: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Dienstag, 23. September 2008

10 Gründe, die Kreditkrise zu mögen

und 11 Bilder vor allem von der Heimfahrt von St. Leonhard über das Timmelsjoch in das - wenig schöne - Ötztal, das mit seinen Gogo-Bars, der langweiligen Strasse und Chinatrachten eigentlich Ödstäl heissen sollte.



1. Angesichts des Chaos beim Beschluss des sogenannten Auffangfonds von Finanzsowjet Paulson wird klar, dass die Sowjetamerikaner keine lang entwickelten Pläne haben, die auf eine finstere Aktion gegen den Rest der Welt und die westlichen Satellitenstaaten gerichtet sind. Es geht einfach nur um banale Verschleuderung von Staatsgeldern.



2. Vielmehr zeigt der schnelle Wechsel vom Aufkaufen fauler Kredite amerikanischer Banken zum Aufkaufen der faulen Kredite aller Banken, dass die Zeiten des Unilateralismus vorbei sind - vermutlich haben ein paar chinesische Mördergehilfen Paulson darauf hingewiesen, dass es nicht weise ist, sie auf dem Dreck krepieren zu lassen, wenn er seine neue Staatsverschuldung an die Chinesen weiterverkauft.



3. Es ist nicht wirklich nett, aber das ist endlich mal eine prima Gelegenheit für das alte Europa, dem Regime der UdSSA ein paar Wahrheiten zu sagen. Über Verschwendung. Über Umwelt. Über Gesundheitspolitik. Über die Schweinereien des Irakkriegs. Über Kyoto. Über das Verbot von Minen und Folter. Da kommt unter Breschnjewskush einiges zusammen. Man hat lange die Zähne zusammengebissen. Jetzt macht sogar das früher in einem unsäglichen Ort steckende Kanzlersurrogat mit.



4. Europa kann als Nebeneffekt auf eine ganze Reihe von Dingen hoffen, die die UdSSA nicht mehr will. Angefangen bei so stressigen Jobs wie der Nahostvermittlung über Kunst bishin zu Luxusuhren und die neue globale Leitwährung. Britische Roadster der Briten dürften auch bald günstigst zu haben sein. Schon mal an einen Aston Martin gedacht?



5. Nachdem es in der UdSSA keiner über das Herz bringt, dem eigenen Proletariat ein paar klare Botschaften zu vermitteln - Schulden reduzieren, sparen, weniger essen und mehr Sport treiben, was für die eigene Bildung tun und weniger zu glotzen, vielleicht auch etwas weniger ballern und sich um sowas wie eine zeitgemässe Philosphie zu bemühen - sieht es aber nicht so aus, als würde da sich jetzt jemand am Riemen reissen. Vorläufig wird das Prassen also weitergehen, zugunsten der Importe, die anderen helfen. Da denkt keiner dran, das Aussenhandelsdefizit zu verringern, selbst wenn mit dem Bankensektor die wichtigste Stütze der Konjunktur crasht.



6. Neoliberalalas, als UdSSA-Freunde getarnte Rassisten, Lobbyisten, Thatcheristen und Neocons, die nicht so viel Ehre haben, sich angesichts des Niedergangs ihrer heiligen Güter zu entleiben, werden es wenigstens eine Weile schwer haben. Vielleicht sollten sie einfach mal was über Twitter schreiben, das kommt bei manchen noch gut an.



7. Zumindest bei uns, aber wohl auch weitgehend in den UdSSA und England verlieren vor allem die Reichen in dieser Krise, und abgesehen vom grossen Raubzug durch Inflation der Konsumgüter und dem steuerfinanzierten Auffangfonds ist es ihnen auch kaum gelungen, ihre mittlerweile immensen Verluste auf andere abzuwälzen. Allein schon, weil die Verluste zu gross sind, als dass man sie ausreichend kompensieren könnte.



8. Ich mag die Linke nicht besonders, aber es freut mich schon diebisch, dass jetzt die beiden Wirtschaftsexperten, die es schon immer gesagt haben, keine Volkswirte von Banken oder FDPler sind, sondern Lafontaine und Gysi, und sich die anderen von CSU bis Grüne den Arsch aufreissen müssen, um den beiden - zu unser aller Wohl - angenehme Dinge nachzuplappern.



9. Wenn in England jetzt ernsthaft über Managergehälter geredet wird und liberale Steueroasen im Baltikum verwelken, wenn die Iren in die Krise schliddern und viele andere Vorzeigestaaten in den Abgrund schauen, wird sich vielleicht auch das Gejammer vom Brain Drain und dem immer besseren Ausland erledigt haben.



10. Und dankenswerterweise offenbart sich Obama noch vor der Wahl als die inhaltliche Luftnummer des "weiter so", was es uns erlaubt, den Schadensfall UdSSA schon heute in jedem Fall, egal wie der Staatsratsvorsitzende heisst, voll abzuschreiben und uns Gedanken zu machen, wie man den Laden pleite gehen lassen kann, ohne dass wir davon Schaden nehmen



Es ist also nicht alles schlecht. Seltn a Schodn, wo koa Nutzn dabei is, meinte meine Grossmutter immer, und sie hatte natürlich wie immer recht. Selbst in dieser globalen Krise. Meine Grossmutter war übrigens überzeugt davon, dass es in Krisen nichts Besseres als Immobilien in guter Lage gibt. Und auch hier: Recht hatte sie.

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Montag, 22. September 2008

Ich mag keine eingebetteten Videos in Blogs

Mir liegt die Bröckerloptik nicht, die schlechten Farben, der Ton, sehr oft, meistens sogar bei vielen Blogs die Klauerei von fremden Inhalten. Ich will nicht sehen, was andere bei Youtube rauskramen, sondern das, was sie selbst erleben. Und da ist im Internet das Photo immer noch das Mass aller Dinge.



Und ich mag es auch nicht, wenn sowas dann die Startseite verschandelt. Trotzdem könnte es ja sein, dass der ein oder andere wissen möchte, wie es ist, vorne auf die Barchetta geschnallt von mir den Jaufenpass hochgescheucht zu werden, wenn ich nach der unteren Ampel gewartet und einem Pulk drei Minuten Vorsprung gegeben habe. Freie Bahn, und ich fahre auch aus Sorge um die Kamera für meine ehemaligen Arbeitsverhältnisse alles andere als schnell. Es sieht nur so aus.

[Edit: Eigentlich sollte es in einen Kommentar, aber ich vergass, dass es bei Blogger aus Sicherheitsgründen nicht geht. Dann also hier:]

Es endet oben am Jaufenhaus, weil nach 9 Minuten das Ende des vorausfahrenden Pulks um die letzten Kurven zur Passhöhe kroch, mit einem Blick hinunter nach Sterzing.



Und ich weiss auch, dass so etwas in 30 Jahren nicht mehr möglich sein wird. Deshalb nehme ich es auch jetzt noch mit. Für später, am Kamin, wenn Opa erzählt, wie das mit den lauten Stinkern war.

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Empfehlung heute - German Schadenfreude

Der Beitrag im Wall Street Journal ist exakt so brunzdumm und weinerlich gemeint, wie er sich liest, er ist ein authentisches Dokument widerlichster Gesinnungsschreibe von zwei Journalistinnen, die vermutlliuch auch bald den kalten Hauch der Krise spüren werden, wenn sie keine Einladungen der Chichi-Branche mehr bekommen, und genau deshalb so eine tolle - als Historiker würde man sagen - Primärquelle:

For her 50th birthday, Annette Pucci, a New York retail manager, planned to treat herself to a facelift by cashing in $15,000 in stocks. But after consulting with her husband, a manger with Consolidated Edison Inc., she realized their stock portfolio had taken such a hit that it was out of the question.

"It was a very big disappointment," Ms. Pucci said. Her consolation: a $1,200 Botox treatment she had this week instead.


Das ist das Geschmeiss, für dessen gescheiterte Zockergeschäfte das Bush-Regime zugegebene 700 Milliarden Dollar locker machen will. Dieses Amerika verdient nicht, Teil der 3. Welt zu werden, das machen die ganz allein. So, das Timmelsjoch wartet.

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Real Life 20.9.08 - Frau Mama hat recht.

Sagst du dir, wenn du den Tegernsee in eine andere Richtung als Norden verlässt. Deine Frau Mama sagt, es sei so schön, da müsse man doch nicht wegfahren. Der Tegernsee ist in jeder Hinsicht schön, wunderschön, ein kleines Fleckerl vom Paradies, wie der Helfer meinte, der damals den Transport der grösseren Möbel bewerkstelligte und, statt heim in seine Muckibude zu fahren, noch den Tag über blieb.



Der Tegernsee ist also schön, und trotzdem fährst du weg, nach Süden. Am Achensee tankst du, und einer der oberpfälzer Rocker, die dort ihre schweren Maschinen gefüllt haben, kommt herüber. Er habe auch eine Barchetta daheim, sagt er, und ihr tauscht euch etwas über die Macken des Geräts aus. Und, geht´s jetzt in die Berge, fragst du. Nein, sagt er, sie haben sich eine Marmeladenfabrik angeschaut, und jetzt geht es zurück. Aha, sagst du. Und Du? Ich fahre von Völders hintenrum nach Matrei und auf den Brenner, über Mühlkirch zu Mittag.



Sche, sagt der Oberpflälzer. Des is a schene Schtreck. Do obm is da Bochwiat, do woama frira efdas. Ja, sagst du, da kehre ich danach ein. Dann muss ich in Sterzing noch einer Bekannten ein paar Wildschweinwurste kaufen. De san guat, sagt der Rocker und reibt sich seinen Bart. Und danach fahre ich den Jaufenpass, heut, wo das Wetter noch so gut ist.



Der Rocker schaut dich nachdenklich an und meint: Dös is a Sach. Und denkt sich bartreibend: Heute. Bei diesem Wetter. Mit der Barchetta. Den Jaufenpass. Allein. Ohne Frau und Kinder, die daheim in der Oberpfalz warten. Und dann hinter ins Passeier, übernachten, und morgen dann das Timmelsjoch, bemerkst du in das nachdenkliche Schweigen hinein.



Der Rocker sitzt schon wieder auf seinem Bock, als die Barchetta mit quietschenden Reifen in einem Schlenker zurück auf die Staatsstrasse schiesst. Das machst du normalerweise nie, aber er hat so traurig geschaut, der brauchte eine Aufmunterung, einen Gruss aus dem wilden Leben. Du streckst den Daumen hoch, er auch. Er fährt heim, und du in die Berge. Frau Mama hat immer recht, und Kinder sind auch was schönes. Meistens.

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Samstag, 20. September 2008

Die letzte Kugel im Lauf

Ich muss an dieser Stelle meinem Respekt Ausdruck geben, betreffend die vielen amerikanischen und auch deutschen Blogs, die kompetent und klug über die Finanzkrise berichten und einen anderen Ansatz als die Mainstreampresse haben, bei der ich über weite Strecken nicht verstehe, warum da keiner ehrenhalber seiner verlogenen Existenz ein Ende gesetzt hat. Die einzige Zeitung, die hierzulande wirklich in die Tiefe ging, war die FAZ. Ich mag besonders die Blogs von weissgarnix und egghat, auch und gerade weil ich vieles anders, gerne auch zynischer und negativer sehe - weder handle ich mit Aktien, noch hänge ich irgendwelchen Ideologien an; meiner Meinung zufolge wäre die beste Lösung der Finanzkrise die gnadenlose strafrechtliche Verfolgung ihrer Akteure und der Einzug ihrer Vermögen wie bei allen anderen italienischen Mafiosi auch. Egghat möchte ich jedenfalls in einem Punkt ergänzen: Meines Erachtens ist es nicht der Bailout aller Bailouts, was da gestern vom obersten amerikanischen Finanzsowjet Paulsen angedroht wurde:

"The ultimate taxpayer protection will be the stability this troubled asset relief program provides to our financial system, even as it will involve a significant investment of taxpayer dollars"

Das ist der Bailout to end all Bailouts. Man kann sehr viel Gutes und Richtiges dagegen sagen, und ich glaube auch nicht, dass die Idee sowas wie Substanz oder Erfolgsaussichten hat. Die UdSSA werden schneller 2 Billionen für den Giftmüll der Banken durchorgels, als die Kriminellen mit dem Gewinn einen Maserati kaufen. Und sie tun es auch nur, weil es, brutal gesagt, ausser meinem Guantanamoreisen-Vorschlag keine andere Möglichkeit mehr gibt: Entweder der Steuerzahler zahlt alles, oder es gibt kein Wirtschaftssystem mehr, das ihn bezahlen würde.

Die vierte Möglichkeit heisst folgerichtig; Der Steuerzahler zahlt alles und die Wirtschaft zahlt ihn dennoch nicht. Das ist in meinen Augen die wahrscheinlichste Lösung des Problems, mit Staatsbankrott und Währungskrise, und das zum Preis von 2 Billionen Dollar, oder auch etwas mehr. Aber es lohnt sich. Denn weil es der Bailout to end all Bailouts ist, wird es danach nichts mehr geben. Dieser für Amerikaner teure Bailout schenkt uns alten Europäern etwas, das dieser Krise beslang fehlte: Einen Zeithorizont, definiert durch die Burnrate des Kollektivierungsfonds. Wenn nichts mehr zum Verbrennen da ist, geht das System hoch, da unterscheidet sich die New Economy Klitsche nicht vom grössten sozialistischen Wirtschaftskomplex der Erde.

Die Krise wird damit nicht steuerbar, aber absehbar. Wir haben ein Zeitfenster für das Stürmen der Banken. Das ist schon mal was. Ein Ende.

Vom Anfang.

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Samstag, 20. September 2008

Morgen ist ein guter Tag, Bayern zu verlassen

Am See bleibt es kalt, aber in Meran soll es 20 Grad haben.



Und das Timmelsjoch ist noch offen.

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RTC II - der ganz grosse Wurf

Nun scheint es sich also zu bewahrheiten, dass die UdSSA zugunsten der Parteikader an der Wallstreet eine Kollektivierung schlechter Subprimekredite vornimmt, weil es schon nicht mehr reicht, wacklige Aktien der Parteikaderfirmen bei der Zentralbank als Sicherheit zu hinterlegen. und dabei wollte man doch nur dem Sowjetbürger das eigene Heim ermöglichen und dem Sieg der Weltrevolution in Afghanistan, Irak, Iran uhd Venezuala halfen. Eine Ende der Subprimekrise mit Hilf eines RTC II genannten staatlichen Auffanggesellschaft sei jetzt aber unausweichlich, das goldene Zeitalter kommt wieder, schreiben das Neue FTDeutschland und das marxitische Handelsblatt unisono, ganz zu schweigen von den vielen amerikanischen Prawdas.

Zu meinem Pech lebe ich noch nicht in der besten aller sozialistischen Welten jenseits des Atlantiks, wo man Börsenkurse nach Belieben vom Staat festsetzen lassen kann, Kursdrücker in den Gulag steckt und jeder schlechter Kredit ein guter Kredit des Volkes wird, aber in die Euphorie der Apparatschiks hinein möchte ich doch ein paar Fragen stellen:

Wie sieht es eigentlich mit den, äh, Konsumentenkrediten aus, den Bezugsscheinen der UdSSA? Wackeln die nicht auch? Autokrediten? Kleinkrediten? Krediten bei Shopping Malls?

Waren da nicht bei der volkseigenen Bereicherung der Apparatschiks nicht auch noch andere notleidende Geschäfte aufgetaucht, angefangen bei hoher Verstrickung im russischen Bruderstaat bishin zu den Geldmarktfonds, die auch einen Bailout brauchen werden?

Unglücklicherweise ist beim Erreichen der Weltrevolution gerade temporär mit einer bei Marx nicht vorgesehenen Arbeitslosigkeit zu rechnen, die bei den bezugsscheinüberlasteten Haushalten ein wenig problematisch ist. Könnten da nicht noch ein paar Spätfolgen nachkommen? Sagen wir mal, das doppelte der bislang realisierten Kreditausfälle?

Was ist eigentlich, wenn die Hauspreise weiter fallen? Wird der RTC dann nicht ein Fass ohne Boden, Genossen? Gibt es da nicht auch noch eine Menge besserer Kredite mit noch erstklassigerer Bonität, die dennoch platzen könnten?

Und was ist, wenn die Parteikader ahnen, dass die ersten noch voll bedient werden und gleich alles abkippen, was sie haben, um all ihre Risiken loszuwerden? Kann der Staat das überhaupt sinnvoll prüfen und ohne Einsatz der Notendruckpresse bezahlen?

Asoziale Elemente sagen ja, dass die USA jetzt schon vollkommen überschuldet sind und eigentlich sparen müssten, statt die Banken zu beschenken. Könnte es nicht sein, also nur theoretisch, dass man die amerikanischen Kaderbanken befreit und die Weltrevolution mit einem Staatsbankrott gefährdet - to happen am Tag nach den Wahlen im November?

Genossen jenseits des Atlantiks, ich habe bei solchen recolutionären Plänen immer Mao im Ohr: „Die Revolution ist kein Festessen, kein literarisches Fest, keine Stickerei. Die Revolution ist ein Akt der Gewalt.“

(Spass beiseite: Man muss es so hart sagen - We Are A Nation of Morons, led by complete Idiots, making us complicit in our own self destruction. Eine Nation, die glaubt, dass man eine fundamentale Wirtschaftskrise mit ein paar hundert Punkten erzwungenem Dead Cat Bounce zur Freude versiffter Maseratifahrer und ihrer flennenden Schnuffis ohne genug Geld für Gucci retten kann, deren Medien an solchen Schabernack glauben und deren Politiker sich einen Dreck um die Schulden kümmern, verdient nichts ausser der Pleite. Am besten rückwirkend zum 1.1.2002. Villeicht hat Hugo Chavez aus Venezuela Interesse an einer teilweisen Übernahme, wenn der Preis günsig ist.)

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Freitag, 19. September 2008

Es ist wie immer

Heute war ein grandioser Roadstertag. Kalt, aber unfassbar schon. Und genau das macht es so unvorstellbar, dass diese Welt gerade implodiert. Normalerweise löst das Fahren bei mir Schreibblockaden, festgefahrene Gedanken und Angstzustände auf; aber nicht heute.



Die Sache mit der bayerischen Landesbank und ihren 350 Millionen Verlusten bei Lehman sickerte so gegen 11 Uhr durch, jemand hat mich angerufen, aber ich habe es beim Fahren nicht gehört, und erst zwischendrin die SMS gelesen. Das wird die CSU bei der Landtagswahl auf d´Goschn fallen lassen, das ist der richtige Sargnagel für die Jauchegrube, der Huber kann sich gleich nach Brüssel verservussen, aber damit erwischt es auch die Sparkassen und damit alle. Und es wird noch mehr kommen. Mehr und näher. Auch wenn es an so einem Tag nur rational, aber nicht gefühlt begreifbar ist.

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Endlich! Die Weltrevolution ist da!

Ministerium für Wahrheit
Stalin Alley 1
Washington D.C.
Zur sofortigen Verbreitung!

Genossen!

Soeben hat der grosse Volkskongress der Union der Sozialistischen Staaten Amerikas UdSSA die erfolgreiche Fortführung des Goldenen Zeitalters und die sofortige Beendigung der durch asoziale Volksschädliche verursachten Kreditkrise, die es in Wirklichkeit nicht gibt, beschlossen. In Zusammenarbeit mit Gross Sowiet Britannien erlässt unser geliebter Führer George W. Breschnjewskush zur Wahrung unserer historischen Mission für die Weltgesundung folgende Befehle zur sofortigen Umsetzungen durch die Kader:

Jede Form von Aktienverkäufen volkseigener Banken der Wallstreet wird verboten, denn die Banken sind gesund und sicher!

Jede Form von Aktienverkäufen volkseigener Banken der Londoner City wird verboten, denn die Banken sind gesund und sicher!

Unsere gesunden und sicheren Banken sind so sicher, dass wir ihnen zu unser aller Wohl viele Milliarden geben werden, die sie sicher verwalten!

Volksschädlinge, die bisher verkauft haben, werden zum Wohle der Volksgesundheit von den Freunden des Volkes ihrer geerechten Strafe zugeführt!

Genosse Charles Berja Schumer wird mit der Schaffung einer Behörde für Verstaatlichung, Kollektivierung und unbegrenzten Wohlstand beauftragt!

Die freie, demokratische Marktwirtschaft des Volkes hat nach der Verkündung der Beschlüsse durch die freie Presse der UdSSA einen Kurssprung von mindestens 4% Punkten innerhalb einer Stunde zu produzieren, und schädliche andersdenkende Blogger zu ignorieren sowie ihre Tätigkeit dem Ministerium für Wahrheit zu melden!

Alles ist in Ordnung! Es gibt keine Krise! Demokratie Schtonk! Liberty Schtonk! Free Sprecken Schtonk! Die Wallstreet hat immer recht!

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Stell Dir eine Frage.

Wenn die Banken sich gegenseitig nicht mehr trauen und sich kein Geld mehr leihen - die Banken, die sehr genau wissen, wie es ausschaut - warum solltest Du der Bank trauen und Dein Geld dort lassen?

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Donnerstag, 18. September 2008

Wir sterben einsam.

Ich kenne eine ältere Dame, die ein Haus an einem See in Oberbayern hat. Und diese Dame hat einen einzigen Sohn, der wiederum hat eine Frau und mit dieser Frau zusammen ein Kind. Letzthin habe ich ihr geraten, die Schwiegertochter mt Rattengift aus dem Weg zu räumen. Die hatte sich nämlich bei einem nicht allzu verschwiegenen Makler erkundigt, wieviel Miete so ein Haus bringen würde, und angedeutet, dass es nächstes Jahr so weit sein sollte. Die Dame ist zwar älter, aber noch durchaus in der Lage, Bäume umzusägen, Holz zu schlichten und eine Strecke zu schwimmen, auf der ich mich in eine Bleiente verwandeln würde. Es gab, als die Geschichte herauskam, einen grossen Krach, in dessen Folge die Dame verstand, dass sie ziemlich alleine mit der Auffassung war, das Pflegeheim könnte noch warten.



Ich gebe offen zu, dass ich keine Ahnung habe, wie es andernorts, in anderen Schichten ausschaut. Aber meine Mutter sagte mir einen alten Spruch, der hier bei den Bauern beliebt war: "Weidergebn - Nimma lebm". Und ich habe einen Freund aus dem Dorf, bei dem wir früher gefeiert haben. Im leerstehenden Austraghäusl für die Alten. Das so kalt und primitiv war, dass sie sicher nicht sehr alt wurden. Möglicherweise ist es also nicht neu und überall üblich, den natürlichen Gang der Dinge zu beschleunigen. An das muss ich immer denken, wenn man mir bei den wenigen seltsamen Gelegenheiten Kinder eintgegenhält und mir erzählt, wie toll das mal sein wird, wenn man alt ist, und jemanden hat, der sich um einen kümmert.



Ich habe keine Kinder, ich will keine Kinder, und ich habe die brutal-schlächtigen Gene zweier ziemlich robusten Familien in mir, deren Angehörige sehr alt werden und, wenn sie dann endlich sterben wollen, das auch vergleichsweise schnell tun. Leben, sterben, etwas anderes gibt es bei uns nicht und zum Arzt geht man auch nicht. Dennoch habe ich zwei Jahre Erfahrung im fast täglichen Besuch in einem Altersheim, und dort kannte mich jeder. Als derjenige, der immer kam. Um es ganz brutal zu sagen: Die anderen kamen in aller Regel zu Weihnachten, Ostern, zum Geburtstag und nach dem Sterbetag. Keine Grattler. Beste Familien der Stadt. Oft gehörte Ausrede der Enkelinnen, die anzusprechen ich mich ab und an erdreistete, weil das Elend der auf dem Gang versauernden, von der Gesellschaft ausgeschlossenen Damen und ihrer Lügen - die B. käme schon öfters, ich würde sie nur verpassen - nicht zu ertragen war: Sie können nicht, sie müssen sich um ihre eigene Kinder kümmern.



Praktisch, so ein Kind. Und auch irgendwo verständlich. Man kann sich das Leben noch einigermassen schön machen, da mag man nicht wirklich zuschauen, wie ein anderer über Jahre zerfällt. Zumal das heute eine ziemlich lange und ungewohnt harte Erfahrung sein kann. Nachvollziehbar, irgendwo. Sicher auch mal für das eigene Kind, später mal. Manche haben das Glück, genug Geld für einen getarnten Pflegeplatz zu bekommen; ich kenne so eine Einrichtung in Rottach, mit Wappen, Chalets, Arzt und 2500 Euro Miete pro Person, ohne Extras. Rottach ist hübsch weit weg von München, also am Wochenende, da klappt das. Oder am Wochenende drauf. Andere haben im Alter das Geld nicht. Tja.



Vermutlich werde ich einsam sterben. Offen gesagt, ich möchte damit auch keinem auf den Sack gehen, so ich nicht die Torheit begehe, zum Finale die Barchetta in den Dienstwagen eines besonders widerlichen Politikers zu setzen, den anderweitig zu überleben mir nicht vergönnt wäre. Ganz sicher aber werde ich ohne die Torheit sterben, ein paar Hunderttausend in Blagen versenkt zu haben, die schon mit dem Antiquar telefonieren, um meinen handsignierten Mann zu verscheuern und die Erstausgabe des Candide taxieren zu lassen. Sterben ist immer einsam, das muss man alleine tun, so langweilig und banal es auch ist, aber es ist sicher leichter, wenn man sich nicht über all die Versäumnisse ärgert, die nun jenen zum Vorteil gereichen, die sich nachher mindestens so von irdischen Bedrängnissen befreit fühlen, wie man es selbst tatsächlich ist.

(Alle Bilder aus Hall in Tirol, das zum leben schön ist)

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Empfehlung heute - Frankenstein

wohnte bekanntlich in meiner Heimat, und irgendwo hier oben, unter so einem alten, spitzen Dach, muss er des nachts seine Kreatur erschaffen haben. Ein nettes Kerlchen, nicht allzu hübsch mit ein paar komischen Marotten und nicht allzu leicht zu kontrollieren - im Vergleich zu dem, was der amerikanische Staat an der Backe hat, das mit Frankenstein zu vergleichen die New York Times - übrigens selbst auch bald ein Opfer der Krise - sich in diesem fulminanten Beitrag anschickt. Ein Beitrag, den man vergeblich in deutschen Medien suchen würde. Und auch in Blogs, die Zocker "Kaufen!" brüllen lassen und Lehman mit zwei n schreiben.

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Ich hasse die Wirtschaftspresse

Und ich hasse ihre gut geschmierten Propagandalöcher, durch die jetzt die Meinung sprudelt, die FED hätte keine andere Wahl gehabt, als die AIG zu mitsamt ihren unkalkulierbaren Risiken für 85 Milliarden zu verstaatlichen, weil sich die Betroffenen in der Wirtschaft vor der Verantwortung drücken.

Um das Problem mal griffig zu beschreiben: Wenn die USA ein Handelsschiff wäre, und die wirtschaftliche, selbst angesteuerte Lage ein Orkan, dann wären auf der einen Seite des Schiffes die Händler, die Planken unterhalb der Wasserlinie aus der Wand reissen, damit sie im Falle des Untergangs davonschwimmen können. Und auf der Seite des Staates reisst Bernanke mit Erlaubnis des besoffenen Kapitäns ebenfalls Planken aus der Wand, um damit auf der anderen Seite die Lecks zu stopfen. Aus einer Wand, die schon arg morsch ist und nicht mehr lang halten wird. Und keiner kommt auf die Idee, dass man das Schiff auspumpen muss, oder zumindest die Händlerratten über Bord gehen lassen könnte, um schädlichen Ballast loszuwerden.

Diese gut geschmierten Propagandalöcher sollten sich vielleicht mal überlegen, wo diese 85 Millarden eigentlich herkommen, die zusätzlichen 180 Milliarden zum Auputzen der giftigen Derivate, oder die 136 Milliarden, mit denen gestern Lehman nochmal künstlich operativ am Leben erhalten wurde. Sie sollten mal den Blick abwenden von den Lecks, die ihre Freunde machen und überlegen, wie lang der Sturm noch dauert. Denn es könnte sein, dass wir dann formal kernsanierte Firmen in einem ruinierten, realsozialistischen Land sehen, das eine erhebliche Ähnlichkeit mit den schlechteren Ecken Ostdeutschlands im Jahre 1988 hat.

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Dienstag, 16. September 2008

Mittelfristige Perspektiven für Perspektivlose

Ich mache das eher ungern, weil man nachher Schuld ist, wenn es schief geht. Aber wir sind in einer sehr nachhaltigen Krise, in der es nicht doof ist, einen gewissen Sockelbetrag von 10.000 Euro irgendwo rumliegen zu haben, wo man sich nicht erst mit einer bank rumärgern muss. Unter der Matratze, zum Beispiel. Sowas wie eine schnelle, finanzielle Eingreiftruppe, die einem im schlimmsten Fall das Überleben für die nächsten 6 Monate sichert, und sei es, dass man nach Tunesien radelt und am Strand Camping macht. Ich würde London meiden, denn da wird man nichts versäumen. 50 Euro würde ich zur Seite legen für Bücher, die einem ein Handwerk beibringen - wäre ich nicht schon ein äusserst erfahrener Radlmonteur. Sicherheitshalber etwas erlernen, das einen über den Tag bringt. Ich mein ja nur. Schlimmstenfalls war es überflüssige Panik.

Zur Versicherungsfirma AIG möchte ich hier nur sagen, dass sie zwar zu gross ist, als dass man sie scheitern lassen könnte, aber noch sehr viel mehr zu gross, als dass man sie als real existierender Staat irgendwie retten könnte. Die geht über die Wupper, selbst wenn irgendjemand irgendwas kauft. Das Ding ist insgesamt so viel wert wie ein Atomreaktor nach der Kernschmelze. damit kommen wir zum alten Europa, und schauen ein wenig in die Zukunft, Zeithorizont 3 Monate. Und diese tandbehängte und mausetote Zukunft sieht so aus:



Das hier ist ein guter Eindruck vom Zustand, in dem unsere Schweizer Freunde der UBS befinden werden. Richtig, die Bank der Reichen und Superreichen, die verlässlichen Wahrer der Schweizer Schutzbestimmungen für Leistungsträger, die andernorts als Steuerhinterzieher diffamiert werden. Nun, ich denke, an den Toren der Bank klopft aktuell weniger diese exklusive Kundschaft mit Geld, sondern die Krise im Gefolge von viel unerfreulichem Giftmüll aus den USA, und heute brandaktuell, auch aus Russland. BRIC-Investments galten bis vor Kurzem, man denke an die Rohstoffpreise, ja noch als die neue Geldpumpe dür Reiche - die jetzt gerade, da ich das schreibe, ihr Vermögen wieder absaugen. Ich sehe da bei unseren Schweizer Freunden noch viel Beschwichtigung und Bilanzakrobatik, ich sehe Beteuerungen, dass alles bestens ist, und ich sehe noch vor Weihnachten auch in der Schweiz die in den USA so beliebten Lethal Weekends a la facon Lehman.

Denn diese Krise, die über kurz oder lang uns alle betrifft, liebe Freunde, diese Krise ist längst bei denen angekommen, die sich von Banken wie der UBS vermögensverwalten liessen. Reichtum ist in diesem Marktumfeld kein Spass. Die Krise frisst den Reichtum. Reich sein, so höre ich allerorten, ist gerade ein Rattenrennen, man rettet Gelder und begrenzt Verluste, man wagt und verliert, man schleust und weiss auch nicht, wohin mit den gerupften Resten. Ganz erstaunlich, wie unsicher selbst die sind, die sich stets sicher fühlten. Die müssen irgendwohin. Aber, so viel ist klar, eher nicht zur UBS, wo viele andere gehen. Das wird dann einen kleinen Automatismus zur Folge haben, den man auch schon kennt: Hier und da platzt ein Hedgefond und ermittelt eine Behörde, eine Agentur ratet und ein Börsenkurs fällt ein paar Abschreibungen, Kapitalerhöhung, Bettelbriefe an Chinesen und Koreaner, halbherzige Notfondskredite, die auch nicht helfen - to big to survive - na, wir kennen das alles und irgendwo muss der amerikanische Tod ja auf dem alten Kontinent an Land gehen, wenn er mit Londonsterben fertig ist. Die Schweiz ist ein schönes Land mit zu vielen Bewohnern!

Wäre ich Lafontaine, würde ich mir einfach drei Monate Urlaub gönnen. Die Enteignungen muss man nicht von oben machen, die Implosion besorgt das ganz von selbst. Man nennt es die "ingenuity of the markets". Falls jemand zufälligerweise 10 gepflegte Reitpferde oder einen fast neuen Audi R8 braucht: Ich kann da was vermitteln. All unreasonable offers will be considered.

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Dienstag, 16. September 2008

Der unheilige St. Lemanius

Zahlvorgänge sind nicht mein Ding. Im Internet, wo es wegen der transatlantischen Käufe mitunter nicht anders geht, fühle ich mich unsicher. Mit Karte habe ich in meinem Leben kaum ein Dutzend gezahlt, als es wirklich nicht anders ging. Und beim Zahlen mit Münzen und Scheinen habe ich Angst, ich könnte zu wenig hergeben, was mich dann in eine peinliche Situation bringen würde. Oder aber mein Gegenüber macht einen Fehler beim Herausgeben, was mich zwingen würde, ihn - und damit auch mich als Verursacher - in eine peinliche Situation zu bringen. Wenn es dann doch mal sein muss, bin ich die Höflichkeit in Person, ich bedaure, ich befürchte, ich ersuche um Nachrechnung, und mitunter geht das auch schief.

Wie vor zwei Jahren, als ich in der gewohnten Apotheke eine Kleinigkeit kaufte. Die Apotheke ist alt und noch wie in den 20er Jahren eingerichtet, als jemand aus meinem Clan noch die Holzeinichtung der beseren Geschäfte der Stadt besorgte; in den Regalen stehen Mörser und Salbgefässe, in den Gängen sind alte Holzschnitte von Heilpflanzen aufgehängt. Es gibt keine Werbung, aber früher einen dicken Apotheker, der Kindern wie mir den Eindruck vermittelte, dass er sie wirklich gesund machen wollte. Doch gegen seinen eigenen Tod hatte er auch kein Medikament, und es war eher die Tradition und die Einrichtung aus Holz denn sein wenig charmanter Sohn, der mich weiter dort einkaufen liessen.

Bis zu jenem Tag vor zwei Jahren, als ich unmittelbar vor dem Einkauf einen 50-Euroschein aus dem Bankautomaten holte und für ein paar billige Kopschmerztabletten nur das Wechsekgeld auf 10 Euro zurückbekam. Ich habe gelernt, in solchen Situationen höflich zu sein, und auf pampige, laut vorgetragene und einen Betrug andeutende Sprüche, wie sie auf meinen Einwand folgten, wusste ich keine rechte Antwort; also ging ich beraubt von dannen und erzählte nur drei stadtbekannten Tratscherinnen, wie das da drinnen inzwischen zugeht.

Vor zwei Wochen kam ich an der Apotheke vorbei; davor stand ein Container voll mit zertrümmerten Regalen und Vertäfelungen, auf deren Intarsien beim Herausreissen keiner Rücksicht genommen hatte. Die 40 Euro waren ärgerlich, aber der Anblick tat weh.



Die Holzschnitte aus dem Gang jedoch gelangten auf einen Flohmarkt der Region, wo ich sie gestern entdeckte. 5 Stück für 8 Euro, ein Arbeiter hatte sie wegen der Rahmen gerettet, und dem Apotheker war es offensichtlich egal. In das Umfeld, das er dort einbauen lässt, hätten sie nicht mehr gepasst. Hinten kleben noch die Bapperl der Münchner Galerie drauf, die sie seinem Vater verkauft hat. Es ist nicht der Wert und der Ausgleich, eigentlich sogar der Überausgleich, den sie darstellen, es ist die Geschichte, für die ich dankbar bin.

Es ist ja so mit den Flohmärkten, dass sie nie schlecht sind, auch wenn sie schlecht scheinen. Der Flohmarkt gestern etwa ist nicht das natürliche Umfeld für Holzschnitte des XVI. Jahrhunderts, aber man muss nur die Augen aufhalten. Und flexibel sein. Nachdem gestern mit dem Zusammenbruch von Lehman und der ersten Herbstkälte ein reichlich morbides Datum erreicht wurde, war ich auch hingerissen von der reichlich zerstörten, kopflosen Heiligenfigur.



Ich würde sie normalerweise unter "Plunder" einsortieren, und mit dem Katholizismus habe ich es auch nicht, aber in diesem Zustand, enthauptet, entarmt und die Schwurhand zertrümmert, hatte sie etwas wunderbar Pathetisches an sich. Nun ist das hier Bayern und katholisch und voll mit Sammlern alter Kirchenkunst, denen angesichts des hiesigen Barocks und seiner billigen Machart mit Stuck und Holz kein Schaden fremd ist, und die sicher irgendwo noch einen Kopf für die Restaurierung im Fundus haben. Solche Statuen sind normalerweise nicht billig und nicht leicht zu bekommen, aber die hier kostete nur fast so viel wie eine Lehmanaktie zum Börsenschluss am letzten Freitag. Und da konnte ich nicht widerstehen.

Es ist unklar, was für ein Heiliger das war; es fehlen schliesslich Kopf und Attribute, aber so, wie er ist, zerstört, zertrümmert und mit falschem Gold bemalt, habe ich angesichts der wenigen Silberlinge Kaufpreis beschlossen, ihn als den unheiligen St. Lemanius aufzufassen. St. Lemanius also, der kopflose Heilige, dem man die raffgierige Linke amputiert hat und der mit letzter Kraft den Offenbarungseid schwört, der Schutzpatron des bislang gottlosen grauen Kaptalmarkts und des Derivatehandels, der moderne Heilige im weissen Bilanzhemd, der im grossen, barocken, bayerischen Heiligenhimmel gefehlt hat, und den nur ich besitze, so dass alle Stossgebete der Bayerischen Landesbank, der CSU und der Mörder unserer historischen Bausubstanz ins Leere laufen.



Vielleicht expandiere ich damit auch in den Ablass- und Reliquienhandel; diese unsere Zeit ist ohne Hoffnung, aber voller Schuld und Schulden, da könnte so ein Knochen von St. Lemanius noch glaubwürdiger sein als die Behauptung vom Ackermann, dass das Schlimmste jetzt vorbei ist.

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Ich würde MC Winkel nicht anstellen

Aber das ist nicht die Frage. Die Frage ist eher, ob Zoomer.de von MC Winkel in Zukunft Sager aus der Gosse will.

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Empfehlung heute: Zuerst mal die Praktis loswerden

Manche hier lesenden Veteranen vom letzten Krieg Downturn werden sich vielleicht auch an solche Szenen erinnern:

A 21-year-old Lehman graduate trainee in London, who declined to be identified by name, said he and 90 to 95 colleagues were called in by the human resources department and made redundant. They started work a week ago.

Da kann man nur hoffen, dass sie die Notebooks über das Wochenende mitgenommen und nicht wieder in die Firma gebracht haben. Es ist wie damals.

Nur viel schlimmer.

Und das ist erst der Anfang.

(Immerhin habe ich drei Leuten inclusive mir selber im letzten Jahr so viel Angst eingejagt, dass sie ihre Geldschäfchen ins Betontrockene des Eigenheims gebracht haben. und alle kann man ohnehin nicht retten)

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