: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Montag, 5. März 2007

Nominiert für den Lead Award oder

Bürgerjournalisten sind auch nur Blogger Journaille Fälscher Menschen. Was macht eigentlich so eine Medienpreisjury?

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Seriöses Bloghandwerk aus Hamburg

Buchen Sie noch heute Mattkid37, unsere wohlfeilen Spezialisten für Fliessenmontage und Unterwasserbohrarbeiten.

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3 Akkorde vs. Homeshopping Blogosphere

oder vielleicht gar das 9live des Bloggens? Ne, das ist dann doch eher Trigami. Weiteres an der Blogbar.

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Montag, 5. März 2007

Die Cabriosaison beginnt - oder auch nicht.

Sogar der Söder will so etwas nicht mehr rumfahren sehen. Schluss mit lustig, ab auf den Autofriedhof.



Man könnte meinen, dass spätere Generationen solche Bilder nur noch kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen.



Neben Bildern von Atompilzen, abgeholzten Regenwäldern und ähnlicher Vegehen an meinen Kindern, von denen ich mangels Existenz gar nichts geliehen haben kann.



Glaubt man der FAZ, ist es ohnehin vorbei, man macht keine Photos mehr von sich, der Karre, einer einsamen Landstrasse und dahinter dem Sonnenuntergang.



Ich habe dazu natürlich auch eine Meinung. Tempolimits auf der Autobahn finde ich grossartig. Weil ich das Rasen eine Weile beruflich betrieben habe und weiss, welcher Irrsinn von Ahnungslosen veranstaltet wird. 130 reicht völlig, die wenigsten Raser können auch nur 200 Sachen kontrollieren, und mehr als 220 ist auf öffentlichen Strassen ein Verbrechen, wenn die Leute kein Training haben.

Wenn ich kann, nehme ich die Landstrasse, so kurvig wie möglich. Und bei uns gibt es viele Kurven in reizvoller Landschaft. Kurven, bei denen man auch mit 80 den Spass an der Sache verlieren kann. Sprich, ich fahre ganz anders. Und solange nicht alle so fahren wie ich, ist das kein Problem. Schlimm wäre es natürlich, wenn alle auf die Landstrasse gehen würden.

Aber das ist nicht das eigentliche Problem. Das Problem ist der Verkehr in den Städten, das Ozon, der Dreck, der Gestank und der Benzinverbrauch im Stop and Go. Ich bin mit dem Roadster fast ausschliesslich auf Landstrassen unterwegs; da, wo die meisten von einer zersiedelten Vorstadt in den Beruf und wieder heim gurken, fahre ich mit dem Fahrrad. Genau da liegt aber auch der unüberwindbare Gegensatz: Keiner will bei der Fabrik wohnen. Und die Fabrik will sich nicht aufteilen und zu den Menschen in die Vorstädte gehen. Die Lücke dazwischen ist das Problem.

Und ausnahmsweise kann man der Industrie allein nicht mal die Schuld geben. Smart und Audi A2 waren Vollpleiten, dagegen verkaufen sich völlig irrwitzige SUVs, als wären die Autobahnen Feldwege. Und für jedes Mikrogramm CO2, das wir einsparen, blasen drei chinesische Aufsteiger das hundertfache an Dreck in die Luft. Wenn sie nicht gleich den innerchinesischen Flieger nehmen.

Wie auch immer: Baut mehr Cabrios. Mehr und vor allem leichtere Cabrios, die weniger Benzin brauchen. Wer Cabrio fährt, fährt in der Regel langsamer. Es ist kalt, zugig, man kann Musik nur bis Tempo 100 hören, Reden wird ab 70 schwierig, aber es ist so schön, dass man automatisch gern langsamer fährt. Selbst, wenn es dann auf den Bildern immer sauschnell aussieht - das ist die Belichtung und das Weitwinkelobjektiv, nicht der Bleifuss oder das CO2.

ausserdem bekommt man davon zahnschmerzen und trommelfellentzündung, und dann bleibt man ein paar tage daheim und fährt gar nicht.

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Kgl. bayr. Standgericht

"Se deafan photografiern, aber bittschee ned mit dem Blitz wenge dene Ölgemälde, de vadrogn des neda. Und mitm Stativ brauchd ma auch eine amtliche Genehmigung ned woa, aber wir san guad ausgleichtet, da grings scho schene Photos...

er beschaut mein kleines, 20 cm hohes Stativ mit seinen kleinen Gumminoppen an den Beinen, wiegt den niederbayerischen Kopf hin und her, und sagt dann:

Wobei, mia hom zwoa a amtliche Vorschrift wegen Stativen, owa des is ja nur a kloans Stativerrlll, da gibts soweid i woas koa Vorschrift ned.



Wenn man durch die Käffer fährt und die verspoilerten Karren sieht, die Schilder für die Gaggerlparties und die misstrauischen Blicke, dann ist es gut, wenn man so wieder mit dem Land versöhnt wird.

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Sonntag, 4. März 2007

Zu Besuch bei der jungen Dame

Aus einer Zeit, als man die Vergnügungsstätten noch ohne Scheu und Zurückhaltung "Lustheim" nannte. Ganz ohne rote Laternen.



Morgen vielleicht mehr davon. Dort, wo sie ist, sind noch viele andere, und bröckeln vor sich hin.

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Liebe Gäste aus den Niederlanden!

Schön, dass Ihr uns in dieser Jahreszeit in Bayern besuchen kommt. Ich weiss, Bayern ist für Euch weniger Ziel als vielmehr ein weiteres ödes Hindernis auf dem Weg in die Berge, wo Ihr Eure Knochen unter die Pistenbullies werft und somit den österreichischen Kurpfuschern Arbeit verschafft. Ich aber bin froh, dass Ihr jetzt so kommt, wie Ihr normalerweise nicht seid: Nämlich ohne Wohnmobil und Caravan. Was normalerweise bedeutet, dass Ihr an Steigungen, Gefällen und Kurven, die wir hierzulande mit 120 nehmen, mit Schleichfahrt Katastrophen anrichtet. Dergestalt, dass Ihr Flachlandbewohner erst in der Kurve oder an der Höhenveränderung begreift, dass dergleichen existiert und deshalb panisch auf die Bremse latscht. Und wir dahinter gerade wieder Gas geben.

Aber das ist im Sommer; im Winter geht auch Ihr nicht auf den Campingplatz. Und deshalb kommt Ihr mit Euren japanischen Gurken, Euren französischen Buletten mit der Kraft unterdimensionierter Froschschenkel und mancher sogar mit einem Opel Astra. Da seid Ihr dann auf einer Autobahn ohne Tempolimit und ohne Anhänger hinten dran. Und tut etwas, das ihr in den Niederlanden nie tun würdet: Ihr lasst die Sau raus. Hauptsache auf die Piste und unter den Bully. Weil, Kurven könnt ihr weder auf Schnee noch auf Asphalt. Immer nur rein ins Verderben.

Und deshalb müssen wir reden. Es ist nämlich so, dass das Rasen gelernt sein will. Ich habe es gelernt, ich kann über Stunden voll konzentriert durch Serpentinen jagen und weiss, wo der richtige Bremspunkt ist. Würde ich wollen, könnte ich in unter drei Stunden nach Berlin fahren. Ohne mich und andere zu gefährden. Käme dann zwischendrin ein schwerer Regenschauer, und die Autobahn wäre mit Niederländern verstopft, wüsste ich, dass es gefährlich wird, und ich ginge vom Gas. Ich würde vielleicht ein paar Minuten zu spät kommen, und nicht zwei Stunden.



Wie heute. Weil Ihr Volldeppen nämlich nicht fahren könnt. Fahren heisst nicht Bleifuss. Fahren heisst nicht mit gespoilertem Astra "MC Pinkels feuchter Traum" hinter Holledau im Platzregen auf der linken Spur zwei andere Volldeppen ohne Sicherheitsabstand zusammenschieben, und es heisst auch nicht bei München Nord nochmal im Stau einen Auffahrunfall hinzulegen. Autos haben Bremsen und Lenkung, sie beissen nicht, wenn man das nutzt, und wenn Ihr schon in Österreich unter den Bully wollt, fahrt lieber über Frankreich und die Schweiz, da schröpfen sie Euch nämlich bis auf die Unterhosen, wenn Ihr dort so einen Scheiss zusammenfahrt wie hier in Bayern.

Und wir bleiben beste Freunde, weil ich meine Freunde rechtzeitig erreiche. Versprochen.

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Für Buchfreunde

ein paar Worte über den Buchhandel in der Allenby Road. Ich kann es auch im Ausland nicht lassen. Sollte ich mich je ruinieren, dann für Bücher.

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Freitag, 2. März 2007

Bevor es zu Gerüchten kommt

Ich habe soeben in Frieden und Respekt meine Teilnahme beim Kongress re:publica abgesagt.

Ich habe damals zugesagt unter der Massgabe, dass ich alle meine Kosten selbst trage, denn ich bin nicht käuflich, und schon gar nicht von Menschen, die ich achte. Ich habe nicht abgesagt, weil ich ein Problem mit den Veranstaltern habe. Ich habe hohen Respekt vor Johnny und seiner Leistung, und ich denke, dass er einen tollen Job machen wird.

Aber mein Gefühl sagt mir, dass gerade etwas zu Ende geht, und dass das, was sich herausbildet und bei re:publica vertreten wird, nichts mehr mit meinem Weg zu tun hat. Vermutlich wird es ohne mich konfliktfreier, ein paar Kaufnutten, Strichbuben und ihre dreckigen Freier werden einmal weniger die Kalkscheune verlassen müssen, und ich muss nicht meine Reflexe unterdrücken, dem Pack meine Meinung in der Form mitzuteilen, die ich innerlich für angemessen halte. Ich will mich nicht verbiegen, und ich will auch nicht der Quotenrebell sein.



Alles Gute, Johnny. Die Pest für die Scharlatane. Zu den weiteren Folgen, und warum ich jetzt nach 6 Jahren hier draussen die Reformorden des Mittelalters besser verstehe als nach 6 Jahren intensiven Studiums der Originalquellen, warum ich heute über deren Bestrebungen nach Reinheit nicht mehr lachen kann, später mehr.

nein, nicht nur wegen des urheberrechtlich geschützten photos - ich sage das für die zeitgenossen, die unbedingt eine rechnung wollen. wenngleich gekaufte blogger nie so cool aussehen.

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Selbsterkklärend

Nach der Umstellung auf das Bacchelor-/Mastersystem fürchtet Michael Lxxxxx um die Bildung.
Aus dem Newsletter der Studentencommunity der Vertriebenenpostille ZEIT.

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Freitag, 2. März 2007

Lokalberichterstattung

wie ich sie gern öfters lesen würde, aber so nur in den Blogs bekomme. Von wegen Modeerscheinung.

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Grandmother´s Finest

In der Küche stehen die Beweise dafür, dass ich in meiner Saison en Enfer, meiner Zeit in der Unterwelt Berlins, die heute weitgehend im Dunkel des Vergessens verschwunden ist bis auf die lieben Menschen, die ich dort kennen dürfte; in der Küche also stehen die Beweise, dass ich dort noch etwas anderes getan habe, als auf den Schmutz zu starren und dafür die dortige verlorene Pracht zu verachten. In meiner freien Zeit habe ich viel gejagt und auch manches gefunden, und was davon heute in der neuen Wohnung ist, steht nun zumeist im Küchenschrank. Und nicht, wie die alten Stücke der Familie, in der Biedermeiervitrine neben den historischen Büchern im Wohnzimmer.

Und wenn ich jetzt alles hergeben müsste und nur eine Sache da drin behalten dürfte, unter all den in Kälte, Eis und Hitze den Händlern entrissenen Schätzen, den englichen Teekannen, den Biedermeierschalen, den amerikanischen Streuern, den weniger wertvollen, versilberten Tabletts, die zur Hochzeit verschenkt wurden und den Gläsern der Witwe Loetz -



dann würde ich das alles hergeben und lediglich die weissblaue Borte behalten. Denn mit der hat es, wie überhaupt dem Küchenschrank, eine besondere Bewandtnis.

Früher war es in dieser Stadt so, dass man innerhalb der Stadtmauern wohnte. Wer hier zu den besseren Kreisen gehörte, war meist auch Mitglied eines der Schützenvereine, oder, wenn es die rund 1000 Personen umfassenden Clans der Oberschicht betraf, Mitglied im Jagdverein. Darunter kamen dann, für die Bewohner der schlechteren Viertel, die Reservistenvereine. Aber die meisten Männer hatten zuhause irgendeinen Schiessprügel. Der verlangte nach Aufmerksamkeit und Übung. Und dafür gab es in den Donauaauen einen Schiessplatz, wo man sich am Samstag und Sonntag zum Ballern traf.

Der Schiessplatz wiederum lag in der sumpfigen, unfruchtbaren Donauniederung westlich der Altstadt, jenseits der Stadtbefestigung. Man baute eine schnurgerade Strasse hinaus, dazu noch ein Schützenhäuschen, später eine Gaststätte, und dort war dann stets geselliges Treiben: Die Männer schossen, die Kinder spielten, und die Frauen tratschten, wer mit wem im Bett war und welches Kind ein Bastard sein möge. Immer wieder unterbrochen durch den lauten Knall der Büchsen und Jagdflinten.

Damals waren die Damen auch noch etwas empfindsamer als ihre heutigen Nachfahrinnen, die von der Glotze ganz andere Ballereien beim Chipsfressen gewöhnt sind, und so ergoss sich mancher schreckhaft verschütteter Tee auf die blütenweisse Sommergarderobe, die man damals im Königreich Bayern zu tragen pflegte. Überhaupt sind schiessende Gatten gepflegten Gesprächen über Untreue nicht wirklich zuträglich, und aus diesem Missverhältnis heraus entstand eine Idee, die später die Geschicke der Oberschicht der Stadt auf Jahrhunderte bestimmen sollte.

Die Damen der Gesellschaft wollten nämlich eine Trennung von ihren schiessenden Herren. Möglicherweise wollten auch die schiessenden Herren eine Trennung von den oidn Tratschn, ich kenne leider nur die von weiblicher Seite überlieferte Tradition, die auf meine Grosstante und meine Grossmutter zurückgeht, die beide noch den Prinzregenten Luitpold gesehen haben. Um diese räumliche Trennung zu vollziehen, ohne eine gewisse familiäre Nähe ganz aufzugeben, verfiel man nun auf die Idee, sich entlang des Weges zum Schiessplatz, dem daher sogenannten Probierlweg, grössere Grundstücke zu kaufen. Die wurden dann gerodet, mit Apfel- und Zwetschgenbäumen bepflanzt, mit Beeten für Gemüse und Blumen versehen, und dann baute man noch eine Hütte, in der man die wichtigsten Dinge zum Gebrauch am Wochenende unterbrachte.

Dort, in diesen Gärten, spielte sich dann im Sommer das gesellschaftliche Leben ab. Die meisten alteingesessenen Familien hatten so einen Garten für die Sommerfrische, denn bis zur Pauschalreise dauerte es für die meisten bis in die 50er Jahre. Die Leistung meines Grossvaters, mit seinem ersten Tourenwagen 1928 nach Italien zu fahren und mit dem Zug und einer wichtigen Erfahrung zum Thema Lenkverhalten in Kurven heimzukehren, galt damals noch als grosses Abenteuer. Wenn überhaupt, kam man in die Voralpen zu der Verwandtschaft in Rosenheim, mit dem Zug zur ferneren Verwandtschaft zu den Schlawacken in Wien und Budapest, aber meistens war man hier in den Lauben vor der Stadt. Genau so kenne ich das noch aus meinen jungen Jahren, als die Stadt nur halb so viele Einwohner hatte. Die alten Familien aber überlegten damals, ob das Verbleiben in der Altstadt noch zeitgemäss war. Schliesslich wohnten alle anderen draussen in modernen Blocks und Bungalos, in denen sich die zugezogene Funktionselite nieder gelassen hatte. Die alten Häuser in der Stadt waren nicht mehr repräsentativ genug. Man wollte raus ins Grüne.

Und so kam, was naheliegend war. Die Hütten, Beete und Bäume am Probierlweg verschwanden, und statt dessen errichtete sich hier die bessere Gesellschaft ihre Villen. Man hatte das Grundstück, den Schiessplatz gab es nach 1945 nicht mehr, keiner brauchte mehr Äpfel und Zwetschgen, die man im Supermarkt weitaus schöner und ohne Wurm bekam, und auch das Grundstück meines Clans wurde von der Villa meiner Grosstante überbaut. Hier blieben die Apfelbäume jedoch stehen, die bis heute die Grundlage des heimischen Apfelstrudels sind, der alte Brunnen wurde weiter betrieben, aber die alte Laube, ein dunkelblau gestrichenes Holzhaus mit vier Fenstern und einer Tür, wurde wegen Baufällugkeit abgerissen. Erhalten hat sich davon nur eine Blumenkiste mit tanzenden Amoretti - und mein heutiger Küchenschrank.

Wäre er aus Nuss oder Mahagoni gewesen, hätte keiner "den dunklen Hund" mit seinen historistischen Schnörkeln und Säulen haben wollen. Was ihn gerettet hat, ist sein Material: Billige Kiefer mit Astlöchern. Nicht das Beste, zur Zeit seiner Entstehung eigentlich nicht dem Stand angemessen, aber es war nur ein Möbel für die Sommerlaube, also war man damit zufrieden. Kiefer natur wiederum war schlechthin das Material der ersten Ikea-Generation Ende der 60er Jahre, zu der auch meine Eltern gehörten. Kiefer von Ikea war der letzte Schrei und ihr Bekenntnis zur neuen Zeit. Die Form des Küchenschranks fanden sie grauenvoll, aber in einem Anfall von antiautoritärer Behauptung gegen die Nierentische oder die stromlinienförmigen, skandinavischen Möbelsitten der vorhergehenden Generation nahm meine Mutter den Küchenschrank und postierte ihn in der oberen Küche der Einliegerwohnung, von der man annahm, dass eines der Kinder sie später bewohnen würde.

Meine Mutter jedenfalls beschloss, den Schrank zeitgemäss zu machen. Und deshalb die grauenvoll kitschige weissblaue Borte zu entfernen. Sie löste die Nägel, und warf sie in die Aschentonne. Tags darauf kam meine Grossmutter zufällig auf den Schrank zu sprechen und erzählte die Geschichte dieser Borte: Als der Kronprinz eines Sommers für eine Militätparade die Stadt besuchte, verfielen alle in einen weissblauen patriotischen Freudentaumel, und draussen in den Lauben stickten und nähten die Frauen über Wochen hinweg weissblaue Fahnen, Wimpel, Bordüren und Borten. Wo immer man konnte, brachte man die Landesfarben an, und so eben auch die feinste Stickerei am Küchenschrank, den meine Mutter jetzt hatte, ein besonderes Relikt einer besonderen Zeit, in der alle hofften, der Kronprinz wollte seinen huldvollen Blick auf all die geschmückten Lauben werfen. Schneller ist meine Mutter danach wohl nie mit ihrem signalgrünenAudi-100- Schlachtschiff nach Hause gerast, um die Borte aus der Mülltonne zu retten und dort anzubringen, wo sie jetzt wieder ist.

Sie ist unglaublich fein gestickt, Knoten für Knoten, sie ist inzwischen fast 100 Jahre alt und immer noch wie neu, eine Qualität, die nur entsteht, wenn jemand sich wirklich alle Mühe gibt, das Ergebnis vieler Sonntag Nachmittage draussen vor der Stadt, und deshalb das Einzige in diesem Schrank, woran in wirklich hänge.

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Mittwoch, 28. Februar 2007

Kulinarische Erderwärmung

I hädd gearn 100 Gramm Feldsalat, sage ich in der hier üblichen Sprache, derer ich mich sonst eher selten befleissige. Allerdings ist hier Wochenmarkt, da gelten andere Höflichkeitsregeln, da will man nicht, da soll man einem nicht geben, da hätte man gern. Wenn man gern hätte, wird man mit grösster Höflichkeit behandelt. Und zwar so:

"Dea ist vo unsam Eignanbau, gonz frisch, ea is scho putzt, den miassn´S nua no woschn." Es ist noch Februar. Es gibt bei meinem Gemüsehändler Feldsalat vom eigenen Feld. Normalerweise dauert das bis Mitte März, Anfang April. Der Händler sagt, dass man das gar nicht glauben mag, aber das ist so mit dem Wetter, und es macht ihm Sorgen, vielleicht sollte man doch was tun mit dem Klima. nachher wird er seinen Stand abbauen und mit einem SUV-Monster zurück aufs Dorf fahren.



Der Mensch hat eine erstaunliche Fähigkeit, angesichts der Katastrophe stets das Gute zu erkennen, sei es nun der Roadster, der sich auch im Januar offen fahren lässt, oder eben der gesunde, frische Feldsalat im Februar. Ob ich das auch noch so sehen werde, wenn mein Hofladen das Olivengiabatta mit Oliven frisch aus der eigenen Oase verkauft, ist eine andere Frage.

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Nicht vergessen

Am 22.3. lese ich in Leipzig, und am 23.3. bin ich in Berlin als Gast auf dieser Lesung, und dann fahre ich weiter zum Nordstrand und bringen dem St. Burnster einen Kasten Kneitinger zum Ersäufen dieses famosen Heimwehs.

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Dienstag, 27. Februar 2007

Lange

keine richtige Debatte mehr gehabt? An der Blogbar wird gerade mit dem Brenneisen eingeschenkt.

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Das Pech des Anlageberaters

Der von mir lang erwartete Crash in China mag individuell schlimm sein, aber besonders schlimm dürfte es damit den neuen Anlageberater des Clans treffen. Der hat gegen meinen erbitterten Widerstand letzte Woche vorgeschlagen, in globale Fonds zu investieren, besonders in den Wachstumsmärkten Asiens. Ich dagegen habe vorgeschlagen, die Strasse runter ein altes Professoorenhaus mit ausbaubarer Scheune zu kaufen und herzurichten. Oder eine Wohnung in München. Aber keine Aktien. Und auch keine Fonds.

Meine Frau Mama hat natürlich nicht viel Zutrauen zu einem, der der New Economy mit knapper Not entgangen ist und Aktien generell ablehnt, und schenkte dem akuraten Herrn mit seinen Charts ihr Ohr mehr als meinen Hinweisen auf die Beständigkeit unserer eigenen Boomregion, in der wir leben. Und so bereicherten Worte wie Global Value Venture Security Challenge Max Profit Growth die Gespräche der letzten Tage. Statt Stuck, Dielen, Verputz und anderen handfesten Dingen, in die man anschliessend Autobauer, Beamte und Elitessen mit betuchten Eltern setzen kann.

Es mag asozial wirken auf all die, die an Aktien glauben, aber ich hätte morgen gerne nochmal 20% Wertverlust (sofern es da überhaupt je "Werte" gegeben hat) in Shanghai, ein paar böse Pleiten für deutsche Chinaeuphoriker, wenn möglich einen erfolgreichen Aufstand gegen das dortige Mörderregime, dessen marode Banken die Rentenvorsorge eines ganzen Staates für den Dreck an der Börse verschwendet haben, und ausserdem mittelfristig das schnucklige grüne Haus mit dem Schuppen, in dem unten genügend Platz für die Barchetta, die Rennräder sowie ein, zwei historische Roadster wäre. Komm, Shanghai, ihr habt alles kopiert, jetzt tanzt gefälligst auch den Nemax.

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Der nächste Pralinenstuhl

Sie wich nicht mehr von meiner Seite. Zuerst sah sie sich die anderen Stühle an, aber die schiefen Blicke zu mir hinüber sagten alles. Ich untersuchte zum dritten Mal die gedrechselten Beine und die kleinen Messingrollen, fand noch immer kein Preisschild, und als sich der Mitarbeiter dann endlich bequemte, den Gebrauchträderstand zu verlassen, konnte er mir auch keinen Preis sagen. Ich müsse zum Chef, und der sei da hinten. Hätte ich ihn stehen gelassen, hätte sie sich ihn sicher geschnappt und wäre damit zur Kasse gespurtet, um dort nach dem Preis zu fragen, Hauptsache, sie hätte ihn in Händen gehabt. Also schleppte ich ihn mit zum Chef, und es dauerte nur wenige Momente, das war mein Schatten wieder da, lauernd, gierig, fordernd, und erfolglos.

Der Chef gab mir einen Zettel mit dem lachhaft niedrigen Preis - 10 Euro, ich ging zur Kasse und spürte ihren Blick im Rücken. Hätte ich mich umgedreht, wäre ich zu ihr gegangen und hätte gesagt: Ich habe zwar 53 Zimmer im Stadtpalast und würde dafür sicher einen Platz finden, aber ich weiss, dass Du ihn haben willst, ich kenne Deine Gier und ich habe es selbst erlebt, wie es ist, wenn man einen Wimpernschlag zu spät kommt - also nimm ihn und habe verdammt guten Sex drauf, auf diesem Pralinenstuhl - hätte ich das getan, hätte ich bewiesen, dass ich der Entsagung fähig bin. Aber ich glaube, dass Menschen, die entsagen können, schlecht im Bett sind, und als ich ihn dann über das offene Verdeck auf den Beifahrersitz der Barchetta wuchtete - die übrigens absolut ungeeignet für alle sexuellen Spielchen ist - fuhr sie in mutmasslich Papas A8 ganz langsam an mir vorbei und schaute nochmal herüber.



Man trifft beim Gebrauchtwarenladen die seltsamsten Leute, und, wenn man ehrlich ist, weite Teile der Oberschicht dieser kleinen Stadt. Man könnte dort vielleicht sogar eine Gespielin finden, wenn man Beizeiten das Richtige tut, eine vorzeitig Geschiedene etwa oder eine Tochter ohne Perspektive. Vir allem aber kann man der eigenen Habgier genügen, und hat man erst den Stuhl, findet sich irgendwann auch die richtige Besetzung.

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Montag, 26. Februar 2007

Die Readers Edition ist tot

Mausetot. Bitte die Überreste des angeblichen Bürgerjournalismusprojekts ganz schnell einsargen und vergraben. Das ist kein Medium mehr, sondern nur noch Dreck. Nicht nur, dass sie dort ihre Leute wegkippen und Schleichwerbung zulassen.

Sondern vor allem wegen dem Personal, das den nächsten Fall von Schleichwerbung in den Kommentaren dieses Beitrags folgendermassen kleinreden will:
Einfach bellen - das kann jeder. Von einer ordentlichen Diskussion erwarte ich eine polemikfreie Sachlichkeit. Dann führt so etwas weiter. Ansonsten ist es nichts weiter als Blog-Schnattern, um sich irgendwie in Szene zu setzen.
Alles lesen - ein Musterbeispiel für Krisenkommunikation. Und sowas wird von einem angeblichen Medienprofi wie Hugo E. Martin beraten. Bitte wegmachen, das, ganz schnell, das Kadaver der Readers Edition stinkt. Mehr unschöne Sachen aus der Blogosphäre gibt es an der Blogbar.

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Kotzbrockentoskana

Wenn ich die Stadt Richtung Westen verlasse, fahre ich normalerweise im Donautal entlang, durch die längst von Ärzten aufgekauften Dörfer am Rande des Golfplatzes, und nicht weiter oben, wo sich das untermittlere Management des Weltkonzerns ansiedelt. Man hat, das weiss ich von Kindesbeinen an, ohnehin mehr Spass mit den Arztkindern als mit den Abkömmlingen der Sachbearbeiter, die nicht besoffen vor der Haustür fast erfrieren, nicht Mamas 924er in die Wiese unter einem 80m Meter hohen Viadukt der Brennerautobahn bohren, sich nicht mit Macheten jagen und deren Schwestern auch eher selten am Montag Morgen kopulierend im Stadtbrunnen anzutreffen sind, was den Schulweg doch recht kurzweilig gestaltet - kurz, mit Arztkindern hat man später ein halbes Leben lang was zu bloggen.

Manchmal jedoch muss auch ich obenrum fahren, über den grossen Kreisel, den ich in der Spitze doch recht sportlich nehme, um dann von der 3. Spur - darunter tut man es hier nicht - in die übernächste Ausfahrt zu preschen, stets schnell genug, um desweiteren die Grünphase durch eine eher wenig vorzeigbare Ecke der Stadtrandbebauung zu erwischen. Die Oberen mit ihren antitürkischen Reflexen finden das hier mit seiner Shopping Mall und Billigmöbelhäusern eher weltstädtisch, ich hingegen denke, dass sie hier im Rahmen der Globalisierung die Toskana bekommen, die sie verdienen. Heute jedenfalls war vor mir ein lahmer Opel Astra, ich musste hinter ihm an der Ampel halten, und weil ich die Kamera dabei und die Panzerfaust für die Strassenreinigung vergessen hatte:



Das ist sie, die Kotzbrockentoskanaarchitektur, Geld (die Grundstücke hier sind abartig teuer), kein Geschmack, Pauschalurlaub und der Gestaltungswille wie an der Kleinmehringer Kreissparkasse. Wir bauen hier um die Ecke verdammt schnelle Autos, nur um das Stehenbleiben an solchen Ampeln und Häusern zu vermeiden. Mit mehr als 200 Sachen bleibt davon nur ein oranger Streifen.

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Wegreiselust

Es gibt den Nockherberg, wo Betreiber eines rechtsextremen Blogs einen rechtsaussen stehenden Juden bekriechen und ausserdem einmal im Jahr das "Politikerderblecken" ist, eine zahnloser Vorgänger der RTL-II-Comedy, die auf Geheiss der veranstaltenden Brauerei so zahm ist, dass alle paar Jahre die Komiker zornig abspringen.

Und es gibt hier in der Provinz einen sog. "Premium-Stammtisch". In einem Cafe in der Altstadt sitzen hier bessere Leute zusammen, deren Töchter ich mitunter besser kenne, als es mir und ihren Müttern lieb sein kann: Mittelständler, Apotheker, Erben und Politschranzen der Staatspartei fern realer Macht. Dieser Premium-Stammtisch hat einen "Präses", womit der halbe Lateinwortschatz der Mitglieder neben dem "Ex" für "Ex-Frau" erschöpft sein dürfte, und ausserdem Sorge um den Nockherberg. Denn es begab sich 2007, dass der Komiker Django Asül aus Niederbayern, dessen Vorfahren so türkisch sind wie die der Bayern 1500 Jahre zuvor definitiv tschechisch waren, als Hauptredner dortselbst auftreten sollte. Und deshalb hat der Premium-Stammtisch jetzt einen Brief an die Brauerei geschrieben, mit der Bitte, von Django Asül Abstand zu nehmen, denn schliesslich käme auch kein Bayer gar nie nicht auf die Idee, bei einer türkischen Veranstaltung türkische Politiker gotteszulästern zu verhöhnen.

Und damit kommt man hier in dieser Stadt nicht in die Klapse, sondern auf fast eine ganze Seite in das schwarze Käseblatt, das hier das Monopol hat. Zum Glück nimmt eine Münchner Braurei das weniger ernst als der hiesige Druckschwärzenverbreiter, was in etwa den kulturellen Abstand zwischen Bierbrauern in der Landeshauptstadt, provinziellen Schreiberlingen und dann nochmal den hiesigen Premium-Stammtischen in Bayerns jüngster Grossstadt aufzeigt.

Istanbul, meinte eine dort lebende Freundin, soll Angfang März sehr schön sein, und Flüge dorthin kosten weniger als die Bahnfahrt nach München, das Taxi und zwei Mass bei mässiger Veralberung von drittklassigen Provinzpolitikern. Die die beste Comedy selbst machen.

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