: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Freitag, 6. April 2007

Kumma mitda Russn-Leica

So ist das mit den Gebrauchtgütern: Man weiss nie, ob sie wirklich funktionieren. Als ich letzten Sonntag eine gebrauchte Export-Zorki Ic kaufte, war ich begeistert: Sie war, wie nur wenige russische Kopien der berühmten deutschen Leice II, wirklich ausnehmend schön, solide verarbeitet, leichtgängig, fühlte sich nicht an wie ein russischer Traktor (wir kennen doch alle die Episode von Don Camillo und Peppone, als das kleine Dorf einen russischen Trakter geschenkt bekommt, der nicht läuft), und war erkennbar höherwertig. Sie machte sogar das berühmte, satte Leicaklicken beim Auslösen.

Leica hat damals, als die Kamera 1932 vorgestellt wurde, einen Geniestreich auf den Markt gebracht. Die Leica ist eine Revolution, denn endlich konnte man den Kleinbildfilm verwenden und 36 Aufnahmen ohne Wechsel der Spule - oder gar Platte - verwenden. Das hatte allerdings zur Folge, dass der Verschluss der Kamera, der das Licht auf den Film lässt, klein ausfallen muss. Leica - und ihre Kopisten in der UdSSR - griffen dabei zu einem Verschluss aus gummierten Stoff, der sich wie ein Vorhang auf- und zuzog. Auf der rechten Seite wird der Vorhang auf eine Rolle gezogen, die einen bauartbedingten, sehr kleinen Durchmesser hat. Und das rächt sich nach - zugegeben langen - 50 Jahren.



Nach dieser Zeit also, nach der keine aktuelle Plastikdigitalkamera, die wir heute kaufen, noch einen Muks von sich gibt, ist also der Gummi auf der Rückseite des Vorhanges gebrochen. Leica und später auch die berühmte Konkurrentin, die Zeiss Contax, haben das Problem erkannt und später einen anderen Verschluss mit Metallschienen verbaut, der die Kamera leider eitwas dicker werden liess. Die Leica II und ihre Kopien jedoch verdanken diesem Makel ihre reine, schlanke Form. Das ist wie mit dem Apple iPOD und dem Microsoft Zune: Wenn man vor der Leica II, einer Leica M und der Contax steht, greift man instinktiv zur Leica II, trotz all ihrer immensen Nachteile beim täglichen Betrieb. Kurz, die Leica II ist eine Kamera, nach der es im Design nur noch abwärts ging. Meine Traumkamera wäre ein Digitaleinsatz für die Leica II. 12 Megapixel auf 36 mal 24 Millimeter enstprechend 400 Iso, den Rest mache ich mit der Hand, dem Gefühl für Blende, Verschlusszeit und dem Hirn, das Auszuschalten uns die Digiknipsen lehren.

Wie auch immer, der Vorhang dieser wunderschönen Zorki ist kaputt. Das zeigte sich beim ersten Film, bei dem nicht weniger als 7 Löcher im Vorhang hässliche, weisse Geisterflecke auf den Bildern hinterliessen. Sobald man die Kamera vor dem Abdrücken nur etwas ins Licht hält, kann man die Bilder vergessen. Wäre das eine echte Leica, szände hier nun die Klage eines Besitzers, der sich durch Dutzende von Messen gequält hat, um das Original zu beschaffen. Aber das hier ist eine Zorki, die zwar nicht das Aussehen, aber die Robustheit eines russischen T-34 Panzers hat - auch, was das grobe Material des Vorhangs angeht.



Statt nun die Kamera zu zerlegen, wird der Vorhang mit möglichst dicker Textilfarbe dreimal eingestrichen. Keine Sorge, das Material ist so robust, dem tut das nicht weh. Und danach wird vorsichtig auch die auf der Rolle sichtbare Rückseite bestrichen, und dann aufgezogen. Und eine Nacht getrocknet, zwei Tropfen Öl in die Schienen, Objektiv drauf.

Das war´s für die nächsten 20 Jahre. Mindestens. Ansonsten kann an einer Zorki oder Leica kaum was kaputt gehen: Dicke, vergütete Linsen, Metallkörper, verzinkte Messingaufbauten, und alles mit ein paar Schrauben zusammengehalten, die jeder selbst justieren kann. Sie wird noch genauso trocken russisch clack machen, wenn die Cybershots längst japanisch ausgepiepst haben.

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Freitag, 6. April 2007

Schönster Neologismus des Tages

Wir sollten ihnen das nicht nur anrohen.

Sagte die Anwältin bei der Überlegung, diese Rechnung auch den einzelnen Fakebloggern Joe, Tomek und Flyinggirl zu präsentieren, die die fraglichen Kommentare abgesetzt haben. Anrohen. Finde ich gut.

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Heute Kinder wird´s was geben,

heute kommt Don Gnadenlos,
eine Marke wird er kleben
an die Rechnung schwer und gross.

Dann wird Wehen sein und Klagen
und Geheul im Hessenpuff
und ein Schnitt geht durch den Magen
immer raus die Kohle, feste druff.

Wer nicht blecht ist nicht sehr weise
denn in des Donnes Hintergrund
spannt Abmahnbogen still und leise
der familiäre Schwestern Bund.



Keinen elenden Pleitier würd ich belangen
Milde heiss ich zwischen Don und Fons
doch wer schleichwirbt ist gefangen
wird trinken seines eignen Blutes Schlonz.

Frisch geschliffen nun des Schwertes Stahl
und ran an technostinkendes Geschmeiss
auf dass für ewig des Kaines Mal
sei das USP von diesem Scheiss.

Gnade will ich walten lassen für ne Stunde
so bis 13 Uhr hier Vergebung wird erfleht
geht es ab auch ohne grosse Wunde
wenn nicht - Ihr bald den Weg der Schmerzen geht.

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Donnerstag, 5. April 2007

Wirtschaftskreislauf.

Zwei Abmahnungen gelesen. Vollkommen nichtig und chancenlos, aber hätte es mich betroffen, ich wäre morgen Axt kaufen gegangen. Just for the fun of it.

Danach Beschäftigung mit Werberdreck.

Rechnung geschrieben. Mich gefragt, was Igor und Piotr in der dafür erhältlichen Basisdinstleistungsgruppe so anbieten. Vielleicht Mengenrabatt?

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Kameraproblem

Davon habe ich so einige im Moment. Zum Beispiel hat meine neue Zorki ein paar Löcher im Verschluss - glücklicherweise nichts, was man nicht mit Textilfarbe reparieren kann. Aber es gibt noch mehr, und das, obwohl ich sicher genug Kameras besitze. Nun steht vom 17. bis 20. April die Mille Miglia ins Haus, und ich bin zu der Zeit tatsächlich auch in Oberitalien. Früher wäre das alles kein Problem gewesen, schliesslich habe ich eine zwei Spiegelreflexkameras und auch die nötigen 300mm-Objektive. 400er Film rein, Blende auf 2,8, und dann mit 1/500 oder 1/1000, so erwischt man auch schnell fahrende Automobile.

Aber das war vor dem Internet, den Blogs und Lesern, die vermutlich gerne zeitnah altes Blech und Umweltverschmutzer in schöner oberitalienischer Landschaft sehen wollen. Bei der Mille Miglia wird gerast auf Teufel komm raus, und bei ein paar Tests gestern an der Landstrasse zeigte sich, dass vernünftige Bilder mit meinen Digicams illusorisch sind - wen es interessiert, die beste Kamera war die alte Minolta S414, der man hier die meisten Berlinbilder 2004/2005 verdankt, dann die ebenso nicht neue Canon Ixus 500, die inzwischen nach 8000+x Bildern ohnehin nicht mehr die Schnellste ist, und noch etwas schlechter die Kodak V705, die sich aber in Israel als Reisekamera bewährt hat.

Alle Kameras kommen mit der Scharfstellung nicht mit, und am Ende des Teleobjektivs fehlt immer noch ein Stück. Die Ergebnisse sind jetzt nicht katastrophal, aber doch so schlecht, dass ich als nicht ganz unerfahrener Photograph nicht mehr viel machen kann. Nun hat der Händler meines Vertrauens gerade ein Auslaufsmodell einer Fujifilm S5600 mit ausreichenden 5 Megapixeln im Angebot: Ein üppig dimensioniertes 380mm Teleobjektiv, ordentlich schwer und gross, was bei Teleaufnahmen ein Vorteil ist, manuell bedienbar sowie mit normalen AA-Akkus, deren Sinnhaftigkeit jeder versteht, der schon mal dachte, der Akku einer Kodak oder Canon würde schon noch reichen - im Zweifelsfall reicht er nie. Dummerweise schluckt die S5600 xD-Speicherkarten, die ich nicht habe und erst mal kaufen muss - bislang bevorzuge ich klar die alten CF-Karten. Sprich, die Kamera ist dank dem grassierenden 10-Megapixel-Rausch billig, aber die Füllung wird etwas teurer.

Bevor ich jetzt losgehe und das Ding dennoch kaufe: Kennt jemand eine andere Kamera mit mehr als 300mm-Zoom und 5 oder mehr Megapixeln, die einigermassen robust, manuell einstellbar und nicht allzu teuer ist?

nebenbei: ich habe durchaus rumgeschaut, und insgesamt der günstigste und beratungskompetenteste anbieter in meiner heimatstadt, von der aus mediamarkt und saturn geleitet werden, ist - galleria kaufhof, die bei alteingesessenen immer noch merkur heisst. die "beratung" bei "mediamarkt" wäre einen eigenen beitrag wert.

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Dienstag, 3. April 2007

Manche werden vielleicht sagen,

dass es den Don freut, wenn er einen Ex-Bild/T-online.de-Mann mit runtergelassenen Hosen erwischt. Andere werden sagen, der Don hat nur darauf gewartet, SinnerSchrader eins reinzuwürgen. Und wieder andere werden meinen, dass es dem Don um das Vorführen von Web2.0 als moderne Form der Volksverarschung geht.

Ich sage: Es geht um eine Abmahnung, und um das schäbige Verhalten derer, die eigentlich verantwortlich sind. Es geht für alle um die Frage, wo sie wann was und wie schreiben - aber ich würde auf jeden Fall raten, es keinesfalls bei Qype zu tun.

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Zombie-Edmund

You knew it first:

Der Umstand, dass sich Horst Seehofer im Moment so zurückhält im Kampf um die Nachfolge von Stoiber als Parteivorsitzender - das dürfte einiges zu tun haben mit dem, was man aus München hört. Denn Edmund Stoiber reitet wieder auf einer Welle der Sympathie und es scheint, als könnte er demnächst vom Rücktritt wieder zurücktreten.

Jaja. Was Gift für die damaligen Problemstoibärenfellaufteiler Beckstein und Huber sein wird. Ministerpräsident weiterhin Stoiber, Parteivorsitz, darüber kann man reden. Solange es nicht der Verräter Huber ist.

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Real Life 27.03.07 - Tante Gertrud

Vorspiel am Telefon

Hast Du heute tagsüber schon was vor?

Nein, nicht direkt. Wir könnten einen Ausflug machen.

Das, lieber Don, wollte ich dir auch vorschlagen. Wir nehmen deinen Roadster und fahren ins Altmühltal. Abgemacht

Abgemacht.

Und wir jammern auch nicht rum, weil uns mein Paps und meine Mom und Tante Gertrud und ihr Hund voran fahren.

Scchhhh.......

Abgemacht ist abgemacht. Um 12. Sei ein lieber Junge und komm rechtzeitig, und zieh Dir was an, worin du nicht wie ein Zuhälter aus den 20er Jahren aussiehst.

Hör mal, es gibt hier in der Stadt Hunderte von Aufsteigern, die es lieben würden, sich deiner Familie zu präsentieren und sich das braune Gesülz von Tante Gertrud anzuhören, um dann später um deine Hand anzuhalten, wieso ausgerechnet ich?

Dramolett auf dem Berg, nahe Obereichstätt, Director´s Cut
und ich habe verdammt viel geschnitten

Hasso, Hasso komm her, nein, nicht jagen, also und dann hat der doch tatsächlich damals zu meinem Mann gesagt, das müssen sie sich vorstellen, Herr Porcamadonna, sagt der doch, wie war das nochmal, ach so, sagt der doch, äh, Hasso jetzt komm, also, wo war ich, ach so, ja, er werde in die Revision gehen. Obwohl es sonnenklar war. Können sie sich das vorstellen? Die Leute hatten schon damals keinen Respekt mehr vor einem Richter. Da braucht man sich nicht wundern, wenn heute jeder tut, was er will. Früher blieb man zusammen, egal was passierte, heute lassen sie sich scheiden, wie dieser grässliche Mann von Iris, also so ein Halodrie, und der Skandal, nicht wahr, er hätte ihr das Haus lassen sollen und fertig, so hätt sich das gehört, nicht wahr. Hasso, Hasso, wo bleibst du denn, komm her, also...

Irgendwo muss Iris sein, aber offensichtlich ist der gesamte Clan zufrieden, dass sich Tante Gertrud so prima mit dir versteht, obwohl du zweifarbige Budapester trägst - solche hatte ihr Mann nämlich auch mal, damals, als noch nicht jeder Mitglied im Golfclub war. Es ist eine One-Way-Communication, sie sendet, du empfängst, und tief in dir rumort es kräftig. Du könntest viel beitragen, du hast auch eine Meinung, aber die Sonne dämpft das alles, es ist wirklich schön hier ausserhalb von Tante Gertrud, die du mit Mühe davon überzeugen konntest, dass es im Roadster wirklich viel zu zugig ist und ausserdem sonst Hasso komische Dinge im nagelneuen CLS von Iris Papa anstellen würde.

Oh, schaugns, Herr Porcamadonna, da oben, das Kreuz, wir sind angekommen, ist es nicht schön?



Ah, was steht da drauf, Hasso, bleib da, Hasso, hier oben gibt es keine Kaninchen, m Kreuz ist heil, das stimmt, das hat mein Mann auch immer gesagt, und wenn man die gelegenheit hat, dann soll man auch beten, Hasso, HASSO!

Über die freie Fläche rast ein Karnickel die Juranhöhe hinauf, dahinter Hasso, der als alt gewordene Sofatöle keine Chance hat, es aber dennoch versucht, und das ist der einzige Grund, warum dir die Peinlichkeit erspart blieb, keinen zwangsweise kreuzgustelnden Clan inmitten der an sich wirklich schönen Natur ansehen zu müssen, an den sich anzupassen das Gesetz selbst verständlich verbietet.

Nachspiel heute am Telefon

Übrigens hat Tante Gertrud dann noch gemeint, dass dein Auto viel zu gefährlich ist, und meine Eltern sollen mich nicht mehr mitfahren lassen, und ausserdem hat sie es im Gefühl, dass du trotz deiner Manieren nicht der ideale Gatte für mich wärest.

Was machst Du die Woche?

Nichts. Wieso?

Hast Du die Woche mal Lust auf München? Ich habe eine Einladung für den Abend.

Super! Und wo geht es hin?

Lass dich überraschen.
Beiseite: Es ist verteufelt schwer, angemessene Begleitung für ein Sederessen zu finden, mit der einen nicht sofort jeder verkuppeln will.

Was?

Nichts. Zieh Dir was Nettes an.

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Montag, 2. April 2007

Oberes Niederbayern

sowie Ösis, PRler, Schwaben und andere Vorbalkanier aus Sicht des Donautales gibt es im Interview mit Meister Burnster.

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Hinter Gittern

oder auch die freudlose Gasse: Die Hässlichkeit der Funktionsarchitektur, die Symbolik der Schiessscharten hat vielleicht auch so seinen Anteil daran, dass aus den Elitessen der hiesigen Studentenwohnheime später mal knallharte, leistungsorientierte und durchsetzungsfreudige Junior-Sachbearbeiterinnen werden.



Wir wurden auch gefragt, ob wir investieren wollen. Nein, wollen wir nicht. Ich denke, dass es ein Fehler ist, für Elitessen Löcher mit 20 m² für 275 Euro im Monat anzubieten. Wer hier studiert, kommt mit grösster Wahrscheinlichkeit aus einer Familie, die ihre Kinder nicht zwangsweise in derartige kleine Wohnungen stecken muss. Wer hier studiert, hat in der Regel kein Problem, 100 Euro im Monat mehr zu bezahlen. Erfahrungsgemäss gedeihen Elitessen auch besser, wenn sie etwas mehr Freilauf im Käfig haben. Es lohnt sich also, grösser zu denken. Denn Papa ist auch einer, der grösser denkt. Sonst wäre die Elitesse nicht hier gelandet, wo sie auch nur ist, weil sie in St. Galle und anderen Einrichtungen nicht genommen wurde.

Andererseits: So ein Loch bringt die Leute sicher dazu, schnell zu studieren. Und das ganze ist direkt neben der Fress- und Saufstrasse der Altstadt, vom Junkfood bis zum elterntauglichen Wirtshaus ist alles dabei, und gegenüber war sogar mal ein illegales Bordell - übrigens von einem Studenten betrieben.

Hm.

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Sonntag, 1. April 2007

Halcyon Days

Müsste ich meine Feindbilder beschreiben, derer ich doch einige habe, käme relativ weit oben Folgendes: Ein PR-ostituierter einer Firma wie beispielsweise SinnerSchrader in der offenen blauen Kretinblechdachkutsche des Opel Tigra Twin Top mit Weicheiwindschott und 40 Sachen die Kurven der Brenner Staatsstrasse runter kriechend, neben sich eine anämische Hungerblondine namens Anja oder Tanja, die alles mit dem Kamerahandy aufnimmt, und beide tragen Baseballkappen amerikanischer Hochschulen und dazu Sonnenbrillen von Oakley und Versace - und ich komme von hinten mit lässigen 160 entspannten 110 erlaubten 80 daher und muss wegen diesem verfluchten Gimpel meine kurvengierige Barchetta abbremsen. Das sind die Momente, in denen ich Dinge sage, die ich noch nicht mal bloggen würde. Ich bin der zivilisierteste Autofahrer der Welt und ein Kavalier am Steuer, ich bremse für alles und trage Kröten über die Strasse - aber auch für mich gibt es Grenzen.

Weil ich diese Feindbilder habe, suche ich wie jeder Mensch natürlich Distinktionsmerkmale. Und zu diesem Zweck habe ich eine lange Liste von Gegenständen, die mir helfen sollen, eine derartige Existenz zu vermeiden. Manches hat sich gefunden, anderes hingegen lässt sich äusserst schwer beschaffen. Ich bin einer derer, dem ein Gegenstand weniger bedeutet als seine Geschichte, und deshalb will ich keinesfalls bei Ebay irgendwelche fabrikneuen taiwanesischen Kopien bestellen, sondern das, was Alter und Erwerb zum Unikat werden lässt. Heute morgen, nach dem Aufstehen, dachte ich über die bevorstehenden Reisen nach, und dabei ging ich die Liste der Desiderate durch, die mir nun schon seit über einem Jahr fehlen. Da wäre eine Fliegerbrille von Halcyon. Eine englische Halcyon Mark IX, deren Ruf ironischerweise aus einer äusserst unruhigen Zeit stammt - beliebt war diese Brille mit ihrem Messinggestell und der handgenähten Ledermaske während des Battle of Britain. Ausserdem waren alle alten Lederhauben, die ich bislang fand, definitiv zu klein für meiner 59er-Schädel. Und dann bräuchte ich schon seit längerem eine funktionierende Kamera im Stil der originalen kleinen Leica. Nachdem meine russische FED leider Filme frisst, wie ein PR-olet das Fingerfood. Eine lange Liste. Besonders, wenn der einzige Flohmarkt am ersten Sonntag im Monat bekanntermassen erbärmlich ist.



Und dann ging es ganz schnell. Nach 10 Minuten hatte ich einem älteren Herren, der nun schon seit 30 Jahren nicht mehr Cabrio fährt, die Halcyon Mark IX abgekauft. Zwei Stände weiter lag in einer Kiste "vom Opa" die gesuchte Lederhaube in der passenden Grösse - bis auf den Kinnriemen, aber den macht man ohnehin nicht zu. Und dann war da noch der junge Einwanderer, der neben einem Haufen alter Minoltas, Nikons und Praktikas auch von daheim eine - nach der Seriennummer - praktisch neuwertige Eport-Zorki 1C aus der Zeit um 1952 mit Industar 22 Objektiv hatte. Zorkis und FEDs und die darauf basierenden Leica-Fälschungen sind übrigens auch ein schreiend komisches Kapitel der Globalisierung, aber dazu wann anders.

Jetzt habe ich für den Preis dessen, was ich einem Hamburger PRlers für zwei Wochen Arbeit im Steinbruch zu zahlen bereit wäre, eigentlich alles beisammen, um zu starten, goldenen Tage, die halcyon days des Frühlings.

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Topffindende Deckel

Früher war alles einfach. Damals, während des Studiums. Da konnte man munter Vorlesungen und Seminararbeiten schieben, um schnell mal hierhin zu brausen und dort zu verweilen. Mit Ausnahme der turbulenten Jahre 1999-2002 ist es auch danach bei den Möglichkeiten geblieben - allein, es fehlt an der Möglichkeit, diese Zeiten in Einklang zu bringen. Kann der eine, fehlt es dem anderen an Urlaub, hier kommt etwas dazwischen und dort stehen dringende Arbeiten an, die sich plötzlich so ergaben. Sollte es dann zeitlich doch passen, geben die Wünsche dem Urlaub dem Rest - so sucht das famose Stilhäschen partout einen Freund von Schnee und Obstler, um den Fängen der Antons aus Tirol und der Gerards aus Chamonix zu entgehen, aber keinen wie mich, der mit ihm durch Oberitalien brausen wollte - mag sich vielleicht spontan ein Leser ihrer Suche nach einem geeigneten Pistenhupfer annehmen?



So also dreht sich die Weltkugel, auf der wir kleiner Fliegendreck kleben, während uns da oben das himmlische Geschick verlacht. Die schönsten Reisen werden stets die sein, die wir verpasst haben, das beste Essen war nie auf unserem Tisch, und das satteste Röhren des Motors in den Bergschluchten haben wir erst dann vernommen, als wir daheim davon träumten. Es ist ein Fluch, es nicht zu tun, und deshalb tut man es dennoch. Denn freundlicherweise hat sich eine Begleiting gefunden, die parallel zum abgesagten Kongress nun bereit ist, alle Freuden Frankens und Bayerns auszukosten, bevor es dann endgültig nach Italien geht. Diesem April also trotzen wir seine allerbesten Seiten ab, diesen April nehmen wir mit und lachen derer, die statt dessen in dumpfigen Räumen versauern, und spenden Tröstung allein denen, die sich zumindest am matten Abglanz der Reiselust im Reiselogbuch erfreuen wollen. Keine Kurve, die nicht gefahren, keine Autobahn, die nicht vermieden wird, was sollen wir Zahnschmerz und Erkältung fürchten, ist die heisse Zitrone doch unser täglichen Begleiter, und den Kiefern wird noch lange warm sein von den Köstlichkeiten, die dieses Land herzugeben nicht umhin kann.

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Sonntag, 1. April 2007

Das mit der Medienkonvergenz

über wir bitte nochmal: Wenn man im Kommentar schon für Ruhesitzimmobilien am Gardasee spammt, sollte man als eigene URL etwas anderes als ausgerechnet eine Seite für Handylogos hinterlassen. Die Zielgruppen könnten unterschiedlicher nicht sein.

Jetzt wüsste ich nur noch gern, woher die eigentlich wissen, dass ich auf der Suche nach einer wassernahen Immobilie bin.

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Freitag, 30. März 2007

Kulinarisches Bayern

Der Küchenchef empfiehlt von der Tagekarte:



Altmühltaler Schweinerollbraten aus der Mikrowelle mit weisser Rahmsosse.

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Kleintierhaltung

Es steht völlig ausser Frage, dass der Stadtpalast uns gehört. Seit 150 Jahren wohnen wir nun hier. In dieser Zeit haben wir Stockwerke ausgebaut und Fassaden renoviert, Kriegsschäden beseitigt und eine Dachterasse gebaut. Ausser den Nazis stellte niemand in Frage, dass es unser Stadtpalast ist. Es gibt zwar periodische Versuche der Vorvorbesitzer, das Gespräch auf einen möglichen Verkauf zu bringen, aber da beissen sie auf Granit.

Anders, zumindest teilweise anders, sehen das die Tauben. Ich habe nichts gegen sie, auch wenn manche sie als "Luftratten" bezeichnen. Wenn sie fliegen wollen - was soll´s. Das Problem ist ein anderes, und zwar, wenn sie nicht fliegen, sondern meinen, das oberste Speichergeschoss würde ihnen gehören. Manchmal muss man Luft reinlassen, man macht ein Fensterchen auf - und nach kürzester Zeit verstehen es die Tauben als Einladung, von ihrem Dachgeschoss Besitz zu ergreifen. Nicht weiter schlimm, man verscheucht sie eben. Genauso, wenn sie über die Tür der Dachterasse eindringen.

Seit ein paar Wochen hat das allerdings eine neue Qualität. Vorne am Giebel ist eine Luke, die durch ein vorgehängtes Fenster verschlossen ist. Vorgehängt bedeutet, dass da eine schwere, gerahmte Glasscheibe an einem Strick vor der Luke hängt. Das lässt Luft rein und hält Viecher draussen. Doch nachdem es seit Dekaden - oder Jahrhunderten geklappt hat - sind die Tauben auf einen Dreh gekommen, sich an der Scheibe vorbei zu quetschen. Das äussert sich dann darin, dass man eine Woche nicht mehr oben war und beim Hochgehen von einem munteren Getrappel begrüsst wird. Diese Szene aus Filmen, wenn jemand in den mysteriösen Speicher geht und dann ein paar Täubchen irgendwo flattern: In Wirklichkeitfetzen einem die eine Hälfte der Viecher um die Ohren, während die andere Häfte in verborgene Ecken fläüchtet, wo man sie nicht findet, und alles ist voller Taubenscheisse.

So auch heute. Die meisten bequemten sich nach viel Geschrei und Geklapper irgendwann über die Dachluke nach draussen, nur eine Taube versteckte sich ganz tief hinten drin im Verschlag. da hlft nur warten, denn irgendwann kommen sie raus. Also setzte ich mich in die Gästewohnung an den Rechner und wartete auf das charakteristische Getrappel. Das nach kurzer Zeit auch kam. Es trappelte, es trappelte weiter, es klang sehr nah, und als ich mich umdrehte, stand die Taube neben mir und schaute hoch, was ich da so trieb. Ich öffnete das Fenster, sie liess sich dazu herab, durch das selbige zu verschwinden - und dabei eine Karaffe und zwei Kerzenhalter umzuwerfen.

Das, ihr Tauben, kann eine Katze auch. Und eine Katze könnte auch dafür sorgen, dass euch der Speicher zum Verhängnis und ihr zur Vorratskammer wird. Eine Katze schnurrt, statt zu gurren, und sie ist stubenrein. Solltet ihr also partout weiterhin in Zweifel ziehen, dass das haus mitsamt Speicher das meines Clans ist, kann es sein, dass ich die Familie um eine Drittkatze erweitere. Ich denke, ihr versteht.

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