. ich will mich hier nicht über die immer gleichen Versagerkreise auslassen, die von Verlag zu Verlag als "Hoffnungsträger" die Runde machen und die durch Praktiausbeute und Bestechung eingesammelten Gelder rausblasen, sondern lediglich darauf verweisen, woher Poschardt kommt, und warum es nichts werden kann.

Denn dieser Herr war schon länger in Berlin. Nicht nur in Berlin, sondern schlimmer: Beruflich im Springer-Hochhaus, als Creative Director von der Welt am Sonntag, einem Surrogat eines reaktionären und defizitären Provinzblatts, das mit seiner Autorenmischung aus Neoconnards, Lobbyleibeigenen, Contentdieben und banaleren Abschreibern so kreativ wie die Speisekarte des Dorfwirts "Zur Post" in Buxheim ist, dort, wo immer nich die Bilder der Kriegsgefallenen über dem Stammtisch hängen und der Daddelautomat Baujahr 1978 das zweitmodernste Einrichtungsstück nach der Glotze ist. Zur Ehrenrettung der "Post" - obwohl die Speisekarte sprachlich genauso eintönig ist, sind die Ergebnisse besser als bei der "Welt".

Aber noch nicht mal das würde den Sarg für die Vanity Fait zumachen. Es gibt was Schlimmeres als die Welt im Springerhochhaus. Das Böse ist ganz oben. Und wer dort gern hin will - das wollen alle bei Springer - bekommt den falschen Blick auf die Welt da draussen. Denn ganz oben sind die Repräsentationsräume von Axel C. Springer, die inzwischen liebevoll restauriert sind. Und wer öfters dort ist, gewöhnt sich daran und nimmt den Geist in sich auf. Das, meinen die Herrschaften, ist dann ein toller Raum, sowas will man erreichen, hoch über Berlin und sicher sehr teuer. Und dieser Blick, dieses Giftund dieses Ambiente von Axel C. Springer ist es, was Vanity Fair ruinieren wird, wie die Operettenkulisse des Republikpalastes die Optik der DDR-Bonzen krümmte.

Es ist nämlich so: Dieser bevorzugte Aufenthaltsort der Spinger-Oberen, die dort auf den Ledersofas lümmeln - ist aus Sicht der halbwegs modernen westlichen Elite das Gegenteil von angemessen. Die offen ausgestellten Sektkühler sind nur aus Blech und bei genauerem Hinsehen verbeult. Die Devotionalien des Hauses an den Wänden sind vergilbt, die Teppiche, die vorgeben, echte Perser zu sein, sind so echt wie die Mitgliederzahlen von StudiVZ ohne Abzug von Fakes, Ficksuchern und politschen Extremisten. Das Ding da oben soll gediegen wirken, sah aber aus wie ein Neureichentraum aus den 60er-Jahren, der vor allem einer nicht existierenden Legitimierung gewidmet war. Heute wirkt er wie eine B-Pornokulisse, schäbig, billig, ein englischer Pseudoclubb in einem hässlichen Hochhaus, definitiv nicht vorzeigbar und für Eliten des Westens allenfalls ein Kopfschütteln wert. Es mag Ausnahmen geben in retardierten Regionen bei Mittelständlern, die posche Blondinen heiraten, aber unsereins ist nicht erklärbar, wie es jemand ernsthaft in so einem Umfeld aushalten kann, ohne nicht nach dem 5 Besuchen an giftigen Bemwerkungen zu ersticken.

Der Umstand, dass dieser Herr in Berlin da inzwischen seine eigene Redaktion mit reinem Weiss, der Gründerzeit-Holzvertäfelung der 90er Jahre ausgestattet hat, zeigt nur, wie er selbst die Lektion von Axel C. Springer und seinem Holzloch über der Stadt verinnerlicht hat. Damit lönnte der Herr vielleicht eine weitere prima Gossenzeitschrift machen, aber die Elite des Westens erreicht er damit nicht, und die lobbypolitische Nichtelite des Slums Berlin hält sich schon ein rechtes Schmarrnblatt namens "Cicero". Die Distinktion der begehrten Gruppe schliesst die Poschardts dieser Welt aus, die sich deshalb mit B-Promis begnügen müssen und damit den Weg auf die Friseurswartetische der Republik antreten. Aber genau das wiederum verschreckt auch den nach oben orientierten Sachbearbeiter. Das ist schlecht für das Niveau der Leserschaft, und das wiederum macht die Zeitschrift zum Kombi-Ladenhüter beim Anzeigenverkauf, und das wiederum...

Nun, zum Glück sind die Folgen dann mal wieder die Probleme von Berlin, dieser Stadt, die glücklicherweise durch einen massiven Ruinengürtel von Kreisen abgeschirmt ist, die nicht wirklich zwingend ein Magazin über ihre Geselkschaft brauchen, denn man weiss ohnehin, was man wissen muss.

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Dienstag, 6. Februar 2007

Die Beständigkeit der Zweitelitesse

zeigt sich darin, dass sie inzwischen auf der hiesigen Geruhsamkeit angekommen ist. Denn nun ist sie fast schon einen Monat da oben unter der Strahlenkranzmadonna, hat dreimal das Nahen ihres Auszugs angekündigt und bislang nicht eingehalten. Ich wage zu wetten, dass ich ihr aus Israel etwas mitbringen und direkt überreichen kann, denn sie muss das Dung noch ausdrucken, meint sie, und ich habe etwas Erfahrung da drin, wie das mit dem Ausdrucken ist.

Eigentlich wollte ich ihr neugierig auch die Frage stellen, wie es nun ausieht und ob sie der Weltkonzern nicht gleich behält. Die meisten sind durchaus froh, wenn sie nach dem Studium der Provinz entgehen, aber in diesem Fall deutet sich an, dass sie dem diskreten Charme der Stadt doch etwas erlegen ist. Und mal nüchtern betrachtet: Was ist so toll daran, die nächsten 10 Jahre auf der Jagd nach dem Assistenzinnenposten eines Geschäftsführers durch 5 unpersönliche Grossfirmen mit internationalen Dependancen nachzuhecheln, wenn sich hier eine geruhsame Alternative findet. Das Problem ist nur: Entweder sie fängt bei der Frage an zu weinen, weil sie dennoch geht. Oder aber sie hat sich für das Bleiben entschieden, und braucht eine Wohnung. Ich wette 250 Gramm feinste Pralinen aus der Donaustrasse gegen einen abgestandenen Kaffee im freundinblogversagerverseuchten Föhn am Arabellapark, dass sie sich für zweiteres entscheidet.

Nun kann ich Frauen zwar nicht weinen sehen, aber es geht da um eine Wohnung, welche momentan ja die meinige ist. Und auch irgendwann wieder sein soll. Und so eine grosse, blonde Elitesse kann man ja nicht mal eben unter das Bett verräumen, wenn Besucht kommt.

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Zur Linde

geht es vorbei am zerstörten Umspannhaus, an der ungenutzten Lagerhalle entlang, vor der die Baumstümpfe stehen, dann immer den zerbrochenen Betonplatten folgen, das verbrannte Verwaltungsgebäude mit dem eingestürzten Dach links liegen lassen, an einem Schutthügel dann rechts abbiegen und schon ist man da.



Alle paar Monate fahre ich durch Vockerode, einem florierenden Ort zu DDR-Zeiten und heute weitgehend Brachland. Seit 2001 komme ich regelmässig vorbei, früher nur wegen dem grandiosen Kraftwerk, heute vor allem, um zun sehen, was passiert.

Vockerode sehen bedeutet verstehen, was im Osten los ist. Es ist so übel, dass auch lebenslange Zwangsarbeit aller korrupten Treuhandmitarbeiter, ihrer Abzockhelfer in Politik und Wirtschaft und der SED-Kader nichts an den Problemen ändern würde.

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Montag, 5. Februar 2007

Manche sagen

dass ein modernes Auto ein ESP braucht, ABS und andere elektronische Helfer, wie etwa das Warnsignal, wenn man etwas auf den Beifahrersitz schmeisst und das Auto dann denkt, dass dort nicht die Büste von Marc Aurel und drei Becherl Schmand, sondern ein Fahrgast ist. Die gleichen Leute reden von 6-fach Airbags, von Klimaanlagen und Reifendrucksensoren. Von Scheckheften, die dafür sorgen, dass der Wagen auch nach 350.000 Kilometer ohne Probleme läuft. Sie begeistern sich für Laufruhe und preisen den Umstand, dass sie entspannt nach 500 Kilometer Fahrt aussteigen. Von aussen soll ihr Fahrzeug massvoll sein und von innen gross, es erlaubt gute Rundumsicht und und wärmt auf o,5 Grad Celsius genau auf dem jeweiligen Sitz, der ebenfalls eine justierbare Heizung hat. Damit alles stimmt, gibt es viele Warnlampen, die von einem Bordcomputer überwacht werden, mit dem man vor 4 Jahren noch ein Kernkraftwerk gesteuert hätte.

Diese Leute verweisen darauf, dass Autos mit zu dünnem Blech, giftigen Motoren und handgefertigten Karossen immer Macken haben werden, die ihnen unbekannt sind. Sie sind entsetzt über die Schwergängigkeit der Kupplung, die man wie einen 11-Meter treten muss, sie stören sich am Pfeifen undichter Dächer und an einer Geräuschkulisse, die sich ab 80 in jede Unterhaltung drängt. Sie mögen den dicken, unanständig aussehenden Schaltknüppel nicht und schätzen nicht die Leistung bei 6000 Umdrehungen. Manche Leute sagen auch, es wäre ein Fehler, in so einen Wagen mit Motorschaden ein neues Antriebsaggregat einbauen zu lassen, und ihm bei der Gelegenheit ein Nummernschild mit den eigenen Initialen zu verpassen; für das gleiche Geld bekäme man doch auch einen guten, gebrauchten Opel mit TÜV und ASU, oder vielleicht mit etwas Aufpreis sogar so einen praktischen Peugeot mit versenkbarem Blechdach und 90 PS. Stimmt alles.



Besonders ihre vehement vorgetragene Behauptung, dass offen fahren im Winter ungesund ist.



Ihr habt Recht. Ihr Deppen. Geht und kauft Euch einen Opel oder einen 3er BMW mit Metallklappdach, denn zum Krepieren seid Ihr schon zu tot.

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Der Raub der Berlinerinnen

Wie der Deckel eines Bleisargs lastet der niedrige Himmel auf der grauen Stadt. Wir fahren nach Osten, nach Kreuzberg, raus aus dem früher herrschaftlichen Charlottenburg, Richtung Bergmannstrasse, dem einzigen Ort, wo Berlin sich noch etwas Mühe gibt, das Versprechen einzulösen, irgendwie an Paris zu erinnern. Woanders konkurriert es längst mit Bukarest, den schlechteren Vierteln von Minsk und den Randbezirken von Plauen, aber hier ist noch was, was aus eigener Kraft entstanden ist. Und ein Teil der Kraft sitzt neben mir, ein Spross der Unternehmerfamilie, die es geschafft hat, aus der Strasse eine Antiquitätenmeile zu machen, die ihresgleichen sucht. Sollte man Berlin jemals an die Russen verkaufen, möchte man den Wedding für seine Ehrlichkeit und die Bergmannstrasse für die Antiquitäten bitte aussen vor lassen.

Dafür sind wir auch unterwegs durch den mässigen Stadtverkehr des Sonntag Vormittags. Es hat lange gedauert, bis man in München zu einer Entscheidung kam und eine Preisvorstellung formulierte, den zu erreichen dann auch nicht ganz einfach war. Und wäre die Entscheidung eher gekommen, hätte ich Frau Mamas Rennsemmel 30 Kilometer weniger durch die Strassen Berlins kutschieren müssen. Aber so bleibt wenigstens etwas Zeit für ein wenig Austausch zwischen Antiquitätenjägern.

Schleicht sind die Zeiten geworden, darin stimmen wir überein. Ich habe wenig gefunden, denke ich laut nach, und er bestätigt, dass es schwierig wird. Er und sein Umfeld ist inzwischen bundesweit aktiv, denn in Berlin kommt nur noch wenig aus den Häusern. Langsam sind sie durch mit Schöneberg, Wilmersdorf und Grunewald, und im Osten war noch nie viel zu holen in der Klasse, in der sie erst anfangen. Den Trödel und den Ramsch findet man immer noch in grossen Mengen. Das Besondere aber hat sich verflüchtigt. Nicht zurück zur neuen Bürgerlichkeit Berlins, die kein Auge dafür hat. Sondern nach Osten. Polen und Russen sind die neuen Einkäufer, sie kommen mit dem Lastwagen, das Geld spielt keine Rolle, und dann geht es dorthin, wo die Substanz gering und der Bedarf hoch ist.

Es ist ihr Fluch, dass sie genau zwischen den Gravitationszentren sitzen. Denn das Geld und das Publikum für ihr Angebot ist im Süden, Westen und Osten, aber eben nicht hier. Andernorts würde man die Stücke mit Spots an leeren Wänden präsentieren; hier jedoch stecken Landschaftsbilder hinter Vitrinen fest, und ganze Sammlungen lagern in barocken Schränken. Das Publikum des Westens ist dergleichen nicht gewohnt und ahnt nicht, was es versäumt, Berlin bemüht sich seit Jahrzehnten, dergleichen los zu werden, und nur die Neuen Reichen des Ostens profitieren letztlich vom Niedergang und Ausbluten der Stadt.

Und für mich selbst wird es dadurch auch eng. Wer weiss, wie oft ich noch so durch Berlin fahren werde, um dann vielleicht das letzte Portrai von Albert Korneck in den Süden zu brngen, bevor sich hinter mir die Tore das letzte Mal schliessen werden, weil es endgültig vorbei ist mit den Schätzen, die die Stad vom 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts zusammen gerafft hat. Vielleicht ist dieser Transport auch schon das Ende - wer kann das schon sagen.



Und niemand weiss, wen ich da, sauber verpackt auf dem Rücksitz, mitbringe. Vielleicht war sie eine Brauerstochter, deren Vater ein Faible für das Antike hatte, eine Gemahlin eines Anwalts, der sich von ihr ein idealisiertes Portait im Stile der Statuen in Berlins Museen wünschte, oder doch nur ein Stück Repräsentation, dessen Ausgestaltung man dem Akademiemaler überliess. Vielleicht wird es einmal ein Kunstgeschichtler entdecken, wer die Dame mit dem satten Inkarnat und dem weichen Fleisch ist, und warum sie in einer Weise dargestellt wurde, die in ihrer Freizügigkeit so gar nicht in die Empangsräume des Kaiserreichs gepasst hat.

Nur soviel ist gewiss - sie war Berlinerin, und ihr Abbild blieb dort 127 Jahre, bis es jetzt nach Bayern an die Isar geht. An die Spree erinnert nur noch der Stempel der Malerwerkstatt, ansonsten ist sie jetzt dem Italien näher, dem die Idee zu Tunika, geschönter Nase, weichen Lippen und freizügiger Haltung entsprang. Es ist kein Raub im juristischen Sinne, irgendjemand wollte sie nicht mehr haben, man hat sie verstossen, verkauft, und ich will gar nicht wissen, was die Verkäufer mit ihrem lumpigen Gewinn anstellen, denn ich bin nur der Bote, es ist nicht mein Bild und schon gar nicht meine Stadt, die hier weitaus mehr Schönheit verliert, als an schwäbischen Ponyträgerinnen mit schlechten Manieren zwischenzeitlich reinkommt. Es wird eine Stadt jenseits aller Herrlichkeit sein, und keiner wird mehr kommen, um ihre alten Schätze zu suchen.

Nachtrag: Dieser Text entsand während der letzten Fuhre in Berlin in meinem Kopf, weil ich das Gefühl hatte, diesmal wirklich nichts gefunden zu haben. Ein Gefühl, das sich beim Hinaufschleppen von 4 Büsten, einem Relief, 2 Statuetten, einem Kronleuchter, einem Gemälde, einer Tüte Silber und noch ein paar Sachen als nicht ganz zutreffend herausgestellt hat.

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Der beste Falafel, und Haloumi und überhaupt

In Berlin ist meine Ernährung in Ermangelung ordentlicher Wochenmärkte mit echten Bauern etwas anders als in der Heimat. Das äussert sich schon darin, dass ich Richtung Norden 2 Kilo bestellte Lebensmittel mitnehme - und Richting Süden eine Tüte Chips für die Fahrt. Inzwischen gibt es im Süden auch wirklich vorzeigbare türkische Schnellrestaurants mit fähigen Köchinnen und Köchen am Herd - so müssen sich das Pide, der vegetarischer Döner und Ähnliches aus der kulinarischen Schatzkammer Anatoliens und dessen Ablegern in Deutschland nicht vor Berlin verstecken. Aber während mir dort höchstens einmal die Woche die Zeit für das Kochen fehlt, sind die türkisch/syrisch/libanesischen Läden in Berlin das überall anzutreffende Rückgrat meiner Versorgung.

Ich bin da aber auch wählerisch. Vorgefertigter Falafel aus der Mikrowelle geht gar nicht, ebenso wie Brot, das an amerikanische Fastfooddreckshersteller erinnert. Neben dem "Beirut Express" in der Gneisenaustrasse in Kreuzberg, desse Falafel wirklich so schmeckt, als würde man nach einem langen Tag in der syrischen Wüste endlich etwas zu essen bekommen, möchte ich jetzt auch auf einen Könner gleich neben meinem Quartier verweisen: Falafel Daye, Danziger Strasse 24 im Prenzlauer Berg.



Einerseits, weil alle Zutatenfür sich genommen stimmen. Andererseits, weil sie, sowohl was die Mengen als auch den Geschmack angeht, gut aufeinander abgestimmt sind. Man kennt das: Manchmal ersäuft das Brot in Sosse, manchmal ist es ein trockener Kaugummi, manchmal ist die eine Hälfte voller Salat und die andere voller Falafel. Ich habe letzte Woche eine ziemlich ausführliche Testreihe zu mir genommen, und ich kann sagen: Sowas passiert hier nicht. Zudem gibt es eine Pepponi oben drauf, die man wirklich als Bereicherung auffassen muss und kann.

Natürlich ist es vom Umfang her insgesamt etwas weniger, als üblicherweise. Aber es lässt sich durchaus Essen, ohne zum Schwein zu verkommen, die Kiefergelenke knacken nicht, es klatscht kein Saft auf die Kleidung, kurz, man kann sich auf den Geschmack konzentrieren. Insofern - sehr zu empfehlen. Holgi hat auch noch einen Hinweis.

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Montag, 5. Februar 2007

Döner macht nicht schöner

Das Schwein sitzt auf der Bank am schmalen Weg zum Antikmarkt am Ostbahnhof. Es sitzt auf der vordersten Kante, die Beine breit auseinander, und den Oberkörper ganz weit nach vorne geneigt. Beide Ellenbogen liegen vorne auf den Oberschenkeln auf, die linke Hand hält einen Döner, über den sich das Schwein gebeugt hat. Es beisst hinein, kaut mit offenem Maul, und währenddessen wühlt die rechte Hand in der Semmel, fischt Salatteile heraus und wirft sie aus dem Handgelenk in hohem Bogen auf den Weg in Richtung derjenigen, die da kommen. Dann beisst das Schwein zu, und die Suche wiederholt sich, abgerundet vom Bewerfen des Gehwegs. Mühsam unterdrücke ich den Wunsch, das Schwein zu photogtraphieren und seine hässliche, dumme Berliner Fresse online zu stellen. Ich schnauze das Schwein statt dessen mit einem "Muss das sein" an, aber das Schwein starrt nur mit offener Fresse zurück. "Nicht auf den Boden", sage ich. Keine Antwort. Ich gehe weiter.



Als ich dann mit einer seltenen indischen Bronzestatuette des späten 19. Jahrhunderts zurückkomme, ist das Schwein weg. Sein Dreck ist aber noch da, und erst dann sehe ich den Papierkorb, der direkt neben der Bank ist.

Nur noch ein Antikmarkt, und ich verlasse die Stadt für die nächsten Wochen.

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Berlin bei nacht

für die Fans der Reichshauptstadt a.D.:



Nicht im Bild: Der Nieselregen, die 2 Grad, die verbeulten Karren und überhaupt der ganze Rest. Aber immerhin, wenn man sich den richtigen Blickwinkel sucht, passt es. So lala.

Oder so.

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Dirt Picture Contest - Nachtlager

Fremder, kommst Du nach Berlin und hast kein Hotel - alles kein Problem, direkt vor der Internetspätkaufklitsche mit den schmierigen Bierflaschen im Fenster wartet Dein Lager.



Nur das Laken, das musst Du noch selbst aufspannen, im hippen Szenebezirk Kreuzberg. Gute Nacht in Berlin.

Heute geht es heimwärts.

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