Donnerstag, 29. März 2007
Über Sprache
Jetzt könnte man sagen: OK, es gibt immer anonyme Deppen, die in den Kommentaren ausser Kontrolle geraten. Im Fall eines Neocons wurde ich (ziemlich prozionistischer, aber nicht extremer Jude mit einem klaren Ja zum Selbstverteidigungsrecht Israels) von einem anonymen Kommentator als Antisemit bezeichnet. Umgekehrt tut man gut daran, in den eigenen Kommentaren auch ab und zu die Schere anzusetzen - namentlich bei Leuten, die eine falsche Email angeben und als Neulinge an einem Brandherd aufkreuzen. Ansonsten und solange mir keiner mit Löschwunsch in mein Wohnzimmer kotzt, sind die Leute erwachsen und müssen selbst wissen, was sie tun und sagen. Das ist Meinungsfreiheit, und die darf man durchaus weit auslegen. Umgekehrt - und abgesehen von dem obigen Fall - werde ich auch nicht bei anderen vorstellig, wenn mal wieder einer mit einem Kommentar eine alte Rechnung zu begleichen versucht. Ist halt so. Mei.
Was meines Erachtens aber absolut nicht ist, ist das, was momentan von einigen PR-Bloggern in den USA und Deutschland versucht wird: Einseitige Parteinahme für Sierra ohne Berücksichtigung oder auch nur Erwähnung der anderen Seite mit dem Ziel, sich als Instanz der politischen Korrektheit aufzuspielen. Da gibt es einige, herausgreifen möchte ich aber die Jungs von der PR-Agentur Edelman, etwa Steve Rubel, der mal wieder einen konstruktiven Dialog mit Leuten wie ihm fordert - was Edeman-Standard nach ihren Pleiten mit Fakeblogs für Wal Mart und anderen, durch Blogger aufgedeckte Versuche der Einflussnahme ist. In eine ähnliche Kerbe haut PR-Mitarbeiter Wolfgang Luenenbuerger-Reidenbach mit deutlichen Referenzen an meine Person.
Es ist nicht einfach nur leichtfertig, es ist absolut verachtenswürdig, wie hier mit Frauen und überhaupt mit Menchen umgegangen wird. Erinnert mich sehr an das trollige Verhalten, das auch hier in manchen Ecken Klein-Bloggersdorfs um sich griff in den letzten Jahren, wenn jemand am Fluss saß und auf die Leichen wartete oder dauernd von Johurnaille oder Linkhuren sprach. Oder davon, dass jede meiner Kolleginnen ein williges Opfer männlicher Allmachtsfantasien sei (oder wie soll ich das bekloppte misogyne Ichf*ckeuchalle der marktfreien Groupies von Exrebellen interpretieren?).Dazu könnte man anmerken, dass man in diesem Fall durchaus von Trittbrettfahrer reden kann, wenn eine Morddrohung gegen eine Einzelperson der Anlass ist, eine Verbindung zu ziehen zur berufstypischen Verballhornung zweier Stände wie Johurnaille und PR-ostitution, denen anzugehören ich auch das Vergnügen hatte/habe. Und dass keine Frau je "Ficken" gesagt haben soll, wage ich in den Bereich der Mythen zu verweisen. Man könnte natürlich auch darüber reden, dass Wolfgang, bevor er selbst wegen der Aufhübschung diverser unschöner Geschichten ins Gerede kam, nicht das geringste Problem hatte, die auf meinem Blog verursachten Krisen anderer PR-Leute in seinen Seminaren als Fallbeispiel zu monetarisieren. Aber ich will auf etwas anderes hinaus.
Wenn wir heute in den Blogs in der Lage sind, Dinge deutlich und explizit anzusprechen, wenn wir nicht kuschen müssen und es keine Instanz gibt, die uns in unserer Ausdrucksfähigkeit begrenzt - nun, dann haben wir es Leuten zu verdanken, die dafür verfolgt wurden, wenn sie ficken sagten oder schrieben. Nicht umsonst war der Kampf um die Aufklärung auch ein Kampf um das Recht, über Sex und alle seine Formen reden zu dürfen. Während es die französische Regentin Margarethe von Navarra schon in Schwierigkeiten brachte, sich über die Sexgewohnheiten von Priestern zu äussern, gingen de Sade und Mirabeau dafür ins Gefängnis. Und Henry Miller musste noch im Amerika des letzten Jahrhunderts für einen Roman kämpfen, der weitaus härter als das ist, was in den amerikanischen Nipplegates wieder zum Skandal hochstilisiert wird. Hier darf man das - noch. Auch in Zeiten, wo sich ein paar Spiesser wegen ein paar Photos einer Landrätin aufregen - na und?
Denn es gab auch ausgesprochen höfliche Umschreibungen und gediegene Konversation, die nie auf den Punkt kam. Da hat PR beste Beispiele dafür geliefert. Schergen in Spanien hiessen heilige Hernandad, Anstand hiess sexuelle Unterdrückung vom viktorianischen England über das Bayern der 50er Jahre bishin zu den Irren in Teheran, Staatsterror war Staatssicherheit, und wer es nicht glaubt, lege einfach mal de Sades Philosophie im Bodoir neben Stalins Linguistikbriefe. Mir sind Leute, die die Nase rümpfen, allemal lieber als Leute, die sich das nicht mehr tun.weil jemand bestimmt, dass es keinen Anlass dazu gibt. Es gibt ein Recht, Missstände mit drastischen Worten zu umschreiben. Es gibt auch ein Recht, darauf direkt zu reagieren. Diskurse, so hart sie auch sein mögen, so persönlich das auch werden mag, sind nicht per se schlecht. Es gibt manchmal Debatten, die geführt werden müssen. Dass es im Netz härter zugeht als im
Schlecht ist nur der Versuch, das zu verhindern mit dem Ziel, etwas zu vertuschen oder schönzulügen. Wie das geht, hat der New Yorker am Beispiel Edelman und ihres Kunden Wal Mart sehr schön herausgearbeitet. Edelman kassiert 10 Millionen Dollar im Jahr, um Journalisten zu bezirzen und Kritiker im Netz zum Schweigen zu bringen. Ein Wal Mart-Techniker hat das Telefon eines kritischen Journalsiten abgehört, und die Firma hat eine Einsatztruppe mit Privatflugzeug, die innerhalb kürzester Zeit mit Gewerkschaftsbestrebungen in den USA Schluss macht. Es gibt eine Menge sprachliche Wendungen, mit denen man das beschönigen kann, und auch manche, die sich der gewünschten Sprache anpassen - aber ich will verflucht sein, wenn ich zulasse, dass Leute, die für diese Firma arbeiten, irgendein verficktes Recht haben mir zu sagen, wie ich und in welcher Sprache ich über sie und ihresgleichen berichte.
Famos zum gleichen Thema auch die bei gewissen Edelman-Neocons verhasste und verfolgte Amanda Chapel.
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Die im Schatten

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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 29. März 2007
Walburga redated

Feinste kulinarische Archäologie aus Eichstätt, denn so sahen sie aus, die Torten der Zeit von Strumpfband und Rocaille. Aber ich schweife vom eigentlichen Thema ab. Denn neben der Zuckerhaftigkeit des Rokoko und seiner Tortenfolgen gibt es in Eichstätt auch eine dumpfe, chrsitliche Vorgeschichte, mit der zusammenzustossen eines der traumatischeren Erlebnisse meiner Kindheit zeitigte. Ich habe darüber anlässlich einer Lesung in München einen Text geschrieben, und den in Leipzig letzte Woche nochmal genommen, weil er mir ganz gut zur Erklärung meines Hintergrunds erschien: Date mit Walburga. Ein paar Bedenken hatte ich ob des im Osten verbreiteten Atheismus, und tatsächlich gab es einige Zuhörer, die meinten, die beschriebene Location und das Umfeld sei gut erfunden. Leider war dem nicht so: Die Frau D. und den Stadtpfarrer K. gab es in ihrer Monstrosität tatsächlich. Und genauso gibt es auch den Ort, an dem ein paar Leute nicht glauben wollten. Also bin ich heute hingefahren und habe Bilder gemacht. Das ist im beschriebenen Obergeschoss der Krypta, in dem sich die Geschichte zutrug:

Was da explizit in dem Glaskasten ist, will man wirklich nicht so genau wissen. Echt nicht. Es sei denn, man ist Hobbypathologe. In der Krypta sieht es überall so aus - sie ist schwarz mit Votivbildern, bis hoch zur Decke. Aber es ging damals nach unten weiter, hinab ins finstere Erdreich, wo es auch im Sommer kalt und wenig erbaulich ist. Dort sieht es dann so aus:

Hinter dem Gitter, in der Mitte, ist eine quadratische Tür. Dahinter ist der Körper, aus dem der Legende zufolge das Walpurgisöl quillt, das mir damals angedroht wurde. Düster, fremdartig, unheimlich. Als ich mir vorgenommen habe, diese alte Geschichte aufzuschreiben, dachte ich mir erst: Naja, damals war ich sieben Jahre alt, das Grauen eines Kindes ist eigentlich lächerlich, und wer weiss, wie die Realität ausgesehen hat, vielleicht habe ich mir das meiste nur eingebildet. Ich bin auch damals hingefahren, über den sonnigen Hof gelaufen und hineingegangen, und es war tatsächlich so wie in meiner Erinnerung. Beklemmend. Nicht gruslig oder Horror, aber da ist etwas, das mir sagt, dass ich hier nicht sein sollte. Ich ging den ganzen Weg runter, und dann wollte ich schnellstens wieder raus, ich hatte genug gesehen. Unten in der Krypta gibt es eine zweite Tür. Ich ging hin, drückte auf die Klinke

und die Klinke bewegte sich nicht. Die verfickte Tür ging nicht auf. Ich war allein in der Krypta. Allein, mal abgesehen von der Leiche. Ich stand also da, hinter mir in meinem Rücken die quadratische Tür, die Leiche dahinter und der Saft, und Bruchteile einer Sekunde hatte ich diese Vorstellung, die Tür hinter mir könnte sich öff...
Das ist so wie beim Bergsteigen. Man fühlt sich sicher, man kennt keinen Schwindel und keine Höhenangst, man geht einen Abgrund entlang und meint, alles unter Kontrolle zu haben, und dann rutscht eine Steinplatte unter dem Schuh weg. Man erahnt einen Moment das ganze Grauen des grenzenlosen Sturzes und die Tiefe des verlachten Abgrunds, man ist für einen Augenblick rettungslos verloren und tot, und dann findet man doch wieder Tritt, aber man hat in diesem klaren Moment dem Tod ins Auge gesehen, man weiss um das Grauen.
Ich wohne in einem Sadtpalast der Gesellschaft Jesu Baujahr 1600, und wir haben auch alte Kastenschlösser. Da geht die Klinke manchmal auch nicht nach unten, aber man kann sie manchmal schräg nach unten und zu sich her ziehen, dann schnackelts. Es hat auch hier geschnackelt, und ich war draussen. Ich ging zu meinem Wagen, fuhr heim, und schrieb die Geschichte in einem Rutsch runter.
Nach unten und zu sich her ziehen, das ist der Trick. Den sollte man sich merken.
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Wegen der Beleidigungen in den Kommentaren
Also, wenn eine stinkende Kackbratze hier beleidigt wird, soll sie gefälligst zur Tastatur greifen und dem beleidigenden Drecksack eine muttergefickte Gegenbeleidigung rektal reinwürgen, und gut ist. OK?
Und jetzt weiter im Text.
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Sie verstehen es nicht
Das Wort der Woche, keine Frage.
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Dienstag, 27. März 2007
Premium Content

Und diese Kuhle ist genau neben der Stelle, wo man von der Terasse hinunter auf den Weg zum Gartentor kommt, und man höchst umständlich über die Katzen steigen muss. Die sich dann natürlich nicht wegbequemen. Warum auch.
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Vom Land
Aber setzen wir uns doch mal auf einen Berg, auf einen warmen Kalkfelsen hoch über dem Tal, kauen auf einem trockenen Grashalm des letzten Sommers und schauen hinunter.

Schön - ist es nicht, das stimmt. Aber wenn wir ehrlich sind: Da kommen wir her. Oder unsere Verwandtschaft. Oder unsere Vorfahren. Es gibt in Deutschland praktisch keinen Menschen, in dessen Ahnengalerie vor 3 Generationen nicht zumindest ein Bauer, ein Knecht oder eine Magd war. Irgendjemand kommt immer von da draussen, und desto weiter man in die Zeit zurückgeht, desto mehr findet man. Es muss kein Misthaufenrödler sein, es können auch Krämer sein. Es ist keine 120 Jahre her, da zog über dieses Land auch einer aus meiner Familie, der zwar in der Stadt lebte, aber hier draussen sein Geld mit Kleinkrediten und Viehhandel verdiente. In der Stadt hatten sie grosse Häuser, aber der Reichtum wurde hier erwirtschaftet.
Vielleicht ist es auch nur die Angst vor diesem Erbe, das uns Gas geben lässt. Es wird uns nicht gefallen, da hängt auch zu wenig Glanz und Vorzeigbares dran, was soll man vom Land schon erzählen, es ist halt so, wie es schon immer gewesen ist. Die Vorstellung, da leben zu müssen, ist auch kein Spass.
Lieber machen wir in der Stadt unser Netzwerk auf, der Buddha aus dem Möbelladen ersetzt das Herrgottseck, Harry Potter ist wie damals die Bibel das einzige gelesene Buch, und am Ende stürzen mit dem Flugzeug beim versuch ab, der Ödnis mit Suff auf Malle zu entkommen.
Nebenbei: Momentan sind in Beilngries, nicht weit von hier, die "Kulinarischen Frühlingswochen".

Barschfilet in leichter Senfsauce mit Butterkartoffeln und Blattsalat, Allgäuer Lendchen auf Butterspätzle mit Champignonrahmsosse und Käse überbacken, und so weiter, alles unter 10 Euro.
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Leicht und amüsant ist es,
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Montag, 26. März 2007
Glück gehabt
Blogdinosaurier rocken ohnehin.
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Kochsendung ist das neue Pr0n

Wie? Nein? Du, verehrte Leserin, bist Elitesse aus dem Wohnheim im Schatten des Stadtpalastes, und Dein Frühstück war nur ein Schluck aus der Mehrweg-Diätcola-Flasche und eine Vitamintablette? Deine letzten warmen Mahlzeiten kamen ursprünglich aus der Tiefkühltruhe? Und bei Suppe denkst Du sofort an Mikrowelle? Die Messer, die Dir Mama mitgab, brauchst Du nur zu ein wenig Selbstverstümmelung, wenn die Prüfung nicht gut lief und die sexy Schnitte im VZ jetzt nicht mehr solo ist? Komisch. Wo Du doch jeden Nachmittag vor den diversen Kochsendungen abhängst, wo gezeigt wird, wie einfach das doch ist, mit dem ungenutzten Herd und den verstaubten Töpfen (ausser dem, in dem Du Fertigravioli kochst und anschliessend auch gleich löffelst).
Und trotzdem glaubt man in den Medien an den Erfolg solcher Formate. Die Kühltheke im Supermarkt ist immer noch drei mal so lang wie das Gemüseregal, und die Pizza für 69 Cent ist auch nicht aus dem Sortiment geflogen. Billigshrimps aus dem Plastikbecher gab es schon etwas länger, und dass Nudeln jetzt nicht dehydriert vakuumverpackt werden, ist auch nicht wirklich ein Hinweis auf veränderte Konsumgewohnheiten. Auch wenn sich die Werbestrategen erhoffen, durch solche Formate mehr Geld von der Nahrungsmittelindustrie zu bekommen, die auf alten Schrott jetzt neue "frisch&teuer"-Marketingstrategien klebt, um es tauglich für den angeblichen durch solche Formate hervorgerufenen Gesundheitsboom zu machen.

Die Realität erlebe ich fast jeden Mittwoch und Samstag. Da ist nämlich Wochenmarkt. Und bei einer Population von ca. 200.000 Menschen im Umfeld kaufen lediglich ein paar tausend hier ein. Es sind vorwiegend ältere Menschen. Aber es ist nicht so teuer, dass man es sich als Student nicht leisten könnte. Hier gibt es alles, was man für eine Küche braucht, die in der Glotze vorgekocht wird - aber auch nur hier. Schliesslich fängt kochen mit den Zutaten an, und wenn die nichts taugen, dann kann das Ergebnis allenfalls mit Gewürzmischung Provence - noch so ein Elitessenstandard - aufgepeppt werden. Man kann nicht einfach irgendeinen Gorgonzola kaufen und zur Pasta tun. Welcher taugt - und ob ein Roquefort nicht mitunter die bessere Wahl ist - erfährt man ebenfalls hier. Und nur hier. Man frage mal im Supermarkt an der Kasse, ob der Roquefort das AOC-Siegel hat und im März nicht zu würzig für Rinderfilet ist.
Genau das müsste aber geschehen, wenn sich das Publikum der Kochsendungen ernsthaft mit Nahrung auseinandersetzen würde. Statt dessen sehe ich sie so gut wie nie auf dem Wochenmarkt. Ab und zu kauft eine mal eine Handvoll Rukola, aber den Normalfall erlebe ich, wenn ich alle zwei Wochen notgedrungen doch mal den Supermarkt aufsuche. Jeder halbwegs intelligente Mensch müsste einen Bogen um alles machen, was dort Fleischmedikante enthält. Aber auch Leute, die sich mit drei Klicks im Internet einen Überblick über die Produktionsbedingungen von "Formschinken" beschaffen können, greifen zu Lasagne al forno in praktischem Plastik. Es ist hart, was da dem Körper beschafft wird, aber wirklich hart ist es für alle, die glauben, dass man aus dem Betrachten einer Kochsendung Folgerungen für den Lebenswandel ableiten könnte. Der Umstand, dass man in Berlin versilbertes WMF-Besteck für 1 Euro pro Teil in der Originalverpackung der 50er Jahre kaufen kann, ist ein weiterer Hinweis auf den ausbleibenden Aufstieg der Essenskultur.

Natürlich gibt es Menschen, die den Wochenmarkt frequentieren und das Silber aufkaufen. Es gibt Geniesser und Gourmands, es gibt die Lust am Essen und an der Völlerei. Für manche muss das Silber im Kerzenschein funkeln, damit sich der genuss vollständig einstellt, selbst wenn sie allein essen. Aber ich wage zu behaupten: Wer das Kochen und die Tischsitten nicht daheim gelernt hat, wird sie auch nicht mehr lernen, wenn er irgendwelche TV-Brutzler betrachtet. Man muss das gelebt haben, um den Wert darin zu erkennen. Wer es nicht gelebt hat, wird es auch nicht durch die Glotze vermittelt bekommen - genauso könnte man behaupten, dass das Anschauen von N24 den Betrachter zum Börsenprofi macht.
Bleibt also die Frage: Wenn sie weiter den Dreck aus dem Ikea-Starterset löffeln - was treibt sie dann vor die Glotze? Ich glaube, da gibt es zwei Gründe. Das eine ist ein tatsächlich unbewusst empfundener Mangel und eine Ahnung, dass das Östrogengrauen aus dem Kühlregal doch nicht alles gewesen sein kann. Und bewusst: Man schaue sich die Typen von Jamie Oliver abwärts doch mal an. Das sind keine fetten Matronen, wie in den Kochsendungen des Bayerischen Rundfunks, sondern kochpunkende Casting-Sahneschnitten. In Wirklichkeit verkörpern sie den Traum der haushaltsunfähigen GrossstädterInnen nach jemandem, der ihnen das Essen hinstellt, mit dem sie angeben können, und ihnen das Primärgenital ausleckt, während sie Austern schlürfen. Kochsendungen sind die Archetypen Mama und Nutte in moderner Verpackung, mit einem Schwerpunkt auf zweiterem.
Ein Bombenerfolg - aber eine Pleite für alle, die ernsthaft glauben, dass man über diese Schiene Werbung verkaufen könnte, die etwas anderes als Pizzaservice, Andy den Muschelsschlecker und Anita, die immergeile Haushaltshilfe anpreist. Oder "Wähle 0190 beissrein und erhalte die saftigsten Schinken als Handylogo im Sparabo". Aber kein Mensch kauft deshalb auch nur ein Radieschen mehr auf dem Wochenmarkt.
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Montag, 26. März 2007
Warum
Schau, das sind sie. Gleich zwei Stück. Gestern in Berlin habe ich wie verrückt danach gesucht. Tatsächlich kaufe ich sie ja nicht für mich, sondern für den alljährlichen Verlust von 4 bis 6 Teekannen, die an irgendjemand verschenkt werden. Ich fülle eigentlich nur Lücken auf. Die eine da ist die Lücke, die Du gerissen hast, wenn ich das mal so uncharmant sagen darf.
Aber warum...
Berlin? Na, weil da ein älterer Herr ist, der alle paar Monate aus England ein paar Kisten voller Kannen mitbringt. Ich hatte gehofft, ihn zu treffen, aber er war wohl noch drüben. Ich war höllisch enttäuscht, und dann heute das: 2 Kannen direkt nacheinander, keine 20 Meter entfernt. Und das in Pfaffenhofen, wo es sonst nie englische Kannen gibt, und wenn, dann zu völligen Mondpreisen. Ein wenig putzen und schon:

sind sie fast wieder wie neu. Die paar Stellen, wo die Versilberung abgerieben ist, sieht man kaum. Ja, die konkave Kanne habe ich praktisch schon mal, aber in der oberen Wohnung, und die konvexe Kanne ist eine lustige Ergänzung, findest Du nicht?
Aber warum hast Du den Biedermeierstuhl gekauft? Du hast doch schon so viele...
Warum, warum, warum. Weil ich ich kann. Weil der Tag, an dem ich an einem Biedermeierstuhl mit Mahagonifurnier aus der Zeit um 1820 für 25 Euro vorbei komme und ihn nicht kaufe, der Tag sein wird, da man mich im Leichenwagen daran vorbeifährt. Weil ich im Frühjahr ein klein wenig zum Restaurieren haben will. Weil ich die Form mag. Weil tausende daran vorbei gelaufen sind, ohne die Qualität zu erkennen. Weil ich die ganze Nacht gekotzt hätte, wenn ich ihn nicht gekauft hätte. Für meinen Seelenfrieden. Dafür, dass ich keinem Blogstricher aus falschen Gründen die Fresse eintrete. Darum.

Don?
Ja, Iris?
Das ist schon etwas krankhaft.
Habgier, meine Liebe. Stühle und Frauen kann man nie genug besessen haben. Und jetzt holen wir die Torte.
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Dirt Picture Contest: Brot trocken lagern

Da muss es einen Moment die Erkenntnis gegeben haben, dass man ein angebissenes Brot immer trocken lagern muss. Also nicht auf den regennassen Boden damit, wo es der nächste in die Lücken zwischen den zerborstenen Platten tritt, sondern an einen Ort, wo es geschützt ist und vielleicht dereinst in der kommenden schlechten Zeit, die schon in wenigen Minuten beginnen kann, wenn der Geldautomat nichts mehr hergibt, nochmal der Verdauung zugeführt werden kann. Aber offensichtlich war das Konto noch nicht voll überzogen, deshalb blieb das Brot doh hier auf der Fensterbank liegen.
Kein Problem. Wenn man nach dem Säuberungszustand des Fensters geht, wird der innwändige Bewohner das Problem erst wahrnehmen, wenn die Schimmelflecke sich weiter empor gearbeitet haben.
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Sonntag, 25. März 2007
Öl-für-Kneitinger Mission beendet,

Es ist vollbracht. Unrasiert, abgekämpft und eine Dusche wäre auch mal wieder nicht schlecht. Aber es hat sich gelohnt. Der Bock ist da, wo er hin soll. Unten auf der Strasse wurden dann noch an ein paar Mädchen Pralinen verteilt. So und nur so gewinnt man die Herzen in unterentwickelten Regionen. Ja. Es ist schlimm, dass man sonst nichts tun kann. Man kann sie nicht mitnehmen, die müssen das da drüben selbst schaffen.
Aber solange Bayern noch in der Lage ist, vernünftige Lebensmittel zu produzieren, und solange es mutige Bayern gibt, die ihre Leut nicht hängen lassen, werden weiter Missionen dafür sorgen, dass das Licht der Hoffnung auch in den finstersten Bagderliner Prenzl Slums nicht verlischt.
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Domaingrabber sind auch nicht mehr das,
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Die Kellerkinder von Charlottenburg
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Dirt Picture Content - Richtung Nirgendwo

Es ist nur ein halber Pfeil, ausgesägt aus dem Pressspan irgendeines lang vergangenen Möbelstücks, und er weist in der Lychenerstrasse nach Süden. Vielleicht ein halbherziger Versuch, einen Weg raus aus der Müllkippe zu finden? Ein Hinweis auf eine Party in irgendeinem Keller, weiter vorne?
Vielleicht findet sich eine Lösung während der kommenden Monate, da dieser halbe Pfeil weniger die Richtung als das Versagen der Stadt vor dem Müll zeigen wird.
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Freitag, 23. März 2007
Ich will hier nicht alt werden
Die Frauen hinkten weiter über die Strasse, die Bücklige wackelte dabei langsam hin und her, wie ein Baum im Srturm, und der 5er fuhr konstant weiter. Kein Bremsen, kein lenken, nichts. Sie schafften es genau bis zum Geländer an einer Stelle, wo es keine Lücke gab. Der 5er war schon an mir vorbei, als er wenige Zentimeter von den beiden Alten über das Kopfsteinpfalster rauschte.
Ich würde hier nicht alt werden wollen.
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Hingabe in Bayreuth

Weitere Bilder im GTBlog.
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Transfer

Hermsdorf

Leipzig, Volkshaus

Leipzig Nord

Danke an alle Anwesenden - es war ein grosses Vegnügen. Mal abgesehen davon, dass es wirklich kalt war und ich mich nicht getraut habe, in der originial DDR-Gewerkschafts-Location die Lesung mit den Worten "Liebe Genossinnen und Genossen" zu beginnen. Und die Fahrerei war natürlich auch kein Spass. Noch nicht mal mit Winterreifen (Rausschieben lohnt sich manchmal).
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Donnerstag, 22. März 2007
Und schon wieder zu spät
Sonntags bin ich wieder hier - und dann in Pfaffenhofen auf dem Flohmarkt. Wer Interesse hat, kommentieren oder mailen!
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Danke für die Nachfragen
Wir alle wissen hoffentlich, dass es im Kapitalismus kein "umsonst" gibt. Ausser von Deppen, die an "umsonst" glauben, die dann abgezogen werden. Da steht dann "umsonst registrieren", aber in Wirklichkeit heisst es "Gib uns all Deine Daten". Und genau diesen Trick wendet SinnerSchrader auch bei Bloggern an. Sie machen einen Kongress mit Leuten, die zum grossen Teil kein Mensch braucht: Lukasz von Spreadshirt, der mit seinen Grosskotzbemerkungen über StudiVZ hier eine auf den Rüssel bekommen hat. Den Bolz, den ich ohne Alk nur ertragen hätte, wenn ich die Berliner Politschranzen nicht anderthalb Jahre live erlebt hätte. Mit diesen D-Promis wissen sie genau, dass sie den Laden nicht voll kriegen. Kaum jemand zahlt deren Mondpreise aus eigener Tasche, da werden Budgets verbrannt und Wichtigtuer verschickt.
Der Rest der unverkäuflichen Tickets geht an Blogger. Und zwar nicht dafür, dass sie das Buffet leer fressen und die Erfahrung machen, dass das Ficken von PR-AnjaTanjas kein Spass ist, sondern, damit sie sich bevorzugt fühlen als dolle Blogger in doller Bizznezz-Welt wie der Eingeborene bei der missionierenden Armenspeisung und dafür dem Laden a) Credibility verschaffen und b) ihren Lesern erzählen, was für ne coole Firma diese piefige Klitsche doch ist. Und genau das ist SinnerSchrader: Eine weitere New Media Scheisselaber Agentur, deren Torah Whora mit "Mavens" philosemiteln und ansonsten auf der Suche nach nützlichen Idioten sind, die der Welt erzählen, dass sie irgendwie modern Web2.0 und bloggisch sind. Was man halt so tut, wenn man dumm genug ist zu glauben, dass die einem ernsthaft einen geldwerten Vorteil für umsonst rüberreichen. Sie wollen, dass man die PR für ihren Laden übernimmt. Kein Blog, kein Eintritt. Blogger sollen den Laden schön schreiben. Und es kostet sie keinen verdammten Cent.
Es ist Kapitalismus. Es gibt dort wie bei allen anderen "Wir laden Blogger ein"-Kongressen kein Umsonst, ausser von den Nützlichen Idioten. Es sei denn, man geht hin, frisst das Buffet leer, säuft sich die PR-Gänse schön, kotzt neben die Schüssel, brunzt denen noch irgendwie die Rechnung für Hotel, Fahrt und vergeudete Lebenszeit drauf und schickt den aufgenommenen Podcast, in dem sich gewisse zugekokste Leute über ihre Abrechnungssauereien bei ihrem Kunden unterhalten, an denselbigen weiter, und blogt das dann. Mehr Informationen über diese Klitsche hier und besonders hier.
Und natürlich kann man mit denen so umgehen. Das ist eine soziopathische Branche, die in ihrem Innersten die Prügel soger zitternd erhofft. Also, immer eine in die Schnauze. Der nächste einladende Depp kommt bestimmt.
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Motto des noch jungen Lesetages in Leipzig:
Abgesehen davon ist Leipzig ohnehin Südberlin. Mit Ausnahme des Deutschen Literatur Instituts natürlich, das ist literarisch Lichtenhagen. Ich werde bei der Fahrt Carl Philipp Emanuel Bach hören. Das ist der Sohn, der Berlin hasste und es am Ende wenigstens nach Hamburg geschafft hat.
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