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Mittwoch, 23. April 2008
Empfehlung(sschreiben) heute - Amt für Irrsinn
Ab und an wird mir gesagt, dass dieses Blog auch von Verantwortlichen mancher Medien gelesen wird, vermutlich, weil Medienmenschen als verkappte Masochisten erst dann bereit für eine peinliche Anmache der Praktikantin sind, wenn man ihnen vorher klarmacht, dass sie allesamt eine verlauste Affenbande am stinkenden After der PR-Hängebauchschweine sind. Wie auch immer: Wenn Sie es noch immer nicht - wie der Autor dieser Zeilen - zu einem Job jenseits dieses Höllenkreises sowie einer angenehmen Zweitwohnung in einem angemessenen Millionärsviertel gebracht haben, die ihnen als Masochist auch nichts bringen würde, geben Sie, wenn Sie nicht Turi, Dieckmann, Baron, Graf oder Poschardt heissen - glauben Sie mir, Sie verstehen das sowieso nicht - schleunigst c17h19no3 einen Job. Die hat so viel Talent, die wird ihnen zeigen, wie man sich noch unter 40 in den Ruhestand schreibt.
donalphons, 22:20h
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Die Skalpe meiner Feinde - Motobecane Mirage II
Es ist Sommer. Du wohnst am See, deine Mutter sieht gut aus, und dein Vater ist - als Sportarzt - reich. Das Wetter ist schön, du fährst jeden Morgen durch ein stilles, nobles Viertel und einen Park in die Schule, kein niederes Dasein ficht dich an, und die Haushaltshilfe nimmst du nicht wahr. Deine Bekannten sind wie du selbst, Kinder von denen, die hier den Ton angeben und festgelegt haben, dass es auch so bleiben soll. Sportarzt sollst du werden, das ist ein feiner Beruf, und garantiert die Stellung.
Allerdings, du bist gerade erst 15 geworden, einen Roller oder gar ein Auto darfst du noch nicht fahren, das fehlt noch zur Vollausstattung, die ansonsten, von Lacoste bis Amiga, längst vorhanden ist. Um diesem Defizit abzuhelfen, geht dein Vater zum Fahrradgeschäft, aus dem just zu dieser Zeit ein globaler Elektroschrotthändler erwächst, und besorgt dir dort eine blaue Motobecane Mirage, ein Rennrad mit 12 Gängen, Sachs-Huret-Schaltung und Weinmann-Bremsen. Es ist noch nicht das Beste, aber für den Schulweg reicht es, und vielleicht macht es dir auch keinen Spass, also ist es eine kluge Wahl: Robust, nicht zu teuer, schnell, aber keine hypernervöse Rennmaschine.
Es macht dir Spass. Denn jetzt bist du schneller als alle anderen, jetzt kannst du es den anderen im Viertel mal zeigen. Keiner ist so schnell wie du. Und keiner hat Lust, gegen dich ein Rennen zu fahren. Du bist nicht besser, du bist nicht sportlicher, aber du hast das bessere Material. Und keiner will sich von dir besiegen lassen. Nun aber kommt der Umstand ins Spiel, dass du nicht nur reiche Eltern und ein schnelles Rad hast, sondern auch einen Dachschaden. Du warst schon immer etwas brutal, du hast nie verstanden, dass es anderen weh tut, wenn du sie schlägst, aber du hast gelernt, dass deine Eltern dich schützen, und dass andere es cool finden, wenn du brutal bist. Du hast gelernt, dich im Viertel zu benehmen, und wenn du in der Schule über die Stränge schlägst, sagt dein Vater, dass es sicher die anderen waren, die weniger gut gestellten, gegen die du dich nur gewehrt hast.
Aber jetzt wurmt es dich. Du möchtest die anderen ihre Unterlegenheit spüren lassen, du willst leichte Siege, und wenn sie nicht wollen, zwingst du sie eben dazu. Zum Beispiel den jungen Porcamadonna mit seinem Tourenrad. Dem lauerst du auf. Du fährst voran, versteckst dich in einer Seitenstrasse, und wenn er vorbeifährt, schiesst du von hinten heran, und reisst ihm die Tasche vom Gepäckträger. Das machst du ein paar mal, und du bekommst dein Rennen. Er versucht, dir zu entkommen, nachdem er bei deiner Aktion gestürzt ist. Jeden zweiten Tag kannst du es ihm zeigen. Bis zu den grossen Ferien. Du gewinnst. Immer. Es ist ganz leicht.
In den grossen Ferien radelt der junge Porcamadonna zum ersten Mal nach Frankreich, mit seinem Tourenrad. Zwischen Bourg und Belfort macht es Zoing, dann nochmal Zoing, noch dreimal, und dann sind fünf Speichen am Hinterrad gerissen, das sich völlig verzogen nicht mehr bewegen lässt. Nach einer elenden Schlepperei kann man in Belfort wenig für ihn tun, er braucht ein neues Hinterrad, und der Patron des Radgeschäftes empfiehlt ihm, für weitere sportliche Aktivitäten das Tourenrad auf Garantie umzutauschen und sich gleich etwas ordentliches zu kaufen.
Dann kommt der Herbst, die Schule geht wieder los, und du freust dich darauf, endlich wieder ein Rennen zu gewinnen. Du siehst den jungen Porcamadonna weiter vorne, aber es ist gar nicht mehr so leicht, ihn einzuholen. Du kommst näher, er hat jetzt keinen Gepäckträger und auch kein Tourenrad mehr, sondern einen Rucksack und ein stahlblaues KTM-Rennrad. Er ist nicht mehr so langsam wie früher. Er ist schnell. Schneller. Es fällt ihm nicht schwer, schneller zu sein. Er ist von nun an immer schneller. Du gewinnst nie mehr. Mit 16 steigst du um auf einen Roller, das Rennrad ist dir egal, jetzt geht es um Frauen.
Mit 17 vergewaltigst du ein Mädchen, dein Vater haut dich vor dem Jugendrichter raus, steckt dich ein paar Wochen in die Klapse und schickt dich in die Schweiz in ein Internat, mit 22 kommst du bei einem Autounfall in Italien ums Leben.

Ein paar Dekaden später zieht der nicht mehr ganz junge Porcamadonna an den Tegernsee, wo er, sparsam, wie er spätestens seit dem Grunderwerbsteuerbescheid geworden ist, einen Teil der Wege mit dem Fahrrad zurückzulegen gedenkt. Auf einem Flohmarkt sucht er vergebens noch etwas Besteck, aber bei einem Händler fällt ihm ein nach über 20 Jahren fast makelloses Motobecane Mirage II auf, bei dem die Schaltungsritzel nicht die geringeste Verschmutzung aufweisen. Es kann nur sehr kurz in Betrieb gewesen sein, bevor der Besitzer das Interesse daran verloren hat. Nach all den Jahren ist der Freilauf blockiert und die Schaltung verstellt, aber das bekommt er hin, er hat ja Erfahrung mit dem Schrauben. Er hat bessere Räder, sehr viel bessere Räder, ein De Rosa mit Campa Super Record wäre natürlich schöner gewesen, aber für das Einkaufen in Tegernsee sollte es reichen, es war kein schlechtes Rad, das du damals hattest, eine klassische Maschine. Vielleicht macht er auch noch einen Gepäckträger hin.
Hier gibt es schliesslich keine Perversen auf Rennrädern, die ihre Überlegenheit demonstrieren, indem sie ihn vom Rad schubsen. Die fahren hier SUV, Q7, X5, M-Klasse. Würdest du vermutlich auch machen, aber du bist tot.
Allerdings, du bist gerade erst 15 geworden, einen Roller oder gar ein Auto darfst du noch nicht fahren, das fehlt noch zur Vollausstattung, die ansonsten, von Lacoste bis Amiga, längst vorhanden ist. Um diesem Defizit abzuhelfen, geht dein Vater zum Fahrradgeschäft, aus dem just zu dieser Zeit ein globaler Elektroschrotthändler erwächst, und besorgt dir dort eine blaue Motobecane Mirage, ein Rennrad mit 12 Gängen, Sachs-Huret-Schaltung und Weinmann-Bremsen. Es ist noch nicht das Beste, aber für den Schulweg reicht es, und vielleicht macht es dir auch keinen Spass, also ist es eine kluge Wahl: Robust, nicht zu teuer, schnell, aber keine hypernervöse Rennmaschine.
Es macht dir Spass. Denn jetzt bist du schneller als alle anderen, jetzt kannst du es den anderen im Viertel mal zeigen. Keiner ist so schnell wie du. Und keiner hat Lust, gegen dich ein Rennen zu fahren. Du bist nicht besser, du bist nicht sportlicher, aber du hast das bessere Material. Und keiner will sich von dir besiegen lassen. Nun aber kommt der Umstand ins Spiel, dass du nicht nur reiche Eltern und ein schnelles Rad hast, sondern auch einen Dachschaden. Du warst schon immer etwas brutal, du hast nie verstanden, dass es anderen weh tut, wenn du sie schlägst, aber du hast gelernt, dass deine Eltern dich schützen, und dass andere es cool finden, wenn du brutal bist. Du hast gelernt, dich im Viertel zu benehmen, und wenn du in der Schule über die Stränge schlägst, sagt dein Vater, dass es sicher die anderen waren, die weniger gut gestellten, gegen die du dich nur gewehrt hast.
Aber jetzt wurmt es dich. Du möchtest die anderen ihre Unterlegenheit spüren lassen, du willst leichte Siege, und wenn sie nicht wollen, zwingst du sie eben dazu. Zum Beispiel den jungen Porcamadonna mit seinem Tourenrad. Dem lauerst du auf. Du fährst voran, versteckst dich in einer Seitenstrasse, und wenn er vorbeifährt, schiesst du von hinten heran, und reisst ihm die Tasche vom Gepäckträger. Das machst du ein paar mal, und du bekommst dein Rennen. Er versucht, dir zu entkommen, nachdem er bei deiner Aktion gestürzt ist. Jeden zweiten Tag kannst du es ihm zeigen. Bis zu den grossen Ferien. Du gewinnst. Immer. Es ist ganz leicht.
In den grossen Ferien radelt der junge Porcamadonna zum ersten Mal nach Frankreich, mit seinem Tourenrad. Zwischen Bourg und Belfort macht es Zoing, dann nochmal Zoing, noch dreimal, und dann sind fünf Speichen am Hinterrad gerissen, das sich völlig verzogen nicht mehr bewegen lässt. Nach einer elenden Schlepperei kann man in Belfort wenig für ihn tun, er braucht ein neues Hinterrad, und der Patron des Radgeschäftes empfiehlt ihm, für weitere sportliche Aktivitäten das Tourenrad auf Garantie umzutauschen und sich gleich etwas ordentliches zu kaufen.
Dann kommt der Herbst, die Schule geht wieder los, und du freust dich darauf, endlich wieder ein Rennen zu gewinnen. Du siehst den jungen Porcamadonna weiter vorne, aber es ist gar nicht mehr so leicht, ihn einzuholen. Du kommst näher, er hat jetzt keinen Gepäckträger und auch kein Tourenrad mehr, sondern einen Rucksack und ein stahlblaues KTM-Rennrad. Er ist nicht mehr so langsam wie früher. Er ist schnell. Schneller. Es fällt ihm nicht schwer, schneller zu sein. Er ist von nun an immer schneller. Du gewinnst nie mehr. Mit 16 steigst du um auf einen Roller, das Rennrad ist dir egal, jetzt geht es um Frauen.
Mit 17 vergewaltigst du ein Mädchen, dein Vater haut dich vor dem Jugendrichter raus, steckt dich ein paar Wochen in die Klapse und schickt dich in die Schweiz in ein Internat, mit 22 kommst du bei einem Autounfall in Italien ums Leben.

Ein paar Dekaden später zieht der nicht mehr ganz junge Porcamadonna an den Tegernsee, wo er, sparsam, wie er spätestens seit dem Grunderwerbsteuerbescheid geworden ist, einen Teil der Wege mit dem Fahrrad zurückzulegen gedenkt. Auf einem Flohmarkt sucht er vergebens noch etwas Besteck, aber bei einem Händler fällt ihm ein nach über 20 Jahren fast makelloses Motobecane Mirage II auf, bei dem die Schaltungsritzel nicht die geringeste Verschmutzung aufweisen. Es kann nur sehr kurz in Betrieb gewesen sein, bevor der Besitzer das Interesse daran verloren hat. Nach all den Jahren ist der Freilauf blockiert und die Schaltung verstellt, aber das bekommt er hin, er hat ja Erfahrung mit dem Schrauben. Er hat bessere Räder, sehr viel bessere Räder, ein De Rosa mit Campa Super Record wäre natürlich schöner gewesen, aber für das Einkaufen in Tegernsee sollte es reichen, es war kein schlechtes Rad, das du damals hattest, eine klassische Maschine. Vielleicht macht er auch noch einen Gepäckträger hin.
Hier gibt es schliesslich keine Perversen auf Rennrädern, die ihre Überlegenheit demonstrieren, indem sie ihn vom Rad schubsen. Die fahren hier SUV, Q7, X5, M-Klasse. Würdest du vermutlich auch machen, aber du bist tot.
donalphons, 15:12h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Dienstag, 22. April 2008
Die Zukunft ist rosa.
besteht aus 140 und wird im Februar 2009 jede Menge Vergangenheit haben, behaupte ich für diejenigen, die noch mehr als 140 Zeichen in einem Beitrag lesen können.
(Überhaupt, man muss schon Werber sein, um die kulturelle Schmach zu überleben, als deutscher König der 140-Zeichen-Belanglosigkeiten in die Geschichte dummer Hypes einzugehen)
(Überhaupt, man muss schon Werber sein, um die kulturelle Schmach zu überleben, als deutscher König der 140-Zeichen-Belanglosigkeiten in die Geschichte dummer Hypes einzugehen)
donalphons, 19:33h
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Wie man einen verregneten Tag in den Bergen überlebt
Frau Mama (aus sicherer Entfernung, am Fernsprecher): Und, wie ist das Wetter?
Ich: Oh, prima. Inzwischen hat es hier so viel geregnet, dass es die Wolken tatsächlich vom See hoch bis knapp auf die Mitte der ersten Hügel geschafft haben und sich jetzt dort ausregnen.

Frau Mama: Im Allgäu soll es Überschwemmungen geben.
Ich: Bei den Schwaben? G´tt ist gerecht.
Frau Mama: Vielleicht hässtest du doch besser was am Gardasse kaufen sollen. Oder auf Malta.
Ich: Oder in Portugal, oder in Südfrankreich. Nein, taugt schon. Einerseits habe ich keinen Heuschupfen, andererseits ist Regen erträglich, wenn man drinnen an der Heizung ist und frühstückt.
Frau Mama: Hast du was daheim?
Ich: Ein paar Reste.

Frau Mama: Na dann ist ja gut.
Ich: Eben. Und ein gutes Buch habe ich auch.
Ich: Oh, prima. Inzwischen hat es hier so viel geregnet, dass es die Wolken tatsächlich vom See hoch bis knapp auf die Mitte der ersten Hügel geschafft haben und sich jetzt dort ausregnen.

Frau Mama: Im Allgäu soll es Überschwemmungen geben.
Ich: Bei den Schwaben? G´tt ist gerecht.
Frau Mama: Vielleicht hässtest du doch besser was am Gardasse kaufen sollen. Oder auf Malta.
Ich: Oder in Portugal, oder in Südfrankreich. Nein, taugt schon. Einerseits habe ich keinen Heuschupfen, andererseits ist Regen erträglich, wenn man drinnen an der Heizung ist und frühstückt.
Frau Mama: Hast du was daheim?
Ich: Ein paar Reste.

Frau Mama: Na dann ist ja gut.
Ich: Eben. Und ein gutes Buch habe ich auch.
donalphons, 17:17h
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out in the woods 2







(Danach Klavierkonzerte von Bach in Schloss Tegernsee, sehr fein (und ausserdem ist heute earth day))
donalphons, 10:30h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Montag, 21. April 2008
Jammern
Eigentlich wollte ich mich hier bedauern, da ich nun endlich meine Zugangssoftware für DSL habe, und blöderweise mein Laufwerk (Teac CD-224E, Win XP SP2) keinen Treiber mehr findet. (Wer einen hat: Emailadresse steht im Impressum)
Aber auch mit 56k habe ich mitbekommen, dass die britische Regierung vom heutigen Tag an ihren Banken mal eben 50 Milliarden Pfund für Kreditpapiere überlässt, die ziemlich genau so viel Wert sind wie eben jenes Papier, auf dem sie stehen. Das beugt theoretisch einem Bank Run der Kundschaft vor, denn die Banken haben damit wieder etwas Geld, aber würde es gerecht zugehen, sollten viele Briten jetzt den Gesellschaftsvertrag aufkündigen und ihren Anteil am Staat zurückfordern.
Denn man stelle sich mal vor, man würde von der eigenen Bank vernehmen, dass sie 50, oder wie in Aussicht gestellt, vielleicht sogar 100 reale Milliarden einer anderen Bank für wertlosen Dreck gibt, und man wüsste, dass die eigene Kundschaft die einzige Möglichkeit ist, dieses gigantische Loch selbst zu füllen - kein Mensch, der seine Sinne beisammen hat, würde sein Geld dieser Bank lassen.
In den letzten Monaten wurde oft über die Ausgründung von Bad Banks zur Bündelung der Risiken spekuliert. Im Prinzip macht die britische Regierung ihre Staatsbürger zu einer Bad Bank, denn die Risiken bündelt sie bei sich selbst, im Vertrauen darauf, dass die Bürger eben jenen Vertrag nicht kündigen können. Das ist Thatchers Erbe: Ein Staat, der sich zum Leibeigenen von Kriminellen einer City macht, die man besser ummauern und mit Wachpersonal sichern sollte.
Dagegen sind meine Probleme hier - ein paar Wolken, kein DSL, komplettes Nichtverstehen, warum in London noch keine Politiker und Banker an den Laternen hängen - eigentlich zu vernachlässigen.
Aber auch mit 56k habe ich mitbekommen, dass die britische Regierung vom heutigen Tag an ihren Banken mal eben 50 Milliarden Pfund für Kreditpapiere überlässt, die ziemlich genau so viel Wert sind wie eben jenes Papier, auf dem sie stehen. Das beugt theoretisch einem Bank Run der Kundschaft vor, denn die Banken haben damit wieder etwas Geld, aber würde es gerecht zugehen, sollten viele Briten jetzt den Gesellschaftsvertrag aufkündigen und ihren Anteil am Staat zurückfordern.
Denn man stelle sich mal vor, man würde von der eigenen Bank vernehmen, dass sie 50, oder wie in Aussicht gestellt, vielleicht sogar 100 reale Milliarden einer anderen Bank für wertlosen Dreck gibt, und man wüsste, dass die eigene Kundschaft die einzige Möglichkeit ist, dieses gigantische Loch selbst zu füllen - kein Mensch, der seine Sinne beisammen hat, würde sein Geld dieser Bank lassen.
In den letzten Monaten wurde oft über die Ausgründung von Bad Banks zur Bündelung der Risiken spekuliert. Im Prinzip macht die britische Regierung ihre Staatsbürger zu einer Bad Bank, denn die Risiken bündelt sie bei sich selbst, im Vertrauen darauf, dass die Bürger eben jenen Vertrag nicht kündigen können. Das ist Thatchers Erbe: Ein Staat, der sich zum Leibeigenen von Kriminellen einer City macht, die man besser ummauern und mit Wachpersonal sichern sollte.
Dagegen sind meine Probleme hier - ein paar Wolken, kein DSL, komplettes Nichtverstehen, warum in London noch keine Politiker und Banker an den Laternen hängen - eigentlich zu vernachlässigen.
donalphons, 17:42h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Montag, 21. April 2008
Von oben
Wenn es im Panorama mal gerade nicht schneit, regnet oder wolkenverhangen ist, wenn die Sonne eines ihrer seltenen Gastspiele schon am Morgen gibt und kein Nebel die Sicht versperrt, ist mit das erste, was man vom Bett in Gmund aus sieht, etweder die dreifarbige Glückskatze eines Nachbarn, die durch das Fenster lugt, oder aber die Hirschspitze. Die so heisst, weil man darauf keinen Hirsch sehen kann - gemesen an der Zahl der hier an die Häuser gehängten Geweihe sind Hirsche sowieso ausgestorben - und ausserdem der Berg sanft auf zwei Seiten ansteigt und mit dem breiten Grat ein flaches Trapez, und damit ganz sicher keine Spitze darstellt. Vom Wallberg, auf ca. 1400 Meter jedoch, sieht die Hirschspitze so aus:

Der Felsvorsprung, der dieses Panorama nicht wirklich frei gibt, zieht sich zehn Meter weiter in die Höhe, während im Abgrund davor die Bäume niedriger stehen, dort flirrt das Sonnenlicht über moosigen Steinen und lockt den wackeren Bergfex, noch ein paar Schritte am Verderben vorbei zu wagen, andere sterben für eines anderen Krieg, den Suff und ihre eigene Dummheit, da darf man wegen eines besonderen Blicks schon war riskieren, und dann oben auf dem kleinen Hügel sitzen und hinabblicken auf die Welt.

Also geht es über Grat und Wurzeln hinauf, begleitet von den Ameisen, die schon drunter emsig werkelten. Es sind ihrer viele, vielleicht liegt im Fels ein totes Reh, das den Winter nicht überlebte, und taut gerade auf, so dass die Insekten jetzt gar so wild wuseln, es sind viele, es werden immer mehr auf dem Weg nach oben, sie sind unter Blättern und auf totem Holz, sie haben keine Wege mehr und keine Ziele, es sind viele Ameisen, enorm viele, sie besteigen die Schuhe, und schon bald kribbelt etwas am Bein, gefolgt von Jucken der Bisse, es sind alpine Waldameisen, nicht ihre verzärtelten Stadtkollegen aus den Abläufen, die hier können beissen, und es werden zum Gipfel hin noch mehr, bis ganz oben am Ziel, wo sich der sanfte Ruhehügel an riesiger Insektenstaat entpuppt, den man schnell und ohne Aufhebens gern wieder verlässt.

Das Gift in den Waden schmerzt kaum mehr, Stunden später auf der halben Höhe, wo das Auto steht, und schon nach drei Serpentinen ist der Blick dann doch frei, diesmal zum See hinunter, überWeissach, den Affenfelsen Rottach und das scheussliche Hotel Überfahrt, und in die Stille der Berge dröhnen die Auspüffe der Motorräder ein Lied hinauf, mit dem Text "Du brauchst nicht weinen, über meinen bleichen Gebeinen, wenn´s mich derbrettert, ich bin eh deppert". Den Claim der Trunkenen in den Wirtshäusern hört man nicht, aber man kennt ihn eh, besser den Mogn verrenkt, ois am Wirt wos gschenkt. So sind sie, da unten.

Und ganz am Horizont, wie immer auch am Sonntag unter einer Glocke aus Dunst, Abgasen und Ozon, mit ein paar hohen Häusern gerade noch als Stadt und nicht als banale Luftverschmutzung zu erkennen, München, meine einzigartige Munich Area, wo sie auch am Abgrund entlang nach oben kommen wollten, nur um sich dann inmitten eines gnadenlosen Asozialsystems zu finden, das trotz guter Aussichten auf Dauer unerträglich ist, mit all seinen Betrügern, Abzockern, Mietmäulern, und Speichelleckern, die nur in solchen Strukturen überleben können.

Der Felsvorsprung, der dieses Panorama nicht wirklich frei gibt, zieht sich zehn Meter weiter in die Höhe, während im Abgrund davor die Bäume niedriger stehen, dort flirrt das Sonnenlicht über moosigen Steinen und lockt den wackeren Bergfex, noch ein paar Schritte am Verderben vorbei zu wagen, andere sterben für eines anderen Krieg, den Suff und ihre eigene Dummheit, da darf man wegen eines besonderen Blicks schon war riskieren, und dann oben auf dem kleinen Hügel sitzen und hinabblicken auf die Welt.

Also geht es über Grat und Wurzeln hinauf, begleitet von den Ameisen, die schon drunter emsig werkelten. Es sind ihrer viele, vielleicht liegt im Fels ein totes Reh, das den Winter nicht überlebte, und taut gerade auf, so dass die Insekten jetzt gar so wild wuseln, es sind viele, es werden immer mehr auf dem Weg nach oben, sie sind unter Blättern und auf totem Holz, sie haben keine Wege mehr und keine Ziele, es sind viele Ameisen, enorm viele, sie besteigen die Schuhe, und schon bald kribbelt etwas am Bein, gefolgt von Jucken der Bisse, es sind alpine Waldameisen, nicht ihre verzärtelten Stadtkollegen aus den Abläufen, die hier können beissen, und es werden zum Gipfel hin noch mehr, bis ganz oben am Ziel, wo sich der sanfte Ruhehügel an riesiger Insektenstaat entpuppt, den man schnell und ohne Aufhebens gern wieder verlässt.

Das Gift in den Waden schmerzt kaum mehr, Stunden später auf der halben Höhe, wo das Auto steht, und schon nach drei Serpentinen ist der Blick dann doch frei, diesmal zum See hinunter, überWeissach, den Affenfelsen Rottach und das scheussliche Hotel Überfahrt, und in die Stille der Berge dröhnen die Auspüffe der Motorräder ein Lied hinauf, mit dem Text "Du brauchst nicht weinen, über meinen bleichen Gebeinen, wenn´s mich derbrettert, ich bin eh deppert". Den Claim der Trunkenen in den Wirtshäusern hört man nicht, aber man kennt ihn eh, besser den Mogn verrenkt, ois am Wirt wos gschenkt. So sind sie, da unten.

Und ganz am Horizont, wie immer auch am Sonntag unter einer Glocke aus Dunst, Abgasen und Ozon, mit ein paar hohen Häusern gerade noch als Stadt und nicht als banale Luftverschmutzung zu erkennen, München, meine einzigartige Munich Area, wo sie auch am Abgrund entlang nach oben kommen wollten, nur um sich dann inmitten eines gnadenlosen Asozialsystems zu finden, das trotz guter Aussichten auf Dauer unerträglich ist, mit all seinen Betrügern, Abzockern, Mietmäulern, und Speichelleckern, die nur in solchen Strukturen überleben können.
donalphons, 01:48h
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Brauner und verstrahlter Müll
Mit freundlichen Grüssen an all die bloggenden, communitybetreibenden und gossenfüllenden Bonker in Berlin und anderswo:

Ab in die Tonne mit Euch.

Ab in die Tonne mit Euch.
donalphons, 21:38h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Sonntag, 20. April 2008
Die wilde Nichtjugend
Zwischen 8 und 18 liegt das Alter der Anfeindungen; sei es durch diejenigen, mit denen man in eine Klasse gesteckt wird, oder aber das weitere gesellschaftliche Umfeld, das genau weiss, was später gut für einen ist, und das auf Negierung dieser Vorstellungen mit einer ideologischen Vehemenz reagiert, die man im grösseren Rahmen von totalitären Regimen oder von Motivationsshows kennt. Ein Arzt ist halt ein Arzt, Apotheker wird es immer geben, Ingenieure braucht das Land und obendrein auch mutige Siedler, die Vororte mit weiteren Menschengewimmel auffüllen.
Dagegen kann man mit fest umrissenen Vorstellungen argumentieren und handeln; vom Suizid über Ausreissen, Drogenkonsum, Entwicklungshelfer werden bis hin zum Finanzbetrüger ist da viel denkbar in diesen Zeiten, in denen es zur Unterbringung solcher Fälle keine Kolonien mehr gibt. Überhaupt war das wohl der Hauptzweck dieser eroberten Gebiete: Die Leute loswerden, die heute nach Berlin ausweichen und nach zwei Startups in die Politikberatung expandieren wollen. In der Serengeti oder im kambodschanischen Dschungel wurde das daheim nicht allzu relevant.
Schlussendlich hat das Umfeld jedoch fast immer Erfolg, und so sitzen sie jetzt in ihren Vorstadthäusern und finden das noch nicht mal seltsam, während draussen der Regen fällt.

Oben auf dem Pass reisst es auf, es sind nur noch 30 Kilometer zurück, und keiner von denen hätte Lust gehabt, die letzten beiden Tage zu erleben, die in etwa so waren, wie das Umfeld die Folgen der Nichtakzeptanz ihrer Regeln beschreibt: Angefüllt mit zwielichtigen Typen, sehr viel unsicherer Finanzierung, und die wenigsten wissen, was nächste Woche passieren wird - ausser denen natürlich, deren Vermögen bereits unter Insolvenzverwaltung ist, das bringt erst mal mehr Ruhe ins Geschehen, als einem lieb sein kann.
Immerhin kennen solche Treffen keine Langeweile, und, was in diesem Alter langsam wichtig wird für einen Ärzteverweigerer wie mich, es geht nie um Gesundheit, solange es nicht der gehörsturz eines Gegners ist. Die meisten sind nur noch begrenzt in bestem Alter, aber keiner redet über seine Zipperlein, es ist krank, was in der Welt passiert, aber die es betonen, scheinen kerngesund zu sein, so wie das Thema hier nicht stattfindet.
Währenddessen sitzt die Folgegeneration des Umfeldes daheim und denkt über Prostataprobleme und andere Routinefolgen nach. Und Ärzte sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.
Dagegen kann man mit fest umrissenen Vorstellungen argumentieren und handeln; vom Suizid über Ausreissen, Drogenkonsum, Entwicklungshelfer werden bis hin zum Finanzbetrüger ist da viel denkbar in diesen Zeiten, in denen es zur Unterbringung solcher Fälle keine Kolonien mehr gibt. Überhaupt war das wohl der Hauptzweck dieser eroberten Gebiete: Die Leute loswerden, die heute nach Berlin ausweichen und nach zwei Startups in die Politikberatung expandieren wollen. In der Serengeti oder im kambodschanischen Dschungel wurde das daheim nicht allzu relevant.
Schlussendlich hat das Umfeld jedoch fast immer Erfolg, und so sitzen sie jetzt in ihren Vorstadthäusern und finden das noch nicht mal seltsam, während draussen der Regen fällt.

Oben auf dem Pass reisst es auf, es sind nur noch 30 Kilometer zurück, und keiner von denen hätte Lust gehabt, die letzten beiden Tage zu erleben, die in etwa so waren, wie das Umfeld die Folgen der Nichtakzeptanz ihrer Regeln beschreibt: Angefüllt mit zwielichtigen Typen, sehr viel unsicherer Finanzierung, und die wenigsten wissen, was nächste Woche passieren wird - ausser denen natürlich, deren Vermögen bereits unter Insolvenzverwaltung ist, das bringt erst mal mehr Ruhe ins Geschehen, als einem lieb sein kann.
Immerhin kennen solche Treffen keine Langeweile, und, was in diesem Alter langsam wichtig wird für einen Ärzteverweigerer wie mich, es geht nie um Gesundheit, solange es nicht der gehörsturz eines Gegners ist. Die meisten sind nur noch begrenzt in bestem Alter, aber keiner redet über seine Zipperlein, es ist krank, was in der Welt passiert, aber die es betonen, scheinen kerngesund zu sein, so wie das Thema hier nicht stattfindet.
Währenddessen sitzt die Folgegeneration des Umfeldes daheim und denkt über Prostataprobleme und andere Routinefolgen nach. Und Ärzte sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.
donalphons, 00:28h
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Kreuzworträtsel: Grobes Wort für sterben.
Ich will das Wort gerade in diesem Kontext nicht ausschreiben, aber wir hier in Bayern pflegen in solchen Fällen zu sagen, dass da wohl jemand einem ins Hirn Fäkalien eingebracht hat. Was dann ja auch irgendwie braun wäre.

Aber Holtzbrinck ist es auch ziemlich egal gewesen, wenn eine Beteiligungsfirma mit einem veränderten Titelblatt des Völkischen Beobachters zur Party lädt, da ist sowas dann eher ein blöder Zufall, und wohl eher kein vorgezogenes, psthumes Geburtstagsgeschenk an einen, in dessen Heimatland der Schnee schilzt, als wäre es das, was man früher als Anstand bezeichnete.

Aber Holtzbrinck ist es auch ziemlich egal gewesen, wenn eine Beteiligungsfirma mit einem veränderten Titelblatt des Völkischen Beobachters zur Party lädt, da ist sowas dann eher ein blöder Zufall, und wohl eher kein vorgezogenes, psthumes Geburtstagsgeschenk an einen, in dessen Heimatland der Schnee schilzt, als wäre es das, was man früher als Anstand bezeichnete.
donalphons, 00:26h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Freitag, 18. April 2008
Die Guten.
In etwa so.
Es gibt da eine, na, nennen wir sie mal Gruppe, die unter der falschen Leitung eine Menge Fehler gemacht hat. Fehler, für die sie früher gelobt wurde. Endlich stellt sich so eine Organisation, die dem Sozialen verhaftet ist, an die Spitze der Liberalisierung, erteilt Lizenzen, extended den Brand, und lasst es mal so richtig als Wirtschaftskonzern krachen. Es dauerte ein paar Jahre, bis sich die Problematik dieser Strategie zeigte, und während die Medien gewogen blieben, reifte bei manchen Beteiligten die Überzeugung, dass es so nicht weiter gehen kann. Das da sind nicht mehr sie. Als dann der Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden durch einen Todesfall frei wurde, entschieden sich die Partner nicht für den forschen Privatisierer, sondern für denjenigen, der zurück zum Kerngeschäft wollte. Der andere schied im Streit aus der Firma, die dann erst verstand, was er angerichtet hatte: Halbseidene Geschäftspartner, Versäumnisse, Risiken, unüberschaubare Verpflichtungen, schlechte Verträge, geringe Handlungsräume, das übliche, wenn man zu schnell wächst.
In der Folge kam es zu Prozessen, die die Firma in der Form bislang nicht kannte, und die die Hausjuristen komplett überforderten. Das Problem bei solchen Rückbesinnungen ist, dass man die neuen Probleme mit Methoden angeht, die nicht adäquat sind, und Personal, dem nicht die Verfilzung, sehr wohl aber die nötige Härte zum Durchsetzen der eigenen Interessen fehlt. Anwälte werden immer bezahlt, zumal, wenn die Firma praktisch nicht pleite gehen kann. Und wenn dann die erste Runde verloren ist, holt man sich doch, aus der Notlage heraus, ein paar Experten, die einen raushauen.

Die Experten kommen, erledigen die Arbeit, und erzählen der menschenfreundlich sein wollenden Firma gerade mal so viel, dass sie ihr Bild wahren kann, der Rest muss nicht bekannt werden, schadet nur dem eh schon ramponierten Selbstverständnis. Natürlich sind das keine schönen Siege, kein Gegner wird hier in den Ruin gestreichelt, und weil die verfilzten alten Freunde behaupten, dass sie das schöner gestalten können, werden die Experten erst mal beiseite gelassen, wenn es um den scheinbar leichten Folgecasus geht. Und statt aussergerichtlich gleich mal präventiv den Gegner zu terrorisieren und so unter Druck zu setzen, dass er Risiken vermeidet, verlässt man sich wieder auf die Gerichte und die Gerechtigkeit.
Ich kann nach dem Lesen der morgendlichen Mails nicht behaupten, dass meine Tätigkeit am Ende so etwas wie "Sinn" hätte. Mal abgesehen davon, dass es mir erlaubt, die Grunderwerbsteuer mit leichterem Herzen zu bezahlen. Und wenn ich dann dort war, meine Haifische tranportiert habe und ein wenig klüger, aber nicht wirklich chancenreicher bin, fahre ich in die Berge, die sich so unschuldig hinter dem Firmensitz am Südrand von München erheben.

Und erhole mich, wie es Familientradition ist. Es hat nicht lang gedauert, die Anhänge zu lesen und zu verstehen, aber ich fühle mich, als hätte ich eine Woche Mehl in Bottiche geschaufelt. 16 Tonnen, jeden Tag. Bei den Zahnärzten aus Starnberg weiss man wenigstens, dass sie ihr Geld zurück wollen, egal mit welchen Mitteln. Aber bei den Guten muss es immer gut sein, und dieses Gefühl, auch nach einer Dekade übelster Wirtschafterei immer noch die Guten zu sein, ist es ihnen wohl wert, auch wenn die Füsse tiefer im Sumpf stecken, als die Nasen hoch getragen werden.
Es gibt da eine, na, nennen wir sie mal Gruppe, die unter der falschen Leitung eine Menge Fehler gemacht hat. Fehler, für die sie früher gelobt wurde. Endlich stellt sich so eine Organisation, die dem Sozialen verhaftet ist, an die Spitze der Liberalisierung, erteilt Lizenzen, extended den Brand, und lasst es mal so richtig als Wirtschaftskonzern krachen. Es dauerte ein paar Jahre, bis sich die Problematik dieser Strategie zeigte, und während die Medien gewogen blieben, reifte bei manchen Beteiligten die Überzeugung, dass es so nicht weiter gehen kann. Das da sind nicht mehr sie. Als dann der Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden durch einen Todesfall frei wurde, entschieden sich die Partner nicht für den forschen Privatisierer, sondern für denjenigen, der zurück zum Kerngeschäft wollte. Der andere schied im Streit aus der Firma, die dann erst verstand, was er angerichtet hatte: Halbseidene Geschäftspartner, Versäumnisse, Risiken, unüberschaubare Verpflichtungen, schlechte Verträge, geringe Handlungsräume, das übliche, wenn man zu schnell wächst.
In der Folge kam es zu Prozessen, die die Firma in der Form bislang nicht kannte, und die die Hausjuristen komplett überforderten. Das Problem bei solchen Rückbesinnungen ist, dass man die neuen Probleme mit Methoden angeht, die nicht adäquat sind, und Personal, dem nicht die Verfilzung, sehr wohl aber die nötige Härte zum Durchsetzen der eigenen Interessen fehlt. Anwälte werden immer bezahlt, zumal, wenn die Firma praktisch nicht pleite gehen kann. Und wenn dann die erste Runde verloren ist, holt man sich doch, aus der Notlage heraus, ein paar Experten, die einen raushauen.

Die Experten kommen, erledigen die Arbeit, und erzählen der menschenfreundlich sein wollenden Firma gerade mal so viel, dass sie ihr Bild wahren kann, der Rest muss nicht bekannt werden, schadet nur dem eh schon ramponierten Selbstverständnis. Natürlich sind das keine schönen Siege, kein Gegner wird hier in den Ruin gestreichelt, und weil die verfilzten alten Freunde behaupten, dass sie das schöner gestalten können, werden die Experten erst mal beiseite gelassen, wenn es um den scheinbar leichten Folgecasus geht. Und statt aussergerichtlich gleich mal präventiv den Gegner zu terrorisieren und so unter Druck zu setzen, dass er Risiken vermeidet, verlässt man sich wieder auf die Gerichte und die Gerechtigkeit.
Ich kann nach dem Lesen der morgendlichen Mails nicht behaupten, dass meine Tätigkeit am Ende so etwas wie "Sinn" hätte. Mal abgesehen davon, dass es mir erlaubt, die Grunderwerbsteuer mit leichterem Herzen zu bezahlen. Und wenn ich dann dort war, meine Haifische tranportiert habe und ein wenig klüger, aber nicht wirklich chancenreicher bin, fahre ich in die Berge, die sich so unschuldig hinter dem Firmensitz am Südrand von München erheben.

Und erhole mich, wie es Familientradition ist. Es hat nicht lang gedauert, die Anhänge zu lesen und zu verstehen, aber ich fühle mich, als hätte ich eine Woche Mehl in Bottiche geschaufelt. 16 Tonnen, jeden Tag. Bei den Zahnärzten aus Starnberg weiss man wenigstens, dass sie ihr Geld zurück wollen, egal mit welchen Mitteln. Aber bei den Guten muss es immer gut sein, und dieses Gefühl, auch nach einer Dekade übelster Wirtschafterei immer noch die Guten zu sein, ist es ihnen wohl wert, auch wenn die Füsse tiefer im Sumpf stecken, als die Nasen hoch getragen werden.
donalphons, 12:22h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 17. April 2008
Empfehlung heute - Berlin hasst die New York Times
Und das ist auch die Antwort, warum es in München so wenig Blogger gibt: Weil es so schön ist, dass man nicht dauernd in die Kiste starren muss. Reich und Sexy. Da hat Herr Kulish schon recht. Selbst wenn ich die Hälfte der von ihm genannten Orte und Veranstaltungen fast so uncool wie Marketingtreffen der Kaufblogger in Berlin finde.
(via, was sonst, eine Münchnerin)
(via, was sonst, eine Münchnerin)
donalphons, 23:40h
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Komisch
Irgendwie ist es mir egal, wenn die Grünen mit der CDU ins Bett steigen. Die gleiche Sorte Gleichgültigkeit, die ich auch empfinde, wenn einer nach langem Rumdrucksen etwas gesteht, was ich auch so schon weiss. ich hatte solche Fälle in der New economy, da kannten wir die Fakten durch die Bücher und Rechnungen, und warteten nur noch auf die Bestätigung. Um jemanden zu enttäuschen, müsste man ihn erst mal täuschen können, und diese Fähigkeit haben die Grünen irgendwann Ende der 90er verloren, als ich zum ersten mal mit deren bayerischer Führungsebene zu tun hatte.
Was mich enttäuscht, sind die Schwarzen. Seit Mitte der 90er haben die Grünen keine Ideale mehr, die sie verraten könnten, die Schwarzen jeoch haben eine Menge historischen Ballast, zu dem sie besser stehen sollten. In diesem speziellen Fall bin ich im übertragenen Sinne gewillt, Franz Josef selig mit seinem Spruch vom kalten Krieger, der ihm lieber als ein warmer Bruder ist, zuzustimmen. Es ist nicht besonders schwer, abfällig gewordene Bündnispartner zu ersetzen, und schon gar nicht in der Politik - aber ein klares Feindbild ist in Zeiten wie diesen unersetzlich.
Ich mag diesen Swingerclub für Kuschelsex von korrupten Nichtideologen nicht. Ich hätte gern wieder Härte, wenn es sein muss auch Wasserwerfer, Steine und deutlich angesprochene Arschlöcher, als diesen parteiübergreifenden Mainstream zur Entrechtung des Staatsvolkes, das sich am Ende immer nur für verschieden lackierte Fressen des gleichen Parteienmülls entscheiden kann, und deshalb einfach nicht mehr wählen geht. Ich hätte gern Charakterköpfe, die sich nicht kaufen lassen, und nicht den - um Strauss nochmal zu bemühen - Ratten und Schmeissfliegen der Medien und Umfragemacher hinterherlaufen.
Ich möchte wieder richtig hassen und den Wunsch haben, sie wegen ihrer Überzeugungen verrecken zu sehen. Und nicht nur, weil sie feige, erbärmliche Schleimbatzen sind.
Was mich enttäuscht, sind die Schwarzen. Seit Mitte der 90er haben die Grünen keine Ideale mehr, die sie verraten könnten, die Schwarzen jeoch haben eine Menge historischen Ballast, zu dem sie besser stehen sollten. In diesem speziellen Fall bin ich im übertragenen Sinne gewillt, Franz Josef selig mit seinem Spruch vom kalten Krieger, der ihm lieber als ein warmer Bruder ist, zuzustimmen. Es ist nicht besonders schwer, abfällig gewordene Bündnispartner zu ersetzen, und schon gar nicht in der Politik - aber ein klares Feindbild ist in Zeiten wie diesen unersetzlich.
Ich mag diesen Swingerclub für Kuschelsex von korrupten Nichtideologen nicht. Ich hätte gern wieder Härte, wenn es sein muss auch Wasserwerfer, Steine und deutlich angesprochene Arschlöcher, als diesen parteiübergreifenden Mainstream zur Entrechtung des Staatsvolkes, das sich am Ende immer nur für verschieden lackierte Fressen des gleichen Parteienmülls entscheiden kann, und deshalb einfach nicht mehr wählen geht. Ich hätte gern Charakterköpfe, die sich nicht kaufen lassen, und nicht den - um Strauss nochmal zu bemühen - Ratten und Schmeissfliegen der Medien und Umfragemacher hinterherlaufen.
Ich möchte wieder richtig hassen und den Wunsch haben, sie wegen ihrer Überzeugungen verrecken zu sehen. Und nicht nur, weil sie feige, erbärmliche Schleimbatzen sind.
donalphons, 18:29h
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Eine Frage des Anstands
Es gibt da einen bekannten Berliner Blogger und Blogvermarkter, der mit einer führenden Mitarbeiterin von "Tagesspiegel online" gut kann, und mit ihr ein sehr nettes, kritikloses Interview zum von ihr mitverantworteten Holtzbrinckprojekt Zoomer gemacht hat, und bald darauf standen im Tagesspiegel einige Freundlichkeiten über diesen Herrn.
Es gibt da einen bekannten Mehrfachpleitier aus Südwestdeutschland, der ein schleimiges Gefälligkeitsinterview mit einem führenden Zoomermitarbeiter für einen angeblichen "Branchendienst" gemacht hat, und bald darauf Zoomer unter seinen Sponsoren nennen konnte und kann.
Und es gibt mich in Bayern und die Blogbar.
Es gibt da einen bekannten Mehrfachpleitier aus Südwestdeutschland, der ein schleimiges Gefälligkeitsinterview mit einem führenden Zoomermitarbeiter für einen angeblichen "Branchendienst" gemacht hat, und bald darauf Zoomer unter seinen Sponsoren nennen konnte und kann.
Und es gibt mich in Bayern und die Blogbar.
donalphons, 17:53h
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: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :
Donnerstag, 17. April 2008
Das Schaf der Apokalypse
400. ... Wer bietet 400. ... 350? ... Und zurück.
Die Krise hat viele Gesichter. Das Biedermeierportrait ist eines davon.
1000. ... Bietet jemand 1000? 900?
600!
600 unter Vorbehalt an die Nummer 84.
Die Krise hat viele Gesichter. Der Mann, der oft deutlich unterbietet, wenn keine Konkurrenz zu erwarten ist, hat eines davon.
De Artemis hier hinten. 1500. 1500 sind noch bei mir. ... Bietet jemand mehr? 1500. ... zum ersten, zweiten und ... dritten.
Die Krise hat viele Gesichter. Das Gesicht der griechischen Göttin, mit den sanften Lippen und dem verzückten Blick, um 1740 gemalt, ist kein banales 1500-Euro-Gesicht.
700. ... Sind 700 im Saal? ... 600? ... und zurück.
Die Krise hat viele Gesichter. Wie das Erstaunen der Dame, die vorne die Auktion leitet. Früher ging es so: Ein niedrig aussehendes Limit wird gesetzt, dann kommen hunderte in Hoffnung auf einen guten Kauf, steigern mit, und ehe sie sich versehen, haben sie sich schon versteigert, denn auf die 50 Euro kommt es im gefecht auch nicht mehr an, und prompt kann das Auktionshaus neue Rekorde vermelden. Liest sich gut für Einlieferer: Limit 500, verkauft für 4200 - Plus 24%. Das macht Stimmung. Aber diesmal nicht. Diesmal bleibt fast die Hälfte liegen. Das ist neu und ungewöhnlich, bei diesem aufstrebenden Haus in Schwabing. Die Käufer wollen nicht, sie halten das Geld zusammen. Ohne die Grunderwerbsteuer hätte ich mir die Artemis vielleicht gegönnt, oder zumindest versucht, gegen das schriftliche Gebot zuu bestehen, sie wäre es wert gewesen, aber so reihe auch ich mich ein in die Masse derer, die untätig dasitzt und wartet, auf die eine Nummer, wegen der sie gekommen sind, und ungerührt dem Debakel zuschauen. Jeder ist sich, auch in diesen Kreisen, gerade selbst der nächste.
Ich habe einen fremden Auftrag, und ein eigenes Ziel. Das eigene Ziel eigentlich nur, weil der Auftraggeber mutmasslich zu wenig bietet, und weil ich nicht ganz umsonst hier im überfüllten Raum der Kaufverweigerer sitzen will, während draussen das Münchner Leben den Frühling begrüsst. Ich weiss nicht, ob es Chancen gibt; wenn es um Toyohara Kunichika geht, kann man sehr schnell gegen ominöse Telefonbieter aus Fernost unterliegen, für die das eigene Limit von 300 Euro gerne auch nur die Umsatzsteuer auf das Aufgeld darstellen darf. Die damit gebündelten Damen von Kunimaru Utagawa sind glücklicherweise als "Anonym, um 1900" gekennzeichnet, auch wenn Utagawa brettlbreit draufsteht und das schrumplige Papier keine Zweifel am wahren Alter - so um 1820 - lässt. Es gibt also sowas wie relle Chancen, dass sie das Limit von 80 nicht allzusehr übertreten.
Zwei japanische Holzstiche ... 80. Wer bietet 80? ... 80? ... Und zur..
60! rufe ich in das gelangweilte Schweigen hinein.
60 wären schon bei mir, sagt die Auktionatorin.
70, sage ich.
80, sagt sie und weist auf jemandem hinter mir, der weniger von der Krise betroffen ist, als gehofft. Ich lasse mein Schild oben, damit sind es 90.
Und die Jagd ist eröffnet. 90 ... Bietet jemand mehr? Man spürt, dass es jetzt spannend wird, vielleicht denkt einer, wenn da schon zwei bieten, vielleicht ist es doch was, allein die Rahmen sind ja schon vierzig wert, da kann man eigentlich nichts falsch machen .... 90? ... 90 zum ersten, zum zweiten und - sie tickt mit dem Bleistift auf den Tisch - zum Dritten.

Die Krise hat viele Gesichter, wir nähern uns wieder dem Zeitpunkt, da ein Rubens für einen Sack Kartoffeln, ein Seidenteppich für einen Eimer Milch auf den Schwarzmarkt ging. Es sind fast argentinische Verhältnisse, und nie waren Konkubinen so billig in Anschaffung und Unterhalt wie gerade eben. Kein Wunder, dass die Kabuki-Schauspieler verzweifelt dreinschauen, wenn ihre Kunst nicht angemessen geschätzt wird. Auch sie sind Gesichter, die die Krise hat.
Bleibt noch der Auftrag, ein verstecktes, kleines Gemälde, Limit 250, mein Auftragslimit liegt bei 850, und es geht los mit..
bei mir sind 1650 ... 1650 ... bietet jemand im Saal 1700 1750 sind bei mir 1800 1850 sind bei mir 1900 1950 sind bei mir 2000 2100 sind bei mir 2200 2300 sind bei mir 2400...
Ich gehe nach draussen im Wissen, dass eine andere Krise gleich ein anderes Gesicht haben wird, und teile dem Auftraggeber das Debakel und mein Bedauern mit. Wir reden noch etwas, und er erzählt, dass Ende der nächsten Woche bei einer anderen Auktion ein apokalyptisches Schaf unter den Hammer kommt, auf dem Buch mit den sieben Siegeln, ob ich da nicht vielleicht auch Zeit hätte.
Die Krise hatte schon früher viele Gesichter.
Die Krise hat viele Gesichter. Das Biedermeierportrait ist eines davon.
1000. ... Bietet jemand 1000? 900?
600!
600 unter Vorbehalt an die Nummer 84.
Die Krise hat viele Gesichter. Der Mann, der oft deutlich unterbietet, wenn keine Konkurrenz zu erwarten ist, hat eines davon.
De Artemis hier hinten. 1500. 1500 sind noch bei mir. ... Bietet jemand mehr? 1500. ... zum ersten, zweiten und ... dritten.
Die Krise hat viele Gesichter. Das Gesicht der griechischen Göttin, mit den sanften Lippen und dem verzückten Blick, um 1740 gemalt, ist kein banales 1500-Euro-Gesicht.
700. ... Sind 700 im Saal? ... 600? ... und zurück.
Die Krise hat viele Gesichter. Wie das Erstaunen der Dame, die vorne die Auktion leitet. Früher ging es so: Ein niedrig aussehendes Limit wird gesetzt, dann kommen hunderte in Hoffnung auf einen guten Kauf, steigern mit, und ehe sie sich versehen, haben sie sich schon versteigert, denn auf die 50 Euro kommt es im gefecht auch nicht mehr an, und prompt kann das Auktionshaus neue Rekorde vermelden. Liest sich gut für Einlieferer: Limit 500, verkauft für 4200 - Plus 24%. Das macht Stimmung. Aber diesmal nicht. Diesmal bleibt fast die Hälfte liegen. Das ist neu und ungewöhnlich, bei diesem aufstrebenden Haus in Schwabing. Die Käufer wollen nicht, sie halten das Geld zusammen. Ohne die Grunderwerbsteuer hätte ich mir die Artemis vielleicht gegönnt, oder zumindest versucht, gegen das schriftliche Gebot zuu bestehen, sie wäre es wert gewesen, aber so reihe auch ich mich ein in die Masse derer, die untätig dasitzt und wartet, auf die eine Nummer, wegen der sie gekommen sind, und ungerührt dem Debakel zuschauen. Jeder ist sich, auch in diesen Kreisen, gerade selbst der nächste.
Ich habe einen fremden Auftrag, und ein eigenes Ziel. Das eigene Ziel eigentlich nur, weil der Auftraggeber mutmasslich zu wenig bietet, und weil ich nicht ganz umsonst hier im überfüllten Raum der Kaufverweigerer sitzen will, während draussen das Münchner Leben den Frühling begrüsst. Ich weiss nicht, ob es Chancen gibt; wenn es um Toyohara Kunichika geht, kann man sehr schnell gegen ominöse Telefonbieter aus Fernost unterliegen, für die das eigene Limit von 300 Euro gerne auch nur die Umsatzsteuer auf das Aufgeld darstellen darf. Die damit gebündelten Damen von Kunimaru Utagawa sind glücklicherweise als "Anonym, um 1900" gekennzeichnet, auch wenn Utagawa brettlbreit draufsteht und das schrumplige Papier keine Zweifel am wahren Alter - so um 1820 - lässt. Es gibt also sowas wie relle Chancen, dass sie das Limit von 80 nicht allzusehr übertreten.
Zwei japanische Holzstiche ... 80. Wer bietet 80? ... 80? ... Und zur..
60! rufe ich in das gelangweilte Schweigen hinein.
60 wären schon bei mir, sagt die Auktionatorin.
70, sage ich.
80, sagt sie und weist auf jemandem hinter mir, der weniger von der Krise betroffen ist, als gehofft. Ich lasse mein Schild oben, damit sind es 90.
Und die Jagd ist eröffnet. 90 ... Bietet jemand mehr? Man spürt, dass es jetzt spannend wird, vielleicht denkt einer, wenn da schon zwei bieten, vielleicht ist es doch was, allein die Rahmen sind ja schon vierzig wert, da kann man eigentlich nichts falsch machen .... 90? ... 90 zum ersten, zum zweiten und - sie tickt mit dem Bleistift auf den Tisch - zum Dritten.

Die Krise hat viele Gesichter, wir nähern uns wieder dem Zeitpunkt, da ein Rubens für einen Sack Kartoffeln, ein Seidenteppich für einen Eimer Milch auf den Schwarzmarkt ging. Es sind fast argentinische Verhältnisse, und nie waren Konkubinen so billig in Anschaffung und Unterhalt wie gerade eben. Kein Wunder, dass die Kabuki-Schauspieler verzweifelt dreinschauen, wenn ihre Kunst nicht angemessen geschätzt wird. Auch sie sind Gesichter, die die Krise hat.
Bleibt noch der Auftrag, ein verstecktes, kleines Gemälde, Limit 250, mein Auftragslimit liegt bei 850, und es geht los mit..
bei mir sind 1650 ... 1650 ... bietet jemand im Saal 1700 1750 sind bei mir 1800 1850 sind bei mir 1900 1950 sind bei mir 2000 2100 sind bei mir 2200 2300 sind bei mir 2400...
Ich gehe nach draussen im Wissen, dass eine andere Krise gleich ein anderes Gesicht haben wird, und teile dem Auftraggeber das Debakel und mein Bedauern mit. Wir reden noch etwas, und er erzählt, dass Ende der nächsten Woche bei einer anderen Auktion ein apokalyptisches Schaf unter den Hammer kommt, auf dem Buch mit den sieben Siegeln, ob ich da nicht vielleicht auch Zeit hätte.
Die Krise hatte schon früher viele Gesichter.
donalphons, 01:39h
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Empfehlung heute - Erweiterung
für den bekannten Kiosk von Herrn Paulsen - seit neuestem gibt es auch eine eigenständige Kocheinheit in Hamburg.
donalphons, 01:38h
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Der Missbrauch der Freiheit
ich glaube nicht, dass man einen Ort finden kann, der das aktuelle Wirtschaftsdilemma von Kreditkrise, Inflation und kriminellem Kapital besser ausdrückt, als der Hügel nahe meinem Haus am Tegernsee, die gewellte grüne Wiese auf einer Anhöhe zwischen Tegernsee und dem Tal der Mangfall, das hier auf den Namen Louisenthal lautet.

Grossbild hier
Links, unter den Bäumen liegt die Leiche von Ludwig Erhard, der wohl kaum einfach nur zugesehen hätte, wenn ganze Länder destabilisiert werden, indem Wirtschaftskriminelle und ihre de facto Kartelle nach der Pleite mit Immobilienkrediten jetzt bei Grundnahrungsmitteln ein neues Feld für ihre Verbrechen entdecken - weil es für sie Sicherheit bedeutet, weil man an ihren Waren kaum vorbei kommt. Solange niemand auf die Idee verfällt, ihr Geschäftsmodell durch Plünderungen oder, langfristiger angelegt, durch Terrorismus zu schädigen. Was Hunger in Sachen Politik ermöglicht, wusste Erhard, und er hätte nach den Erfahrungen der frühen 30er Jahre sicher nicht einfach zugeschaut.
Eine Marktwirtschaft, die das Wohlergehen eines Spekulationsverbrechers über das einer Gesellschaft stellt, braucht weitgehende politische Regularien, die abwägt zwischen dem Existenzrecht einer Gesellschaft und der Freiheitderer, die eine Gesellschaft zu ihren Zwecken gefährden. An diesem Punkt sind wir mittlerweile angelangt, die globale Spekulation droht, ganze Bevölkerungsschichten in Hunger und Elend zu treiben, und als Folge werden wir alle einen hohen Preis zahlen, dem Spekulationsverbrecher dann wieder auf andere Arten entkommen wollen. Berufsmässige Antisoziale verdienen keine Freiheit, man sollte sie ihnen wegnehmen, wie allen anderen gefährlichen Psychopathen auch. Es ist genug zum Essen da, nur sind die Preise wegen der parasitären Marktteilnehmer und ihrem Versagen in anderen Märkten zu hoch.
Weil sich aber so schnell die Politik nicht zum Handeln entschliesst, und es für einen Kambodschaner nicht allzu einfach ist, als marktberuhigende Sofortmassnahme ein paar Warentermingeschäftemacher auf den leeren Bratspiess zu rammen (ich nenne es den Schnelltender der 3. Welt), hilft auch die Leiche Erhards nicht weiter. Ganz rechts ragt ein Schornstein in den Abendhimmel, und der Fabrik darunter geht es blendend. Das ist die Papierfabrik in Gmund, Weltmarktführer für die Bütten, auf denen Geld gedruckt wird. Geld für die Inflation, mit der wir alle für das Auskommen von Verbrechern bezahlen, Geld, das die missbrauchte Freiheit der Märkte verlangt, für die Vergrösserung sozialer Unterschiede, für ein Mehr, das weniger für alle bedeutet.
Natürlich kann man mit Milliarden für die Welthungerhilfe den ärgsten Folgen entgegensteuern. Aber warum? Ein ordentliches Gefangenenlager und ein paar Gesetze, um den Missbrauch der Freiheit zu dem juristisch verfolgbaren Verbrechen zu machen, das er jetzt schon im übertragenen Sinne ist, sind weitaus kosteneffizienter, und beruhigen die Märkte schneller als jetzt Zinssenkung. Durch das Wegsperren der übelsten Subjekte kann man auch davon ausgehen, dass der entsprechende Arbeitsmarkt bereinigt wird, und mehr noch, das Thema der Verluderung der Bankersitten durch schnelle Zugriffe und harte Strafen nicht mehr so relevant ist, dass es hunderttausende schädigen kann.
Dann kann man auch mal überlegen, welche Bereiche von Handel und Preisgestaltung ökonomisch sinnvoll sind, und welchen Bereiche man dauerhaft abschafft. Sollen diese Leute doch ihr Geld bei Onlinekasinos verzocken, da stört es keinen, und auch ohne Inflation geht in Gmund nicht die Arbeit aus.

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Links, unter den Bäumen liegt die Leiche von Ludwig Erhard, der wohl kaum einfach nur zugesehen hätte, wenn ganze Länder destabilisiert werden, indem Wirtschaftskriminelle und ihre de facto Kartelle nach der Pleite mit Immobilienkrediten jetzt bei Grundnahrungsmitteln ein neues Feld für ihre Verbrechen entdecken - weil es für sie Sicherheit bedeutet, weil man an ihren Waren kaum vorbei kommt. Solange niemand auf die Idee verfällt, ihr Geschäftsmodell durch Plünderungen oder, langfristiger angelegt, durch Terrorismus zu schädigen. Was Hunger in Sachen Politik ermöglicht, wusste Erhard, und er hätte nach den Erfahrungen der frühen 30er Jahre sicher nicht einfach zugeschaut.
Eine Marktwirtschaft, die das Wohlergehen eines Spekulationsverbrechers über das einer Gesellschaft stellt, braucht weitgehende politische Regularien, die abwägt zwischen dem Existenzrecht einer Gesellschaft und der Freiheitderer, die eine Gesellschaft zu ihren Zwecken gefährden. An diesem Punkt sind wir mittlerweile angelangt, die globale Spekulation droht, ganze Bevölkerungsschichten in Hunger und Elend zu treiben, und als Folge werden wir alle einen hohen Preis zahlen, dem Spekulationsverbrecher dann wieder auf andere Arten entkommen wollen. Berufsmässige Antisoziale verdienen keine Freiheit, man sollte sie ihnen wegnehmen, wie allen anderen gefährlichen Psychopathen auch. Es ist genug zum Essen da, nur sind die Preise wegen der parasitären Marktteilnehmer und ihrem Versagen in anderen Märkten zu hoch.
Weil sich aber so schnell die Politik nicht zum Handeln entschliesst, und es für einen Kambodschaner nicht allzu einfach ist, als marktberuhigende Sofortmassnahme ein paar Warentermingeschäftemacher auf den leeren Bratspiess zu rammen (ich nenne es den Schnelltender der 3. Welt), hilft auch die Leiche Erhards nicht weiter. Ganz rechts ragt ein Schornstein in den Abendhimmel, und der Fabrik darunter geht es blendend. Das ist die Papierfabrik in Gmund, Weltmarktführer für die Bütten, auf denen Geld gedruckt wird. Geld für die Inflation, mit der wir alle für das Auskommen von Verbrechern bezahlen, Geld, das die missbrauchte Freiheit der Märkte verlangt, für die Vergrösserung sozialer Unterschiede, für ein Mehr, das weniger für alle bedeutet.
Natürlich kann man mit Milliarden für die Welthungerhilfe den ärgsten Folgen entgegensteuern. Aber warum? Ein ordentliches Gefangenenlager und ein paar Gesetze, um den Missbrauch der Freiheit zu dem juristisch verfolgbaren Verbrechen zu machen, das er jetzt schon im übertragenen Sinne ist, sind weitaus kosteneffizienter, und beruhigen die Märkte schneller als jetzt Zinssenkung. Durch das Wegsperren der übelsten Subjekte kann man auch davon ausgehen, dass der entsprechende Arbeitsmarkt bereinigt wird, und mehr noch, das Thema der Verluderung der Bankersitten durch schnelle Zugriffe und harte Strafen nicht mehr so relevant ist, dass es hunderttausende schädigen kann.
Dann kann man auch mal überlegen, welche Bereiche von Handel und Preisgestaltung ökonomisch sinnvoll sind, und welchen Bereiche man dauerhaft abschafft. Sollen diese Leute doch ihr Geld bei Onlinekasinos verzocken, da stört es keinen, und auch ohne Inflation geht in Gmund nicht die Arbeit aus.
donalphons, 02:10h
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