: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Montag, 17. Januar 2011

Die Marktwirtschaft hat immer recht

Ich persönlich glaube nicht so richtig an die Fähigkeit der Märkte, vernünftig Preise festzusetzen. Nur mal zwei Beispiele: Jeder Facebooknutzer ist angeblich 100 Dollar wert. Man muss sich nur vergegenwärtigen, wie die Leistung zur Schaffung so einen Accounts aussieht. 100 Dollar? Aber bitte. Oder Apple. Ein riesiger Technologiekonzern, so profitabel wie Drogenhandel und für seine überzeugten Kunden auch genau das. Kaum geht der Chef mal eine Weile ins Krankenhaus, ist die Firma einige Milliarden weniger wert.



Momentan fahre ich für jemanden, der nicht gerade reich ist, ein Pinarello ein. Das stand bei Ebay drin, und bis 300 Euro haben wir mitgeboten. Danach lieferten sich noch vier andere ein hitziges Bietergefecht bis knapp auf 600 Euro. Der Gewinner konnte oder wollte nicht bezahlen. Nur aus Interesse gab ich bei der Wiedereinstellung des Rades einen niedrigen Betrag ein, weniger als mein Verdienst für einen FAZ-Beitrag. Es hat problemlos gereicht, die anderen wollten nicht. Wie erklärt man bei ein und demselben Ding weit mehr als 100% Preisunterschied auf der gleichen Plattform?



Natürlich wäre es sehr viel teurer gewesen, wenn nicht die ein oder andere Kleinigkeit gefehlt hätte. Auch das ist so etwas, das ich nicht verstehe: Wie ein Mangel im Wert von ein paar Euro oder ein paar Minuten Schrauberei den Preis nach unten drücken kann. Man darf nicht vergessen: Dieses kaum gefahrene Pinarello kostete 2001 um die 2800 Euro. Kein Sattel? Keine neue Kette? Gleich ein, zwei hundert Euro billiger. Was die dadurch aussteigenden Marktteilnehmer raustreibt? Unfähigkeit? Desinteresse? Unwillen, sich die Hände schmutzig zu machen? Ein mir bekannter Radmechaniker erzählt, dass von Jahr zu Jahr die Geschäfte mit den Reparaturen besser laufen, und die Lebenszyklen der Räder kürzer werden. 10 Jahre sei schon ein recht hohes Alter für ein heutiges Rad.



Und dabei sind die Fortschritte seitdem minimal. Die Kettenblätter wurden etwas kleiner, aber das hat der Vorbesitzer ändern lassen - übrigens auch zu einem Preis, der höher als der Verkaufspreis war, die Rechnung lag bei. Statt 20 kann man heute 22 Gänge haben. Die Rahmen wiegen in dieser Preisklasse 100, 200 Gramm weniger. Wer jetzt nicht laufend die technisch-optische Entwicklung verfolgt, könnte denken, dass es ein modernes Rad ist. Auf den originalen Reifen sind etwas mehr als 1000 Kilometer, und nach Aussage des Marktes ist es am Ende seines Lebenszyklus angekommen. Der Markt hat es geschafft, dass ein Fahrrad höhere Kilometerkosten als eine hochmotorisierte S-Klasse hat. Ganz ehrlich: Ich bin nicht marktkompatibel. Ich begreife das nicht. Zumal es sich schön fährt, vielleicht ein wenig hart, wegen der flachen Carbongabel, aber wenn man nicht wüsste, was der Markt wollte, könnte man es kaum von einem 10 mal so teuren Neurad unterscheiden.



Es ist noch empfindlich kalt in der Januarsonne, 20 Kilometer müssen genugen, alles funktioniert, alles läuft rund. Auf der ersten Juraanhöhe erkennt man im Südwesten, zartrosa im Sonnenuntergang, die Berge des Allgäu. Über München versperrt die übliche Wolke aus Abgasen die Sicht.Von den drei totalitären Ideologien des 20. Jahrhunderts haben Faschismus und Kommunismus nicht überlebt, aber die Marktwirtschaft bestimmt immer noch alles, daran kann auch ich nichts ändern. Man darf nicht zu viel drüber nachdenken. Es macht einen nur krank. Aber selbst das ist vielleicht besser als einer der Wegwerfer, dieser SA-Mann der Marktwirtschaft.

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Freundliche Frage

Wie die meisten wohl wissen (und bsonders, wenn sie bei Medien arbeiten), planen diverse Konkurrenzangebote gerade Blogoffensiven, um vorne mit dabei oder gar führend zu sein. Das Problem: Vorne bin ich. Sie singen: Du kannst gehn, aber Deine Kopfhaut bleibt hier. Aber wenn ich dann die Bratzen sehe, die dafür aufgeboten werden - die Süddeutsche schickt eine mittelalte, mittelnichtmehrsorichtige Moderatorin nach Florida, die Zeit schleimt sich hinter Wikileaks ein, der Spiegel hat 6 Neue ohne jeden Sex - dann sage ich: Hey, f...

...fielleicht könnte mir die Leserschaft ja ein paar Tips geben, was man sonst noch so tun könnte, um die Bloggerei bei der FAZ attraktiv zu halten, trotz der offenkundigen Mängel.

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Er ist es. Wenn der kretische Ölhändler wieder so entspannt auf dem Wochenmarkt sitzt und mene Marmeladenhändlerin wieder da ist, weiss ich: Es ist Frühling.



Junge Familien präsentieren ihren Nachwuchs. Ich brauche eine halbe Stunde, um man meinen Käse zu gelangen. Meine Artgenossen tragen auch wieder schönere Kleidung mit Freuden, es wird mehr gelächelt und besser ausgesehen.



Und ich habe prompt wieder Heuschnupfen und sollte schnellstens nach Italien.

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Samstag, 15. Januar 2011

Leben ohne Google

Heute Abend habe ich schnell begriffen, dass es mit mir und Google irgendwann vorbei sein wird. Ich ging einfach spazieren und las plötzlich das, was die Agentur vermutlich für einen schicken Claim hält:



Google Chrome ist etwas für Leute, die ihre Schleimpizza im Internet bestellen. Normale Leute rufen wenn dann entweder an oder gehen hin und tragen ihre Wünsche vor.Aber diese Datenspionagemaschine namens Chrome biedert sich Leuten an, die sogar das noch im Internet machen. In meinem Kopf entstehen Bilder von ungepflegten Vollbartträgern, die Karton für Geschirr und ihre ungewaschenen Dreckpfoten für Besteck halten, während in der Tasse daneben die Ablagerungen bis in das Perm zurückreichen.



Es gibt auch noch andere Anforderungen, die ich an Firmen stelle, und gutes Benehmen ist - siehe den netten Herrn Pierer von Siemens und den freundlichen Roland Berger - sicher nicht alles. Aber von so einer Klitsche möchte ich nicht dauerhaft abhängig sein. Ich bekomme richtig Lust, neues Goldrandgeschirr zu kaufen.

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Terminplanungsseite gesucht

.Ich bräuchte etwas:

Eine Art Terminkalender im Internet, den mehrere Leute gleichzeitig nutzen sollen.

Sie sollten sich eintragen und dabei auch Teile ihrer Arbeit einstellen können. Es sollte nicht öffentlich sein, Terminwechsel erlauben, leicht zu bedienen sein und zu keinerlei grossen Firma mit Datenspionageabteilung wie Google, Yahoo etc. gehören.

Eventuell würde ich ja ein WP-Blog anbieten, aber ich fürchte, das ist zu unübersichtlich. Hat jemand Ideen?

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Donnerstag, 13. Januar 2011

Bank Run? Welcher Bank Run

Das bin ich, am 10. Oktober 2008, auf dem Weg hoch zum Stilfser Joch.



Ich hatte in den Tagen davor ziemlich deutlich auf die Vorteile des Schweizer Franken hingewiesen, auf relativ sichere, kleine Banken in den Bergen, und auf die Gefahr, dass das gesamte Bankensystem am Zusammenbruch steht. Die Politik behauptete etwas anderes, angeblich sei alles gar nicht so schlimm, und man müsse keine Panik verbreiten.

Und wie sich nun herausstellt, war nur 2 Wochen später die drittgrösste Bank der USA, die Citibank, am Rande des Zusammenbruchs. Heftiger Bericht, bitte lesen. Kunden hatten offensichtlich massenweise ihr Geld abgezogen, und die anderen Banken gaben keinen Kredit mehr, so dass die USA blitzschnell einspringen mussten. Das war hübsch knapp, 2 Wochen nach diesem schönen Tag am Stilfser Joch.

Und mit der gerade wieder Fahrt aufnehmenden Inflation - irgendwo muss ja das viele neu gedruckte Geld hin - bleibt es auch spannend. Man muss sich das immer vor Augen halten: Zwei Wochen, bevor das System beinahe implodiert wäre, stand der Euro noch bei 1,53 Franken. Das System wurde angeblich gerettet. Die Krise ist angeblich vorbei.

Aber Gold steht zum Euro fast auf dem Höchststand.

Der Preis von Silber hat sich seit jenen Tagen - erinnert sich noch jemand an meine damals gehorteten Silberkannen? - verdreifacht. Ein Kilo Silber kostet gerade 680 Euro. Eine über ein Pfund schwere Silberkanne kostete damals 120 bis maximal 220 Euro mit Versand aus England. Ich hätte noch mehr kaufen sollen.

Und der Euro steht bei unter 1,30 Franken, dauerhaft.

Und sie sagen uns, dass die Krise vorbei ist. Vermutlich macht man gerade keinen Bank Run mehr, insofern ist die Krise tatsächlich "vorbei". Bis zur nächsten Runde.

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Im Westen geht die Sonne unter

Ihr habt Euch sicher schon gefragt, wo mein Beitrag zum Ende der Community von derwesten bleibt. Schliesslich habe ich von Anfang an und schon lange vor anderen, die sich zu dieser Zeit noch von Cola in die Brause-WG einladen liessen, dem Ganzen wenig Zukunft vorher gesagt. Und natürlich ist ein stilles Lächeln des Wissenden so gar nicht meins, wenn der Müll dann entnervt in die Tonne getreten wird.

Ich schreibe dazu lieber was in der FAZ (und nicht in der Blogbar, weil ich bei der FAZ sowieso was machen musste).

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Donnerstag, 13. Januar 2011

Transabsurdic

Es gehört zu den Gründungsmythen der USA, dass die Bewaffnung der Bürger erst den erfolgreichen Aufstand gegen die Briten erlaubt hätte. Daraus wird über 200 Jahre später das Recht abgeleitet, dass sich so ziemlich jeder eine Waffe kaufen kann, wie man bei uns eine Kirchweihnudel kauft.

Und wenn ich dann lese, dass selbst Medien wie die New York Times schreiben, Waffen seien ein Teil der "national culture", tendiere ich dazu zu glauben, dass es letztlich doch nicht so arg weit her ist mit dem Westen. In Italien ist das Jagen auch Volkssport, bei uns in der Familie gab es früher jede Menge Waffen für das Viecherabknallen - aber die Zeiten, da Waffen Teil der Alltagskultur waren, sind in Mitteleuropa einfach vorbei. Vorbei wie das Verbot der Scheidung, der Kuppelparagraph und die Leibeigenschaft. Am Hirschberg gibt es einen Förster, den ich ab und zu beim Aufstieg treffe - der hat sein Gewehr dabei. Netter Mann. Aber irgendwie fühlt man sich hierzulande blöd, wenn welche mit Waffen rumrennen. Dass ich vom täglichen "Training" sexuell frustrierter Psychokrüppel bei der virtuellen Ballerei zum Frustabbau auch nicht angetan bin, wird vom Wissen erleichtert, dass es nicht so leicht ist, hier an eine echte Waffe zu kommen.



Bei den Amerikanern habe ich dagegen den leisen Verdacht, dass die Sache mit dem Unabhängigkeitskrieg nur die eine halbwegs positive Sache ist, die man nach vorne stellt (wobei noch zu klären wäre, ob ein Verbleib unter britischer Herrschaft nicht dauerhaft die bessere Lösung gewesen wäre). Weniger laut wird man sagen, dass das gleiche Recht auch zum Lynchen half, oder zum amerikanischen Bürgerkrieg, oder für den Ku Klux Clan und zu allem anderen, wozu Waffen gut sind. Und ich frage mich, ob man das wirklich nur kleinredet, weil es einem peinlich ist.

Oder ob man das durchaus weiss und im Falle eines Falles durchaus bereit ist, so etwas nochmal zu tun. Vielleicht gibt es ja nicht nur eine national culture des Waffenbesitzes, sondern auch eine national culture des Bürgerkrieges und des Massakers. Nicht nur bei den Militias, sondern latent auch bei vielen anderen. Wenn bei uns ein Waffenlager gefunden wird, überlegt die Staatsanwaltschaft, ob es einen terroristischen Hintergrund hat; in den USA ist das legal, da muss man nicht nachdenken, das ist in Ordnung so.

Rein rechtlich, zufolge der national culture.

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Seelenfrieden

Es wäre nicht ganz ehrlich, würde ich behaupten, dass das Anfordern von Kostenvoranschlägen und das Durchsetzen von Ideen dem Seelenfrieden kurzfristig zuträglich ist.

Aber langfristig ist es eine andere Sache, möchte ich in der FAZ festhalten.

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Mittwoch, 12. Januar 2011

Aufräumarbeiten

Die diversen Veränderungen des Winters - das Hinterhaus wird frei, das Vordach bricht zusammen, Mieter wechseln - bringen es mit sich, dass Platz her muss. Für Baumaterial, Gerät, Anhänger, Müll, Werkzeuge. Platz, den ich bislang frei verwenden konnte für dies und das - oh, eine Campakurbel auf dem Flohmarkt für drei Mark (schon etwas länger her). Ein toller Laufradsatz, total verdreckt, aber schöne, teure Felgen. Ein krasser, oranger Sattel. Ein ganzes Paket von Sattelstützen, die einmal extrem teuer waren, keine Ahnung, wie das auf den Flohmarkt kommt. Ein Sonderangebot mit orangen Reifen, als Ersatzreifen kann man die Gelegenheit ergreifen. So kommt dann einiges zusammen. Oder ein Rad mit falschen Bremsen, die ebenso schön wie unpassend sind und ersetzt werden müssen. Gut, teuer, aber nach Jahren der Einlagerung sinnlos. Und dann muss man aufräumen. Aber wohin mit dem Zeug? Ebay?

Man ahnt es, das ist keine Antwort, die ich geben würde: Einstellen, auf Geld warten, mich mit Kunden streiten, mich über die Post ärgern und stundenlang Zeug verpacken. Dafür ist das Leben zu kurz.



Statt dessen habe ich etwas gefunden, wohin ich es aufräumen kann, und es auch hinpasst. Gut, es war nicht so billig wie wegwerfen, aber wie es nun mal so ist: Beim Reste verkochen kommen manchmal erstaunlich gute Rezepte heraus. Und wenn ich sehe, wie andere ihre Zeit damit zubringen, amerikanische Gossip- und Wirtschaftsblogs abzuschmieren, kommt mir das Aufbauen und Einfetten eines Rades nachgerade ehrenhaft vor, egal wie schmutzig man sich die Finger am alten Zahnkranz macht.



Was jetzt noch fehlt, sind ein paar Gulf-Aufkleber, dann ist es fertig, das Steve McQeen Colnago "Le Mans". Und das Frühjahr kann kommen.

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Trost und Zuspruch

Natürlich geht es in den Medien recht eng zu. Es gehört wenig dazu, etwa dem Focus mit seiner schwindenden Leserschaft schwere Tage vorherzusagen: Da werden sicher welche andere Arbeitsmöglichkeiten suchen müssen. Vielleicht war es doch keine so gute Idee, einen stramm konservativen und bildlastigen Kurs zu fahren, wenn die Kundschaft doch lieber lange Texte und neue Ideen wünscht.

Aber auch in schweren Zeiten kann man sich sagen: Hey, immerhin geht auch das Myspace-Team über die Wupper! Wer sagt denn, dass nur Zeitschriften krepieren.

Und wenn in zwei Jahren die FTD dann doch endlich die Grätsche macht, können sie vielleicht auf die verrammelten Türen bei StudiVZ verweisen, bei denen es auch steil nach unten geht. Sie gehen nie allein.

Und weil sich früher auch keiner vorstellen konnte, wie man friendster, myspace, werkenntwen und facebook aufhalten sollte, weil man früher den braunen Socken Murdoch als Genie rühmte, da er myspace "billig" kaufte - wäre ich gar nicht überrascht, wenn sich Mediengekriselte in fünf Jahren am Leid von Exfacebookern erfreuen könnten.

Hilft zwar nicht den Medien, aber es ist angenehm zu wissen, dass die Konkurrenz auch krepiert.

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Dienstag, 11. Januar 2011

Man lasse sich geben

Mieses Wetter wäre jetzt fein, eine Grippe im Anzug, eisiger Wind und der eiserne Wille, nicht krank zu werden. Dann könnte ich jetzt Chili kochen, denn alles, was ich dafür brauche, ist gerade im Übermass daheim. Alles Dinge, die mir auf dem Wochenmarkt so mitgegeben wurden.



Leider möchte ich lieber irgendetwas mit süssem Gorgonzola, Eiern und Broccoli machen, denn mir ist warm, ich bin gesund, und ich habe beschlossen, dass jetzt Frühling ist, und ich mich dem Hinterhaus widmen kann. Noch nicht mal Tomatensuppe möchte ich. Allenfalls Bruchetta als Vorspeise. Ich werde wohl um eine Einladung nicht herumkommen.

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Meine Meinung

zu den Meinungsblogs bei Spiegel Onschleim:

Konkurrenz belebt das Gewäsch.

Und NYC-Wohnklo wird gegen den Landsitz am Tegernsee verlieren.

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Sonntag, 9. Januar 2011

Die Einzeltäter und ihre Mittäter

Solche Attentate und ihre Vorgeschichte wie in Arizona sind es, warum es mir zunehmend schwer fällt, von "Westen" zu sprechen. Mal ehrlich: Was ist an Broder, Palin, PI-News, Fox, Gingrich, fanatischen Abtreibungsgegnern, die Tea Party, Antideutschen, Lobbyisten in Brüssel, käuflichen Politikern, der BayernLB und der Bildzeitung noch "westlich" im klassischen Sinne? Für ewas stehen diese Leute, und warum gibt es nicht mehr Mittel, sie an die Wand zu quetschen? Was die darstellen, entspricht nicht mal den Anforderungen des Sozialkundeunterrichts eines bayerischen Gymnasiums.

Vieles von dem, was in Amerika gerade Furore macht, muss früher irgendwie versteckt gewesen sein; es gab zwar irre Politiker und Staatskriminelle, aber was da heute hochkommt, macht das nicht aus Machtgeilheit, sondern weil sie es einfach für richtig halten. Und der Dreck ist längst unter uns: Man muss nicht auf white supremacists zeigen, wenn ein Parteikarrierist mit rassistischen Codes und Lügen einen Bestseller schreiben kann, aber seine Partei nicht in der Lage ist, sich schneller von diesem erbärmlichen Fehler zu trennen. Für den Westen wollen Leute wie Strache in Österreich und Wilders in den Niederlanden stehen, und ich habe keinen Zweifel, dass sie und ihre braunen Horden irgendwann anfangen werden, ihren Westen notfalls auch mit Gewalt durchzusetzen. Es sind dann natürlich immer nur verwirrte Einzeltäter, in Arizona, bei den Ortstafelanschlägen in Österreich, beim jüngsten Brandanschlag in Berlin. Immer diese verwirrten Einzeltäter. Nie der stichwortgebende Mob.

Und ich frage mich, wie man diesen Dreck wieder aus der politischen Agenda bekommt. Ein anderer Präsident als Obama hätte vielleicht jetzt die Möglichkeit genutzt, einmal kräftig aufzuräumen und die Tea Party und ihre Mordaufrufer klein zu machen. Aber nachdem er nicht mal Wikileaks strategisch genutzt hat, um sich von Bush und seinem Versagen abzusetzen, sondern auch noch solchen Leuten in die Hände spielt, ist da nichts zu erwarten. Da passiert nichts mehr. Da ist kein Wille, das Pack zu stellen und zu vertreiben. Noch nicht mal jetzt.

Die einen okkupieren den Westen, die anderen sind zu schwach, ihn zu behaupten. Sie nennen sich nicht mehr Faschisten, aber ihre Einzeltäter sind immer noch tödlich.

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Samstag, 8. Januar 2011

Ab und zu muss man auch mal reintreten.

In Heidelberg in Wien am schönen Rheine
sitzen ein paar - nun ja mit Heine
würde ich sie nicht vergleichen wollen.
eher mit Paarhufern, unrein und verquollen.
Da schmieren sie Blogs und quieken gemein
sie möchten auch gern der Alfons mal sein.
Nicht so versiffte, ungelesene Hungerleider,
Pseudowissenschaftsprwichsverbreiter.
Doch tut es mir leid hier deutlich zu künden
nur meinen Beitrag bei der FAZ man tut finden
zu Dioxin, Darwin und bessrer Gesellschaft
und nicht zu Kläffern im eignen Jauchensaft.

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Tauwetter

Vielleicht könnte man noch in die Hochalpen ausweichen, an den Spitzingsee oder zu den Nordstrecken an den Blaubergen. Man müsste weiter fahren, und hätte am Ende keine Hütte, aber vielleicht mehr Schnee und weniger Leute.



Aber es ist nicht mehr das gleiche. Hier ist der Frühling ausgebrochen, viel zu früh, wie hier auch schon der Winter einmarschiert ist. Alles fühlt sich falsch an, schon in den letzten Tagen reckte sich erstes Farngrün, licht und delikat, durch den ohnehin nicht hohen Schnee. Das Ziel liegt wieder im Süden, nicht mehr hier oben mit dem Rodel.



Davor aber haben die Götter den Kuchen, die Abfahrt und noch so einiges an Arbeit gesetzt. Überzeugungsarbeit, Aufbauarbeit, Restaurierungsarbeit. Denn in der Altstadt daheim gehen immer noch die Preise durch die Decke: Da muss was passieren, das muss jemand machen, aufpassen, mitwerkeln, da brauche ich keinen Berg und keinen Rodel mehr, um schlank zu bleiben.



Es ist eine engenehme Arbeit, die mir gefällt, das ist das Gute daran. es ist eine sinnvolle Arbeite mit einem Ziel und einem Ergebnis, und es ist eine Arbeit, die Wärme braucht. Deshalb: Kein Problem, wenn es jetzt vorbei sein sollte. Es war ein schöner Winter. Und das Hochwasser bleibt ja netterweise im Norden.

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