: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Mittwoch, 14. März 2007

Unten am Fluss

Manche sagen, es reicht, sich hinzusetzen und zuzuschauen, bis irgendwann die Leiche der Feinde vorbeitreiben. Man muss nur Zeit haben, Geduld und Zuversicht.



Hab ich aber nicht. Es gibt sie schon viel zu lange.

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Fragen,

die sich sonst keiner zu stellen traut: Warum lesen Deppen meine Blogs? An der Blogbar. Nur für Nichtdeppen.

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Open Business Failure

Ist eigentlich schon jemand aufgefallen, dass sich die Aktien von Open BC inzwischen dauerhaft unter der 30-Euro-Marke festgesetzt haben und inzwischen an 27-Euro-Grenze kratzen? Wo sich der Verlust für IPO-Käufer bei gut 10% einpendelt? Nein? Dann ist es hiermit gesagt.

Mal schauen, auf welcher Ebene des Zahnfleisches der Laden daherkriechen muss, bis die ersten Schralatanagenturen den Boss nicht mehr auf´s Podium setzen. 20 Euro, würde ich sagen. Ausgenommen SinnerSchrader vielleicht, deren eigene Geschichte nicht weniger peinlich was.

Und weil wir gerade bei den Fischköpf Hamburgern sind: Unter dieser URL http://blog.q ype.com/2007/03/09/qype-finalist-for-the-red-herring-europe-100-awards/ freut sich der Ex-Bild/T-online-Mann Uhrenbacher über die Nomierung seiner Klitsche für die Top 100 Europäischen Startups nach dem Verständnis von - Red Herring. Mal schaun, ob die den Tag der Preisverleihung überhaupt noch erleben.

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Über Medien

Ich war in den letzten Tagen ein paar mal "in den Medien", und es kommen noch ein paar Sachen. Warum ich das sage: Es gab ein paar Fragen, warum ich das nicht ankündige oder verlinke. Was ich tatsächlich nicht mache. Und zwar aus anderen Gründen, die allerdings mit denen, die bei der Nichterwähnung dieses Medienauftritts (via) durch einen am Rande erwähnten blogfüllenden Herrn eine Rolle spielen dürften, nichts zu tun haben.

Ich habe nämlich 2 ordentliche Blogs. Das heisst: Alles, was ich hier berichten und ausdrücken möchte, kann ich ohne die Hilfe der Medien tun. Es wäre deshalb überflüssig, darauf hinzuweisen, dass es in einem alten Gatekeeper-Medium mit begrenzten Kommunikationsmöglichkeiten das nochmal in neuer Verpackung gibt, was ohnehin schon hier steht. Sollten Fragen offen sein, tut sich hier eh keiner einen Zwang an und stellt sie. Strukturell sind hier also alle Hinweise auf diese veralteten Medien überflüssig.

Es ist insofern Ausdruck meiner Meinung, dass wir die Medien sind. Niemand ist mehr davon abhängig, dass die korrupten Strukturen uns als relevant erachten oder als irrelevant, dass wir in ihre überkommenen Kriterien passen und deren Quoten erfüllen. Medien sind Vertreter eines kulturellen Phänomens, das historisch fraglos seine Bedeutung hatte, aber zunehmend eine verknöcherte Kapital- oder Staatsstruktur, ein Anhängsel von PR und Werbung geworden ist. Ich gehe nicht so weit zu sagen: Braucht kein Mensch. Aber die Zahl derer, die das brauchen, wird kleiner, und die, die es nicht brauchen, sind die Zukunft.

Das Grosse hier draussen sind demzufolge auch nicht die Themen, die Medien bewegen, und schon gar nicht das Herausgreifen einzelner Blogger als relevante Vertreter "der Szene". Es kann nicht sein, dass man die dadurch definierte Hierarchie sofort wieder ins Blog klebt, um zu zeign, dass es sie gibt. Das Grosse ist, dass wir alle ausnahmslos gleich klein sind vor dem Netz, und es an jedem einzelnen von uns ist, jeden Tag wieder, dafür zu sorgen, dass dieses Netz eben nicht ein weiterer Deppenchannel wird, dass die alten Gesetze der Relevanz und des selbstreduplizierenden Medienbetriebs und seiner fianziellen Zwänge in unserem Bereich keine Gültigkeit mehr haben.

So zumindest sehe ich das. Und deshalb verlinke ich solche Medienauftritte nicht. Warum sollte ich über die Krücken der Vergangenheit reden, wenn ich in die Zukunft rennen kann.

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Dienstag, 13. März 2007

Das offene Land


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Angebot an die A-List-Strichersphäre

Ihr Pinscher,

gerade erreicht mich mal wieder eine Mail aus dem grossen, weiten, studiVZ-verseuchten Holtzbrinckkonzern. Seitdem ich den Bonker vor der Flinte habe, ist das jetzt schon die vierte Anfrage, ob ich eine deren Geschichten beraten möchte. Es gibt da durchaus eine zeitliche Koinzidenz, leider verbunden mit einer persönlichen Verachtung des Ladens, bei dem ich allein das Handelsblatt wegen alter Verbundenheit ausnehme. Jedenfalls haben die in Berlin so ein gedrucktes, nicht ganz sponsorenfernes Zweitverwertungs-Ding, das sich einen Dreck um Tarifverträge schert, geleitet von einer Figur, die mit solchen "Deals" bei manchen als Visionär gilt, und alles in allem fast so angenehm ist wie die Musikindustrie.

Normalerweise würde ich das hier 1:1 posten und habe das früher auch schon ein paar mal gemacht, aber - zum Glück gibt es ja Euch, die Ihr aus jedem Koben fresst. So widerlich, dass Ihr dafür witzige Filmchen dreht und Euch zum Werbeaffen macht, kann keine Firma sein, und Beraterverträge in der Dimension sind ganz sicher nicht unlukrativ, solange man da ordentlich einsteigt. So mit vollem Comfickment, und so, und mutmasslich müsst Ihr damit noch nicht mal Eure Bloginhaltemit gekaufter Werbung zuscheissen. Wenn Ihr das Bisherige also für Vertretbar haltet, Ausbeutung ok ist, solange ihr nur Geld für Scheisse labern bekommt und auch kein Problem damit habt, dem Auftraggeber ein hübsche, blogaffines Konzept zur Verhurung unseres Umfeldes - denn darum geht es - rüberwachsen zu lassen: Mailt mich an. Ich bin gerne bereit, das zusammenzubringen, was zusammen gehört. Ob die Euch wollen - keine Ahnung, aber probieren kann man es ja mal. Wie alles. Anything goes.

Oder so.

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Der Morgenbeitrag

entfällt wegen unvermutet hereinbrechenden gesellschaftlichen Verpflichtungen - demnächst wird hier ein Wagen mit Starnberger Kennzeichen vorfahren.

Bitte statt dessen diese Anfrage durchlesen und überlegen, ob man nicht vielleicht doch eine Bleibe für diesen famosen Herrn weiss. Ich habe ihn mehrfach bewirtet und würde in meiner Rolle als Vermieter meine Hand für ihn ins Feuer legen.

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Montag, 12. März 2007

Der Wermutstropfen

ist der Kran. Da wird nichts gebaut, den braucht man zur Restaurierung. Eines Gebäudes, das etwas mehr als 20 Jahre alt ist. Wir brauchten den ersten Kran nach 398 Jahren. Soviel zum Thema Bauqualität, und nun zum eigentlich Wichtigen: Die Sonne schafft es am Mittag und am Abend wieder auf die Dachterasse.



Und wenn der Kran weg ist, kann man wieder den ganzen Tag draussen sitzen. So etwa in drei, vier Wochen geht es los.

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Die grosse Berliner Strassenbrücke

Liebe Berliner Freunde,

soweit ich sehe, habt Ihr auch diesen Winter, der gar nicht mal so entsetzlich sibirisch war, überlebt - dank der globalen Erwärmung, die Euch zuverlässig in einigen Dekaden voller Taifune bis zum 2. Stock Eurer verrotteten Immobilien unter Wasser setzen wird. Seht es positiv, dann liegt kein Dreck mehr auf den Strassen.

Bis dahin komme ich noch mindestens einmal - so um den 23. März in Berlin vorbei, um unter anderm eine Lesung mit der famosen Modeste zu besuchen, und Leute zu treffen. Wie Ihr alle wisst, komme ich aus dem wohlversorgten Bayern. So Ihr irgendwelche Wünsche nach den hiesigen Spezialitäten habt, lasst es mich wissen. Das meiste sollte unbeschadet in Berlin ankommen.

Herzlichst,

Euer Don

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Eine Geschichte der Armut

Es ist für einen Historiker mit Schwerpunkt auf Realienkunde ein wenig schade, heute leben zu müssen. Das Leben im nächsten Jahrhundert würde die Jetztzeit zwischen 1945 und rund 2020 zum Forschungsgegenstand machen, und damit ein wirklich spannendes Thema haben. Dann wären zum ersten Mal in der menschlichen Geschichtsforschung unumstössliche Erkenntnisse über das an Gegenständen erkennbare Verhalten nichts mehr wert.

Reichtum erkannte man an den Abfallgräben, den Kloaken und der Höhe der Siedlungsschichten. Reich sein bedeutet Abfall produzieren. Dass die Geschichtsschreibung so wenig über das Leben der normalen Menschen zu berichten weiss, hat vor allem damit zu tun, dass sie kaum schriftliche und gegenständliche Zeugnisse hinterlassen hat. Luxus definierte sich durch den Besitz von weitgehend sinnlosen Dingen. Es musste stets das Neueste sein, das Fortschrittlichste und das Prächtigste.

Neutral betrachtet, findet man diese Merkmale des Luxus und der Überflusses heute bei der Unterschicht: Plastik, Wegwerfgläseer, Einweggeschirr, sinnlose Verpackungen und alle drei Jahre neue Möbel aus Pressspan. Gemessen an unserem alten Wissen über das Verhalten der armen Leute, die nichts wegwarfen und es sich nicht leisten konnten, neue oder überflüssige Dinge zu kaufen, wäre das technisch und vom Formenspektrum her veraltete Ensemble hier ein Beispiel für Armut:



Bestens vergleichbar mit Nachlassregistern des 19. Jahrhunderts, wo fein säuberlich vermerkt wird, woher die Stücke kommen und wie alt sie inzwischen sind. Zum ersten Mal leben wir in einer Eroche, in der materieller Überfluss und die Option praktisch unbegrenzten Konsums die alten Begriffe von Luxus und Armut auflöst. Es hat sicher auch etwas mit der Entwicklung weg von einer Nachfragewirtschaft, die durch den Mangel definiert wird, hin zu einer Konsumwirtschaft zu tun, in der es nur noch darum geht, den produzierten Überfluss irgendwie durch schnelle Müllwerdung des Alten weiterhin an die Kunden zu bringen. Wie so etwas geht, sehen wir alle auf den Kommoden unserer Eltern: Wie lange haben sich dort Telefone gehalten - und wie häufig wechseln wir heute unsere ein Vielfaches teureren Mobiltelefone.

Armut hat ihr Gesicht gewandelt. Arm ist nicht mehr der Analphabet, arm ist die Unterschicht zwischen Bildzeitung und Glotze. Arm ist nicht mehr Wille zum Aufstieg, arm ist das Rumhängen in der Shopping Mall. Arm ist nicht mehr der Sportverein, sonder die Fettsucht, das Rauchen und der Alkoholismus. Arm ist Konsum und Überfluss. Rabatte signalisieren nicht "billiger", sondern "Noch mehr für das gleiche Geld". Statt die Armut vals solche zu bekämpfen, scheisst man sie mit billigem, in China produzierten Pseudoluxus zu, gewissermassen dem Imariporzellan der Gegenwart. Die Werbung scheisst sie mit Müll zu, das macht sie zufrieden, fett, unpolitisch und dumm.

Und für sie ist das individuell eine gute Sache. Armut heute ist überhaupt kein Vergleich mit Armut, wie wir sie früher aus der Sachkultur kennen. Ich war heute auf dem Flohmarkt und habe dort einen rund 200 Jahre alten Weidling gefunden, und das ist Armut, wie wir sie historisch kennen:



Idioten, bayerische zumal, die an die gute, alte Zeit glauben, nennen diese Form "Knödelschüssel". Damit verbunden ist die Vorstellung, dass fette Bayern am Mittagstisch fette Knödel aus dieser Riesenschüssel auf die Teller wuchteten. Das ist so falsch, wie die wahre Geschichte erbärmlich ist. Denn der Weidling hat mit Tischsitten erst mal gar nichts zu tun. Die Form entsteht während des 30-jährigen Kriegs, als man in der Not von der langwierigen, riskanten Felderwirtschaft auf Viehwirtschaft umstellt. Mit Rindern kann man vor marodierenden Banden davonlaufen, aber nicht mit den Feldfrüchten. In dieser Zeit erst finden Nahrungsmittel wie Butter und Käse, eben alles, was man aus Rahm und vergorener Milch machen kann, bei uns grössere Verbreitung. Zum Gären der Milch und zum Abschöpfen des Rahms braucht man diese flachen Schüsseln mit den hochgezogenen Lippen, mit denen man präzise, ohne Verluste abtropfen lassen kann. Diese Form gibt es zuerst nur in der Landwirtschaft.

Und erst, wenn die Glasur erste Schäden hat und die Schüssel für die Rahmproduktion nicht mehr sauber genug zu bekommen ist, wandert sie auf den Küchentisch. Und bleibt dort so lange, bis der Boden vollig leergekratzt ist. Glasuren sind mit das Beständigste, was der Mensch vor der Industrialisierung erfunden hat; sie überdauern im Erdreich 5000 Jahre ohne erkennbaren Schaden. Man kann sich nicht mehr vorstellen, mit welcher Gier da unten auf dem Boden dieser Schüssel mit Löffeln gekratzt wurde, um auch noch den letzten Rest herauszuholen. Glasur ist hart, aber niemals so hart wie der Hunger. Und erst, wenn diese Schüssel völlig verdreckt und die Glasur herausgelöffelt war, wenn man sie nicht mehr sauber bekam - wurde sie als Vorratsgefäss weiterbenutzt, und eine andere Schüssel, das für die Milchwirtschaft nicht mehr zu gebrauchen war, kam auf den Tisch.

In meiner Familie findet man dergleichen nicht, hier setzte die Verbürgerung schon zu einer Zeit lange vor Entstehung dieses Weidlings ein. Was jetzt die irrwitzige Folge hat, dass die Nachfahren der Armen, auf die dieses Stück gekommen ist, es unter einem Haufen Plastikramsch, Videospielen und billigsten Kleidern für 5 Euro an mich verkaufen. Weil es beschädigt ist. Und weil sie weder den Wert des Stücks, noch den Wert der Geschichte kennen. Das sind die Momente, in denen schenke ich mir das Verhandeln.

Sie sind sehr zufrieden, lachen vermutlich über den Deppen, der das Ding gekauft hat und haben jetzt 5 Euro für das nächste Konsolengame. Und genau so viel Zukunft. Sie sind immer noch arm, anders arm vielleicht und nicht mehr hungrig.

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Sonntag, 11. März 2007

Overdone

Es gibt Tage, da fragt man sich: Ist das nicht alles zu viel? Muss es wirklich so sein, der Stuck, die verschiedenen Farben und Abstufungen, das Gold der Rahmen und der Zierat, der Besucher erst mal ins Entsetzen stürzt? Man sieht in die Augen der Betrachter und merkt: Sie verstehen es nicht, es ist viel zu viel, es überfordert ihre an Mangel und Leere geschulten Blicke. Vielleicht, denkt man sich, haben sie sogar ein wenig Recht. Vielleicht entspricht ihr Ideal sogar dem, was die Gesellschaft eigentlich mit dem Bau ausdrücken wollte, und das Meinige ist eine Übertreibung, das dem eigentlichen Zweck der Innerlichkeit und Entsagung, die den Baumeistern die Hand führte, entgegensteht.

So also zaudert man durch das Leben, verzichtet hier auf einen Pozzo und dort auf eine Konsole, mischt die Farben dezenter und meidet das Funkeln des Goldes, und geht dann eines schönen Tages durch eine niederbayerische Stadt, um dort eindlich einmal die Jesuitenkirche zu sehen, die zu eben jener Zeit um 1600 errichtet wurde, da der Orden noch wirklich streng und askethisch gewesen sein soll, fern der überbordenden Unsitten des weltlichen Barock und seiner Pracht und Herrlichkeit; ganz anders eben.



Und dann geht man heim und macht die nächste Stuckleiste ins Bad.

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Die Sache mit den Eiern

Ich bin kein Fan von Eiprodukten. Ich habe mal einen Bericht über industrielle Lebensmittelherstellung gemacht und kam dabei auch auf das Thema "Eier in der Nahrung". Kein besonders schönes Sujet, auch nicht in diesem Umfeld. Ungefähr seit diesem Zeitpunkt kaufe ich extrem bewusst ein, und wenn es auf dem Wochenmarkt anderthalb mal so viel wie im Geschäft kostet, ist mir das auch egal. Ich kann es mir leisten, und dann weiss ich, was an meinen Gaumen kommt. Ich weiss das auch im Supermarkt, und deshalb kaufe ich dort nicht. Auch im Restaurant mache ich einen Bogen um alles, was mit Eiern zu tun hat.

Hin und wieder habe ich jedoch Lust auf Omelett. Einerseits, weil ich gern nach dem Aufstehen koche. Rühreier zum Frühstück gab es schon bei meiner Grosstante, die diese Angewohnheit neben dem Teetrinken und den Möbeln aus England mitgebracht hatte. Ich mag den Geruch danach nicht, aber bis dahin ist es eine Freude. Alle 1, 2 Wochen also besorge ich Eier, und mache ein Omelett, das es kalorienmässig mit einer Pizza aufnehmen kann.

Seit ein paar Wochen ist alles anders. Genauer, seit dem letzten Morgen in Jerusalem. Damals habe ich es geschafft, früh genug aufzustehen, um im Hotel zu frühstücken. Der Raum war im Gegensatz zum restlichen Hotel eher bescheiden und im Keller, und die Auswahl war, vorsichtig gesagt, begrenzt. Zudem war es koscher. Der Käse sah recht banal nach Scheibli aus, und die Brötchen amerikanisch - eine Kombination, die das genaue Gegenteil zu meiner Vorstellung eines Käsebrötchens ist: Frisch gebackenes Olivenciabatta, Saint Ceols, Scamorza und Feldsalat, um mal in Vorlage zu gehen.

Aber es gab für die angloamerikanischen Touristen auch noch "Ham and eggs", und zwar getrennt nach Rührei und Schinken. Ich war übermüdet, und mein besseres Wissen lag noch im Tiefschlaf., Also nahm ich Rührei und dazu Kräuterquark. Nach einer Weile stellte sich ein beklemmendes Gefühl ein, das ich angesichts meines doch sehr robusten Magens eher selten verspüre; ich liess also ab vom gelben, ohnehin nicht wirklich wohlschmeckenden Zeug auf meinem Teller, und packte ein. Während der Fahrt nach Jaffa baute sich dann ein Gefühl der Übelkeit auf, erreichte in etwa bei Bet Shelem den Punkt, an dem es geraten schien, Ronen um einen Wechsel auf die rechte Spur zu bitten - und dann verklang es wieder. Die der Wahrung des Rufes von vier grossen Fresserregionen verpflichteten bayerisch-tschechisch-elsässisch-hebräischen Innereien hatten dem depperten israelischen Ei gezeigt, wo der Bartel den Most holt.

Dennoch hat die Beinahe-Katastrophe Folgen: Eine latente Unsicherheit. Man kennt das vom schweren Fahrradsturz, man muss danach sofort wieder fahren, um die Sicherheit wiederzugewinnen. So ergeht es mir momentan mit dem Omelett. Und weil gerade Kräuter da sind



hier also das Rezept für die Meraner Kurhotelvariante meiner heuschupfengeplagten Kindheit, in der Hoffnung, dass ich noch dieses Jahr auf einen der dortigen Berge kraxle.

1/2 kleine rote Zwiebel, gedünstet in französischer Salzbutter
3 Eier von freilaufenden Hennen direkt vom Bauernhof
Schnittlauch, Thymian, Rosmarin (alles gut für die Verdauung)
Etwas Safran für Farbe und Luxus.
Frisch & grob gemörserter weisser Pfeffer
Die Eier gut durchschlagen, die Gewürze rein und dann in die Pfanne. Sodann
40 Gramm klein gewürfelter Südtiroler Bergkäse (ähnlich Emmentaler, aber würziger) in die noch flüssige Eimasse geben, einschmelzen lassen, bis das Omelette unten leicht bräunlich wird, dann kurz wenden, oben anbraten, bis es goldfarben wird, dabei etwas schwenken, damit der Käse nicht an der Pfanne klebt - und fertig:



Diesem Omelette, werte Leser, kann man bedenkenlos trauen.

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Witz des Tages

Wenn die Blase dann erstmal geplatzt, die Businesskasper alle weg sind und die Luft nach frisch gedonnertem Gewitter riecht, dann wird es ein paar Dinge immer noch geben. Blogs nämlich, die schreiben, weil sie müssen.
Ein für einen Monatslohn und ein paar Konsolen gekaufter Sony-PR-Blogger zwischen zwei gekauften Beiträgen. Schade, dass ich das nicht gelesen habe, bevor ich gerade ein Radiointerview zum Thema gekaufte Blogger gegeben habe. So ging es nur um Schweizer Korruptis und ihren Kunden mit besten Beziehungen zu einem südafrikanischen Sektenführer.

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Samstag, 10. März 2007

Sehr zu empfehlen - Luxusstromsparen

Energiesparlampen sparen nicht wirklich Energie: Einerseits haben sie bei ihrer Herstellung und Entsorgung eine verheerende Ökobilanz, und andererseits fehlt dem Licht der Gelbanteil. Gelb wiederum macht Licht "warm", was im Gegenzug dazu führt, dass man Energiesparlampen nur mit Lampenschirmen betreiben kann. Die wiederum einen Teil des Lichts absorbieren. Weshalb man mehr Leistung braucht, ohne dass das Licht jemals wirklich schön werden würde.

Insofern rentiert sich mehr als die Anschaffung solcher unförmiger Birnen eher der Kauf einer zuerst mal eher teuren, kristallbehängten Tischlampe, die optisch natürlich auch bestens zum Kronleuchter passt. Lampenschirme sind hier allenfalls als aufsteckbare Hütchen möglich, und selbst dann sind herkömmliche Glübirnen auf den "Kerzen" immer noch unförmig. Aber es gibt zum Glück auch noch diese winzigen 7-Watt-Birnen, die beispielsweise in Kühlschränken zum Einsatz kommen.



So stimmt dann der optische Eindruck, die Proportion, und natürlich auch der Stromverbrauch von gerade mal 14 Watt. Zum Lesen oder für das Schreiben am Computer reicht das aus. Falls man nicht das Glück hat, so ein Teil im Wandschrank zu finden, wird es etwas dauern, bis sich die Kosten im Vergleich zur Ikealampe amortisiert haben - aber spätestens, wenn man das hässliche Ding der Schweden zum dritten Mal auf den Müll wirft, hat sich der Kauf zusammen mit dem gesparten Stromkosten gelohnt.

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Extrem-AALen

Ich habe ja schon viele dreiste Nummern erlebt, wenn es um das AAL (Andere Arbeiten Lassen) Abzocken der Leistung der Nutzer geht, aber Ursula Hickmann von der WAZ sollte sich dringend fragen, ob ihre Einlassung nicht besser auf sie selbst anzuwenden wäre:

Wenn ein Autor sich an einem Text versuchen möchte, hat er hier die Möglichkeit dazu. Wenn er dafür bezahlt wird, bringt er vielleicht nichts zustande, weil der Druck auf ihn lastet, verdammt gute Geschichten abliefern zu müssen. Mir wäre das garnicht recht.

Kommentar Nummer 11.

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Nerdcore-Blogger vs. Killerspiel-PRler René Walter

Am 20. November 2006 läuft Sebastian B. in der Geschwister-Scholl-Realschule in Emsdetten Amok. Er verletzt mit altertümlichen Waffen 37 Menschen, bevor er sich selbst tötet. Er ist ein verschlossener Einzelgänger mit einer Vorliebe für gewalttätige Videospiele und gilt als Waffennarr. Unter dem Namen "ResistantX" tauscht er sich im Netz über sog. "Killerspiele" aus, die teilweise Bezüge zu seiner Tat erkennen lassen.

Am 21. November 2006 erreicht die darauf folgende Debatte um Killerspiele auch das Nerdcore-Blog. In einem ersten Beitrag betont dessen Autor die Notwendigkeit, die Ursache des Amoklaufs im sozialen Umfeld des Täters zu suchen, und nicht in Videospielen. Das bestätigen scheinbar die Blogeinträge von Sebastian B., von denen Nerdcore später am Tag einige ausgewählte Zitate bringt. Am späten Nachmittag ist die Debatte im vollen Schwung, Nerdcore wird für seine direkte, die Killerspielproblematik ablehnende Haltung meist sehr positiv bei vielen anderen Blogs erwähnt. Das vorläufige Schlusswort ist dann ein eindeutiges Zitat. Im gleichen Stil gibt es am 27. November einen Nachtrag, in dem nochmal die Probleme des sozialen Umfelds und die Waffen zur Sprache kommen, nicht aber die Spiele. In der Folge verweist er mehrfach auf Beiträge, die derartige Spiele als nicht relevant darstellen, kurz - sein Blog ist in der Blogosphäre einer der Hauptschauplätze für die Debatte über den Fall und seine Auswirkungen.

Und dann gibt es noch einen gewissen Nilzenburger, der sich in seinem Blog im November ebenfalls für Killerspiele verwendet. Das eigentlich nur logisch, denn als Nils Bokelberg ist Nilzenburger Moderator eines bei DSF und Premiere ausgestrahlten PR-Formats, in dem es um die Sony Playstation geht - die beliebte Spielkonsole für viele, nennen wir sie doch einfach mal so, Killerspiele. Ein Hinweis auf diesen Interessenskollision hätte in seinem Blog vielleicht nicht geschadet, aber das muss uns hier nicht weiter interessieren. Was anderes erwarte ich persönlich nicht von einem PR-Moderator. Von dessen Tätigkeit der Nerdcore-Blogger übrigens nichts gewusst haben will.

Und dann haben wir noch zwei Typen aus der Daddel-Spassfraktion: "MC Winkel", ein durch diverse PR-Blog-Aktionen bekannter Blogger aus Kiel und sein Freund David Luther. Ich werde nie verstehen, warum man solche Gespräche per Kommentar führt. Jedenfalls geht es um die momentan stattfindende PR-Aktion für die neue Sony Spielekonsole Playstation 3 mit dem Nerdcore-Blogger, Nilzenburger, MC Winkel und als Gast David Luther auf einem Hausboot in Hamburg. Weil deshalb eine andere Feier ausfällt, sagt MC Winkel:
Nun wurde ich aber irgendwann im November des letzten Jahres direkt vom Nilz gefragt, ob ich bei dieser Daddel-Sache dabei wäre und habe direkt zugesagt. Damals stand der Termin halt noch nicht.
Halten wir fest: Im November hat der PR-Moderator Nils Bokelberg die momentane Aktion ausgehandelt und die passenden Leute dafür angesprochen. Für den Lohn einer Playstation, einer PSP, massig Software und eines Monatslohnes für 4 Tage spielen und darüber bloggen auf einem Hausboot.

Im gleichen November, in dem sich René Walter auf Nerdcore beginnt, sich angesichts des Amoklaufs von Emsdetten gegen ein drohendes Verbot von Killerspielen einzusetzen. Wenn einer weiss, dass er für einen geldwerten Vorteil für den Hersteller einer Spielekonsole PR machen wird - dann frage ich mich schon, ob es nicht eine verdammt zynische Sache ist, wenn dieser PRler ohne Erwähnung seiner Rolle die Gesellschaft für einen Amoklauf verantwortlich macht, die Spieleindustrie von allen Vorwürfen ausnimmt und dann noch eine passende Auswahl aus den Selbstzeugnissen des Amokläufers bringt. Denn das ist es, was mit Bezahlung vom Nerdcore-Blogger übrig bleibt: Alle sind böse, Schule, Gesellschaft, Waffenhändler, nur nicht die Killerspiele, die auch von der Firma kommen, die mir fürs Daddeln einen Monatslohn rüberschiebt. Zumal es hier nicht um banale Werbung geht, sondern um die Frage, was eigentlich zu so einer Tat führt, die dem Sponsor natürlich das Geschäft verhageln kann. Oder wie René in seiner Abrechnung mit mir und anderen selbst sagt:
Man kann es sich so unglaublich leicht machen, dazu braucht man nur zwei Farben. Schwarz und Weiß. Die einen malt man so an, die anderen so.
Natürlich kann es sein, dass die eigene Meinung zu der des Sponsors passt. Das sagt einem jeder PRler. Aber da steht dann auch PR drauf. Und das erspart einem dann später peinliche Versuche, die Sache mit den Terminen irgendwie hübsch zu lügen, oder was man sonst tut, wenn man als bezahlter PRler in Bloggertarnung auffliegt.

ich möchte an dieser stelle jörg-olaf schäfers danken, der mit seinem - meines erachtens grundfalschen - popdiskurs und hinweis auf die riesige leuchtreklame den anstoss gab, genauer auf die zeitliche abfolge zu schauen. wer solche grell leuchtenden dinger aufstellt, will keinesfalls, dass man genauer in den schatten schaut.

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Donnerstag, 8. März 2007

Real Life 08.03.07 - Deutsche Elite

Er ist dir schon vor dem Hotel aufgefallen, in dem die Besprechung stattfindet. An der vorletzten Ampel war er neben Dir, und er ist dir aufgefallen, weil Leute mit der Fluppe rechts und Handy links eigentlich keine S-Klasse durch den Verkehr bewegen sollten. Die letzte Ampel vor dem Hotel schaltete dann um auf Gelb, Du hast gebremst, und er drückte seinen Blechberg seelenruhig über die Kreuzung, obwohl es längst rot war. Jetzt sitzt er vorne rechts und will mitreden. Schliesslich ist es sein Geld, das da drin steckt, und weil es sein Geld ist, meint er auch das Recht zu haben, seine Position zu vertreten. Selbst wennn hier diejenigen sind, die er noch nicht bezahlt. Bezahlt hat er eine grosse Kanzlei, die seinen Alleingang in der ersten Instanz in den Sand an der Ostsee gesetzt hat.

Diese Abzocker. Seine Einschätzung der bisherigen Rechtsberater hat er schon im Vorfeld mal kund getan, jetzt sollen es die Haifische richten. Mit Hilfe der anderen Betroffenen. Gemeinsam sind sie stark, aber er hat noch nicht mal bis zum Ende des eigentlichen Vortrags abgewartet, um zu zeigen, dass mit ihm jetzt der neue Leitwolf da ist. Frau G. hat zwar noch mehr Geld drin, aber sie ist erkennbar am Ende, denn sie hat keine Reserven mehr. Und der Herr aus dem Osten, der sein Vermögen mit Billigzähnen zu Vollpreisen gemacht hat und es gerade wieder verschwinden sieht, ist nach dem 2. Herzinfarkt auch nicht mehr der Macher, der er mal war, als er dir vor Äonen in Berlin vorgestellt wurde. Da kam er frisch aus dem Club des Fondchefs und meinte, dass er noch jedes Mal sein Geld bekommen habe. Die Gewissheit ist ihm inzwischen gründlich vergangen.

Der Typ aus der S-Klasse macht seinen dummen Einwurf, den er nicht hätte machen brauchen, wenn er die ganze Zeit da gewesen wäre. Aber hier herrscht Rauchverbot, und deshalb war er draussen, als der Punkt erklärt wurde, von dem er glaubt, man hätte ihn übersehen. Man erklärt es ihm nochmal. Man ordnet es für ihn ein, und die Haifische haben längst aufgehört, sich über den neuen Mandanten zu freuen. Das ist einer von denen, die dann plötzlich, kurz vor dem vorteilhaften Ausgang, ausscheren und eine aussergerichtliche Sondervereinbarung treffen. Einer, dem man tunlichst alle Tricks und Wendungen verschweigt. Genauso könnte man nämlich die Gegenseite anrufen und es ihr erzählen.

Er schaut dem Servicepersonal ungeniert auf den Hintern, er hat keine Tischmanieren, was sich beim Essen an den kleinen Stehtischen als Urgrund der Peinlichkeiten erweist, sein Maul hängt tief über dem Teller und du kannst nicht anders, als angewidert die kurzen Borsten anzusehen, die über den Hemdkragen scheuern. Um ihn herum herrscht angesichts der neuen Fakten Trauer und Entsetzen, aber er weigert sich, die Realität anzuerkennen. Er sieht eine Bedienung, macht mit vollem Maul laut Mmmmhhmm, so dass sie sich umdreht, winkt sie zu sich und zeigt auf das nicht ganz leere Weinglas. Als sie ihm einschenkt, hat er die Brocken verschluckt und besteht auf einem randvollen Glas. "Weil Sie so selten vorbeikommen". Du stehst schräg dahinter und wunderst dich über das Zustandekommen der Berichte über dieser Person, die du im Netz gefunden hast. Ein Ausbund an Selbstbewusstsein, inmitten der Tristesse des leicht überdurchschnittlichen Müncher Edelhotelfrasses.

Später dann, als alles vorbei ist und du zu deinem Wagen gehst, fährt er an Dir vorbei, diesmal wieder eine Fluppe in der Hand, und das Handy wird sicher auch gleich ergriffen. Über dir ist dieser wunderbare Münchner Himmel, der Italien verheisst, dazu dieser Platz, der nach italienischem Muster entworfen wurde, und zu deinem Glück italienischer Art würde es nur noch fehlen, wenn aus dem dunklen BMW, der neben ihm an der Ampel hält, ein paar junge Männer in Schwarz steigen und ihn bitten würden, sie doch für ein paar Fragen zu begleiten.

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Kapitalistische Globalisierungsgegner

Wenn man sich solche Seiten über Heiligendamm anschaut, dann geht man gleich sehr viel leidenschaftsloser in Sitzungen, wo Anleger um ihr Geld und Hilfe gegen die bösen Banken und die bösen Fondmanager betteln. Steuern sparen, Altes vernichten und, von der Globailiserung profitieren wollen, aber dann winseln, wenn es um den eigenen, hässlich zusammengerafften Schotter geht.

Wenn die HVB nach dem grossen Gipfel dann den Stecker zieht, haben sie wenigstens die Garantie, dass ihr Investment noch über Wochen und Monate Gesprächsstoff bietet. Einer der heute Anwedenden empfindet es als besonders gemein, dass er jetzt schon seit Jahren immer da hoch fährtin "sein Hotel", um sein Investment zu unterstützen - und jetzt soll er schon wieder geschröpft werden. Wer etwas über das Funktionieren der deutschen Elite - Zantechniker, Mittelständler und Rechtsanwälte - wissen will: Würde ich heute eine Videokamera mitnehmen, könnte man einiges dabei lernen.

So, I´m not in it for the mony, I´m in it for the fun. Und zum Bloggen ist es auch was.

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Mittwoch, 7. März 2007

Oben ist da, wo die Deppen sind

Besonders in der Blogosphäre. Ein Glas Veuve Ficquot für manche werten Kollegen, zudem ein paar Wahrheiten weniger über das, was manche verdienen als vielmehr das, was sie letztlich bekommen - an der Blogbar. Man gönnt ihnen ja sonst nichts.

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Krank

In zwei Stunden wird mir mein Körper das Gefühl vermitteln, dass ich krank bin. Mein Hals wird klebrig sein, als hätte ich Pattex getrunken, mein Magen wird rebellieren und mein inneres Gleichgewicht nach etwas ganz pervers Schmeckenden verlangen, würzigen Gorgonzola ohne Brot etwa, oder eingelegte Essiggurken. Ich werde Kopfschmerzen haben und eine enorme Verspannung im Kieferbereich, wie man sie empfindet, wenn man sich eine viertel Stunde übergeben musste.

Und zu all dem wird sich instinktiv der Wunsch gesellen, in eine stabile Seitenlage zu gelangen. Effiktiv betrachtet, wird mir kotzübel sein, und ich weiss auch, warum. Da ist einerseits das strenge Fasten, das ich mir gestern auferlegt habe. Und andererseits das, worauf ich hin gefastet habe und das dann radibutz verschwunden sein wird:



Aber wie es diese famose Autorin so schön ausdrückt: Gesund sein ist überbewertet. Real gefühlt wird es mir also blendend gehen.

Und dann rolle gehe ich schnell noch Essigurken kaufen.

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Die Sache mit dem Linken

Heute ein ganz nettes Blog über das grosse Dorf an der Isar gefunden. Nur den Text angeschaut und gedacht: Irgendwann, wenn es passt, mal verlinken. Dann in den Header geschaut: "Der Blog". Es heisst DAS Blog. Wieder von meiner Verlinkungsliste genommen. Sowas muss man nicht unterstützen. Sowas schon eher. Solange er "Das Blog" schreibt.

Vielleicht liet es aber auch am Thema "München" generell. März ist immer eine verdammt schlechte Zeit: Nockherbergauftreiben, Fäuletonankotzen bei der angeblich jungen Literatur der Wortspiele, wo die Eigengewächse des Staatsfunks auch bei erwiesener Schreibunfähigkeit einen Platz auf dem Podium bekommen, und zu all dem die Frage: Wieso nach München, wenn der Brenner nur 150 Kilometer weiter südlich ist?

Nur, weil sich jemand eine Investition ausgedacht hat, die Folgen hat. Kaufen Sie Kunst, werte Leser, kaufen sie Sommerhäuser am Stadtrand (übrigens der schönste Blogname ever), stiften Sie den Museen oder besuchen Sie Münchens überteuerte Rotlichtbezirke (garantiert bloggerfrei) - aber kaufen sie keine Fonds von irgendwas, in dessen Name ein Wort wie "Damm", "Karee" oder "Center" auftaucht. Sie werden keinen Spass haben, und ich muss nach München. Im März. Das müsste eigentlich wirklich nicht sein.

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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Mittwoch, 7. März 2007

Real Life 04.03.07 - Privatkunden beim Hoflieferanten

"Wenn Du nicht so lang auf dem Flohmarkt getrödelt hättest, wären wir früher da gewesen, hätten eine frühere Führung machen können und wären in der Sonne gesessen, aber nein, Du musst ja unbedingt so lang verhandeln, und jetzt ist die Sonne weg."

Natürlich könntest du jetzt darauf hinweisen, dass du die morgendliche Tasse Tee ihrer Kleiderproblematik verdankst, denn du warst pünktlich und musstest bei Frau Mama im Salon warten, während sie passende Handschuhe suchte und Herr Papa vermutlich seinen Golfkollegen mitteilte, dass du noch immer keinen "anständigen Wagen" hast, obwohl doch jeder in der Stadt weiss, dass ihr euch das auch leisten könntet. Man hat es nicht leicht in einer Autostadt, wenn man keine 200 PS und eine Plakette mit RS oder Quattro auf dem Wagen hat. Dann noch die Ermahnungen - noch nicht offen fahren und vorsichtig, und schon rollt ihr mit etwas weniger als einer Stunde Verspätung zum Termin mit dem Händler, der diesmal ausgesprochen hartknäckig das Bildchen für die neue Wohnung nicht hergeben wollte. Es dauerte eben alles seine Zeit. Und deshalb verschwindet die Sonne bereits hinter den Häusern der Altstadt, als ihr die Residenz mit dem kauzigen Führer verlasst und das Cafe ansteuert. Es gibt hier viele Cafes.



Aber nur eines mit der italienischen Fruchtbombe, dem fahlgelben, marzipanbedeckten Kalorienanarchisten unter den Torten. Und zwar schon immer, Rebellentradition, seit deine Eltern dich als Bratzen netterweise hierher schleiften, wo du von der Kunst der Residenz so viel verstanden hast wie ein CSU-Politiker oder seine bloggenden Geistesverwandten von Ehrlichkeit. Die Erinnerung an die Fresken muss aufgefrischt werden, die Früchtebombe dagegen...

Eine Bombe, meint Iris, sollte man auch in die Deutsche Bank werfen.

Ach, gibst du von dir, der du derartige Einlassungen von Iris eher nicht gewohnt bist.

Wirklich, sagt Iris, und erzählt. Es war nämlich so, dass ihre Eltern im Dezember Geld anlegen wollten. 10% Zinsen bot ein betrügerischer Schiffsfond, 7% inclusive Steuerminderung ein riskanter Immobilienfond, 3,8% die Hausbank ihrer Eltern für Festgeld - und 4% die Deutsche Bank. Was zur Folge hatte, dass ein Treffen mit einem Anlageberater und einem Steuerspezialisten arrangiert wurde.

Irgendwie muss sich die Deutsche Bank von ihrem Ausflug in das Global Banking noch nicht richtig erholt haben. Ihre Eltern jedenfalls kamen frisch vom Spaziergang an der Donau und nach dem hierzulande nicht seltenen Kleidungsmotto "Wir sind reich, wir müssen nicht reich aussehen". So sassen sie dann im Foyer, wurden von einem jungen Geschäftsmann angerempelt, und warteten. Eine halbe Stunde. Ihre Mama meinte dann, dass sie dem Anlageberater noch exakt eine Minute geben würde. Die Minute verstrich, und so standen sie auf und gingen. Die Strasse hinunter, wo sie Bekannte trafen, die darüber sprachen, dass sie ihre Stadtwohnung verkauften - und so kam dann das eine zum anderen, und Iris zu ihrer Wohnung.

Wann kannst du mir eigentlich den Stuck besorgen, will sie wissen, in einem Tonfall, der davon Zeugnis ablegt, dass sie von dir ein anderes Engagement als das der Deutschen Bank erwartet.

Donnerstags, sagst du, denn dann bist du wieder in München bei den Haifischen. Und du wirst diese kleine Geschichte aus der Heimat dem Knilch der Gegenseite reindrücken, denn der ist von der Deutschen Bank, und es ist immer schön, beim Essen etwas erzählen zu können, was ihn demütigt.

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Geht gar nicht

Schleichwerbung und dann noch leicht verfälscht aufgreifen - man traue nie einem PRler. Ein netten Satansbraten an der Blogbar.

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Sehr zu empfehlen - Lichtsymmetrie

Es gibt Einrichtungsprobleme, an denen bleibt man Woche und Woche hängen. Bewohner normaler Häuser beispielsweise werden diese Probleme naturgemäss nicht nachvollziehen können. Nehmen wir nur mal die Lichtschalter. So ein Lichtschalter kann einem die halbe Wand kaputt machen, wenn die Wand mehr ist als nur eine Mauer zur Raumabgrenzung. Dieser spezielle Lichtschalter sitzt neben der Tür der Bibliothek, und damit an der Wand, an der die mühsam zusammengetragenen Büsten auf Konsolen ruhen. Darunter kommen die Reliefe. Und zwar genau auf der Höhe des Lichtschalters. Ich habe inzwischen ein halbes Dutzend Reliefe, aber keines hat die richtigen Ausmasse, um den Bereich irgendwie sinnvoll zu füllen. Und es ist heutzutage enorm schwierig geworden, Gipsabgüsse zu beschaffen. Weil es einfach nicht mehr üblich ist, das heim damit auszustatten. Also blieb an der Stelle erst mal eine Asymmetrie durch den Lichtschalter.

Dabei lag die Lösung daheim bei meinen Eltern. Vor einem Jahr hatte ich bei einer Auktion aus purer Langeweile zwischen den Asiatica und den Spiegeln mitgesteigert, als eine "Schachtel mit diversen antiken Funden" angeboten wurde. Was man halt so tut, wenn es draussen regnet und vor einem 200 Nummern pure Belanglosigkeit mit Varia wie Schokoladengussformen liegt, und nur ein anderer mitsteigert. Danach bekam ich den Spiegel, brachte alles im Auto meiner Eltern unter und vergass dort die Kiste mit den Funden. Heute bin ich dann zufällig darüber gestolpert, über den etrurischen Bronzekamm und die drei Öllämpchen. Und da wusste ich, dass das Problem gelöst war.



Lichtschalter - Licht - Licht - Licht. Jetzt brauche ich nur noch eine braune Kappe für den Schalter, und dann stimmt der optische Eindruck wieder. Und vielleicht nochmal vier weitere Öllampen rechts und links der Konsole. Oder andere Kleinigkeiten, und zwei Reliefe für die linke Seite.



Kommt alles noch. Früher oder später. Spätestens in Berlin, wo man dergleichen in der Regel billigst verkauft. So von wegen Untergang und Ausverkauf der Bürgerlichkeit, und so. Irgendwie muss man ja die Spielekonsole mit einem neuen Game füttern, und ein neues Handy kommt mit dem IPhone. Wer einen Gipskopf hat, braucht keinen mehr in Grossvaters Vitrine.

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