: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Montag, 7. Januar 2008

Glaube Hass Hoffnungslosigkeit

Schön golden ist das Messing. Und auf der Oberfläche des Laiengestühls. Das heisst, wenn man sitzt, drückt es einem das eiskalte Metall in den Rücken. Und die Hände legt man besser auch nicht darauf ab, wenn man kniet. Das ist alles kein Spass, im Winter, in dieser funkelnden Kirche.



Aber die Herrschaften hier vorne im Chorgestühl sind sicher angetan, wenn die Besucher auf den Knien sind, um sich keine Lungenentzündung zu holen, und die Arme im Gebet schön hochrecken, damit es inbrünstig aussieht.

Und ich weiss schon, warum ich das Konzept "Religion" kritisch betrachte.

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In unserm Puff kriegt jeder, was er braucht

Wenn ich in München bei Holtzbrinck Ventures wäre, würde ich einfach ab und zu den Mund halten. Dann müsste ich nicht an der Blogbar solche Postings mit meinen Plänen für StudiVZ und Tutoria lesen. Mein ja nur.

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Sonntag, 6. Januar 2008

Deutsche Sitten

Ich war noch nicht lang in München, als ich eine Familie kennenlernte, die man vor 100 Jahren vielleicht als Angehörige der besseren Kreise bezeichnet hätte. Vom Schlafen im Lehel abgesehen, hätte ihr Leben auch komplett im ehemaligen Kreuzgang der Theatinerkirche stattfinden können, vom Feinkostladen über Arzmiller zum Antiquitätengeschäft mit seinen üppigen Silberangeboten, dann weiter zum Herrenausstatter, während die Damen zum Friseur gingen. Für Menschen ohne grosse finanzielle Sorgen ist das Geviert eine Art Mikrokosmos, dem damals nur ein Buchladen fehlte. Theresa lag damals noch gegenüber, und später würden sie ihren Herrenladen strategisch günstig zwischen Innenhof und Hauptgeschäft platzieren - schau, Max, der Anzug, der wäre was für dich.

Wann immer ich mich aber mit einem von ihnen traf, besuchten wir zuerst, wenn man so will, das Hauptgeschäft: Die Theatinerkirche selbst. Wie manche gewohnheitsmässig an der Residenzstrasse die Nasen der Löwen vor dem Palasteingang bereiben, ging man hier in die Kirche und zündete hinten links eine Kerze an. Und als ich heute, zur Auffrischung der Erinnerung und des kunsthistorischen Wissens, mich durch die enge Pforte in das schon dunkle Kirchenschiff gedrückt hatte, war dort eines dieser mitteljungen Paare, wie es sie nur in solchen besseren Gegenden gibt, er Consultant, sie Reiterin, idealtypisch in Kleidung, Aufmachung und Verhalten, und dazu knallten ihre Stiefel auf dem Marmor, als ginge es darum, den Klang von 33 wiederzubeleben, der draussen vor der Feldherrnhalle seinen Ursprung hat. Sie knallte also an der kleinen Nonne vorbei, kaufte eine Kerze, zündete sie an, dann verharrten sie etwas, sie mit gefalteteten Händen und er mit ihrer Tüte in der Hand -



und verliessen vor mir die Kirche. Ich ging, wie man das so macht, wenn man die besonderen Reize hier kennt und auf das Gewühl auf der Theatinerstrasse verzichten möchte, quer durch den Hof, blieb vor den Schaufenstern hängen, verzichtete wegen akuter Überfüllung - ich hatte mir vorher schon zwei Bände Wiener Fastenpredigten von 1796 gekauft - auf einen Besuch bei Arzmiller, und machte mich dann auf den Weg zum englischen Bücherladen der grossen Kette, die ich ansonsten wie die Pest meide. Allein, ich brauchte die Worl of Interiors, ergatterte dort das vorletzte Exemplar, und als ich das Geschäft verliess, war das Paar aus der Theatinerkirche vor dem Schaufenster, in dem immer noch, säuberlich beschriftet, die Geschenkvorschläge des vergangenen Festes zu sehen waren. Sie redeten. So laut, ordinär hätte meine Grossmutter gesagt und damit wie immer recht gehabt, so laut also, dass man ihnen kaum das in der Kirche gezeigte Decorum hätte zutrauen wollen, und zwar so -

Sie: Das Buch wäre wäre wirklich was für Tante B.

Er: Von einer Cancer Foundation. Cancer hat sie doch schon.

Beiderseitiges, silberhelles Lachen.



Und gingen hinüber, in das Cafe des Literaturhauses.

Es gbt sehr gute Gründe, warum man heute von den besseren Kreisen in der Vergangenheitsform reden sollte - wobei es auch sein kann, dass sie in der Form, wie man das in Sonntagsreden von der guten alten Zeit unterstellt, nie existiert haben. Die Rituale, der eingetrichterte Glaube, besonders an die Belohnung für die Kerzen, das Standesbewusstsein und dessen Dünkel, alles, was man so deutsche Sitten nennen möchte, ist auch Dekaden nach Einführung des Privatfernsehens noch da. Aber es sind Riten, die jeden Inhalt längst verloren haben, Verhaltensfassaden, hinter denen das Lecktmich-Bewusstsein steht, das eine gesamtgesellschaftliche Klammer zwischen allen Schichten ist. Deutsche Sitten und Tugenden, was soll das bitte sein? Die Sekundärscheisse, mit der man auch ein KZ betreiben kann, wie es Oskar L. mal auszudrücken beliebte?

Und ich klinge langsam wie der Depp, der die Fastenpredigten von 1796 geschrieben hat.

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Empfehlung heute - Wie allgemein

bekannt sein sollte, hasse ich vor allem zwei Städte: Berlin und Wien. Zudem bin ich auch kein Freund des westbalkanischen Österreichs und des westsibirischen Preussens. Berlin und Wien sind jeweils die Spitze dieser Regionen, insofern passt alles. Und nächste Woche muss ich wieder nach Berlin. Momentan schaue ich bei Youtube Filme mit dem reizenden Baubestand des Mai 1945, in Technicolor, sieht so erfreulich aus wie die aktuellen Werbeausfälle bei Adical. Um mich wieder zu aklimatisieren. Dabei müsste es gar nicht so schlimm sein, denn so, wie Wien als nette Laune der Natur für eine garstige Stadt den Wienerwald hat, hat Berlin den Wedding. Dafür, dass er von Berlin umgeben ist, ist der Wedding echt ok. Ich muss es wissen, ich war anderthalb Jahre der bekannteste Weddinger Blogger. Da kann man nicht meckern. Und netterweise gibt es für mich Ex-Weddinger nun auch den Weddinger Landboten.

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Samstag, 5. Januar 2008

Das Beste daraus machen

Es ist sonnig. Wenn man im Zimmer sitzt, und die Sonne durch den Raum wandert, könnte man glauben, es ist Sommer. Draussen weht ein leichter, enervierender Ostwind Stärke 2 die kontinentalen Kältefrechheiten der Ukraine herüber, als hätte man hier nicht schon genug Merkel und andere, die sich die totalitäre Erziehung des Ostblocks wünschten, nach dem Motto: CDUzialismus statt Freiheit.



Man darf nicht zu viel daran denken, sonst fallen einem Verwendungen für Eisstöcke ein, die den Besuch von Herrschaften in Grün nach sich ziehen könnten, die einem nicht vorgestellt wurden, und eigentlich ist es viel zu schön, selbst wenn das Eis inzwischen rifflig ist, und so die grosse Runde um den ganzen See erheblich langsamer vonstatten geht. Aber die grossen Skandale der letzten Wochen sind ausdiskutiert, die neuen Trennungen, die sich bereits abzeichnen, kommen erst in ein paar Wochen, und so bleibt genug Zeit, um die Schönheit der kaltgebackenen Natur zu bestaunen, während die Kufen über die weisse Fläche rumpeln. Ab und an knackst das Eis, und bildet Risse, denn selbst diesem gefrorenen Spiegel ist es zu kalt. Dann schnell nach Hause, eine Zitrone für die Damen, die die geheimen Konzerte der Ferrareser Damen hören, und schnell die Tarte in den Ofen. Ach, ach, Ferrara.


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Es ist übrigens seltsam, dass ich niemanden hereinlasse, der mir nicht vorgestellt wurde, aber meine Leser hier, die mir zumeist nicht einmal namentlich bekannt sind, und über deren Familien ich nichts weiss, haben sogar einen ziemlich guten Überblick über den Inhalt meiner Schubladen. Vielleicht sollte man nicht zuviel darüber nachdenken, sondern einfach die Schönheit des Winters im Flachland preisen.

Übrigens: Die brandneue "Le Concert secret des Dames de Ferrare" von Zig Zag, mit Sicherheit eine der besten CDs des beginnenden Jahres, wird bei einem bekannten Internetshop nicht nur erheblich falsch geschrieben, sondern kostet bei fehlenden Anspielmöglichkeiten vier Euro (ohne Versand) mehr als bei meinem High End Händler, bei dem ich mir die CD zuerst auf einer dezenten Anlage der Mittelwagenpreisklasse anhören konnte. Es gibt sie also noch, die Ferrares Trennung zwischen denen, die Feinstes hören dürfen und jenen, die ahnungslos dafür blechen müssen. Auch das ist Internet.

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Ich bin kein Feind von Rauchern

Also, nichts Grundsätzliches. Ich behandle Raucher genauso höflich und zuvorkommend wie jeden anderen Menschen. Und wenn mich jemand fragt, ob es mich stört, wenn er nach dem Essen raucht, sagte ich nie nein. Weil es ohnehin schon egal war, und die Frage rethorisch war. Eine Floskel, deren Unhöflichkeit nicht besser würde, hätte man sie anders beantwortet. Und wenn eine Raucherin fragt, ob sie mit dem neuen Parfum gut riecht, vermeide ich eine ehrliche Antwort - mal abgesehen davon, dass sie es wissen, und deshalb etwas sehr viel enorm viel dicker, fett auftragen. Was dann auch gut riecht - aber ohne die Tabakbasis wäre es besser.

Ich erlaube es aber nicht, dass man bei mir raucht. Und wer rauchen will, muss ganz raus, vor die Tür. Ohne Begleitung. Und ich sitze dann oben und mache mir Gedanken über die Prioritäten bei Rauchern. Eher feinsinnige Gedanken, mitleidsvoll und verständig. Bis ich am nächsten Morgen vor die Tür trete. Da sieht es nämlich meistens so aus:



Und ich bin dann der, der dafür Sorge trägt, dass es hier nicht weiterhin so aussieht. Das ist gar nicht so einfach, die Kippen aus den Ritzen zu fegen. Natürlich könnte man sich auch bücken, und sie, mit Gummihandschuhen angetan, aus den Ritzen picken. Man könnte aber auch so eine asoziale D****** am Genick packen und das alles mit der Zunge rauskitzeln lassen. Und das würde mir fraglos mehr Spass machen. Zumal es sicher auch einen gewissen Entwöhnungseffekt für die Suchtbolzen nach sich zöge. Rauchen aufhören kann ganz einfach sein, wenn man nebenbei den Staub und den Russ der Strassen vergegenwärtigt. Und den Applaus anderer Hausbesitzer in der Altstadt.

Denn wenn ich ganz ehrlich bin. Also ganz, ganz ehrlich: Ich finde rauchen rücksichtslos gegenüber anderen, unsexy, absolut verzichtbar und ja, ich finde es verdammt gut, dass es ein Rauchverbot in Gaststätten gibt. Wie es auch nicht erlaubt ist, in Ecken zu pinkeln. Viele Raucher würden sich zu Tode schämen, entwiche ihnen beim Essen ein Aufstossen, und es wird Zeit, dass man hier die Verhältnisse klar macht: kein Rülpser ist so widerlich, wie es der Gestank der Zigaretten ist. Und das beste: Nach ein paar Wochen wird es die Raucher nicht mehr stören.

Bleibt nur noch das Problem mit meiner Einfahrt. Tja. Wie wäre es mit einem Rauchverbot in der Öffentlichkeit?

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Donnerstag, 3. Januar 2008

Auch die Blogbar wünscht

ein frohes neues Jahr und garantiert mit einem hübschen Hypekadaver, dass es weiterhin spannend bleibt. Und schön, natürlich.

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Im gleichen, anderen Land

Was uns trennt: Anderswo ist man erleichtert, wenn die Anzahl der nicht versteckt Arbeitslosen im Dezember nicht steigt. In meinem Land, das nicht vergleichbar ist, haben wir ein Problem: 2600 qualifizierte Arbeitsplätze, die nur schwer zu besetzen sind, weil Leute fehlen, und nächstes Jahr werden 800 Akademiker in einer einzigen Firma gebraucht. Das zieht erfahrungsgemäss nochmal 800 weitere hochqualifizierte Fachkräfte bei Zulieferern und Dienstleistern nach, ihre Frauen, Kinder, man braucht mehr Lehrer, Kindergärten, Geschäfte - und findet keine Arbeiter mehr. Dieses kleine Becken an der Donau, wo die meisten durchbrausen und sich nicht um das Hinweisschild des historischen Altstadt kümmern, ist de facto ein anderes Land. Das hier hat mit Deutschland, wie man es sonst so kennt, nichts zu tun. Chancenlos aufwachsen ist etwas, das praktisch nicht möglich ist. Man bräuchte mehr Kindergartenplätze - aber es hakt nicht am Geld, sondern, mal wieder, am Personal. Wie gut, dass einer der grössten Naturparks Bayerns gleich nördlich der Stadt beginnt - und dann hat man auch noch den See und 30 Kilometer Wald am Stück dahinter. Da kann man Kindern noch was anderes bieten.



Die alte Idee von einem Europa der Regionen, ohne Nationalgrenzen, aber klar trennbar, hier ist sie Wirklichkeit. Ich bin seit etwas mehr als zwei Jahren wieder mehrheitlich in der Provinz, und seitdem wurde aus der üblichen Speckgürtelregion ein einzigartiges Modell, als hätte es niemals die Probleme der 80er und 90er Jahre gegeben, als wäre die Zeit der Vollbeschäftigung in das Jahr 2008 durchgelaufen. Es war nicht ganz so, aber es gibt keine andere grössere Stadt in Deutschland, die so ist. Und je öfter ich wegfahre, desto mehr sehe ich die Unterschiede, die sich in den letzten Jahren herausgebildet haben. In der Stadt werden die letzten Basünden der 50er mit Spitzdächern antikisiert, mit neuen Bausünden des neuen Jahrtausend auradiert, man kann es tun, es lohnt sich, München ist inzwischen kaum teurer - und wenn BMW tatsächlich 1000 Leute entlässt, kann man sich ausrechnen, wo sie landen.



Und was sie tun: In die neuen, teuren Wohnungen ziehen und sich billigen Krempel beim Möbelramsch vor der Stadt kaufen. All die Kraft, das ganze Potential, die Energie dieser Region, die sich vollkommen vom durchschnittlichen Rest des Landes unterscheidet - verpufft in den selben Konsumkäse, wie überall. Wie Affen, die in der Schatzkammer mit den Goldstücken spielen.

Dass es anderswo in diesem Punkt ähnlich laufen würde, ist auch nicht tröstlich. Berlin war anders und schlechter. Das hier ist besser, aber trotzdem das gleiche. Die beste aller möglichen Welten, die sich dadurch definiert, dass alle anderen Welten auch Welten, aber schlechter sind. Leider. Und trotzdem: Würde mich einer fragen, ob er in Berlin, Hamburg, Bielefeld oder Bodropp (?) bleiben sollte, oder hierher kommen:

Ich wüsste nicht, was ich sagen sollte.

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Mittwoch, 2. Januar 2008

Drei Rüpel aus dem Morgenland

Liebe katholische Kirche, Du kannst es - auch wenn Jahrhunderte lang etwas anderes behauptet wurde - nicht riechen, dass meine Vorfahren aus dem Volk kommen, für das allein sich Dein angeblicher oberster Boss zuständig fühlt. Selbst der aus unserer Sicht falsche Messias "Jesus" hatte es nicht mit den Germanen. Insofern gibt es keinen Grund, mit hässlich verkleidete Ministranten vorbeizuschicken, die mir etwas von diesem "Heiland" vorsingen, so nennt man das wohl, meine Tür beschmieren und mir die Bude mit Weihrauch vollstinken, den ich nicht ertrage. Vor allem aber, und da kommen wir zum eigentlichen Thema, ertrage ich es nicht, wenn ich nach der Klingelei "Guten Tag, ja bitte" frage und durch die Sprechanlage ein gerotztes "Sternsinger" schallt. In unseren Kreisen antwortet man mit "Grüss Gott", wenn man schon diese Religionskiste bemühen will, und fügt dann in etwa "Wir sind die Sternsinger, und würden uns freuen, Ihnen Segen für Ihr Haus bringen zu dürfen". Das wäre dann so höflich, dass ich keinesfalls mit einem "Nein Danke" ablehnen könnte.

Aber was rede ich zum Thema Höflichkeit mit Leuten, deren weltlicher Boss aus Niederbayern, ja fast schon aus Österreich, kommt.

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Dienstag, 1. Januar 2008

HWV deest, etiam sapientia

Es ist ja immer so ein Ding mit Neujahr in den Städten, wo jeder jeden kennt. Es muss nicht alles, aber es sollte schon manches sein. Im Verlauf des 1. Januar irgendwo jenseits vom Privatpornodreh und Notaufnahme gesehen werden, zum Beispiel. Gewisse Kreise sind hart genug, gleich wieder am Morgen in die Kirche zu rennen und damit zu demonstrieren, dass es bei ihnen ordentlich zugeht, aber auch für die, die gegen acht Uhr angelogen wurden, dass jetzt wirklich kein Wein mehr da ist, auch nicht in der Abstellkammer, gibt es einen passenden gesellschaftlichen Anlass. Am Nachmittag, in einer brutal kalten Kirche.



Dort ist das festliche Neujahrskonzert, und dort trifft man in etwa auch diejenigen, die den Konzertverein und die Besucher der sommerlichen Orgelmatinee stellen. Die einen kommen vom Mittagessen, die anderen von über dem Waschbecken, und die Kälte sorgt dafür, dass alle gleichermassen ausschaun wia gschpiem, wie es der Volksmund ebenso treffend wie deutlich ausspricht.



Dem Bayern also sind rüde Umgangsformen nicht fremd - was mich doch etwas fassungslos macht: Wie das Thema der Gewalt die Menschen momentan beherrscht. Das Entsetzen darüber, dass sich das, was MTV & Co. von Sido, Aggro Berlin, K.I.Z. und ähnlichen Produkten des Berliner Kommerzes bringt, inzwischen in der Realität der Überwachungskamerasm breit macht. Das hier ist die Stadt, wo ein weggeworfener Kaugummi teuer wird, und keiner ohne Rüffler Flaschen auf der Strasse kicken kann, und für die problematischen Nahverkehrsstecken gibt es einen gewissen Herrn, den ich ab und an beschäftige, der in der Lage ist, auch schwierigsten Pickelträgern Mores beizubringen. Trotzdem, jetzt ist es da, das Gefühl der Bedrohung.



Und dieses Gefühl ist nichts, gegen das am anargumentieren kann. Ich selbst auch nicht, denn meine begrenzten Erfahrungen im Berliner Nahverkehr haben mich zu einem überzeugten Verfechter der innerstädtischen Autofahrerei werden lassen. Das sind Orte, an denen man nicht sein will, und keiner hier muss dort sein - aber keiner kann sich sicher sein, dass sie nicht doch aus den Löchern kommen. Und hier ergänzt sich leider das Selbstbild des Abschaums mit dem Gefühl derer, die dafür sorgen, dass repressives Gedankengut mal wieder eine Chance hat.



Und das ist dann auch der Moment, wo ich gegen den Wunsch ankämpfen muss, diesen Arschlöchern mal eine halbe Stunde die Baseballschlägermedizin zu wünschen, die sie für die Lösung ihrer Probleme gegenüber anderen halten. Zivilcourage ist ohnehin schon ein seltenes Gut; mit solchen Verbrechen wird sie sicher nicht zunehmen. Abschieben ist keine Lösung; die Gang, die gerade in Berlin einen Passagier niedergestochen hat, wäre nur abschiebbar, wenn man die Mauer wieder aufbauen könnte, und sie dort zusammen mit den offensichtlich aus dem Umland angereisten Nazis stecken würde, die gestern eine afghanische Familie gejagt haben.



Schuldzuweisungen sind das übliche, gefolgt von übereilt beschlossenen Gesetzen, die alle treffen. Man klingt immer etwas reaktionär, wenn man dergleichen sagt, aber wenn ich die Wahl habe zwischen einem Staat, der gegenüber seinen Bürgern die Keule wegen ein paar Arschlöchern rausholt, deren Begriff von Coolness durch TV-Medien definiert wird, die der gleiche Staat definitiv nicht im Griff hat, oder massive Repressionen gegen die Erfinder und Unterstützer solcher Leitbilder, weiss ich, wofür ich mich entscheide. Und welchen Manager eines Senders oder Gewaltspielherstellers ich demnächst für ein paar Monate im Altersheim Hilfsdienste verrichten sehen möchte. Die "Kreativen", die entsprechende Vorbilder schaffen, vertreiben und senden, sind meines Erachtens nicht viel besser als die, die ihren Idealen nacheifern; da unterscheidet sich der Ballerspiel-Proll bei Viva nur graduell von den Deus-Vult-Predigern des hohen Mittelalters, der Nazi-Propaganda oder denen, die ihren Freunden einreden, dass Stiefeln etwas Geiles ist.



Ich habe mal eine Sendung über Nazi-Propagandafilme gemacht. Ich habe für die Recherche die Filme gesehen, die man hierzulande praktisch nicht zu sehen bekommt. Und ich kann sagen: Es ist in Sachen Gewaltverführung und Indokrination Kinderkram gegen das, was man heute in manchen Musikvideos sieht. Ich habe keinen Fernseher. Die seltenen Gelegenheiten, bei denen ich in den Genuss der dort vertriebenen Realitätskonstrukte komme, lassen mich immer staunend und fassungslos zurück; wenn das die Abendgestaltung der Mehrheit dieses Landes ist, wundert mich nichts. Absolut nichts. Aber da muss man was tun. Wenn man schon den Sumpf trockenlegen will, bitteschön bei denen anfangen, die aus dem Gewaltpotential ein Geschäft machen. Solange sie damit Geld verdienen, werden sie weitermachen. Dieser Staat reglementiert Raucher, besteuert Alkohol und verbietet das Rasen; er hat Wege gefunden, Drogendealern das Leben schwer zu machen; er könnte genauso den Händlern der Gewalt das Handwerk legen. Es ist geradezu paradox in einer Welt zu leben, in der jedes Laster teuer ist, nur die Gewalt kommt frei Haus. Ich will meine persönlichen Freiheiten nicht durch mehr Überwachungskameras, Datenmissbrauch, private Sicherheitsdienste und staatliche Kontrolle von der Allianz der Profiteure gefährdet wissen. Die muss man alle miteinander bekämpfen. Von den Schlägern über ihre Vorbilder bis zu den Köchen, für die es eine Zutat ihrer braunen Suppe ist.

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Dann halt nicht. Asozialenloch Berlin.

"Leider kann auch hier, wegen der großen Nachfrage nicht gewährleistet werden, dass die Plakette rechtzeitig vor dem 1. Januar 2008 ankommt."

He, Stadt der Schnorrer, Penner und Ritalinschlucker, du Favela des Ostens: Wenn du zu dumm bist, Plaketten für die gerade eingeführte "Umweltschutzzone" auszuliefern, wundert mich der Kommafehler in einer Umweltschutzzonenrichtlinie nicht weiter. Vielleicht ein paar Startup-Pleitiers weniger päppeln und die Bagage besser in die Briefverschickung einsperren, wie wär´s?

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Hausabbrennen ohne Feuerwerkskörper

Raketen sind teuer und müssen genau gezielt werrden, dabei ist es ganz einfach und billig:

1. Einsame Herzen invitieren.
2. Deren mitgebrachte Bekannte akzeptieren, selbst wenn sie nichts zum Essen mitbringen, und deshalb auch im Gegensatz zu anderen keine Verpackung in der Küche ablegen,
3. die dann aber natürlich statt auftischen rumwuseln und sich an den grazilen Silberleuchtern, die nicht in die Bratzen von Ignoranten gehören, vergreifen
4. und nach einem Feuerzeug suchen, und keines finden,
5. in meine Küche, meinen Tempel gehen, und danach fragen,
6. aber statt, wie empfohlen, draussen zu suchen, auf die blendende Idee verfallen, die Kerze am gleich Gasherd anzuzünden,
7. und bevor man gesagt hat, was machst du da, schon den Herd aufdrehen,
8. bei dem auf zwei Flammen eine Plastiktüte liegt, in dem ein Salat ist,
9. und dann genau eine dieser Flamme erwischen, weil man ja nicht genau hinschaut,
10. und dann auch noch angefressen sind, wenn einen der Wasserschwall miterwischt.

Krabbensalat ist auch ohne Plastikglasur nicht mein Ding, könnte ich sagen, und den Herd hätte ich morgen ohnehin reinigen müssen. Gut, dass ich gerade den randvollen Wasserkocher in der Hand hatte. Schlecht, dass ich ihn danach nicht an die betreffende Person verfütter habe. In einem Stück. Jetzt muss ich zurück. Aufpassen.

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Montag, 31. Dezember 2007

Unerfreuliches

In folgender Reihenfolge gibt es eine ganze Menge Festlichkeiten, auf die ich restlosest bis komplett verzichten kann:
-Beerdigungen (besonders meine eigene)
- Hochzeiten (dito, hebräisch und christlich gleichermassen)
- Taufen, Beschneidung (Ich hasse Kinder, und bei zweiterem kippe ich nachweislich um)
- Weihnachten
- mein eigener Geburtstag
- und, Jahresend-Special: Silvester.
Nur eine Sache: Wenn man wo eingeladen ist, kommt man nicht umhin, eine Gegeneinladung auszusprechen. Und irgendwann kommt dann einer darauf zurück, und man hat das Elend daheim sitzen.

Oder noch schlimmer: Man ist mit Freunden eingeladen bei einem Paar, dessen weiblicher Teil dann aber am 27.12. die gemeinsame Wohnung mit Hilfe von Mama verlässt. Woraufhin ein Dutzend schlechtere Kinder besserer Familien eine Alternative suchen, die etwa so aussehen soll: Stadtnah, damit die Christen in ihren Gottesdingsda rennen können. Dachterasse wäre für das Feuerwerk nett, in Richtung schlechtere Viertel, die knallen nämlich mehr (und werfen mehr Nachwuchs, aber das ist eine andere unerfreuliche Geschichte). Die Wohnung sollte einigermassen gross sein, und über ein zweites Schlafzimmer verfügen, denn nicht jeder ist am Ende noch in der Lage, ein Taxi zu rufen. Ein zweites Bad hat auch seine strategischen Vorteile, wenn das erste, ach, lieber erst gar nicht daran denken. Und für ein Dutzend Leute braucht man auch viel Geschirr. Sowas hat in Kombination nicht jeder. Man ahnt vielleicht, wo und bei wem das nach Beschluss vcon Iris und Susi, die ansonsten bei ihren Eltern hätten sitzen müssen, endet:



Und was die Paarproblematik angeht: Eingeladen habe ich beide. Man will mit dem Silvesterelend ja nicht allein sein.

Alles Gute, Bessere für die Leser. Der Thinkpad wurde ins Schlafzimmer evakuiert; falls es mir zuviel wird, kann ich ja dann ins Internet flüchten

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Sonntag, 30. Dezember 2007

Die Vorsätze und der Vierpfünder oder auch

die Donalphonsinische Pizzadiät (TM)

Inzwischen kann ich ganz gut haushalten. Ich weiss ziemlich genau, was ich brauche, und kaufe entsprechend ein. Das klingt zwar dann immer schön üppig, wenn ich sage "a hoibs Pfund, und wanns awengal meah is, is aa guad", aber es bedeutet lediglich, dass ich 300 Gramm brauche. Und das geht auch ohne Einkaufszettel. Überhänge gleiche ich dann durch die Kocherei aus, ohne dass ich in die unerfreuliche Restekocherei abgleiten würde. Anders gesagt: Was ich kaufe, esse ich auch. Hinter all dem Überfluss steht Sparsamkeit, und die Verschwendung für die Augen wird im Zaume gehalten durch Mässigung

Ausser, und hier kommen wir zur Besonderheit des Wochenmarktes, wenn ich noch etwas mitbekomme. In Glühwein angelegte Mirabellen zum Beispiel sind bei mir nicht richtig, die enden dann in den Gästen. Alles ist nett gemeint, und führt dazu, dass ich auch ab und zu Rezepte ausprobiere, auf die ich sonst nicht gekommen wäre. Nur gestern war es etwas viel, und das lag am Mangold. Als ich mal wieder viel zu spät auflief, war er restlos ausverkauft. Statt dessen hatten sie nur noch eine asiatische Variante, die weniger intensiv schmeckt, und für das Kochen nicht geeignet ist. Um den Mangel aufzuheben, gaben sie mir einfach so einen grossen Bund Petersilie mit. Der dringend weg muss. Und deshalb ist es nur die Sparsamkeit und die Mässigung, die mich dazu bringt zu berichten, wie aus einem kleinen Präsent ein üppiger Vierpfünder in Form einer Quiche wurde, aus der man wiederum meine berühmte Pizzadiät ableiten kann. Und das geht so:

Man nehme 1 grosses, doppelpfündiges Silbertablett mit 13 Loth und stelle es beiseite
125 Gramm Mehl
75 Gramm Butter
1 grosses Ei
2 prisen Salz
1 gute Ahnung feingehackter Knoblauch
und mische daraus einen Teig. Idealerweise erwärmt man die Butter im Wasserbad, vermengt sie mit dem Mehl, Salz und Knoblauch, bevor man ein Ei schnell einknetet. Den Teig stellt man in den Kühlschrank, und dreht den Herd mit Ober- und Unterhitze auf 200 Grad.
Die Füllung, und jetzt wird es brutal, besteht aus
3 grossen oder 6 kleinen Blättern Mangold, fein in Streifen geschnitten
1 gehackte Lauchzwiebel
1/2 kleine, rote Zwiebel, in Streifen geschnitten
1 100 Gramm schwerer Seitling, in dünne Filets geschnitten
120 Gramm geriebener Edamer oder Emmentaler
40 Gramm geriebener Gorgonzola (würzig, es soll ja nach was schmecken)
60 Gramm geräucherter Scamorza. In Quiche muss Geräuchertes, damit es nach Geräuchertem schmeckt, aber geräuchert schmeckt es durch den Räucherungsvorgang und nicht durch davon betroffenes Gammelfleisch. Das geht auch mit Scamorza. Je dunkler, desto besser.
1 schwerer silberner Vorlegelöffel, kleiner Tipp am Rande: Die aus dem Jugendstil sind besonders gross, voll Schmand
Den Käse mischt man zusammen und gibt zwei grosse Eier und den Schmand dazu, und dann rührt man um.
Nun holt man den Teig aus dem Kühlschrank, woigelt ihn auf Übergrösse für die Springform aus, tut ihn auf einem Backpapier in selbige und knetet einen etwa 1 cm hoch stehenden Rand, und sticht ihn mit der Silbergabel, wer ko der ko und es nicht zu nutzen wäre gegen die Sparsamkeit, mehrfach ein. Ab in den Ofen und ca. 15 Minuten goldbraun werden lassen. Dann nimmt man ihn raus, bestreut ihn zuerst mit der Zwiebel, dem Lauch und dem Mangold, ersäuft das alles mit der Käse-Ei-Mischung, legt die Seitlingfilets darüber und schiebt das wieder in den Ofen, ab jetzt nur noch mit Oberhitze, 160 - 180 Grad. Jetzt wird es spannend, denn die Seitlinge müssen Flüssigkeit ziehen, und das sieht man daran, dass ihr weisses Fleisch beginnend an den Rändern gelblich wird. Sollte sie nicht durchgezogen sein, bevor die Ei-Käsemischung dickflüssig wird, gerne noch etwas Sahne drüberschütten. Und nach einer viertel Stunde ist es dann soweit:


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Man kann die Petersilie drüberstreuen. Nochmal fünf Minuten im Ofen, raus, auf das doppelpfündige Silbertablett, und schon ist die Petersilie vor dem Vertrocknen im Kühlschrank gerettet, und man ist wieder der Meister der Sparsamkeit und der Mässigung. Einziger kleiner Luxus in diesem schlichten Ensemble: Nur die Verpackung des Mangolds wurde mit einem Blatt aus einem Missale um 1580 - 1630 erneuert, denn ich wollte hier keinen mit dem Anblick der Literaturseite der Süddeutschen beleidigen, die man mir beim Gemüsehändler zugemutet hat.

Ach so, die Pizzadiät. Die ist ganz einfach. Nicht zu mir kommen, keine Quiche essen, statt dessen woanders bleiben und viel von der kalorienarmen, fettlosen, schlicht bekästen Pizza des Pizzamannes des Vertrauens essen. Oder sonst so ein neumodisches Diätzeug.

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Empfehlung heute - Grandiose Bilder

vom Winter in den Alpen, von der Morgendämmerung bis zum funkelnden Schnee auf den Pisten, gibt es im Dezemberarchiv beim Salzblog.

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