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Samstag, 27. Oktober 2007

The Return of the Kitsch Monster

Man erinnert sich vielleicht an die höchst kontrovers diskutierte Frage, ob Krokodile mit Pumps einem ordentlichen Haushalt zuzumuten sind, oder nicht. Ein bekanntes Kaufhaus in München jedenfalls hat die Frage damals mit einem deutlichen Ja für Bewohner der dort kaufenden Münchner Umlandes beantwortet, während die Leser dieses Blogs eher geteilter Meinung waren - sie kommen schliesslich nicht aus Regionen mit dem Autokennzeichen PAF, EBE, FFB, STA und was es da an Abgründen mehr gibt.

Nun, ein Jahr später hat die Invasion gute Fortschritte gemacht und im Sturm auch eines der besten Häuser der Theatinerstrasse erobert:



Eines, das noch dazu auch passendes Geschirr bietet. Passen Sie also gut auf sich auf und achten Sie auf rot bepumpste Krokodile, Frösche mit Frack oder dünnbeinige Katzen mit gestreiften Strümpfen, oder gar Katzenprinzessinnen mit goldenen Schuhen und Zigarettenspitze, die sich bei den üblichen Tafelsilberkäufen in Ihren Einkaufskorb drängeln wollen - selbst in den besten Lagen ist man in dieser Jahreszeit vor derlei Belästigung nicht mehr sicher.

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Manchmal reicht es nicht,

einmal einen Klaps zu verpassen, manche geistig nicht Geschäftsfähige brauchen eben etwas länger, bis sie was kapieren, also nochmal: Trigami und seine PR-Autoren widern mich an.

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Freitag, 26. Oktober 2007

Real Life 25.10.07 - Sie mag euch nicht

Sie mag eigentlich nichts und niemanden. Sie mag nicht, dass sie hierher kommen musste. Sie mag das Umfeld nicht, diese Öffentlichkeit, in die sie jetzt gezerrt wird, sie hat andere Vorstellungen vom Thema Vermögensverwaltung. Da sollte irgendwo einer sein, der das Geld vermehrt und dann überweist, so einfach, kein Aufwand, keine Belästigung, kein Streit, dann darf er auch etwas für sich behalten. Aber das, was sie jetzt erlebt, mag sie nicht.

Der Kampf fordert Opfer. Auf beiden Seiten. Letzte Woche klappte eine von euch in der Nacht zusammen, und keiner kann sagen, man hätte es nicht geahnt. Jetzt ist sie im Krankenhaus mit einem Haufen Blumen vom Versand, aber die einzige Frage war, ob sie ersetzbar ist. Sie ist es, also geht es weiter, und keiner hat sie bislang besucht. Morgen vielleicht. Aber heute morgen hat es dann auch die gegnerische Seite erwischt, möglicherweise Schlaganfall, Folge eines verlorenen Prozesses, da war der Jubel gross in der Mannschaft. Aber auch das kann sie, mit der du betraut bist, nicht gnädig stimmen, obwohl der Be- und Getroffene einer der wirklich Schuldigen für ihr Kommen ist.



Der und ihr Sohn, der ihr das eingeredet hat. Der Sohn ist nicht da, irgendwo im Ausland das Geld verprassen, hat keine Zeit, und deshalb muss sie selbst kommen. Sie hasst es, dem Taxifahrer das Geld geben zu müssen für die lange Fahrt vom See bis in diesen Zweckbauvorort der Munich Area, sie braucht lang, sehr lang, bis sie sich aus dem Taxi gequält hat, aber dein Angebot, ihr zu helfen, weist sie unwirsch ab. Sie hat trotz allem ihre feinen, weissen Fahrerhandschuhe an, wie immer, wenn sie im Wagen unterwegs ist, aber diese Hände werden nie wieder ein Lenkrad greifen, denn die Füsse sind kaputt, und die Handschuhe schützen ihre gichtigen Finger nur noch beim Bedienen der Krücken. Bald wird auch das nicht mehr gehen, dann braucht sie den Rollstuhl, sie weiss es, denn geistig ist sie noch voll da, und deshalb ist sie auch gekommen, weil sie das, was sie zu sagen hat, selbst sagen will. Sie traut keinem mehr, sie hat zu viel erlebt in den letzten zehn Jahren.

Du bist nicht so wichtig, du musst eigentlich nicht mit rein, also hast du die Zeit, dich um sie zu kümmern, und hältst ihr alle schweren Glastüren auf, die sie selbst nicht mehr öffnen könnte. Man denkt beim Bau solcher Komplexe nur an diese Zackzack-Consulter und Frauen über 1,80, nie aber daran, dass sich hier alte Frauen entlangschleppen, um Kämpfe zu führen, die sie nicht gewinnen können, weil alle möglichen juristischen Erfolge jenseits ihrer biologischen Grenze liegen. Sie sagt nicht danke, sie schleppt sich weiter, und du fragst dich, was du eigentlich machen sollst, wenn sie es doch nicht mehr packt und zusammenfällt. Auffangen, wenn es geht, und dann? Die Leute, die hier arbeiten, würden davon profitieren, eine rebellische Gesellschafterin weniger, sie würden vermutlich nicht mal den Notarzt rufen, sondern sie einfach krepieren lassen, auf dem Niveau seid ihr mittlerweile angekommen. Aber sie packt es. Daheim, am See, sitzt sie nur auf dem Sofa, und täuscht so über ihren Zerfall hinweg. Wenn sie Blasenprobleme hat, beendet sie das Gespräch schmeisst einfach die Haifische raus, damit keiner sieht, wie brüchig und inzwischen ihre Beine sind und wie sehr sie jeder Schritt schmerzt.

Halten sie mal, sagt sie an der Tür zum Sitzungssaal, reicht dir die Krücken und lehnt sich schnaufend an die Wand. Sie zieht ihre Handschuhe von den knotigen Fingern, steckt sie in die Handtasche und entnimmt ihr ein paar schwere Goldringe mit Steinen, deren Feuer so ewig ist, wie das ihrige unter all den Falten längst verloschen scheint, und dreht sie über die Knorpel und Adern der Finger. Drinnen fliegen bereits die Fetzen, man hört es durch die Tür, sie aber wartet noch einen Moment, schaut dich an, als wärst du Schuld an ihrer Krankheit, dem Zerfall, dem dummen Investment und der unvermietbaren Bauruine in Bremen, an ihrer erzwungenen Anwesenheit und daran, dass der Gegner nicht wenigstens gleich verreckt ist, wenn es ihn schon niederstreckt, sie atmet einmal schwer und sagt dann: Stellen sie diese Dinger hier ab, und geben sie mir ihren Arm.

Und so betritt sie an deiner Seite den Saal, langsam, getrieben nur noch von der Wut, die grösser ist als der Schmerz, sie schafft es, auch wenn sich ihre linke Hand dabei in deinen Arm krallt und die ganze lange Geschichte von Reichtum, Einsamkeit, Angst, Gier, Hass und all den Ängsten erzählt, die ihr Leben jetzt noch ausmachen.



Aber solange es noch geht, wird sie weiter machen.

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Donnerstag, 25. Oktober 2007

Empfehlung heute - Mit ein paar Grundrechenarten

macht Christian Jakubetz der Legende von den clickbringenden Galerien von sueddeutsche.de den Garaus.

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Die Apliken, die Sitzung und die Freiheit der Gedanken

Neben so praktischen, aber eigentlich von mir nicht besonders geschätzten Aspekten wie "Gelderwerb", zu denen ich trotz nicht ganz kleiner elterlicher Immobilien gezwungen bin (wie angenehm muss es damals im Jordantal unter all den Trauben allein mit Milch, Honig und Amalekiterin gewesen sein), haben längere Meetings mit wichtigtuenden LLPs den Vorteil, dass sie in zwei Teile zerfallen: Die Lügen, die man sich nicht mehr anhören muss, weil man sie schon kennt, und die wenigen Minuten, in denen es ans Eingemachte geht. Dann fliegen die Fetzen, es wird laut und unangenehm, Türen werden geknallt, und am Ende geht man mit einem Hausverbot und ein paar neuen Mandanten raus. Die andere Zeit jedoch kann man überlegen, die Gedanken schweifen lassen -

zum Beispiel zu den Fehlkäufen der letzten Wochen. Ich kaufe in der Regel nach Gelegenheit und plötzlicher Gier; wenn ich es sehe, weiss ich, das ich es noch nicht mal kannte, aber eigentlich schon immer haben wollte, und nehme es natürlich. A Platzerl findt se imma, sagte meine Grossmutter, und sie hatte natürlich - wie immer - recht. Nur bei den Apliken nicht, die ich aus einer Kiste eines ländlichen Trödelmarktes zug. Feuervergoldete Bronzeapliken, einflammig, wirklich schön - aber seit drei Wochen suche ich vergebens einen Platz dafür. Die Erleuchtung kam während des Vortrags des Geschäftsberichts zum Punkt "Anlegereinlullendes, um sie nachher mit Nachzahlung abzuzocken":



Rechts und links von den Fenstern natürlich, damit die anderen Apliken neben dem Spiegel nicht so einen einsamen Lichtklops in der Mitte bilden. So, wie das eben in derartigen Gebäuden üblich war. Drei Wochen boin ich verblödet daran vorbeigelaufen, und erst, als es um einen Scheinmietvertrag ging, kam die Lösung.

Eine Aplik habe ich noch. Und einen unerwarteten Auftrag, der moch schon wieder nach München zwingt. Vielleicht klappt es auch diesmal, wer weiss.

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In den See! In den See!

In den Googlesee mit einem Gewicht an den Füssen! Die Peitsche isch an der Blogbar schon trockchen!

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Donnerstag, 25. Oktober 2007

Real Life 23.10.07 - Aus dem Leben eines R-Klasse-Fahrers

Man sagt, dass in den 50er Jahren alles besser war, die Leute wären ehrlich gewesen und strebsam, und niemand hätte es damals auch nur gewagt, einen Kaugummiautomaten aufzubrechen.



Du glaubst das nicht, und zwar aus zweierlei Gründen: Einerseits hat dieses angeblich so ehrliche Volk ein paar Jahre vorher einen einzigartigen Raub- und Mordzug durch Europa veranstaltet und Völker in die Sklaverei gepresst, oder gleich ganz ausgerottet, und ist damit auf die Fresse gefallen. Das macht nicht zwingend gute Menschen. Und ausserdem kennst du inzwischen durchaus Leute, die in dieser Zeit sozialisiert wurden, und deren heutiges Verhalten beim Knacken des Vermögens anderer Reicher vermuten lässt, dass sie schon als Kinder den Kaugummierwerb in Tateinheit mit Erpressung und bewaffnetem Raub ausübten. Nur das mit den Waffen hat sich heute erledigt, das besorgen die Freunde hinter den Videokameras, und, so hört man, beste Kontakte zu osteuropäischen Sicherheitsfirmen. Daher auch die R-Klasse B2. Bei der die Einparkhilfe ausgefallen ist, das macht Spass, besonders im Müncher Kampf um Parkplätze. Weil, so einfach mit einem Gerät über andere walzen, wäre zwar möglich, aber es reicht ja, wenn die anderen krimine...



Ooops, das darf man natürlich nicht sagen, das mussten auch gewisse Top Dogs feststellen, von den besten Kläfferzüchtern beidseitig des Atlantiks, ein paar falsche Worte in einer Gesellschafterbenachrichtigung, und schon legt einen das Gericht an die kurze Leine, und stehen sie da, sind teuer und haben die Schnauze zu halten. Gar nicht so schwer, das unvorsichtige Geschwafel wegzuwischen, wenn der Hausanwalt genau weiss, an welches bayerische Hinterwaldgericht er sich wenden muss, um genehme Urteile zu erhalten. Apropos Wegwischen: Die Scheibenwischerautomatik ist ähnlich grottig wie schon beim SLK, so sieht man das Kommende nicht, was da drinnen aber auch egal ist, weil potentielle Schwerverbrecher der Faust die Panzerfaust zum Wegwischen hinderlicher Haifische präferieren.



Und derjenige, auf den man mit so einer Kiste wegen der schlechten Sicht brennt, hat garantiert keine Klagen mehr. Und auch keine bescheuerten Claims der Munich Area - mit diesen Worten wagt ein Umland-Berater tatsächlich den Münchner Verkehr zu verstopfen. "Wir bremsen für niemanden" ist ein Aufkleber, der definitiv in der Zubehörliste fehlt, denn der Kasten korrumpiert, dass es eine wahre Freude ist und bestens zur Einstellung des akteuellen Umfelds passt. Die das Teil ja auch geleast haben. Und da hinten gar nicht mitbekommen, wie all die vergammelten Träume von Macht und Reichtum gleich neben dem Tagungszentrum draussen vor der Stadt Banalität und Überdruss in die kalte, ewige Nacht über der Munich Area brüllen.



Die da draussen auf der Suche nach Fleisch schauen, ob das vielleicht denen gehört, die hier ihr Geld wollen, aber keine Sorge, es ist nur ein geleastes, hässliches, unpraktisches Auto voller hässlicher Gespräche, nachher stellst du es wieder ab, fährst heim und bist froh, dass es nichts mit dir zu tun hat. Nur den Tank, den hast du bezahlt und dann keine Zeit mehr gehabt, ihn gleich einzutreiben, sie schulden dir also einiges. Ein Auto für Ölquellenbesitzer in der leeren Wüste, der Opel Astra der Oberstklasse. Das ideale Auto für solche beschissen langweiligen Herbsttage in Münchens gehobener Einkommensklasse. Sie sagen, es gibt nichts Spannenderes als die Wirtschaft. Dabei ist es immer das gleiche, Gier, Dummheit, Gelaber, faule Ergebnisse, und der Ehrliche ist immer der Blöde.

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Die Tücken der Realitätskonstruktion

Das inhaltegierige "Qualitätsangebot" sueddeutsche.de hat heute einen Beitrag über die Waldbrände in Kalifornien aus mehreren Agenturmeldungen zusammengeschrieben. Unter dem Autorennamen "(AP/dpa/Reuters/odg/cag/gal)" findet man ein prima Beispiel, wie die Profihobbybrutzler in München gemeinschaftlich den Brei verderben:
Die gewaltigen Rauchfahnen waren selbst von der internationalen Raumstation ISS aus zu sehen, die davon Bilder zur Erde schickte.
Inzwischen wurde die größte Evakuierungsaktion in der Geschichte Kaliforniens eingeleitet. Von der Anordnung waren mehr als 900.000 Bewohner der Region zwischen Los Angeles und San Diego betroffen. Ein neuer Brand bei San Diego bedrohte den Villenort Rancho Santa Fe. Die gewaltigen Rauchfahnen waren selbst aus der internationalen Raumstation ISS zu sehen, die davon Bilder zur Erde schickte.
(http://www.sueddeutsche.de/,tt4m1/panoram
a/artikel/726/139436/) - dort dann auch die Bildergalerie mit 20 Photos, da hat sich der Praktikant aber angestrengt.
Vielleicht sollte man in den Journalistenseminaren mal ein Angebot wie "Abschreiben, aber richtig" anbieten, oder "die hohe Kunst des Durchlesens vor dem Abschicken".

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Empfehlung heute - Wer schon Kid37 heisst

und damit den Verdacht erweckt, dass es vermutlich mindestens 36 weitere Kinder gibt, kann ein Mutterkreuz wahrlich gebrauchen.

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Dienstag, 23. Oktober 2007

Henkersmahl

Ein Galette Blanc, innen weiss wie die unschuld und aussen mit allen Butterwassern gewaschen, bevor es zurückgeht in die Hölle der Munich Area, die unangenehmer ist als die glühend heisse Innenseite der Pfanne.



Seit einer Woche versuche ich in München, schnel mal zum Bahnhof zu fahren und die neue World of Interiors zu kaufen, seit einer Woche klappt das nicht, wegen nicht eingehaltener Absprachen, Vergesslichkeit und anderen asozialen Verhaltensweisen. Und dass ich jetzt, sofort nach München muss, weiss ich auch erst seit 10 Minuten. Leb wohl, schönes Buch von Jose Samarago, heute Nacht erst sehen wir uns wieder. Und all das nur wegen diesem Gschleaf.

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Dienstag, 23. Oktober 2007

Empfehlung heute - Taschenfragen

Eine der Sitzungen, die zu besuchen mir letzte Woche nicht erspart blieb, zeichnete sich aus durch ein Abflachen in den Sumpf der Frage, welcher der anwesenden Top Shots, egal ob männlich oder weiblich, die hübscheste Assistentin hat. Bei manchen, die in ihrem Leben schon ein paar eher schräge Jobs zwischen Davos und Nizza hatten, kann ich das irgendwie noch als Midlifecrisis nachvollziehen; bei anderen wirkt das Geprotze mit möglichst rausgeputzten Modepuppen in den Vorzimmern wirklich seltsam. Gerade so, als würde man der schwarzen Zwangskluft des Systems durch papageienbunte Stellvertreterinnen virtuell entfliehen können, warteten draussen dann wirklich die Aktenhalterinnen, die dem Vernehmen im Saal nach eine ganze Stange kosten, um sie so aussehen zu lassen, wie sie nun mal aussehen. Insofern würde ich antworten: Das sind Assistentinnen, die auf absetzbare Berufskleidungsrechnung für die Chefs das Zeug einkaufen, mit dem sie sich zu solchen Gelegenheiten als funkelnde Spielzeuge einer ansonsten rabenschwarzen Geschäftswelt zu präsentieren haben. Womit die Fragen von Modeste vielleicht beantwortet wären.

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Es geht auch ohne 68er-Rituale

Gewisse Kollegen (überhaupt ein schönes alter Wort aus der Wirtschaft wie sie mal früher war, Kollegen) üben sich in schon fast kulturrevolutionärer Selbstkritik. Statt hier jetzt einzugestehen, dass ich aus meinem grossen Kronleuchter im Bad 4 Glühbirnen rausgedreht habe und die restlichen Kronleuchter mit ihren, Moment, 6, 14, 19, 27, 32, dadada, zusammen 48 nein halt 51 Birnen praktisch nicht genutzt werden, weil ich auf halber Raumhöhe die eigentlich benutzte Beleuchtung aus einer Kombination aus ca. 30 Kerzenhaltern und diversen Stehlampen mit farblich wärmenden Schirmen und Energiesparlampen entzünde, und damit für die etwas grösseren Raumverhältnisse hier im Stadtpalast wirklich nur bei Festlichkeiten mehr Strom als als ein mittelständisches Unternehmen verbrauche - reden wir über grünes Essen und Nachhaltigkeit:



Ich gehe zu Fuss zum Wochenmarkt, kaufe mein Essen nur dort und soweit möglich auch nur aus dem ortsnahen, biologischen Eigenanbau, mein Käse kommt ebenfalls aus biologischer Produktion, weshalb ich natürlich zu den Originalen mit netter Tierhaltung und nicht zu den Produkten der Multis greife, und die einzige Sünde in dem obigen Kontext sind die türkischen Paprika. Eier, Mehl und Salz des Teigs, Mangold, Zwiebeln, Champignons, Schmand, und Gewürze der Füllung meiner etwas zu eirig und reichlich obszön gewordenen Galettes Vert sind allesamt von hier, nur der Safran kommt natürlich aus Spanien, der Parmesan aus Italien und der Pfeffer aus Indien, so war das aber schon immer, das ging schon zur Zeit der Segelschiffe und Saumpfade so. Derartige Strecken fahre ich mit dem Auto - und nie mit der Bahn oder öffentlichen Verkehrsmitteln, bleibe dadurch an Seele und Leib gesund und und brauche deshalb auch kaum was aus den Apotheken. Die meisten mich umgebenden Gegenstände sind gebraucht gekauft oder, siehe die obige Platte, der Familie mit Gewalt oder List entrissen entliehen.

eigentlich wollte ich ja nur erwähnen, dass ich mir - gebraucht - eine Kamera gekauft habe, die ich eigentliuch weder brauche noch wollte, aber sie hat eine voreinstellung extra für das ablichten von essen, und um das vorzuführen, entstand das obige Bild.

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Montag, 22. Oktober 2007

Guido G. Schmacklos

Erinnert sich noch jemand an die Peinlichkeit des Guidomobils? Ein Einfall des Herrn Möllemann, zu dem Westerwelle ziemlich lang auch nach den übelsten antisemitischen Sagern zu stehen beliebte, ein gelb-blaues Spiessergefährt, mit dem Westerwelle sowas wie Volksnähe demonstrieren sollte. Ich habe nur einmal mit ihm ein Interview gemacht, das war nach einem Closed-Club-Event im Münchner Nachtcafe und obendrein inhaltlich leer, arrogant und von oben herab, dass ich mich seitdem nicht mehr um dien Worte dieses Vorsitzenden da bemühte. Es ist nicht so, dass ich ihn boykottiere, aber ich habe auch noch keinen Auftraggeber gehabt, der meinte, man müsse jetzt partout auch mal hören, was die FDP dazu sagt.

Die FDP und Westerwelle haben kein Imageproblem, sie sind ein Imageproblem. Sie sind ohne jede Frage die Partei der Besserverdienenden; die neoliberal Rethorik wird konterkariert von den Monopol- und Trustberufen vieler Mitglieder; ganz so, als wollten Notare, Apotheker, Anwälte und Ärzte tatsächlich so etwas wie einen freien Wettbewerb, niedrige Gebühren ohne gesetzliche Regelungen, oder gar eine genauere Kontrolle ihrer sog. "Leistungen", die sie stets als Ursache für ihre notwendigen Privilegien angeben. Das weiss man draussen, die Leute lassen sich nicht reinlegen, die wissen, dass die FDP Marktwirtschaft schreit und mehr Geld vom Staat für ihre Klientel meint, und deshalb wird sie heute in der Regel weder von Liberalen noch von Freunden der Marktwirtschaft gewählt, und dümpelt im politischen Abseits.

Das war nicht immer so; gerade in bayerischen Städten wie dieser hier hatte die FDP früher einen guten Ruf. Das war noch vor den Grünen, und es gab hier sehr wohl engagierte, liberale Menschen, die jene um sich zu sammeln wussten, denen die CSU zu klerikaltotalität und die SPD zu arebiternah war. Diese FDP hatte eine damals schon nicht mehr junge Vorzeigedame, die sehr nette Gartenparties veranstaltete und ihr Geld, das sie als Fabrikbesitzerswitwe verdiente, frezügig für soziale Projekte in der Stadt ausgab. Diese alte Dame ist schon etwas länger tot, der offene Mercedes längst verschrottet und das liberalgelbe Firmengebäude abgerissen, und gestern wurde dann auch noch vor den Augen aller besseren Leute, die sie noch gekannt haben, diese FDP umgebracht. Und zwar so:



Genau so, mit rotem Teppich und darauf abgestellten gelbem Ferrari vor kaschperlblaugelben Sonnenschirmen, präsentierte sich die 3%-Partei anlässlich ihres Landesparteitags. Gleich unterhalb dieser Stufen ist der Wochenmarkt, es war diesmal voll, und die FDP hat es tatsächlich geschafft, sich zum Thema des Tages zu machen. Natürlich sind hier manche auch einfach nur ein wenig schwulenfeindlich, natürlich kann auch die FDP sagen, dass ihr die Nähe zu meiner Eierfrau nicht zwingend gefallen mag. Aber protziger, dümmer, weiter an den Leuten vorbei kann man sich nicht in Szene setzen. Das Ludenflitscherl auf dem roten Teppich als einzig sichtbare politische Aussage einer Partei, der grosse Auftritt auf dem Scheisseküberl der Besserverdienerei, nur weiter so, Guido Möllewelle im Guidomobil mit eingebauter Vorfahrt und Falschparklizenz, so schafft man sich Freunde: Daheim beim D´dorfer Reitsportevent vielleicht, aber hier, bei den normalen Oligarchen, nagelt die FDP selbst ihren Sarg zu.

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Samstag, 20. Oktober 2007

Die Väter Ubu der EU

Wenn wir ab morgen dank polnischer Wahlergebnisse mal wieder mit höchst unerfreulichen Erscheinungen in der EU leben müssen, zahlen wir damit eine Rechnung, gegen die die EU vor sieben Jahren nicht laut genug protestiert hat; wenn die Polen morgen Parteien wählen, die man hierzulande für eine schlechten Witz halten würde, werden wir sie dennoch schlucken müssen und uns daran erinnern, wie man vor sieben Jahren vor ähnlichen Leuten eingeknickt ist.

Denn dass die EU erpressbar ist, dass man ihr auch mit braunem Dreck und rassistischen Sagern auf der Nase herumtanzen kann, dürfte man in diesen kalten, schwarzen Tagen des Winters 1999/2000 in Osteuropa durchaus registriert haben. Damals gingen in Österreich die ÖVP, die nur wenig mit klassischen Konservativen wie der CDU zu tun hat, und die rechtsextreme FPÖ zusammen in eine Koaliton. Und was für ein Laden! Edmund Stoiber hatte den Zusammenschluss noch für gut befunden, aber angesichts der Entwicklung wurde auch CSUlern schlecht: Blau-Schwarz verabschiedete sich schnellstens aus den europäischen Grundwerten, und der folgende Wahlkampf um Wien bescherte Mitteleuropa bald darauf den ersten klar antisemitischen politischen Konflikt.



Und die EU? Hat sich einlullen lassen. Es war zwar alles bekannt, die Repressionen gegen Journalisten mit dem Regierungswechsel, die Skandale, die braunen Sager und das notorische Totschweigen von Schüssel, die alten Garden im Hintergrund, mit der AULA auf dem Kaffeehaustisch und dem nationalistischen Bergtreffen, und dazu noch das Sichern der wichtigen Positionen in Polizei, Justiz und Rundfunk, das Niederklagen von Kritikern; gerade so viel, dass man fast annehmen mochte, die Österreicher fragten in Brüssel, welche Aktion gerade noch hingenommen wird. Ah bissal Zucker in Sachen Restitution jüdischen Eigentums, dafür aber die Peitsche für die jüdischen Gemeinden. Dabei waren sie doch Opfer, sagten die neuen Machthaber, Opfer der bösen Europäer und der Vernaderer, sagten sie, die schlimmen Pelinkas, die van der Bellens und Grissemanns, die nie Ruhe geben wollten.

Österreich im Winter 2000, ich bin dankbar, das erlebt zu haben, ich bin froh, dass ich damals als Vertreter der Ostküste bei denen war, und es war gut, den Einzug der Ferrero-Waldner beim Staatsakt der EUMC-Gründung zu erleben, da lernt man, was Politik ist, und wie willfährig am Ende sich die EU von solchen Gestalten wie Schüssel, Haider, Böhmdorfer und Riess-Passer letztlich haben den Schneid abkaufen lassen. Eine EU, die dieses Österreich akzeptierte, und die den Erpressungsversuchen in den EU-Gremien eben nicht mit einem harten Rauswurf begegnete, die diesen Leuten, Politikern, Wählen und Medien dort nicht knallhart die Grenze aufzeigte - diese EU hat für Polithasadeure jeglicher Coleur bewiesen, wie leicht sie zu demütigen ist, wie weit ihr Schneid reicht.

Österreich 2000, das war der Sündenfall, davor war es nur die Thatcher, danach kann praktisch jede an die Macht gespülte Peinlichkeit mitentscheiden, auch wenn sie bei ihm daheim wieder einen klerikal-totalitären Gottesstaat wollen, und keiner von denen braucht sich zu fürchten. Es wäre hart gewesen, die Sache 2000 durchzufechten, man hätte politisch verbrannte Erde hinterlassen - aber es wäre auch die Erde der FPÖ und der ÖVP gewesen, und die späteren Folgen von Berlusconi bis Kaczynski hätten zumindest eine Grenze gehabt, die sie hätten austesten müssen, statt praktisch mit uns tun zu können, was ihnen beliebt.

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Wochenendplanung

Kalt -> heim fahren -> Heizung an -> Ausschlafen -> Wochenmarkt -> Kochen -> Essen -> Lesen -> Backen -> Essen -> Lesen -> Schlafen.

Nach Punkt zwei, einer elenden Heimfahrt über eine verstöpfte Landstrasse, habe ich dann festgestellt, dass noch ein Haufen Akten im Wagen sind. Die morgen Mittag bei einem Strategietreffen am Alpenrand sein müssen.



Weshalb ich dann gleich nach Hindelang zum Jochpassrennen weiterfahre. Die äusseren Umstände mögen grauenvoll sein, aber bei minus drei Grad sindglatte Serpentinen voller Oldtimer sicher spannender als jedes Formel-1-Rennen - besonders, wenn man vergisst, sich keinesfalls auf die Seite zu stellen, die im Fall des Falles von den Folgen der Fliehkraft betroffen ist.

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