: : : denn sie wissen nicht was sie tun sollen : : :

Dienstag, 6. Dezember 2011

Und nun zu Euch, liebe Piraten.

(Statt Tage des Rodels aufgrund von zu wenig Schnee Tage des Rants.)

Und ich meine Piraten. Nicht das übliche Problem aller neugegründeten Parteien, dass sofort alle möglichen Partikularinteressen dort andocken. Das Problem kennt man von den Rechten, wo die Nazis einlaufen, aber Totalitarismus ist ja keine rechte Denke, das gibt es links mit dem Stalinismus, in Grün mit PETA und in der Mitte mit den Chicago Boys.



Ihr, die Ihr ja so viel von Schiffs- und Freibeuterwortspielen haltet. Ihr seid ein kleiner Haufen, schlecht organisiert, teilweise reichlich inkompetent und schon frühzeitig durch nicht ideales Personal geplagprägt. Das finde ich noch relativ in Ordnung, es dauert etwas, bis man begriffen hat, was gut ist und was schwerstens schadet. Mit wem man spricht und wann man besser doch das blöde Maul hält. Kann ja alles mal passieren, nimmt keiner krumm, das alles kommt schon in die Bahnen, dann passt es. Und vielleicht werden dann auch mehr Leute dazustossen, die auch wissen, was sie tun.

Generell fände ich ja eine Partei gut, die ein paar Kernpunkte hat, für die sie sich gnadenlos einsetzt. So wie der Pirat halt Schiffe kapert und zuerst mal nicht zwingend Lampenschirme herstellt. Das kann er immer noch machen. Was aber völlig bescheuert ist, ist die Idee, ein paar Lampenschirmmacher nicht nur an Bord zu haben, sondern sie auch glich noch zu bestimmen lassen, dass der Pirat neben dem Schiffe kapern daraus die Pflicht hat, auch noch ganz bestimmte Lampenschirme zu fertigen. Dafür braucht man eigentlich keine Piraten, würde ich meinen.



Ich kann mir noch irgendwie vorstellen, dass man beim bedingungslosen Grundeinkommen sowas wie Substanz in die Forderung bekommt. Ob die dann den eigentlichen Zielen noch zuträglich sind, steht auf einem anderen Blatt. Aber vielleicht findet man ja in Gespächen ein paar kluge Ideen. Und ein paar Volkswirtschaftler, die sich mit Modellen auskennen und sowas auch mal durchrechnen können. Da ist nicht zwingend aller Tage Abend, selbst wenn es schon ziemlich weit weg ist von einer digitalen Bürgerrechtspartei, die sich effektiv gegen Benachteiligung im Internet wehrt. Mag der BGE-Extremist auch kotzen, wenn das in die "Gremien" geht und er nicht auch gleich noch 100% Erbschaftssteuer durchsetzen kann: Das haut zumindest nicht gleich jedem Andersdenkenden in einem ganz zentralen Punkt des allgemeinen Gesellschaftsverständnisses die Tür ins Gesicht.

So wie zwei andere Punkte, die ich persönlich als Unterwanderung der Deppen auf Deck durch kleine Extremistengruppen sehe: Equalismus und Drogen. Oh, nichts gegen Gleichberechtigung. Aber das ist etwas anderes als die Ideologie der Zwangsgleichstellung, die sich mit Equalismus verbindet. Da haben die Piraten das Pech, eine kleine Sekte von InternetspinnerInnen an Bord gezogen zu haben, die im Spannungsfeld zwischen geringem Frauenanteil und ihren Extrempositionen die ganze Flanke aufrollen. Ich denke, man wählt gerne Utopisten und Weltverbesserer. Aber nicht Seilschaften, die bei den Piraten sind, weil sie woanders keine Chance hätten. Und zwar nicht, weil die anderen Parteien frauenfeindlich sind. Sondern weil da schon Frauen sind, die sich ihre Strategien nicht durch die Gendernervtröten aus dem Netz, wo jede_r fast ungestraft auch den grössten Schmarrn verbreiten kann, kaputt machen lassen will. Weil diese Positionen mit diesem Personal noch nicht mal in jenen Kreisen vertretbar sind, die man so landläufig als feminsitisch bezeichnet. Ich kenne da ein paar: Die haben wenig schmeichelhafte Worte für den Equalismus, der als Piratenideologie installiert werden soll.



Und dann die Sache mit den Drogen, die einerseits mit Equalismus sehr stimmig ist, andererseits: Schon klar, dass wir hier nicht über eine Flasche Rum reden? Und dass "Bürgerrechte" irgendwo auch "Bürgerpflichten" nach sich ziehen? Drogen neigen dazu, Menschen süchtig zu machen, mit entsprechenden Folgekosten, die durch das BGE nicht abgedeckt werden - selbst wenn man mit H vielleicht anfangen sollte, den Equalismusscheiss zu verstehen.Klar, die Hanfrebellen wurden bei anderen Parteien nicht glücklich, und jetzt sind sie bei Euch: Glückwunsch! Jeder, der das Vergnügen hat, in der Nähe einer Disco zu wohnen, weiss leider auch, dass Drogenkonsum bis runter zum Alkohol die Welt nicht schöner macht. Die freiheitlichen Drogenfreunde sind gerne eingeladen, ihre Theorien zu diesem Thema bei uns in der Altstadt Nachts um 4 den Marodeuren zu erklären, oder den Drogenhändlern. Aus dem Recht auf Genuss leitet sich noch lange nicht das Recht ab, mir vor die Haustür zu kotzen. Oder als Wrack die Allgemeinheit für den Zustand und die Folgen bezahlen zu lassen.

Und das sind so Punkte, da werden die Piraten wie die CSU: Die könnte ich wegen einiger Punkte natürlich auch wählen. So wie ich die Bewahrung der Heimat wichtig finde, finde ich auch die Freiheit im Netz wichtig. Aber dazu brauche ich weder die Cliquenwirtschaft bayerischer Bonzen und arbeitsscheuer Berliner zur Ausbeutung der Gesellschaft, ich brauche als Ausdruck dieser Haltung weder Koks noch Bierzelte, und ich brauche auch keine Ideologie, um passende Weltbilder den Menschen aufzuzwingen: Der Volksfestnazi, für den jeder Ausländer qua Existenz und Herkunft ein potenzieller Krimineller ist, denkt genauso kurz wie die Gendertröte, für die jeder Mann für den jeder Mann qua Existenz und Herkunft ein Unterdrücker ist.



Nichts, wie gesagt, gegen den Kern. Aber an den Flügeln marschiert genau das intolerante und selbstbereichernde Zeug durch, das viel schlimmer ist, als die Frage von wer mit wem schläft und dafür welchen Posten und Antrag machen darf. Dass man das Zeug irgendwie über den Freiheitsbegriff herleiten kann - geschenkt. In Bayern sind auch Leute rumgelaufen, die Atomkraft als Umweltrettung bezeichnet haben. Es gibt eigentlich nur einen Begriff, der sich wirklich aus Freiheit ableitet, und das ist

DIE VERANTWORTUNG.

Und da sehe ich bei den Piratenforderungen jetzt nicht wirklich viel.

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Liebe Firmen,

wenn Ihr einen Blogger braucht, schaut Euch doch bitte bei der Wirtschaft-PR und diversen Medien aus dem Eck um, da gibt es genug Leute ohne Charakter, die auch für den stillosesten Gen- und Versorgungspanscher schmieren. Ich habe kein Interesse.

Dannke für die Aufmerksamkeit.

(Wenn sie vorher wenigstens mal ein klein wenig recherchiert hätten... aber nein: "Kommen Sie doch nächste Woche mal in Berlin vorbei".)

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Montag, 5. Dezember 2011

Mitleid umschichten

Das glatte Gegenteil der Geschichte über das Rosa Haus von Tulfes ist in der Zeit nachzulesen - ein seinen Besitzer ruinierendes, 1000 m² grosses Anwesen im Engadin, nahe bei St. Moritz, und damit in einer Region, in die ich unter gar keinen Umständen ziehen würde. Das Engadin ist meines Erachtens sowieso nur als Steuersparmodell brauchbar; es gibt wirklich viel schönere Ecken in den Bergen, ganz ohne jene kargen Hänge und auch ohne die hohe Schweizer-, Amerikaner- und Russendichte, die ich persönlich ja eher als Nachteil erachte. Aber jeder, wie er mag, und mit dem nötigen Vermögen gibt es auch schlechtere Investitionen - Aktien der Commerzbank zum Beispiel, oder eine Henkelmerzunsympathenpartei.



Mehr als andere bin ich durchaus bereit, Hausbesitzerschicksale zu bedauern, zumal die Häuser alt und die Beziehungen durch die Kindheit geprägt sind. Es gibt alte Häuser, die Menschen nicht umfangen wie meines, sondern auspressen und aussaugen. Es gibt aber bei dieser Geschichte einen Punkt, bei dem ich wirklich kein Bedauern mehr empfinden kann: Eine viertel Million Franken jährliche Unterhaltskosten. Pardon, aber das sind auf den Quadratmeter umgelegt rund 200 Euro. Oder auf meine Karthause am Tegernsee weit über 10.000 Euro pro Jahr. Über 50.000 Euro für die vier Jahre, die ich hier wohne. Und ich wohne nun auch nicht gerade mit einer Kleiderstange, einem Feldbett ohne Heizung. Für 50.000 Euro könnte man hier die Wände einmal mit wirklich sauberen Portraits des 18. Jahrhunderts durchdekorieren. Es ist mir völlig unbegreiflich, wie man das als Unterhaltskosten zusammenbringt. Da muss man schon grosszügig sein.



Oder anders gesagt: Verschwenderisch. Auch solche Fälle gibt es immer mal wieder, gerne in England, wo Häuser für zu grosse Bedürfnisse entworfen wurden, die nicht zur Vermögensentwicklung passten. Das ist aber schon eine Weile her. So wurde man folgerichtig nicht reich, sondern arm, und das nicht ganz unverdient. Wenn ich dann noch lese, dass das Vermieten an Gäste praktisch auf Null hinaus gelaufen sein soll, ist wirklich der Punkt erreicht, wo ich doch lieber bis Weihnachten an die Hungernden in Afrika denke. Die ganz Geschichte stinkt vielleicht noch nicht zum Himmel, aber sie muffelt schon sehr nach "Nicht wissen, wo Schluss ist". Und das ist es nicht beim Verkauf, sondern beim Verzicht auf Halogenspots. Auch mit Naturseidenvorhängen muss man nicht weinen.



Natürlich: Wenn man nur mit den absoluten Spitzenfabrikaten leben kann, wenn es wirklich nur noch darum geht, alles aus einem idealen Guss zu haben, dann wird es teuer. Es wird aber auch ein wenig unbelebt und ungemütlich.So sieht es zumindest für mich auf den Bildern aus. Solche Objekte kennt man, da kann es gut sein, dass das Motto gewesen ist: So wie im Plan muss das alles jetzt sofort sein. Und nicht: Suchen, finden, wachsen. Wie es eigentlich fast immer war und auch sein sollte. Man tut einem alten Haus nichts Gutes, wenn man es nur als Leinwand für ein Innenarchitekturreadymade begreift. Verschwenderischer Luxus kann bedeuten: Verschwendung durch Luxus. Oder Luxus, der verschwenderisch wirkt.



Die vergangene Grösse nimmt einem keiner, wenn man sich etwas einschränken und in die Dachkammern oder Nebengebäude ziehen muss. Das ist dann immer noch ein Brückenkopf, vielleicht für einen selbst, wenn sich die Gunst des Schicksals wandelt, oder für Erben. Ein wenig Schwankung gehört dazu, und auch das geht bei alten Häusern. Sie sind in aller Regel genau dafür gemacht. Man muss nicht traurige Artikel über die Besitzer solcher Anwesen schreiben, es ändern sich nur die Privilegien, und dnn gibt es ja auch noch die alte Stadthausbesitzerweisheit:

Wer zvui Göid hod und is dumm
kaaft a oiz Haus und bauz donn um.

Nicht der Hauskauf ist das Problem. Das "etwas daraus machen was es nicht ist und das nichts einbringt".



Was da zu sehen ist, ist voll im Trend der 90er Jahre. Heute würde man so nicht mehr einrichten, da wäre mehr Prunk, mehr stimmiger Stil, und diese Pyramidenlampen gehen gar nicht - da müsste ein Kronleuchter her, und die Teppiche, oh je. Es sind die Berge! Da muss ein Perser her, ein wirklich grosser Perser.

Ich weiss nicht, ob das Ding so weggeht, um den Preis, der da erwähnt wird. Vielleicht schon, wegen der Finanzkrise. Wo Verlierer sind, sind auch Gewinner, oder wenigstens welche, die Sicherheit wollen. Man kann so etwas verkaufen, man kann so etwas machen. Aber eigentlich tut man so etwas nicht. So oder so, in Tulfes oder im Engadin, die Geschichte verschwindet. Und was bleibt? Nun. Man wird sehen. Es dauert sehr lang, bis Geschichte nachwachsen kann.

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Sonntag, 4. Dezember 2011

Neuer Ordner "Bergwinter"

Es ist noch nicht kalt, es regnet nur, und es windet. Kurz, die Einsiedelei am Tegernsee würde ungemütlich werden, wenn sie denn eine Einsiedelei wäre. Dagegen hilft Besuch und obendrein warmes Gold.







Zumindest, wenn man leider nicht das Rotgold des Feuers in der Klause hat. Das wäre natürlich noch schöner.

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Inne Fresse

Wie viele vermutlich schon wissen, hat sich nach dem grünparteilichen Wurmfortsatz der Digitalen Gesellschaft nun auch eine Art Internetgruppierung an den Sozialdemokraten furunkelt, deren Parteimitglied ich bin. Das ist nach dem Erfolg der Piraten sicher kein Zufall; alle anderen Parteien suchen derweil händeringend nach irgendwelchen Umarmungsstrategien, und da laufen ihnen halt die in die Arme, die sowieso gern irgendwo umarmt werden möchten. Systemlinge in Richtung der Parteien, die darauf hoffen dürfen, eine neue politische Ecke zu besetzen, Deckmäntelchen für das Netz, und sicher auch bald auf dem einen oder anderen bezahlten Podium. Netzwerken in eigener Sache. Bei den Sozis heisst das D64, und es sind die üblichen Verdächtigen, falls sich noch jemand an den zurückgetretenen "Internetbeirat" und dessen auch ökonomisch interessiertes Umfeld erinnert. Und natürlich wahrt man eine Scheindistanz zur Partei, die ihre eigenen, langjährigen Mitglieder wie mich tierisch ankotzt.

Nach meiner bescheidenen Meinung als "einfaches Parteimitglied" (noch einfacher als der Namenserfinder Jörg Haider) ist es vollkommen unmöglich, dieser Partei von Aussen so etwas wie ein taugliches Netzprofil zu geben. Versucht wurde es schon oft, und die Ergebnisse - nun, ich war mal mit Schäfer-Gümbel auf einem Podium, da konnte ich nur den Kopf schptteln angesichts der inhaltelosen Technikhuberei. Ja Twitter, aber Grundrechte naja da muss man mal in die Gremien. Das ist schon die verständigere Ecke dieser Partei. Allenfalls sehe ich Möglichkeiten, der Partei irgendwelche später verzichtbare Verhandlungsmasse aufzuschwatzen, wenn die nächste grosse Koalition kommt. Aber wer diese Partei und ihre Strukturen kennt, macht sich darüber vermutlich wenig Illusionen: Die Partei hat keine Anknüpfungspunkte für ein wie auch immer geartetes Netzprofil. Sie wird nie in der Lage sein, auch nur ansatzweise mit den Piraten zu konkurrieren.

Aber es wird fraglos ein lauschiges Plätzchen für die Beteiligten. Die Politik mit ihren Stiftungen und Arbeitskreisen ist voll davon, jetzt ist da eben noch einer, aber die echte politische Arbeit sieht ein wenig anders aus, gerade bei einer Fussgängerzonenprospektpartei wie der SPD. Die einzigen Profiteure sind auch diesmal wieder die Piraten, denen eine Unterwanderung durch alteingesessene Adabeis, Netzfilzokraten und Buffetschnorrer erspart bleibt. Ich würde auch mal vermuten, dass die bei D64 gehandelten Softiepuschen bei den doch eher etwas härter auftretenden Piraten wenig Chancen hätten (Und wer jetzt den Ex-FDP-Person Julia Schramm erwähnt: Ich glaube nicht, dass die noch lange bei den Piraten ubootet). Da sucht man sich eben andere Weidegründe.

Inzwischen bin ich durchaus der Meinung, dass es der SPD gar nicht schadet, wenn sie auf die harte Tour aus den Fehlern lernt und statt Pickel und Mitesser ein Bewusstsein entwickelt, oder eben absinkt und Spezialbereiche anderen überlassen muss. Das hat in München bei der Rosa Liste nicht geschadet, das wird ihr auch im Bund bei den Piraten nicht weh tun. Ich kann mir ohnehin nicht vorstellen, dass sie nach den Schilyjahren und deren Nachwirkungen viel reissen wird. Da wäre sehr, sehr viel noch aufzuarbeiten, da müsste die SPD in den Staub und Kreide fressen, und das wird sie nicht tun. Nur ein Lätzchen wie D64 umhängen, wenn sie den nächsten Grundrechteknochen abnagt, das würde zu ihr passen.

Das einzige Gute daran ist: Vor diesen dreckigen Sifflatz knallt man denen doch wirklich mit Vergnügen.

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Samstag, 3. Dezember 2011

Das Messer beim Heiland

ist nur ein Bild von 20.



Ich wollte ohnehin mal das FAZ-Blog als "The Big Picture"-Lösung ausprobieren, und dafür gibt es jetzt leider auch einen unerfreulichen Anlass: Einer der schönsten Höfe über dem Inntal wird abgerissen. Man kann nichts tun, Ausser schreiben - ich. Und klicken - die Leser.

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Rot neben Rotpelz

Das reicht auch schon wieder mit dem Flachland.



Zurück in die Berge. Am Wochenende soll der Schnee kommen. Ich glaube es erst, wenn ich es sehe.

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Freitag, 2. Dezember 2011

Generationenvertrag

Hier funktioniert er noch: Einmal im Jahr kommen vier Ster Holz, und dann kann ich beweisen, dass ich das mit dem Schlichten gelernt habe.



Dieses Jahr war das Wetter ausnahmsweise gut. Das Problem ist, dass meine Familie das Holz immer erst recht spät bestellt, und so komme ich dann meistens in den Schnee oder den Regen hinein, was die Sache zusätzlich unangenehm macht. Heute riss sogar die Nebeldecke auf. Sensationell. Ungewöhnlich für die Region. Hatte ich mich doch so auf die Abwechslung von all dem Sonnenschein gefreut.



Nachbarn kamen vorbei und erzählten Wohnungen am Chiemsee und Töchtern und Hunden und massivgoldenen Schlüsselanhängern und sorgten dafür, dass ich Themen aus diesen Kreisen bis Januar habe. Die Katzen probierten aus, wie mittig sie sich in den Weg legen konnten. Und es gab gute Ratschläge zur Lebensführung, die ich natürlich nicht beachte- Sie hatten mit Kindern zu tun.



Vielleicht auch damit, dass holzschleppende Kinder in Elternaugen sehr attraktive Schwiedersöhne sein könnten. Man schätzt sowas vermutlich etwas mehr als, sagen wir mal, fern der Heimat Handykontrakte analysierende Spezialisten. Nebenbei kam auch rüber, wessen Kindes Auto schon länger nicht mehr gesehen ward. Und obwohl hier natrürlich keiner Holz stiehlt, wird vor den Holzdiebe gewarnt, man soll also schnell weiter machen. Ach so, aber das muss man dann doch noch im Sonnenuntergang erzählen.



Derweilen sitzt die Dalmatinerkatze auf der normalen Heizung und wartet, wann endlich der Kachelofen eingeschürt wird. Heizung ist ja nicht schlecht, aber. Aber.

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Nochmal Berg

bei der FAZ und die Frage, warum die Märkte zwar sehr viel können, aber trotzdem noch nicht mal Spinatknödel liefern.

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Donnerstag, 1. Dezember 2011

Heroin

Ich bin ja kein Spekulant, aber wenn allen Notenbanken nichts anderes mehr einfällt, als das Bankensystem mit Geld zu ersticken, wäre das in meinen Augen kein Grund zum Jjubeln. Das hatten wir schon ein paar Mal. Und es hat uns insgesamt exakt dorthin gebracht, wo wir sind.



Der Vergleich, der mir da am ehesten einfallen würde, ist fern vom Tegernsee: So stelle ich mir schwerst Suchtkranke vor. Man verabreicht ihnen Methadon, ab und an stirbt einer an einer Überdosis, die anderen putzen ihre Nadeln besser und denken, dass sie schon irgendwie durchkommen. Bankster sind auch nur Beschaffungskriminelle.



Und Politiker sind unfähig, die Konsequenzen zu ziehen: Es gibt zu viele Finanzinstitutionen. Man kann keine Firma betreiben, deren gesamtes Management Heroin konsumiert, man kann keine Gesellschaft mit so einer Konstruktion der Gier und Bereicherung erhalten. Das muss weniger werden. Die Bankenauswüchse der letzten 10, 20 Jahre müssen weg, und die Beteiligten notfalls mit einem Schockprogramm lernen, dass es so nicht weiter geht.



Das wäre natürlich kalte Enteignung diverser Besitzender und nicht wirklich nett, aber die Alternativen sehen noch schlimmer aus: Diese Auswüchse werden weiterhin Geld an sich ziehen, und es ist ihnen egal, ob dabei Staaten und Währungen pleite gehen: Sie können das hedgen und ausgleichen. Die schiere Grösse des Konstrukts ist sein Problem. Sie werden nicht aufhören. Und mit Deutschland ist eine politische Kaste am Drücker, die sich hemmungslos unterwirft.



Es ist klar, was jetzt kommt: Eine der typischen Merkelkehren, die uns den Mindestlohn und den Atomausstiegausstiegausstieg gebracht hat. Man sollte sich anschauen, was Irland in den letzten Jahren so erlebt hat: Das ist ein gutes Beispiel des Kommenden, und ich denke doch sehr, dass die Renten diesmal das Tafelsilber sind, das man in die Schmelze der Märkte kippt. Bei uns und dem Generationenvertrrag heisst das: Kalte Leibeigenschaft.



Es könnte einem schlecht werden bei den Gedanken, wie wunderbar dieses 21. Jahrhundert doch sein könnte. Wir haben eigentlich alles. Alles könnte gut sein. So dachte man 1914 vermutlich auch schon.

Naja.

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Dienstag, 29. November 2011

Dem Letzten auf dem Berg wird das Licht ausgemacht

Letzthin habe ich gelesen, dass die Bergsteigerei besonders in Krisenjahren gut ankommt: Wer sparen muss und auf das Geld schaut, hat hier alle Möglichkeiten für einen ebenso billigen wie spektakulären Sport. So schlimm kann es gerade nicht sein, heute auf dem Hirschberg waren vor allem die typischen rüstigen Renter der S-Klasse. Und - nach einem ordentlichen Frühstück - auch ich.



Vielleicht hätte ich nicht ganz so lange frühstücken sollen, denn es war eine der typischen "Der Letzte auf dem Berg"-Begehungen. 20 Minuten später als letztes Mal, 8 Minuten schneller, aber dazu noch 5 Minuten weniger Tageslicht.



Da hat auch der Weg über den Kratzer nicht geholfen, ein jurazeitliches, ehemaliges Riff eines Urmeeres an der Ostflanke. Man sieht recht schön im Tal unten Schärding: Da komme ich her.



Exakt zum Sonnenuntergang oben, zu lang gewartet, aber man kennt ja die Zeiten, die man braucht, das geht also recht gut, und das Licht bleibt ja noch ein wenig.



Allerdings kann man sich in den Latschen auch verlaufen, eine falsche Abzweigung, und ich war auf dem grünen Weg statt auf dem roten Pfad. Alle Wege führen zum Hirschberghaus, aber der grüne Weg geht erst mal 150 Höhenmeter mehr und sehr steil nach unten, und danach erst wieder hoch. Das habe ich heute gelernt. Und das dauert. Eine halbe Stunde länger als geplant.



An dieser Stelle dann noch ein Felsenweg nach unten, und eine Abfahrt durch den nächtlichen Wald mit dem Bergrad. Bei Neumond. Was bedeutet: Es ist sehr finster. Und deshalb bin ich auch, alles in allem, sehr fertig. Den Rest trage ich irgendwann nach.

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Wer hätte das gedacht?

Freudentänze, ein verschwundener Blackberry und ein geheimnisvoller Gast im Nebenzimmer: Der Fall Strauss-Kahn wird erst jetzt so richtig spannend. Erwartungsgemäss wird dennoch kein Schmierfink, der womöglich einer gezielten Intrige aus dem, höflich gesagt, näheren Umfeld von Sarkozy aufgesessen ist und dabei geholfen hat (gell Spiegel?) auch nur eine Sekunde daran denken, von seinem Job zurück zu treten und den Rest seines Daseins in die Sanitärbasisarbeit zu wechseln.

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Montag, 28. November 2011

Wertschätzung ist relativ.

Ich war nie ein besonderer Freund Bayerns. Überhaupt gibt es viele Bayern, die ihrem Land gegenüber kritisch eingestellt sind, und nur, weil das eine gängige Haltung aller anderen Bewonder des kleindeutschen Reiches ist, fällt das nicht so auf. Sicher, da ist die Landschaft, und die ist wirklich mitunter so, dass man sich nicht vorstellen kann, woanders zu leben. Aber. Und dann kommt eine lange Latte, beinhaltend die Partei, die Kirche, gewisse Mentalitäten, und generell der Eindruck, in einer sehr intoleranten Demokratur zu leben, selbst wenn es einem prima geht. Das war bei mir schon so, seit ich politisch denken kann, und seitdem hat sich diese Haltung auch im Land breit durcghgesetzt. Die CSU von 2011 ist, verglichen mit der CSU von 1999, eine linkskommunistische Veranstaltung. Und trotzdem ist es den Leuten immer noch nicht weitgehend genug.



Der Moment, da ich mir dachte, dass es auch schlimmer sein könnte, war die Landtagswahl in Hessen 1999, die ich als ersten offen rechtsradikalen Putsch in einem Bundesland bezeichnen würde: Was da gelaufen ist, ist in der jüngeren Geschichte der Republik ohne Beispiel, und man sollte an der Stelle ruhig auch mal die aktuellen Neonaziterroristen und ihre Herzensbildung im politischen Umfeld jener Monate betrachten, da jedes Mittel recht war, Nichtinhaber deutscher Pässe auszugrenzen und zu verhetzen. Von einer angenblich demokratisch legitimierten Partei, die exakt gegen jene Integration agitierte, deren Ausbleiben seitdem bejammert wird. Ich komme ja nicht nur aus Bayern, sondern hatte bis zu diesem Zeitraum in zwei Städten mit extrem hohen Anteilen an Zuwanderern gelebt: Bei uns in Bayern geht das eigentlich recht gut. Und was da in Hessen geschah, war so, dass ich mir sagte: CSU ist schlimm, Bayern ist borniert, aber so sind wir dann auch nicht.

Die weitere, eigentlich unfassbare Geschichte des Roland Koch in einem Land, das von seiner Struktur her eigentlich kein schwarzbrauner Sumpf ist, hat dieses "das wäre bei uns nicht möglich"-Gefühl nur weiter verstärkt. "Geholfen" hat da auch die nicht weiter aufgearbeitete schwarzbraune Koaliton in Hamburg: Auch da musste man hier sagen, das hätte es bei uns nicht gegeben. Sicher, Bayern ist schlimm, aber die Erkenntnis war, dass einem das scheinbar überall passieren kann. Von der "SPD" in NRW will ich hier erst gar nicht reden. Warum Bayern für etwas verachten, was andernorts auch nicht besser ist? In Bayern gibt es wenigstens seit 20 Jahren eine Veränderung zum Besseren.



Und seit heute Abend muss ich auch sagen: Sogar unter Rot-Grün wie in Baden-Württemberg und dem Stuttgart21-Irrsinn, der da läuft, würde ich nicht leben wollen. Man hätte den Dafürstimmern sagen müssen, dass sie allein jeden Euro Mehrkosten tragen müssen, der noch kommen wird, dann wäre das Ergebnis vermutlich anders ausgegangen. Aber wie sich hier eine Mehrheit dafür einsetzt, einer Minderheit ihren Park plattzumachen...

ich sag mal: Wenn die CSU hier noch eine Startbahn in München versucht, wird das Land die Betroffenen nicht allein lassen. Man muss die Heimatduseligkeit nicht mögen. Man muss Bayern nicht mögen.

Aber das wäre bei uns so nichtmehr möglich.

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Selber machen

Es ist natürlich Zweckentfremdung, und auch gar nicht mein Ding: Aber mit victorianischen Präsentierplatten kann man feine winterliche Gestecke machen, wenn sie nur schön durchbrochen sind. In die Löcher stekt man die Zweige von Tannen und Efeu, verdreht die im Kreis, ein paar Kugeln und eine Kerze in die Mitte, und schon muss sich kein besuch mehr über die fehlende Stimmung für diese jahreszeit beschweren. Kostet nichts, sieht aber hübsch aus. Kitschig auch, aber das hier ist in den Bergen. Dort rüben liegt Österreich und es hat hier Almen, die Menschen tragen Tracht und der Münchner staut sich: Ein wenig zu viel darf hier schon sein. Wenn es denn sein muss.



Man assimiliert sich leichter an den Kitsch als an das Harte und Brutale, man nimmt das Nette leichter an als das Unfreundliche, und es ist immer noch dezent im Vergleich zu dem, was sonst so in Banken, Kanzleien und Cafes an Wettläufen stattfindet. Ich vermute aber, dass auch hier bald die Grenze zum Gehtnichtmehr erreicht ist; Flohmärkte und Läden warten mit einem Überfluss an Formen auf, der sicher nächstes Jahr umschlagen wird, in Richtung Südtiroler Bergbauernmädchentraum mit Strohsternen. Das könnte ich übrigens auch, aber ich denke, so wie es ist, ist es ein guter Kompromiss, der alle zufrieden stellt. Gäste, ihre Tradition und mich, denn danach stelle ich es wieder weg.

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Ich bin ja auch so ein Imletztenmomentsteigerer

Das ist ganz schrecklich und kommt durch Versteigerungen im Saal, da lernt man das, wobei, lernen ist zu viel gesagt: Da versaut man, und zwar übel. Da sagt man sich dann: Die 50 Euro gehst Du jetzt noch mit. Stell Dich nicht so an. Jetzt oder nie. Willst Du diesem Gipskopf dieses Portrait überlassen? Man will nicht nur das Bild. Man will siegen. Und nicht als armer Schlucker dastehen.

So denkt man, und ich kann sagen: Die Entmenschlichung über das Telefonbieten oder gar im Internet sind nachgerade Befreiungen von sinnlosem Verhalten und schlechten Angewohnheiten in dummdreisten Wettstreiten. Dennoch, realistisch betrachtet, ist auch das Verbleibende an fragwürdigem Verhalten nicht rational, wie ich es mir in der FAZ gerade erklären lassen muss.

Da trifft es sich gut, dass ich jetzt gleich wieder in die Berge fahre, weit weg von allen Versuchungen.

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